Herzlich Willkommen im neuen Jahr!
Bei Hermine und Draco ist es zwar noch etwas länger Weihnachten und Silvester, aber ich denke, das stört hier niemanden, oder? Vielen Dank für eure zahlreichen und teilweise langen Reviews. Ich hab mich echt wahnsinnig gefreut, aber das könnt ihr euch ja wie immer auch denken. Reviews sind ja einfach geil!
Viele haben über meine Zeitsprünge gemeckert. Natürlich ist es im Film leichter Zeitsprünge zu erleben, als in Geschichten, aber nehmt es hin, wie es ist: die Zeitsprünge sind nun einmal da. Sie bleiben. Und seht es positiv:
Ihr werdet zum Nachdenken angeregt, erlebt teilweise andere Emotionen, als wenn ich alles in Reihenfolge schreiben würde, eine vorweggenommene Überraschung bleibt auch dann noch eine Überraschung, wenn ich sie vorweg nehme, ihr lest zum besseren Verständnis die zusammenhängenden Stellen noch mal, zeichnet eventuell einen Zeitstreifen, gebt euch Mühe alles zu verstehen, was euer Gehirn trainiert und somit habt ihr cirka 250 Euro für den Nintendo DS Gehirnjogging dinsgda gespart, usw und sofort die Assoziationskette kann ewig weitergeführt werden!
Ihr seht also, Zeitsprünge machen nicht nur mir Spaß, sie sind auch noch gleichzeitig gut für euch+grins+
(Guter Schulterengel: Geht nicht so hart mit ihr ins Gericht, sie hat doch so eine Freude daran, ihr Kopfkino niederzuschreiben!)
(Böser Schulterengel: Tjaha! Und welche Geschichte kann schon mit so vielen schönen Zeitsprüngen glänzen? Nur eine Geschichte, die aus einem echt kranken Kopf entspringt.)
(Guter Schulterengel: Bad Mel! Sowas sagt man nicht! Ich bin stolz, dass wenigstens Mel immer den Durchblick behält!)
(Böser Schulterengel: Ach, Good Mel..., wenn du wüsstest wie verzweifelt sie manchmal über der Zeitleiste hängt und Szenen hin und her schiebt...)
(Guter Schulterengel: Du kannst ja so gemein sein.)
(Böser Schulternegel: Jepp!)
Ihr habt heute aber Glück, denn als ich das Kapitel geschrieben habe, dachte ich nicht, dass es so lang wird. Wir haben heute mal eine gesegnete normale Reihenfolge, einen ich nenne es mal "passiven" Zeitsprung +zwinker+, und ihr werdet keinerlei Verständnisprobleme haben.
Weiteres Blabla am Ende des Kapitels.
Jetzt viel Spaß mit Kapitel 6!!
„Sag mir, warum ich dir diesen abscheulichen Gefallen tun sollte, Malfoy?" sagte Hermine wütend. Malfoy blickte sich um und kam einen weiteren Schritt auf sie zu. Hermine strauchelte und schaute sich erschrocken um. Um sie herum ebbte der Krieg ab, Leute jubilierten und Feuerwerke barsten durch die Luft. Das kann nicht sein, dachte Hermine verstört. Was machte sie hier? War nicht längst alles vorbei? Was suchte sie an diesem Ort?
„Ganz einfach. Weil du es nicht verkraften kannst, wenn deine Karriereleiter einen Knick nach unten macht anstatt in ungeahnte Höhen nach oben zu schießen. Du bist eine gottverdammte Perfektionistin. Und dieses ersehnte, perfekte Leben kann ich dir im Gegenzug zu einer kleinen Aussage bieten."
Hermine schwieg und starrte ihm fassungslos in die Augen. Diese Situation kam ihr unheimlich bekannt vor, doch konnte sie sich in keinster Weise erinnern, wann sie sie schon einmal erlebt haben könnte. Was verlangte Draco Malfoy da nur von ihr?
„Du weißt genauso gut wie ich, dass dein Leben schon morgen wieder 08/15 mäßig weitergeht. Potter steht im Mittelpunkt. Und du?"
