Kapitel8

„Ich bin wirklich gespannt, Euren Bericht über die politische Situation zu hören." Das war Obi-Wan tatsächlich. Denn nur dafür hatte er sich die Beine in den Bauch gestanden. Denn offenbar brachte ihn Padmés Traum nicht weiter.

Padmé stand auf, ging auf eine kleine Lampe zu und machte sie an. Denn inzwischen war es dunkel geworden. Vermutlich auch kälter. Oder es kam ihr nur so vor, denn sie fing an zu frieren. Vielleicht war es aber auch immer noch ihre Verwirrung auf Grund der Ereignisse. Dieser Mann, der hier bei ihr saß, kam ihr immer noch merkwürdig vor. So vertraut und dennoch so fremd. Sie fand ihn sogar sympathisch. Er hatte so eine beruhigende Aura. Allerdings wirkte er jetzt doch etwas besorgt. Aber das konnte sie, wenn das, was er sagte, der Wahrheit entsprach, auch nachvollziehen.

Sie setzte sich wieder, nachdem sie sich eine Decke um die Schultern gelegt hatte.

„Ich werde versuchen, alles, so gut es geht, zusammenzufassen. Allerdings habe ich keine Ahnung, wo ich beginnen soll."

„Ich kann Euch das leider auch nicht sagen. Fangt dort an, wo es sich richtig anfühlt."

Na, der hatte leicht reden. Wo es sich richtig anfühlt. Padmé war genauso schlau wie vorher.

„Also schön. Wir leben in einer Republik. Muss ich Euch das auch näher erläutern?"

„Die Form der Republik nicht."

„Na schön. Dann wisst Ihr also, dass es einen obersten Kanzler der Republik gibt."

Als der Jedi nickte, fuhr sie fort.

„Ich nehme an, dann muss ich Euch auch nicht den Aufbau des Senats erläutern? Gut. Dass es Senatoren gibt, habt Ihr ja zudem schon selbst bemerkt. Der oberste Kanzler ist im Moment eine Frau."

Sie nannte einen Namen, der Obi-Wan jedoch nichts sagte. Vermutlich spielte nur eine Rolle, dass es nicht Palpatine war.

„Gibt es denn hier auch soviel Korruption und ewig dauernde Bürokratie?" Obi-Wan konnte die Verbitterung in seiner eigenen Stimme hören. Er merkte jetzt erst, wie sehr er das ganze satt hatte, diesen Krieg, die Gewalt, die Hoffnungslosigkeit und Endlosigkeit, mit der die Jedi versuchten, den Frieden und die Gerechtigkeit wiederherzustellen ohne Aussicht auf Erfolg. Der Jedi-Meister merkte, wie müde er war.

„Nun ehrlich gesagt, gibt es dafür ja kaum eine Gelegenheit dank der Jedi. Wobei wir bei Eurer zweiten Frage wären. Leider kann ich Euch über die inneren Angelegenheiten der Jedi nicht allzu viel sagen, da nur die Jedi selbst Einblick darin haben. Das einzige, was bekannt ist, dass es wohl einen Rat der Jedi gibt. Diesen gibt es wohl schon seit man sich zurückerinnern kann.

Es ist inzwischen so, dass die Jedi sozusagen die Republik kontrollieren. Auf jeden Fall aber den Senat. Alles läuft nach ihren Regeln. Und wenn das mal nicht der Fall ist, sorgen sie dafür, dass es doch so wird.

Allerdings muss ich zugeben, dass es relativ friedlich abläuft. Zwar nur, wenn man die Meinung der Jedi hat, aber sie sorgen doch tatsächlich mit Gewalt dafür, dass es in der Galaxie sehr friedlich zugeht. Trotzdem gibt es natürlich einige, die sagen, dass es gar keine Republik mehr gibt, sondern eine Diktatur eines einzelnen Ordens. Ich lehne mich in Eurer Gegenwart vielleicht ein bisschen zu sehr aus dem Fenster, aber dieser Ansicht bin ich auch. Obwohl ich vermutlich als Dienerin einer Senatorin nicht genügend weiß, um mir ein umfassendes Urteil erlauben zu können."

