I C – Illogical consequence

Kapitel 8

Als ich am nächsten Morgen aufwache, merke ich, dass er mich ansieht. Ich muss unweigerlich darüber lächeln, schließlich ist es keine Selbstverständlichkeit für mich, neben ihm in seinem Bett aufzuwachen.

Snape scheint es ebenso zu gehen, denn er selbst macht einen nachdenklichen Eindruck auf mich, was mich etwas irritiert. In ihm arbeitet es ohne Unterlass.

Kurz darauf beugt er sich vollkommen unvermittelt über mich und greift nach seinem Zauberstab, um leise einen Verhütungszauber zu murmeln, der sofort zur Wirkung kommt. Wir haben bisher nicht einmal darüber gesprochen, wie wir diese Sache angehen sollen, doch dass er sie von selbst in die Hand nimmt, finde ich gut. So kann ich wenigstens sicher sein, dass ich bei den vielfältigen Möglichkeiten, die uns in der Welt der Zauberei zur Verfügung stehen, nichts falsch mache.

Dann, als er fertig ist, legt er sich wieder zurück aufs Bett und nimmt mich in den Arm. Dankbar für seine Nähe schließe ich die Augen und schmiege mich an seinen warmen Körper. Ich kann kaum glauben, dass das hier alles wirklich passiert. Nie im Leben hätte ich mir träumen lassen, dass es mit uns nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten so enden würde.

Er rollt sich wie automatisch mit mir auf die Seite und lässt seine Finger unter der Decke aufreizend über meine Hüfte hinabgleiten. Seine Hände wandern über meine Beine und schieben sie begierig auseinander. Langsam fängt er an, die Innenseiten meiner Schenkel zu streicheln. Ich höre, dass sein Atem schneller geht. Unmittelbar darauf dringen seine Finger in mich ein. Überrascht ringe ich nach Luft. Er selbst stöhnt leise auf und reibt seinen ohnehin schon willigen Penis an meiner Rückseite, bis er hart und fordernd zwischen uns aufragt. Nur wenige Sekunden später gleitet er mühelos von hinten in mich hinein und nimmt mich hart und ungezügelt mit auf seine vergnügliche Reise.

In mir überschlägt sich alles. Seine Hände umfassen meine Brüste und streichen gekonnt über meine steifen Nippel, sodass ich vor Lust fast vergehe. Jeder seiner Stöße bringt mich etwas Neuem näher, das ich so nicht für möglich gehalten hätte. Als er noch schneller wird, erwischt er einen Punkt in meinem Körper, der mich zweifelsohne all meiner Selbstbeherrschung beraubt.

Ich atme laut hörbar aus, schlinge meine Hände um seine Arme und klammere mich an ihm fest, bis ich es nicht mehr aushalten kann. Ich schmelze dahin, zerfließe schier in seinen Armen. Befreit gebe ich seinem Drängen nach Erlösung nach und lasse mich leise wimmernd fallen, bis wir beide eng umschlungen und nass vom Schweiß den Höhepunkt erreichen.

Nachdem er sich aus mir zurückgezogen hat, liegen wir immer noch eng aneinander geschmiegt wie zwei Löffel in seinem Bett. Nur langsam kommt er zur Ruhe. Ich kann spüren, wie aufgewühlt und zerrissen er ist. Doch es erscheint mir grotesk, dass ihn trotz dieser wundersamen Erfahrung zwischen uns sein Gewissen quält. Er wusste, dass ich bereit war, mich auf dieses Abenteuer mit ihm einzulassen, obwohl ich es nicht wirklich als ein solches bezeichnen möchte, da mir der Ausdruck zu abwertend erscheint. Folglich muss es also noch etwas anderes geben, das ihm nicht aus dem Sinn will.

„Professor?", frage ich leise. Und dann, als er nicht antwortet, drehe ich den Kopf zurück und sehe mich mit seinen schwarzen Augen und den eng zusammengezogenen Brauen konfrontiert.

Ich hatte Recht mit meiner Vermutung. Irgendetwas scheint ihn zutiefst zu bewegen.

