Maul hatte die Zelle gründlich inspiziert und nach Schwachstellen gesucht, die es ihm erlauben würden, aus eigener Kraft zu fliehen. Aber angesichts seiner viel zu starken Fesseln mußte er einsehen, daß alles, was in irgendeiner Weise als Fluchtweg oder –mittel brauchbar wäre, außerhalb seiner Reichweite war. Also nutzte die Zeit in seiner Zelle, Meditationsübungen zu machen, seinen Haß auf seinen alten Meister und auf Dooku zu verstärken. Gerade vor zehn Standardminuten war der uralte Schüler seines Meisters aus seiner Zelle hinausgeschritten und er hatte genügend negative Energie dagelassen, die Maul jetzt gut für seine Zwecke nutzen konnte.

Er wurde in seinen Übungen von Geräuschen vor seiner Zellentür unterbrochen, die darauf schließen ließen, daß gerade ein paar Superkampfdroiden mit Blastern erledigt wurden, kaum, daß sie ihre blechernen Stimmen erhoben hatten, um die Eindringlinge zum Ergeben aufzufordern. Die Art und die Schnelligkeit, in der dies geschah, ließen für ihn nur den Schluß zu, daß seine Death Watch vor Ort sein mußte. Genauso hatten sie es wieder und wieder auf Zanbar und später auf Mandalore selbst geübt. Dann hörte er das stakkatoartige Geräusch der Schuß-Salven von Droidekas, die zur Entsetzung ihrer nun desintegrierten Blech-Kameraden herbeigeeilt waren und die Eindringlinge geschützt aus ihren kugelrunden durchsichtigen Schutzschirmen unter Dauerbeschuß nahmen. Nach nicht einmal einer Standardminute hörte auch das auf, während er nun direkt vor seiner Tür zwei vertraute Stimmen hörte. Maul atmete auf. Er hatte seine Leute wahrlich gut trainiert.

Maul hatte sich nun, soweit es seine Fesseln zuließen, von der Nähe zur Tür zurückgezogen. Seine Erwartungen erfüllten sich auch jetzt. Nur zwei Sekunden später zerbarst die Tür in Stücken und Brocken von Transparistahl, welche nach allen Seiten hin stoben. Maul hatte seine gefesselten Hände emporgehoben, um diese herumfliegenden Trümmerteile mithilfe der Macht von seinem Körper fernzuhalten.

„Wir dachten schon, wir hätten Euch verloren, Lord Maul", begrüßten ihn Gar Saxon und Rook Kast, seine beiden getreuen Stellvertreter innerhalb der Death Watch.

Noch eine weitere Sprengung in der Außenwand der Zelle, eine Seilwerfer-Harpune, abgeschossen von Rook Kast, um an einen mandalorianischen Gauntlet-Fighter anzudocken – Maul mußte sich nur an dem Griff am anderen Ende des Seiles festhalten. Und schon flog er in die Freiheit, rechts und links von den beiden Mandalorianern flankiert, die mit ihren Jet-Packs quasi von allein durch die eisige Luft Stygeon Primes glitten. Das war ja einfach gewesen! Zu einfach!, befand Maul, während sie auf den Mond Zanbar zusteuerten, den Ort, wohin Maul und Savage bereits vor acht Monaten nach ihrer Bergung aus der desolaten Rettungskapsel von Florrum kommend von der Death Watch gebracht worden waren. Aber jetzt war Maul allein. Sidious hatte ihm im Thronsaal von Mandalore den Bruder genommen, den einzigen, der ihn verstand, der für ihn gestorben war, sich gar noch bei ihm dafür entschuldigt hatte, von Sidious' beiden Klingen durchbohrt worden zu sein – weil er nicht so war wie er - Maul. Dafür würde Sidious bezahlen. So wie für anderes auch.

