Ein aufdringliches Handyklingeln holte Jack und Samantha aus dem Schlaf. Jack blinzelte zu dem kleinem Wecker, der auf dem Nachttisch stand. Es war kurz vor fünf Uhr morgens. Dann tastete er schlaftrunken nach seinem immer noch läutendem Handy.

Samantha hob verschlafen ihren Kopf und beobachtete Jack.

"Malone.", brummte er in das Gerät.

"Lydia.", rief er überrascht und war plötzlich hellwach. "was gibt es?"

Der Name drang in Samantha's schlaftrunkenen Kopf wie ein Schuß in eine dunkle Nacht. Das letzte was sie erwartete hatte, war von einem Anruf von Lydia Glennwood geweckt zu werden. Plötzlich war es ihr unangenehm so nah bei Jack zu sein. Sie bemerkte ein Gefühl der Leere in sich aufsteigen und fühlte sich irgendwie überflüssig. Vorsichtig befreite Sam sich von Jack's Umarmung und erntete einen fragenden Blick von ihm.

"Wir...ich bin gerad aufgestanden.", antwortete Jack unsicher und lauschte desinteressiert der Stimme am anderen Ende während seine Augen aufmerksam Samantha verfolgten, die sich sein Hemd überzog und ohne ihn noch mal anzusehen im Badezimmer verschwand.

Samantha blieb vor dem Waschbecken stehen und drehte das kalte Wasser auf. Mit etwas Überwindung warf sie sich eine Ladung des kühlen Naß ins Gesicht, dann blickte sie auf und sah in das ausdruckslose Gesicht, welches sie vom Spiegel aus anblickte. Sie seufzte, sie hatte ganz vergessen wie schonungslos und hart so ein Morgen danach sein konnte. Sam fühlte sich noch schlechter als am Abend zuvor. Hätte sie doch nie...

"Hey, alles okay?", ertönte überraschend Jack's Stimme neben ihr.

Sam zuckte erschrocken zusammen.

"Sicher alles bestens.", erwiderte sie beißend ohne Jack eines Blickes zu würdigen.

Warum kam er einfach so ins Bad? Ohne anzuklopfen?

Samantha versuchte ihn zu ignorieren und füllte den vom Hotel bereitgestellten Zahnputzbecher mit Wasser. Sie wußte, daß Jack das Zimmer nicht einfach verlassen würde und bemühte sich, sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen als sie die Zahnpasta aus der Tube quetschte. Es machte sie nervös zu wissen, daß Jack neben ihr stand und sie unverhohlen beobachtete. Samantha wagte einen verstohlenen Blick in den Spiegel und fuhr leicht zusammen als ihre Augen Jack's begegneten. Er war, ohne das sie es bemerkt hatte, hinter sie getreten und hielt beharrlich ihrem Blick stand.

Samantha sog bewußt kräftig die Luft in ihre Lungen, da sie das Gefühl hatte, als wären ihre Atemwege unglaublich eng. Und die Luft zusätzlich noch bleischwer. Sam entschied der Situation die Spannung zunehmen und drehte sich unvermittelt zu Jack um.

"Ich würde mir jetzt gerne die Zähne... .", begann sie mit fester Stimme, wurde jedoch von Jack unterbrochen, der sie an seinem Hemd packte und sie stürmisch an sich zog. Samantha prallte haltlos gegen ihn und sah ihn mit aufgerissenen Augen an. Sie suchte gerade noch nach den richtigen Worten, um ihm unmißverständlich klar zu machen, daß er verschwinden sollte, als sie seine warmen Lippen feurig auf ihren spürte. Samantha's Ablehnung schmolz augenblicklich dahin und sie haßte sich dafür. Sie vernahm ein leises Seufzen von Jack als er spürte, daß sie sich entspannte und seinen Kuß ebenso leidenschaftlich erwiderte. Seine Hände lösten sich schließlich von dem Hemd und liebkosten statt dessen ihren Rücken.

Die Zahnbürste fiel mit einem leisen dumpfen Ton unbemerkt auf den Boden als Samantha ihre Arme um Jack's Nacken legte und ihn dichter an sich zog. Sam stöhnte innerlich vor Resignation auf. Warum hatte dieser Mann nur so eine Wirkung auf sie? Weshalb verfiel sie ihm sofort wieder als sie seine Lippen auf ihren spürte? Sie sollte wütend auf ihn sein. Er hatte ein Andere und verführte sie hier ganz ungeniert. Sie sollte auf sich wütend sein, daß sie es geschehen ließ...schon wieder.

