Notiz der Autorin: Ich bin über Sylvester in Hamburg, nehme meinen Laptop zwar mit, aber werde nicht zum updaten kommen. Das bedeutet ab morgen keine Updates mehr, dafür am Mittwoch ein Monster-Kapitel, das mehrere Kapitel der Story enthält. Euch allen ein frohes, neues Jahr.
Das Heiligtum im Wald
Damals lebte ein Mann von überragendem Wissen,
Der über geistigen Reichtum von größter Weite verfügte
Und der Künste von jeglicher Art vollkommen beherrschte.
(Empedokles B119 in der Übersetzung von Hermann Fränkel)
Aus nachwachsendem Holz und unveränderlichem Stahl errichtet, hatte das Heiligtum im Wald als Vermittlungsstelle zwischen Menschen und Vampiren fungiert, das Merlin, seinen utopischen Zielen von der Gleichberechtigung und Kooperation aller magischen Wesen treu, errichtet hatte. Während Merlin lebte, wurden Bündnisse zwischen den Vampiren und Menschen geschaffen, die nach seinem Tod so problemlos in Vergessenheit gerieten, wie sie seinerzeit geboren worden waren.
Das Heiligtum überdauerte die Jahre und wartete auf eine neue Gelegenheit. Als es die Zeit gekommen sah, rief es zwei Vampirkinder und einen Menschen zu sich.
Auch der Wächter erhielt den Ruf. Er gehörte zu den ältesten Vampiren, und damit automatisch zu den Gesetzeshütern. Als einer der Einzigen, hatte er zu Merlins Zeit friedlichen Kontakt zu Menschen gehabt. Zeiten wandeln sich jedoch wie jedes Metall über kurz oder lang zu rosten beginnt.
Sollten die Vampirkinder erscheinen, würde er sie umbringen. Gesetz war Gesetz, auch wenn er kein Befürworter war.
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Wieso er in den Verbotenen Wald ging, hätte er nicht zu erklären vermocht. Worte fehlten ihm, um das irrwitzige Bestreben zu beschreiben. Wie jede Ordnung das größtmögliche Chaos anstrebt, so strebte er ein unbekanntes Ziel im Wald an. Er wusste nicht wohin er ging, noch hatte er mit den Sinnen erfassbare Wegweiser. Und doch würde er sich nicht verirren...
Orion bemerkte nicht, dass er von etwas Altem gerufen wurde. Er machte Harry Potter dafür verantwortlich, dass er gegen die Schulregeln verstieß, bevor er später über das Heiligtum im Wald aufgeklärt wurde. Dennoch war es nicht fair, Harry die alleinige Schuld zu geben, denn auch Orion verzehrte sich nach dem Wald.
Er bedachte das Für und Wider nicht, er handelte. Nicht Adrenalin, noch übermäßige Ruhe erfassten ihn. Es war als befände er sich zwischen zwei Gipfeln auf einer Hochebene, hätte eine begrenzte Sicht und einen einzigen Weg, den er gehen konnte. Nur dass er gar nichts sah.
Er war blind. Er sah die farbiger werdenden Blätter nicht, die sich vor ihrem jährlichen Tod noch einmal aufputzten. Oder die Meere von roten Rosen, die den Waldrand säumten und bewachten. Nicht das silbrige Blitzen von rechts: ein Einhorn, das sich lautlos zwischen den Bäumen hindurch schlängelte. Auch die Schlangen, die seinen unbeholfenen Schritten immer wieder auswichen, sah er nicht. Er war blind.
In sich hatte er verblassende Farben. Rot, das in Wirklichkeit leidenschaftlicher war. Blau, das wie eine Photographie von azurblauem Wasser wirkte. Grün, das kein Leben schuf. Gelb, das nicht mehr giftig war.
Aber das war nicht das Schlimmste. Das schlimmste waren Harry Potter und Orion Knephas, die sich einen längst nicht mehr heiligen Kampf lieferten.
Orion stolperte und fiel ungeschickt auf den weichen, mit bereits toten Blättern und Nadeln belegten, Waldboden. Vorsichtig richtete er sich wieder auf und nahm seine schmerzende linke Hand aus Gewohnheit hoch, um sie zu begutachten. Ein erkaltender Blutstropfen lief an seinem Handgelenk vorbei und stürzte sich zu Boden. Ein zweiter sammelte sich bereits.
Leise fluchend schleckte Orion das Blut ab. Recht viel mehr hielten seine Heilkünste nicht her. Der eiserne Geschmack auf seiner Zunge konnte nicht unterbinden, dass sich frisches Harz wie eine Schraube in seine Nase wand. Er atmete mehrere Male tief durch und saugte an der Wunde bis er die Hand sinken ließ.
