Kommentar: Wow, ich werde ja geradezu überhäuft mit eurem Lob, vielen lieben Dank, das tut mir wirklich gut Ich hoffe, euch gefällt, was Herbert mit Alfred anstellt, ich jedenfalls mag die Idee. Es wird allerdings noch nicht allzu ernst, den lemon-Teil spare ich mir noch ein wenig auf. Ich wünsche euch viel Spaß, wem irgendwas Konstruktives einfällt, in welche Richtung auch immer, nur raus damit, ich lebe davon g

Stimmungsschwankungen

Zu Alfreds Überraschung geschah zunächst einmal gar nichts weiter, außer dass Herbert sich hin und wieder bewegte, doch er fühlte sich viel zu müde, um nachzusehen, was der andere tat. Ihm waren die Augen zugefallen und er döste nun ein wenig vor sich hin, das warme Wasser und die Massage hatten ihn trotz allem schläfrig gemacht und sein schwacher Kreislauf tat sein Übriges dazu. Schlafen, einfach nur schlafen, für eine lange Zeit, mehr wollte er jetzt gar nicht, doch das war ihm nicht vergönnt, denn bevor er einschlafen konnte, setzte Herbert sich auf und zog ihn mit sich. Warum konnte er ihn nicht einfach in Ruhe lassen, er wollte doch nur ein kleines Schläfchen halten und sich ein wenig ausruhen.

Doch Herbert hatte wohl andere Pläne mit ihm, denn er machte nicht die mindesten Anstalten, ihn alleine zu lassen. „Chéri, wach auf. Erinnerst du dich, wir wollten dir doch helfen, dass du wieder zu Kräften kommst." Alfred begriff nicht ganz, was der andere von ihm wollte, doch mit einem Mal fand er sich seitlich auf Herbert liegend wieder. Was sollte das denn bitte werden, er lag ja wie ein kleines Kind an seiner Brust! Er wollte sich losmachen, als der Ältere ihm in den Nacken griff und ihn in Richtung seines Halses drückte. Was tat er denn da nur?

„Trink.", hörte er die leicht rauchige Stimme an seinem Ohr und da begriff er endlich, was Herbert vorhatte. Aus den Augenwinkeln sah er noch den Krug auf dem Nachttisch stehen, dessen Rand an einer Stelle blutverschmiert war. Anscheinend hatte Herbert getrunken, damit er, Alfred sich an ihm stärken konnte.

Einen Moment zögerte er, doch auf Herberts Frage, worauf er noch warte, konnte er sich nicht mehr beherrschen. Vor seinem misslungenen Fluchtversuch hatte er nichts zu trinken bekommen, überhaupt fühlte er sich auch durch die Kälte sehr durstig und so überlegte er nicht mehr lange, sondern biss einfach zu. Wie ein paar Nächte zuvor strömte warmes Blut in seinen Mund, seine Kehle hinab und eine Art Rausch schien ihn zu überkommen. Seine Lippen umschlossen die Bisswunde fest, damit kein Tropfen entkam, seine Zähne gruben sich erneut in Herberts Hals und er trank immer mehr und mehr. Die Welt um ihn versank und alles, was blieb, war der rote Strom aus der Wunde an Herberts Hals direkt in seinen gierigen Mund.

Dabei hörte er nicht, wie Herbert erst vor Schmerz, dann vor Lust aufstöhnte. Er hatte nicht damit gerechnet, dass der Junge so fest zubeißen und so gierig trinken würde. Doch dann wich das Gefühl des Schmerzes dem der Erregung und er überlies sich dem überwältigenden Rausch seiner Gefühle. Mittlerweile zitterte er am ganzen Körper und er reagierte mehr als deutlich auf den engen Kontakt zu seinem Liebsten, doch der schien das nicht mitzubekommen. Er verlor sich in seinem Durst und dem Genuss, das Blut eines Älteren zu trinken. Wie schon einige Nächte zuvor gingen Herberts Hände auf Wanderschaft und erkundeten den weichen Körper des Jungen, fuhren unter den Stoff des Bademantels, den Alfred noch immer trug, über seine Brust, seinen Rücken, die Oberschenkel hinauf. Fast wäre er einen Schritt zu weit gegangen, doch er hatte sich einen letzten Rest Beherrschung bewahrt.

