Kapitel 7
Doch mehr als mein Cousin
Ich weiß noch... in den nächsten Wochen war ich sehr einsam. Ich hörte nicht von Remus – weder schrieb er, noch sagte mir Dumbledore etwas. Ich hatte keine Ahnung wo er war und was er gerade machte. Nur, dass er nicht bei mir war und das... riss mir das Herz aus dem Leibe.
Remus fehlte mir so sehr, dass ich nicht mehr schlafen konnte, nicht mehr aß und nicht mehr lächelte. Ich dachte dauernd an ihn und diesen letzten Brief. Ob er es wirklich so meinte? War wirklich alles aus? " Du sollst wissen, ich bereue nichts. Doch mein Leben ist wahrscheinlich zu gefährlich. Ich kann dir nicht sagen, was aus uns wird, wenn ich wiederkomme."
Scheiße, Remus! Ich wusste genau, was das zu bedeuten hatte! Ich weiß nicht, was aus uns wird... wieso schlägst du mir nicht gleich ins Gesicht? Ist er gegangen, weil er Abstand braucht oder weil Dumbledore wirklich seine Hilfe brauchte? Wieso war er so feige? Er hätte sich wenigstens verabschieden können. Ich bin zwar manchmal nicht die Hellste... aber einen Laufpass erkenne ich. Verdammt.
Für Remus habe ich alles getan. Ich habe versucht, gerade zu laufen, wenn er in meiner Nähe war, ich habe versucht ihm zu gefallen und noch mehr habe ich versucht, nicht so tollpatschig zu sein. Doch irgendwas lief schief. Nun war ich schon lange ohne ihn und ihn zählte Tage und Nächte in denen ich ohne ihn war. Es bedrückte mich allein zu sein und ich war dafür nicht geschaffen, wirklich nicht. Ich wollte und konnte nicht mehr allein sein. Doch wer würde für mich da sein? Das Leben in der Ungewissheit war unerträglich. Ich wurde krank vor Sorge. Ich wollte, dass er wiederkommt, dass ich ihn in den Arm nehmen konnte und ihn beschütze, seine Wunden pflege und er in Sicherheit ist. Doch gleichzeitig fürchtete ich mich, ihn wieder zu treffen. Was würde er sagen? Wie würde es mit uns weitergehen? Ich wusste, dass Remus von Anfang an, Zweifel hatte und er eigentlich Abstand von mir wollte. Doch diese eine Nacht... was hatte sie zu bedeuten? War es nur eine einmalige Sache? Sollte ich glücklich sein, überhaupt diese Nacht erlebt zu haben? Aber Remus Lupin war kein Mann für einen One-Night-Stand. Verdammter Mist... wer war er überhaupt?
Remus kam nach Vollmond nicht wieder. Er ließ mich allein - eiskalt! Wir machten uns alle Sorgen, doch Sirius und ich am Meisten. Sein bester Freund und mein... was war er überhaupt? Ich wusste es nicht. Er war mein Herz. Meine Seele. Mein Verstand. Und meine Liebe. Und er trug all dies von mir mit sich. Sprich: Ohne ihn, war ich nicht komplett. Ein Teil von mir fehlte und es brachte mich fast um.
Im Ministerium startete ich meine Nachforschungen und ich wollte jedes Detail über Greyback und Werwölfe erfahren, doch ich fand nichts heraus. Ich verzweifelte beinahe. So schwer konnte das doch nicht sein. Und dann, geschah etwas, womit ich nicht rechnete. Als ich in den Orden zurückkehrte, hielt Sirius es in der Hand: Einen weißen Umschlag, auf dem mein Name stand. Es war Remus' Schrift und ich brach in Tränen aus.
So erleichtert wie ich war ein Lebenszeichen von ihm zu bekommen, so schockiert war ich, als ich seinen Brief las. Er war in Sicherheit und es ging ihm gut, doch zwischen uns lag alles in Scherben. Er schrieb, wie Leid es ihm tat, doch er sei zu arm, zu gefährlich und zu arm. Arm! Allerdings war das arm! Hatte er nicht den Mumm, mir das selbst zu sagen? Er sagte, dass er Abstand brauchte und deswegen erst mal nicht in den Orden und London zurückkehrte. Gerade war er irgendwo in Schottland und ich wünschte, ich wüsste es genauer, um ihn in den Arsch zu treten. Mein Leben lag in Scherben, heute mehr als sonst wann.
