Frohe Weihnachten euch allen! Lange hat's gedauert, es ist unglaublich, wie schnöde Arbeit die Kreativität killen kann. Aber jetzt habe ich Urlaub und meine Muse ist zurück! Und mit ihr ein neues Kapitel "Blut auf dem Mond". Und mit dem nächsten und letzten Kapitel von "Mondlicht" bin ich auch gut voran gekommen und hoffe, ich kann es noch diesesJahr oder spätestens Anfang Januar veröffentlichen.
So, euch allen nun aber ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und viel Spaß beim Lesen!
Blut auf dem Mond
Kapitel 8
Reglos lag Marvolo im Bett und betrachtete die schlafende Gestalt neben sich. Er hatte den ganzen Tag kein Auge zu gemacht, zu sehr fesselte ihn der Anblick.
Harry sah im Schlaf aus wie ein Engel. Unschuldig und von einem tiefen Frieden erfüllt, der Marvolo fremd war. Dichte, schwarze Wimpern ruhten sanft auf seinen porzellanfarbenen Wangen. Seine Lippen waren leicht geöffnet. Seine süßen, roten Lippen, die einzig und allein dafür geschaffen schienen, geküsst zu werden.
Sein warmer Atem ging ruhig und gleichmäßig. Die Decke, unter der er sich zusammengerollt hatte, schmiegte sich an seinen schlanken Körper und zeichnete die Konturen liebevoll nach. Und seine Hand umschloss die von Marvolo auch noch im Schlaf.
Dieser Junge war unglaublich. Ein kleines Wunder. Marvolo konnte nicht aufhören, ihn anzusehen und sich zu fragen, wie er je daran hatte denken konnte, dieses wundervolle Geschöpf zu töten.
Er spürte immer noch Harrys süßes Blut in sich singen. Nie hatte er geglaubt, dass Blut so unbegreiflich schmecken zu können. Kaum dass der erste Tropfen seine Zunge berührt hatte, war ein Kribbeln wie Elektrizität über seine Haut geflossen, das er immer noch spürte. Für einige Augenblicke hatte er gedacht, dass er niemals rechtzeitig aufhören könnte. Dass er alles trinken würde.
Und dann hatte er Harrys gespürt. Seinen erhitzten Körper, der sich erregt gegen ihn drängte. Das absolute Vertrauen, das in dieser Geste der Hingabe lag. Und plötzlich war es ganz leicht gewesen und er verstand selbst nicht warum.
Das Blut hatte ihn auf eine Weise gesättigt und gestärkt, die er noch nie zuvor erlebt hatte. Allerdings hatte er noch nie zuvor Blut getrunken, das so rein und unverfälscht geschmeckt hatte. Mit Harrys Blut in den Andern fühlte er sich unverwundbar und er spürte die Magie in sich stärker als je zuvor.
Vielleicht lag es daran, dass Harry kein gewöhnlicher Mensch war, sondern halb Vampir und halb Naturgeist. Daran, dass er selbst auch ein magisches Wesen war. Vielleicht hatte sein Blut deshalb so eine außergewöhnliche Wirkung auf den Vampirfürsten.
Harrys seufzte leise im Schlaf und drehte sich auf die andere Seite ohne aufzuwachen. Die Decke rutschte dabei etwas herunter und gab seine Schulter und einen Teil des Rückens frei. Marvolos Blick glitt über die freigelegte Haut hinunter zu dem Ansatz der weißen Narben auf Harrys Rücken, die zum großen Teil von der Decke verdeckt wurden. Das Einzige, was die Perfektion seines Körpers störte.
Die drei langen, schmalen Narben waren von dem Angriff seines Onkels zurückgeblieben, obwohl die Wunden umfassend versorgt worden waren und er würde sie sein restliches Leben tragen.
Heiße, brodelnde Wut stieg in Marvolo auf. Ein einfacher Mensch, nicht besser als das stinkende Vieh, das er aß, hatte es gewagt, seinen Harry zu zeichnen. Ihn zu verletzen und ihm ein Mal aufzuzwingen, das den Jungen ewig an ihn erinnern würde.
