Author's Note: Sorry, dass es so lange gedauert hat _ Iiiich verspreche aber, dass es bis um nächsten ganz bestimmt nicht so lange dauert! GROßES USER EHRENWORT O_O Und dann geht's auch die Action wieder los MUHAHAHA! In diesem chap hingegen gibt als auch ein wenig Action, aber in einem gaaaanz anderen Sinn ;) Versteht ihr? Naaaa? Hehe...

ENJOY, PROGRAMS, AND (lasst es mich mit den Worten von den Smiths sagen *mimimiii*) PLEASE PLEASE PLEASE LET MEEE LET MEEE LET MEEE LET MEEE GET REVIEWSTHIS TIIIIME!


/Tainted Love (pt 2)/

Die Anfänge des Trainings waren hart. Nicht nur für die Leute beim Widerstand. Susan musste sich öfters zusammenreißen nicht total auszuflippen, weil diese Programme wirklich keine Ahnung vom Kämpfen hatten und ihr trotzdem dauernd sagen wollten, wie sie ihren Job zu tun hatte. Zum Glück war Kyto da, der sie immer daran erinnerte, dass Arris der Champion der Spiele war. Im Gegensatz zu den anderen hörte er ihr auch aufmerksam zu, wenn sie versuchte etwas zu erklären. Doch auch wenn er ihr Freund war, behandelte sie ihn wie alle anderen beim Training.

Es war ermüdend - sie konnte kaum Zeit für Zuse aufbringen, da sie immer so müde war, dass sie einfach nachhause ging und sich ins Bett fallen ließ - jedoch mochte sie es. Anderen beizubringen, was Tron ihr viele Zyklen zuvor gelehrt hatte fühlte sich unglaublich gut an. Es erfüllte sie mit Stolz. Und auch wenn es eine ganze Weile dauerte, wurden die Mitglieder des Widerstands immer besser.

"Ja, genau. Immer auf eure Deckung achten.", sagte Susan, während sie an der Reihe trainierender Programme vorüberging. "Sehr gut, Bing, aber pass auf deinen rechten Arm auf."
Das Programm nickte, machte die Übung nochmal und beherzigte dabei ihren Ratschlag.
"Kurtz, du musst deine Füße weiter auseinander stellen, sonst hast du keinen festen Halt."
Zur Antwort brummte er und machte genauso weiter wie gerade eben.
Susan schaute ihn mit hochgezogenen Brauen, drehte soch schnell und trat ihm so fest in die Seite, sodass er zu Boden fiel.
"Kein. Fester. Halt."
Die anderen lachten leise und Kurtz stand grimmig dreinschauend auf. Susan hielt seinen Blick. "Kyto?"
Er trat vor. "Ja?"
Sie schaute ihren Freund an. "Tritt mich."
"Hä?"
"So wie ich das mit ihm gemacht habe. Keine Angst, ich wehre mich nicht."
Er zögerte, ging dann aber in Stellung, so wie Susan. Kyto verpasste ihr einen Drehkick, aber statt umzufliegen wie Kurtz, machte sie nur einen Schritt nach hinten, um ihr Gleichgewicht zu verlagern.
Die anderen nickten, als sie fragte: "Alle gesehen?" Dann wandte sie sich wieder Kurtz zu. "Du musst schon das tun, was ich sage, wenn du sowas drauf haben willst. Es ist nur zu deinem Besten. Wächter treten noch viel härter zu. Okay?"
Er seufzte und nickte.
"Gut. Aber jetzt machen wir mal alle Schluss für heute."
Während alle ihre Sachen zusammenpackten, kam Kyto zu Susan herüber. "Tolles Training heute!"
"Ja, toller Tritt übrigens. Du hast geübt seit letztem Mal, stimmt's?", sagte sie mit einem Lächeln.
Er kratzte sich am Kopf. "Danke und ja, ein bisschen. Hat es nicht zu weh getan?"
Sie schaute ihn von unten an. "Ach, bitte. Ich hab schon viel schlimmeres eingesteckt."
Kyto beäugte sie, während sie die Trainingswaffen wegräumte. "Ähm, Arris?"
"Ja?"
"Hättest du... hättest du Lust noch mit mir auszugehen? In den End Of Line Club zum Beispiel. Ich meine, ich weiß, dass du diesen Club gern hast, also..."