Maul war am Ende. Zumindest fühlte es sich für ihn so an. Seine mandalorianischen Truppen auf dem Mond Zanbar waren von Grievous' Kampfdroiden aufgerieben und erheblich dezimiert worden. Man mußte seinen Fluchtweg verfolgt haben. Anders war das schnelle Auftauchen von Grievous und seiner Armada nicht zu erklären. Während Maul in seinem schwarz-rot gestrichenen Gauntlet-Fighter davonflog, an seiner Seite Rook Kast und Gar Saxon, sah er die von Grievous' Orbitalbombardement verursachte große Feuersbrunst, die vom eben verlassenen Schlachtfeld auf dem Mond, der seit jeher eine Basis der Death Watch gewesen war, hinter ihnen herzüngelte. Maul hatte Grievous und seine Truppen unterschätzt. Aber er konnte immerhin fliehen. Und der größte Teil der Armee seines Schattenkollektivs war noch intakt. Dieser Gedanke tröstete ihn, als er sich in seinem Privatraum im Gauntlet in Meditationshaltung niederließ und wartete.

„Mutter, ich beschwöre dich. Ich brauche deine Führung", sagte er leise.

Ein grüner Nebel kam aus seiner Brust, in der ein Loch zu sein schien. Maul verzog das Gesicht, ballte die Hände zu Fäusten, aber weder schrie er, noch weinte er dabei, als die Magie von Mutter Talzin begann, sich schmerzhaft in seinem Brustkorb zu entfalten.

„Kämpfe nicht gegen mich. Werde mein Gefäß. Sprich zu mir, mein geliebter Sohn", erwiderte Talzin, der Schmerzen ihres Lieblingssohnes gewahr werdend.

Nachdem Maul seinen Bericht geendet hatte, wiegte Talzin gedankenvoll ihr graues, rot beturbantes Haupt und sprach: „Wir müssen davon ausgehen, daß er dich fliehen ließ. Sidious wird erwarten, daß du dich zu meinem Schutz zurückziehst. Aber das werden wir nicht tun. Bündelt Eure Kraft und wappnet Euch. Unser nächster Schachzug wird entscheidend sein."

Nach diesen Worten erklärte sie ihm ihren Plan.

Jetzt hatte Dooku verstanden, wieso ihn sein Meister wegen Mauls zweimaliger Flucht nicht ausgeschimpft und bestraft hatte. Sidious hatte das alles so geplant, um Mutter Talzin hervorzulocken. Zufrieden und zuversichtlich sah er nun vom Bullauge seines Kommandoschiffes aus, wie die Kampfdroiden immer weiter vorrückten, während die Schar von Mauls Mandalorianern, Falleenern und Pykes auf dem Schlachtfeld, in welches sich die Stadt Ord Mantell City im Verlauf einer Stunde verwandelt hatte, immer kleiner wurde. Gleich würde sich General Grievous ihn kontaktieren, um ihm die Erfüllung der Mission zu vermelden, daß seine Kampfdroiden alle Fußtruppen Mauls überwältigt und getötet hatten. Nur einer fehlte bei diesem Spektakel. Maul war immer noch flüchtig und weder er noch Grievous wussten, wo er sich versteckt hielt. Aber es war nur noch eine Frage der Zeit bis …

Mit einem Krachen wurde die Tür zu Dookus Privatraum aufgetan. Der Sith-Lord sah sich einer Horde gelber, orangener und roter Nachtbrüder gegenüber, die ihn mit ihren primitiven Waffen angriffen.

Wieso hatte Grievous nicht bemerkt, daß Eindringlinge an Bord gekommen waren? dachte Dooku ärgerlich.

Er ließ seine Augen über den bunten Haufen schweifen, während er den einen Nachtbruder mit Machtblitzen folterte, während ein anderer der roten Klinge seines Lichtschwertes mit dem elegant gebogenen silberfarbenen Griff zum Opfer fiel. Als Dooku gerade dachte, er hätte die bunte Schar schon bald besiegt, öffnete sich die Tür zu seinem Raum. Von außen. Dooku sah einen herrischen Mandalorianer angetan mit der typischen Death Watch-Rüstung und einem hornbesetzten rotbemalten Helm, einen ziemlich wichtig aussehenden Falleener mit seiner typischen Uniform der Schwarzen Sonne sowie einen Pyke mit seinem für diese Spezies charakteristischen insektoiden Gesicht. Der Mandalorianer richtete seinen Blaster auf den Sith-Lord. Jetzt begriff Dooku. Hier stand also Darth Mauls Schattenkollektiv. Schwarze Sonne – Pykes – Mandalorianer – und Nachtbrüder. Aber wie diese bahnbrechende Erkenntnis jetzt Sidious vermitteln? Mit fassungsloser, zornerfüllter Miene ließ er sich fesseln. Gehörte das auch zu seines Meisters Plan?