Das war nicht mehr zu ändern, aber es durfte nicht ungesühnt bleiben. Er hatte es zu lange hinausgezögert. Hatte sich zu sehr von Harry ablenken lassen. Es wurde Zeit, dass seine sogenannten Verwandten erfuhren, was Schmerz bedeutete. Wie lange man leiden konnte, ohne zu sterben. Was andauerndes Leid für eine Qual sein sollte. Dass es keinen Unterschied machte, ob Grausamkeit auf psychischer oder physischer Ebene erfolgte.
Ein Knirschen lenkte den Vampirfürsten von seinen Gedanken ab und eine Sekunde später merkte er, dass es seine eigenen Zähne waren. Mit einem Grollen entspannte er seine Kiefermuskulatur und stand lautlos auf.
Das schwache, rötlich-goldene Licht, das durch die Vorhänge fiel, verriet ihm, dass die Sonne beinahe untergegangen war. Gerade noch genug Zeit, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen und mit Einbruch der Nacht im Dorf zu sein. Für drei Menschen würde das eine sehr, sehr lange Nacht werden.
ooOoOoo
Schläfrig räkelte sich Harry in dem großen Bett, streckte sich, bis er einen Wirbel knacken hörte und sank dann zurück in das Kissen. Nach einem Moment der Stille schlug er langsam die Augen auf und blickte sich um.
Die Vorhänge des Bettes waren zugezogen, doch jemand hatte bereits die Kerzenleuchter im Zimmer entzündet. Harry konnte ihr Licht schwach durch eine Spalte im Vorhang durchschimmern sehen.
Die andere Seite des Bettes war leer. Harry strich mit einer Hand über die unordentlichen Laken und bemerkte, dass die Stelle, an der Marvolo noch gelegen hatte, als er eingeschlafen war, kalt war. Der Vampirfürst war also schon eine ganze Weile fort. War er sofort gegangen, nachdem Harry eingeschlafen war?
Nein, daran glaubt der Junge nicht. Das Gefühl der Sicherheit in Marvolos Nähe hatte ihn durch seine Träume begleitet. Vielleicht hatte er einfach so lange geschlafen, dass der Andere bereits aufgestanden war?
Harry strampelte sich aus der Decke frei, die sich um seine Beine geschlungen hatte und schlüpfte durch den Vorhang. Kaum stand er im Licht der Kerzen fiel ihm auf, dass er tatsächlich völlig allein im Zimmer war… und noch dazu völlig unbekleidet.
Die Sachen, die er gestern Abend getragen hatte, waren auch nach gründlicher Suche nicht aufzufinden, dafür entdeckte er auf einem Sessel der Sitzecke einen Stapel Sachen, die anscheinend irgendjemand für ihn zurecht gelegt hatte.
Nachdem er sich angezogen hatte, warf Harry einen Blick in die Bibliothek, aber auch hier kein Marvolo. Verwirrt zögerte Harry. War Marvolo auf der Jagd? Nachdem er gestern erst von ihm getrunken hatte?
Oder war er vielleicht irgendwo im Schloss? Schließlich lebten hier noch mehr Vampire und Marvolo konnte ja nun wirklich nicht seine gesamte Zeit mit Harry verbringen. Obwohl der Junge natürlich nichts dagegen hätte.
Er beschloss, erst einmal zu warten. Er holte das Buch, das er für Snapes Unterricht lesen sollte, aus seinem Zimmer und machte es sich auf der Couch in der Bibliothek gemütlich. Sein Lesetempo war immer noch langsam, deshalb konnte er anhand der Seiten, die er geschafft hatte, abschätzen, dass bereits einige Stunden vergangen waren, als er das Buch schließlich beiseitelegte. Doch Marvolo war immer noch nicht zurückgekehrt.
Harry rieb sich die müden Augen und erhob sich, um seine müden Glieder zu strecken.
Fing das schon wieder an? Dass Marvolo ihm aus dem Weg ging? Er hatte gedacht, das zugrunde liegende Problem hätten sie beseitigt. Das konnte es also nicht sein.