Sie lachte. "Das fragst du mich, die praktisch schon dort wohnt?"
"Ich fasse das mal als 'Ja' auf."


Als sie im Club ankamen, bahnten sie sich gleich ihren Weg zur Bar durch, wo Shaddix ihnen ein paar Drinks zubereitete.

Susan schaute sich um, Zuse suchend, konnte ihn aber nirgends entdecken, was sie etwas irritierte.
Kyto riss sie aus ihren Gedanken. "Was glaubst du, wie lange wird es dauern bis wir für unsere ersten 'Aufträge' bereit sind?"
Sie grinste. "Wirst schon ungeduldig, hm?"
"Ein bisschen.", lachte er. "Ich möchte mich einfach mal beweisen..."
"Das will jeder." Sie legte ihm mit einem liebevollen Blick die Hand auf den Oberarm. "Keine Angst. Ich bin sicher, deine Zeit wird bald kommen."
"Und ich hoffe, dass wir das dann zusammen machen können...", sagte er mit sanfter Stimme und legte seine Hand auf ihre.
"Sicher doch!" Lachend entzog sie ihre Hand seinem Griff und nahm das Glas entgegen, das Shaddix ihr hinhielt. "Mit dir würde ich viel lieber kämpfen als mit den anderen aus der Gruppe. Deine Überlebenschancen sind nämlich höher als die der anderen. Die würden gleich in ein paar Mirkozyklen gelöscht werden. Dich könnte ich länger als Schutzschild benutzen.", neckte sie ihn.
"Haha..."
"Ach, komm, ich mach' doch nur Witze!"
Er lachte. "Bin ich nicht. Keine Sorge, so schnell werd ich nicht angepisst."
Susan lächelte, dann fiel ihr etwas ein: "Haben die 2 eigentlich schon etwas über diesen neuen Leibwächter von CLU herausgefunden?"
"Sein Name ist Rinzler. Sie konnten bisher nur Gerüchte auffangen, aber es heißt er wäre gnadenlos, so als würde CLU ihn voll und ganz unter Kontrolle haben. Und man sagt er soll der Beste im Kämpfen sein sein, besser als Tron..."
"Unmöglich.", wandte Susan unberührt ein. Es machte sie wütend, dass anscheinend schon so viele vergessen hatten, wie gut Tron gewesen war, denn niemand könnte jemals so gut sein wie er.
"Naja, vielleicht können wir uns bald selbst ein Bild von dem Kerl machen. Angeblich soll er bald nicht mehr nur als CLU's Leibwächter fungieren, sondern die Black Guards anführen und dann den ganzen Raster auf aufständische Programme untersuchen."
Sie nippte an ihrem Glas und sagte: "Tja, dann werden wir vielleicht schneller mit dem zu tun haben, als wir dachten."
"Ich mache mir da keine Sorgen. Wir haben ja bis jetzt nichts gemacht außer ein bisschen rumschnüffeln."
Susan schaute nachdenklich auf die tanzenden Leute. Kyto seufzte. "Mach dir keine Gedanken." Er stellte seinen Drink hin, während er sie von der Seite beäugte. Sie war wirklich hübsch...
"Sag mal... Willst du vielleicht tanzen?"
Sie blinzelte und schaute ihn an. "Äh, ich weiß nicht..."
"Ach, komm schon. Nach dem Training möchte ich mich ein bisschen amüsieren!"
Sie hob eine Augenbraue mit einem Grinsen. "Hey, ist meine Anwesenheit nicht schon genug?"
"Ein Tanz.", lachte er. "Wenn's keinen Spaß macht, kannst du mir den Tritt von vorhin zurückgeben."
"Uh, das ist ein guter Deal!"
Sie ging voraus auf die Tanzfläche und begann sich dort zur Musik zu bewegen. Kyto stellte sich dazu und sie lachten und tanzten, mit ein wenig Abstand dazwischen. Susan genoss es. Hingegen ihrer Erwartungen. Sie hob die Arme und schloss die Augen, nahm die Musik um sich herum auf.
In einem fließenden Übergang änderte sich die Klangfarbe und ein dunkler, aufregender Rhythmus erhob sich.