Alfred ahnte nicht, was er in dem Älteren auslöste, er war nur froh, endlich wieder etwas zu trinken zu bekommen. Jeder Tropfen war ein einziger Genuss und es kam ihm so vor, als würde dieses Blut anders schmecken, als das, dass er sonst von Koukol gebracht bekommen hatte. Doch woran das liegen mochte oder ob er es sich nur einbildetete, war ihm nun völlig egal, er wollte nur seinen Durst stillen mit der leisen Hoffnung im Hinterkopf, dass er dann endlich wieder bei Kräften wäre und doch noch weglaufen konnte. Die Hände, die über seinen Körper wanderten, nahm er kaum war, sie störten ihn auch nicht, zumal er gar nicht mitbekam, dass sie zu Herbert gehörten.

Ein paar Züge gestatte der Ältere ihm noch zu trinken, doch dann drückte er ihn von sich, was Alfred mit einem unwilligen Knurren beantwortete. Das Blut an Herberts Hals glänzte und erst jetzt stellten sie beide fest, dass Alfred sie wohl beim Trinken aufgerissen hatte. Innerlich fluchte Herbert schon wieder lauthals, denn eigentlich hatte er das hier anders beenden wollen, doch er hatte gemerkt, dass Alfred zu viel in zu kurzer Zeit trank. Für jemanden wie ihn stellte das natürlich kein Problem dar, doch er hatte Pläne für diese Nacht gehabt, die ihn einiges an Kraft gekostet hätten. Die konnte er damit auch beenden, zuerst musste er die Blutung stoppen, zumal Alfred auch nicht so wirkte, als könnte er sich sonst lange von ihm fernhalten. Eigentlich ein netter Gedanke, doch in diesem Zusammenhang wenig hilfreich.

Er angelte zwei Taschentücher aus dem Nachtkästchen und presste sie auf die Wunde, was Alfred aufmerksam und mit leicht enttäuschtem Gesichtsausdruck beobachtete. Im Nu hatten sich die Tücher mit der roten Flüssigkeit vollgesogen, die nun seine Brust in zwei schmalen Streifen hinablief. Nur sehr widerwillig schob er Alfred von sich, stand auf und begann, die Kommode neben der Tür zu durchwühlen. Das Erstbeste, was er in die Finger bekam, war ein Handtuch. Gut, dann musste das eben reichen. Er wischte sich das Blut von der Brust, riss das Handtuch in drei kleinere Stücke und legte sie übereinander auf seine Schulter. Auch dieser Stoff, ursprünglich weiß, wechselte schnell die Farbe, jedoch saugte er das Blut wesentlich besser auf.

Als er sich umdrehte, fiel sein Blick sofort wieder auf Alfred, der noch immer auf dem Bett kniete. Sein Gesicht spiegelte wie so oft all das wieder, was er im Moment empfand. Seine Enttäuschung darüber, dass er nicht weitertrinken durfte. Seine Wut auf sich selbst, weil er sich schon wieder Herbert überlassen hatte und sich nicht gegen dessen Berührungen gewehrt hatte. Seine Verlegenheit und Scham, weil ihm wohl aufgefallen war, wo die fremden Hände ihn berührt hatten und zu wem sie gehörten. Langsam schritt er zu ihm herüber und lies sich wieder auf der Matratze nieder. Alfred war ein Stückchen zurückgewichen, um wohl zumindest ein wenig Sicherheitsabstand zwischen ihnen zu halten.

„Geht es dir jetzt wieder besser, chéri? Das Blut hat dir bestimmt gut getan, nicht?" Er streckte eine Hand nach ihm aus, um sie über seine Wange streichen zu lassen. „Nachdem wir dieses kleine Problem beseitigt haben, solltest du mir vielleicht erzählen, was du im Wald so weit weg vom Schloss wolltest, meinst du nicht?" Schlagartig vergass Alfred, was gerade geschehen war, und begann fieberhaft nach einer Antwort zu suchen, die die Wahrheit verbergen konnte. Ein Blick zu Herbert sagte ihm allerdings sehr schnell, dass der keine Lügen gelten lassen würde. Er würde merken, ob er bei den Tatsachen blieb oder nicht, sodass Alfred erstmal gar nichts sagte.

Aber auch das rettete ihn nicht, denn Herbert lies nicht locker. „Alfred, ich will doch nur wissen, was geschehen ist, dass du dich in eine solche Gefahr begiebst. Ich habe mir schreckliche Sorgen gemacht, als du plötzlich verschwunden warst." Er hatte genau Alfreds Schwachpunkt getroffen, denn wann immer er anderen Problem oder Unannehmlichkeiten bereitete, bekam er ein schlechtes Gewissen, sogar, wenn es Herbert war. Aber konnte er ihm das wirklich sagen? Er hatte kein allzu großes Vertrauen in den älteren Vampir trotz allem, was der getan hatte, um sein Zutrauen zu gewinnen. Der durchdringende Blick, der auf ihm ruhte, brachte ihn schließlich dazu, sehr zögerlich zu erzählen, was er sich bei seinem Fluchtversuch gedacht hatte.

