Okay, Antwort gefunden. Eigentlich müsste die FF "Thestrale" heißen, aber weil ich ja so ein sturer Dickkopf bin und außerdem die Bücher immer auf Englisch lese, bleibe ich jetzt einfach mal bei diesem Titel. Ich hoffe, ihr bleibt mir trotzdem als Leser erhalten! xD

Daher kann ich auch gleich anfügen - tja, die "Karte des Entdeckers"... Wie heißt denn die "Marauder's Map" im Deutschen? °

DANKE für die bereitwilligen Antworten und lieben Kommentare gehen dieses Mal an: Ileartis, anarai, Elbereth, spiritofair, oAmyBlacko, SweetBunny, Muecke (schön, dass ich dich so fesseln konnte g), NoXan, LittleWhisper und Veruca!

xxx

Seine Gedanken waren - wie es anscheinend bei ihm kaum noch anders ging - auf einem neuen Höchststand des Gefühlschaoses und der Verwirrung angekommen, was sich nicht unbedingt positiv auf seine Laune auswirkte. Dermaßen unenthusiastisch machte er sich auf den Weg zum Wahrsagen und ließ sich dabei extra viel Zeit - schließlich war von Professor Trelawny auch nichts anderes als die üblichen Todesahnungen zu erwarten, und auf diese hatte er momentan noch weniger Lust als sonst.

Mit sichtlichem Unwillen ließ er sich in einen der Ohrensessel fallen und ignorierte die fragenden Blicke Rons, während er krampfhaft versuchte, nicht an dem durchdringenden Geruch von zu lange gezogenen Teeblättern zu ersticken. Seine Geruchsnerven protestierten erst recht, als dann auch noch seine Lehrerin zur Tür hereinschwebte und den üblichen Schwall von merkwürdigsten Ausdünstungen mit sich trug, der sie ebenso prägte wie ihre überdimensionierten Brillengläser.

Er seufzte lautlos und versuchte mit wenig Erfolg, die neue Anwesenheit im Raum einfach zu ignorieren. Wie immer aber machte ihm Professor Trelawny da einen dicken Strich durch die Rechnung, indem sie mit einem theatralischen Seufzer auf ihn zusteuerte, vor ihm stehen blieb und dann ihren Kopf schüttelte. "Oh du mein lieber, lieber Junge", sagte sie immer wieder, "mein lieber Junge, lieber Junge!"

Harry fuhr sich kurz einmal über die Augen und richtete, nachdem sie auch nach einigen Minuten nicht in ihrer Tirade aufhören wollte, schließlich entnervt seinen Blick auf sie. "Was ist denn?" fragte er mit sichtlicher Ungeduld, woraufhin sie noch einmal schwer seufzte und ihm dann ihre Hand auf die Schulter legte, als müsse sie ihm nun etwas besonders schwer zu verkraftendes mitteilen. Er konnte sich schon denken, was das sein würde, und war daher wenig beunruhigt.

"Heute Nacht noch habe ich geträumt, dass derjenige, der sich in diesen Sessel setzt, in Kürze versterben wird! Oh du Unglücklicher, wenn ich das geahnt hätte..."

Lavendar und Padma warfen ihm einen erschrockenen Blick zu, während er sich nur noch tiefer in seine Polster sinken ließ und für alle weiteren Worte seiner Lehrerin auf taub schaltete. Solltete die doch reden... Er hatte wirklich andere Probleme als seinen baldigen Tod. Verdammt, es sah irgendwie ziemlich danach aus, dass er Gefühle für seinen Erzfeind entwickelte! Da störte ihn doch sein Tod nicht!

Er war so in sein dumpfes Brüten versunken, dass er die regen Vorbereitungen der restlichen Schüler gar nicht mitbekam. Erst als ihm Professor Trelawny eine Teetasse vor die Nase setzte begriff er, was seine nächste Aufgabe war und warum es auch so bestialisch nach Tee müffte.