Susan öffnete wegen diesem Musikwechsel langsam ihre Augen und entdeckte Zuse, wie er in einer Ecke des Clubs stand und sie beobachtete. Er hielt seinen Glasstock mit der rechten Hand, hatte ihn sich auf die Schulter gelegt. Sein Blick schien sie zu durchbohren.
Da wurde sie auf einmal ein wenig weggestoßen, wodurch sie ihn aus den Augen verlor. Sie suchte nach einer Lücke zwischen den tanzenden Programmen, doch als sie endlich wieder die Raumecke sehen konnte war Zuse verschwunden. Sie runzelte die Stirn und wollte sich gerade weiter umsehen, als sie eine Hand an ihrer Hüfte spürte.
"Ich glaube wir müssen... enger zusammenrücken, wenn wir nicht auseinanderdriften wollen...", sagte Kyto schüchtern.
"Huh?" Susan war völlig konfus, verstand dann aber durch seine Berührung. "Oh, äh, ja okay..."
Sie bewegte sich wieder zur Musik, näher an Kyto.
In seiner Hand spürte er, wie sich ihre Hüfte in Kreisen bewegte. Er holte tief Luft und wagte es, auch seine zweite Hand an ihre andere Seite zu legen, sodass er huer ebenfalls die Kreisbewegungen fühlen schien das nicht zu stören, oder eher, es nicht bemerkt zu haben, da sie sich während des Tanzens ständig suchend umsah.
Da. Da war er wieder. An der Bar.
Susan's Herz machte einen Sprung, als sie seinen Blick sah. Wie ein lauerndes Raubtier fixierte er sie, seine Lippen deuteten ein leichtes Grinsen an. Er nahm einen Schluck von einem Glass gefüllt mit orangener Flüssigkeit, ohne auch nur einmal den Blickkontakt zu unterbrechen.
Susan sah weg. Sie tanzte gerade mit Kyto. Es wäre extrem unhöflich, wenn sie sich jetzt auf jemand anderes als ihn konzentrieren würde. Zuse sollte darüber doch bestens Bescheid wissen und nicht versuchen sie abzulenken.
Sie versuchte ihre Aufmerksamkeit wieder voll und ganz auf ihren Tanzpartner zu richten, lächelte ihn an und legte ihm den rechten Arm auf die Schulter, um einen besseren Stand zu haben.
Die sich bewegenden Programme um sie herum schubsten sie leicht hin und her, bis Kyto mit dem Rücken in Richtung Bar stand ... und Susan wieder perfekte Sicht auf Zuse hatte.
Er lehnte dort ganz gelassen, grinste noch etwas mehr als vorhin und hatte sich seinen Stock wieder auf die Schulter gelegt. Susan beobachtete wie seine Blicke tiefer nach unten wanderten, ihren Körper auskundschafteten, und langsam wieder hoch gingen.
Er musste aufhören! Sie wusste ganz genau, was er im Sinn hatte und geradezu jeder Bit in ihrem System wollte nichts mehr als sie dazu zu bewegen zu ihm hinzugehen...
Zuse schloss seine Augen. Er leckte sich genüsslich über die Oberlippe, atmete mit einem Stöhnen aus, das zwar von der lauten Musik übertönt wurde, wovon Susan aber genau wusste, dass es da war. Als er wieder seine Lider hob, sie wieder mit diesem unfassbar intensiven Blick fixierte, konnte sie es nicht mehr halten.
Ihre Kehle ließ ein leises Stöhnen entkommen und sie krallte sich mit geschlossenen Augen an Kyto fest, damit sie nicht in Ohnmacht fliegen konnte.
'Wow', dachte Kyto. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie vom Tanzen so erregt sein würde, doch dieses Stöhnen sagte offensichtlich etwas anderes. Sollte er ihr von seinen Gefühlen zu ihr erzählen, bevor sie den nächsten Schritt wagen würden? 'Ja'
Gerade als er den Mund aufmachte, kam eine Stimme hinter ihm. "Darf ich abklatschen?"
Zuse wartete die Antwort gar nicht ab, sondern nahm Susan einfach an der Hand und zog sie leicht zu sich. Sie atmete zitternd aus, als ihre Becken sich beim Tanzen trafen.
