Kapitel – 8
A/N: Leider war die Swingerclub-Folge der Amis eher langweilig, keinerlei E/O das nennenswert gewesen wäre. Sorry zudem, dass es mit dem Update ewig dauert im Moment aber Real-Life is keeping me busy.
Sobald sie wieder in New York waren, würde all dies in Vergessenheit geraten. Olivia würde weiterhin mit Männern ausgehen und er abends zu seiner Frau und den bald erwachsenen Kindern nachhause fahren. Daher versuchte er alles in Erinnerung zu behalten. Alles.
Als Munch frühmorgens das Zimmer betrat sah er Liv und Elliot eng umschlungen im gemeinsamen Bett liegen, als wären sie schon ewig in der Situation, sich ein Bett zu teilen. Elliot lag beinahe komplett auf Olivia drauf, seine Nase berührte sie an ihrer Wange, seine Hand umschlang eine Brust, hielt sie fest, als würde sie dies jede einzelne Nacht machen. John schmunzelte, schmunzelte und lächelte, zog sein Telefon aus der Hosentasche und zog mit diesem, die Welt kontrollierenden Gerät, ein Foto. Zudem schätze er sich glücklich, dass der Auslöser niemanden aufgeweckt hatte, um beiden die Blamage zu ersparen.
Doch war es ein Anblick den er insgeheim erwartet hatte. John hatte zwischendurch gemerkt, dass etwas vorgefallen sein muss, was daran lag, dass sie sich mehr aus dem weg gingen als zuvor, die Türe schlossen, wenn sie irgendetwas diskutierten, was sie am Abend vorhatten, gemeinsam über einen Vorfall sprachen – auch wenn dies niemals vorzukommen schien.
Manchmal fragte sich Munch, was sie erlebten, über das sie nicht sprachen und sie sollten es mit ihm besprechen. Sie schlichen sich in den frühen Morgenstunden ins Haus, wechselten kaum ein Wort, sobald die Türe hinter ihnen geschlossen war und verhielten sich teilweise etwas gekünstelt – als würden sie etwas verbergen. Nur was?
Einmal hatte er bereits Bericht erstattet, dass sie ein Paar kennengelernt hatten, welches sie dann auch eingeladen hat, einen anderen Club zu besuchen. Beim Background-Check war nichts rausgekommen, zu Johns Verwunderung. Oder eigentlich nicht zur Verwunderung, es hätte ihn erstaunt, wenn sie am ersten Abend auf das richtige Paar, den richtigen Mann, getroffen wären.
Als Liv sich etwas bewegte, schlich er sich aus dem Zimmer, lehnte die Türe abermals an und stand noch einige Sekunden am Gang, bevor er sich ans Frühstück-machen machte.
Ihre Augen waren geschlossen gewesen, als eine Hand fest, zu fest, ihre Brust umklammerte, sie umschloss, lieblich, erotisch und zugleich etwas schmerzhaft, wenngleich erregend, befriedigend und lustfördernd. Noch nie war sie in einer Stimmung wie dieser aufgewacht, in einer die sie hoffen ließ, dass sie sich befreien konnte von dieser festen Umarmung, um ihr Problem – im wahrsten Sinne des Wortes – selbst in die Hand zu nehmen. Doch es schien, als würde dies nicht passieren wollen, da der muskulöse Körper keinerlei Regung zeigte, als sie versuchte, diesen zu bewegen. Sie war wie eingeschlossen. Fühlte sich geschmeichelt und doch verunsicherte sie der Fakt, dass es ein verheirateter Mann war, der sie so berührte.
Es hatte etwas länger gedauert, bis sie sich befreit hatte, aber schlussendlich war sie duschen gegangen, hatte seinen Geruch von ihrem Körper abgewaschen und war in einem Laufoutfit aus dem Haus gegangen. Olivia musste einen klaren Kopf bekommen und das Laufen war immer schon eine Option für sie gewesen.
Sie lief den Radweg entlang, eine Stunde vielleicht auch länger bevor sie überhaupt den Gedanken hegte umzukehren. Scheiß triefte von ihrer Stirn, das Wasser war ihr bereits ausgegangen. Für eine Minute gestand sie sich ein, dass sie vielleicht zu weit gelaufen war, vielleicht im Haus anrufen sollte, mit der Bitte, sie abzuholen. Aber dann, als sie auf den Stufen eines Hauses saß, erkannte Olivia, dass sie sich diesen Fehler nicht eingestehen durfte, dass sie mit Elliot geschlafen hatte und nun, ja, nun musste sie mit den etwaigen Konsequenzen leben. Nur welche würde es geben?
