Kapitel 8: Die Wette

Es hatte nicht lange gedauert, da hatten sie den Slytheringemeinschaftsraum schon sicher verlassen.

„Nun' geh!", zischte Draco in die Richtung, in der er Harry vermutete.

Dieser wartete einen Moment, überlegte kurz und murmelte dann ein kaum hörbares: „Danke..."bevor er sich auf den Weg zur großen Halle machte. Bevor er die Halle ganz betrat, blickte er sich zu allen Seiten um und nahm erst dann seinen Tarnumhang ab.

Er hatte zwar das erste Mal seit langem wieder ruhig und ohne Albträume geschlafen, doch trotzdem fühlte er sich schwach und Appetit hatte er noch immer nicht.

Er schlenderte an den Ravenclaws und den Hufflepuffs, die ihm besorgte Blicke zuwarfen und schließlich an den Slytherins vorbei. Dort sah er schon von weitem Blaise sitzen, der auch zu ihm herüber sah. Doch Harry wandte den Blick ab und schritt weiter, bis er sich unelegant neben Ron auf die Bank am Gryffindortisch fallen ließ.

„Harry, verdammt...wo warst du?", zischte Ron ihm ärgerlich zu.

„Hab' die ganze Nacht nachgedacht!"

„Na, so siehst du auch aus! Iss lieber erst mal was!", forderte Hermine ihn besorgt auf und füllte Harrys Teller mit Rührei und Schinken.

„Danke, Hermine...ich hab' keinen Hunger!", nuschelte Harry und blickte auf das vor sich liegende Essen, was ihn aus irgendeinem Grund eher anwiderte als ihn hungrig zu machen.

„Du hast gesagt, du würdest nur kurz frische Luft schnappen gehen!", fuhr Ron fort und auch die anderen Jungs integrierten sich nun ins Gespräch und nickten eifrig.

„Ehrlich, Harry, wir waren kurz davor, Dumbledore zu holen!", schmatzte Neville.

„Ja, und wir haben uns verdammt noch mal", Ron schlug mit der Faust auf den Tisch und lief rot vor Wut an, „Sorgen gemacht!"

„Ich bin doch da!", wehrte Harry die anderen ab und schob das Rührei mit der Gabel von der einen zur anderen Tellerseite.

„ABER..."

„Lass gut sein, Ron!", flüsterte Hermine und drückte Ron, der vor Ärgernis aufgesprungen war, zurück auf seinen Platz.

„Dein Stundenplan ist übrigens auch schon gekommen.", Hermine kramte in ihrer Tasche herum, bis sie ein weißes Pergament hervorzog: „Hier!"

„Dankeschön!", Harry versuchte zu lächeln, was ihm aber nicht wirklich gelang.

Harry versuchte sich auf seinen neuen Stundenplan zu fixieren, was ihm auf Grund des auffälligen Getuschels seiner Mitschüler links und rechst von ihm wirklich schwer fiel. Ständig schienen die Buchstaben und Wörter auf dem Papier zu verrutschen und zu verschwimmen.

Schließlich packte ihn eine für ihn nur zu bekannte Wut, die er bereits oft gespürt, jedoch nie heraus gelassen hatte. Er stand so schnell auf, dass er seine Gable mir hinunterwarf und der Teller mit dem daraufliegenden Messer ebenfalls kurz klirrte. Sein plötzliches Aufstehen war so auffällig gewesen, dass jetzt alle Gesichter zu ihm gewandt waren und ihn tausende von Augen anstarrten.

„Harry, setz' dich wieder!", flüsterte Hermine durch einen Mundwinkel und zog vorsichtig an Harrys Umhang.

„NICHTS WIRD ICH TUN!", schrie Harry, wobei sein Gesicht sich rot verfärbte.

Wenn ihn bislang nicht alle angesehen hatten, so taten sie es jetzt und auch hörten die meisten von ihnen auf zu essen. Stille machte sich in der ganzen Halle breit und sogar die Lehrer beobachteten das Geschehen.

„Wisst ihr...", Harry atmete schneller als sonst, wodurch man seine Aufregung nur umso besser spüren konnte.

Spannung lag in der Luft und keiner sagte ein Wort. Auch Crabbe und Goyle hatten ihre Köpfe nun von ihren Tellern gehoben.

„Einerseits tut ihr so...als wäret ihr alle meine Freunde...immer für mich da und...alles was eben zu einer Freundschaft gehört!"

„Ja?", hörte man eine leise Antwort von Hermine, die jedoch jeder bemerkte, da es in der Halle so ruhig war.

„ABER IHR SEID NIE DA...NIE...", Harry senkte seine Stimme, „Wenn es drauf ankommt...nicht einen Brief habe ich dieses Jahr von euch bekommen...nicht einen einzigen...wie es mir geht, nach Sirius Tod, „er schluckte, „Und außerdem...ach vergesst es...", Harry blickte noch einmal gereizt in die Runde, bevor er gen Boden starrte und sich auf zum Ort seiner ersten beiden Schulstunden machte: Zaubertränke.

