Hallo liebe Leser! Herzlichen Dank noch mal an alle Review-Schreiber, ich hoffe, ich habe aufgrund des tagelangen Alert-/mail-Ausfalls niemanden beim Antworten vergessen. Vielen Dank natürlich auch an die anonymen Reviewer und auch Grüße an die „gar-nicht-Reviewer" – ich wünsche euch allen viel Spaß beim Weiterlesen.

Eine kleine Anmerkung noch: Ich bitte um Nachsicht, für Snapes Benehmen! :D

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Kapitel 8

Als ihre Welt wieder aufhörte sich zu drehen, fand sie sich in einem schlicht, aber geschmackvoll eingerichteten Wohnraum wieder, der von einigen Kerzen in ein sanftes Dämmerlicht getaucht wurde. Hermine ließ ihren Blick kurz umherschweifen.

Sie war vor dem Kamin gelandet und dort – etwa zwei Meter entfernt, im Halbdunkel – saß Snape mit einem Weinglas in der Hand bequem in einem Sessel und beobachtete sie.

„Guten Abend, Miss Granger!", sagte er, und der Tonfall seiner Stimme versetzte Hermine umgehend in Alarmbereitschaft. Etwas an ihm war anders als sonst – sie konnte es nicht genau benennen – anders, auf jeden Fall, aber nicht weniger gefährlich.

„Ich war in meinem Büro schon etwas früher fertig und sah keine Notwendigkeit, nur wegen Ihres Besuchs, dort länger auszuharren", fuhr Snape fort. „Die Sache mit dem Portschlüssel hat ja vorzüglich geklappt, wie es scheint."

„Guten Abend, Professor Snape", sagte Hermine zögerlich.

„Ich hoffe, es stört Sie nicht, dass ich unsere Unterredung in meine Privaträume verlegt habe", sagte Snape so höflich, dass es Hermine kalt den Rücken hinunterlief. Was sollte das?

„Keineswegs!", sagte sie. Ob es ihr etwas ausmachte, in der Höhle des Löwen gelandet zu sein? Und ob! Sie fühlte sich ihm hier noch wesentlich mehr ausgeliefert, als in seinem Büro.

„Schön!", sagte Snape aufgeräumt.

„Es spielt schließlich keine Rolle, wo ich Ihre Aufsätze korrigiere", sagte Hermine.

„Ich habe diesmal keine Aufsätze für Sie", sagte Snape. „Heute Nachmittag hatte ich ausreichend Zeit, selbst zu korrigieren."

Hermine sah ihn fragend an – es würden nun hoffentlich nicht doch noch die Flubberwürmer kommen.

„Was soll ich dann tun?", fragte sie vorsichtig.

„Wir werden uns unterhalten, Miss Granger. Setzen Sie sich!" Snape wies auf einen Sessel, der dem seinen gegenüber stand. „Ein Glas Wein?"

Als sie zögerte und ihn überrascht anblickte, bekam seine Höflichkeit für einen Moment Risse.

„Sie haben doch nicht etwa Angst, dass ich Sie betrunken machen will um anschließend über Sie herzufallen?", spottete er.

„Nein! Ich trinke gerne ein Glas Wein", sagte sie trotzig und nahm Platz.

Ihr Missbehagen steigerte sich mit jeder Sekunde. Ein kuscheliges Pläuschchen mit Snape in seiner Wohnung, bei Kerzenschein und Wein – das war nicht das Ambiente, dass sie sich für ihre Strafarbeit vorgestellt hatte.

Als er sich erhob, um ihr das Getränk zu holen, und damit aus dem Halbdunkel in den vom Kerzenlicht erleuchteten Bereich wechselte, traf Hermine fast der Schlag. Snape trug statt seiner üblichen Kleidung eine legere Hose und ein Hemd beides schwarz zwar, aber trotzdem ein großer Unterschied zu seiner üblichen Montur – das Hemd war sogar an den Ärmeln aufgekrempelt und die oberen Knöpfe standen offen. Es war dermaßen untypisch für ihn, sich einer Schülerin so zu präsentieren, dass Hermine nun tatsächlich schwerste Bedenken bekam, ob sie nicht besser schleunigst die Flucht ergreifen sollte.

Ihre Hand zitterte so stark, als sie den Wein, den er ihr reichte entgegennahm, dass Snape ihrer Bewegung zweifelnd hinterher sah, bis sie beide Hände um das Glas krampfte – erst dann setzte er sich wieder auf seinen Platz zurück.