Dooku wußte, daß Sidious es häufig für besser hielt, seine Mitspieler nicht zu viele Einzelheiten seiner Pläne wissen zu lassen, damit diese ihren Part so überzeugend und so unbelastet wie möglich spielen konnten. Und Sidious stets die Kontrolle behielt. Aber jetzt führten ihn seine Geiselnehmer in den Kommandoraum an den Bug des Schiffes. Dort sah er einen hingekauerten gefesselten gedemütigten General Grievous. Dooku wurde von seinen Bewachern nach unten gestoßen, genau neben seinen getreuen Cyborg-General. Jetzt sah Dooku Maul neben sich und Grievous stehen, das gezogene schwarze Lichtschwert in der Hand. Dooku bemerkte, daß es merkwürdig still in der Kommandozentrale der Malevolence war. Keine Superkampfdroiden-Offiziere oder Kommando-Droiden lieferten Meldungen ab oder erwarteten Befehle. Es gab keinerlei Kommunikation mehr, die die Kommandozentrale sonst beherrscht und zumindest dem Anschein nach mit Leben erfüllt hatte. Offenbar hatte Grievous aufgrund von Mauls Überrumpelung das Droidenkontrollsignal abgeschaltet. Maul hatte Dookus gesamte Armee auf diesem Planeten deaktiviert. Sie saßen in der Falle.

Jetzt registrierte Dooku, wie das große Komlink im Kommandoraum aktiviert wurde. Nur wenige Standardsekunden später erschien der bläuliche Holo-Sidious, den Dooku so fürchtete.

„Du erinnerst dich an Mutter Talzin?", hub Maul an, seinem ehemaligen Meister zu erklären. „Sie war einst Eure Verbündete. Ihr jedoch habt sie benutzt, so wie Ihr mich benutzt habt, um uns dann beide wegzuwerfen. Genauso wie Ihr es mit diesen Beiden hier tun werdet."

Mit diesen Worten wies Maul auf seine beiden ungleichen Gefangenen unter ihm.

„Töte sie. Ich habe für keinen von ihnen mehr eine Verwendung", hörte Dooku mit Entsetzen die ruhige hämische Stimme seines Meisters.

Nein, das konnte nicht zu Sidious' Plan gehören. Das durfte es nicht! Das sagte Sidious bestimmt nur, um Maul zu täuschen, um zu bluffen!

„Ich spüre Euren inneren Aufruhr", sagte Tiplee, die rote humanoide Jedi mit den großen gefiederten Fächerohren zu Obi-Wan, als beide Jedi im Cockpit des republikanischen rot-weiß gekennzeichneten Jedi-Kreuzers standen, welcher auf dem Weg nach Ord Mantell war.

„Meine letzte Begegnung mit Maul verlief in der Tat nicht so erfolgreich", entgegnete Obi-Wan melancholisch.

„Er ermordete die Herzogin Satine. Jemanden, der Euch sehr am Herzen lag. Ich weiß wie Ihr Euch jetzt fühlt", sagte Tiplee, aus eigener Erfahrung sprechend.

„Und mir tut es leid um Eure Schwester. Es muß schmerzlich für Euch sein, daß im Gegensatz zu meiner Angelegenheit mit Maul, Ihr dem Klonsoldaten, der Master Tiplar hinterrücks mit seinem Blaster erschossen hat, keinerlei Vorwürfe machen könnt. Nicht, nachdem die beiden Hausärzte des Obersten Kanzlers eine Viruserkrankung im dessen Hirn festgestellt hatten. Tiplars Tod erscheint so sinnlos", lenkte der rothaarige Jedi-Meister die Aufmerksamkeit von seiner Person auf die rotgesichtige Tiplee selbst.