„Ja... er hat es verdient...", japste Hermine, sichtlich verwirrt. Natürlich hatte Draco Recht, das wusste sie selber, aber das ungute Gefühl in der Magengegend ließ nicht ab. Wieso in Merlins Namen hatte sie ihm nicht gleich die Lichter ausgepustet?
„Und du, frage ich dich?" sagte Draco Malfoy eindringlich und packte sie bei den Schultern. Hermine zuckte unter dieser Berührung zusammen. Wie elektrische Schläge durchflog die Berührung ihren Körper und Hermine bekam Angst. Sie war sich nicht wirklich sicher vor wem sie sich fürchtete. Vor Malfoy oder vor sich selbst?
„Was erwartest du von mir? Wie stellst du dir das vor? Wieso sollte gerade ich dich decken?" wimmerte Hermine unter seinem festen Griff und immer mehr kam ihr die Situation bekannt vor. Sie spürte, wie sich ihr Magen umdrehte. Sie hatte definitiv Angst vor Malfoy.
„Weil sie dir glauben. Weil du ein Herz hast. Weil nur du das kannst!"
Seine Worte echoten in Hermines Ohren und füllten ihren gedankenlosen Kopf. Sie schluchzte.
„Woher willst du das wissen?"
Tränen rannen ihr nun über das Gesicht. Was für eine Situation. Hermine wusste, dass Malfoy absolut Recht hatte. Sie wollte Ruhm und Ehre, doch viel würde sie nicht bekommen.
Und dann geschah etwas, was sie sich nie zuvor gedacht hatte. Etwas, auf das sie im Leben nicht vorbereitet gewesen wäre. Etwas, gegen das sie keinen Zauberspruch hatte. Etwas, das ihren Kopf leerer fegte, als er sowie schon war und sie in einen schwarzen Abgrund fallen ließ.
Draco Malfoy beugte sich vor und presste ihr einen Kuss auf die kaputten Lippen. Zunächst mit so einer Heftigkeit, dass Hermine ein ersticktes Keuchen von sich gab. Doch dann auf einmal so weich und sanft, dass Hermines kaputte Lippen sich von allen Wunden geheilt fühlten.
Hermine atmete erschreckt ein und stieß ihn widerwillig von sich weg. Ängstlich biss sie sich auf die feuchten Lippen und schaute in Malfoys entschlossenes Gesicht. Sie meinte ein hinterhältiges Zucken um seine Mundwinkel bemerkt zu haben.
„Also? Was meinst du? Ich gebe dir alles was du willst, und du gibst mir nichts weiter, als mein Leben?"
Hermine fühlte sich gedemütigt, als er ihr die Hand hinhielt. Ihr Innerstes schrie vor Empörung, dass dieser Kerl wirklich eine derartige Schande von ihr erwartete. Ein Betrug an ihren Freunden, an die gesamte Zauberwelt! Hermine schmeckte ihn noch auf ihren Lippen und ein Schauder floss ihren Rücken herunter. Hilfesuchend und hektisch atmend schaute sie um sich, aber niemand schien sich mehr für das hintere Schlachtfeld zu interessieren, denn alles strömte nach vorne um sich Voldemorts Tod zu vergewissern. Niemand schenkte ihnen Beachtung und Hermine schluchzte verzweifelt auf.
„Wie kannst du nur so etwas von mir verlangen", gab sie mit erstickten Lauten von sich und hielt sich die Hand vor den Mund. Ihr Schluchzen wurde stärker und ihr Körper wurde heftig von den Schüben geschüttelt. Draco Malfoys Gesicht nahm einen eiskalten Ausdruck an und aus seinen Augen stach eine Härte in Hermines Herz, wie sie es noch nirgends zuvor erlebt hatte. Purer Hass warf er ihr mit diesem Blick entgegen und Hermine wusste nicht, wie lange sie dies noch aushalten konnte.