Orion Knephas wollte umkehren, aber Harry Potter liebte den Wald und nannte ihn seine Heimat. Er habe hier viele Abenteuer erlebt. Eher überlebt, meinte Orion trocken, aber Harry lachte nur und lenkte die Beine über den Hohlweg, immer tiefer in den Wald. Orions Widerstand war zwecklos.
Orion musste zugeben – denn jemanden, mit dem man sich einen Kopf teilt, kann man schwer anlügen – dass der Wald seine Reize hatte. Selbst für einen Blinden. Rehe huschten an ihm vorüber, zwar nicht optisch wahrnehmbar, aber an dem spielenden Dreiertakt ihres Galopps zu erkennen. Ein Reh näherte sich ihm und verfiel hinter ihm in einen sanften Trab. Es duftete nach Freiheit und Brombeeren. Für eine Stunde oder einen Tag begleitete es Orion und stupste ihm zum Abschied die Schulter, als es wieder zu seiner Herde zurückkehren musste. Rehe schienen doch nicht so feige und fluchtliebend zu sein, wie er gedacht hatte.
Wie alt Harry eigentlich war, wollte Orion wissen. Siebzehn. Er habe vor einer Woche Voldemort besiegt. Damit sei der Aufflug in den Wald nicht mehr ganz so illegal. Orion prustete, dass der Wald nicht ohne Grund in seinem Namen das Adjektiv verboten trug.
Je tiefer er in den Wald vordrang, desto dichter wurden die Bäume und desto leiser wurde es. Nur schwerfällig rauschten die Bäume, nur zögerlich huschten Waldbewohner vorüber. Intensiver wurde der Geruch von Holz und Harz, während die honiggleiche Brise von zarten Blumen völlig ausblieb. Der Weg war zu Ende, aber Orion war noch nicht angekommen. Er stolperte mehrere Male über hervorstehende Wurzeln oder in tiefere Kanninchenbauten hinein. Trotzdem war Harry Potter nicht aufzuhalten.
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Vampire besitzen feinere Sinne als Menschen. Selbst junge Vampire. Beide wussten sofort, wer sie rief und warum. Das Mädchen blickte durch ihre sich verfärbenden violetten Augen zu dem Jungen, der beim Ertönen des Rufes auf die Beine gesprungen war und wild durch die Gegend blickte.
„Lass uns gehen", sagte sie und erhob sich etwas langsamer aus dem roten Plüsch. Sie war ihre neue Beweglichkeit noch nicht gewohnt und reagierte noch immer wie ein Mensch.
Zeit war für einen Vampir eine Nebensächlichkeit. Deswegen wartete sie geduldig, während er wie ein wildes Tier auf und ab lief. Als die anderen Schüler verwundert zu tuscheln anfingen und über den plötzlichen Gefühlsausbruch des sonst so stillen und zurückhaltenden Jungen – wenn die wüssten! - debattierten, riss er sich zusammen und trat neben sie. Seine violetten Augen funkelten, sie konnte sein Adrenalin riechen.
„Das dürfen wir nicht wagen. Wir sind jetzt an Gesetze gebunden, Schwester. An Gesetze, die das Heiligtum im Wald ein Tabu nennen. Wenn wir gehen, machen wir uns vogelfrei."
Sie strich ihm stumm die Haare glatt – er war noch etwas kleiner als sie – und tätschelte ihm die Wange. Missmutig schlug er ihre Hand weg.
„Liebster Bruder", säuselte sie. „Was hast du gegen ein gutes Abenteuer einzuwenden?"
„Alles. Ich habe nämlich einen Überlebenstrieb, im Gegensatz zu dir!"
„Papperlapap! Das klingt eher wie ein Slytherin. Lass uns gehen. Und wenn du nicht mitkommst", drohte sie mit einem fiesen Lächeln. Er stöhnte, weil er wusste, was ihn erwartete. „...dann gehe ich eben alleine."
Sprachs und war bereits auf dem Weg zum Verbotenen Wald. Er stand da wie fest gefroren und zauderte mit seinem Ego. Sie riskierte ihr Leben, vielleicht nicht direkt, aber dennoch indirekt. Wenn der Senat davon Wind bekam, war ihre Unsterblichkeit so gut wie versiegt. Kein Jungbrunnen mehr. Andererseits hatte er sie gewarnt. Trotzdem, nach Vampirgesetz war sie seine jüngere Schwester. Er hatte für sie Verantwortung zu tragen, auch wenn er an ihren hirnrissigen Unternehmungen nicht teilnahm. Außerdem sang der Wald schon seit Wochen zu ihm.
