Teil 8 - 8. Dezember

Der Wind wehte nach wie vor stechend kalt durch den Bahnhof in Hogsmeade und auch durch die Kleidung all jener, die dumm genug waren, auf dem Bahnsteig zu stehen; Snape fragte sich zum wiederholten Mal, warum er beschlossen hatte an diesem Abend hinunter zu gehen und den Zug in Empfang zu nehmen. Ganz sicher erwartete Hermine nicht, dass er dies tat und das Wetter war ohnehin schlecht genug, um solch ein Vorhaben zu unterbinden. Die Kutschen und die Thestrals standen bereit, um Besucher, wenn nötig, zum Schloß zu bringen, also konnte er nicht behaupten, daß seine Anwesenheit hier nötig war, damit Hermine heute Abend nicht allein zum Schloß laufen müsste.

Snape war seinem Verstand dankbar, der ihm einflüsterte, daß er ja immer noch behaupten konnte, er hätte heute Abend einen Spaziergang gebraucht, und da war dieser Ort ein genauso gutes Ziel gewesen, wie jeder andere. Die Drittklässler waren zu Beginn der Weihnachtszeit dieses Jahr besonders chaotisch und die Klasse heute Nachmittag hatte mehr Unfälle produziert als gewöhnlich; er hatte nicht gerade wenig Zeit damit zugebracht, irgendwelche Brände zu bekämpfen. Als die Stunde vorbei gewesen war und er diese Generation von Dummköpfen abgefertigt hatte, war er ihnen aus dem Klassenraum gefolgt und nach draußen auf das Schulgelände gegangen. An Abenden wie diesem war ein Spaziergang rund um den See seine übliche Methode, um Stress abzubauen, aber der Krake hatte vor kurzem begonnen alberne Spielchen zu spielen - noch jemand, der vom Weihnachtsvirus angesteckt worden war, wenn das möglich war - und Snape hatte keine Lust, ein weiteres Mal nass gespritzt zu werden. Das erste Mal war unangenehm, und nicht zu vergessen, peinlich gewesen.

Dezember war nicht der richtige Monat um sich solchen Dingen auszusetzen - andererseits, dachte er träge während er zusah, wie eine Signallampe zu rot wechselte, gab es eigentlich überhaupt keinen Monat in dem es sinnvoll war.

In der Ferne wurde ein Lichtschein immer heller; der Zug war ungefähr noch eine halbe Meile weit weg und kam beständig näher. Einige Minuten später hüllten Dampfschwaden den Bahnsteig und auch Snape ein; er trat einen Schritt nach vorn, um den Wolken zu entgehen und wartete, während Schatten und Formen zu erkennen waren, die den Zug verließen. Überraschend viele Leute stiegen an dieser Station aus; Snapes unausgesprochene Neugier wurde von den Päckchen, die sie trugen, beantwortet. Die Winkelgasse hatte zweifelsfrei heute einigen Gewinn gemacht.

Hermine war eine der letzten, die zum Vorschein kamen; sie trug keine Päckchen und nur eine kleine Tasche - sicher das Ergebnis eines perfekten Reductio Zaubers. Snape setzte sich in Bewegung, um sie abzufangen, während sie in Richtung Ausgang marschierte.

"Hermine? Miss Granger -" verbesserte er sich schnell. Sie drehte sich, von seiner Stimme überrascht, um.

"Professor?"

Er beeilte sich, vorwärts zu kommen bevor sie fragen konnte, was er hier tat.

"Ich hatte ....heute Nachmittag in Hogsmeade zu tun, Miss Granger. Dies erschien mir der schnellste Weg zurück zur Schule, um noch rechtzeitig zum Abendessen zu kommen. Können wir gehen?"

Hermine nickte. "Guten Abend, Professor" fügte sie zu ihrem Nicken hinzu und folgte ihm, als er durch die Bahnhofshalle auf die Straße eilte. Eine Kutsche wartete bereits und sie sprangen hinein, wo sie sich einander gegenüber niederließen.

Die Fahrt zurück nach Hogwarts verlief still; der klägliche Versuch eine Unterhaltung zu führen, wurde fast so schnell aufgegeben, wie er begonnen hatte. Snape fand, daß Hermine müde aussah und wusste, daß er definitiv müde war. Zu müde, um dämlichen Small Talk zu führen - in der Tat neigte er niemals dazu, und er fragte sich, warum es ihm ausgerechnet jetzt in den Sinn kam - er ließ sich in seinen Sitz sinken und vertiefte sich statt dessen in ein spezielles Problem, daß ihm vor einiger Zeit in seinen Forschungen begegnet war.