„Das ist wahr, Meister Kenobi", pflichtete ihm diese bei. „Das seltsame an der Geschichte ist, daß der Tod dieses Klonsoldaten in mir eine ähnliche Trauer ausgelöst hat wie der von Tiplar. Ich frage mich immer: Warum ausgerechnet meine Schwester? Und warum ist ausgerechnet Tup an dem Virus erkrankt und sonst kein anderer Klon? Ich habe das Gefühl, daß wir nicht alles wissen, was wir wissen sollten", meinte sie gedankenverloren.

„Dieses Gefühl habe ich allerdings auch, vor allem, seit die Separatisten versucht haben, Tups Leichnam zu klauen. Das war unheimlich. Als wäre dies der Anfang einer erneuten Verschwörung der Separatisten", spann Obi-Wan ihre düsteren Gedanken weiter. „Aber dies hier ist eine Chance für uns beide, Licht ins Dunkel zu bringen und gleichzeitig mit der Trauer fertigzuwerden. Und ich habe meine Emotionen unter Kontrolle, Meister Tiplee. Ich werde auf dieser Mission nicht versagen", erklärte er mit fester Stimme.

Dooku ignorierte geflissentlich Grievous' Flüche. Sowie seine Drohungen, Dooku sein rotes Lichtschwert wegzunehmen, sollte er wieder in Freiheit kommen. Aber vorerst wurde der Fast-Droide von Mauls Mandalorianern in eine Zelle gebracht, während er, Dooku, von Maul als eine Art Verbündeter hofiert wurde.

„Glaubt Ihr wirklich, daß es in der Galaxis irgendeine Macht gäbe, die gegen meinen Meister ankäme?", zierte er sich vor der neuen Allianz, die ihm Maul gerade angeboten hatte.

„Die Dinge ändern sich", erwiderte Maul lakonisch, während aus seiner Brust der grüne Nebel kam, Mutter Talzin ankündigend.

„Das letzte Mal, als ich sie getroffen habe, wollte sie mich töten", sagte Dooku skeptisch.

„Ihr habt nur getan, was Euer Meister Euch befahl", begann Talzin, ihrem Erzfeind genauer zu erklären, warum eine Allianz mit Maul für Dooku unabdingbar war. „Sidious täuscht Euch, so wie er einst mich getäuscht hatte. Er versucht bereits, Euch zu ersetzen."

Dooku sah sie ob ihrer Worte erschrocken an. Woher wußte die alte Hexe das schon wieder? Hatte Sidious deshalb gerade eben über Komlink seinen möglichen Tod derart nonchalant in Kauf genommen? Nein, es konnte sich nur um eine List dieser durchtriebenen Hexe handeln. Er hatte Sidious lang genug treu gedient. Sidious mußte das honorieren.

„Vor langer Zeit kam Sidious nach Dathomir", begann Talzin zu erklären. „Wir tauschten Geheimwissen aus, mischten die Fähigkeiten der Dunklen Seite mit der Magie der Nachtschwestern. Er versprach mir, mich zu seiner Rechten Hand zu machen. Stattdessen stahl er mir, was mir am liebsten war: Mein eigen Fleisch und Blut. Meinen Sohn!"

„Maul, Euer Sohn?", sagte Dooku, nur wirklich überrascht.

Das hatte ihm Sidious vor fünf Tagen anders erzählt. Aber er kam nicht umhin, zu erkennen, daß man in die elegante Formulierung seines Meisters ‚kam zu mir als nicht sonderlich willkommenes Geschenk', eine Menge hineininterpretieren konnte. Auch eine Entführung. Er entschied sich, jetzt passiv zu sein und an Informationen und Interna aus dem Leben der Nachtschwestern und Nachtbrüder mitzunehmen, was er konnte.

„Ja Count. Als Sidious erkannte, welches Potential in Maul steckte, da nahm er ihn mit sich und bildete ihn zum Sith aus", erzählte Mutter Talzin weiter. „Als er nicht länger nützlich war, ließ er ihn allein zum Sterben zurück. Schaut ihn an! Schaut auf meinen Sohn und seht Eure eigene Zukunft! Schließt Euch uns an. Zusammen können wir Sidious zerstören und die Galaxis beherrschen – oder aber Ihr beschließt, allein hier zu sterben."

Dooku antwortete nicht gleich. Verlegen spielte er an seinem Komlink herum. So schien es Maul und Talzin jedenfalls.