„Was meinst du damit", grollte er ihr mit einer Aggressivität entgegen, die Hermine einen Schritt zurück weichen ließ. Ängstlich umklammerte sie ihren Zauberstab, ihre Beine fühlten sich an wie Pudding. Zitternd hob sie den Arm und richtete ihren Zauberstab auf Malfoy.
„Komm mir nicht zu nahe", krächzte Hermine verwirrt und spürte, wie ihr heiße Tränen über die Wangen liefen. Wieso erlebte sie diesen Albtraum noch einmal, sie wusste nun ganz genau, dass sie hier auf diesem Schlachtfeld schon einmal gestanden hatte. In ihrer dunklen Erinnerung war es allerdings siegreich für sie ausgegangen. Jetzt hatte sie mehr als nur Angst.
„Willst du etwa schon wieder mit deinem dilettantischen Rumgefuchtel anfangen?", zischte Draco gefährlich und richtete ebenfalls seinen Zauberstab auf Hermine. Hermine schrie laut um Hilfe, doch aus ihrem Mund kam kein einziger Ton. Erschrocken blickte sie um sich. Die Gestalten, die an ihnen vorbeiliefen schenkten ihnen keine Beachtung, alle strömten immer noch nach vorne. Und es waren seltsame Gestalten, Hermine kannte keinen einzigen, es waren Zauberer mit leeren Gesichtern. Sie hatten keine Gesichter! Es waren nur weiße Flecke zu erkennen. Wie Schatten huschten sie an Hermine und Draco vorbei. Oh mein Gott, dachte Hermine erschrocken und fühlte den letzten Keim Hoffnung in ihr erstickt. Hermine schluchzte laut auf und kam sich absolut hilflos und alleine gelassen vor. Alles was Draco Malfoy zuvor gesagt hatte stimmte hundertprozentig und ja, Hermine war hin und her gerissen zwischen ihren Möglichkeiten, aber ihr Ehrgefühl und ihr Stolz ließen sich nicht brechen. Warum in Merlins Namen setzte sie sich jetzt nicht zur Wehr? Was hinderte sie daran einen Zauber auf ihn zu hetzen? Warum fürchtete sie sich dermaßen, dass sie nicht in derb Lage war sich anständig zu verteidigen? Sie war doch sonst nicht so?
Mit jedem Schritt, den Draco auf sie zu machte, wich Hermine einen Schritt zurück, bis sie achtlos über einen Haufen Trümmer stolperte, rücklings auf den Boden fiel und den Zauberstab aus der Hand verlor. Sie schlug sich den Kopf an einem Stein auf und sog zischend die Luft ein. Der Schmerz durchzuckte ihren Kopf wie ein Blitz und ihr wurde kurz schwarz vor Augen, als sie als nächstes auch schon Malfoy über sich stehen sah. Die heißen Tränen rannen ohne Pause und liefen ihr in die Ohren und in die Haare. In ihrem dreckigen Gesicht hinterließen sie weiße Spuren. Hermine wurde von einem erneuten Schluchzen erfasst und ihr Körper bebte, in völliger Verzweiflung tastete sie wild nach dem entglittenen Zauberstab und bekam ihn auch zu fassen. Mit einer ruckartigen Bewegung richtete sie ihn auf Malfoy und rief „Impedimenta!" – doch nichts geschah. Über ihr brach Malfoy in schallendes Gelächter aus und Hermine starrte aus ihren verquollenen Augen auf einen knorrigen dünnen Ast, den sie in der Hand hielt. Pure Angst packte sie und sie versuchte rückwärts von Draco Malfoy weg zu krabbeln, doch mit einem Tritt auf ihre Robe hinderte er Hermine an einem derartigen Fluchtversuch und baute sich wieder über ihr auf.
„Suchst du etwa den hier?", fragte er mit einem teuflischen Grinsen und Hermine zuckte erschrocken zusammen. Sie spürte die Magensäure nach oben schießen und verschluckte sich an ihrem Verdauungssaft. Ihr Hals kratzte und sie hustete, dass ihr Kopf noch mehr schmerzte und die Augen noch mehr tränten.