Völlig unerwartet unterbrach Jack den Kuß und legte seine Stirn an ihre.

"Oh Gott, Sam, du...ich...", flüsterte er schweratmend und legte seine warmen Hände an ihr Gesicht. "Du bist wunderschön.", brachte er schließlich heraus und küßte sie leicht. "Ich liebe dich."

Samantha wich einen Schritt zurück und blickte Jack fragend an. Er liebte sie? Und was war mit Lydia? Wollte er sie nur wieder weichkochen? Oder meinte er es ernst? Sie wünschte sich nichts sehnlicher, aber fürchtete die Wahrheit. Sie sah ihm in die Augen und bemerkte seinen weichen, ehrlichen Blick. Sollte sie sich täuschen? Er meinte es tatsächlich. Aber was war mit...

"Lydia?", brachte Sam heiser hervor und versuchte mit aller Kraft ihn beherrscht anzusehen.

Eine unangenehme Stille entstand. Immer noch nach Luft ringend starrte Jack sie an. So als wäre es die abwegigste Frage, die Samantha hätte stellen können. Jack schloß für einige Sekunden seine Augen und versuchte ruhiger zu atmen. Schließlich öffnete er sie wieder und blickte Sam fest, aber dennoch liebevoll an.

"Sie ist...", begann Jack mit fester Stimme, griff nach Samantha's Händen und hielt sie fest. Sein Blick hing an ihre und gerade als Jack fortfahren wollte, ertönte aus dem Zimmer ein Handyklingeln. Frustriert ließ er den Kopf hängen.

"Immer im falschem Moment.", brummte er, drehte sich von Sam weg und verließ das Badezimmer.

Samantha stand wie angewurzelt da und starrte dorthin, wo bis eben noch Jack gestanden hatte. Sie konnte seine Augen noch auf sich ruhen fühlen und spürte wie die Haut ihrer Hände nach seiner Berührung schrie. Er wollte ihr doch sagen, daß Lydia ihm egal war, oder? Er wollte ihr sagen, daß er sie liebte... und nicht Lydia. Das wollte er doch, oder? Samantha wußte nicht, was sie glauben sollte. Ihr Gefühl sagte ihr, daß es so war. Aber ihre Vernunft erinnerte sie daran, daß es auch noch andere Möglichkeiten gab.

"Samantha.", drang auf einmal Jack's Stimme zu ihr durch. "Wir müssen los. Jethro Feldman steht auf dem Dach des Mirage und will springen."

Jack hatte wieder diesen professionellen Ton in seiner Stimme und Sam wußte, daß er jetzt Jack, der Vorgesetzte war. Und nicht Jack, der Mann den sie eben noch leidenschaftlich geküßt hatte.

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Es dämmerte als Jack und Samantha das Mirage erreichten. Unzählige Polizei und Feuerwehrwagen standen um das Gebäude und noch mal so viele Beamte liefen aufgeregt durch die Gegend. Die beiden Agents überwanden die Absperrung und hielten ihre Marken jedem vor die Nase, der sie aufhalten wollte. Einige Minuten später hatten sie sich zu dem leitenden Officer durchgekämpft.

"Malone.", stellte Jack sich vor und deutete dann mit dem Kopf zu Samantha. "Das ist Agent Spade."

Der große, breitschultrige Mann mit lichtem Haar nickte kurz und reichte ihnen nacheinander die Hand. "Agent Skinner. Wir haben telefoniert, aber ich muss sie enttäuschen, sie kommen zu spät."

Samantha und Jack erstarrten und blickten Skinner erschrocken und fragend zugleich an.

"Keine Sorge.", schmunzelte er leicht. "Kurz nachdem ich sie angerufen hatte, konnte der Psychologe Mr. Feldman überzeugen nicht zu springen."

Erleichtert atmeten die beiden Agents aus.

"Wo ist er jetzt?", wollte Jack wissen nachdem der Schreck etwas nachgelassen hatte.

"Im Krankenhaus. Er wird ärztlich untersucht, anschließend spricht noch mal ein Psychologe mit ihm und wenn polizeilich nichts gegen ihn vorliegt kann er nach Hause.", erklärte Skinner und fuhr sich kurz über den Nasenrücken.

