Hallo!

Es hat leider ein bisschen gedauert… Ich habe wirklich viel zu tun! Viele Schulaufgaben und so… xkotzx…

Und das nächste ist ziemlich lang, also kann es sein, dass es ein bisschen länger dauert… Aber ich bin schon fleißig am weitermachen!

DANKE an alle lieben Reviewer!

All You Need Is Love

8. Genesung

„Sie wird vielleicht sterben," erklärte die Königin, Ginnys Mutter, beim Abendessen leise. Draco sah von seiner Suppe auf. Er hatte der Unerhaltung zwischen der Königin und seinem Vater nur halb zugehört. Sie klärte ihn über Ginnys Gesundheitszustand auf, und schien es sichtlich schlimmer zu machen, als es tatsächlich war.

„Ich habe dir gesagt, dass wir mehr Kinder hätten haben sollen, Robert," sagte die Königin leise. Sie hatte ihre Stimme schon den ganzen Abend über nie über ein heiseres Flüstern gehoben. „Wenn Ginny stirbt – wer soll dann meine Nachfolgerin werden? Ich werde wohl doch nicht so bald zurücktreten, wie ich gehofft hatte."

„Du hattest Recht, Liebes," antwortete ihr Ehemann abwesend, er schien ihr nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit zu schenken. Draco starrte die Frau mit verengten Augen an. Sie regte ihn wirklich auf. Sie gab vor, um Ginny besorgt zu sein, aber in Wirklichkeit kümmerte sie sich nur um ihre Möglichkeit zurückzutreten. Aber was ihn wirklich verärgerte, war, dass er sich aufregte, nur weil sie sich nicht um Ginny sorgte. Warum sollte ihn das stören? Warum ärgerte es ihn so sehr? Er war sich nicht einmal mehr sicher, auf wen oder was er jetzt eigentlich wütend war.

„Was hat der Arzt heute Morgen gesagt?" fragte Dracos Vater plötzlich.

Arzt, dachte Draco, hat Elle nicht gesagt, Dumbledore sei Arzt?

Aus irgendeinem Grund hatte er die Bemerkung über Dumbledore völlig vergessen. Aber Dumbledore konnte doch auch nicht helfen. Er war ja immer noch in Wales, oder?

„Er sagte, er hätte ihr einen Trank gegeben, der das Fieber senkt," wisperte die Königin, „er sieht in regelmäßigen Abständen nach ihr und nach seinen Worten schläft sie tief, doch fühlt sich immer noch sehr heiß an."

„Warum teilt der Junge nicht das Mahl mit uns?" fragte Ginnys Vater, „zu beschäftigt nach unserer schlafenden Tochter zu schauen, oder was?"

„Junge?" platzte Draco heraus, und zog damit alle Blicke auf sich. Er ignorierte sie. Sollten Ärzte nicht eigentlich ältere Männer sein?

„Er kann nicht älter als 21 sein," grummelte Robert und sah genervt in die Runde. Draco verstand nicht, was er hatte.

„Heute Nachmittag war er in der Stadt," sagte die Königin leise, „er musste noch einen anderen Patienten besuchen. Und ich glaube, gerade prüft er, ob bei Ginny alles in Ordnung ist. Hab ich Recht, Maria?"

Draco drehte den Kopf und sah Maria im Türrahmen stehen, die darauf wartete, dass man ihr eine Aufgabe erteilte. Sie nickte kurz.

„Ja, Majestät. Das ist korrekt."

„Würdest du ihn bitte fragen, ob er uns nicht Gesellschaft leisten will?" sagte Ginnys Mutter.

Maria machte einen kleinen Knicks und verließ den Speisesaal.

Der Arzt kam nicht, um etwas zu essen. Maria berichtete, dass er gesagt hatte, er sei nicht hungrig und würde in die Küche gehen, wenn er es war.

Als Draco mit Elle die Tafel verließ, sah sie ihn erwartungsvoll an.

„Spielst du mit mir draußen im Schnee?"

Draco hätte fast Nein gesagt, weil er eigentlich nach Ginny sehen wollte. Doch als er in Elles aufgeregtes Gesicht blickte, gab er nach. Außerdem schlief Ginny sicher noch. Und warum sollte er überhaupt noch einmal so eine peinliche Szene wie am Abend zuvor erleben wollen?

Die Sonne war untergegangen und es war kalt. Aber sie blieben nahe beim Schloss, sodass sie wegen der hohen Fenster genug Licht hatten. Auch der Mond schien hell und so sahen sie genug. Draco wusste, dass er gemein war und Elles Gefühle verletzte, aber er weigerte sich, mit ihr Schneemänner oder –engel zu bauen. Das hatte er nicht mehr getan seit er 10 Jahre alt gewesen war und hatte auch nicht vor, dies hier zu tun. Es war zu kindisch und peinlich, obwohl es niemand sah und es Elle freuen würde.

„Du bist so langweilig, Draco," schnaufte Elle und stapfte ein paar Meter weg, bevor sie sich in den Schnee kniete, um selbst Engel zu machen. Draco lehnte sich mit verschränkten Armen an die Schlossmauer und beobachtete Elle.

Nach einer Viertelstunde wurde ihr kalt und langweilig und sie wollte wieder hineingehen. Er hatte gewusst, dass es nicht lange dauern würde. Als sie wieder in das Schloss eintraten, gähnte Elle ausgiebig. Draco wurde klar, dass sie eigentlich schon längst ins Bett gehörte.

„Zieh dir diese nassen Sachen aus und geh ins Bett. Ich will ja nicht, dass du so krank wirst wie Wea- Ginny."

„Wea- Ginny?" wiederholte Elle und grinste in auf sehr malfoyische Art an. Sie hielt an und stemmte die Hände in die Hüften.

Auch Draco blieb stehen und sah auf sie herab.

„Hast du sie gerade fast Weasley genannt?"

„Dir entgeht wirklich nichts," murmelte er.

„Naja, macht auch nichts. Aber woher weißt du, das Ginnys Krankheit von der Kälte kommt?"

„Tu ich nicht," sagte er beinahe wahrheitsgemäß, „ich hab bloß geraten."

„Hast du den Arzt schon getroffen? Er sieht wirklich gut aus."

„Das war aber ein ziemlich plötzlicher Themawechsel," sagte Draco grinsend, „willst du vielleicht Zeit schinden, damit du nicht ins Bett gehen musst?"

„Stimmt gar nicht," sagte sie und schob schmollend die Unterlippe vor. Dann hellte sie ihre Miene auf (Draco bekam langsam das Gefühl, dass sie unter größeren Stimmungsschwankungen litt als schwangere Frauen).

„Bringst du mich ins Bett?"

Er starrte sie fassungslos an. Das hatte ihn noch nie jemand gefragt. Aus irgendeinem Grund ließ es sein Herz warm werden.

„Kannst du das noch nicht alleine?" fragte er immer noch grinsend.

