Kapitel 8
„Hermine?" „Ja?" „Ich gehe mich entschuldigen. Kommst du mit?" Damit hatte Ron seine Freundin überrascht. „Entschuldigen? Bei wem und wofür?" „Bei Harry."
„Wie bitte? Wofür denn bitte sehr? Er benimmt sich doch die ganze Zeit…" „Hermine, bitte. Du bist nur böse, weil du nicht genau weißt was passiert ist und Harry uns nicht wie früher alles erzählt hat. Aber mal ehrlich: wir haben ihm auch nicht alles erzählt, oder? Wir haben ihn die ganze Zeit unterschätzt, für ein unreifes Kind gehalten. Dass er jetzt sauer ist und uns erst Recht nichts erzählt ist doch verständlich, oder? Und ich habe mit meiner Eifersucht alles nur noch schlimmer gemacht. Und dafür werde ich mich entschuldigen. Ich werde versuchen, ihm zu erklären warum ich Draco Malfoy nicht vertrauen konnte und werde ihn bitten mir zu sagen, was ihn überzeugt hat."
Hermine war sprachlos. Harry hatte sich so anders benommen, und jetzt wollte Ron vor ihm kriechen um ihn zurückzubekommen? „Ron, was auch immer passiert ist, ich kann den Malfoys nie vertrauen! Sie hassen Muggle und Mugglegeborene…" „Hermine! Versuch es doch wenigstens! Wir waren die ganzen Jahre mit Harry befreundet und du warst mir immer böse, wenn ich mich mit ihm gestritten habe, jetzt machst du das Selbe. Ich gehe jetzt zu ihm, du kannst mitkommen oder nicht."
Ron ging und Hermine starrte ihm einen Moment fassungslos hinterher bevor sie aufstand, ihm hinterherlief und sagte: „Ich hör es mir an, und dann bilde ich mir eine Meinung." Ron lächelte nur. Zusammen suchten sie Harry und fanden ihn, natürlich, in den Kerkern bei Draco. Die beiden kamen gerade aus dem Gemeinschaftsraum der Slytherin, auch wenn das Gryffindorpärchen das nicht wusste.
„Sieh an. was macht denn das Goldene Pärchen von Gryffindor hier bei uns schwarzen Seelen?" Harry musste kichern, Ron biss die Zähne zusammen und Hermine sah sich in ihrer Ansicht bestätigt, womit sie auch nicht hinter dem Berg hielt. „Ich habe dir gesagt, dass das eine schlechte Idee ist, Ron!" „Sei still Hermine. Als würde einer bei uns anders reagieren wenn er zu uns in den Turm käme."
Hermine schwieg beleidigt. Draco lachte. „Wann bist du denn unter dem Pantoffel hervorgekommen, Weasley?" „Ich habe mit dir im Moment noch nichts zu schaffen, Malfoy", sagte Ron vorsichtig und ohne die übliche Feindseligkeit. „Harry, ich weiß dass wir uns in letzter Zeit gestritten haben, aber könntest du dich einen Moment von Malfoy losreißen und mit mir sprechen? Ich möchte keinen neuen Kampf anfangen, ich verspreche es dir."
Der Schwarzhaarige sah ihn einen Moment nachdenklich an um dann mit einem Nicken ein paar Schritte zur Seite zu treten. Ron folgte ihm und ließ Hermine zurück, die nicht mit Malfoy alleine bleiben wollte und ihm deshalb hinterher eilte.
„Okay, Ron, was willst du?" „Mich entschuldigen." Harry hob eine Augenbraue, verbarg aber ansonsten seine Überraschung und auch Hoffnung. „Guck bitte nicht so, Harry. Es tut mir leid, dass wir dich so behandelt haben, als wir dich in den Ferien gesehen haben. Wir haben so lange gesehen, wie schwer dir der Krieg fällt und haben uns die ganze Zeit Sorgen gemacht, dass wir dich irgendwann einfach raushalten wollten, weil wir dachten es wäre besser für dich. Und als Mama dann anfing, dass du den Kampf nicht führen könntest, hörte sich das am Anfang so ähnlich an, darum haben wir auf sie gehört.
Sie meinte es auch nicht böse, aber… na ja, das muss sie selber mit dir klären. Auf jeden Fall tut mir leid, wie wir uns benommen haben, und ich hoffe du kannst uns verzeihen. Und bitte, wenn du kannst, erkläre mir was die Malfoys so verändert hat. Du weißt, dass ich sie von Anfang an nicht mochte und es ist einfach so schwer, eine so alte Meinung ohne Erklärung zu ändern. Aber wenn es nicht geht, dann werde ich dir einfach vertrauen."