„Komm, geh ihr hinterher", rief einer der Schüler. Mit etwas Anstrengung hätte er denjenigen identifizieren können, aber er sprintete ihr bereits hinterher.
Sie war zu stur, neugierig und manipulativ um lange alleine überleben zu können. Einige hundert Meter voraus, grinste die Schwester, als sie in forschem Tempo die Treppe hinunter bretterte.
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An dem Mezzoforte der Vögel bemerkte er, dass es Abend wurde. Wie immer, wenn es dämmerte, stellten sich seine Nackenhaare auf, einer automatischen und unfehlbaren inneren Uhr gleich. Er wollte umkehren, aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Selbst wenn, er hätte nicht gewusst wohin und der Vier-Punkte-Zauber, den er aus Harrys Erinnerungen heraus gekramt hatte, war nicht für einen Blinden gemacht.
Er kannte einen Zauber, der ihm bei der Orientierung helfen würde, aber die Beschwörung war langwierig und erforderte höchste Konzentration. So lange würde er sich niemals gegen Harry durchsetzen können. Harry, der voller Energie und Tatendrang war. Harry, der vor einer Woche seinen größten Triumph erlebt hatte. Harry, der nicht gerne beherrscht wurde.
Orion knurrte und Wut wallte in ihm auf, als sein Körper nicht folgte. Er hatte die Kontrolle völlig verloren. Sein Gesicht verzog sich wider seinen Willen zu einem sorgenfreien Lächeln. Verschwinde aus meinem Kopf, befahl Orion. Harry summte Hänschen Klein.
Panik durchzuckte Orion. Es wurde dunkel, er befand sich im Verbotenen Wald und niemand wusste, wo er war. Stumm und tränenlos begann Orion zu weinen und nach seinem Großvater zu rufen. Er war durstig, hatte Hunger, seine Hand schmerzte. Er wollte nach Hause, er hatte genug.
Lachend schritt Harry weiter aus und endlich, vor einer halben Ewigkeit waren die Vögelein verstummt, verfestigte sich der Boden. War das Wasserrauschen? Langsam folgte Orion dem erlösenden Plätschern und als der Boden kiesig wurde sank er auf die Knie und tastete sich auf Händen voran. Endlich umarmte das feuchte Nass seine Fingerspitzen und Orion formte mit seinen Händen eine Schale.
Im Durst waren die beiden sich einig.
„Stopp!", rief urplötzlich eine männliche Stimme in Orions Rücken.
Er fiel vornüber in das Wasser, es platschte und spritzte. Schluckend und prustend tauchte er wieder auf. Zum Glück war die Wasserstelle nicht tief und er konnte, zwar triefend nass, aber noch lebend, aus dem seichten Wasser waten.
„Jetzt ist es zu spät", seufzte der Fremde mit einem gefährlichen Unterton in der Stimme. „Du dummer Mensch bist in die heilige Quelle gefallen. Niemand darf daraus trinken."
„Ach", machte Harry Potter dreist und wrang seine Krawatte aus.
Orion krümmte sich vor Schmerzen über solche Unhöflichkeit. Er fühlte sich ganz schlecht, weil er gegen ein jahrtausendaltes Gesetz verstoßen hatte: die heiligen Quellen waren sakrale Kultstätten der Purblüter und entsprangen nur an Orten, wo sich tief unter der Erde die Magie knotete. Welch ein Tölpel er war! Es war unverzeihlich... Orion begann bereits mit einer langen, apologetischen Litanei.
Wo das Wasser den Boden berührte, reckte sich ein Grashalm aus der Erde, sein Wachstum obzön beschleunigt. Der Fremde fixierte den Grashalm. Von beidem bekam Orion natürlich nichts mit.
„Ein Kind! Wieso treffen wir uns hier mit einem Kind?", murmelte der Fremde und Orion erkannte daran, dass er nicht alleine war. Er hatte seine Frage nicht im Ton eines Selbstgespräches formuliert, sondern erwartete eine Antwort. Falls er nicht schizophren wie Orion war...
„Ich bin kein Kind", begehrte Harry Potter auf. Gryffindor, dumm. Orion fühlte sich hilflos.
„Schh, ihr beiden." Eine unbekannte weibliche Stimme. Unbekannt? Harry Potter klatschte in die Hände, lief auf die Fremde zu – wobei er stolperte und der Länge nach auf den Boden fiel, aber sofort wieder auf die Füße sprang – und umarmte die Fremde.