„Sieh an, wie du vor mir im Dreck rum kriechst. Du bist doch nichts weiter als ein elendes Schlammblut ohne irgendwelchen Mut", sagte Draco verächtlich. „Nicht einmal wenn es um dein Leben geht, bist du mutig genug einen Todesfluch anzuwenden!"
Hermine weinte unter diesen Demütigungen und schaute durch ihre Tränen zu ihrem Peiniger hinauf, der sie immer noch mit seinen Füßen am Boden hielt. Ihre innere Anspannung war nun zum Bersten und ihr tat jeder einzelne Knochen weh. Sie hatte einen Fehler begangen. Sie war unaufmerksam. Sie hätte Draco Malfoy gleich bei seinem Auftauchen erledigen müssen. Sie hätte sein Angebot annehmen können und ihn dann immer noch fertig machen können. Sie hätte nie ihren Zauberstab verlieren dürfen und sich nicht derartig von ihm einschüchtern lassen sollen.
Jetzt lag sie hier am Boden und war vollkommen wehrlos und vom langen Kampf total entkräftet. Sie schluchzte. Hermine hatte keine Lust mehr Heldentaten zu vollbringen. Sie lag im Staub und fühlte sich elendig. Ihre Haare klebten ihr im Gesicht und ihre Kleider waren schweißdurchtränkt. Sie fürchtete sich vor dem was passieren könnte. Sie schluchzte wieder und ihr Körper schüttelte sich in Krämpfen, als Draco Malfoy einen Cruciatus auf sie aussprach.
Nie im Leben hatte Hermine so sehr gespürt, dass sie am Leben war. Sie spürte den unerträglichen Schmerz in jeder Faser ihres Leibes, auch wenn es ein kurzer Zauber war, den Draco Malfoy auf sie anwandte. Zitternd hob Hermine eine Hand an ihren Kopf und schüttelte sich in Weinkrämpfen. Wieso kam niemand um ihr zu helfen? Warum ließen ihre Freunde sie hier alleine? Vermisste sie denn keiner?
Draco Malfoy beugte sich mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen zu ihr herab. Er kam ihrem Gesicht so nah, dass ihr eine seiner schulterlangen Haarsträhnen ins Gesicht wehten. Immer noch vom Schmerz betäubt schaute sie ihn verstört und reglos an.
„Na, wie fühlt er sich an", flüsterte er ihr seine Frage ins Ohr, die Hermine ihm mit einem verzweifelten Schluchzen beantwortete. „Weißt du", fuhr er fort und strich Hermine fast schon zärtlich eine Strähne aus dem geschundenen Gesicht, „jetzt, wo du den einen kennst, wieso solltest du nicht auch den anderen kennen lernen?"
„NEIN!", schrie Hermine mit letzter Kraft ihrer Stimme und schluchzte heftig, sie hustete und griff mechanisch nach Draco Malfoys Umhang um sich ein Stück aufzurichten. „Nein...", weinte sie und Tränen fielen wie Sturzbäche auf Dracos Schuhe herab. Draco hob seinen Fuß an und setzte ihn Hermine auf die Brust. Er entriss ihr seinen Umhang aus der Hand und drückte sie wieder zurück in den Staub.
„Du hast es ja nicht anders gewollt, dummes Schlammblut", spie Draco ihr entgegen und spuckte neben Hermines Kopf in den Staub. Hermine zitterte und atmete schnell ein und aus. Vor ihren Augen sah sie bunte Lichter flirren und Muster auf sich zu rasen. Ihr Kopf pochte vor Schmerz und vor ihren Augen wurde es immer wieder schwarz und weiß, dann sah sie Draco Malfoy wie er ihren Zauberstab zerbrach und achtlos neben sie schmiss. Hermines Herz brach entzwei und ihre Augen weiteten sich mit Schrecken, als Draco von ihr zurücktrat und seinen Zauberstab auf sie richtete. Flehend schaute sie ihn an, doch sie ahnte bereits, dass es vergebens war. Angst überschwemmte ihr aufkeimendes Gefühl der Trauer. Eine lähmende Angst, eine schreckliche Angst, denn sie blickte in Dracos gefühlskalte Augen. Ihre Lippen formten ein tonloses „Nein", als der grüne Blitz des Avada Kedavra auf sie zu schoss und sie weit, weit weg Dracos gesprochene Zauberformel vernahm.
