Harrys Augen verengten sich zu Schlitzen als er seine beiden besten Freunde gegenüber von ihm, an ihrem üblichen Büchereitisch sitzen sah. Er war gerade etwas schlecht auf Parvati zu sprechen, war es sie doch gewesen, die ihn erst auf das seltsame Verhalten seiner Freunde aufmerksam gemacht hatte. Sie berührten sich ständig und kicherten, was Harry früher nie aufgefallen wäre.
Hermine stieß Ron an und zeigte auf die Seite des Buches, was vor ihnen aufgeschlagen lag. Beide glucksten noch mal und Ron bedeutete Hermine noch näher zu kommen.
Harry fühlte sich eine unsichtbare Hand langsam um sein Herz schloss und er sagte diese Worte bevor er überhaupt wusste was er sagen wollte: „Ihr beide macht nicht mitten in der Bücherei miteinander rum, oder?"
„Kumpel, alles klar?" fragte Ron während ihn Hermine nur erschreckt und verwirrt anstarrte.
„Es ist nichts.", sagte Harry schnell und wünschte er hätte die Worte eben nie ausgesprochen.
Hermine, die leider manchmal schlauer war, als es ihr gut tat, schüttelte ihren Kopf: „Du glaubst doch nicht all den Gerüchten, die hier umhergehen?"
„Was, dass ihr beide zusammen ausgeht?", fragte Harry schon wieder etwas kälter.
„Ja genau, dieses Gerücht.", bestätigte Hermine, „Oh Harry, gerade du solltest es besser wissen und nicht auf den Klatsch aus den Hallen Hogwarts hören."
Harry wusste das sie Recht hatte, nach den ganzen Gerüchten, die in den vergangenen fünf Jahren in Hogwarts verbreitet wurden, war es besser auf sich zu hören, als auf diesen ganzen sinnlosen Klatsch Hogwarts. Trotzdem störte ihn etwas, warum hatte Ron bisher nicht protestiert? Doch eigentlich hatte sich Ron in solchen Dingen noch nie lautstark bemerkbar gemacht.
„Tut mir leid Hermine, ich weiß nicht was ich gerade gedacht habe.", sagte Harry, auch wenn er noch etwas skeptisch war, was Ron und Hermines Beziehung zueinander anging.
„Ich habe heute Hannah Abbott und Ernie MacMillian getroffen und sie wollten beide wissen, wann du wieder mit DA starten willst.", erzählte Hermine um das Thema zu ändern.
„Ich habe bisher gar nicht gewusst, dass ich es wieder anfangen will.", gestand Harry.
„Was?", fragte Ron ein bisschen zu laut und erhielt von ein paar Ravenclaws, die einen Tisch weiter saßen, böse Blicke. „Du musst es wieder anfangen, der dunkelste Zauberer aller Zeiten, wartet um dich zu töten! Du brauchst so viel Übung, wie du bekommen kannst!"
„Ron!", warnte ihn Hermine, „Du hast wirklich keine Ahnung wie man jemanden richtig überzeugt, weißt du das eigentlich?"
Rons Nase kräuselte sich aber er ging nicht weiter auf das Gesagte ein.
Hermine dreht sich wieder Harry zu: „Harry, du bist ein wunderbarer Lehrer und wegen dem was zur Zeit in der Zaubererwelt passiert ist es deine Verantwortung uns weiter zu helfen uns vorzubereiten."
„Meine Verantwortung.", murmelte Harry mit Hass.
„Du könntest mit Professor O'Riley sprechen und DA als offiziellen Schulklub anmelden.", fuhr Hermine fort.
Du musst nicht mit dem Wissen leben, dass du entweder tötest oder von Voldemort getötet wirst, dachte er sich.
„Warum startest du DA nicht neu? Du weißt so oder so wahrscheinlich mehr über Verteidigung gegen die dunklen Künste als ich.", fuhr Harry sie an.
„Es war nur ein Vorschlag. Du musst ja nicht gleich den Kopf abbeißen.", meinte Hermine gekränkt, „Denk trotzdem einfach mal drüber nach."
Harry nickt auch wenn er wusste das er seinen Entschluss schon gefasst hatte.
Hermine und Ron packten ihre Bücher zusammen und sagten Harry auf wiedersehen. Dann machten sie sich auf zu ihrer üblichen Vertrauensschüler-Rundgang. Ein schreckliches Bild von Ron und Hermine stieg in Harrys Kopf auf, die beiden versteckten sich in einer dunklen Ecke, Händchen haltend und sich küssend.
„Hör auf damit.", sagte sich Harry ein wenig zu laut.
„Redest du jetzt schon mit dir selbst, Potter?", fragte Ginny und grinste ihn an.
„Hey Ginny", grüßte Harry etwas verlegen.
Sie nahm den freien Platz neben ihm ein: „Womit aufhören?"
„Mit gar nichts.", sagte er schnell.
Ginny sah ihn skeptisch an: „Bist besorgt wegen dieser Sache mit Ron und Hermine?"
Harry hasste die Art, wie Ginny und Hermine immer seine Gedanken zu lesen schienen...
