Date: 8. Dezember

Author: Maxine

Category: Short Story

Characters/Pairings: Helga/Salazar (angedeutet)

Genre: Drama/Romance

Rating: PG

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Wenn der Schnee fällt

Der Blick in den Spiegel fällt mir schwer, denn es erschreckt mich jedes Mal aufs Neue, was ich dort sehe. Was ist nur aus der hübschen Helga von einst geworden? Die ehemals weizenblonden Haare sind schon lange schlohweiß. Tiefe Furchen haben sich in meine Haut eingegraben, stumme Zeugen eines langen und sorgenreichen Lebens. Nichts erinnert mehr an die junge, lebenslustige Frau von damals. Selbst der Glanz, der sonst immer in diesen grauen Augen lag, ist einer milchigen Trübe und einer merkwürdigen Müdigkeit gewichen.

Solange man jung ist, verschwendet man keine Gedanken an das Alter. Doch es holt einen irgendwann ein. Langsam und schleichend. Man kann es nicht aufhalten. Man kann nichts dagegen tun. Und irgendwann erkennt man sich selbst im Spiegel nicht mehr wieder. Dann sieht man nur noch eine vertrocknete, runzelige Hülle, die nicht zu einem zu gehören scheint.

Die Zeit vergeht schnell, besonders dann, wenn man glücklich ist. Meist muss es erst Weihnachten werden, damit man merkt, dass wieder ein Jahr vergangen ist. Der Schnee schwebt langsam und bedächtig zur Erde. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich ihn in meinem Leben habe fallen sehen. Doch jedes Mal ziehen die glitzernden Flocken mich wieder in ihren Bann, genauso wie früher, als ich noch ein Kind gewesen bin.

Manchmal im Laufe der Jahre habe ich mir gewünscht, dass du zu mir zurück kehrst, Salazar. Immer wenn ich die Augen schließe, kommt es mir so vor, als hättest du mich erst gestern zum letzten Mal berührt. In meiner Phantasie bist du immer noch so jung und gut aussehend wie damals, als du im Zorn Abschied von Hogwarts genommen hast. Doch ich weiß, es ist nichts weiter als eine Illusion, durch die ich mich nur zu gerne blenden lasse. Wahrscheinlich lebst du schon längst nicht mehr.

Und selbst wenn du noch am Leben wärst, wäre ich mir nicht sicher, ob ich wollen würde, dass du mich so siehst. Bin ich doch nur noch ein Schatten des blühenden Mädchens, das du einst kennen gelernt hast. Mir ist es lieber, du behältst mich so in Erinnerung, wie ich damals gewesen bin. Mir ist es lieber, wenn du nicht weißt, dass aus deiner kleinen Helga eine alte Frau geworden ist.

Die Tür geht auf. Das leise Knarren verscheucht deine längst verhallten, zärtlichen Worte aus meinen Gedanken. Im Türrahmen steht Godric. Aus seinen eingefallenen Gesichtszügen spricht immer noch eine gewisse Sanftheit. Seinem aufmerksamen Blick bleibt nichts verborgen. „Es ist nicht gut, über alte Geschichten nachzugrübeln, Helga", sagt er leise mit seiner vom Alter brüchigen Stimme. „Komm runter und feiere mit uns Weihnachten. Das Festessen beginnt gleich."

Ein letzter, wehmütiger Blick in den Spiegel. Dann nicke ich, erhebe mich schwerfällig und folge Godric langsam in die Große Halle, in der Hoffnung, für ein paar Stunden zu vergessen, dass die Helga von einst nur noch in meiner Erinnerung existiert.