Mit einem Seufzer erhob ich mich aus dem nun kalten Wasser und trocknete mich ab. Danach stieg ich in das dunkelblaue Kleid von gestern und band meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. Egal was Eirien über es sagte, ich würde mein Haar erst mal nicht offen tragen. Die halbe Stunde nach der Feier, die ich gestern benötigt hatte, um alle Knoten zu lösen, hätte ich mir mit einer anderen Frisur ersparen können. Ich strich noch einmal mein Kleid glatt und verließ dann das Zimmer.

Als ich den gemeinsamen Speisesaal erreicht hatte, waren bereits einige andere anwesend doch ich konnte niemanden ausmachen, den ich kannte und so stand ich etwas verloren im Eingang.

Diesmal rettete mich nicht Bilbo sondern Aragorn aus der Misere: „Lucy, setzt Euch zu uns." Ich steuerte auf seine Stimme zu und setzte mich an den Tisch, an dem nicht nur er sondern auch die Hobbits, Gandalf und Gimli saßen.

„Nach dem Essen wollten wir, die Reisegruppe, uns zusammen setzen, um die Route, welche wir nehmen wollen, zu planen.", sprach Aragorn und ich nahm eine Bewegung gegenüber von mir war. Eine tiefe Stimme begrüßte uns und ich erkannte Boromir, den Mann mit der negativen Grundeinstellung. Kurz darauf setzte sich auch Legolas zu uns und die Hobbits begannen wie schon zuvor einige lustige Anekdoten aus dem Auenland zu erzählen. Derweilen aß ich ein Stück Brot mit einem Frischkäseaufstrich und überlegte, wie wir wohl gehen würden.

Ich war immer noch in Gedanken als mich Gimlis tiefe Bassstimme wieder in die Realität zurückholte: „ Lucy, kommt Ihr? Wir wollen einen geeigneten Platz für die Reiseplanung aufsuchen."

Verlegen stand ich auf und stellte fest, dass die anderen auf mich warteten. „Verzeiht, ich war in Gedanken.", murmelte ich und beeilte mich zu den anderen zu gelangen.

„Sie wird also mit uns reisen?", erkundigte sich Boromir nicht ohne Abneigung in der Stimme.

„Das wird noch entschieden.", leget Gandalf fest.

„Ist es sinnvoll, dass sie dann bei der Besprechung teil nimmt? Ich meine, je weniger genaueres davon wissen, desto besser", versucht Boromir, mein größter Fan, mich verzweifelt los zu werden.

„Ja", bekam er schlicht zur Antwort. Da mich niemand wegscheuchte, durfte ich wohl dabei bleiben.

Draußen war es schon zu dunkel, sodass meine Augen nur noch kaum Umrisse wahrnahmen. Da fasste jemand meinen Arm und führte mich in eine Richtung.

„Damit Ihr uns nicht verloren geht.", sagte Gimli mit einem neckenden Unterton in der Stimme und ich hörte leises Gelächter der anderen.

Wir erreichten einen gemütlichen Raum und entzündeten Kerzen und Öllampen, um ihn zu erhellen. Die rechte Seite war mit hohen Regalen bedeckt während die linke mit drei Fenstern durchbrochen war. In der Mitte standen mehrere Tische und Stühle und Legolas schob zwei dieser zusammen, damit wir zehn genügend Platz hatten. Gimli führte mich fürsorglich zu einem Stuhl, schob ihn zurück und drückte mich auf ihn. Danach setzte er sich neben mich und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Die anderen Gefährten, wie Elrond uns so schön genannt hatte, suchten sich ebenfalls Plätze während Aragorn zu einem der Regale hinüber ging.

„Elrond und ich sind zu dem Schluss gekommen, dass es am sinnvollsten ist, möglichst früh aufzubrechen. Im doppelten Sinne: Wir werden in zwei Tagen kurz nach Sonnenaufgang aufbrechen. Nur unseren Weg müssen wir noch wählen.", begann Gandalf zu sprechen und Aragorn kehrte von dem Regal zurück mit einem Arm voller Rollen, breitete diese in der Mitte der Runde aus und ich erkannte, dass es Landkarten waren. „Ich habe mir überlegt, dass wir uns zuerst an das Nebelgebirge halten und dann einen Weg gehen, denn der Feind nicht einsehen kann. Unser Ziel ist das Schattental und danach können wir immer noch weiter sehen.", sprach Gandalf, doch es hörte sich nicht wirklich wie nur ein Vorschlag an.

„Ich würde lieber versuchen den Pass des Caradhras zu nehmen um von dort aus zum Schattental zu gelangen.", schlug Aragorn vor.

Die beiden begannen das für und wider der Routen zu diskutieren. Während Aragorn Gandalfs Vorschlag schlicht ablehnte, beharrte dieser auf den problematischen Wetterbedingungen, mit denen wir beim Caradhras kämpfen müssten. Man merkte, dass die beiden diese Diskussion nicht das erste Mal führten. Die Idee Boromirs nach Gondor zu reisen stieß dabei auf taube Ohren.