Eines abends, als ich allein im Bett lag, klopfte es an meiner Türe. Ich hatte mich unter meiner Bettdecke versteckt, weil ich meine Ruhe haben wollte. Ich verkroch mich in meinem Nest aus Federdecken und Kissen und hoffte, dass der jenige an meiner Türe entweder von Sirius' Mutter tot geschrieen werden würde oder dass Kreacher kommen würde um ihn den Arsch wegzubomben. Doch dann verschwand das Klopfen und derjenige trat ein.
"Ich habe eine heiße Schokolade für dich, Engelchen."
Sirius.
"Willst du sie nicht wenigstens probieren?"
Sirius war immer für mich da. Er gab mir gestern den Brief, hat mich aufgefangen, als ich zusammenbrach und erduldete meine Trauer und meine Tränen in einer demütigenden Geduld. Er hat gesagt, dass es Remus wahrscheinlich wirklich leid täte, nahm ihn in Schutz und sagte mir, dass er mich nicht einfach reinlegen wollte, doch ich sollte ihn vergessen. Einfach so. Etwas, das ich nie tun könnte. Zu vergessen.
Ein Gewicht setze sich neben mich aufs Bett und ich spürte eine Hand an meinem mausbraunen Haar. Dann zog er die Decke weg und sah mich mit einem Blick voller Mitgefühl an. "Es tut mir so leid." Tränen sammelten sich erneut in meinen Augenwinkeln und Sirius zog mich an sich, um mich zu trösten. Aber ich wollte nicht weinen... nicht schon wieder. Mein Körper verkrampfte und versteifte sich, wie so oft in der letzten Zeit. "Es tut mir so leid," wiederholte er sich, "Aber du musst bergauf schauen. Es geht dir schon seit Wochen schlecht wegen Remus. Das hätte er nicht gewollt. Tonks..."
Ein Schluchzer und mein Widerstand gegen meine Traurigkeit löste sich in Luft auf. Ich drückte mich an ihn und schluchzte und jammerte wie ein kleines Kind. Doch für Sirius war das in Ordnung. Er hatte Verständnis für mich und er war für mich da, wenn ich ihn brauchte.
Seine Hand streichelte durch mein kurzes Haar und ich spürte seine Geborgenheit. Ich wollte zu Remus, wollte in seine Arme und wollte seinen Atem an meiner Wange spüren, statt Sirius'. Doch die Sehnsucht nach ihm stürzte mich immer mehr in meine Trauer. Und ich konnte nicht mehr. Ich war noch nie in meinem Leben so verzweifelt, wirklich noch nie. Ich wusste nicht, dass Liebe so grausam sein konnte. Ich wusste es wirklich nicht. Und nun nahm sie mich richtig auseinander, als wollte sie mich fertig machen. Und ich lag am Boden.
"Tonks, ich... weiß, wie schlimm es ist. Ich weiß es."
"Du kannst es nicht wissen. Jemanden zu lieben, der nicht da ist. Allein zu sein in seinem Kummer."
Doch ich täuschte mich. Denn Sirius war allein. Nämlich 13 verfluchte Jahre. In Askaban. Und bei ihm war niemand, der ihn in den Arm nahm und tröstete.
"Ich weiß, wie das ist, wenn man allein ist und halb verzweifelt. Ich weiß, wie es ist, wenn die Menschen die man liebt, nicht da sind und ich weiß, wie schwer es ist, wenn die Menschen, die man liebt, trauern." Er sah auf sie hinab und dachte sich, wie wahr seine Worte doch waren. "Ich weiß es, Tonks. Nur zu gut."
Einen Moment herrschte Schweigen, dann streichelte er über ihr Gesicht und sprach leise mit ihr weiter. "Die Einsamkeit macht einen verrückt, ich weiß. Doch noch schlimmer ist es, wenn man nichts anderes mehr kennt. Ich habe mich so nach meiner Freiheit gesehnt, als ich im Gefängnis war. Ich habe mich so nach James und Remus gesehnt, meine besten Freunde. Und ich habe mich nach Frauen gesehnt... In den letzten Jahren konnte ich mich nicht mal mehr an den Duft von frischgewaschenen Haaren erinnern oder an das leise Seufzen von ihnen, wenn ich mit einer schlief. Ich habe das alles so vermisst und ich habe Askaban dafür gehasst, dass ich nicht mehr wusste, wie es sein konnte. Doch nun bin ich frei und ich bin immer noch gefangen. Ich vermisse die Liebe, Tonks. Ich vermisse sie auch. Doch du hast jemanden, den du lieben kannst." Tränen waren nun auch in seinen Augen und ich wusste nicht, wie schwer es wirklich für ihn war. Ich hatte von ihr Geschichten gehört. Von Sirius' letzter Freundin, die er wirklich innigst geliebt hatte. Doch, was jetzt mit ihr war... ich wusste es nicht.