„Ich kriege es nur nicht aus meinem Kopf.", bekannte er dann.
Ginny legte ihm freundlich ihren Arm auf die Schulter: „Es ist ganz normal sich so zu fühlen, ich meine überleg' mal wie seltsam es aussähe die beiden sich küssend zu sehen oder was wäre wenn sie auf einmal mehr Zeit alleine verbringen wollten."
„Ich weiß, zwei sind eine Gesellschaft, drei eine Gruppe.", seufzte Harry nach Ginny Vortrag.
„Bist du eifersüchtig?", fragte sie neugierig.
„Nein, natürlich nicht. Ich liebe Hermine nicht, falls du das fragen wolltest.", sagte Harry schnell.
„Natürlich nicht.", Ginny lachte.
Harry schüttelte den Kopf: „Es käme mir so falsch vor. Ich meine, Hermine ist wie eine Schwester für uns. Es wäre als ob du und ich ausgehen würden."
„Du denkst also von mir als eine langweilige kleine Schwester.", fragte Ginny anklagend.
„Jaähm.", begann Harry, dem das ganze nun etwas peinlich wurde.
„Schon gut Harry, ich bin sehr geschmeichelt, dass du so über mich denkst.", versicherte ihm Ginny.
Ginny wurde nicht rot und giggelte auch nicht, was Harry sehr an ihr gefiel. Sie saß einfach nur da, wie versunken in ihren Gedanken.
„Weißt du...", sagte sie schließlich, „...dein Gesellschaftskalender könnte mal wieder etwas Abwechselung vertragen."
Harrys Kopf schoss nach oben und er sah sie ungläubig an. Sein Kopf hatte so eine ruckartige Bewegung vollzogen, dass seine Brille nicht mitgekommen war und auf seinem Schoss landete.
Ginny lacht: „Nein, ich will nicht mit dir ausgehen, Harry."
„Das weiß ich.", versicherte er.
„Lass mal sehen.", murmelte sie sich auf eine hoffnungslose Suche machend, „Parvati mag dich, du könntest sie fragen."
„Ich mag Parvati nicht.", sagte er unmittelbar, „nicht auf diese Weise."
Ginny grinste und schüttelte den Kopf: „Ich weiß. Was ist mit Cho, sie und Michael haben sich getrennt."
„Ginny", wollte Harry beginnen, doch Ginnys teuflisches Grinsen ließ ihn verstummen.
Sie erhob sich und wollte schon weggehen.
„Wo willst du hin?", fragte Harry sie verdutzt.
„Ich bringe mich selbst nur wieder in Unheil auf Weasley-Art.", sagte sie verschlagen.
Harry musste nicht weit schauen um zu sehen welches Unheil Ginny gemeint hatte. Sein Herz setzte für einen Moment aus, denn Ginny näherte sich niemandem anderes als Cho Chang.
„Bitte nicht.", hoffte er im Stillen.
Er drehte sich unauffällig um, als er die beiden Mädchen miteinander reden sah und sein Magen schlug auf dem Boden auf, als er Ginny einen Bewegung in seine Richtung machen sah.
„Nein...", sagte er so leise, das er nicht wusste ob er es wirklich ausgesprochen hatte.
Doch es war zu spät, schon näherte sich Cho seinem Tisch.
„Hallo Harry.", sagte sie und wurde fürchterlich rot, „ich würde gerne."
„Gerne was?", fragte Harry dumm.
Für einige Sekunden sah Cho ihn verwirrt an: „Mit dir nach Hogwarts gehen. Ginny hat mir erzählt, dass du mit mir dahin wolltest, aber zu nervös warst mich zu fragen."
"War ich das?", fragte Harry wieder in einem dummen Ton.
Cho biss sich auf die Lippe: „Ist okay, wenn du nicht willst. Ich verstehe schon."
Sie machte auf dem Absatz kehrt und Harry vernahm diese vertrauten Schluchzer in ihrer Stimme.
„Nein, ich wollte eigentlich dich fragen.", sagte Harry plötzlich, als er die tödlichen Blicke von Ginny sah, vom anderen Ende des Raums. „Ich wollte dich nur selbst fragen."
Wirklich gemein Harry, dachte er sich.
Cho drehte sich wieder um, ihr Gesichte hatte nun die Farbe eines reifen Apfels angenommen: „Großartig, wir werden so eine tolle Zeit haben."
„Ich kann's kaum erwarten.", sagte Harry mit einem fast unhörbar, sarkastischen Unterton.
Cho winkte ihm und ging davon, aber nicht ohne sich alle paar Schritte nervös über die Schulter zu sehen.
Harry schüttelte denn Kopf und sah hinunter zu seinem Buch: „Wenn sich dieses Weasley-Mädchen noch mal zurück traut, dann werde ich ihr mal kräftig die Meinung sagen!", dachte er sich.
Doch Ginny sollte niemals zurückkehren, sie ließ Harry mit dem bitteren Gefühl zurück, in weiteres, verdammtes Date mit Cho gezwungen worden zu sein.