„NEIN! NEIN, NEIN, NEIN, NEIN, NEIN!", schrie Hermine und schlug wild um sich. Heiße Tränen rannen ihr über das Gesicht. Sie spürte, wie sie der Blitz erfasste und ihr Leben entzwei brach und wie sie gerüttelt und geschüttelt wurde. Sie wurde gepackt. An den Schultern. Und ins Gesicht getätschelt.
„Hermine! Verdammt noch mal, was ist los, werd wach!" schrie Draco sie an.
Hermine riss ihre Augen auf und starrte Draco angsterfüllt an. Erschrocken über diesen Ausdruck in ihren Augen, ließ Draco ihre Handgelenke los, die er die ganze Zeit über festgehalten hatte. Er saß auf Hermines Bauch, um sie in den Kissen zu halten, da sie die ganze Zeit über wie wild um sich geschlagen hatte.
„Geh von mir runter!", brüllte Hermine voller Angst und sofort rutschte Draco mit abwehrenden Händen von Hermine herab auf seine Seite des Bettes. Hermine spürte die Übelkeit in sich aufsteigen, sprang aus dem Bett und rannte mit vorgehaltener Hand vom Podest hinab quer durchs Zimmer ins Bad. Sie erbrach sich in die Toilettenschüssel und sackte weinend auf den kalten Marmorfliesen zusammen. Den schmerzenden Kopf lehnte sie an das kalte Gemäuer. Es schien nur ein Traum gewesen zu sein. Zum Glück war es nur ein Traum gewesen! Hermine zog die Beine an ihren Körper und vergrub ihr Gesicht zwischen den Knien in ihrem Nachthemd.
„Hermine, was war da los?", fragte Draco sie leise und hockte sich neben sie hin. Er war leise ins Bad gekommen und brachte eine Decke mit, die er Hermine reichte. Sie hob ihren gerade zentnerschweren Kopf von ihren Knien hoch und schaute Draco verängstigt an.
„Du hast mich gerade umgebracht", brachte sie stockend hervor und nahm mit zitternder Hand die Decke. Hermine war zu fertig mit den Nerven, als dass sie es Draco anrechnen konnte, dass er ihr eine Decke brachte und versuchte, sich um sie zu kümmern. Eigentlich würde sie ihm tausend Punkte anrechnen, wenn er sich in Luft auflösen würde. Draco starrte sie entsetzt an und wich ein Stück von ihr zurück.
„Ich... ich war wieder auf dem Schlachtfeld", schluchzte Hermine und schüttelte ungläubig den Kopf. „Und... und ich habe den Deal abgelehnt."
Mit großen traurigen Augen schaute sie Draco an, der sie immer noch entsetzt anstarrte.
„Weißt du, ich hab gesagt, dass du so etwas nicht von mir erwarten kannst", weinte Hermine und fühlte, wie sich die Tränen ihren Weg über ihren Hals in ihr Dekoltee suchten. „Und dann hast du mich einfach umgebracht", flüsterte sie und vergrub ihren Kopf schluchzend in ihren Armen. Die Bilder des Traums spukten gerade lebhaft durch ihren Kopf. Sie konnte sich an jedes Detail erinnern und meinte sogar den Staub und den Schweiß zu schmecken.
„Es war ein schlimmer Traum", bemerkte Draco hilflos, der ebenso verwirrt neben Hermine saß.