Ich sah zu Sirius auf und bemerkte erst jetzt meine Hände, die sich an seine Wangen legten um seine Tränen fort zu wischen. Ich hatte nicht gewusst, dass ich das tat und erst jetzt spürte ich, dass Sirius genau dasselbe tat. Wir hielten und gegenseitig fest und versuchten uns zu trösten so gut es ging. Ich war zwar einsam, ja, aber ich war nicht die einzige und dies zu wissen, war der größte Trost, den er mir geben konnte. Sirius war immer bei mir, er war immer mein Cousin, aber er war auch ein Mann. Eine Tatsache, die ich manchmal zu vergessen schien. Nun spürte ich ihn überdeutlich und mir wurde seine Anwesenheit so bewusst, wie kaum zuvor. Ich wollte so nah wie möglich bei ihm sein. Genau wie er mir. Ich saß auf seinem Schoß und wir klammerten uns aneinander. Dann lagen unsere Lippen plötzlich aufeinander und mein Herz hörte für einen Moment auf zu schlagen-
Ich schmeckte seine Zunge mit meiner und irgendwo entsprang ein Funken, der uns den Verstand nahm. Mein Unterleib drückte sich an seinen und ich spürte sein Glied. Oh Himmel, ich wollte ihn... und es ging alles so schnell. Seine Hände fanden meinen Busen und drückten ihn sanft, während ich sein Hemd auszog. Wir zerrissen uns beinahe und ich bekam kaum Luft, als er mich in die Kissen drückte und plötzlich auf mir lag.
Ich küsste ihn so wild, dass ich Blut schmeckte und wir taten alles um unsere Einsamkeit und Sehnsüchte zu ertränken und in unserem Bewegungen zu ersticken. Ich presste meine Hüften gegen seine und seine Hände schoben sich unter meine Hose und zogen sie hinab. Es musste schnell gehen.
Dann spürte ich ihn plötzlich in mir, mein Atem verschlug, und ich dachte mir, dass die Hölle Remus Lupin holen sollte! Sirius stöhnte auf und ich schrie als er sich hart und fest in meine Tiefen presste. Wir verloren komplett die Kontrolle über uns.
Ich küsste ihn und er küsste mich, während wir uns drehten und ich mich auf ihn setze. Ich wusste nicht mehr was ich tat, doch als er mein Oberteil in die Ecke warf und meine Brust drückte und zugleich streichelte, war es mir auch egal.
Ich bewegte mich rhythmisch auf ihm und spürte seine drängende Ungeduld, ehe er mich wieder auf die Decke legte und meine Hände über meinem Kopf ins Kissen presste. Meine Beine hoben sich, legten sich um sein Becken und ich stöhnte immer wieder auf, als ich ihn so intensiv bei mir spürte. Ich wisperte seinen Namen und er erstickte meine Stimme in seinem Kuß. Es war der reinste Wahnsinn. Ich wusste nicht mehr wo oben und unten ist und ich wollte einfach nur noch genommen werden. Keinen Zweifel, keine Trauer und keine Sorge mehr in mir spüren. Dann begann mein Körper zu beben und ich hörte seinen dunklen Schrei, ehe wir uns in der absoluten Vollendung auflösten.
Als ich danach aus meiner Trance erwachte, lag Sirius erschöpft auf mir. Er spürte mein Erwachen und wollte sich schon von mir drehen, aber ich bat ihn, noch einen Moment bei mir zu bleiben. Ich wollte noch nicht allein sein. Ich streichelte über seinen verschwitzen Rücken und spürte noch leicht das dumpfe Pulsieren zwischen meinen Schenkeln. War es richtig, was wir getan hatten? Sirius seufzte leise und begann mein Gesicht zu küssen... meine Wangen, meine Stirn und meine Schläfen. "Es tut mir leid, falls ich dir wehgetan haben sollte.", flüsterte er leise, während er abschließend einen Kuß auf meine Stirn hauchte.
"Nein, das hast du nicht. Aber ich..."
Ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte. Tatsächlich nicht. Aber ich musste auch gar nichts sagen.
Als er sich dann neben sie legte, spürte sie die feuchte Spur an ihrem Oberschenkel, die er hinterlassen hatte. Es war falsch, was wir getan hatten... aber es fühlte sich gleichzeitig so richtig an. Zum ersten Mal seit Wochen hatte ich das Gefühl, wieder lebendig zu sein. Ich bekam nur mit, wie Sirius mich an sich zog und meine Gedanken in meiner Müdigkeit immer mehr verschwammen. Dann schlief ich ein.