General Grievous spürte, wie sich plötzlich seine Fesseln lösten. Das war das Signal, welches er mit Dooku vereinbart hatte. Er sprang sofort auf, während die Fesseln klirrend und nutzlos zu Boden fielen. Rabiat stemmte er die Tür seiner Zelle auf, schlitzte die beiden Mandalorianer, die davor Wache hielten, mit den scharfen Metallklauen seiner vier künstlichen Hände auf, sie dem baldigen Tod durch Verbluten überlassend. Dann strebte er eilig zu einer nahegelegenen Rettungskapsel, um schon bald wieder zu Sidious zu stoßen, der in Mauls ehemaligem Raumschiff, der Scimitar, bereits auf den Durastahl-General wartete.

Währenddessen kam Rook Kast in die Kommandozentrale von Mauls Schiff geeilt.

„Wir haben zwei Jedi in Hangar Drei ausgemacht!", vermeldete die Mandalorianerin ihrem Boss.

Dooku wußte, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen war, Maul eine Antwort zu geben.

„Dann laßt uns gehen und ein paar Jedi töten", war Dookus Einverständnis in die neue Allianz.

Ein paar tote Jedi würden sowohl seinen jetzigen Partner als auch seinen Meister erfreuen, ohne einen der beiden zu verprellen. Ruhig und gefaßt nahm er sein Lichtschwert aus Mauls Händen entgegen.

„Laßt uns weiter vorrücken. Wir müssen die Kommandozentrale erreichen", wies Obi-Wan die Klone und Meisterin Tiplee an, ihm zu folgen.

„Wäre es nicht besser, uns zu Euch kommen zu lassen?", hörte er nun Dookus raue Stimme.

„Dooku?", entfuhr es ihm, dann sah er Maul an der Seite des alten Sith stehen, seine schwarze Klinge aktiviert.

Wie konnte das sein? Meister Windu hatte ihnen doch noch am gestrigen Tag auf Coruscant erklärt, daß der Geheimdienst des Kanzlers herausgefunden hätte, daß sich Dooku und Darth Maul auf Ord Mantell einen erbitterten Kampf geliefert hätten. Meister Yoda war außerordentlich erfreut über diese Informationen des Obersten Kanzlers gewesen. Palpatine hatte den Jedi gar angeboten, ihnen alle Mittel zur Verfügung zu stellen, die diese benötigten, um sich in die Kämpfe einzumischen und, wenn möglich, beide Sith-Lords gefangenzunehmen. So zumindest hatte es ihnen Mace Windu jedenfalls mitgeteilt.

„Ihr arbeitet zusammen?", fragte Obi-Wan scheinbar amüsiert.

„Natürlich, nur unser gemeinsamer Haß auf Euch hat das vollbracht", erwiderte Maul nicht weniger vergnügt.

Der Jedi-Meister bezweifelte das. Maul konnte unmöglich wissen, daß er hierher beordert worden war. Blieb nur die Frage, wie lange die Beiden schon Meister und Schüler waren. Und warum sie gerade noch vorhin gegeneinander gekämpft hatten. Angeblich! Irgendjemand täuschte hier jemanden gewaltig.

Obi-Wan war damit beschäftigt, mit seiner blauen Klinge im Verbund mit der ebenso blauen Klinge seiner Partnerin Tiplee die ebenfalls blauen Machtblitze abzufangen, die Dooku auf die beiden Jedi entfesselte. Aber er fühlte und sah nun auch die Verstärkung nahen, was ihm Hoffnung gab. Nicht nur ihm.

„Endlich ein ordentlicher Kampf!", hörte er Maul neben sich anerkennend feststellen, während er aus den Augenwinkeln mitbekam, wie Aayla Secura zu Boden ging, nachdem Mauls künstlicher Metallfuß die blaue Twi'lek am Kopf erwischt hatte, während sich sein Erzfeind nun mit Mace Windu duellierte. Obi-Wan war sich nicht sicher, ob der gestandene Jedi-Meister Maul besiegen könnte. Noch viel weniger sicher war er, was seine Partnerin Tiplee anbelangte. Zuerst nahm er erleichtert war, daß Dooku vom Machtgeblitze offenbar müde geworden war und es eingestellt hatte. Dann sah er, wie die rothäutige Jedi auf Dooku zueilte. Nicht daß Dooku Tiplee irgendeinen Mangel an Deckung geboten hätte, der einen derart ungestümen geradlinigen Vorstoß der Jedi-Meisterin gerechtfertigt hätte! Tiplee erschien Obi-Wan getrieben von einer unerklärlichen Macht, die, wie er viel zu spät realisierte, aus einer schlenkerigen Drehbewegung der linken Hand Dookus generiert wurde. Und schon hatte Dookus rote Klinge die Jedi-Meisterin durchbohrt.