Unruhig ging Harry in der Bibliothek auf und ab, als ihm plötzlich klar wurde, warum Marvolos Gegenwart ihm so fehlte. Es waren nicht nur seine Gefühle für den Vampirfürsten. Es lag auch daran, dass sich sein ganzes Leben nur um Marvolo drehte. Sonst hatte er nichts, das von Bedeutung war. Er hatte niemanden sonst, der ihm wichtig war- keine Freunde, keine Familie. Er hatte keine Hobbies, nichts, das er in seiner Freizeit gerne tat, außer sie mit Marvolo zusammen zu verbringen.
Nichts, dass das etwas Schlechtes wäre, aber es gab keinen Teil seines Lebens, der nur ihm alleine gehörte. Er war nicht nur völlig auf Marvolo fixiert, er war von ihm abhängig. Konnte das auf Dauer gut gehen?
Aufgewühlt verließ Harry die Bibliothek, um sich auf die Suche nach Marvolo zu begeben. Er wollte nicht über diese Dinge nachdenken und der Vampirfürst würde ihm mit Sicherheit helfen, sich abzulenken.
Doch das Schloss war riesig und der Junge wusste gar nicht recht, wo er anfangen sollte, zu suchen. Er konnte ja schlecht wahllos Türen aufreißen. Er wusste ja nicht, was dahinter lag- wollte es vielleicht auch gar nicht wissen. Also blieb ihm im Prinzip nur, durch die Gänge zu streifen und zu hoffen, Marvolo zufällig zu treffen oder seine Stimme zu hören.
Kein sehr erfolgversprechendes Konzept, wie Harry wenig später feststellen musste. Er hatte die Ausmaße des Schlosses weit unterschätzt und wusste bald schon nicht mehr wo er war. Er hatte versucht, sich an die breiteren, besser beleuchteten Hauptgänge zu halten, doch irgendwie sahen sie alle gleich aus. Seine Füße wurden allmählich müde, obwohl er sicher war, keinen Gang zwei Mal gegangen zu sein und die zahlreichen Nebengänge nicht einmal ansatzweise erkundet hatte.
Dann hörte er plötzlich leise Stimmen und strebte hoffnungsvoll auf die Tür zu, unter deren Spalt Licht auf den Gang hinaus schien. Doch er zögerte vor dem Eintreten und konnte sich selbst nicht erklären warum. Er hatte einfach das Gefühl, dass er lieber nicht stören sollte. Und obwohl er wusste, dass Lauschen unhöflich war, legte er das Ohr an die Tür und horchte, ob er Marvolos Stimme vernahm.
Die Stimmen kannte er tatsächlich, aber es war nicht die dabei, die er hören wollte.
„Das ist Wahnsinn, Lucius", sagte Bellatrix Lestrange missbilligend. „Denk doch selbst mal nach. Wer bekommt den Zorn seiner Lordschaft ab, wenn sein Lieblingsspielzeug kaputt geht? Wir."
Lucius Malfoy schnaubte abfällig. „Dass ausgerechnet du den Moralapostel spielst, Bella. Dich muss es doch besonders wurmen. Schließlich warst du sein Liebling und nun schaut er dich überhaupt nicht mehr an. Erzähl mir nicht, dass du nicht schon selbst daran gedacht hast, das Problem zu beseitigen."
Bellatrix lachte. Ein hartes, kaltes Lachen ohne jeden Humor, das Harry einen kalten Schauer über den Rücken jagte. „Doch, habe ich. Aber wozu die Mühe? Der Junge ist nur ein Mensch. Sein Aussehen ist sehr vergänglich. Ich kann warten. Ein paar Wochen oder ein paar Jahre, was macht das für einen Unterschied, wenn man die Ewigkeit hat? Lord Voldemort wird schon bald das Interesse an ihm verlieren und sich seiner entledigen. Es wäre nicht das erste Mal. Und dann wird er seinen Blick wieder denen zuwenden, die bis in alle Ewigkeit treu zu ihm stehen werden. Dieser Junge ist keine Gefahr für uns Lucius."