Kurze Zeit später bemerkte er überrascht, daß sie angekommen waren. Hermine hatte sich geräuspert, um seine Aufmerksamkeit zu erregen - wahrscheinlich mehr als einmal, dem seltsamen Ausdruck auf ihrem Gesicht zufolge - und öffnete die Tür zu den Stufen, die hinauf zur Schule führten.

Er bedeutete ihr voran zu gehen und folgte ihr die Stufen hinauf.

Seine frühere Vermutung, daß sie erschöpft war, bestätigte sich, als sie hastig ein Gähnen unterdrückte und ein wenig heiser nach ihren Räumen fragte. "Die ganze Nacht auf den Beinen gewesen, Miss Granger?" er dehnte die Worte ein wenig, um sie zu ärgern. Wenn sie die ganze Nacht wach gewesen war, dann, wettete er, nur um zu arbeiten, nicht um zu feiern, aber sie war insgesamt zu ruhig gewesen. Ein kleiner Seitenhieb würde ihr schon nicht schaden, besonders wenn sie vorhatte, beim Abendessen anwesend zu sein.

Für seine Stichelei bekam er einen drohenden Blick zugeworfen, aber nicht mehr, er wollte sie gerade in Richtung von Gryffindors Gästequartieren dirigieren, als McGonagall sie abfing. Er fragte sich später, warum sie solange gebraucht hatte, um ihren ehemaligen Schützling aus seinen Fängen zu befreien. Hermine unterdrückte ein weiteres Gähnen, bevor sie um die nächste Ecke des Korridors verschwunden waren.

Später unter dem stürmischen Himmel der Großen Halle stierte Snape auf seinen Teller; der Gulasch und das Gemüse waren nichts Herausragendes, das Getöse der Schüler war unfassbar und sein Nebenmann war unerträglich. Leider hatte eben dieser das Unmögliche geschafft und hatte mehr als ein Jahr als DADA-Lehrer überlebt; Snape hatte mit mehr Eifer als sonst gehofft, daß Peregrin Queroz genau wie alle anderen von diesem Posten entfernt werden würde, entweder vom Schicksal oder mit Absicht.

Der Mann verkörperte alles, was Snape nicht war, was Snape beharrlich versuchte nicht zu sein. Und momentan schien dieser völlig eingenommen von Hermine zu sein - nicht das sie neben ihm saß; es war ein viel zu früher Zeitpunkt ihres Besuches, als das McGonagall auf ihre Anwesenheit verzichten wollte, deshalb saß sie zwischen Dumbledore und McGonagall, eindeutig damit beschäftigt, auf den neusten Stand des Klatsch und Tratsch zu kommen, wenn die Lebhaftigkeit der Unterhaltung ihn nicht täuschte. Queroz machte nicht einmal den Versuch, sein Bemühen, die Unterhaltung mitzubekommen, zu vertuschen; es war nur ein schwacher Trost, daß er Snape noch nicht nach Informationen über Hermine gefragt hatte - statt dessen hatte er etwas, wenn auch nur sehr wenig, von Madame Hooch erfahren. Snape musste husten, um seine Belustigung zu verbergen, die bei ihren eher kurzen Antworten aufkam - Hermines Errungenschaften im Quidditch waren nicht gerade der Stoff aus dem Legenden gemacht waren. Nach einem Husten, hatte sich Queroz fragend zu ihm umgedreht. Snape hatte ihn angestarrt; er hatte zuviel Zeit und Aufwand verwendet, um jegliche Unterhaltung mit diesem Mann zu unterbinden, als daß er ihn nun dazu ermutigen wollte. Daraufhin behielt er seine Belustigung für sich, ebenso wie das Husten.

Als Hermine sich vom Tisch erhob - wesentlich früher als sonst, sie war definitiv müde - erhob sich auch Queroz und setzte sich in Bewegung um sie abzufangen; Snape verstand zwar nichts von der Unterhaltung, aber die Absicht dahinter war klar und deutlich. Hermine lächelte und Snapes stierender Blick vertiefte sich; sie war hier, um zu arbeiten, nicht um sich vom lokalen Idioten anmachen zu lassen. Genau zur richtigen Zeit betrat Hagrid die Große Halle und Hermine entzog sich Queroz, um ihn zu begrüßen. Unsicher darüber, was die schlechtere Option war, stahl sich Snape leise weg vom Tisch und verließ die Große Halle durch die kleine Tür hinter dem Lehrertisch, die wegführte vom Lärm und dem Durcheinander und hinein in die stillen, feuchten Korridore der Kerker.

Am nächsten Morgen tauchte die gleißende, niedrige Wintersonne das Heidekraut der Highlands in goldenes Licht während auf dem Ofen in Snapes Räumen eine Kanne Kaffee leise vor sich hinbrodelte. Ein zweimaliges Klopfen an seine Tür unterbrach diese Idylle. Obwohl er dieses Klopfen seit mehr als zehn Jahren nicht gehört hatte, erkannte er es sofort. Es widerstrebte ihm, sie einfach herein zu bitten, deswegen durchquerte er den Raum, wich einem gefährlich schwankenden Bücherstapel neben einem der Sessel aus und öffnete die schwere Eichenholztür.