Sie ließ sich von seiner Stichelei nicht beirren.

„Doch. Aber ich will, dass du es tust. Du hast es schon eine Weile nicht mehr gemacht und ich will nicht Vater fragen. Er sagt sowieso immer Nein."

Draco tat ihr ein wenig Leid. Sie war in vielen Dingen genauso wie er. Nicht nur, dass sie sich ähnlich sahen. Auch sie hatte einen kalten Vater und keine Mutter. Dracos Mutter war keine Unterstützung und half ihrem Sohn nie. Es war, als ob sie tot wäre. Und es würde ihm auch ernsthaft nichts ausmachen, wenn sie es wäre.

„Ist ja gut," seufzte er schließlich. Sie grinste vergnügt, fasste ihn bei der Hand und zog ihn zu ihrem Zimmer. Einer der Diener kleidete sie in ihr Nachthemd. Draco war unglaublich erleichtert, dass er es nicht tun musste. Nachdem der Diener den Raum verlassen hatte, sprang Elle ins Bett und zog sich die Decke bis zum Kinn. Draco wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Er blies eilig alle Kerzen bis auf eine aus, die er dann zu Elles Bett hinübertrug.

„Gute Nacht, Elle," sagte er und fuhr ihr kurz mit den Fingern durch das weißblonde Haar. Er wollte schon gehen, als sie ihn noch einmal zurückrief.

„Warte, Draco. Gibst du mir keinen Gutenachtkuss?"

Er krümmte sich innerlich.

Naja, dachte er, wenigstens muss ich ihr keine Geschichte erzählen.

Er drehte sich wieder zu ihr um, beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie schnell auf die Stirn.

„Gute Nacht," wiederholte er und wandte sich wieder der Tür zu.

„Meine Güte, Draco, deine Lippen sind ja eiskalt," rief sie ihm nach, als ob das seine Schuld wäre.

Er antwortete nicht und schloss die Tür fest hinter sich. Weil schon andere Kerzen den Gang, in dem er stand, beleuchteten, blies er die, die er noch in der Hand hatte aus. Aus irgendeinem Grund konnte er Elles Worte nicht aus seinen Gedanken vertreiben. So kalt waren seine Lippen auch wieder nicht, oder? Spielte das überhaupt irgendeine Rolle?

Als er um die nächste Ecke bog, schmiss er die Kerze samt Ständer an die Wand. Er beobachtete, wie beides auf dem Steinboden auftraf, die Kerze in zwei Teile zerbrach und der Ständer wegrollte.

Dafür gibt es das Personal, dachte er, um hinter mir herzuputzen.

Weil er so beschäftigt war zu beobachten, wo die Kerze hinrollte, sah er die andere Person nicht, die ebenfalls um die Ecke bog. Draco fuhr zusammen, als er mit jemandem zusammenstieß, überrascht von dem plötzlichen Hindernis.

„Tut mir schrecklich Leid," sagte eine ruhige Stimme, „ich habe dich nicht gesehen."

„Geht schon," fauchte Draco. Er musste aufschauen, um in das Gesicht des Menschen zu sehen, weil er selbst für sein Alter relativ kleingewachsen war. Es war ein sehr junger Mann, vielleicht nur ein paar Jahre älter als er selbst, mit schwarzen Haaren und dunkelblauen Augen. Er erinnerte Draco an jemanden, aber er wusste nicht mehr an wen.

„Schau das nächste Mal, wo du läufst."

Der Mann sah nicht verärgert aus, als er Draco gezwungen anlächelte, doch in seinem Blick lag etwas seltsam Bedrohliches.

„Verzeih mir, Draco," sagte er und ging weiter.

Draco drehte sich um und sah ihm nach.

„Draco?", rief er, „Solltest du mich nicht Hoheit nennen?"

Der Mann kam langsam zurück, um Draco anzusehen.

„Ärzte nennen alle bei ihrem Vornamen," sagte er mit einem Hauch von Belustigung in der Stimme, „königlich oder nicht."

Arzt?, dachte er. Wie konnte dieser Mann Arzt sein, wenn er doch kaum älter war als Draco selbst? Und warum sah er ihm so vertraut aus? Wo hatte er ihn vorher schon gesehen?

Ist er vielleicht auch aus der Zukunft und ich kann mich nur nicht erinnern, woher ich ihn kenne?

„Aha, du bist also der Arzt," sagte Draco grinsend.

„Geh nicht weg, wenn ich mit dir spreche," befahl er, als der Doktor schon weitergehen wollte. Er hielt sofort an.

„Wie du wünscht," sagte er mit leiser, gehässiger Stimme. Draco war leicht verärgert.

Wer dachte er, dass er sei, um sich aufzuführen, als sei er der Prinz?

Draco machte einen kleinen Schritt auf den Arzt zu, als dieser langsam die Arme verschränkte, um zu warten. Er bemerkte, dass der Mann unnatürlich lange Finger hatte.

„Was für eine Krankheit hat Ginny?" fragte Draco plötzlich und hielt vor ihm an.

„Das kann ich nicht sagen," sagte der Arzt gelassen, „ich habe ihr heute morgen einen Trank gegeben, der sie hoffentlich bald wieder auf die Beine bringen wird. Nun, wenn es dir nichts ausmacht, Draco, ich bin sehr hungrig, da ich den ganzen Tag nichts gegessen habe. Kann ich gehen?"

„Noch eine Frage." Draco genoss den ärgerlichen Gesichtsausdruck seines Gegenübers.

Mit dieser Miene sieht er genauso aus, wie jemand, den ich kenne. Bloß wer?

„Wie ist dein Name?"

„Thomas Riddle," antwortete er fast ein wenig zu hastig, „Gute Nacht," sagte er und senkte leicht den Kopf, dann drehte er sich um und ging weg. Draco zog vor Verwirrung die Augenbrauen zusammen.

„Thomas Riddle?" wiederholte er zu niemandem gewandt. Das hatte er am wenigstens erwartet, dass er genau mit dieser Person zusammenstieß. Vielleicht doch, wenn man bedachte, dass Tom Riddle der junge Lord Voldemort war, machte es fast Sinn.

Nein, stimmt gar nicht, fiel ihm plötzlich ein, Voldemort ist tot. Der große und wundervolle Potter hat ihn besiegt. Es ist nicht möglich, dass er mich, Ginny und eine jüngere Ausgabe von sich selbst hierher, in eine andere Welt, geschickt hat, wenn er tot ist… oder?

Draco ging langsam den Korridor hinunter, zu seinem Zimmer. Thomas Riddles Ankunft machte alles nur noch komplizierter. War es der wirkliche Riddle? Ein jüngerer Lord Voldemort? Oder ein echter Doktor, der unglücklicherweise diesen Namen trug und jemandem ähnlich sah, der-

Potter. Daran erinnert er mich. Potter.