„Was geht in Ihnen vor?", dränge ich vorsichtig weiter.

Er nimmt seine Hand und streicht mir sanft eine lose Strähne hinters Ohr, die Augen abwesend auf meine Pupillen gerichtet, als würde er einfach durch mich hindurchsehen.

„Waren Sie jemals an einem Punkt in Ihrem Leben angelangt, an dem Sie nicht weiterwussten?", fragt er mich. Seine Stimme ist dabei so ruhig und tief, dass sie mich frösteln lässt. Ein Hauch Wehmut liegt darin, eine mir unerklärliche Sehnsucht.

Ich muss mich räuspern. Seine Worte versetzen mir einen Stich.

„Ich bin mir nicht sicher", sage ich aufrichtig. „Manchmal dachte ich, da wäre der ein oder andere Moment gewesen, der mich fast zur Verzweiflung gebracht hat. Aber irgendwie ging es dann am Ende immer weiter."

Er blinzelt, bis er mich wieder voll ins Visier gefasst hat.

„Dann haben Sie wohl Glück gehabt", brummt er leise.

Verwundert weiß ich nicht, was ich darauf antworten soll. Bestimmt gab es einige Dinge, die in seinem Leben nicht so verlaufen sind, wie er es sich gewünscht hätte. Die Tatsache zum Beispiel, dass er ein Todesser geworden ist. Aber immerhin arbeitet er so für Dumbledore. Oder etwa nicht?

Während ich mir den Kopf darüber zerbreche, wie es dazu gekommen sein könnte, wird mir erst so richtig bewusst, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Ein paar besorgniserregende Gedanken machen sich in mir breit. Was, wenn wir alle uns darauf verlassen, dass Snape die Dinge für unseren Schulleiter ins Lot bringt, ohne selbst zu wissen, wie es dabei für ihn ausgehen wird? Er wirkt in diesem Moment so verloren auf mich, dass ich mich das unweigerlich fragen muss. Zudem fühle ich mich hilflos, weil ich nicht weiß, was er sich von mir erwartet, indem er mich das fragt.

Je länger ich darüber nachdenke, umso dringlicher zwängt sich mir der Schluss seines Geredes auf. Er will mir etwas mitteilen. Etwas, das er vielleicht bisher noch nie zur Sprache gebracht hat. Etwas, was er nicht leichtfertig hinnehmen würde, weil es zu stark auf ihm lastet.

„Haben Sie mit ihm je über eine Zukunft abseits dieses Lebens gesprochen?", bringe ich besorgt hervor. „Weiß Dumbledore, was in Ihnen vorgeht?"

Er schluckt und überlegt. Vielleicht bin ich ja zu weit gegangen mit meiner Frage. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass er nicht weiß, wie er damit umgehen soll, sich jemandem anzuvertrauen, ist meines Erachtens noch größer.

„Ich denke nicht - ich denke nicht, dass er etwas tun könnte", sagt er schlicht.

Ich muss mich stark zusammennehmen, um nicht die Wut zum Ausdruck zu bringen, die ich bei dieser Antwort empfinde. Nicht seinetwegen, sondern wegen Dumbledore. Snape mag ja für die meisten Menschen ein unnahbarer Zeitgenosse sein, im Grunde genommen aber rührt das nur daher, dass er einsam ist. Ebenso wie ich.

Fest entschlossen, nicht so schnell aufzugeben, drehe ich mich um, sodass ich ihm ungebrochen ins Gesicht sehen kann. Ich nehme meine Hand und lege sie auf seinen Arm, um ihm zu zeigen, dass es selbstverständlich ist, einfach nur mit jemandem über das zu reden, was einen bewegt.

„Wissen Sie", sage ich beschwichtigend und setze ein Lächeln auf, „vielleicht sollten Sie es einfach versuchen. Was kann schon groß geschehen? Er wird Sie schon nicht vor die Tür setzen deswegen."

Er seufzt tief, dreht sich auf den Rücken und fährt sich mit einer Hand durch die Haare.

„Dafür ist es zu spät, Granger. Ich habe ihm mein Wort gegeben, ihm einen Gefallen zu tun."