Derweilen schnappte ich mir eine der Karten vom Tisch und hielt sie in das direkte Licht einer Kerzen, in der Hoffnung, dass sich so die dunkleren Linien besser vom hellen Papier abheben würden und ich die Karte genauer studieren könnte. Mit einem leisen Seufzer auf den Lippen legte ich die Karte wieder zu den anderen: Ich hatte zwar die groben Umrisse auf der Landkarte erkennen können, doch waren sie zu verschwommen und die dünneren Linien immer noch nicht erkennbar gewesen, als dass ich mir die Karte hätte angucken können.

Boromir versuchte wie ein Kleinkind, dem keine Aufmerksamkeit zu Teil wurde, sich mit seiner Gondoridee Gehör zu verschaffen und die Hobbits lauschten dem Streitgespräch zwischen Gandalf und Aragorn. Gimli spielte mit seiner Axt, die er immer mit sich trug, herum und Legolas, mein anderer Sitznachbar war in eine Karte vertieft.

Neugierig beugte ich mich zu ihm herüber und fragte: „Was ist das für eine Karte?"

„Sie zeigt den mittleren Teil des Nebelgebirges mit Imladris an. Hier ist Bruchtal.", antwortete er mir und deutete auf einen Punkt in der oberen, rechten Ecke. „Die Karte bildet mit zwei weiteren das Nebelgebirge ab." Er zog eine weitere Karte hervor und legte die beiden so auf dem Tisch zusammen, dass die Bruchtalkarte oben lag.

„Und welche Routen wollen Gandalf und Aragorn nehmen, weshalb sie sich so streiten?", fragte ich weiter.

Leise lachend antwortete Legolas auf meine Frage und fuhr mit dem Finger die Wege ab, denn er hatte wohl mitbekommen, dass ich die feinen Linien der Karten nicht erkennen konnte: „Aragorn will dem Nebelgebirge teilweise folgen und dann den Caradhraspass nehmen. Was Gandalf jedoch bevorzugt, ist mir nicht ganz klar."

Für mich persönlich hörte sich ‚der Weg, den Feinde nicht einsehen können' nicht sehr vertrauenserwecket an.

„Ich gebe mich geschlagen! Von mir aus können wir deinen Weg nehmen, Aragorn!", sagte Gandalf in dem Moment mit wahrhaftiger Begeisterung in der Stimme. „Gute Nacht!", fügte er an und verließ leise vor sich hin murmelnd den Raum.

Ich musste mir ein Lächeln verkneifen und verabschiedete mich ebenfalls. Bei den Wegbesprechungen konnte ich nicht von Hilfe sein und der Tag war lang gewesen.

Ich bog gerade um die dritte Ecke und war kurz davor, mich zu verlaufen, als ich die diskutierende Stimme Gandalfs gemischt mit der Elronds vernahm. Ich näherte mich den beiden, da ich ahnte, dass es um mich ging.

Obgleich ich noch einmal hätte abbiegen müssen, rief mich Herr Elrond herbei: „Gut, dass Ihr vorbeikommt, Lucy. Ich würde Euch gerne meine Entscheidung mitteilen." Natürlich hatte er mich mit seinen feinen elbischen Ohren bereits wahrgenommen.

Gandalf war verschwunden, als ich auf ihn zutrat. Elrond führte mich zu einem Zimmer und ich setzte mich nach seiner Aufforderung hin. Es war derselbe Stuhl, wie bei meiner letzten Unterredung mit ihm.

„Ich habe mit allen Teilnehmern gesprochen. Die Mehrheit spricht sich dafür aus, dass Ihr Teil der Gefährten werdet.", begann er. „Ich kenne Eure Gründe, warum Ihr Frodo begleiten möchtet und es ehrt Euch, dass Ihr so loyal gegenüber Euren Freunden seid. Euer Weg ist nicht einfach, doch glaube ich auch, dass Ihr ihn beschreiten solltet. Falls Ihr Euch um entscheidet, solltet Ihr aber wissen, dass Euch mein Haus stets offen steht."

Ich würde also Frodo begleiten dürfen. „Ich danke Euch, doch steht meine Entscheidung. Ich werde mitziehen, auch wenn ich über jeden einzelnen Stein auf dem Weg fallen werde, aber ob ich danach noch einmal nach Bruchtal kommen werde, weiß ich nicht." Ich schwieg einen Moment. „Ich kann Euch nicht genug danken. Ihr nahmt mich bereits ein zweites Mal in euer Haus auf und bietet mir Eure Hilfe als Heiler an. Ich weiß das wirklich zu schätzen."