Tanzen? Nein. Sie konnte nicht mehr nur tanzen.
"Lounge." Susan packte Zuse's Hand, leise lachend hasteten sie die Treppen hoch und ließen so Kyto mit einem strengen Gesichtsausdruck auf der Tanzfläche stehen.


"Gut. Und jetzt ihr beide."
Susan beobachtete die Zwei, wie sie aufeinander losgingen. Das Training machte Fortschritte. Jedoch wusste sie, dass es noch lange dauern würde, bis es ihnen wirklich was nutzte.
Als einer der beiden es schaffte den anderen zum Fällen zu bringen, sagte Susan: "Okay, Stopp. Das war gut. Das war's für heute. Morgen zeige ich euch wie man mit einem Light Sword kämpft."
Während jeder seine Sachen zusammenpackte, ging sie zu Kyto. "Hey!", sagte sie lächelnd.
"Hey.", antwortete er nicht so enthusiastisch.
Sie verzog das Gesicht. "Bist du böse, weil ich dich gestern dort stehen hab lassen?" Bevor er etwas sagen konnte, ergänzte sie noch: "Du musst das verstehen. Ich kenne Castor schon ziemlich lange und..."
"Schon gut, Arris! Ich bin dir nicht böse." Er lächelte sie an. "Es war einfach nur... komisch allein wegzufahren, wenn ich doch mit dir dorthin gekommen bin."
"Es tut mir Leid."
Er bemühte sich eine fröhliche Miene zu machen. "Schon vergessen."
"Okay. Willst du heute wieder ausgehen? Ich schwöre ich lasse dich nicht allein!"
"In... den End Of Line Club?"
Sie nickte.
"Ähm... ich weiß nicht..."
"Ach, komm schon. Das Training heute war anstrengend und mit dir zu tanzen hat Spaß gemacht!"
'Klar, deshalb hast du dich ja lieber von Castor...', dachte er grimmig, sagte aber: "Ja... Können wir das nicht auch woanders machen?"
"Neiiin... Im EOLC kenn ich alle und da bekomme ich Gratisdrinks..."
Er seufzte. "Na gut."


"Zwei, Shaddix.", keuchte sie lächelnd.
Sie hatte die ganze Zeit mit Kyto getanzt, ohne Pause, und war jetzt außer Atem und richtig durstig.
"Du solltest vorsichtig sein, meine Liebe.", sagte Zuse, den sie erst jetzt an der Bar lehnen sah.
"Hallo. Dich habe ich den ganzen Abend nicht gesehen. Wie geht es dir denn heute?"
Er grinste. "Dank einer bezaubernden Lady, die ich gestern in meiner Lounge hatte, bin ich heute immer noch sehr entspannt. Danke der Nachfrage."
"Oh Mann, ich hoffe wirklich du meinst mich...", scherzte sie. "Was meinst du übrigens mit 'Du solltest vorsichtig sein'? Ich kipp nicht gleich nach 2 Drinks um, keine Sorge."
"Nein, ich meinte in Bezug auf deinen Freund." Grinsend kam Zuse näher. "Er steht auf dich."
"Kyto? Blödsinn! Er ist nur ein Freund."
"Für dich vielleicht, aber ich merke wie er dich ansieht. Offensichtlich sendest du die falschen Signale."
"Was denn für Signale?"
"Naja, gestern beispielsweise hast du ziemlich eng mit ihm getanzt..."
"Nein, du verstehst das falsch, er... er ist nur ein..."
"Freund. Schon verstanden. Aber du solltest dich trotzdem zurückhalten, damit er am Ende nicht allzu enttäuscht ist..."
Sie lachte laut auf. "Hör ich da etwa Eifersucht raus?"
"Wie bitte?", antwortete er mit hochgezogenen Augenbrauen. "Du liebe Güte, das hättest du wohl gern, nicht wahr?"
Sie leerte den ersten Dink in einem Zug. "Hör zu, Castor..." Sie nahm den Zweiten entgegen. "Ich will nicht, dass sich das wiederholt. Ich meine, dass ich Kyto einfach so stehen lasse, weil ich... meinen Bedürfnissen nachkommen will. Also werde ich dieses Gespräch jetzt beenden mit einem schlichten 'Nene, du bist eifersüchtig!' und werde erhobenen Hauptes von dannen ziehen. Adieu!"