Harry begann zu lächeln. „Danke, Ron. Ich nehme deine Entschuldigung natürlich an und ich kann dir gleich auch erklären, was passiert ist. Es ist eigentlich sehr einfach." Dann wandte er sich Hermine zu und wartete halb hoffend halb zweifelnd ob sie Ron folgte.
Sie biss die Zähne zusammen. „Mir tut es auch leid, wie ich dich behandelt habe." Sie seufzte. „Ron hat eigentlich alles gesagt. Für mich gilt dasselbe mit den Malfoys. Ich hoffe, du kannst zumindest für den Anfang damit leben, dass ich nur keine offene Feindseligkeit verspreche. Vielleicht kann ich mich aber auch daran gewöhnen, das er sich geändert hat."
Harry legte nachdenklich den Kopf schief. „So sehr hat er sich eigentlich nicht verändert. Nur im Bezug auf mich. Er wird für mich auch eure Anwesenheit akzeptieren, euer Freund wird er wahrscheinlich nie, das wäre sowohl von euch als auch von ihm zuviel verlangt." Er lächelte. „Und jetzt sagen wir ihm Bescheid, dass wir irgendwo hingehen, wo ich euch in Ruhe die ganze Geschichte erzählen kann. Er wird aber wahrscheinlich mitkommen wollen."
Ron und Hermine nickten und folgten Harry, als der seinen Partner ansteuerte. „Draco, ich werde ihnen erklären was passiert ist. Kommst du mit?" Der Vampir nickte sofort, er hatte nicht vor wegen dem Duo von seinem Elfen getrennt zu werden.
Während die vier zu einem leeren Raum gingen, betrachtete Draco Harry. Ihm fiel auf, wie glücklich er jetzt war, seit das Dumme Duo (wie Draco sie in Gedanken nannte) ihm offenbar ein Friedensangebot gemacht hatte. Er nahm sich vor, sobald wie möglich mal mit den beiden privat reden und ihnen klar machen, wie sehr sie Harry verletzt hatten und was mit ihnen passieren würde, wenn sie das noch mal taten. Außerdem konnte er einen kleinen Funken Eifersucht nicht unterdrücken. Es passte ihm gar nicht dass Harrys Herz so stark an jemand anderem hing als ihm, auch wenn er das nie zugeben würde.
„Okay, wie fange ich am besten an? Draco sei still!" Draco, der den Mund geöffnet hatte um zu sagen „Am Anfang.", gehorchte grinsend. Harry warf ihm einen amüsierten Blick zu und fuhr fort: „Es fing eigentlich an, als ich einmal spazieren ging und in einem Park über Lucius stolperte." Draco, der sich das bildlich vorstellte, fing an zu kichern.
„Draco! Jedenfalls, er hatte mich nicht gesehen und ich habe einen Unsichtbarkeitszauber um mich gelegt, damit das auch so blieb. Zu dem Zeitpunkt dachte ich auch noch dass die ganze Familie Malfoy böse ist. Von Professor Snape ganz zu schweigen. Ich habe dann eine interessante Unterhaltung zwischen Lucius und Narcissa, die dann plötzlich auftauchte, belauscht. Darin kamen ein paar Sachen zu Tage, die ich euch nicht erzähle, weil sie Privat sind, die mich aber von ihrer, nun, sagen wir positiven Grundeinstellung überzeugt hat. Draco kam als nächstes, dass war ehrlich gesagt sehr schnell. Professor Snape hat mir verraten, mit welchem Zaubertrank Dumbledore vergiftet wurde, den kann ich euch auch zeigen. Snape hatte keine andere Wahl, als so zu handeln wie er es getan hat, das Gift hätte Dumbledore sowieso getötet, aber er wollte es so, damit Snape überlebte."
Einen Moment war Stille, als Hermine und Ron verarbeiteten was sie gerade erst gehört hatten. Diesen Moment nutzte Draco um zu seinem Seelenpartner zu gehen und diesen zu ein bisschen knutschen zu verleiten. Harry ging auch glücklich darauf ein, die Wiederholung der Geschehnisse hatte ihn emotional erschöpft und er konnte so mit seinem Vampir auftanken. Das riss aber das Gryffindor – Pärchen aus ihrer Stille. Hermine war die erste die die Frage stellte, die beiden auf der Zunge lag: „Wir wissen jetzt, wie ihr Frieden geschlossen habt. Aber es war doch trotzdem ein wenig schnell von Waffenstillstand bis Pärchen, meint ihr nicht auch?"