„N-na ja, ich... ich weiß nicht, ich habe den ganzen Tag wach gelegen und nachgedacht. Ich wusste einfach nicht, warum ich noch hierbleiben sollte. Ich habe ja jetzt keinen Grund mehr... Sarah liebt deinen Vater sehr... und ich..." Er brach ab und wischte hastig eine Träne, die ihm übers Gesicht lief, ab, schniefte und fuhr sich mit dem Ärmel über die Augen. Er durfte jetzt nicht weinen, nicht vor Herbert, denn der andere würde das mit Sicherheit ausnutzen, daran gab es für Alfred keinen Zweifel. Oder er würde über ihn lachen, weil er so albern war, wegen eines Mädchens sein Leben aufs Spiel zu setzen. Tapfer hielt er die Tränen zurück, doch als er wieder aufsah, fand er sich schon in Herberts Armen. Jeder Versuch, sich loszumachen, war zwecklos, kräftemäßig war er ihm bei weitem trotz der großen Bisswunde unterlegen.

Doch schließlich brach der Widerstand in ihm und er begann, leise zu weinen, das Gesicht an Herberts Brust verborgen. Dessen Hemd wurde von den Tränen schnell feucht und immer wieder strich er Alfred durch die weichen Locken. „Bitte beruhige dich wieder, Liebling, es wird doch alles wieder gut." Wie einem kleinen Kind flüsterte er ihm diese Worte zu und tatsächlich wurde aus seinem Weinen bald ein leises Schluchzen. Herberts zweite Hand strich ihm langsam über den Rücken, bis Alfred wieder zur Ruhe kam. Schade, dass er ihn nicht länger in den Armen halten konnte, befand Herbert, der sich mittlerweile zu gern zum Ausweinen anbot.

Der Junge schien seinen Kummer immer zu verbergen, egal wie groß oder klein er war. Wie anders war er selbst in dieser Hinsicht doch. Er hatte nie einen großen Hehl aus seinen Gefühlen gemacht, es gab ja auch niemanden, der ihn für seine Gefühlsausbrüche ermahnt hätte, zumindst nicht als Untoten. Früher hatte sein Vater immer gewollt, dass er Stärke zeigte und seine Empfindungen verbarg, doch inzwischen hatte er diesen Erziehungsversuch aufgegeben.

Der Professor hatte sicherlich auch keine hohe Meinung von Gefühlen, er hatte ja nur die Wissenschaft im Kopf, was Herbert zutiefst langweilte. Auch, wenn man es ihm nicht anmerkte, doch er war sehr belesen und gebildet, der Graf hatte viel Wert auf eine standesgemäße Ausbildung gelegt, doch all diese Dinge waren ihm herzlich egal. Er brauchte sie ja nicht, wozu auch?

„Ich wusste ja nicht, dass du so unglücklich darüber bist. Du hängst noch immer sehr an ihr, nicht wahr?", fragte er mitfühlend. Alfred nickte nur, er liebte Sarah mehr denn je, doch sie hatte ihn abgwiesen, interessierte sich nicht mehr für ihn, sondern hatte nur Augen für Herberts Vater.

„Das beste wird jetzt sein, wir bringen dich auf andere Gedanke.", entschied er mit einem Mal. Alfred schaute ihn nur unverständig an, doch Herbert hatte wohl eine Idee, von der er restlos begeistert war, auf jeden Fall schaute er ganz verzückt. Er sprang auf und eilte zur Tür, dort angekommen drehte er sich noch kurz nach Alfred um und verkündete: „Du musst etwas Anderes anziehen, in den Schränken findest du warme Kleidung, bestimmt findest du ein paar Sachen, die dir gefallen. Ich bin gleich wieder bei dir."

Ratlos starrte Alfred das große Möbelstück an der gegenüberliegenden Wand an, als hätte er nicht begriffen, was Herbert gesagt hatte. Wie konnte man nur so alt und gleichzeitig so sprunghaft sein? Er wusste zwar nicht, wann Herbert verwandelt worden war, doch es musste schon einige Zeit her sein. Doch er benahm sich manchmal, als wäre er jünger als Alfred, wie jetzt zum Beispiel. Im einen Moment war er ruhig und, so ungern er es zugab, einfühlsam, dann kam ihm wieder irgendeine Idee in den Sinn und er war wieder ausgelassen und überdreht. Genau damit konnte Alfred einfach nicht umgehen, es verunsicherte ihn, wenn die Dinge sich innerhalb weniger Augenblicke schlagartig änderten.