Ihn traf dies gerade schlimmer, als er dachte. Granger umnieten, ja klar, kein Problem. Liederliches Schlammblut, Abschaum der Zauberwelt. Wenn er es gekonnt hätte, hätte er sie am liebsten schon in der dritten Klasse unter die Erde gebracht. Aber jetzt war er sich da nicht mehr so sicher. Er war schockiert von der Vorstellung sie zu töten. Er sagte und dachte es sich immer so leicht, aber sie jetzt gerade dort so zusammen gekauert sitzen zu sehen, wie ein Häufchen Elend, schluchzend und verstört...
Draco war ebenso elendig zumute. Was sollte er denn jetzt tun? Sie trösten? Sie in den Arm nehmen? Wo er sie doch gerade umgebracht hatte? Eigentlich hatte er nicht viel für diese Frau über. Er mochte sie noch nie. Auch die ganze Zeit, die sie jetzt zusammen als Verheiratete verbracht haben, ließen ihn nicht viel anders über Hermine denken. Nein, er mochte sie wirklich noch nie. Er war auch nicht derjenige, der auf diesen Typ Frau stand, dem Hermine entsprach. Na, eigentlich fand er glatte Haare besser, als diesen prachtvollen Lockenkopf. Und blaue Augen waren ihm eh schon immer lieber gewesen als warme leuchtende Bernsteine, die einem ein wohliges Gefühl ums Herz zaubern konnten, wenn sie einen lustig ansahen oder beobachteten. Nein, er mochte Hermine einfach nicht. Er tolerierte ihre Anwesenheit in seiner Nähe, okay, an dem schauspielerischen Spektakel hatten sie beide mittlerweile ihren Spaß, und dass sie über die Feiertage des korrekten Bildes wegen ein Schlafzimmer – sein Schlafzimmer! – teilen mussten, das war ja auch mehr oder weniger ein lästiges Übel, dass sie beide so hinzunehmen hatten.
Draco betrachtete hilflos dasitzend die schluchzende Hermine, immer noch unschlüssig, was er denn jetzt tun sollte. Seufzend lehnte er sich neben sie zurück an die Steinwand und starrte in die Dunkelheit. Wie von selbst hob sich dann sein Arm und legte sich um die zusammengekauerte Hermine. Sie zuckte erschrocken unter dieser Berührung zusammen und schaute Draco fragend an. Er wusste, wie sehr sie sich gerade über diese Geste wundern musste.
Er gab es ungern zu, aber er wusste, dass er in diesem Moment das Richtige tat, als er Hermine fester an sich drückte. Sie schluckte ihre Tränen hinunter und schaute ihn wieder mit ihren großen Rehaugen an. Sie fühlte sich dermaßen verwirrt. Dieser Mann hatte sie gerade in ihrem Traum kaltblütig ermordet und nun legte er sanft seinen Arm um ihre Schultern, um sie zu trösten. Seine Hand streichelte leicht und vorsichtig ihre Schulter.
Hermine spürte förmlich die Unsicherheit in seiner Berührung. Wahrscheinlich war er sich nicht sicher, ob sie derartiges tolerierte, und wahrscheinlich fragte er sich gerade auch selber ob er nicht mehr ganz bei Trost war. Sie freiwillig zu berühren glich ja nahezu der Aufgabe einem Pestkranken die Eiterbeulen auszuwaschen. Skeptisch betrachtete sie sein Profil.
Draco starrte immer noch geradeaus an die Wand. Er war sich nicht sicher, ob er sehen wollte, was für ein Ausdruck in ihrem Blick lag. Seufzend schloss er die Augen.
„Glaub mir", flüsterte Draco mit trockener Stimme. Hermine erkannte, dass er selbst nun auch ziemlich aufgewühlt war. „Ich würde dich niemals – NIEMALS, hörst du? – umbringen, egal was ich auch sage oder tue oder meinetwegen auch denke. Lass mich das Haus in Schutt und Asche legen vor Wut, oder andere Dinge kaputt machen, lass uns streiten dass sich die Fetzen fliegen, lass uns bis ans Ende der Welt hassen, aber glaub mir, selbst wenn ich es dir androhe... ich würde es niemals tun."
