Kap.. 8
Ob er noch mit hochkommen wollte? Natürlich war Paul schon einige Male mit oben gewesen, aber eben um Fiona abzuholen und jetzt war Fiona nicht da; jetzt waren sie allein. Paul brachte keinen Ton heraus; er nickte nur und folgte Ann. Das Klicken des Schlüssels im Schloss kam Ann um ein Vielfaches lauter vor als sonst; die Tür schloss sich hinter den beiden. Ann drehte sich zu Paul um und dann spürte sie seine Arme um Schulter und Taille und seinen Mund auf dem ihren. Es war wie ein Fieber, das über sie beide kam. Paul presste sie eng an sich; seine Finger glitten über ihre Haare, ihren Hals, dann tiefer. Ann spürte eine leichte, zarte Berührung an ihren Brüsten, während ihre eigenen Hände Pauls Rücken hinunter tiefer wanderten. Er stöhnte und….Rrrring!Rrrrring!
Ann und Paul fuhren auseinander wie ertappt. Noch atemlos blinzelte Ann mehrmals. „Warte mal," sagte sie heiser. „Ich… ich bin gleich wieder da." Rrrring! Rrrring! Sie strich ihre Bluse glatt und hastete ans Telefon im Wohnzimmer; Paul folgte ihr. „Hallo?...Hallo? – Seltsam, wieder niemand dran, das ist schon das zweite Mal diese Woche," murmelte Ann und legte den Hörer auf.
Noch immer schwer atmend blickte Paul Ann an und nahm sie erneut in den Arm. „Ich glaube, es war ganz gut, dass das Telefon geklingelt hat," sagte er leise und seine Finger fuhren zärtlich über ihr Gesicht. „Ich hätte heute Nacht für nichts garantieren können und ich glaube, wir sollten es etwas langsamer angehen. Ich möchte nicht, dass du morgen früh etwas bereust." Er schüttelte den Kopf. "Ann, du kannst mir glauben…" Sanft küsste er Ann nochmals und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen, bevor er sie losließ. „Ich glaube, ich gehe jetzt besser, sonst…." sagte er widerwillig und sein Blick ließ keinen Zweifel daran aufkommen, was dieses sonst bedeutete. „Ann, ich verstehe nicht wie, aber du bedeutest mir jetzt schon so viel..."
Ann spürte Pauls fragenden Blick und lächelte ihn an. „Paul, ich…. Mir geht's genauso und ich würde auch gerne…Ich bin ganz durcheinander, aber wenn du morgen Zeit hast…"
„Ich hole dich morgen Nachmittag um Drei ab, in Ordnung?" Als Ann nickte, drückte Paul ihr einen zarten Kuss auf die Wange und berührte ihre Lippen mit seinen Fingern. Dann verschwand er.
Ann spürte noch seine Berührung auf ihren Lippen. Auch wenn er gegangen war, es konnte keine Rede sein von langsam angehen. Das war Lichtgeschwindigkeit. Sie wusste, es könnte schwierig werden, vor allen Dingen, wenn diese Beziehung nicht so liefe, wie sie es sich wünschte. Aber irgendwann hatte sie gewusst, dass sie es riskieren musste.
Als Ann am Montag zur Schule fuhr, musste sie in Gedanken an den Sonntagnachmittag lächeln. Sie hatte sich wie ein verliebter Teenager gefühlt, als sie mit Paul in den kleinen Stadtpark am Rand von Manchester gegangen war und offensichtlich war es ihm genauso ergangen. Sie wussten, dass es in der Schule anders sein musste und wollten auch nicht, dass irgendjemand von ihrer Beziehung erfuhr – jedenfalls vorläufig nicht. So war sie Paul im Lehrerzimmer nur einen kurzen Blick zu – Später! sagte der Blick und wurde erwidert.
Der große Tag war, auf den die ganze Schule gewartet hatte, war vorbei. Die South-Side-School hatte den Pokal nicht mit nach Hause nehmen können, aber sie waren Vizemeister geworden, etwas, was sich niemand vor wenigen Monaten auch nur im Entferntesten hätte vorstellen können.
Ann hatte sich nie für Rugby interessiert, sich von Paul aber vorher die Regeln erklären lassen. Sie erinnerte sich noch an seine Verwunderung: Warum wollte sie die Regeln wissen, nur weil er sich dafür interessierte. Sie vergaß auch sein Gesicht nicht, als sie ihm sagte, dass sie es wegen ihm wissen wollte, weil es ihm so wichtig war, offensichtlich war er das nicht gewohnt. Aber nach wie vor hatte er wenig von sich selbst erzählt. Und wie viel hast du ihm von Greg erzählt? Ebenfalls nichts! Aber sie hatte das Kapitel Greg wohl endgültig abschließen können, während er Dinge aus seiner Vergangenheit nach wie vor nicht verarbeitet hatte.
Abends wurde in einem Lokal gefeiert. Mrs. Evans, eine Nachbarin, hatte sich bereit erklärt auf Fiona aufzupassen. Es dürfe nicht zu spät werden, hatte sie erklärte, aber ansonsten sei Fiona ja ein nettes Mädchen. Es wurde ein lustiger Abend, den alle genossen.
„Ich wusste gar nicht, dass du dich so für Rugby interessierst," sagte Parker Reynolds zu Ann. „Du hast ja ungeahnte Fanqualitäten." Später, als ein breites Grinsen Anns Gesicht überzog, schaute Britney Sheer sie ganz seltsam an. Ann lachte noch mehr bei dem Gedanken, was die Kollegin wohl sagen würde, wenn sie jetzt vor allen Leuten Paul um den hals gefallen wäre, wie sie es am liebsten getan hätte. Sie hatte gesehen, wie viel ihm dieser 2. Platz bedeutet hatte. Langsam löste sich die Gesellschaft auf. Paul schaute auf die Uhr; er musste jetzt auch aufbrechen, wenn er Fiona rechtzeitig abholen wollte. Ann bezahlte, sie war mit dem Bus gekommen und würde ihn auch zurück nehmen; die Haltestelle war nur wenige Meter von ihrem Haus entfernt. Gleichzeitig mit Paul trat sie auf den Bürgersteig.
„Ich kann dich doch mitnehmen, Ann," meinte Paul. „Ich hab extra nichts getrunken, damit ich das Auto nehmen kann.."
„Lass gut sein Paul, es macht mir nichts aus. Wenn du jetzt noch den Umweg machst, kommst du zu spät und du hast mir mal erzählt, wie Mrs. Evans ist. Ist wirklich in Ordnung." Sie öffnete ihre Handtasche und kramte nach ihrem Portemonnaie.
„Wirklich Ann, warum willst du den Bus nehmen, wenn ich dich genauso gut mitnehmen kann?"
Ann erstarrte; auf einmal fühlte sie sich, als ob eine eisige Hand nach ihr gegriffen hätte. „Ich muss wirklich los, Paul, sagte sie heiser. Der Bus fuhr vor und Ann stieg hastig und wortlos ein, ohne Paul noch einmal anzuschaun.
„Ann, was ist los? Was hast du?"