Hinter sich hörte er, wie Pansy laut sagte: „Klasse Rede, Potter!"und kurz in die Hände klatschte, doch wenige Sekunden darauf, da jeder ihr einen ärgerlichen Blick zugeworfen hatte, wieder verstummte und sich, um von sich abzulenken, wieder ihrem Frühstück widmete.

Harry bereute das, was er gerade getan hatte. Jeder hatte es mitgehört, sogar die Lehrer inklusive Snape. Auch Draco und Blaise hatten ihn angestarrt und jedem einzelnen Wort gelauscht. Ihm war schon lange vorher klar gewesen, dass irgendwann mal so ein Gefühlsausbruch kommen würde, doch hatte er sich lange beherrschen können, die in sich lodernde Wut versucht zu ignorieren. Aber das, was er gerade getan hatte, hatte ihm eigentlich gerade noch gefehlt. Nun wussten alle von seinen groben Gedankenzügen, seinen Gefühlen und ob sie Mitleid mit ihm hatten oder nicht. Beides würde schlimm sein. Er wollte nicht im Mittelpunkt stehen. Das war das letzte, was er gewollt hatte. Doch das ständige hinter seinem Rücken Gerede hatte ihm den letzten Nerv geraubt. Es war passiert, ob er es wollte oder nicht. Er konnte eigentlich von Glück reden, dass er kurz zuvor mit Draco Frieden geschlossen hatte, denn das wäre mal wieder ein optimaler Grund, ihn zu demütigen und zu beleidigen. Eigentlich tat es ihm auch leid, was er gerade mit unter zu Hermine und Ron gesagt hatte, denn sie waren nun mal seine besten und vielleicht auch einzigen richtigen Freunde. Außerdem waren sie immer und jeder Zeit für ihn da gewesen, nur hatten sie jetzt viel mehr mit sich selbst zu tun. Doch genau das war die Zeit, in der Harry am meisten Unterstützung brauchte. Immer wider dachte er über den Krieg in seinem Kopf nach: einerseits wollte er jemanden haben, der ihm zuhörte, dem er blind vertrauen konnte, andererseits wollte er allein sein, mit niemanden über seine Probleme, seine Ängste und Albträume reden.

Nach einem ziemlich kurzen Marsch fand er sich neben der riesigen Kerkertür zum Klassenraum für Zaubertränke wieder. Unbewusst lehnte er sich gegen die kalte Mauer und sackte langsam zu Boden. Was war nur mit ihm los? Würde er jetzt einen Patronus-Zauber anwenden müssen, hätte er es nicht geschafft, da er zurzeit keinerlei glückliche Momente fand. So sehr er auch versuchte, an etwas Schönes zu denken, es gelang ihm nicht. Und wieder spielte er damit etwas Derartiges zu tun, wie den Avada-Kedavra Spruch einfach gegen einen Spiegel zu sprechen und somit endlich in Frieden gehen zu können. Doch konnte er es nicht tun, zu schwach war er und zu unsicher über bestimmte Dinge, die im Moment um ihn herum geschahen. Darunter auch Dracos und Blaises Verhalten. Okay, Blaise war schon immer ein sehr untypischer Slytherin gewesen. Doch Draco? Warum hatte er in seinem Bett schlafen dürfen und warum hatte Blaise gesagt, Draco würde ihn mögen? Wieso bat Draco ihm überhaupt auf einmal Waffenstillstand an und vor allem hatte er Draco das erste Mal mit einem roten Schimmer im Gesicht gesehen. Harry lächelte vorsichtig. Das war es immerhin wert, jedenfalls noch ein wenig hier zu bleiben um sehen und verstehen zu können, was mit den beiden Slytherins los war.

oooO0Oooo

„Tolle Freunde hat der...!", murmelte Blaise entsetzt, während er an seinem Glas gefüllt mit Kürbissaft nippte.

„Och, armer, kleiner Potter!", gab Draco sarkastisch zurück, „Ich bemitleide ihn später!"

„Kannst du deinen Sarkasmus mal für eine Minute ablegen?", fragte Blaise ärgerlich.

„Können ja...wollen...nein!", Draco grinste und biss in seinen Toast hinein.

„Tut er dir denn überhaupt nicht leid?", fragte Blaise weiter.

„Uhhhhm...nein?", fragte Draco und weitete seine Augen, bevor er sich die letzte Ecke seines Brotes in den Mund schob.

„Du bist ein echtes Arschloch!", sagte Blaise nun und begann ebenfalls, sich ein Brot zu schmieren, während Draco kurz davor war, seines vor Schreck auszuspucken.

„Bitte was?"

„Wieso lässt du ihn erst in deinem Bett schlafen..."

„Geht's vielleicht noch lauter?", fragte Draco verärgert.

„Klar!", Blaise zuckte mit den Schultern, „WIESO LÄSST...", doch er wurde erneut von Draco unterbrochen, der wie wild vor Blaises Gesicht herumfuchtelte und ein: „Hör auf...bitte!", flehte.

„Also...wieso entscheidest du dich nicht mal dafür, wie du Potter behandelst? Tu es entweder nach deinem merkwürdigen Todesplan oder behandle ihn, wie du es sechs Jahre lang getan hast. Aber hör auf mit diesem Mischmasch!"