Harry taumelte zurück und wünschte sich, nicht gelauscht zu haben. Leise trat er den Rückzug an und taumelte verstört durch die Gänge, versuchte zu begreifen, was er gehört hatte.
Lucius Malfoy sah ihn als einen gefährlichen Konkurrenten um Marvolos Aufmerksamkeit und wollte ihn aus dem Weg räumen. Bellatrix hatte sich dagegen ausgesprochen, aber nicht etwa, weil es Unrecht war, jemanden zu töten, sondern weil sie die Mühe und den Zorn ihres Herrn scheute.
Sie war überzeugt, dass Marvolo ohnehin bald das Interesse an seinem momentanen „Lieblingsspielzeug" verlieren würde. Lieblingsspielzeug… das Wort hallte in seinem Kopf wieder. War er damit gemeint? Spielzeug? Wollte Bellatrix andeuten, dass es Marvolo keinesfalls ernst mit ihm war? Dass er sich aus einer Laune heraus mit ihm abgab- solange, bis der Reiz des Neuen verflogen war?
‚Nein ', dachte Harry. Das konnte nicht wahr sein. Marvolo hatte ihn stets mit so viel Umsicht behandelt. Hatte ihm seine Wünsche erfüllt, bevor er sie überhaupt ausgesprochen hatte. Hatte ihm Sicherheit, Geborgenheit und Wärme gegeben. Hatte ihm gezeigt, dass Leben so viel mehr als Arbeit, Gehorsam und Angst vor der nächsten Tracht Prügel sein konnte. Hatte stets darauf geachtet, ihn nicht zu verletzen.
Das konnte doch nicht alles aus einer Laune heraus geschehen sein. Das konnte kein Spiel sein.
Andererseits...
„Es wäre nicht das erste Mal", hatte Bellatrix gesagt.
Harry huschte in einen kleinen, dunklen Nebengang und ließ sich dort an der Wand hinab rutschen. Die Arme stützte er auf die angezogenen Knie und vergrub das Gesicht in den Händen, um nachzudenken.
Vielleicht war er doch nicht so besonders, wie er gedacht hatte. Marvolo hatte ihm stets dieses Gefühl vermittelt, aber was wenn sein Interesse wirklich nur eine Laune war? Bellatrix hatte so etwas offensichtlich schon erlebt.
Natürlich wusste Harry, dass es dumm war, solchem Geschwätz blind zu glauben und nicht mit demjenigen zu reden, den es betraf. Aber Bellatrix' Worte hatten Zweifel geweckt.
Wieso tat Marvolo all das für ihn? Was hatte der Vampirfürst davon? Obwohl er immer gut zu Harry war, so war doch alles andere als selbstlos. Und Harry hatte nichts, was er seinerseits geben konnte, nur sein Blut. Und das war vielleicht nicht einmal besonders gut, wenn Marvolo heute schon wieder auf die Jagd gehen musste. Wieso sollte Marvolo also nicht irgendwann die Lust daran verlieren, ihn mit durchzufüttern?
Wie sollte er damit umgehen, wenn dieser Tag kam? Marvolo war ein so wichtiger Teil seines Lebens, dass er sich nicht vorstellen konnte, ohne ihn zu sein. Er hatte nur ihn. Es gab nichts Wichtigeres als Marvolo. Doch, war das alles vielleicht einseitig?
Der Gedanke daran ließ einen unbekannten Schmerz in Harrys Brust aufflammen. Sein ganzes Herz schien sich zusammenzuziehen, einige Sekunden ganz still zu stehen und danach nur widerwillig und unter großen Qualen weiterzuschlagen.
Verwirrt rappelte er sich auf und stütze sich kurz mit der Hand an der Wand ab, um seine zitternden Knie wieder unter Kontrolle zu bekommen, bevor er versuchen wollte, den Weg zurück in seine Gemächer zu finden.
Doch er kam nicht mehr dazu, denn die Wand unter seiner Hand gab nach und mit einem kleinen Aufschrei purzelte er durch den Durchgang in den Raum dahinter.