Hermine spürte, wie sich die Tränen wieder auf den Weg machten. Doch das unwohle beängstigende Gefühl in ihrer Magengegend ersetzte nun ein seliges und beruhigendes Flattern. Hermine schniefte und ihre Atmung wurde wieder ruhiger. Sie griff nach Dracos Hand, die immer noch ihre Schulter streichelte, jetzt aber inne hielt und sich von Hermine halten ließ.
Draco spürte, wie sie sich entspannt an ihn lehnte und den Kopf an seine Schulter legte. Auch Hermine starrte nun ohne ein Wort zu sagen die Wand an. In unregelmäßigen Abständen schniefte sie noch und unterdrückte ein erneutes Schluchzen.
Draco spürte Hermines Locken auf seiner Schulter und auf seiner nackten Brust. Ohne es wirklich zu merken griff er mit der freien Hand nach einer dieser geschwungenen Locken und zwirbelte sie spielerisch um seinen Finger.
Eine ganze Weile saß er noch mit Hermine so da, bis ihre regelmäßigen Atemzüge ihm verrieten, dass sie eingeschlafen war. Vorsichtig löste er sich von ihr los und stand auf um sich die Glieder zu strecken. So eine Steinwand war nicht die bequemste Alternative.
Draco bückte sich zu der schlafenden Hermine herunter und nahm sie ohne große Mühe auf die Arme. Nein... er mochte wirklich nicht derartige Klappergestelle. Draco trug Hermine durch das Gemach zum Bett und stieg mit ihr auf den Armen die drei Stufen empor. Sachte legte er Hermine auf ihrer Seite – aber nur vorübergehend! – des Bettes ab und deckte sie zu.
Seufzend ging er ums Bett herum auf seine Seite und setzte sich kopfschüttelnd. Was war das nur für eine verflixte Nacht. Er blickte auf die Uhr und stöhnte leise auf. Viel Schlaf war ihm nicht mehr vergönnt. Draco schlüpfte unter seine Decke und schaute missmutig durchs Fenster auf die vom Mond hell erleuchtete Schneelandschaft. Müde ließ er sich in die Kissen zurück sinken, löschte mit einem Handschwenker alle Lichter und bemerkte nicht einmal mehr, wie Hermine sich zu ihm umdrehte und an ihn heran rückte.
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Als Draco um Punkt sieben Uhr die Augen aufschlug (nachdem ihn eine Hauselfe zaghaft wachgerüttelt hatte), stand Hermine bereits dick in ihren Morgenmantel eingemummelt am Fenster und schaute hinaus auf die Schneelandschaft.
„Wir nehmen später doch die Schlitten", sagte sie in einer monotonen Stimmlage ohne sich zu Draco umzudrehen.
Draco nahm allerdings überhaupt nicht wirklich wahr, was Hermine zu ihm gesagt hatte und schälte sich erstmal schlaftrunken aus den Decken. Gähnend rieb er sich die Augen und schenkte seiner Umwelt keinerlei Beachtung. Er hatte definitiv zu wenig geschlafen. Er war noch absolut ungenießbar. Was hatte sie gerade zu ihm gesagt?
„Muss ich dich dabei auch ertragen?", knötterte er mit verschlafener Stimme und starrte an Hermine vorbei aus dem Fenster. Die schaute ihn nur fassungslos an und lief mit einem abfälligen Ton durch den Raum ins angrenzende Badezimmer. Wütend knallte sie die Tür hinter sich ins Schloss und in derselben Sekunde fuhr Draco auf und flog gerade zu mit großen Schritten auf die Badezimmertür zu.
Wieso knallte sie am frühen Morgen mit den Türen? Er hatte ihr doch gar nichts getan? Draco war dermaßen in Rage durch diese frühmorgendliche Türknallerei, dass er am liebsten selbst mitgeknallt hätte. Mit Schwung riss er die Tür zum Badezimmer auf und schrie: „Hab ich dir irgendwas getan, bei Merlin?"
Hermine zuckte erschrocken zusammen und drehte sich ruckartig zu Draco um. Dem hat wohl einer das Hirn ausgelutscht? Was sollte das denn jetzt?