Die Dinge konnten nicht schlechter laufen. Und nachdem Harry ein bisschen abgekühlt war, packte er seine Bücher zusammen und machte er sich auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum der Gryffindors. Auf dem Weg ging er alle möglichen Entschuldigungen, die ein Mann kannte, um eine bevorstehendes Date abzusagen. Cho langweilte ihn nur, mit ihren mädchenhaften Schluchzern und Tränen.
„Peitschende Weide", murmelte er, als er das Portrait der fetten Dame erreich hatte, sie besah ihn vorsichtig und klappte dann zu Seite um ihn einzulassen.
Ich wünschte Sirius wäre hier, er könnte mir da heraushelfen, dachte sich Harry.
Er fühlte eine Welle der Depression über ihn kommen, als er an seinen gefallenen Paten dachte. Harry wusste, dass er Sirius' Ratschläge vermisste, in so wichtigen Dingen wie zu überleben, aber nun dämmert ihm, dass er auch keine ältere, väterliche Figur zum reden hatte, für Fragen, die mehr mit dem Erwachsenwerden zu tun hatten.
Harry sah lange genug hoch, um Neville und den Creevey-Brüdern, die gerade Neville neue Pflanze unter die Lupe nahmen, ein freundliches Hallo zuzurufen.
Neville kam zu ihm herüber: „Harry, ich bin so aufgeregt. Ich kann kaum bis morgen warten.", er winkte noch mal und ging wieder, auch die Creevey-Brüdern streckten beide Daumen vor Aufregung hoch.
Was nur los mit ihnen, fragte Harry sich.
Er fühlte wie ihn ein weibliches Paar Hände von hinten umschlangen und drehte sich zu einer lächelnden Parvati Patil um: „Ich glaube es ist eine wunderbare Idee, ich wusste dass du früher oder später wieder beginnen würdest."
„Danke.", sagte Harry, noch weiter verwirrt.
Sie zwinkerte: „Hast du schon die Ankündigung für den ersten Hogsmeade-Besuch gesehnen?"
Vielleicht war Harry nicht schlauste wenn es um Mädchen ging, doch er merkte wohin das ganze gehen sollte.
„Ja euh, ich hab's gesehen.", sagte er möglichst kurz und suchte den Raum nach einem Ausweg ab.
„Gut...", beharrte Parvati.
„Gut, kommst du am Freitag zu der Quidditch-Auswahl?", er versuchte verzweifelt das Thema zu wechseln.
Er fühlte wie ihre Hände in die seinen glitten und schloss seine Augen, wünschend jetzt irgendwo anders zu sein, weit weit weg.
„Ich weiß, du bist schüchtern.", flüsterte sie ihm ins Ohr, „aber ich bin es nicht."
Es fühlte sich, als ob Harry einen riesigen Kloß im Hals hätte, der ihn davon abhielt seine Stimme zu finden.
„Ich möchte mit dir nach Hogsmeade gehen.", sagte sie unverblümt.
Hilf mir jemand, irgendjemand, betete Harry im Stillen.
Er fühlte, wie sich ihr Gesicht dem seinen näherte, er konnte ihren Atem an seinem Ohr hören.
Bitter dachte er: Ich dachte immer, Mädchen sollen sich passiv verhalten.
„Ich würde gerne, aber ich habe schon Pläne.", brachte Harry schließlich heraus und bedauerte es gleich wieder.
Parvati wurde kühler und macht so eine schnelle Bewegung rückwärts, dass es Harry fröstelte: „Mit wem gehst du aus?"
„Mit niemanden den du kennst, nur einem Freund aus einem anderen Haus.", sagte Harry mit abnormal hoher Stimme.
Ihre Züge entspannten sich ein bisschen als sie das Wort „Freund" hört: „Vielleicht könnten wir uns in Hogsmeade für Lunch oder so treffen?"
Harry fühlte einen kurzen Stich bei ihrem Vorschlag, doch er antwortete: „Ja, vielleicht schon."
Parvati grinste und Lippen kam wieder ganz Nahe an sein Ohr heran: „Weißt du, Harry, ich liebe einen Wettbewerb!"
Parvati gab seine Hand frei und ging hinüber zu Lavender und Seamus, die eine Couch direkt vor dem Feuer belegt hatten. Harry sah ihr nervös hinterher und versuchte herauszufinden was er so falsch gemacht hatte, um diese Art von Tortur durchmachen zu müssen.
Schließlich erhob sich er und ging die Stufen zum Jungenschlafraum hoch, er war bereit, diesen Tag voller Stress endlich zu beenden. Er betrat den Raum und ging zu seinem Bett hinüber, nichts Vorstellbares konnte mehr schief laufen.
„Morgen um neun, richtig?", hörte er Dean plötzlich fragen.
„Häh?", fragte Harry und nun begann er langsam zu begreifen was alle meinten.
Dean runzelte die Stirn und packte die Münze zurück in seine Tasche: „Noch immer der Raum der Wünsche?"
Harry antwortete nicht mehr, er murmelte nur noch ein Wort: „Hermine!"