Gerade wollte er überlegen, ob er jetzt tun sollte, was Herbert ihm gesagt hatte, oder nicht, als die Tür wieder aufgerissen wurde und der blonde Vampir eintrat. Er war in einen langen, schwarzen Mantel gehüllt, einzig die schwarzen Stiefel, die er trug, waren erkennbar. Verdutzt blieb er stehen, als er feststellte, dass Alfred noch nicht umgezogen war, doch das sollte ihn nicht von seinem neuesten Plan abhalten. Schnell hatte er in dem riesigen Kleiderschrank ein paar Sachen gefunden, die er für geeignet hielt, und trat dann mit wenigen großen Schritten zu Alfred ans Bett, um ihm die Kleider zu geben. „Hier, das müsste gehen. Zieh dich um und komm dann nach unten in die Halle, ich warte dort auf dich." Aus irgendeinem, für Alfred unerfindlichen Grund verzichtete Herbert freiwillig darauf, ihm beim Ankleiden zumindest Gesellschaft zu leisten oder zu helfen.

Erst wusste er nicht recht, was er jetzt mit den Sachen in seinem Arm anfangen sollte, doch dann entschied er, sie anzuziehen. Schließlich konnte er ja auch nicht die ganze Zeit nur in diesem Bademantel herumlaufen. Als er fertig war, legte er sich noch den langen Umhang um die Schultern und machte sich dann auf den Weg nach unten. Ein wenig neugierig, was Herbert schon wieder vorhatte, war er nun doch, auch wenn ihm in seiner Gegenwart nach wie vor nicht wohl war.

Unten wurder er schon ungeduldig und sehnsüchtig erwartet, denn kaum war er am Fuß der großen Wendeltreppe angelangt, griff Herbert nach seiner Hand und zog ihn mit sich nach draußen. Alfred staunte nicht schlecht, als er dort einen Pferdeschlitten sah, der anscheinend nur auf sie wartete. Sein Gesicht musste ein einziges Fragezeichen sein, als er zu Herbert sah, denn der lachte nur und zog ihn weiter.

So kam es, dass die beiden in dieser bislang sehr aufregenden Nacht gemeinsam eine Schlittenfahrt im Schnee unternahmen, eingewickelt in warme Mäntel und die Beine zusätzlich von einem weichen Fell gewärmt. Herbert hatte Koukol, der den Schlitten lenkte, schon zuvor Anweisungen gegeben, wohin er mit ihnen fahren sollte, denn er kannte eine wunderbar ruhige Stelle im Wald, die für ihn und Alfred wie geschaffen schien. Man war dort völlig ungestört, keine Menschenseele weit und breit und natürlich auch keine anderen Vampire. Ein kleiner See schuf die perfekte romantische Kulisse, fand Herbert, und mit Sicherheit würde das Alfred gefallen.

Der war vollauf damit beschäftigt, die vorüberziehende Landschaft zu beobachten, denn wenn er mit dem Professor, in welcher Weise auch immer, gereist war, hatte er immer auf eine dutzend Sachen Acht zu geben, damit er beschäftigt war, wie Abronsius sagte. Doch jetzt konnte er die winterliche Umgebung genießen, den frischen, klaren Duft des Schnees und die kalte Luft, wobei er dank Fell und Mantel nicht fror. Es störte ihn nicht einmal mehr, dass Herbert so dicht neben ihm saß, auch wenn er sich unter normalen Umständen längst in die Ecke der Sitzbank gedrückt hätte. Doch im Augenblick machte es ihm nichts aus, er war viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt.

Immer tiefer fuhren sie über kaum erkennbare Wege in den Wald hinein, vorbei an den kahlen, verschneiten Bäumen hin zu dem See, der es Herbert angetan hatte. Alfred blieb vor Staunen der Mund offen stehen, als sie an ihrem Ziel angekommen waren, und seine Augen strahlten wie die eines Kindes.

„Gefällt es dir hier, chéri? Das ist einer meiner Lieblingsorte.", flüsterte Herberts weiche Stimme an seinem Ohr.

„Oh ja, das ist... so etwas Schönes habe ich noch nie gesehen!", sprudelte es aus Alfred heraus, der sich vor Freude und Aufregung kaum beherrschen konnte.

Als er eine Hand auf seiner Schulter spürte, drehte er sich zu Herbert um und schon im nächsten Moment fühlte er kühle, sanfte Lippen auf seinem Mund und kräftige Arme, die ihn festhielten.