„Mischmasch? Ich tu das, was ich will, Blaise!"

„Nun fang' nicht wieder damit an, meinen Namen nach jedem Satz zu nennen, ‚Draco'!", meckerte Blaise.

„Wieso streiten wir uns in letzter Zeit eigentlich ständig?", fragte Draco plötzlich wieder sonderlich ruhig.

„Vielleicht, weil eine normale Kommunikation, die nicht in einen Konflikt ausartet, mit dir nicht möglich ist. Komm' endlich mal von deinem ‚Ich-bin- ein-Malfoy'-Trip runter!"

„Weißt du was?", Dracos Augen funkelten.

„Mehr als du, ja. Warum?"

„Was meinst du denn damit schon wieder?", Dracos Gesicht verzerrte sich.

„Sagen wir's so: ich bin zwar schulisch nicht gerade auf deiner Ebene, doch dafür kenne ich mich in anderen Dingen und Bereichen deutlich besser aus!"

„Und das wäre?", Draco verdrehte seine Augen.

„Dass ich unsere kleine Wette so oder so gewinnen werde."

„Ach, so sicher?", Draco hob' eine Augenbraue.

„Mehr als das!", Blaise grinste.

FLASHBACK

Blaise beugte sich vor und flüsterte Draco etwas ins Ohr: „Ich lass alles zu, was du mit Potter anstellen willst, wenn du ihm dafür seinen ersten richtigen Kuss stiehlst!"

Draco schubste seinen besten Freund abrupt zurück: „Bist du bescheuert?", zischte er dabei. „Immerhin kein Mörder!", gab Blaise zurück, „Und nun hör' mir doch erst mal zu ende zu!"

„Ich bin ganz Ohr!", nuschelte Draco mit verstellter, genervter Stimme.

„Also...ich lass alles zu, wenn du Potter den ersten richtigen Kuss nimmst...ABER...du darfst dich dabei nicht, hast du verstanden? ...NICHT in ihn verlieben."

„Das kannst du nicht ernst meinen!", Draco nahm unbewusst Abstand zu Blaise ein.

„Warum? Wenn du dir so sicher bist, gewinnst du doch eh!", Blaise grinste schief.

„Gut...abgemacht!", erwiderte Draco etwas widerwillig und reichte Blaise seine Hand.

FLASHBACK ENDE

„Und wieso bist du dir nun so sicher, dass du gewinnst?", fragte Draco nun doch etwas verunsichert.

„Weil du ihn entweder gar nicht erst küssen wirst, weil es dich zu sehr anekelt und weil ich weiß, dass du, wenn du ihn küsst, dich in ihn verlieben wirst!", nun war Blaise es, der eine Augenbraue hob.

„Mit dem Kuss könntest du ja noch Recht haben, mit dem Verlieben eher nicht!", Draco blickte Blaise mit einer Art Abscheu an.

„Das sah heute Morgen aber nicht danach aus? Immerhin lag er in deinem Bett...zweitens warst du nicht wach zu kriegen, erst als ich Harrys Namen erwähnt habe, drittens wolltest du dich extra für ihn fertig machen und es gibt sogar noch ein viertens."

„Und das wäre?", Draco stocherte appetitverloren in seinem Essen herum, er war wieder derjenige, der nachgeben musste.

„Du bist das erste Mal, seit ich dich kenne, rot um die Nase geworden!", mit diesen Worten stupste Blaise seinem Gegenüber kurz gegen die Nase und wandte sich dann wieder seinem eben frisch beschmiertem Toast zu.

„Wie willst du...mal angenommen...ich küsse ihn...", Draco schüttelte sich kurz, „...du überhaupt prüfen, ob ich mich in ihn verliebt habe oder nicht?"

„Willst du damit sagen, dass du fähig wärst, mich anzulügen?", Blaise lachte leise auf.

„Nein, ich..."

„Ach, genau! Du hast Angst vor der Wahrheit, dass du dich tatsächlich in ihn verlieben könntest!", erklärte Blaise sarkastisch grinsend

„Nein..."

„Also, jetzt hast du mich ja bereits angelogen!", sagte Blaise spielerisch beleidigt. „Warum?"

„Weil du zu der Frage, ob du mich anlügen würdest, mit nein antwortetest, kurz darauf aber die Frage, ob du Angst vor der Wahrheit hast, ebenfalls mit nein beantwortet hast und mich somit in zweierlei Ansichten angelogen hast, da du nämlich Angst vor der Wahrheit HAST und außerdem würdest du mich anlügen, was du ja soeben getan hast."

Draco sah ihn schräg an: „Durch dich muss man mal durchblicken..."

„Nein, eher durch jemand ganz anderen und DAS!", er stieß Draco mit dem Zeigefinger gegen die Brust und lachte kurz auf, da es ihm unheimlich Spaß brachte, Draco so zu ärgern, „Ist deine Aufgabe."

A/N: REVIEWS...bitte mehr.....ab 10 Reviews update ich neu...dankö :P