"Partnerarbeit", flötete die Lehrerin fröhlich, woraufhin Harry einen bitterbösen Blick von Ron zugesandt bekam. Dieser nämlich saß neben Emilia Keille, einer Hufflepuff, die ungefähr genauso wenig in die Zukunft sehen konnte wie ihre Professorin, dafür aber extra enthusiastisch war. Keine gute Mischung, wie Harry mit einem schadenfrohen Grinsen bemerkte.

Besagtes Grinsen verging ihm aber recht bald, als ihm auffiel, dass er alleine an seinem Tisch saß - und die einzige andere Person, die noch ohne Partner war, Theodore Nott war. Der unscheinbare Slytherin warf ihm einen deutlich ablehnenden Blick zuund auch Harry schaute alles andere als begeistert drein, während er seufzend seine Tasse ergriff und zum Tisch des Anderen herüber ging.

"Sieht so aus, als müssten wir das jetzt zusammen machen", bemerkte Harry mit so etwas ähnlichem wie einem aufmunterndem Lächeln und ließ sich Nott gegenüber in den Sessel sinken. Dieser nickte nur düster und trank dann seine Tasse in einem so atemberaubenden Tempo aus, dass Harry für einen Moment ziemlich sicher war, dass seine Speiseröhre von dem heißen Getränk sicherlich völlig verbrannt sein musste. Etwas zögerlich sah er in seine eigene Tasse, seufzte dann und tat es seinem schweigsamen Arbeitspartner nach, sodass sein Mund sich wie gekocht anfühlte, er dafür allerdings Theodore seine Tasse über den Tisch hinweg zuschieben konnte.

Schweigend starrten sie in die Tasse des jeweils anderen, und Harry versuchte relativ erfolglos, irgendwelche geheimen Strukturen in den Teeblättern zu erkennen. Konnte das da eine Sonne sein? Oder war es doch eher so etwas wie ein Totenschädel? Mit gerunzelter Stirn drehte er die Tasse hin und her, bevor er schließlich halbherzig zu erzählen begann.

"Also, hier ist so etwas wie ein Halbmond... Steht für vergangenen Schrecken... Und das, nun ja, ich würde auf eine Libelle tippen. Das bedeutet -- warte -- finanzielle Unpässlichkeiten und hohen Erwartungsdruck. Komische Kombination... Egal. Außerdem ist hier noch so etwas, was wie die Schnauze eines Werwolfs aussieht - das heißt, dass du momentan in großer Angst lebst."

Schwach lächelnd ließ er die Tasse sinken und sah in die erstaunt aufgerissenen Augen seines Gegenübers. "Das... Das ist vollkommen richtig", stammelte Nott fassungslos, was nun auch Harry verwunderte. Er hatte etwas wahres aus der Tasse heraus gelesen? Kaum zu glauben.

"Pures Glück", erwiderte er, auch wenn er sich gleichzeitig fragte, was für "Schrecken, Unpässlichkeiten und Angstzustände" Nott durchzumachen hatte. Der Slytherin schien nicht sonderlich erpicht darauf zu sein, seine Vergangenheit mit ihm zu teilen, und noch dazu starrte er konzentriert in Harrys Tasse und verzog ab und an verwirrt das Gesicht, ganz so als würde ihm das, was er in der Tasse sah, nicht glauben können. Dann endlich ließ er die Tasse sinken und blickte ernst in die wartenden Augen Harrys.

"Ich sehe Schmerz", sagte Nott leise, und Harry wollte schon innerlich abschalten, bevor noch eine weitere Tirade der nicht enden wollenden "Harry-stirbt-bald"-Reihe auf ihn einprasselte, horchte bei den nächsten Worten jedoch unwillkürlich auf, "seelischen Schmerz." Nott räusperte sich leise und rutschte etwas auf seinem Stuhl hin und her. "Außerdem sehe ich große Macht... Verluste... und Ruhelosigkeit." Er machte eine weitere Kunstpause, bevor er sich über den Tisch beugte und so leise sagte, dass Harry es kaum verstehen konnte: "Deine Zukunft ist ungewiss, nicht deutlich zu erkennen. Alles hängt von dir ab - und deinen Entscheidungen. Du hast mehrere Möglichkeiten - aber nur eine wird dich wahrhaft glücklich machen." Für einen kurzen Augenblick senkte Nott etwas verunsichert den Blick und nagte auf seiner Unterlippe herum. Harry sah ihn ungeduldig an - Himmel, das war mal eine richtige Vorhersage! Und jetzt sollte der Blonde gefälligst weiterreden.