„Nervös, Miss Granger?", fragte er amüsiert.

Was sollte sie darauf antworten? Ein ‚Nein' hätte er sofort als Lüge durchschaut, ein ja würde weitere Fragen provozieren. Sie entschied sich für ein vages Schulterzucken.

„Jage ich Ihnen nach all diesen Jahren tatsächlich noch so viel Angst ein?", fragte Snape stirnrunzelnd. „Das täte mir wirklich leid."

Himmel – was redete er da? War das tatsächlich Snape oder hatte ihn jemand ausgetauscht, gegen eine Snape-Attrappe, die in der Lage war, wie ein normaler Mensch zu wirken? Das war bestimmt eine Falle! Er wollte sie vermutlich in Sicherheit wiegen, um danach umso gnadenloser zuzuschlagen. Sie würde auf der Hut bleiben.

„Ich habe keine Angst vor Ihnen", sagte sie so gefasst wie möglich, „aber die Situation ist ein wenig... gewöhnungsbedürftig."

„Was genau ist es denn, an das Sie sich erst gewöhnen müssen?", erkundigte sich Snape.

„Dass Sie mir im Moment als Privatperson gegenübersitzen, zum Beispiel", sagte Hermine.

„Ach – Sie sehen das als private Zusammenkunft?", sagte Snape überrascht. „Gut! Mir soll es recht sein."

Mist! Wo redete sie sich da nur wieder rein.

„Äh..., so habe ich das nicht gemeint...", sagte sie zaghaft.

„Schon gut, Sie brauchen sich nicht zu rechtfertigen", sagte Snape glatt. „Das geht schon in Ordnung."

„Aber..."

„Warum trinken Sie Ihren Wein nicht?", fragte Snape und beugte sich nach vorne, indem er die Ellenbogen auf seinen Knien abstützte. „Soll Ich ihnen doch lieber etwas anderes bringen?"

„Was? Nein, danke!", sagte Hermine verwirrt.

In dieser Position gewährte Snapes oben aufklaffendes Hemd Hermine einen großzügigen Ausblick auf einen Teil seiner Brust.

Sie senkte rasch den Blick und nahm einen Schluck aus ihrem Glas.

„Der Anlass, der uns nun schon den dritten Abend miteinander verbringen lässt, war ja schließlich auch eindeutig privater Natur", sagte Snape zum vorherigen Thema zurückkehrend und grinste anzüglich.

Hermine verschluckte sich und hustete heftig.

„Es geht schon!", krächzte sie und hob abwehrend die Hand, als Snape aufstand und Anstalten machte, ihr auf den Rücken klopfen zu wollen.

Als sie sich wieder von dem Hustenanfall erholt hatte und den Kopf hob, saß er schon wieder in seinem Sessel und musterte sie interessiert.

Wenn sie sich nicht täuschte, erstrahlten die Kerzenflammen nun wesentlich heller als vorher – vermutlich hatte er mehr Licht für seine Beobachtungen gebraucht. Hermine, die es hasste angestarrt zu werden, verschränkte erbost die Arme vor der Brust. Snape kommentierte diese Reaktion nicht, aber sein ironischer Gesichtsausdruck sprach für sich.

„Wieder alles klar, Miss Granger?", fragte er samtig. Diese Stimme! Das Schicksal musste wirklich einen oberwitzigen Tag gehabt haben, als es entschied diese tiefe, einlullende Stimme einem solchen Scheusal zu verpassen.

„Ja, danke!", murmelte Hermine.

„Gibt es vielleicht irgendetwas, das Sie mir sagen wollen?", fragte Snape.

Hermine sah ihn überrascht an. Hatte er sie denn gestern nicht ernst genommen?

„Ich werde keiner Ihrer Fragen beantworten, das sagte ich Ihnen doch bereits in aller Deutlichkeit", schnaubte sie.

„Das ist schade! Dann werde ich eben versuchen, sie mir selbst zu beantworten", sagte Snape gelassen. „Wie kommt ein Mädchen wie Sie dazu, sich solche Sachen zusammen zu fantasieren", fuhr er fort und sah sie eine Weile nachdenklich an, bevor er weitersprach. „Das liegt einerseits sicher daran, dass Sie sich tatsächlich langweilen in meinem Unterricht – kein Wunder, nachdem Sie den Stoff schon immer mindestens drei Monate im Voraus lernen - und die Wiederholungen, die im Moment anstehen, sind für Sie vermutlich auch völlig unnötig. Andererseits liege ich sehr wahrscheinlich mit meiner Vermutung richtig, dass Ihre sexuellen Bedürfnisse etwas zu kurz kamen in der letzten Zeit", sagte Snape und sah sie dabei an, ohne mit der Wimper zu zucken.