„Wo warst du?", fragte Elliot aufgewühlt, als sie, am Ende ihrer Kräfte, das Haus betrat. Vielleicht waren es vier Stunden gewesen, vielleicht weniger, die sie insgesamt unterwegs gewesen ist. Sie wusste es nicht und es war ihr egal.
Als sie schließlich unter der Dusche stand, musste sie feststellen, dass ihre Haut stark gerötet war, man die Ränder ihres Shirts genau erkennen konnte.
Nur mit seiner Hilfe schaffte sie es in den ersten Stock und unter die Dusche. Keine Worte wurden gewechselt und sie stieß ihn nicht von sich, als er ihr quasi die Sportkleidung vom Leib riss und sie unter die kühlende Dusche stellte, ihr ein Glas Wasser einflößte.
„Welche Dummheiten du machst", sagte er leise, als er neben ihr in der Dusche zu Boden sank. Ein Blick auf ihren Rücken ließ Bände sprechen, nur mit intensiver Pflege würde sie in den nächsten Tagen in der Lage sein, ohne starke Schmerzen, Kleidung zu tragen.
Jetzt erst bedachte er, dass es ihr eventuell unangenehm sein konnte, dass er sie nackt sah, an einem Tag, an dem sie nicht in einem Swingerclub waren, einem Tag …
„Liv wir müssen dich eincremen. Ich schicke John in die Apotheke und lasse ihn eine Salbe holen, inzwischen solltest du dich abtrocknen und ins Bett legen."
„Ah …", stöhnte sie nur, als sie sich langsam aufrichtete. Er half ihr, tupfte ihren Rücken zärtlich ab, versuchte sie so wenig wie möglich zu berühren.
Als sie nackt am Bett lag, schob er ein frisches, dünnes Laken über ihren Körper, bis sie schließlich bis über den Po bedeckt war.
Elliot kümmerte sich darum, dass Munch Schmerztabletten und eine heilende Salbe holen fuhr und holte Liv ein großes Glas Wasser mit einem isotonischen Mittel, um sie wieder auf die Beine zu bekommen.
„Liv?", fragte er vorsichtig, als er wieder das Schlafzimmer betrat und sie nackt, schlafend, vor ihm lag. Ihr Haar war inzwischen getrocknet, ihre Nase tief in den Polster vergraben. Elliot kniete sich neben das Bett und strich ihr mehrmals sanft das Haar zur Seite, bis sie schließlich aufwachte. „Liv, trink das, du brauchst das."
Sie richtete sich etwas auf, zog das Laken über ihre Brust, aber keineswegs verlegen sondern eher in einer Art Reflex. „Danke", sagte sie leise und trank die gelbliche Flüssigkeit in kleinen Schlucken.
„Wieso bist du so weit gelaufen, Liv?", fragte er sie sanft und strich weiter immer wieder das Haar aus ihrem Gesicht.
Olivia wollte mit den Schultern zucken, aber die vorhandenen Schmerzen ließen dies nicht zu. „Ich weiß es nicht, habe das Gefühl für die Zeit verloren."
„Du hättest anrufen können …."
„Ich hatte kein Telefon mit und …", und die neue Nummer kannte sie noch nicht auswendig, vielleicht hätte sie sonst angerufen und sich abholen lassen. Von John.
Wenige Minuten später traf John ein und sah, wie die beiden leise plauderten, Elliot saß immer noch auf dem Bett, Liv hatte die Beine aufgestellt und ihre Brust gegen die Knie gelehnt.
„Dich hat's erwischt", kommentierte er nur, als er sich auf die andere Seite des Bettes setzte und einen Aftersun-Spray aus der Papiertüte nahm und großzügig begann ihren Rücken einzusprühen. „Das darfst du nicht mehr machen. Wie schaut das bloß in einem deiner sexy Outfits aus", sagte er mit einer gewissen Ironie in der Stimme.
„Glaub mir eines John, das ist meine geringste Sorge. Das Unterrichten in passender Kleidung bereitet mir … uh … das ist kalt." In der Apotheke hatte er mehrmals nachgefragt, welche Medizin die beste sei und hatte mehr als wahrscheinlich notwendig eingekauft, allerdings kannte er Olivias Gewohnheiten nicht und wie sie mit einem Sonnenbrand umging. Egal wie intensiv die Sonne in New York bisher gewesen war, sie hatte zuvor nicht einmal eine rote Nase gehabt, auch wenn sie den ganzen Tag im Freien gewesen war, nicht einmal rötlich war sie gewesen und Sonnencreme hat er sie noch nie benutzen gesehen. Stets hatte er gedacht, dass es an ihrer von Natur aus eher olivfarbenen Hautfarbe läge.