Je länger er versuchte, alles zu verstehen, desto verwirrender wurde es.

Er hatte keine Ahnung wie Tom Riddle aussah – der Riddle aus der Zukunft. Und es konnte auch bloß Zufall sein, dass dieser Arzt mit Nachnamen Riddle hieß, da ja sein Vorname nicht Tom war… obwohl, Tom war die Kurzform von Thomas. Und wenn alles bloß Zufall war, warum sah er dann aus wie Harry? Noch ein Zufall? In diesem Moment war Draco bereit, alles zu glauben. Er hätte sich ja auch nicht in seinen wildesten Träumen vorgestellt, dass er eines Tages als Prinz aufwachen würde und 400 Jahre in die Vergangenheit gereist war. Aber hier war er, ein Prinz im 17. Jahrhundert. Also warum sollte es nicht möglich sein, dass aus reinem Zufall der Doktor denselben Namen trug, wie der böseste und dunkelste Zauberer der Zukunft und aussah wie Harry?

Draco hielt seufzend an und schüttelte den Kopf, um wieder klare Gedanken fassen zu können. Vielleicht sollte er einfach zu Ginny gehen. Hatte sie nicht in ihrem 1. Schuljahr größere Probleme mit Tom Riddle gehabt? Sie wusste vielleicht wie er aussah. Draco war schon auf dem Weg zu Ginnys Zimmer. Als er dort ankam, fand er Maria laut schnarchend auf einem Stuhl vor der Tür sitzen, mit dem Kopf gegen die Wand gelehnt. Ihm wurde klar, dass es schon sehr spät sein musste und Ginny höchstwahrscheinlich tief und fest schlief. Aber es kümmerte ihn nicht; dann musste er sie eben aufwecken. Er wollte wissen, was sie von diesem Arzt hielt, weil sie ja schon vorher mit Tom Riddle zu tun gehabt hatte. Er stieß die Tür auf und trat ein. Maria schlief weiter, sogar als er die Tür laut hinter sich schloss. Ein paar brennende Kerzen am Kronleuchter erfüllten den Raum mit schummerigem Licht. Draco ging hinüber zu Ginnys Bett, doch wartete einen Augenblick bevor er sie aufweckte. Er konnte sie im Halbdunkeln fast nicht sehen, nur einen Hügel unter der Decke und ihr rotes Haar, das über das Kissen gebreitet war. Alles schien ruhig und friedlich. Er runzelte die Stirn, doch warum konnte er nicht sagen. Er trat hinüber zum Tisch, nahm sich eine brennende Kerze und kehrte zu ihrer Bettkante zurück. Von ihr selbst war nicht viel zu erkennen – sie war unter einem Berg von Decken begraben und ihr Haar schien das gesamte Gesicht zu verdecken. Warum musste er sie überhaupt sehen können? Er war gekommen, um ihr Fragen zu stellen und nicht um sie anzustarren, während sie schlief. Er stellte den Kerzenhalter zurück auf ihr Nachtkästchen. Dann streckte er eine Hand aus und schubste sie leicht an.

„Ginny," sagte er leise. Sie bewegte sich überhaupt nicht, nicht einmal ein Zucken oder Stöhnen. Seufzend lehnte er sich weiter vor, fasste sie an der Schulter und schüttelte sie fester, als er eigentlich beabsichtigt hatte.

„Ginny!" wiederholte er scharf und verärgert.

Sie war mit einem Schlag hellwach. Im einen Moment war sie noch ruhig und entspannt, doch im Nächsten ließ sie einen heiseren Schrei los und wand sich unter seinem Griff.

„Lass mich los!" rief sie. Draco ließ von ihr ab und richtete sich auf, überrascht von ihrer plötzlichen Heftigkeit. Er beobachtete, halb geschockt halb belustigt, wie sie sich so schnell sie konnte in eine sitzende Position kämpfte und versuchte ihr Haar aus dem Gesicht zu wischen, damit sie etwas sehen konnte. Als ihr Blick sich schließlich auf ihn richtete, ließ sie eine Art erleichterten Seufzer aus und lehnte ihren Rücken gegen das Kopfende ihres Bettes.

„Du bist es nur," wisperte sie mit vor Erschöpfung heiserer Stimme.

„Verdammt, Ginny, was hast du denn gedacht?" fragte Draco, „hattest du einen Alptraum oder so etwas?"

Sie starrte ihn düster an. Dann lachte sie hohl.

„Das Ganze hier ist ein einziger Alptraum," sagte sie und strich sich mit der Hand über die Stirn, „ich muss gar nicht schlafen, um ihn zu durchleben."

„Okay," sagte er langsam. Er wollte jetzt auf das zu sprechen kommen, weswegen er sie eigentlich besucht hatte. Jedenfalls wollte er sicherlich nicht hier sitzen und ihr zuhören, wie sie ihm vorjammerte, wie schrecklich doch alles in dieser Welt war.

„Ich vermute, du hast den Arzt schon getroffen," fragte er nach einem kurzen Augenblick.

„Du?" schoss sie zurück, und starrte ihn an, als wolle sie seine Reaktion sehen.

"Ja. Weißt du seinen Namen?"

Sie verengte die Augen zu Schlitzen, auch wenn sie nicht wütend war. Als ob sie versuchte, etwas zu verstehen. Dann lehnte sie sich vor und sagte ruhig, „Ich kann dir seinen vollständigen Namen, sein Geburtsdatum, seinen Notendurchschnitt und seine liebsten und verhasstesten Lehrer, während seiner Zeit in Hogwarts nennen."

Draco sah ihr lange in die Augen, bevor er versuchte, seine Gedanken in Worte zu fassen.

„Bist du sicher, dass dieser Riddle auch Voldemort ist?" fragte er, kniete sich auf den Boden vor das Bett, damit er sie besser sehen konnte und stützte die Ellbogen auf die Matratze, „der Schwarze Lord ist tot. Wie kann er sein jüngeres Selbst mit uns zusammen in die Vergangenheit schicken, wenn-?"

„Es ist Voldemort Draco," unterbrach sie ihn, „er ist sogar nach dem Tod mächtig genug, Dinge zu tun, die die meisten Lebenden nicht können."

Ärgerlich weil sie ihn unterbrochen hatte, antwortete er kalt, „Nicht jeder hier ist so wie in unserer Zeit. Potter nicht. Und wenn Dumbledore nicht insgeheim ein Arzt ist, was sehr untypisch für ihn wäre, dann ist auch er anders als-,"

„Warte. Dumbledore?" Ginny sah ihn verwirrt an. Draco bemerkte, dass ihre Augen jetzt klarer waren und das leichte Funkeln in ihnen wieder zurückkehrte. Ging es ihr langsam besser?

Er nickte abgelenkt. „Die Chance, dass Riddle nicht wie in der Zukunft ist-,"

„Dumbledore ist hier?" fiel ihm Ginny ins Wort, ihre Stimme auf ein heiseres Flüstern gesenkt.