Hermine bohrte die Fingernägel in ihre Handflächen und zwang sich, seinem Blick standzuhalten.

„Beide Faktoren rechtfertigen eigentlich ausreichend, die hübsche Szene, die Sie sich während meines Unterrichts ausgemalt haben", fuhr Snape fort, „aber sie liefern keine Erklärung dafür, wieso Sie sich ausgerechnet mich als Hauptakteur vorgestellt haben."

Hermine brach den Blickkontakt ab und fixierte ihr Weinglas.

„Warum ich, Miss Granger?", sagte Snape. „Meinen Sie nicht, das Sie mir eine Antwort darauf schuldig sind?"

Sie zeigte keine sichtbare Reaktion.

„Dann muss ich wohl ernsthaft annehmen, dass Ihr Gehirn Schaden genommen hat, bei der vielen Lernerei", sagte Snape launig. „Was sonst könnte eine brave junge Dame wie Sie dazu bewegen, sich eine schlüpfrige Szene mit dem Lehrer vorzustellen, den sie am meisten fürchtet – es sei denn, sie ist vielleicht masochistisch veranlagt. Sind Sie das, Miss Granger?"

Hermines Kopf schnellte in die Höhe. „Nein, das bin ich nicht!", rief sie erbost.

Snape lächelte und machte eine Handbewegung, die wohl andeuten sollte, dass er sich da längst nicht so sicher war, was Hermine noch mehr erzürnte.

„Ich bin keine Masochistin!", fauchte sie.

„Also doch ein Gehirnschaden!", sagte Snape mit falscher Betroffenheit.

Hermine funkelte ihn wütend an.

„Was ist nur aus Ihnen geworden?", fragte Snape und schüttelte mitleidig den Kopf.

„Sie haben weder eine Ahnung, wer ich war, noch was aus mir geworden ist!", schleuderte Hermine ihm entgegen.

„Sind Sie da so sicher, Hermine?", sagte Snape sanft. „Ich sehe mehr, als allgemein angenommen wird."

Hermine! Er hatte sie Hermine genannt! Wie vom Donner gerührt starrte sie ihn an.

Und Snape erwiderte ihren Blick mit der gleichen Intensität. Die Tiefe und Schönheit seiner dunklen Augen übten eine solche Faszination auf Hermine aus, dass sie für einen Moment vergaß, dass sie das größte Scheusal des Schlosses vor sich hatte.

Dann war er es, der den Zauber dieses Augenblicks unterbrach, indem er den Kopf senkte und nachdenklich sein Weinglas betrachtete. Doch gleich darauf folgte die nächste Sensation.

„Warum ich? Sagen Sie es mir... bitte!", sagte Snape leise.

Er bat sie um eine Antwort, anstatt zu fordern? Das allein war eigentlich schon Anlass genug, den Tag im Kalender rot zu markieren – aber was Hermine noch viel unwirklicher erschien war die Tatsache, dass seine Stimme gerade verunsichert, ja fast demütig geklungen hatte. Gab es am Ende wirklich einen verletzlichen Menschen hinter dieser fürchterlichen Fassade?

Was sollte sie ihm antworten? Sollte sie ihm überhaupt antworten? Was würde passieren, wenn sie ihn vor den Kopf stieß, in dem Moment, wo er sich ihr so unerwartet öffnete? Hermines Gedanken überschlugen sich. In ihrer Not entschloss sie sich zu einer Halbwahrheit.

„Weil Sie der einzige Mann im Raum waren", sagte sie.

„Das war wie immer eine richtige Antwort", sagte Snape lächelnd, „aber leider keine sehr umfassende."

Hermine sah ihn gequält an.

„Lassen Sie es mich mal so formulieren", fuhr Snape fort, „wenn beispielsweise Mister Filch im Raum gewesen wäre mit einem Rudel Jungs, die noch grün hinter den Ohren sind, wäre er auch der einzige Mann im Raum, aber dennoch..." Er lachte über Hermines angewidertes Gesicht. „Ich weiß – das war ein etwas drastisches Beispiel, aber Sie haben sicher verstanden, worauf ich hinaus will."