„Hermione", jubelte er. „Geht es dir wieder gut? Du bist gekommen."
Hermione drückte Harry von sich weg und Schweigen entstand. Harry erinnerte sich an ihre warmen und weichen Umarmungen, an manches Küsschen auf die Wangen. Das war nicht seine Hermione.
„Wir kennen uns?", fragte sie leise. Sie war unsicher. Orion betete zu allen Göttern, dass Harry wenigstens ein bisschen Verstand zeigte und seine Geschichte nicht lauthals heraus posaunte. Harry schien zumindest einige Gehirnzellen zu besitzen:
„Entschuldigung. Ich muss mich geirrt haben", murmelte er. Nicht sehr überzeugend, wie Orion fand. Er würde so gerne wieder die Oberhand gewinnen, dann würde das Gespräch anders verlaufen. Harry Potter war ein ungeschulter, ungehobelter Kerl.
„Lass uns gehen, Schwester. Der da ist es nicht wert, dass wir unsere Existenz riskieren. Er ist blind und dumm." Zumindest bei dumm, musste Orion ihm beipflichten.
„Und doch war auch Merlin in seiner Kindheit blind", wies Hermione ihn zurecht. „Denk nach, Neville. Das Heiligtum im Wald irrt sich nicht. Es hat uns gerufen und ihn. Wir müssen uns mit ihm unterhalten."
Das Heiligtum im Wald? Orion zuckte vor Schrecken zusammen. Eine der Geschichten, die ihm seine Lehrerin in seiner Kindheit als Belohnung vorgelesen hatte, hatte davon gehandelt. Er sah ein dünnes, dafür altes Bändchen vor sich, mit Seiten die wie Stroh knisterten, wenn man sie umblätterte.
Wenn er beim Heiligtum im Wald war, mussten diese beiden... Vampire sein. Vampire! Nur Menschen und Vampire konnten diesen Boden betreten. Er bekam einen Schüttelfrost, der sich zu seiner Verwunderung auf seinen Körper übertrug. Harry Potter war verschwunden... klar, seine Erinnerungen waren noch da, aber ihr Motor fehlte. Orion schrie vor Erleichterung.
„Er hat einen epileptischen Anfall", brummte Neville. „Nur ein schwacher Mensch. Komm gehen wir, Hermione."
Orion bekam das Zittern unter Kontrolle und straffte die Schultern. Vampire waren gefährlich, magische Sprüche nutzlos gegen sie. Er trug weder ein Kreuz, noch Knoblauch bei sich. Wenn sie sich entschließen sollten, ihn anzugreifen, war er so gut wie tot. Das war gut möglich, denn besonders in den letzten hundert Jahren war der kalte Krieg immer mehr eskaliert, Menschen des Nachts spurlos verschwunden und Gesetze gegen Vampire erlassen worden. Aber er wollte nicht sterben.
„Siehst du das, Bruder?", fragte Hermione. Sie kam näher und Orions Arme verschränkten sich auf Eigenregie.
Wollte sie ihm etwas antun? Er konnte es ihr nicht verübeln, nachdem ein Trupp von Auroren an Samehain zwei Vampirkinder geläutert hatte, was euphemistisch ausgedrückt war und nichts anderes als umbringen bedeutete.
„Es ist wie ein Hauch von Frühling. Wie eine kleine Glocke von Frühling in den allerbuntesten Farben. Seine Magie... man kann sie sehen. Nur schwach, oh, nur gelinde hebt sie sich von der Umgebung ab..."
„Ein menschliches Auge wird es erst in Jahren bemerken, wenn sie so hell wie eine Sonne leuchtet. Oder...", Neville hielt kurz inne. „Orion, der Stern. Du wurdest unter Orion geboren, oder?"
„Man hat mich Orion genannt", sagte Orion mit heiserer Stimme. Woher wusste der Vampir das? Konnte er ihm vertrauen?
„Ich kenne mich mit Purblutbräuchen aus, keine Angst. Neville Longbottom."
Orion schüttelte die kühle, leblose Hand, die seine ergriffen hatte. „Orion Knephas", erwiderte er und strich, wie es Brauch war dreimal mit dem Daumen über den Mittelfinger der fremden Hand. Neville erwiderte die Geste. Ein loses Bündnis war geschlossen. Kein Blut, weder sterblich, noch unsterblich würde hier fließen.
„Du bist noch ein junger Vampir, oder?", fragte Orion ihn.
„Woher weißt du das?", fragte Neville. Später, wenn er ihn länger kannte, würde Orion wissen, dass er verwundert war, so wie er das erste Wort betonte und der Rest des Satzes einfach so heraus purzelte.