Gerade als sie wieder zur Tanzfläche schreiten wollte, sagte Zuse: "Dafür, dass du gestern nur mehr meinen Namen schreien konntest, wirfst du heute mit ziemlich großen Worten um dich..."
Susan drehte sich um und schlug schnell das Glas aus Zuse's hand. Er sah sie gespielt geschockt an.
"Ooooh, hat sie nicht gemacht!", lachte Susan.
Zuse schüttelte langsam den Kopf. "Du grausame Frau... Nur Monster vergeuden einen solch guten Drink."
Sie zuckte grinsend mit den Schultern und ging zu Kyto zurück.


'Der Widestand' wurde stärker. 2 neue Programme hatten sich ihnen den letzten halben Zyklus angeschlossen und die Mitglieder wurden immer besser im Kämpfen, besonders Kyto, der ihre Anweisungen ernster zu nehmen schien als alle anderen aus dem Team. Sie würden bald bereit sein, dachte sich Susan manchmal. Bald würden sie bereit sein gegen CLU zu kämpfen.
Doch nach dem Training musste sie sich trotzdem immer im EOLC entspannen, was sie oft mit Mitgliedern des Widerstandes tat, besonders mit Kyto.
"Arris!", sagte Zuse mit einer überschwänglichen Geste, bevor er ihr einen Kuss auf die Wange aufdrückte. "Wie geht es dir denn heute, Darling?"
"Alles super."
"Und Kyto. Was für eine Freude auch dich wieder hier zu sehen."
Aus Höflichkeit streckte Kyto ihm die Hand hin, die Zuse gekonnt ignorierte, indem er sich Susan genauer ansah. "Ach, Arris, deine Schaltfarbe ist ja ganz blass! Und deine auch, mein Freund. Hier..." Lächelnd hielt er Kyto eine leuchtende Karte hin. "Hol uns Dreien doch einen Drink, Schätzchen. Wenn du Shaddix das gibst musst du nichts bezahlen."
Susan schaute Zuse schmunzelnd an, nahm die Karte und sagte an Kyto gewandt: "Hol dir doch bitte nur selbst einen Drink. Nach diesem harten Training heute hast du's dir echt verdient. Ich will nichts, danke. Und Castor ist schon überdreht genug, er braucht also auch nichts mehr..."
Kyto zögerte, ging dann aber doch zur Bar.
"Wieso bist du so fies?", lachte Susan.
"Was meinst du? Ich bin so nett wie immer. Ich habe ihm sogar angeboten nichts bezahlen zu müssen und du hast ihm diese goldene Gelegenheit genommen."
Sie seufzte. "Wie du meinst. Aber bitte streng dich noch mehr an. Er ist ein wirklich guter Freund."
Zuse zog eine Augenbraue in die Höhe. "Ein Freund, der dir unter die Nase reibt, 21 Programme getötet zu haben. Oh ja, so einen muss ich mir unbedingt auch zulegen..."
"Bitte..." Sie schaute rüber zur Bar und sah, dass Kyto sie von dort beobachtete, während er auf sie wartete. Noch einmal wandte sie sich an Zuse. "Ich habe sowieso schon das Gefühl, dass er dich nicht besonders leiden kann."
"Das beruht auf Gegenseitigkeit, meine Teure."
"Benimm dich, okay?"
Zuse grinste. "Was bekomme ich dafür? Ich meine... es wird ziemlich schwer werden, mich zu benehmen, wo du doch heute wieder so umwerfend aussiehst..."
"Also erstens: Dankeschön! Und zweitens: Benimm dich einfach, hast du verstanden?"
Er nickte und schon schlängelte sie sich durch die Programme zu Kyto.
"Ich kann mich noch an eine Zeit erinnern, wo du schon angewidert das Gesicht verzogen hast, wenn jemand auch nur den Namen Castor erwähnt hat.", sagte Kyto grimmig.
"Tja, da habe ich ihn ja noch nicht gekannt."
"Bei mir ist es genau umgekehrt: Ich mochte ihm mehr, als ich ihn noch nicht gekannt habe."
"Sei nett, ja?"
"Wieso? Er ist es ja auch nicht! Dieser Snob stört uns die ganze Zeit!"