Mein Lächeln erstirbt. Das klingt nach einer Abmachung mit fadem Nachgeschmack, aus der bestenfalls einer seinen Nutzen ziehen kann, nämlich Dumbledore.

„Ihr Wort für einen Gefallen? Was für ein Gefallen ist es denn?"

„Ich soll jemanden töten", sagt er scheinbar ungerührt.

Oh. Ich muss schlucken. Meine Hand fällt wie leblos von seinem Arm und mein Hals wird ganz trocken. Dumbledore stiftet ihn zum Mord an? Etwas sagt mir außerdem, dass es sich dabei nicht um Voldemort handelt...

„Tatsächlich?", frage ich mit vorgetäuschter Unschuld, obwohl ich mich auf einmal deutlich unbehaglich fühle, weil ich ihn überhaupt danach gefragt habe.

Er schließt die Augen und es wird still.

Was nun? Erwartet er etwa von mir, dass ich das einfach so stehenlasse? Er müsste doch wissen, dass ich das nicht tun kann.

„Warum – warum erzählen Sie mir das?", will ich wissen.

Wie belanglos zuckt er mit den Schultern. „Weil sich dadurch nicht viel ändern wird. Selbst wenn Sie es Potter erzählen, kann er den Lauf der Dinge nicht aufhalten. Er hat schon von Beginn an versucht, mir etwas anzuhängen. Doch ich bin immer noch hier."

Ich bin beinahe sprachlos. Ich kann einfach nicht glauben, was er da sagt.

„Was macht Sie da so sicher? Sagten Sie nicht erst kürzlich, dass Dumbledore so große Stücke auf sein Trio setzt? Für mich klang das ganz danach, als würde er etwas Großes von Harry erwarten."

Snape schnaubt abfällig. „Vermutlich, Granger. Doch wenn Sie mich fragen, hat der Junge keine Chance. Genauso wenig wie wir alle."

Angespannt beiße ich mir auf die Lippe. Langsam aber sicher wird mir richtig mulmig zumute in seiner Gegenwart. Natürlich ist mir bewusst, dass er mir nur die halbe Wahrheit verrät. Etwas mehr wird schon noch dahinterstecken. Außerdem regt sich der Wunsch in mir, Harry davon zu erzählen. Die Frage ist nur, wie ich das anstellen soll, ohne dabei zu verraten, woher ich diese haarsträubenden Informationen habe.

Für eine Weile bin ich so in meine Gedanken versunken, dass ich gar nicht merke, wie er mich von der Seite her mustert. Erst das sanfte Raspeln seiner tiefen Stimme holt mich in die Gegenwart zurück.

„Niemand hat gesagt, dass das hier einfach werden würde, Granger."

Schweigend sehen wir uns an. Seine schwarzen Augen bohren sich unergründlich tief in meine.

„Das ist richtig", gestehe ich leise. „Doch ich hoffe sehr, dass Sie mich nicht nur benutzt haben, um mich auf Ihre Seite zu ziehen."

Snape legt den Kopf schief. „Wozu hätte ich das tun sollen?"

„Keine Ahnung. Die Gelegenheit war da, schließlich kam ich zu Ihnen."

Wie aus dem Nichts kommt seine Hand hervor und umfasst damit meine Wange. Zärtlich und rau spüre ich seine Fingerspitzen auf meiner Haut, sodass mich ein Schauder streift.

„Sie wollten die Wahrheit", sagt er eindringlich. „Da haben Sie sie. Sie haben angefangen, vom Vertrauen zu sprechen. Ich für meinen Teil war nicht sonderlich scharf darauf, wenn Sie sich erinnern."

Beklommen nicke ich. „Das ist wahr. Aber es tut weh, das ausgerechnet aus Ihrem Munde zu hören, Professor. Was Sie sagen, klingt kalt und gefühllos."

„Vermutlich. Ich kann es nicht bestreiten."

Ungläubig muss ich mich schütteln. Mir ist das alles nicht geheuer.