Das geschäftige Geklapper und Getrappel hinter ihm verstummte schlagartig und Harry dreht sich zögernd um, bevor er erstarrte. Hinter dem Geheimgang befand sich nicht etwa eine Schatzkammern, sondern- eigentlich recht unspektakulär- eine Küche. Eine große, gut ausgestattete Küche , auf deren Herden viele Töpfe vor sich hin brodelten und in deren Spülbecken sich das Geschirr türmte.
Ungewöhnlich war allerdings die Größe der Geräte. Sie schienen für Kinder gebaut und wenn er sich die Wesen ansah, die hier unten kochten, wunderte ihn das nicht mehr. Sie waren wirklich nicht größer als Kleinkinder, hatten seltsam geformte Schnauzen und lange Fledermausohren. Sie alle waren zur Bewegungslosigkeit erstarrt und schauten ihn aus ihren großen Tennisballaugen an.
Schließlich trippelte eines der Wesen näher, wischte sich die Hände nervös an dem schmutzigen, alten Kissenbezug ab, der anscheinend ihre Arbeitskleidung war, und piepste dann: „Harry Potter, Sir. Was können wir für Euch tun?"
Harry fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er mit seinem Namen angesprochen: „Was… woher?", stotterte er, nicht minder erschrocken, über das, was er sah, als die kleinen Wesen ihm gegenüber. „Was bist du?" Er wusste, dass die Frage furchtbar unhöflich war, aber er war nicht gefasst genug, um sie anders zu formulieren.
„Flincky ist ein Hauself, Sir. Wir alle sind Hauselfen. Flincky wird Harry Potter gerne behilflich sein, Sir. Habt Ihr Hunger?"
Als wäre das das Stichwort gewesen kamen zwei weitere Wesen näher getrippelt, die über ihren Köpfen ein überdimensionales Silbertablett balancierten, auf dem Brot, Wurst und Käse lagen. Zu überrumpelt, um abzulehnen, nahm sich Harry ein Stück Brot, biss aber nicht davon ab.
„Hauselfen?", wiederholte er noch einmal. „Was… ich meine, was macht ihr hier? Nur Kochen? Ich dachte Vampire müssen nichts essen."
„Müssen sie auch nicht, Harry Potter Sir, aber einem guten Essen sind sie trotzdem niemals abgeneigt." Diese Tatsache schien Flincky mit beträchtlichem Stolz zu erfüllen. „Aber wir kümmern uns auch um alles andere. Das Schloss muss sauber und erleuchtet sein, Sachen müssen gewaschen und gebügelt werden, alles muss bereit sein, wenn die Herren und Herrinnen aufwachen. Das ist unsere Arbeit, Sir."
Plötzlich wurde Harry einiges klar. Die unsichtbaren Bediensteten, die stets sein Bett machten, die Kerzen entzündeten, die Kamine in Gang hielten und seine schmutzigen Sachen wuschen und wieder in den Schrank legten, waren Hauselfen. Für all die kleinen Dinge, die das Leben hier angenehm machten, waren diese Wesen verantwortlich.
Ehrfuchtsvoll starrte Harry die Hauselfen an, die plötzlich sehr verlegen wirkten.
„Wenn Ihr Hunger habt, könnte Ihr auch einfach nach uns rufen. Ihr müsst euch nicht extra hier herunter bemühen, Sir", sagte Flincky und beäugte ihn immer noch unruhig, als erwarte er Ärger.
„Oh ich… nein. Deswegen bin ich gar nicht hier. Ich habe mich verlaufen. Ich wollte eigentlich nur in meine Räume zurück."
Ein Aufatmen schien durch die Reihen der Hauselfen zu gehen und Harry wunderte sich über die angespannte Stimmung, die hier unten herrschte.
„Dann wird Flincky Euch den Weg zurück zeigen, wenn Harry Potter es wünscht."
Harry nickte, denn obwohl er noch viele Fragen hatte, wollte er die fleißigen Elfen nicht länger von ihrer Arbeit abhalten. In seiner Gegenwart schien sich keiner zu trauen, sich zu bewegen. Er rappelte sich auf und folgte Flincky, der zügig voran trippelte, durch viele, verwirrende Seitengänge. Doch bevor er auch nur versuchen konnte, zu erraten, wo er sich befand, stand er schon vor der Tür seines Zimmers.