"Und?" fragte er nach ein paar Sekunden drängend, in denen Nott hartnäckig geschwiegen hatte.

Der Slytherin hob seinen Kopf und seufzte dann. "Ich will wirklich nicht wie Professor Trelawny klingen", sagte er leise, "oder dir irgendwie Angst machen - aber... über dir schwebt der Tod. Ich weiß nicht, wen genau es treffen wird - dich, einen Freund oder jemand ähnliches... Aber der Tod ist da. Lauernd. Was ich dir jedoch mit Sicherheit sagen kann, ist dies: Egal, welchen Weg du für dich wählst, du wirst geliebt werden. Und zurücklieben. Mit einer Vehemenz, die beneidenswert ist." Er verstummte, als sich ihnen ihre Lehrerin näherte, die den wie festgefroren wirkenden Harry nicht weiter beachtete sondern nur Nott die Tasse aus der Hand schnappte und überlaut und mit bebender Stimme seinen baldigen und tragischen Tod verkündete, den sie - natürlich - eindeutig aus seinem Teesatz erkennen konnte. Armer Harry, armer lieber Harry!

Der "arme, liebe" Harry hörte ihre Worte nur ganz entfernt, in seinem inneren Ohr klangen immer noch Notts Worte nach. Nur eine Möglichkeit, um wahrlich glücklich zu werden? Eine große Liebe? Tod? Er konnte nicht sagen, warum, aber irgendwie glaubte er Notts Prophezeiung in weitaus größerem Maße als allen anderen Dingen, die jemals in diesem Teil des Schlosses zu ihm gesagt wurden. (Abgesehen von der Vorhersage über die Rückkehr Voldemorts, aber selbst diese nicht einen derartigen Effekt auf ihn gehabt.) Unerklärlicherweise war die reservierte und zögernde Weise, mit der Nott ihm von seiner Zukunft erzählt hatte, weitaus aufrichtiger und echter gewesen als das leere Geschwätz, mit dem Trelawny ihn immer wieder malträtierte.

Was seine Befürchtungen allerdings nicht schmälerte. Sollte Nott Recht haben, so war er totgeweiht.

Dieser Gedanke war aber eigentlich nichts Neues für ihn. Seit seinem 11. Geburtstag war er dem Tod mehrmals nur knapp von der Schippe gesprungen, und die Prophezeiung, mit der ihn Dumbledore überrollt hatte (von wegen entweder er oder Voldemort) hatte ihm nicht unbedingt ein Gefühl größter Sicherheit gegeben. Irgendwie hatte er sich an diesen Gedanken - so makaber es auch war - schon gewöhnt, sich damit abgefunden.

Viel schlimmer war, dass der Tod sich sein Opfer noch nicht ausgesucht hatte. Jeder in seiner Nähe war gefährdet.

Das einzig Positive an seiner Zukunftsprognose war die Sache mit der Liebe. Er würde lieben und zurücklieben? Sein Herz beschleunigte seinen Rhythmus, und für den Bruchteil einer Sekunde flackerte in seinem Geist ein Paar silberner Augen auf.

Nachdenklich verließ er nach der Stunde den Raum und wurde bald durch Rons Gegenwart beehrt.

"Wegen dir", so fing sein bester Freund mit einer Grimasse an, "musste ich mir anhören, wie Emilia Keille mir von meiner Zukunft als Gärtner berichtet hat! GÄRTNER, Harry!" Er verdrehte die Augen und zitierte mit verstellter Stimme: "... dein unglaubliches Geschick mit den zarten Pflanzen wird sie sogar im Winter zum Blühen bringen, Ronald!"