Hermine biss sich auf die Unterlippe. Wie sollte sie darauf nur reagieren? Er forderte ja regelrecht eine Bestätigung ein, dass sie ihn auf erotische Weise anziehend fand. Was konnte sie preisgeben, ohne dass er daraus die falschen Schlüsse zog?

„Äh – Sie habe eine etwas... andere Ausstrahlung, als beispielsweise... Mister Filch", sagte sie schließlich zögernd.

„Das will ich doch stark hoffen", schnaubte Snape amüsiert. „Eine andere Ausstrahlung also – und wie wirkt diese auf Sie, wenn ich fragen darf?"

Verdammt! Er ließ einfach nicht locker!

„In diesem speziellen Moment in Ihrem Unterricht neulich... anregend", sagte Hermine etwas kurzatmig, während sie krampfhaft ihre Hände anstarrte, „und ich betone, einzig und allein in diesem speziellen Moment", fügte sie eilig hinzu.

So! Nun war es heraus – nun würde er sie in Ruhe lassen!

„Hm... und jetzt, in diesem Moment?", fragte Snape.

Scheiße! Das durfte doch nicht war sein! Sie wagte es nicht den Blick zu heben.

„Hermine?" Seine Art, ihren Namen auszusprechen, jagte ihr einen aufregenden Schauer den Rücken hinunter und die Arme entlang bis in die Fingerspitzen.

„Ja?", flüsterte sie, ohne ihn anzusehen.

Er stand auf und kam auf sie zu. Oh mein Gott!

Direkt vor ihrem Stuhl ging er in die Hocke und nahm ihr das Weinglas aus der Hand, um das sie – ohne es wahrzunehmen - die Finger so fest gekrampft hatte, dass es schier zu zerbrechen drohte.

Sie nahm seinen angenehmen herb-männlichen Geruch wahr und mit einem Mal war die Erinnerung an die von ihr erdachte erotische Tisch-Szene so präsent in ihrem Kopf, dass eine ungewollte Welle der Erregung sie überflutete, ehe sie das Bild verdrängen konnte.

„Was fühlen Sie in diesem Moment?", fragte Snape noch einmal. Seine Stimme hüllte sie ein, wie ein Umhang aus weicher schwarzer Seide. Er berührte sie nicht, doch seine Hände lagen auf den Armlehnen ihres Sessels und obwohl sie ihm nicht ins Gesicht sah, spürte sie seinen Blick auf sich ruhen – sie war gefangen.

„Ich möchte jetzt bitte gehen...", hauchte sie halbpanisch – hin und hergerissen zwischen Angst und Erregung.

Sofort stand er auf und trat einen Schritt zurück. Nachdem sie nicht gleich darauf reagierte, streckte er ihr die Hand hin, um ihr hoch zu helfen, welche sie nach kurzem Zögern ergriff. Die Berührung bescherte ihr eine weitere Gänsehaut und zudem die Assoziation kräftig zupackender Hände, anlässlich der ekstatischen Vereinigung auf dem Tisch - ein weiteres malerisches Produkt ihrer ausufernden Fantasie.

Snape hielt ihre Hand ein paar Sekunden länger fest als nötig und Hermine verspürte einen Hauch von Enttäuschung, als er sie schließlich losließ.

„Die Türe ist dort hinten...", sagte er zögernd, „nachdem Sie ja auf anderem Wege hereinkamen..." Er machte eine einladende Handbewegung um Hermine die Richtung zu weisen.

Sie durchquerten den Raum. Bei der Tür angekommen, drehte sich Hermine um. Snape stand direkt hinter ihr – eindeutig näher, als es der Anstand normalerweise gebot und seine Augen bohrten sich auf fast hypnotisierende Weise in die ihren.

„Nun habe Sie mir ja doch eine meiner Fragen beantwortet", sagte er in einem leisen bedauernden Tonfall, „und sind erlöst von dieser allabendlichen Tortur - auch wenn es nicht die Frage war, die mich am meisten interessiert hätte."

„Welche wäre das denn?", fragte Hermine spontan und ihre innere Stimme versetzte ihr für ihre Neugier umgehend einen imaginären erbosten Tritt in den Hintern.