„Das fragst du noch?", keifte sie mit provokantem Unterton zurück und ging vor Wut bebend auf ihn zu. Dass sie nur mit ihrem Nachthemd bekleidet war, welches sich knapp an ihren Körper schmiegte, schien sie völlig vergessen zu haben.
Draco war von dieser Reaktion gänzlich überrascht. Er hatte damit gerechnet, dass sie sich erschreckte, Angst bekam und irgendwie weinte oder so.
„Du elende Giftspritze", fauchte Hermine ihn an, „das ist mal wieder dein typisches Vogel-Strauß-Verhalten!"
„Mein was?", schnauzte Draco und schaute auf Hermine herab, die jetzt vor ihm stand und wütend schnaubte.
„Vergiss es, und jetzt raus hier, ich will duschen!", fuhr sie ihn an und schubste ihn aus der Tür, die sie auch sogleich wieder vor seiner Nase zuknallte und abschloss. Für einen Moment starrte Draco verdutzt die verschlossene Türe an. Im nächsten Moment war er am kochen.
„Ich lass mich doch nicht in meinem eigenen Badezimmer aussperren? Wenn dann bin ich ja wohl der erste unter der Dusche", schrie er gegen die Tür und hob seinen Zauberstab. „Alohomora!"
Das Schloss knarrte und Draco setze ein triumphales Siegergrinsen auf, doch unerwarteter Weise stob ihm aus dem Schlüsselloch, zu dem er sich leicht herunterbeugt hatte, ein Schwall Seifenblasen entgegen. Die Blasen platzten direkt vor seinem Gesicht und prompt begannen seine Augen zu brennen. Fluchend schloss er seine Augen und tastete nach der Klinke, an der er heftig rüttelte.
„Du blöde Kuh, jetzt mach die Tür auf!"
„Ich kann dich nicht hören!", hörte Draco es dumpf durch die dicke Holztür tönen, und im selben Augenblick prasselte Wasser in die Dusche. Resigniert ließ er sich auf den Boden sinken und presste den Stoff seiner Pyjamahose vor die Augen. Das brannte ja wie die Hölle! Das waren bestimmt keine Seifenblasen, sondern irgendwas Fieses. Scheuermittel oder so.
„Herr, soll Tiffy Medizin holen?", vernahm Draco das zittrige Stimmchen der kleinen Hauselfe. Er lachte kopfschüttelnd und sagte: „Nee, Tiffy. Alles bestens, du kannst gehen... es sei denn, du willst erleben, wie ich deiner Herrin gleich den Hintern versohle."
So.
Als ich Hermines Traum geschrieben habe gings mir ganz schön mies. Ich hatte oft selber Tränen in den Augen, weil wie gesagt... lebhaftes Kopfkino, in die Person hineinversetzen, Gefühle verarbeiten etc.pp. ... ja es war nicht schön für mich sie so leiden zu lassen und Draco dann auch noch als Mörder dastehen zu lassen... nicht schön. Aber es trägt leider seinen Teil zur Geschichte bei, und die muss ja nun auch vollständig erzählt werden, nicht wahr? Genau!
Erleben wir beim nächsten Mal, wie die beiden sich den Weihnachtstag versüßen!
Update kommt keine Ahnung wann. Harret der Dinge. Es kommt jedenfalls.
Bis zum nächsten Kapitel, hinterlasst mir ein Review und beantwortet mir die Frage, wann wir hier die 100 Reviews knacken.
Nennt mir einfach ein Datum, es ist wie Lotto nur kostenlos. Und der Sieger darf sich dann über ein kleines Geschenk freuen. Worum es sich dabei handelt verrate ich an dieser Stelle noch nicht.
Bedenkt Folgendes bei eurem Tipp: da ich nicht in regelmäßigen Abständen uploade und ihr nicht regelmäßig reviewt, ist es nicht so leicht einen Stichtag zu tippen!
Wenn dieses kleine Spiel gut ankommt, gedenke ich es zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen. Es liegt an euch.
TBC und LG
eure Mel
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