„Das beides sind Selbstverständlichkeiten. Nicht umsonst wird mein Haus als ‚Letztes Heimeliges Haus' bezeichnet.", erwiderte der Herr eben jenes Hauses. Ich meinte ein Schmunzeln heraus zu hören. „Und auch wenn Ihr es nicht hören wollt: Ihr nehmt eine bedeutende Position ein. Dieser solltet Ihr Euch bewusst sein."

„Ihr habt mir diese Position verliehen. Ich bin nur hier hin gerufen worden.", antwortete ich belustigt „Also habe ich Euch erneut zu danken."

„Es sind die Valar, die Euch diese Gabe verliehen und somit auch die Position."

„Und schon sind wir bei religiösen Fragen. Lassen wir diese Diskussion ruhen, so wie beim letzten Mal.", schlug ich vor und Elrond zeigt sich einverstanden. Es war sinnlos mit einem Elben, dessen Ururgroßmutter vermutlich bei der Erschaffung der Welt anwesend war, über Gott zu philosophieren. Ich verabschiedete mich und setzte meinen Weg zu meinem Zimmer fort.

Den nächsten Tag verbrachte ich genau wie den vorigen auf dem Schießplatz und produzierte eine weitere Sperrholzplatte. Nach dem Mittagessen kam eine Gruppe Elben unter ihnen auch Elladan und Elrohir, die beiden Söhne Elronds. Ich zog mich ein wenig zurück, da ich nicht die Aufmerksamkeit von ihnen wecken wollte, ging aber nach einer Stunde schließlich, da ich noch ein wenig Packen musste.

In meinem Zimmer stülpte ich kurzerhand meinen Infinitus um, da ich keine Lust hatte alles mühsam mit meinen Händen zu suchen und da ich ihn eh noch mal ordentlich packen wollte.

Ein Schwall aus Kleidungsstücken, Büchern, Krimskrams und auch Essen ergoss sich auf meinem Bett: Die Bücher hatte ich zu gleichgroßen Paketen mit einer Schnurr zusammengebunden, sodass ich sie einfach aus dem Haufen sammelte und zur Seite legte. Danach warf ich die Kleidungsstücke auf einen anderen Haufen und trennte den Rest nach Essen und Krimkrams auf.

Lucius hatte Recht gehabt, dass Essen nicht so schnell schlecht wurde. Seit meinem ersten Ruf schleppte ich ein Glas Nutella mit mir herum und die Schokokekse waren auch noch nicht verschimmelt. Neben einem als riesig zu bezeichnenden Berg an Schokoladentafel, bestehend aus weißer, Vollmilch- und Toffee-Ganznussschokolde, fand ich noch ein halbes, aber trockenes Brot und zwei verbeulte Äpfel. Ich beschloss das Brot und die Äpfel wegzuschmeißen und machte mit meiner Kleidung weiter.

Die richtig wertvollen Gewänder hatte ich zum Schutz in Tücher eingeschlagen und zu Paketen geschnürt. Die anderen Klamotten flogen aber lose im Beutel herum. Ich legte mir die Sachen, die ich auf der Reise tragen wollte heraus und begann die anderen Sachen ordentlich zusammen zu falten. Insgesamt waren es mindestens 30 unterschiedliche Teile hinzukommend von Schuhen und Wäsche, alles quer durch die Jahrhunderte und Kulturen frei nach dem Motto ‚Tunika meets Barockkleid'. Ich legte alles nebeneinander und fischte den Beutel mit Accessoires und die Schmuckschatulle aus dem Krimskramshaufen. Anpassung war die beste Tarnung.

Mein Bauch meldete sich und so beschloss ich das Packen auf nach das Abendessen zu verschieben. Auf dem Weg dorthin entsorgte ich aber noch das aussortierte Essen und traf dabei auf Merry und Pippin.

Wir gingen zu dem Speisesaal und nachdem wir gegessen hatten, verkündete Elrond unsere morgige Abreise bei Sonnenaufgang. Ich vermutete, dass er die Bewohner Bruchtals so dazu auffordern wollte, anwesend zu sein, wenn wir aufbrachen.

Aragorn erklärte auf meine Frage hin, wie wir das mit dem Proviant klären wollten, dass jeder sich das holte, was er benötigte, und wir morgen noch zusätzliche Wegzehrung mitnehmen würden. Jedoch solle unser Gepäck nicht nur aus Nahrung bestehen, wie er an die Hobbits gewandt sagte. Wir saßen noch etwas zusammen und besprachen die Route doch schließlich wünschte ich den anderen eine gute Nacht und ging auf dem Weg zu meinem Zimmer noch an der Küche vorbei. Dort gab man mir Unmengen an Essen und auch die Schnur, die ich noch benötigte.

Wieder in meinen vier Wänden schnürte ich die Restlichen Kleidungsstücke zusammen und verstaute dann alles wieder im Infinitus. Müde legte ich mich in mein Bett und schloss nicht ohne noch einmal an die bevorstehende Reise zu denken die Augen.