Samantha und Jack nickten dankend. Agent Skinner verabschiedete sich mit einem kurzen Nicken und verschwand in der Traube von Polizisten, die noch immer vor dem Gebäude standen.

Jack kramte sein Handy aus der Tasche während er neben Sam zurück zum Auto lief. Samantha beobachtete ihn unauffällig und konnte sich gegen den Anflug von Frust und Ärger nicht wehren, der in ihr aufkam als sie daran dachte, was sie unterbrochen hatten nur um hierher zu fahren - nur um das festzustellen, daß alles schon erledigt war. Was hätte sie dafür gegeben zu wissen, was Jack ihr hatte sagen wollen.

"Unser Rückflug geht in knapp drei Stunden.", erklärte Jack nachdem er sein Handy zurück in die Tasche geschoben hatte.

Samantha sah ihn schweigend an und nickte verstehend. Sie hatte gehofft noch ein wenig Zeit mit Jack hier verbringen und vielleicht das Gespräch noch mal aufnehmen zu können. Doch jetzt würden sie es gerade noch schaffen ihre Sachen zu packen und zum Flughafen zu fahren.

Seufzend ließ Sam sich auf den Beifahrersitz fallen.

"Alles okay?", fragte Jack sanft während seine Augen sie aufmerksam beobachteten.

"Ja, alles bestens.", erwiderte Samantha mit ausdrucksloser Stimme und versuchte ihre Aussage mit einem halbherzigem Lächeln zu bekräftigen.

"Warum glaub ich dir das nicht?"

Jack drehte sich, so gut es ging, in seinem Sitz zu Samantha und sah sie eindringlich an. Als sie nicht antwortete, griff er mit einem Arm zu ihr herüber und nahm ihre Hand.

"Was ist los?", fragte er noch mal und drückte dabei leicht ihre Hand.

Samantha versuchte erneut zu lächeln.

"Ich bin einfach nur froh, daß Mr. Feldman nicht gesprungen ist.", log sie und wand ihren Blick von ihm ab.

Enttäuscht, daß sie ihm nicht die Wahrheit sagte, drehte sich Jack wieder zurück und startete schließlich den Wagen.

"Ich auch.", stimmte er ihr tonlos zu.

Samantha hätte sich ohrfeigen können. Warum brachte sie nicht den Mut auf Jack nach dem Gespräch zu fragen? Schlimmer konnte es doch nicht mehr werden, oder? Sie gestand sich ein, daß sie nicht hätte mit Jack schlafen sollen bevor ihre Beziehung nicht geklärt war, aber sie war einfach machtlos gegen ihre Gefühle.

Einige Zeit später stand Samantha in ihrem Hotelzimmer und suchte ihre Sachen zusammen, um sie wieder in ihrer Reisetasche zu verstauen. Jack war ebenfalls dabei seine Tasche zu packen. Er war ungewöhnlich schweigsam seit sie wieder im Hotel waren und versuchte ihr aus dem Weg zu gehen.

Samantha schaute im Bad, ob sie dort noch etwas liegen gelassen hatte und entdeckte das weiße Kleidungsstück auf dem Boden liegen. Sie hob es auf und sah sich noch mal in dem kleinen Zimmer um. Nachdem sie sich vergewissert hatte, daß das Zimmer leer war, ging sie zum Bett hinüber.

"Das ist meins.", ertönte Jack's Stimme.

Sam sah ihn fragend an, da sie zuerst nicht verstand, was er meinte.

"Das Hemd.", erklärte er kurz und deutete auf das Kleidungsstück in Samantha's Hand.

"Oh.", entwich es Sam als sie erkannte, daß er recht hatte. Sie konnte sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen als ihr ihr Versehen bewußt wurde.

Jack erwiderte ihr Lächeln und sah sie aufrichtig an.

"Du kannst es behalten.", bot er ihr an. "Es steht dir sowieso viel besser."

Jack's Lächeln wurde breiter als Samantha überrascht ihre Augenbrauen hob.

"Ist das alles was ich bekomme?", fragte Sam mit leiser Stimme. Ihr Blick gespannt auf Jack gerichtet.

Jetzt war es an Jack überrascht zu schauen und fragend die Augenbraue zuheben. Das Lächeln nicht unterdrücken könnend ging Jack auf Samantha zu, blieb einen Schritt vor ihr stehen und sah sie eindringlich an.