„Elle hat ihn an meinem ersten Tag hier beim Frühstück erwähnt," sagte Draco knapp und wollte schon weiterreden, als sie wieder sprach.

„Und er ist Arzt?" fragte sie, bevor er irgendetwas sagen konnte.

„Spielt das irgendeine Rolle?" fauchte Draco mit offener Verärgerung in der Stimme.

„Ja!" schnappte sie wütend. Sie setzte sich auf und schien ihn plötzlich zu überragen. Er stellte sich wieder hin, weil er das Gefühl hatte, dass er der Größere sein sollte.

„Verdammt noch mal, Draco, Dumbledore war die ganze Zeit über hier und du hast es mir nicht gesagt?!"

„Er ist in Wales," sagte Draco mit dumpfer, gelangweilter Stimme, „ich hab ihn nie gesehen, aber Elle sagte, er sei hier. Ich habe ihn einfach vergessen…"

Aber Ginny hörte schon nicht mehr zu.

„Er war hier," murmelte sie und Draco wurde klar, dass sie mit sich selbst redete, „die ganze Zeit. Er ist Arzt und ich bin krank. Und stattdessen, dass sich jemand um mich kümmert, dem ich vertraue," zischte sie und Draco bemerkte, dass sie wieder mit ihm sprach, „bekomme ich den Menschen, vor dem ich am meisten Angst habe. Und das alles nur, weil du ihn, verdammt noch mal, vergessen hast?!"

Draco hatte nicht erwartet, dass Ginny sich so aufregen würde. Vor allem weil sie am Tag zuvor ausgesehen hatte, als würde sie umkippen, wenn sie ihre Stimme auch nur über ein Flüstern hob.

„Hör zu, Weasley-," fing er mit eisigem Blick an.

„Nein, du hörst jetzt zu, Draco," schnappte sie scharf. Er war überrascht, wie einschüchternd sie zwischen all den weißen, berüschten Kissen und Bergen von Decken wirkte. „Ich kann die Dinge ertragen, die du tust. Ich kann ertragen, wie du mich und meine Familie fertig machst. Ich kann ertragen, dass du mich so sehr hasst. Ich kann ertragen, wie du mich behandelst. Ich kann sogar dein schreckliches Selbst ertragen. Aber das… das kann ich nicht ertragen."

Draco starrte sie an, nicht willens zu glauben, was sie gerade gesagt hatte. „Was eigentlich?" rief er, „von was zur Hölle sprichst du?"

„Du wusstest, dass Dumbledore hier und auch noch Arzt ist," fauchte sie zurück, „du weißt ja nicht, wie es war, ihn hier zu haben, aus Fleisch und Blut, als echter Mensch. Ich konnte ihn spüren, riechen, hören… es war 10mal schlimmer, als in meinem ersten Jahr. Ich weiß, dass du gehört hast, dass ich das Tagebuch, nachdem dein Vater es in den Kessel hat fallen lassen, benutzt habe und du dir einen abgelacht hast, aber es war eine schwere Zeit für mich. Du kennst dieses Gefühl nicht, wenn du bemerkst, dass irgendetwas mit dir nicht stimmt, dass du deinen Mitschülern schreckliche Dinge antust, doch weißt nicht, wie oder warum. Und stell dir vor, wie geschockt ich war, als…"

„Ginny, es ist mir egal," brach es aus Draco heraus, und er hielt beide Hände abwehrend in die Höhe, „es ist mir einfach scheißegal. Du musst mir das nicht erzählen."

„Natürlich ist es dir egal!" rief sie und fing an rot anzulaufen.

Wenn sie nicht bald die Klappe hält, schadet sie sich vielleicht noch selbst, dachte Draco und hoffte darauf. Dann würde sie sicher Ruhe geben und ihn nicht mehr nerven. Aber sie hörte nicht auf.

„Dir ist alles egal. Weißt du auch warum? Weil deine Familie beschissen ist, du nie irgendwelche Freunde hattest und sich niemand um dich schert!"

Er ballte die Hände an den Seiten zu Fäusten und hatte das dringende Bedürfnis etwas zu schlagen. Aber er zwang sich es nicht zu tun – er würde es später bereuen und außerdem konnte er kein Mädchen schlagen, schon gar kein krankes. Er hatte noch nie etwas schlagen können, was sich nicht wehren konnte. Aber Ginny war immer noch nicht fertig.

„Du fragst dich, warum du allen am Arsch vorbeigehst, Malfoy?" spottete sie, „weil du ein scheußlicher Mensch bist, deshalb! Tut weh, oder Malfoy, die Wahrheit?! Ich bin mir sicher, dass du nächtelang wach liegst und darüber nachdenkst, was du tun könntest, um dein Leben zu verbessern. Aber weißt du was? Sogar in einer ganz anderen Welt bist du immer noch ein Arschloch und keiner kann dich ausstehen-"

Er wusste, dass sie das alles nur sagte, um ihn zu verletzen. Aber es kränkte ihn nicht – es nervte ihn nur. Konnte sie nicht endlich den Mund halten? Ihre Stimme bereitete ihm Kopfschmerzen. Er schloss die Augen und versuchte, seine Geduld zu bewahren.

„Aber das Schlimmste ist, Malfoy, dass…"

„Kannst du nicht mal die Klappe halten?"

Er hielt es nicht mehr aus.

„Oh nein, ich bin noch nicht fertig!" rief sie, „du bist auch nur ein Mensch, Malfoy, oder vielleicht auch nicht…"

Sie machte ihn wahnsinnig. Und wenn er jetzt nicht sofort etwas anderes tat, würde er sie schlagen. Also setzte er sich wortlos an ihre Bettkante und legte die Finger auf die Ohren.

„Was tust du da-?" fing sie an, als er plötzlich den Kopf herumriss und seinen Mund auf ihren drückte. Er hatte es nur getan, damit sie endlich ruhig war, damit er ihre Stimme nicht mehr hören musste. Es war das erste gewesen, das ihm eingefallen war und er wusste, dass es dumm war. Denn sobald er sie berührt hatte, brach die Wand zwischen ihnen zusammen. Jede Verärgerung verschwand aus Dracos Gedanken. In seinem Kopf blinkte ein schwaches Warnlicht, dass er das eigentlich nicht tun sollte und nicht bloß, weil sie krank war. Sondern weil, auch wenn er es nicht bemerkt hatte, er sie schon für eine ganze Weile hatte küssen wollen. Doch er sollte sie nicht küssen, es war falsch, es sollte nicht sein… Ihre Lippen waren überraschend weich. In dem Augenblick, als er angefangen hatte, sie zu küssen, hatte sie sofort reagiert, als hätte sie es erwartet. Sie schlang die Arme um seinen Hals und versuchte, ihn näher an sich zu ziehen. Die Art, wie sie ihn umarmte, die Art, wie sie ihre Lippen bewegte… als ob sie ihn bräuchte und er das Einzige war, das sie am Leben erhielt. Was aber sehr unwahrscheinlich klang, weil er dachte, er sei es, der sie an den Rand des Wahnsinns trieb. Er konnte ihr Genick unter seinen Fingern spüren, den Schweiß auf ihrer Haut, der ihr Haar verklebte. Er schmeckte sogar das Salz in ihrem Mund.

