Ein Gentleman genießt und schweigt

8. In Hogsmade (Part 2)

Eine halb Stunde später stolperten Ginny und Hermine durch die Tür der Drei Besen.

Es war einer der wenigen Momente in denen sich beide wie pubertierende Schulmädchen verhielten. Ginny hatte Hermine erzählt wie sie die allgemeine Reaktion auf das Kleid einschätzte und nun kicherten beide um die Wette.

„Vielleicht sollte ich Collin einweihen damit er seine Kamera bereithält.", lachte Hermine während sie sich einen Weg zu dem Tisch bahnte an dem Lupin einsam und verlassen in sein Butterbier starrte.

„Remus, mein pelziger Freund! Warum sitzt du hier ganz alleine? Wo sind die anderen?", fragte Ginny sobald sie ihn erreicht hatte.

Remus Kopf schnappte nach oben als er seinen Namen hörte und kaum hatte er Ginny und Hermine erblickt breitete sich ein strahlendes Lächeln auf seinem Gesicht aus.

„Hey ihr zwei, da seid ihr ja endlich!", grüßte er.

„Ron und Lavender sind schon vor über einer Stunde zurück zum Schloss gegangen, Harry ist vor zehn Minuten losgezogen um Butterbiernachschub zu holen und kaum war er weg wurde Tonks zu einem Einsatz gerufen.", erzählte er während Hermine sich neben ihm nieder ließ.

„Es tut mir Leid, dass du so lange auf uns warten musstest!", entschuldigte sich Ginny doch Remus winkte ab.

„Eure Gesellschaft entschädigt mich vollkommen!", meinte er, den Blick auf Hermine gerichtet.

Die grinste breit, knuffte ihn in die Seite und lehnte sich dann zu ihm hinüber um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben.

„Ich freue mich auch, dich zu sehen, du alter Charmeur. Und es ist noch schöner zu sehen, dass du deine Schüchternheit nach unserem letzten Intermezzo endlich abgelegt hast!"

Ginny blickte verwirrt von einem zum anderen.

Zwar wusste sie, dass Remus und Hermine befreundet waren, aber noch nie hatte sie erlebt, dass die beiden so vertraut miteinander umgingen.

Oder dass Remus so offensichtlich Komplimente verteilte.

Sie hatte ihn bisher nur als zurückhaltend – um nicht zu sagen schüchtern – erlebt.

Und Remus Reaktion auf den Kommentar trug nichts dazu bei ihre Verwirrung zu mindern, denn er lief tiefrot an als er sich an besagte Begegnung erinnerte.

Es war der letzte Abend der Weihnachtsferien gewesen und Remus und Hermine hatten sich beide auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen in die Bibliothek des Grimmauldplatzes zurückgezogen.

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Hermine hatte es sich auf einem Sessel am Kamin gemütlich gemacht und schien vollkommen in ihr Buch vertieft zu sein und zu lesen.

Wenn man sich allerdings die Mühe machte, sie über einen längeren Zeitraum zu beobachten, stellte man schnell fest, dass sie nichts dergleichen tat. Seit guten zwanzig Minuten starrte sie auf die selbe Seite.

Schließlich hielt sie es nicht mehr aus.

Okay, Remus, raus mit der Sprache! Was ist los?"

Ihr Tonfall sagte deutlich, dass er gar nicht erst versuchen sollte, sie mit einem „Nichts!" abzuspeisen.

Hermine war keineswegs entgangen, dass Remus immer wieder über sein Buch hinweg zu ihr hinüber geschielt hatte.

Gerade so als ob er etwas sagen wollte sich aber nicht traute.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir meine Frage stellen kann.", meinte er schließlich.

Seit dem Weihnachtsmorgen wollte er wissen, was es mit dem Buch von Snape auf sich hatte, allerdings hatte er sich nicht getraut, danach zu fragen.

Ron hatte er nicht fragen wollen, da das Thema für den Jungen offensichtlich ein rotes Tuch war und außerdem war er sich sicher, dass Ron die wirklich interessanten Informationen gar nicht kannte.

Und Hermine…

Nun ja, das Buch war ein Sexratgeber und Hermine seine ehemalige Schülerin was einem derartigen Gespräch in seinen Augen etwas Verbotenes gab.

Mal ganz davon abgesehen, dass er nicht sicher war, ob Hermine ihn als Freund oder nur als ehemaligen Lehrer und Verbündeten ansah.

Remus, frag einfach! Ich werde dich schon nicht verhexen. Das Schlimmste was dir passieren kann ist, dass ich nicht antworte.", ermutigte Hermine ihn.

Sie mochte Remus, aber manchmal machte er sich einfach viel zu viele Gedanken!

Hermine legte ihr Buch beiseite, kuschelte sich noch ein wenig tiefer in den Sessel und sah Remus dann erwartungsvoll an.

Wieso schenkt Snape Ron einen Sexratgeber?"

Als Hermine ihren Zauberstab zückte, war Remus der festen Überzeugung, sie würde ihn doch verhexen. Umso überraschter war er, als sie stattdessen den Raum versiegelte und abhörsicher machte.

Bei dem Thema ist es besser, wenn Ron und Harry nichts von diesem Gespräch mitbekommen.", erklärte Hermine bevor sie auf Remus Frage einging.

Die Frage warum Professor Snape Ron dieses Buch geschenkt hat kann wohl außer ihm selbst niemand so wirklich beantworten. Alles, was ich dazu sagen kann ist das, was er mir geschrieben hat: Es ist sein Geschenk an mich!

Er weiß, dass Ron schlecht im Bett ist und damit ich auch mal Spaß habe…", Hermine unterbrach sich selbst als sie merkte, dass sie durch ihre Wortwahl mehr verraten hatte, als beabsichtigt war.