„Du kennst unsere Bräuche noch", erklärte Orion. „Du bist zwar Vampir in deinen äußerlichen Merkmalen, aber innerlich bist du noch ein Zauberer."
Neville sagte nichts darauf, sondern zog sich lautlos zurück, was Orion nur an dem Lufthauch bemerkte. Für eine Weile beobachteten die Vampire das Farbspiel auf Orions Haut und fragten sich, wie mächtig der Junge in ein paar Jahren sein würde, wenn seine Magie jetzt schon so stark und kräftig war, dass sie sichtbar wurde. Einzig Albus Dumbledore verfügte in Hogwarts über sichtbare Magie, die sich wie ein Strahlenkranz um seinen ganzen Körper schlang.
„Vielleicht hat das Heiligtum im Wald uns deshalb zusammen geführt", sagte Hermione. „Wir sind erst seit wenigen Wochen Vampire und dies auch nicht von Geburt an. Orion, weißt du, was es mit dem Heiligtum auf sich hat?"
„Hier wurde vor Tausend Jahren ein Bündnis zwischen Vampiren und Menschen geschlossen. Das war Merlins Verdienst und nach seinem Tod haben sich die beiden Stämme auseinander gelebt", er hielt kurz inne. Sollte er es sagen? An diesem Ort? Wagte er sein Innerstes zu öffnen? Orion rechtfertigte sich damit, dass das Heiligtum einen beruhigenden und entspannenden Zauber auf ihn ausüben musste. „Als ich euch beide als Vampire erkannt habe, hatte ich Angst. Zwischen unseren Völkern ist im Laufe der Zeit viel vorgefallen. Aber man kann sich mit euch unterhalten, wie mit anderen Kindern und ihr seid nicht auf mein Blut aus."
„Eine Legende, um die Vampire zu verunglimpfen", schnaubte Hermione. „Klar, Blut gibt uns einen Powerboost, aber ein Tröpfchen genügt." Orion machte große Augen. Das hatte er nicht gewusst.
„Was Hermione sagen will: sie findet dich auch ganz nett!"
„Vielleicht können wir uns öfter hier treffen", schlug Orion vor, dem die beiden sympathisch waren, obwohl Hermione Harrys beste Freundin und Neville auch kein Nebendarsteller in dessen Leben war.
Orion sah nicht, wie Neville die Stirn runzelte und einen Blick mit Hermione austauschte. Auch imstande etwas zu sehen, hätte er es nicht bemerkt, da beide Reaktionen blitzschnell abliefen und sich tiefste Nacht über den Wald gesenkt hatte. Da Neumond war, kam auch von dort kein Licht. Hermione schob ihr Kinn und Neville nach vorne.
„Orion, es gibt da ein kleines Problem", begann Neville. „Unsere Gesetze verbieten es jedem Vampir, sich dem Heiligtum im Wald auf einen hundert Meter Radius anzunähern. Wir haben bereits einmal dagegen verstoßen, beim zweiten Mal könnte es letal sein. Nicht, dass wir uns nicht mit dir treffen wollen", sagte er schnell, als Orions Gesicht einschlief. „Aber vielleicht könnten wir es in der Schule tun. Ich will meine Existenz nicht noch einmal so drastisch gefährden."
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Der Wächter trat schweigend aus dem Schatten, als die Kinder und der Mensch verschwanden. Er war von seinem Plan abgerückt, als er die perfekte Harmonie bemerkt hatte, die zwischen den dreien herrschte.
Da war Macht, Weisheit und Treue. Eine Kombination, die in den meisten Fällen unschlagbar war.
Sie waren das geborene Team. Er hatte es nicht um das Herz gebracht, das Bündnis, das ihm wie ein zartes Blümchen erschien, zu vernichten. Willentlich hatte er gegen das Gesetz verstoßen und er vertraute darauf, den Gesetzesbruch für einige Jährchen vertuschen zu können.
Und der Mensch... der Wächter seufzte, und strich über den Stahl und das Holz, die sich zusammen wie eine Kordel wanden und das Heiligtum formten Er lebte schon so lange, hatte den Fall von Atlantis bezeugt... dass der Junge so mächtig war, bedeutete, dass Gefahr und dunkle Zeit im Verzug war. Magie wurde nicht in verschwenderischen Mengen verteilt und schon gar nicht willkürlich, sondern für jeden überstarken Magier gab es eine Aufgabe.
War es Orions Aufgabe, die Vampire und Menschen zu versöhnen?