Sie ist krank. Ich könnte mir es einfangen, gar nicht zu erwähnen, dass es Ginny Weasley war, die ich hier gerade knutsche…

Er ignorierte diese leise Stimme in seinem Kopf, weil er nicht aufhören wollte. Es fühlte sich überraschend angenehm an, sie zu küssen und ihre Haut unter den Fingern zu spüren. Da sie mit der Hand durch sein Haar fuhr und ihn mit Kraft zurückküsste, wusste er, dass es auch ihr gefiel. Als er schließlich wieder zur Besinnung kam, ließ er seine Hände sinken und ließ von ihr ab. Ginny schien ihn noch ein bisschen länger festzuhalten, als nötig bis sie bemerkte, dass er aufhören wollte und nahm ihre Hände von seinem Hals. Er beobachtete fast grinsend, wie sie immer röter anlief. Es gab eine lange, verlegene Pause. Draco wusste nicht, ob er gehen sollte oder nicht. Seine eine Hälfte wollte sie wieder küssen. Aber das war falsch.

Ich werde sie nicht wieder küssen.

Er wollte es trotzdem.

„Draco," sagte sie schließlich, und zupfte gedankenverloren an ihrer Decke herum, „es tut mir Leid, dass ich diese Dinge zu dir gesagt habe."

„Es ist mir egal," sagte er wahrheitsgemäß.

Er sah aus den Augenwinkeln, wie sie ihn anstarrte und drehte den Kopf, um ihr in die Augen zu sehen.

Oh, wie toll, jetzt schreit sie gleich wieder herum, dachte er und stand auf, um zu gehen.

„Wo gehst du hin?" fragte sie sofort, anstatt sich wieder zu empören, dass ihn gar nichts juckte.

„Ins Bett," antwortete er knapp. Dann hielt er plötzlich an, als er sich an etwas erinnerte. Er drehte sich um, lehnte sich wieder über Ginny und hielt sich mit einer Hand am Bettpfosten fest, um sein Gleichgewicht zu halten. „Kann ich dich etwas fragen?"

Sie sah etwas überrascht aus, weil sein Gesicht ihrem so nahe war. „Das hast du schon getan."

Er warf ihr einen ungeduldigen Blick zu, bevor er mit seiner Frage fortfuhr. „Sind meine Lippen kalt?"

Sie blinzelte und starrte ihm dann in die Augen, als ob sie versuchte seine Gedanken zu lesen. Sie antwortete für eine ganze Weile nicht, bis sie schließlich den Mund öffnete.

„Nein, sie sind eigentlich eher warm," wisperte sie.

Draco richtete sich sofort wieder auf, überrascht von ihrer Antwort. Ein unbekanntes Gefühl durchströmte ihn und er drehe sich schnell um. Er zwang sich selbst so gelassen wie möglich, so als wäre nichts geschehen, zur Tür zu gehen. Er schloss sie leise hinter sich. Er fuhr sich mit der Hand durch das Haar. In seinem Kopf drehte sich alles.

Ich brauche jetzt unbedingt etwas Kaltes zu trinken.

Ginny fühlte sich besser. Sie hatte sich von dem Moment an, als Draco sie wachgerüttelt hatte, besser gefühlt. Sie hatte zwar immer noch Fieber und ihre Kehle brannte, doch sie konnte eine Veränderung mit sich spüren. Auch schien sie nicht mehr so sehr zu schwitzen – jedenfalls spürte sie es nicht mehr so stark.

Sie war eine lange Zeit, nachdem Draco den Raum verlassen hatte, nur auf dem Bett gesessen und hatte darüber nachgedacht, was gerade passiert war. Er hatte sie geküsst. Er hatte sie freiwillig geküsst. Ganz so, als ob er es gewollt hatte. War es so? Oder hatte er es nur getan, damit sie aufhörte zu reden? Selbst wenn es das war, hätte er es nicht so lange halten oder so kräftig zurückküssen müssen. Sie stöhnte leise und stützte ihr Gesicht in die Hände. Alles wurde immer nur noch komplizierter. Im ersten Moment sorgte sie sich um Harry, dann um die Sache mit Tom Riddle und schließlich warum Draco sie geküsst hatte.

Ich würde alles geben, um morgen wieder in Hogwarts aufzuwachen, wo ich mich nur um meine Hausaufgaben kümmern muss, dachte Ginny, nahm sich ein Kissen, presste es fest an sich und vergrub ihr Gesicht darin.

Warum muss das gerade mir passieren? Wird es jemals aufhören?

In diesem Moment war es ihr sogar egal, dass es Harry hier besser ging. Sie wollte, dass alles wieder so wurde, wie es vorher gewesen war. So schlimm war es für den Harry der Zukunft auch nicht, oder? Er hatte Freunde, er hatte Geld… ihm ging es nicht so dreckig, wie ihr in dieser Welt. Er würde es überleben, sie aber würde, wenn sie noch länger hier bleiben musste, wahrscheinlich durchdrehen und sich selbst umbringen. Draco hatte es nicht gewusst, aber er hatte mit seinem Kuss alles nur noch schlimmer gemacht. Es war wundervoll gewesen, das konnte sie nicht bestreiten. Er war überraschend sanft gewesen, und sie hatte die tiefe Leidenschaft ihn ihm spüren können. Während es vorhin wunderschön gewesen war, erschreckte dieses Gefühl sie jetzt. Empfand Draco Leidenschaft für sie? Obwohl sie sich 10 Minuten vorher noch angeschrieen hatten? Sie war schrecklich verwirrt. Der Kuss hatte vielleicht gar nichts zu bedeuten. Sie hatte es höchstwahrscheinlich nur falsch verstanden. Er hatte es nur getan, damit sie die Klappe hielt, und das hatte auch hervorragend geklappt. Es hatte nur Ginnys Leben als Prinzessin noch sehr viel schwieriger gemacht.

Am nächsten Morgen kam Maria verheult und schniefend in Ginnys Zimmer. Sie zupfte fast 10 Minuten an Ginny herum und drückte ihr immer wieder einen nassen Lappen an die Stirn, bis Ginny es nicht mehr aushielt.

„Was ist den passiert?" fragte sie und hustete kurz auf.

„Etwas Schreckliches," schniefte Maria, „es wurde noch eine Familie umgebracht."

Ginny richtete sich auf. Sie schob Marias Hand weg, weil sie den nassen Lumpen nicht mehr ertragen konnte. Außerdem war ihr schon nicht mehr so heiß, wie am Tag zuvor.