Harry sah nervös zu ihnen herüber. Vor dieser Frage hatte er ein wenig Angst gehabt, er wusste nicht wie die beiden darauf reagieren würden. Draco spürte wie sein Elf sich verspannte und setzte ihn sich kurzerhand auf den Schoss, Harrys Rücken an seiner Brust, und legte seine Arme um ihn. Dann grinste er Hermine und Ron über die schwarzen Wuschelhaare hinweg an und sagte: „Ich habe ihn mit einem Trank an mich gefesselt und jetzt ist er mein Sklave – er gehört MIR!"
Wie erwartet bekam Harry daraufhin einen Lachanfall. Er wusste schließlich aus Erfahrung wie leicht er den Vampir um den Finger wickeln konnte.
Jetzt entspannter und immer noch grinsend wandte er sich an die beiden Gryffindor vor ihm und sagte: „Nein, das natürlich nicht, dass letzte Mal als ich testete tat er noch was ich wollte und nicht umgekehrt."
Er holte tief Luft. „Also, wie viel wisst ihr über Elfen, Vampire und so weiter?" Hermine blinzelte verblüfft. „Wie bitte?" Ron hingegen schien zu verstehen. Er lachte leise und sagte zu Draco: „Du hast also auch Kreaturen – Blut? Das hätte ich mir denken müssen. Was bist du denn?" Seine Freundin starrte ihn an als hätte er den Verstand verloren, wurde aber vorerst ignoriert. „Ich bin ein Vampir." „Und Harry ist dein Seelenpartner?" „Ja." „Na ja, ich werde mich zwar immer noch an dich gewöhnen müssen, aber zumindest kann ich dich jetzt einschätzen." Er sah Harry neugierig an.
„Wie lange hast du gebraucht, bis du dich an den Gedanken gewöhnt hattest?" „Nun… ich bin ein Elf und brauche ihn genauso wie er mich, daher sind wir recht schnell über eventuelle Streitpunkte hinweggekommen." Ron lachte wieder. „Das kann ich mir denken. Na gut, wir sprechen uns wahrscheinlich später noch, ich muss Hermine erklären was hier los ist." Er warf einen Blick auf das geschockte Mädchen neben sich. „Ich glaube kaum dass es hier in Hogwarts Bücher über dieses Thema gibt also weiß sie nichts davon."
Draco wollte das kommentieren aber Harry hielt ihn davon ab und verabschiedete seine Freunde lächelnd. Als diese weg waren fiel er seinem Partner strahlend um den Hals. „Sie sind mir nicht mehr böse! Sie sind wieder meine Freunde! Danke, das du dich nicht querstellst, Dray, das bedeutet mir wirklich sehr viel!" „Ich weiß, mein kleiner Elf", antwortete Draco mit einer zärtlichen Stimme, die außer Harry niemand zu hören bekam. „Dass ist auch der einzige Grund, warum ich mir Mühe gebe. Aber wenn sie dich noch einmal verletzen, dann werde ich mich mal mit ihnen unterhalten, ich hoffe du erwartest dann keine sehr große Zurückhaltung von mir." „Keine Sorge. Wenn ich das möchte, dann halte ich dich selber zurück. Und jetzt schlage ich vor, wir ziehen uns zurück." „Da werd ich nicht nein sagen." Sie grinsten sich an und verschwanden für ein paar Stunden.
„Gut, Ronald Weasley! Jetzt sind wir alleine und ich möchte endlich eine Erklärung! Was ist da los? Seit wann gibt es Vampire die Tags herumlaufen können und Elfen? Davon habe ich noch nie etwas gehört!" „Na ja, wie gesagt, es gibt hier keine Bücher darüber. Die meisten alten reinblütigen Familien haben Kreaturenblut in ihren Adern, so haben sie ihre Magie gestärkt und Inzest verhindert. Bei den Malfoys scheinen dass Vampire zu sein.
Verwechsle das nicht mit den geänderten Vampiren, die durch Biss von Menschen zu Vampiren wurden, so wie Werwölfe. Über sie weißt du Bescheid, wahrscheinlich besser als ich. Aber Malfoy ist ein Nobler Vampir. Dass heißt, er hat einen Seelenpartner, in diesem Fall Harry. Der Seelenpartner ist der einzige, der einem Noblen Vampir Blut geben kann. Andersherum kann der Vampir, wenn er schon lange mit seinem Partner zusammen ist, spüren wenn dieser in Problemen steckt.