„Ähm… danke", sagte er, doch Flincky war schon wieder lautlos verschwunden und Harry stand belämmert mitten im Gang. Er schüttelte den Kopf, als hätte er Wasser in die Ohren bekommen und verschwand dann in seinem Zimmer, um sich bettfertig zu machen.
Doch der Schlaf, auf den er wartete, kam nicht. Zu viele Dinge gingen ihm durch den Kopf und er konnte einfach nicht abschalten. Seine Gedanken kreisten immer wieder um Marvolo und die Hauselfen, kehrten zurück zu Marvolo und schweiften wieder kurz ab.
Frustriert setzte Harry sich auf und fuhr sich mit einer Hand durch sein rabenschwarzes Haar, das dadurch noch chaotischer wurde, als es ohnehin schon lag. Er musste sich ablenken. Abschalten und etwas tun, das ihn müde genug machte, um einzuschlafen.
Ein Blick zum Fenster, dessen Vorhänge nicht zugezogen waren, verriet ihm, dass es bereits dämmerte. Marvolo war inzwischen bestimmt zurück, wo immer er gewesen war. Vielleicht saß er ja wie immer vor dem zu Bett gehen noch in seiner Bibliothek. Wenn dem so war, konnte Harry sich vielleicht dazu gesellen. Ansonsten würde er sich einfach sein Buch holen, das er dort liegen gelassen hatte und würde noch ein wenig im Bett lesen, in der Hoffnung dass er darüber einschlief.
Er stand auf, zog sich eine Hose an und lief dann hinüber in die Bibliothek. Zu seiner Enttäuschung war der Raum verlassen. Dann war er beunruhigt. War Marvolo etwa noch nicht zurück? Die Sonne ging bereits auf.
Doch nachdem, was er heute mit angehört hatte, wollte er keinen Blick in Marvolos Schlafgemächer werfen. Wenn er bereits zurück und nicht hier war, dann hatte er sich sicher schon zur Ruhe begeben. Dass er vorher nicht zu ihm gekommen war, konnte nur bedeuten, dass seine Anwesenheit nicht erwünscht war. Hatte Bellatrix vielleicht doch recht? Verlor Marvolo allmählich das Interesse an ihm?
Bedrückt verließ Harry die Bibliothek, das Buch mit einer Hand gegen sich gedrückt. Er war schon beinahe bei seinem Zimmer angekommen, als ein Geräusch ihn den Gang hinunter blicken ließ. Eine Gestalt kam auf ihn zu. Harry erkannte Marvolo sofort, doch er tat keinen Schritt aus dem Schatten, in dem er stand, heraus und auf den Vampirfürsten zu. Zu lähmend war das Gefühl von Furcht, das ihn plötzlich überkam.
Obwohl es eine trockene Nacht gewesen war, machten die Sachen von Marvolo einen seltsam schweren Eindruck, als wären sie nass geworden. Der Ausdruck in seinem Gesicht war auf eine bedrohliche Art zufrieden und über seiner ganzen Gestalt lag die Aura von Gefahr. Er roch nach Dunkelheit und Schmerz.
Harrys Nackenhaare stellten sich auf und obwohl er wusste wie unbegründet diese Furcht war - schließlich war das immer noch Marvolo, sein Marvolo- konnte er nicht einen Muskel rühren. Weder um auf ihn zuzugehen, noch um wegzulaufen.
Doch der Vampirfürst bemerkte ihn nicht. Er verschwand umgehend in seinen Gemächern und als die schwere Holztür hinter ihm zugefallen war, merkte Harry wie ein schweres Gewicht von seiner Brust gehoben wurde und der Sauerstoff wieder frei in seine Lungen strömte.
Verstört wandte er sich um und verschwand in seinem eigenen Zimmer um zu Bett zu gehen. Was war das gewesen?
-wird fortgestezt-