„Wie viele Menschen?" keuchte sie.

„Acht," antwortete Maria und schluckte, „das Jüngste war nur ein Baby."

Es ist Tom!, dachte sie sofort. Tom hat das getan! Ich weiß es. Nur er würde so etwas Schreckliches, so etwas Fürchterliches tun…

„Weiß irgendjemand etwas von dem Täter?" fragte Ginny schrill.

„Nein," sagte Maria, langte in eine Tasche ihrer Schürze und brachte ein Taschentuch zum Vorschein mit dem sie sich laut schnäuzte. „Niemand weiß etwas. Eure Eltern waren die ganze Nacht unterwegs, um die Wahrheit herauszufinden. Sie werden wahrscheinlich erst in ein paar Stunden zurückkehren."

Oh, wie traurig, dachte Ginny, die sich jetzt wirklich nicht um ihre Eltern scherte. Sie hatte keine Ahnung, ob die Menschen in dieser Zeit schon andere Möglichkeiten hatten, den Täter zu fassen, als ihn bei der Tat zu beobachten. Es war äußerst frustrierend, weil sie wusste, dass ihr niemand glauben würde, wenn sie erzählte, dass es der große und wundervolle Thomas Riddle war, der diese unschuldigen Menschen umbrachte.

Vielleicht Maria, dachte sie, als sie beobachtete wie sie durch das Zimmer lief und schniefend nicht vorhandenen Staub von den Möbeln wischte.

Maria vertraut mir doch, oder? Nur weil sie findet, dass ich verwöhnt bin, heißt das doch nicht, dass sie mir nicht glaubt?

Doch in ihrem Herzen vermutete Ginny, dass Maria nicht einmal im Traum daran dachte, dass ‚Thomas' der Mörder sein könnte. Sie war wütend gewesen, als Ginny ihn beleidigt hatte – wie würde sie reagieren, wenn sie ihn einen Mörder nannte?

„Meinst du…" fing Ginny vorsichtig an. Maria hielt an und wandte sich ihr zu.

„Was meine ich, Liebes?" fragte sie mit erzwungener Fröhlichkeit und lächelte ihr zu, obwohl ihre Wangen vor Tränen glänzten.

„Meinst du, es wäre möglich, dass es… na ja, dass es Doktor Thomas ist, der diese Menschen tötet?"

Maria schnappte so sehr nach Luft, dass es Ginny verblüffte, wie viel Luft sie in ihre Lungen aufnehmen konnte. Sie presste eine Hand auf ihr Herz und rief aus, „Hoheit Virginia! Ich kann nicht glauben, was Ihr da sagt! Thomas Riddle gibt Leben und nimmt es nicht!"

Hätte mein Maul halten sollen, dachte Ginny. „Ich weiß, du hast Recht," gab sie schnell zu. Maria entspannte sich ein wenig, doch starrte sie Ginny immer noch ernst an.

„Ich weiß sehr wohl, dass Ihr Thomas nicht sehr mögt," sagte sie, „wir wissen alle, dass Ihr keine guten Männer leiden mögt-,"

Wenn sie jetzt auch noch anfängt von Draco zu schwärmen, kann ich mich erschießen lassen.

„-aber er würde niemals einen Mord begehen. Er hat dazu auch überhaupt keinen Grund dazu – er ist erfolgreich, beliebt, attraktiv, reich… er würde nie so etwas Schreckliches tun."

„Okay, vergiss, was ich gesagt habe," schnappte Ginny.

Maria schien sie nicht gehört zu haben. „Thomas Riddle ist der sanfteste Mensch, den ich in meinem ganzen Leben getroffen habe. Er ist sicher nicht der Typ, der unschuldige Menschen umbringt."

„Es sind immer die Stillen," murmelte Ginny kaum hörbar.

„Was?" fragte Maria und neigte ihr den Kopf zu, als könnte sie sie so besser verstehen.

„Vergiss es!" rief Ginny, „ich will einfach bloß schlafen!"

„Natürlich wollt Ihr das," sagte Maria jetzt schon sanfter, „es tut mir Leid, dass ich hier so herumgeschrieen habe, Hoheit. Aber Thomas wird gleich kommen, um-,"

Wie auf Befehl klopfte es an der Tür. Maria öffnete die Tür und Riddle trat ein, mit einem silbernen Kelch in den Händen. Er nickte Maria mit einem höflichen Lächeln zu, dann wandten sich seine dunklen Augen Ginny zu. In dem Augenblick als ihre Blicke sich trafen, blinzelte sie erschrocken. Ihr ganzer Körper schien zusammenzuzucken. Als sie wieder blinzelte, bemerkte sie, dass sich ein Bild auf das Innere ihrer Augenlider eingebrannt hatte.

Was ist passiert?, dachte sie verwirrt, ihr Herz klopfte laut in ihrer Brust. Was ist los?

Ihre Augen schlossen sich; eine Szene entwickelte sich vor ihren Augen. Sie stand plötzlich in einem eher schlichten Raum, auch wenn sie spürte, dass sie es nicht tat, sie fühlte immer noch, dass sie auf ihrem Bett saß. Und nun konnte sie Tom sehen, ein paar Meter entfernt von ihr; er stand nicht länger in dem Türrahmen ihres Zimmers, sondern in der Mitte des einfachen Raumes. Der Ausdruck auf seinem Gesicht war furchterregend – verrückt, ja fast fröhlich. Er lächelte auf einen kleinen Jungen auf dem Boden herunter, der mit den Armen sein Gesicht verdeckte. Es war, als wäre sie dort, als wäre sie mitten im Geschehen. Aber wie konnte das gehen, wenn sie doch spürte, dass sie immer noch auf dem Bett saß? Die Farben des Ganzen waren wie ausgebleicht, auch der Junge und Tom, und alles schien größer und verzerrter als gewöhnlich. Das Bild verschwamm an den Seiten, was zeigte, dass es eine Art Traum und nicht Wirklichkeit war. Aber die Angst war wirklich. Und die Geräusche… der Geruch…

„Bitte," wisperte der Junge nun, und zuckte zurück, als Tom einen Fuß vorsetzte, „bitte, tu mir nicht weh."

Ginnys Hand flog zu ihrem Mund, als sie an Tom herunterblickte und den langen Dolch in seiner Hand sah. Das Silber der Klinge war blutverschmiert, immer noch nass, immer noch warm… Ihr Herz schien sich schmerzhaft zusammenzuziehen, aber sie konnte keinerlei Laut von sich geben. Sie wollte nichts mehr, als aufhalten, was gleich geschehen würde, doch sie war ja nicht einmal richtig dort. Wie konnte sie es verhindern? Plötzlich veränderte sich ihr Blickwinkel – sie konnte jetzt in den ganzen Raum sehen. Und sie konnte Geräusche machen; ein unterdrückter Schrei kam aus ihrer Kehle. Wenn Tom es überhaupt gehört hatte, machte er keine Anzeichen, dass er es wirklich aufnahm.