"Was hättest du noch gerne?", flüsterte er und beugte sich zu ihr herunter. Sein warmer Atem streifte ihr Gesicht, Sam schloß ihre Augen und genoß das Gefühl.

Zu einer Antwort nicht fähig, nickte sie nur und öffnete ihre Augen wieder, um Jack's Reaktion zu sehen.

"Du wirst mir schon sagen müssen, was es ist.", wisperte er nah an ihrem Ohr.

Samantha schauderte und ließ das Hemd, welches sie noch krampfhaft festgehalten hatte, los, legte ihre Hände an Jack's Gesicht und streichelte zärtlich seine Wangen.

"Ich will... .", begann sie schließlich mit gedämpfter Stimme.

Jack starrte sie angespannt an.

Samantha seufzte und ließ ihre Hände von seinem Gesicht rutschen. Wie war sie nur in diese Situation geraten? Und wie kam sie hier wieder raus ohne gänzlich ihr Gesicht zu verlieren? Warum war es so schwierig Jack ihre Gefühle zu gestehen? All ihren Mut zusammenkratzend, holte sie tief Luft und sah Jack an.

"... dich.", flüsterte sie schließlich. Doch als Jack schwieg und nichts erwiderte, kroch langsam aber sicher die Panik in Samantha hoch. "Ich...ich weiß, daß du und Lydia. Ich mach dir auch keine Vorwürfe...nur mir."

Samantha trat einen Schritt von Jack zurück als er immer noch schwieg und begann nach Worten suchend wild zu gestikulieren - nur um etwas zutun.

"Ich hätte nicht...ich meine...", Sam wußte selbst nicht so genau, was sie da redete, aber sie wußte nicht, was sie sonst hätte machen sollen. "Lydia ist nett. Wir werden bestimmt nicht die bestens Freunde, aber... . Jetzt sag doch irgendwas, Jack.", flehte sie und blickte ihn bittend an."Ich...warum hast du mit mir geschlafen? Nur weil ich gerade da war?"

"Sam!", unterbrach Jack sie schließlich und überwandt die Entfernung zwischen ihnen. "Halt die Klappe."

Dann küsste er sie einfach. Sam war überrascht, konnte und wollte sich jedoch nicht dagegen wehren. Erleichtert seufzend lehnte sie sich gegen Jack und legte ihre Arme um seinen Hals. Jack's Hände strichen zärtlich über Samantha's Rücken. Ein leises Stöhnen entwich ihrer Kehle und sie lächelte gegen Jack's Mund. Jack konnte ein Schmunzeln ebenfalls nicht unterdrücken, löste sich jedoch ein kleinwenig aus ihrer Umarmung und legte seine Hände wieder an ihr Gesicht.

"Lydia ist mir egal, Sam.", sagte er leise und strich sanft mit seinen Daumen über Sam's Wangen. Sein aufrichtiger Blick machte es Sam unmöglich irgendwas zu erwidern und so nickte sie nur lächelnd. "Du bist mir wichtig...nur du."

Liebevoll zog Jack Sam's Gesicht zu sich und legte seine Lippen erneut auf die ihren.

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"Und es war wirklich schon alles vorbei als ihr dort angekommen seid?", wollte Danny neugierig wissen und blickte gespannt zwischen Jack und Samantha hin und her.

Jack nickte. "Ja, der Psychologe hatte gute Arbeit geleistet."

Das Team saß an dem großen Tisch im Büro und füllt noch die letzten Formulare und Akten zu dem Fall Jethro Feldman aus. Martin sortierte unruhig ein paar Zettel, lauschte Jack's und Samantha's Erzählungen und blickte mehr als einmal auf seine Uhr.

Vivian beobachtete ihn amüsiert und bemerkte ebenfalls den irgendwie anderen Umgang zwischen Jack und Samantha.

Jack blickte in die Runde und erhob sich schließlich von seinem Stuhl.

"Okay, für heute machen wir Feierabend.", entschied er und warf Samantha einen vielsagenden Blick zu.

"Super, bis morgen.", verabschiedete sich Martin kaum das Jack ausgesprochen hatte und lief eilig zum Fahrstuhl.

Verwundert sahen ihm Vivian und Danny hinterher.

Einige Augenblicke später verließen auch Jack und Samantha gemeinsam das Büro. Viv und Danny blickten ihnen nach.

"Warum haben die es alle so eilig?", wollte Danny wissen.

Vivian grinste. "Bestimmt wichtige Termine mit ihren Steuerberatern."

The End