Obi-Wan hatte nicht den Eindruck, dass sie so unwissend war, wie sie behauptete. Wenn diese Padmé nur annähernd so couragiert war, wie die, an die er sich erinnern konnte, dann reichte das völlig aus, um sich eine politische Meinung zu bilden und dazu zu stehen, auch wenn es einen nicht gerade beliebt machte, sondern einen eher in Gefahr brachte.

„Wenn Ihr mir noch eine Frage erlaubt, was ist mit den Sith? Wie wird mit ihnen verfahren?"

„Nun, soweit ich weiß, sind die Sith die Bewohner des Planeten Korriban. Eine eher primitive Rasse. Deshalb verstehe ich Eure Frage nicht so ganz? Die Sith sind relativ unbedeutend."

Eine unbedeutende Rasse auf Korriban.

Obi-Wan senkte nachdenklich den Blick. Es wurde immer komplizierter. Langsam meldete sich sein Kopf und verlangte etwas Ruhe, sonst würde er anfangen zu schmerzen. Außerdem hatte er seit über 48 Stunden weder geschlafen noch gegessen, hatte eine anstrengende Mission und sowohl physischen als auch psychischen Stress hinter sich und langsam ließen auch seine Konzentration und Kraft nach.

Der Jedi rieb sich die Augen.

Padmé schaute in mitleidig an.

„Es tut mir sehr leid, wenn meine Aussagen Euch entweder nicht weiterhelfen oder nicht gefallen. Ich wünschte, ich könnte noch etwas für Euch tun."

„Ihr habt mir wirklich sehr weitergeholfen. Sagt mir nur noch, ob Ihr jemanden mit dem Namen Palpatine kennt."

Padmé schüttelte den Kopf.

„Es tut mir leid.

Darf ich Euch denn jetzt auch eine Frage stellen?"

Obi-Wan nickte müde.

„Nur zu."

„Ihr sagtet, dass ich in eurer Erinnerung eine Senatorin sei. Ich würde gerne mehr darüber erfahren."

„Ihr seid eine der couragiertesten und besten Senatoren, die ich kenne. Zu sehen, dass Ihr das jetzt nicht seid, erschüttert mich zutiefst. Zumal ich nicht den Eindruck habe, dass Eure Herrin auch nur annähernd an Eure Fähigkeiten herankommt."

Padmé errötete.

„Eigentlich müsste ich wohl noch mehr Fragen über die Jedi stellen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es wissen möchte. In meiner Erinnerung sind die Jedi genau das Gegenteil. Wir vermeiden Gewalt, soweit es geht und sorgen so für Frieden und Gerechtigkeit. Zumindest

versuchen wir es. Auch wenn wir zuletzt zugegebenermaßen nicht besonders erfolgreich waren.

Um genau zu sein, herrscht Krieg."

Je mehr der Jedi-Meister darüber erzählte, desto absurder kam es ihm vor. In seiner Erinnerung wendeten die Jedi so wenig wie möglich Gewalt und haben damit nichts erreicht außer einem Krieg. Und jetzt ist es genau umgekehrt. Durch die Gewalt der Jedi gibt es in der Galaxie weitgehend Frieden.

Welche Ironie! Aber rechtfertigt der Frieden der Masse die Gewalt über eine Minderheit? Konnte so etwas auf die Dauer gut gehen. Machte „sein" Jedi-Orden etwas falsch?

Wie konnte er nur auf solche Gedanken kommen! Das hörte sich sehr nach der dunklen Seite der Macht an. Gern hätte er mehr über den Kodex der Jedi erfahren, wenn es denn so etwas gab.

Aber so wie es aussah, würde ihm Padmé nichts darüber erzählen können.

Wie sollte er jetzt weiter verfahren?