Wenn ich nicht dort bin, kann er mich auch nicht hören, dachte sie, oder betete sie eher. Der Raum war sehr klein, mit festgestampftem Dreck als Boden. Er schien einmal sehr gemütlich gewesen zu sein, aber nun nicht mehr. Überall war Blut… auf dem Tisch, an den Werkzeugen, die an der Wand hingen, auf dem Boden, wo es sich mit dem Dreck vermischte… Auch lagen überall bewegungslose Körper. Erschreckenderweise waren die meisten davon Kinder, doch Zwei waren erwachsen, ihre Kehlen waren durchgeschnitten. Auch aus einigen anderen Wunden an ihren Körpern floss das Blut. Was Ginny noch mehr verängstigte waren ihre Augen, die leer an die Decke oder an die Wand starrten. Sie starrten, aber würden nie wieder sehen. Das Geräusch eines schreienden Babys erreichte Ginnys Ohren. Sie bewegte ihre Augen unter den Lidern und sah eine hölzerne Wiege in einer Ecke stehen. Wie sie sah, lag dort ein kleines Kind darin, das schrie und mit Armen und Beinen strampelte. Es schien das einzige Wesen zu sein, das noch am Leben war, außer Tom und dem kleinen Jungen. Doch dann-

„Tom, beeil dich," hörte sie eine raue Stimme sagen. Jemand steckte seinen Kopf durch den Türrahmen zu einem anderen Zimmer, doch Ginny erkannte ihn nicht. „Dieses Kind will sich nicht beruhigen."

Kind? Welches Kind?, fragte sich Ginny wie versteinert. Sie wusste nicht, was geschah. Sie wollte, dass es aufhörte. In ihrem Magen rumorte es und sie hatte das Gefühl, als müsse sie sich gleich übergeben. All das Blut… sie konnte es riechen, ja fast schmecken… wie konnte sie das wahrnehmen, wenn sie doch gar nicht dort war?

„Bring sie herein," sagte Tom langsam, doch nahm seinen Blick nie von dem Jungen, der vor ihm kauerte. „Damit sie sehen kann, was ich mit ihrem Bruder mache."

Die andere Person verschwand für einen Moment in die Dunkelheit des anderen Zimmers. Dann kam sie wieder zurück, doch diesmal mit noch einem anderen, kleineren Menschen. Er hielt ein kleines Mädchen fest, vielleicht nur etwas älter als der Junge auf dem Boden, mit goldenen Locken und tränenverschmiertem Gesicht. Sie kämpfte mit dem Unbekannten, versuchte freizukommen, aber der kleine, stämmige Mann, der dunkle Roben anhatte, hatte sie fest an den Oberarmen gepackt.

„Hör auf damit, Dummkopf," zischte der Mann und stieß sie von hinten an.

„Ich würde nicht versuchen, zu fliehen," sagte Tom und sah schließlich über die Schulter zu den beiden, „sieh zu, was ich hier mit deinem kleinen Bruder mache… das wird dir auch gleich passieren."

Dann wirbelte er wieder herum und packte ohne Vorwarnung eine Handvoll von dem Haar des Jungen. Er riss den schluchzenden und kreischenden Jungen, der nicht älter als fünf sein konnte, in die Luft und hielt ihn dort. Der Junge strampelte um sich selbst zu befreien, doch es nützte nichts. Ginny beobachtete von Grauen gepackt, und nicht fähig sich zu bewegen, wie Tom seinen Arm nach hinten streckte und den Dolch fester packte. In einer Bewegung, begleitet von den Schreien des Mädchens, ließ er seine Hand nach vorne schnellen und stach den Dolch tief in den Hals des Jungens. Es war das Schlimmste, was Ginny je erlebt hatte. Ihr Herz schien mit dem Mädchen zu weinen und sie wollte nichts mehr, als aus diesem Raum zu rennen. Sie hatte genug gesehen, sie hielt es nicht mehr aus… Aber ihre Augen gehorchten ihr nicht, sie konnte nicht wegsehen. Der Junge versteifte sich, als der Dolch seine Kehle durchbohrte. Dann öffneten sich seine Augen weit und er starrte an die Decke, erschlaffte und seine Arme fielen fast langsam an seine Seiten. Er hing dort unbeweglich, tot. Wenn Ginny wie eine Todesfee hätte schreien können, hätte sie es getan. Doch das Mädchen schrie laut genug für Zwei, während sie strampelte und kämpfte, um sich aus dem Griff des Mannes zu befreien. Doch Tom war noch nicht fertig. Der Junge war zwar schon tot, doch er stach den Dolch um den ganzen Hals herum immer wieder hinein und schlitzte ihm den Hals auf. Er stach so tief, dass er ihn fast köpfte. Es machte ein schreckliches Geräusch, als er mit der scharfen Klinge die Haut aufschlitzte, wie als nähme man einen Fisch aus. In diesem Moment öffnete Ginny den Mund und ließ einen lauten, langen Schrei aus. Ihr war es egal, wie laut es war, auch wenn sie immer noch in ihrem Zimmer war und Maria sich wundern würde, was mit ihr nicht stimmte. Es war einfach so schrecklich…

Dann kam noch mehr Blut. Blut strömte aus den Wunden am Hals des Jungen, spritzte auf den Boden, auf Toms Kleidung und sogar in sein Gesicht. Er schien es nicht einmal zu bemerken – er lächelte immer noch zufrieden. Er ließ das Haar des Jungen los, und er fiel auf den Boden, tot und bewegungslos. Dann drehte er sich mit dem Dolch immer noch in den Händen, zu dem Mädchen um. Sie hatte bis zu diesem Augenblick geschrieen und geweint, doch nun erschlaffte sie und starrte zu ihm herauf. Stumme Tränen flossen ihre Wangen hinunter, und Ginny wusste, dass sie zu verängstigt war, um einen Ton von sich zu geben.

„Du bist die Nächste, meine Liebe," sagte Tom mit einer schrecklich freundlichen Stimme.

Nein!, wollte Ginny schreien. Nicht! Ich kann es nicht mehr aushalten! Ich will hier weg!

Sie zwang sich die Augen zu öffnen und kippte langsam zur Seite. Nachdem sie ein paar Mal geblinzelt hatte, bemerkte sie mit Erleichterung, dass sie wieder in ihrem Zimmer auf dem Bett saß und nirgends Blut war. Schweiß strömte ihr Gesicht hinab und ihr Herz klopfte so stark, dass Ginny Angst hatte, es müsse bersten.

Maria war neben ihr, mit einer Hand auf ihrem Arm. „Hoheit? Hoheit, geht es Euch gut? Ihr habt geschrieen!"