„Du wirst es morgen sicherlich bereuen."
„Das Laufen ….", sagte sie mit einem Stöhnen am Ende.
„Nein, dass man dich für den Lehrberuf eingeteilt hat. Die Teens werden sicherlich über deine rote Nase lachen." Kaum hatte John den Satz vollendet. Kurz lachten alle gemeinsam, bevor Liv abermals das Gesicht vor Schmerzen verzerrte.
„Diese hat man mir auch gegeben", sagte John und reichte ihr zwei Schmerztabletten, die sie ohne weitere Diskussionen mit einem Schluck einnahm.
„Leg dich noch etwas schalfen, Liv, ich sprühe dir noch einmal den Rücken und die Schultern ein und dann ruhe dich etwas aus."
John verließ den Raum, warf einen Blick zurück und konnte erkennen, wie Liv ohne weiteres Schamgefühl, ohne darauf zu achten, wie weit das Laken rutschen würde, sich wieder auf den Bauch legte. Intimität.
„In Zukunft läufst du nur noch mit mir, nicht mehr alleine."
„Und was soll das bringen? Dann habe ich keine Sekunde mehr für mich", antwortete sie ihm leicht entrüstet.
„Wenn du alleine sein willst, geht das auch anders."
„Ich laufe immer, wenn ich nachdenken muss."
„Wir sind nicht in New York, Liv. Kalifornien ist anders. Setz dich auf den Strand, in den Schatten, schwimme, jogge am Abend, aber wenn du untertags gehst, dann nicht mehr alleine."
Elliot meinte es nicht böse, wollte sie nicht in ihrer Freiheit einschränken, allerdings war sie es stets gewesen, die Leute von sich wies, es bevorzugte alleine zu sein. Aber sie waren hier ein Ehepaar und mussten sich auch so verhalten, konnten es nicht riskieren durch solch eine Blödheit aufzufliegen. Enttarnt zu werden.
„Ich laufe immer alleine."
„Nein, wir sind auch gemeinsam gelaufen. Hier sind wir aber eine Ehepaar und Paare machen solche Sachen gemeinsam."
„Was weißt du schon von der Ehe?", sagte sie wütend und stand auf, das Lacken um sich geschlungen und schritt zum Fenster.
„Mehr als du Liv, immerhin war ich einmal verheiratet."
Und mit diesen Worten hatte er das Messer, welches er vorher langsam in ihre Magengegend gestoßen hatte, umgedreht, Schmerzen verursacht. Ihr den letzten Stoß versetzt.
Nur in das Laken gehüllt schritt sie auf den Balkon, wissend, dass er hier den Streit nicht fortsetzten konnte, da man sie hören würde, so eng wie die Häuser hier aneinander standen. Von hier aus konnte sie einige Kinder am Strand spielen sehen, wie sie stets versuchten, vor den Wellen wegzulaufen und doch war das Meer meist schneller.
„Ich möchte nicht mit dir streiten", sagte Elliot leise, als er plötzlich hinter ihr auftauchte, „das möchte ich wirklich nicht … mein Liebes … aber du solltest einsehen, dass es unvernünftig ist, um diese Uhrzeit so weit zu laufen, schau dir deinen Rücken und deine Brust an, alles dunkelrot."
„Lass mich in Frieden", erklärte sie ihm, ging ihm aus dem Weg und legte sich wieder aufs Bett. Bevor er wortlos den Raum verließ, sprühte er ihr abermals den Rücken ein – kein Bitte, kein Danke – und richtete dann gemeinsam mit Munch ein Mittagessen, lediglich für sie beide. Liv betrat den restlichen Tag, bis in die frühen Abendstunden die untere Etage des Hauses nicht mehr.
Ja, sie fühlte sich verletzt durch Elliots Worte, obwohl sie wusste, dass er es wahrscheinlich nicht so gemeint hatte, wie sie es aufgefasst hatte. Es war das erste Mal, dass sie mit einem Mann auf so engem Raum zusammenlebte, stets hatte sie es verhindern können, dass ein Mann richtig bei ihr eingezogen war. Und nun war es nicht nur ihr Partner, mit dem sie ein Haus und Bett teilte, nein, es war ihr verheirateter Partner, mit dem sie auch schlief – des Jobs wegen. Doch konnte sie sich das selbst natürlich nicht so eingestehen, sie hatte Gefühle für ihn, die seit Jahren über das Partnerschaftliche hinausgingen. Weit hinaus.
+++ Kapitel 8 +++