Hermine stand auf dem Korridor, umklammerte ein Bündel eselohriger Zettel und sah seltsamerweise nervös aus. "Miss Granger," sagte er zur Begrüßung und hielt ihr die Tür auf, damit sie eintreten sollte. Nachdem sie eingetreten war, sah sie sich mit einem merkwürdigen Ausdruck auf dem Gesicht im Zimmer um. Snape nahm an, daß er ungefähr genauso schauen würde, wenn er in das Zimmer der Schulsprecherin eingeladen worden wäre - ein ziemlich unwahrscheinliches Ereignis. Er bat Hermine sich beim Feuer niederzulassen; sie setzte sich hin und ließ die Zettel neben sich auf den Boden fallen.

"Kaffee?", fragte er. Sie nickte; er erinnerte sich, ohne es zu wollen, dass sie vor dem ersten Koffein genauso wenig ansprechbar war wie er. Er reichte ihr einen Becher voll Kaffee; sie nahm ihn und drehte den Becher ein wenig, wahrscheinlich um sich zu erinnern, und nahm schließlich den ersten Schluck. Als ein wenig Dampf aus dem Becher aufstieg, schloß sie die Augen und lächelte.

Schließlich öffnete sie die Augen wieder und sah ihn an. Daraufhin verschwand das Lächeln von ihrem Gesicht und sie seufzte. Nicht unbedingt eine Reaktion, die er hervorrufen wollte.

Hermine griff nach den Papieren und hielt sie ihm hin, nachdem sie ihren Becher achtlos auf der Sessellehne plaziert hatte.

"Das sind die Rezepturen, die ich noch hatte", sagte sie und tippte mit ihren Fingern darauf, während sie die Unterhaltung begann. "Ein paar Reiniger - Schafgarbe und Kamille - den Schafgarbe und Schwarzwurz Moisturizer, die Rosmarin- und Zedern Spülung und den Holunderblüten Badeschaum. Ich denke, Du hast mir damals nicht alles da gelassen; und zwischen diesem Zeitpunkt und den UTZ (NEWTS)-Prüfungen habe ich nicht mehr benötigt. Ich vermute, dass Du noch weitere besitzt - das können nicht alle gewesen sein, die Du gemacht hast."

"Nein, Miss Granger, dass ist wirklich keine komplette Liste. Hier, nehmen Sie diese -" er ging hinüber zu einem Regal und wählte eines der Bücher aus. "Es wird Ihnen ein wenig weiterhelfen. Ich habe heute Unterricht, aber Sie haben Zeit, also können Sie ja mit der Arbeit beginnen. Es gibt da ein kleines - Du weißt, wo mein privates Labor ist." Er ertappte und schalt sich selbst dafür, daß er die Unterhaltung mit Samthandschuhen anging. Es war sinnlos, so zu tun, als ob sie keine gemeinsame Vergangenheit gehabt hätten, die über ein Lehrer-Schüler Verhältnis hinausging, obwohl er nicht wirklich bereit war, daß direkt zu zu geben. Aber so zu tun, als ob sie nicht wüsste, daß er ein privates Labor hatte, wäre offen gesagt, ziemlich dumm - und er zog es vor, gewöhnlich nicht zur Dummheit zu neigen, zumindest nicht, wenn er es verhindern konnte.

Hermine nickte und blickte in Richtung der Tür, die zu diesem Labor führte. "Nur eine Sache", sagte sie. Er hob fragend eine Augenbraue. "Versuchsobjekte?", fragte sie. Er runzelte die Stirn und sie fügte hinzu: "Wir werden die neuen Rezepte schließlich testen müssen, oder?"

"Ich habe vollstes Vertrauen in Ihre Fähigkeit ungefährliche Tränke zu brauen, Miss Granger." Bemerkte er trocken. Es würde einem Erstklässler kaum Problem bereiten und erst Recht nicht jemandem mit ihren Noten.

"Es ist nicht die Ungefährlichkeit, auf die ich anspielte, sondern vielmehr ihre Wirksamkeit.", kam die ebenso trockene Antwort: "Wir müssen wissen, ob sie wirken, nicht nur ob sie ungefährlich sind. Ich schlage vor, wir testen es an uns selbst - und sehen die Ergebnisse. Danke für den Kaffee."

Damit verschwand sie in Richtung Labor und ließ einen starrenden Snape zurück. Die Rezepturen testen....Sie wollte, daß er sie an sich testete? NEIN.