Sie wandte sich ihm mit ernsten Blick zu. "Okay, hör zu. Ich will nicht, dass du so über ihn redest. Er ist ein unglaublich guter Freund und wenn du denkst, dass ich hinter seinem Rücken so über ihn reden würde, hast du dich getäuscht."
"Ich wette, er sagt auch so einiges über mich und ihm lässt du es durchgehen."
"Hältst du mich für so hinterfotzig?! Wenn er etwas gemeines über dich sagt, und glaub mir, so direkt, wie du das hier gerade tust, macht er es nicht, verteidige ich dich genauso wie ihn. Und jetzt lass' uns verdammt nochmal über etwas anderes sprechen..."
Kyto seufzte. "Ja, in Ordnung. Hast du schon gehört, dass es Programme gibt, die diesen Rinzler in Aktion gesehen haben?"
"Ja, Castor hat es mir erzählt."
"Sie sagen, er soll stärker, schneller und einfach besser sein, als alle Programme, die sie je gesehen haben."
Susan schnaubte. "Tron war sicher besser."
"Ich habe Tron nie in Aktion gesehen..."
"Ich schon und er war unglaublich."
Kyto beäugte sie eindringlich. Sie war so geheimnisvoll. Als sie sich das erste Mal vor Zyklen getroffen hatten, hatte sie ihm nichts über sich erzählt, nur, dass sie Systemwächtern manchmal geholfen hatte und daher so gut kämpfen konnte. Hatte sie möglicherweise auch Tron geholfen? Hatte sie ihn gekannt? Hatte sie vielleicht noch mehr mächtige Programme gekannt, wie CLU, was nun der Grund dafür wäre, dass er sie als einzige verschonte? Zuse kannte sie ja auch persönlich, warum dann nicht auch CLU?
Fragen über Fragen schwirrten in seinem Kopf herum, aber er schob sie einfach beiseite. Im Moment brauchte er nicht mehr über sie wissen, als dass sie seine beste Freundin war und, dass er ihre Zuneigung mehr als alles andere ersehnte.
"Arris? Willst du tanzen?"
Sie schaute ihn verwundert an. "Von Tron auf Tanzen? Okay."
Sie nahm ihn an der Hand und zog ihn zur Tanzfläche.
Vergnügt bewegten sie sich zur Musik, genossen die belebte Atmosphäre im Club, genossen die gemeinsame Zeit. Nach einer Weile kam Kyto ein wenig näher. Er berührte sie nicht einmal, doch das brauchte er auch nicht, um dieses kribbelnde Gefühl in seinem Magen zu fühlen. Er musste sie nur ansehen, an sie denken, zusehen wie sie tanzte, so wie jetzt.
Er musste sie fragen. Er musste wissen, ob sie ihn auch mehr mochte, als sie zugaben.
Plötzlich war da wieder diese Stimme.
"Arris!" Zuse schlängelte sich durch die tanzenden Programme bis er Susan erreichte. Er packte sie am Arm, flüsterte: "Ich muss dir unbedingt etwas erzählen" und ließ die Treppen zu seiner privaten Lounge herunterschweben.
Becor sie jedoch hinaufgehen konnten, hielt Kyto sie am anderen Arm fest und sagte wütend: "Nein, du lässt sie schön hier."
"Kyto, was soll der Scheiß?", zischte Susan.
Zuse seufzte, lächelte Kyto an. "Keine Sorge, Kleiner, ich bringe sie dir in einem Mikrozyklus wieder. Aber jetzt muss ich etwas von Wichtigkeit mit ihr besprechen."
"Ist mir völlig egal. Du kannst sie dir nicht einfach schnappen, wann immer es dir passt! Das hast du schon mehrmals gemacht, und jetzt reicht's mir!"
"Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit, mein Lieber. Lass sie los."
"Nicht den ganzen Tag Zeit, so ein Blödsinn! Du hängst doch sowieso dauernd nur hier rum!"
In der Zwischenzeit hatten die meisten schon aufgehört zu tanzen, um dem Streit zu lauschen. Susan schaute nur aufgeregt zwischen Zuse und Kyto hin und her. Was war denn mit Kyto los?