Ginny warf ihr einen kurzen Blick zu, bevor sich ihr Magen schmerzhaft zusammenkrampfte. Sie lehnte sich über ihre Bettkante und versuchte, sich zu übergeben. Da sie aber tagelang nichts gegessen hatte, ging es nicht. Auch wenn sie wieder sicher in ihrem Zimmer war, konnte sie die Bilder nicht aus ihrem Kopf verdrängen… in ihren Ohren schrie das Mädchen immer noch, auch sah sie immer noch, wie der Dolch die Kehle durchschnitt, sie musste immer wieder daran denken…

„Lass mich sie ansehen," sagte Toms Stimme von ganz weit weg. Ginny erinnerte sich plötzlich, dass er auch da war, und richtete sich auf, alle Erleichterung verschwand auf einen Schlag. Sie spannte sich an.

„Nein," wisperte sie, „nein, mir geht es gut."

„Euch geht es nicht gut!" rief Maria empört, „Ihr hattet die Augen geschlossen, Euer Körper versteifte sich und Ihr habt geschrieen, als würde Euch jemand langsam zu Tode foltern."

„Ehrlich, mir geht es gut," sagte Ginny eindringlich und starrte Tom erschöpft an. Er stand dort in der Mitte des Raumes, anscheinend unsicher ob er kommen sollte oder nicht.

Bleib dort, betete sie in Gedanken, komm mir ja nicht näher.

„Doktor, geht es ihr gut?" fragte Maria und warf ihm einen schnellen Blick zu, bevor sie sich wieder Ginny zuwandte.

„Wenn sie es sagt…" antwortete er mit gerunzelter Stirn. Ginny starrte ihn an. Sie wusste, wer er wirklich war. Sie hatte miterlebt, wie er diesen unschuldigen kleinen Jungen kaltblütig umgebracht hatte, und das höchstwahrscheinlich auch mit dem Rest der Familie getan hatte. Wie konnte er nun so anders aussehen? Wie konnte er jetzt so gelassen sein? Warum tat er sogar so, als wäre er besorgt um sie?

„Aber du siehst sehr verschreckt aus, Ginny," fügte er nach einem kleinen Moment hinzu.

„Ich sage euch, mir geht es gut," sagte Ginny mit zusammengebissenen Zähnen. Sie hatte nicht bemerkt, dass sie überhaupt nach Marias Hand gegriffen hatte, bis Maria einen kleinen Schmerzenschrei ausstieß, weil Ginny sie anscheinend zu fest gepackt hielt. Sie lockerte ihren Griff, doch ließ nicht los.

„Ich brauche nur etwas Schlaf," fuhr sie fort.

Toms Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln. „Trink erst das hier," sagte er, trat näher ans Bett und hielt ihr den Kelch entgegen. Jetzt stand er genau neben ihr und sie zwang sich nicht zu zittern. Sie verengte die Augen und starrte den Kelch misstrauisch an. Anscheinend wollte er, dass sie ihn entgegennahm.

Es muss noch mehr von diesem pinken Trank sein, den er mir schon gestern gegeben hat, erkannte sie, als sie wieder diesen Geruch wahrnahm. Es war anscheinend kein Gift, oder ich wäre jetzt tot…

Natürlich wusste sie, dass es trotzdem Gift sein konnte und es nur ein paar Tage dauerte, bis es seine Wirkung zeigte.

Er will mich wahrscheinlich langsam und schmerzhaft umbringen, dachte sie, er will mich Stück für Stück vergiften und mich in Qualen sterben lassen…

„Wenn ich es nehme," sagte Ginny schließlich, „dann wirst du nie mehr ohne meine Erlaubnis einen Fuß vor dieses Schloss setzen?"

Maria lachte zittrig und nervös; Ginnys Forderung schien ihr peinlich zu sein. Sie versuchte, auf Ginnys Knie zu klopfen, doch erwischte bloß die Decke, da ihre Beine unter der Decke verborgen waren. „Ist schon gut, Hoheit, trinkt es. Dann könnt Ihr schlafen."

Aber Ginny wollte nicht, dass noch mehr Morde passierten, während sie schlief. Und sie hatte schreckliche Angst davor, diese Morde dann wieder in dieser seltsamen Vision miterleben zu müssen. In diesem Moment war es ihr sogar egal, dass sie von Tom Riddle verlangte im selben Haus wie sie zu bleiben, nur ein paar Mauern entfernt. Sie wollte einfach nicht, dass er ging und noch eine Familie tötete.

„Versprich mir," sagte sie eindringlich, „dass du dieses Haus nicht verlässt, bevor ich nicht aufgewacht bin. Versprich-,"

„Hoheit, Ihr seid lächerlich," unterbrach Maria sie mit einem ernsten Ausdruck in den schwarzen Augen, „Trinkt es einfach und schlaft."

Ginny sah ein, dass es keinen Sinn hatte zu streiten. Beide, Maria und Tom, starrten sie an und warteten darauf, dass sie es endlich trank. Sie fühlte wie sich ihre Schultern entspannten und sie seufzte auf. Jetzt war es sowieso nicht ihr Problem – sie würde sich darüber Gedanken machen, wenn sie wieder gesund war. Sie riss den Kelch ein bisschen heftiger als nötig an sich und trank es.

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Please let me know what you think

At nannachen: oh ja, ich bin toll, weiß ich doch, und überhaupt sind alle dumm, beschränkt und inkompetent außer ich… XD; (zum Glück weiß mein Word, wie man inkompetent schreibt…XD)

At IndigoNightOwl: Stimmt, das Achte ist wirklich ein gutes Chap! Bei mir wird es ab jetzt auch langsamer und unregelmäßiger gehen, weil ich wirklich sehr viel zu tun habe, zurzeit…

At Lintu14: Erschreckt einen ganz schön, oder? Wenn der Riddle da plötzlich kommt…

At Lara-Lynx: Dafür war in diesem Chap mehr Draco. Stimmt schon, dass die Prinzessin so weniger Schuld hat. Und ich kann dich beruhigen: Die Story hat ein Happy End!

At LuckyShadow: Und? Hast du das Original einigermaßen verstanden?

At marabelle: Man weiß nicht, ob Riddle aus der Zukunft ist oder nicht! Das ist ja das Fiese… XD

At Sunnylein: DANKE!!!!! Wie fandest du es dieses Mal?

At Kissymouse: Wirst du alles noch rausfinden… xhinterhältigschaux

At h0n3ym0on: Ich werde aber bald 15! xfreux; naja, okay, zwar erst in 2 Monaten, aber trotzdem!!! XDXD

At Aldavinur: Ich hatte auch noch nie eine Lungenentzündung, aber ich bin auch froh darüber! Hört sich ja ziemlich scheußlich an… Das find ich auch gut an der Story, ist mal ein bisschen anders und nicht immer dasselbe Schema, da hast du Recht!

Wer noch einen Review schreibt, während das Chap hochlädt, wird im Nächsten erwähnt!