„Ich würde wirklich gerne wissen", sagte Snape und strich Hermine wie beiläufig eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht, wobei er wie aus Versehen ihre Wange streifte, „ob Ihre Fantasievorstellung Sie... sehr erregt hat." Er sah sie völlig ernst dabei an – kein Spott, kein zynisches Grinsen, kein boshaftes Funkeln in den Augen – nur unergründliche Tiefe und eine erhebliche Portion Melancholie – als ob er längst aufgegeben hätte, vom Leben etwas für sich zu erwarten.

„Ich... äh... ja..." Hermine war wie gebannt von seinem Blick.

„Ja?", raunte Snape und stützte einen Arm knapp über ihrer Schulter an der Wand ab.

„Ja!", hauchte Hermine.

Sie sah sich nun aus nächster Nähe konfrontiert mit diesen Augen... diese Augen, irgend etwas stimmte damit nicht, aber Hermine war nicht mehr fähig klar zu denken. Sie wurde heimgesucht von einer Flut widersprüchlicher Gefühle, von denen jedoch eines immer dominanter wurde: Verlangen! Sie begehrte diesen Mann – so verrückt das auch schien – was ihr heftig pochender Schoß ihr da mit Nachdruck mitteilte, war nicht zu verleugnen.

Er beugte sich zu ihr herunter. Seine Lippen – warum war ihr nur nie aufgefallen, was er für einen sensiblen Mund hatte – näherten sich vorsichtig den ihren.

In diesem Moment warf Hermine alle Zweifel über Bord und schlang ihre Arme um seinen Hals. Sie legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und bot ihm willig ihre halbgeöffneten Lippen dar.

Snape blieb ruhig stehen. Er ließ seine Hände da, wo sie waren. Hermine spürte seinen warmen Atem an ihrer Wange vorbeistreichen.

„Eine Frage hätte ich da noch", flüsterte er nah an ihrem Ohr, und mit einem Mal klang seine Stimme nicht mehr einschmeichelnd, sondern kalt und verletzend. „Warum zum Teufel sollte ein erwachsener Mann wie ich, sich mit einem nervigen, spätpubertierenden Mädchen einlassen, das noch dazu eine so unerträgliche Besserwisserin ist, dass der Gedanke an eine wie auch immer geartete körperliche Verbindung mit ihr, mir nicht nur meine extreme Abneigung gegen Pädophilie ins Gedächtnis ruft, sondern auch noch meine fast ebenso große Abneigung gegen diese äußerst unsympathische Sorte Streber?"

Hermine war zunächst nicht in der Lage, sich zu bewegen. Snapes Häme fühlte sich an wie ein glühender Dolch in ihren Eingeweiden. Dann zog sie langsam ihre Hände zurück und verbarg das Gesicht darin. Sie wünschte sich weit weg von diesem Ort und vor allem weit weg von diesem grausamen Menschen.

Endlich trat er einen Schritt von ihr zurück und verschränkte in üblicher Manier die Arme vor der Brust.

Hermine zwang sich, den Kopf zu heben und dem Grauen ins Angesicht zu blicken.

Was immer sie vorhin noch in Snape gesehen hatte – es war fort. Der Mann der dort stand war der Snape den sie seit Jahren kannte – bösartig, kalt und zynisch bis in die Haarspitzen. Er sah sie lauernd an, als wartete er darauf, dass sie ihm eine weitere Gelegenheit gab, sie zu demütigen.

„Warum tun Sie das?", flüsterte Hermine. „Hassen Sie mich wirklich so sehr?"

„Ich hasse Sie nicht - Sie sind mir gleichgültig", erklärte Snape mit gelangweilter Stimme.

„Warum dann?", fragte Hermine.

„Damit Sie etwas lernen, natürlich", sagte Snape spöttisch.

„Was sollte ich dabei lernen?", fragte Hermine fassungslos.

„Ein braves Mädchen zu sein und sich nicht mit bösen Männern einzulassen – am besten nicht mal in Ihrer Fantasie", sagte Snape. Sein zynisches Grinsen war Hermine unerträglich.

„Sie sind ein Monster!", sagte sie tonlos.

„Richtig! Und genau darum legen Sie sich besser nicht mit mir an", sagte Snape und öffnete schwungvoll seine Wohnungstür. „Gute Nacht, Miss Granger!"

Ohne ein weiteres Wort schob sich Hermine an ihm vorbei. Sie war kaum auf den düsteren Korridor hinaus getreten, als die schwere Tür auch schon donnernd hinter ihr ins Schloss fiel.

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Fortsetzung folgt...

Na? Seid ihr reingefallen auf die Snape-Show? ;)