"Ja. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass Sie etwas damit beabsichtigt haben, indem Sie mir das anvertraut haben, nicht war? Warum sollten Sie sonst wollen, dass ausgerechnet ich davon weiß?"

Snape legt seine Hand in meinen Nacken und zieht meinen Kopf zu sich hinab, bis wir uns ganz nahe sind. "Sie kennen den Grund, Granger", flüstert er leise. "Ich habe niemanden sonst, dem ich es sagen könnte."

Obwohl es das tun sollte, überrascht mich sein Eingeständnis nicht sonderlich. Tatsächlich ist es nach all seinen wundersamen Offenbarungen nicht weiter verwunderlich, dass er mir das sagt.

Es wird still zwischen uns. Und je länger wir uns ansehen, desto mehr verspüre ich den Wunsch, ihm zu glauben. Ihm ist schließlich bewusst, dass ich von seiner Einsamkeit weiß. Wieso sollte er mir also etwas vormachen wollen? Andererseits warnt mich ein Gefühl, ihm nicht zu leichtfertig zu vertrauen, obwohl ich es so sehr möchte. Er hat Recht: Nur weil wir miteinander geschlafen haben, muss sich dadurch nicht gleich alles ändern.

"Wenn Sie wollen, dass ich Ihnen vertraue", sage ich mit Bedacht, "sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass ich dieses Vertrauen sofort zurückziehen werde, wenn ich merke, dass Sie nur mit mir spielen wollen."

"Das leuchtet ein, Granger", entgegnet er mit einem amüsierten Lächeln auf den dünnen Lippen.

"Gut. Wir sind uns also einig, dass wir beide uns hier auf gefährliches Terrain wagen", halte ich sicherheitshalber fest. "Sollten Sie mich nämlich für etwas benutzen, um damit einen Vorteil für sich herauszuschlagen, werde ich Ihnen das nicht vergeben, Professor."

Einer seiner Mundwinkel zuckt. Ob Absicht oder nicht, kann ich nicht sagen, doch irgendwie glaube ich nicht, dass er das mit uns leichtfertig hinnehmen wird. Ich war bereit, mich darauf einzulassen, noch bevor ich mir überhaupt richtig meiner Gefühle bewusst war. Wieso sollte es also jetzt anders sein? Noch dazu, wo ich weiß, dass Dumbledore ihm dermaßen vertraut, dass er irgendetwas Geheimnisvolles mit ihm ausheckt, von dem alle anderen keine Ahnung haben, Harry eingeschlossen.

Langsam senke ich meinen Kopf, um ihm noch näher zu kommen. Dann drücke ich meine Lippen auf seine und lasse zu, dass er mich zu sich auf seinen Körper zieht.

Nachdem wir es ein weiteres Mal miteinander getan haben, lösen wir uns sichtlich zufrieden mit dem Verlauf des Morgens voneinander los. Ich muss gestehen, dass es unglaublich gut tut, meine Zeit mit ihm zu verbringen. Dennoch muss ich langsam zurück in meinen Turm, um nicht aufzufliegen.

Schnell verschwinde ich in seinem Bad und mache mich frisch. Als ich dann im Anschluss vor ihm stehe, fällt mir der Abschied alles andere als leicht. Er steigt aus dem Bett und kommt auf mich zu. Alles an ihm riecht nach Sex und Lust, aber es gefällt mir so gut, dass ich ernsthaft mit dem Gedanken spiele, noch eine Weile zu bleiben.

Als hätte er meine unflätigen Gedanken erraten, schüttelt er den Kopf.

"Sie sollten gehen. Es ist besser so, Granger."

Nackt schmiegen wir uns aneinander und so lasse ich mich ein letztes Mal von ihm in den Armen halten. Er küsst mich aufs Haar und wiegt sanft mit mir vor und zurück. Dann macht er sich von mir frei, nimmt mein Gesicht zwischen seine Hände und sieht mich durchdringend an.

"Es werden noch weitere Nächte kommen", sagt er mit einem Funkeln in den schwarzen Augen.

Was auch immer er damit andeuten will, bleibt dahingestellt. Ich hoffe trotzdem inständig, Snape behält Recht.