Tränen standen in Obi-Wans Gesicht, als eine gewaltige Detonation den Hangar erschütterte. Als er wieder zu sich kam, sah er, wie sich Aayla Secura und Mace Windu wieder benommen erhoben. Tiplee hingegen blieb lieben. Obi-Wan eilte auf sie zu, nahm sie in die Arme. Sie war nun ihrer toten Schwester nachgefolgt.

„Sie hauen zum Gauntlet ab. Laßt sie nicht entkommen!", rief er seinen Leuten zu.

Dann schloß er die geöffneten starren Augen Tiplees.

„Keine Sorge, Kenobi! Wir werden uns bald genug wiedersehen", hörte er Mauls vergnügte Stimme, welche einen leicht bedrohlichen Unterton hatte.

Und dann war Maul auf einmal weg. Und Dooku ebenso.

„Was ist gerade passiert?", hörte er nun Mace Windu fragen, der sich den noch von der Wucht der Explosion brummenden kahlen Kopf rieb.

„General", hörte er Commander Codys Stimme. „Der Kanzler würde gerne mit Euch sprechen."

Erleichtert stellte Obi-Wan fest, daß diese Aufforderung Mace Windu galt. Das letzte, was er jetzt wollte, war, mit einem Kanzler namens Palpatine zu sprechen, der ihn mit jovialen Betroffenheitsbekundungen und kommenden Siegen zu trösten versuchen würde. Er fragte sich, wieso der Kanzler auf die Minute genau wissen konnte, daß der Kampf vorbei war. Soviel er mitbekommen hatte, hatte niemand im Hangar auch nur den Hauch einer Muße gehabt, in dieser brenzligen Situation ein Komlink zu bemühen. Was wußte dieser Kanzler wohl noch durch seine Geheimdienste?

Und warum hatte Maul diesmal nicht mit ihm kämpfen gewollt, sondern stattdessen seine Mandalorianer auf ihn gehetzt? Hatte ihm Satines Tod als Rache bereits gereicht? Obi-Wan hatte wieder das Gefühl gehabt, daß Maul ihn in seinem Hangar auf dem Asteroiden wie einen guten alten Bekannten begrüßt und verabschiedet hatte. Als wäre da eine Bindung, die über blanken Haß und Abneigung hinausging. Obi-Wan vermutete, daß ihm sein Wunschdenken jetzt wieder einmal einen Streich spielte. Könnte es nicht vielmehr sein, daß Maul es jetzt vorzog, Dooku die Drecksarbeit erledigen zu lassen, die zu töten, die ihm nahestanden, für die er sich verantwortlich fühlte – wieder und wieder – ihn auf diese Weise endlos leiden zu lassen, so wie er es ihm auf Mandalore angedroht hatte? Aber dann wäre Maul ja der Meister, nicht der Schüler. Und das konnte nicht sein, so jung wie Maul war, so alt und mächtig wie Dooku war. War Dooku noch mächtig?


Dieses Kapitel enthält ganz viele Begebenheiten und Zitate aus dem Comic „Sohn Dathomirs (Son of Dathomir)", welcher 2014 auf Englisch, 2015 auf Deutsch erschien, weil Disney die eigentlich geplanten vier Clone-Wars-Folgen über diesen Teil von Darth Mauls Schicksal einfach so gecancelt hat. Außerdem wird eine Begebenheit aus dem ersten Arc der sechsten Staffel der Clone Wars (Episoden "Zustand unbekannt" bis "Befehle" erwähnt, infolge welcher Jedi-Meisterin Tiplar ums Leben kam.