Er weiß, dass Ron schlecht im Bett ist wie in ‚Snape behauptet nicht nur, dass Ron schlecht im Bett ist, sondern weiß auch, dass es stimmt'?", hakte Remus auch sofort nach.

Hermine nickte nur.

Wie in ‚Ron ist schlecht im Bett und Snape weiß, dass es so ist'?"

Hermine schaffte es nicht, ihrem Freund in die Augen zu sehen sondern blickte beschämt zu Boden während sie Remus Aussage bestätigte.

Hermine, wieso weiß Snape, wie Ron im Bett ist? Die beiden haben doch nicht… Ich meine…"

Hermine brauchte einen Moment bevor sie begriff worauf Lupin hinauswollte, dann brach sie in schallendes Gelächter aus.

Gott, Remus, nein!"

Und dann erzählte sie ihm die Geschichte vom Desaster im Wald.

Nachdem sie geendet hatte saßen sie eine Weile in einträchtigem Schweigen beieinander bevor Hermine ansprach was ihr auf dem Herzen brannte.

Warum hast du mich nicht einfach gefragt? Ich meine, wir sind doch Freunde. Du solltest wissen, dass meine Freunde mich alles fragen können!"

Remus seufzte.

Ich weiß, Hermine. Aber ich bin anders als deine anderen Freunde. Und auch wenn du sagst, dass dich mein Werwolfdasein nicht stört… Ich kann einfach nicht glauben, dass es dich überhaupt nicht beeinflusst."

Hermine zögerte mit ihrer Antwort. Das war ein sehr heikles Thema und sie wollte nicht Remus Freundschaft nicht verlieren.

Du hast Recht, es beeinflusst mich!", gab sie schließlich zu. Ehrlichkeit hatte noch nie geschadet und vielleicht würde Remus etwas selbstbewusster werden, wenn sie ihm verriet, wie genau es sie beeinflusste.

Remus schloss ergeben die Augen.

Er war sich absolut sicher gewesen. Er hatte es gewusst.

Trotzdem machte es erst diese Bestätigung wirklich real.

Aber es beeinflusst mich anders, als du denkst, Remus! Und weil du mein Freund bist werde ich ehrlich sein und dir sagen, wie es mich beeinflusst. Und dann werden wir dieses leidige Thema ein für alle mal hinter uns lassen und nie mehr darüber reden!"

Hermine kniete sich vor Remus Sessel und griff nach seinen Händen.

Sie mich an, Remus!", bat sie.

Sie wartete, bis er ihrer Aufforderung folgte und die Augen öffnete.

Jedes Mal, wenn ich daran denke, dass du ein Werwolf bist, schießt mir nur ein einziger Gedanke durch den Kopf. Und das ist die Frage, ob du nur an Vollmond ein wildes Tier bist oder auch im Bett!"

Hermine lächelte, als sie Remus ungläubiges Gesicht sah.

Sie wusste instinktiv, dass er nicht an dem Wahrheitsgehalt ihrer Worte zweifelte, sondern vielmehr von der Tatsache, dass sie zu derartigen Gedanken fähig war, überrascht war.

Seine stürmische Umarmung bestätigte sie darin.

Du weißt ja gar nicht, was für ein riesiger Stein mir gerade vom Herzen gefallen ist.", nuschelte Remus in ihr Haar bevor er ihr einen sanften Kuss auf die Stirn gab.

Und du weißt ja gar nicht, wie sehr ich hoffe, dass Tonks niemals erfährt, was ich eben gesagt habe!", kam Hermines gemurmelte Antwort.

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Während Remus in Erinnerungen schwelgte, überlegte Ginny, was genau Hermine gemeint haben könnte, als sie vom ‚letzten Intermezzo' gesprochen hatte.

Sie war sich sicher, was immer auch zwischen den beiden vorgefallen war, es war nicht in den Weihnachtsferien passiert. Schließlich waren die beiden da noch nicht so vertraut miteinander umgegangen.

Allerdings hatte Hermine nie von einem Gespräch oder einem Treffen mit Remus erzählt und ihr fiel nur ein Grund ein, warum Hermine etwas derartiges verschweigen sollte.

„Du hast mit Remus geschlafen?!"

Hermine sah ihre Freundin entsetzt an.

„Was? Nein! Ich würde doch nie mit einem verheirateten Mann schlafen!"

„Dann, Miss Granger, wird ihr zukünftiger Ehegatte ein sehr bedauernswertes Leben führen.", kommentierte eine ölige Stimme.

Keiner der drei hatte bemerkt, dass Severus Snape sich ihrem Tisch genähert hatte. Umso überraschter waren sie, als er sich plötzlich ins Gespräch einmischte.

Hermine erholte sich als erste wieder von ihrem Schrecken.

„Ich habe sie gar nicht gesehen, Professor! Setzten sie sich doch zu uns!", lud sie ihn ein.

Snape musterte Hermines Tischgenossen skeptisch bevor er sich einen Ruck gab und sich elegant auf dem Stuhl Hermine gegenüber nieder ließ.

Schließlich beendete Hermine das allgemeine Schweigen bevor es zu unbehaglich wurde und sagte das erste, was ihr in den Sinn kam.

„Was ich mich schon frage, seit ich ihre Weihnachtsgrüße bekommen habe, Professor: Das Buch, was Sie Ron geschenkt haben, haben Sie es selbst auch gelesen?"

Snape schenkte ihr einen amüsierten Blick bevor er eine Antwort gab, die Remus fast an seinem Butterbier ersticken ließ.

„Gelesen, Miss Granger? Ich habe es geschrieben!"