Ohne es zu wollen musste Harry leicht grinsen und zuckte dann mit den Schultern. "Ich weiß, ich hätte mich zu dir setzen sollen... Aber ich musste ein bißchen nachdenken."

"Nachdenken?" hakte Ron nach und runzelte seine Stirn. "Worüber denn? Und wo warst du eigentlich beim Mittagessen?"

Sofort wurden Harrys Handflächen kalt und klamm. "Äh... Am See", antwortete er schließlich wahrheitsgemäß, woraufhin Ron einen amüsierten Blick auf Harrys immernoch feuchte Hosenbeine warf.

"Ach, deshalb siehst du so aus, als hättest du eine Runde Wasserball mit der Riesenkrake gespielt!"

Harry grinste verschämt und kratzte sich am Kopf. "Naja, ich bin eingeschlafen... und ins Wasser gerollt."

"Gerollt?" kiekste Ron und lachte fröhlich auf. "Da siehst du, was passiert, wenn du nicht mit uns isst."

Sie gingen weiter, Ron immernoch vor sich hin kichernd und Harry froh darüber, dass sein Freund nicht weiter nachhakte. Unmöglich, Ron von seinem Traum oder den Drohungen von Blaise zu erzählen! Vielleicht sollte er tatsächlich einfach mal das tun, was ihm alle sagten, und Malfoy in Ruhe lassen.

"Was hat Nott dir eigentlich vorhergesagt?" fragte Ron da, und sofort prasselten die kurz verdrängten Gedanken von Tod, Schmerz und Liebe wieder auf sein Hirn ein.

"Das übliche", erwiderte er mit einem schwachen Grinsen, "ganz trelawnygetreu: Der Tod ist nah."

Ron grinste zurück und zusammen betraten sie den Speisesaal, und wie es ihm inzwischen zur lieben Gewohnheit geworden war galt Harrys erster Blick dem Tisch der Slytherins.

Draco saß bereits dort, mit der üblichen ihn umwehenden Aura von Coolness und Reserviertheit. Im Umkreis von nun mehr fünf Stühlen - anscheinend hatten sich die Ereignisse des Vormittags inzwischen herumgesprochen - war niemand anderes zu finden, und abgesehen von Harry gaben alle anderen Schüler wieder einmal ihr Bestes, um Malfoy zu ignorieren. Sogar das Getuschel über seine überwältigenden Fähigkeiten war verstummt, was Harry ja nach seinem fantastischen Auftritt in VgddK nicht mehr für möglich gehalten hatte. Wie groß war das Netzt der Verschleierung, das man über Draco gelegt hatte, wenn sogar der Tratsch dadurch gestoppt werden konnte?

Harry schüttelte leicht seinen Kopf und senkte schuldbewusst den Blick, als ihm der lauernde Blick von Zabini auffiel, der natürlich wieder an Dracos Seite saß. Wieder fielen ihm Blaise' Drohungen ein, woraufhin seine Augen kurz über den Gryffindortisch glitten als wolle er prüfen, dass dort noch alles in Ordnung war. Als er dann, ärgerlich über sein albernes Verhalten, trotzig wieder in Richtung der Slytherins blickte, begegneten seine Augen denen von Nott, der ihn mit schlecht verhohlener Besorgnis musterte.

Leise seufzend ließ er sich auf seinen Platz fallen und verwünschte sein eigenes Pech. Das einzig Gute war die Sache mit der Liebe...

Unbewusst hob er erneut seine Lider und begegnete dem eisgrauen Blick desjenigen, der derzeit sein gesamtes Denken und Handeln bestimmte. Wann genau hatten Malfoys Augen eigentlich angefangen, diese Schwärme von Schmetterlingen auszulösen, die jetzt durch seine Blutbahn schossen?

Der Slytherin sah rasch wieder zur Seite und Harry bemerkte die Zeichen der Anspannung, die sich über seine feinen Züge zogen. Erst als er die Hoffnung aufgegeben hatte, nochmals einen Blick aus den silbernen Augen seines Gegenübers zu erhaschen, bemerkte er, dass es vielleicht sein penetrantes Starren war, dass Malfoy so aus der Ruhe brachte.