Ein Vampir im Allgemeinen ist Arrogant, kommt weder mit Menschen noch mit Tieren klar und hält seinen Partner, seine Familie und seine Ehre für die wichtigsten Sachen in der Welt, in dieser Reihenfolge. Er würde vor allem für seinen Seelenpartner alles tun. Wenn er von seinem Seelenpartner abgewiesen wird, tötet sich ein Vampir meistens selber."
„Na gut, das passt ja alles sehr gut auf Malfoy. Auf beide. Aber warum spielt Harry da mit? Warum lässt er sich sein Blut von so einem Monster saugen?" Hermines Stimme war immer schriller geworden. Ron auf der anderen Seite kniff die Augen zusammen als er den Begriff Monster hörte.
„Hermine, Malfoy ist kein Monster. Ich mag ihn auch nicht besonders, aber jetzt gehst du zu weit. Das ist schlimmer als wenn jemand Werwölfe Monster nennt, und da warst du immer gegen. Werwölfe oder auch geänderte Vampire haben unter gewissen Umständen keine Kontrolle über sich, dann werden sie wirklich zu Monstern. Noble Vampire, wie Malfoy einer ist, haben im Allgemeinen mehr Kontrolle über sich als Menschen, sie sind Kontrollfreaks und fangen damit bei sich an.
Und warum Harry das mitmacht: du hast es doch gehört, er ist ein Elf. Da er dunkle Haare hat, tippe ich mal auf Dunkelelf, die passen sowieso gut zu Vampiren. Denn Dunkelelfen saugen auch Blut, aber nicht als Ernährungsergänzung wie Noble Vampire. Sie haben auch Seelenpartner und verwenden Blut um die Verbindung zu ihren Seelenpartnern zu erschaffen und zu stärken.
Elfen haben eine tiefe Verbindung zur Natur und damit auch zu Tieren jeder Art. Zum Beispiel ist Parselzunge unter Elfen sehr verbreitet, Harry könnte es also auch daher haben. Elfen, Dunkelelfen im Besonderen, sind Misstrauisch und Vertrauen nicht leicht, aber wenn man dieses Vertrauen einmal gewonnen hat, kann man es kaum verlieren. Wir haben es auch mit unserem Verhalten nicht geschafft, denn sonst hätten wir ihn so verletzt dass Malfoy uns dafür schon längst zerfetzt hätte.
Dunkelelfen haben ein natürliches Talent für Manipulationen, sie benutzen das normalerweise für Streiche, das kann man bei Harrys Vater sehen. Aber sie erkennen Manipulationen auch sehr schnell, wenn der Orden jetzt versuchen will Harry für Politik einzuspannen sollten sie damit ganz vorsichtig sein."
Hermine sah ihn entsetzt an. „Das ist doch nicht mehr unser Harry! Kein Wunder, dass wir gedacht haben, er sei einer Gehirnwäsche unterzogen worden! Wird er je wieder er selbst?" Ron seufzte. Er wünschte wirklich, dass es nicht nur Mugglekunde für Zauberer geben würde, sondern auch Zaubererkunde für Mugglegeborene. Er konnte das nicht erklären, Verdammt noch mal!
„Hermine, am besten du sprichst mit einem Lehrer darüber. Das Problem ist nur, der Professor, der am meisten darüber weiß, ist wahrscheinlich Snape. Aber versuch es trotzdem bei meiner Mutter oder McGonnagal, aber bitte, sag nicht dass Harry ein Elf ist. Nicht ohne seine Erlaubnis. Ich glaube nicht, dass wir uns noch viel erlauben dürfen, bis wir seine Freundschaft verlieren. Ich kann dir nur soviel sagen, dass das, was er jetzt ist, sein wahres Ich ist. Er wird nicht wieder wie früher, das ist unmöglich, und er wird es auch nicht wollen, da kannst du sicher sein."
Hermine sah ihn einen Moment fassungslos an, wirbelte dann herum und verschwand. Ron seufzte wieder. Am besten er sprach mit Harry darüber, wie er sich jetzt verhalten sollte. Außerdem musste er ihn vorwarnen, dass Hermine möglicherweise weitererzählte, dass er ein Elf war.