Zuse lachte. "Tja, wenn man einen Club leitet, sollte man auch die meiste Zeit darin verbringen. Aber mir ist klar, dass so ein Nullprogramm, wie du, das irgendwo auf den Straßen unter einem zusammengebasteltem Dach wohnt, keine Ahnung von Geschäft hat."
"Castor!", zischte Susan.
"Nein, lass ihn nur reden! Dieses Arschloch weiß ja gar nicht wie das ist in Armut zu leben!"
Susan riss die Augen auf. Wie hatte er Zuse gerade genannt?!
"Junge, bist du wirklich so naiv zu glauben, dass mir das alles einfach so in den Schoß gefallen ist? Durch Ambition und Strebsamkeit habe ich mir das alles aufgebaut. Wieder zwei Worte, die du nicht buchstabieren kannst. Soll ich sie in deinen Diskus einspeichern?", antwortete Zuse, ohne jemals das Grinsen auf seinem Gesicht fallen zu lassen.
"Du hast das alles ja nur, weil du Zuse kennst, und dabei ist das gar nicht so toll, wenn man bedenkt, wie feige er eigentlich ist!"
Ein Raunen ging durch die Menge.
Susan riss sich von Kyto los. "Wie kannst du...?!"
"Nein, Arris, lass ihn ausreden. DAS will ich jetzt hören." Zuse's Grinsen war zu einem bitteren geworden.
"Naja, ich meine, wieso versteckt er sich, wenn er wirklich so ein großer Held ist? Meiner Meinung nach, und glaube mir, da bin ich nicht der einzige, der so denkt, sind die ganzen Geschichten von ihm erlogen! Erfunden um ihn berühmt und reich zu machen, so wie dich auch. Er hat bestimmt nie den ISOs geholfen, hat nie für sie gekämpft!"
Zuse schaute zunehmend zorniger aus. Seine Schalt- und Augenfarbe leuchteten greller, nahmen ganz langsam einen leicht orangen Ton an den Rändern an.
Kyto ignorierte das, redete einfach nur weiter. "Er hat sie durch seine Feigheit verraten! Er hat die ISOs und die User verraten und versteckt sich jetzt, weil er sich so dafür schämt!"
Fassungslos starrten Susan und die anderen im Club Kyto an. Alles was er sagte war falsch, sowas von falsch! Und jeder wusste das. Offensichtlich wollten er sein Gegenüber nur extrem wütend machen. Und das hatte er geschafft.
Es folgte eine kurze Ruhepause, die wie eine Ewigkeit erschien, während die beiden einfach nur den anderen anfunkelten.
"Arris?", sagte Zuse schließlich mit einer düsteren Stimme, ohne den Blick von Kyto zu nehmen. "Nimm dein Hündchen an die Leine und schaffe es mir aus den Augen."
Sie nickte. "Geh vor, Kyto.", murmelte sie.
Er wollte protestieren, aber sie fauchte ihn an: "Geh schon!"
Er zögerte noch kurz und stapfte dann zum Aufzug.
Susan drehte sich zu Zuse um, schaute ihn bedauernd an. "Castor, es tut mir so-"
"Spar dir das." Man merkte wie sehr er seine Wut zu unterdrücken versuchte. Seine Stimme klang bedrohlich. "Sorge nur dafür, dass ich ihn nie wieder sehen muss, verstanden?"
Dann wandte er sich von ihr ab und stieg zu seiner Lounge hoch.
Susan schloss die Augen für einen Moment und ging dann schnell zum Aufzug, die stierenden Blicke der anderen Programme im Club ignorierend.
Drinnen angekommen drückte sie schnell den Knopf nach unten.
Kyto stand rechts neben ihr und schaute sie an.
"Ich-", fing er an, als sich die Türen geschlossen hatten, doch Susan hob die Hand.
"Wehe du sagst auch nur ein Wort.", sagte sie mit knirschenden Zähnen.
Also schwieg Kyto während der ganzen Fahrt nach unten.
Als die Aufzugstüren wieder aufgingen, stapfte Susan schnell raus. Sie hatte genug für heute und wollte einfach nur mehr nach Hause, sich abregen.
"Er hat es verdient!", sagte Kyto plötzlich hinter ihr.
Susan drehte sich blitzschnell um, packte ihn an seiner schwarzen Jacke. "HALT ENDLICH DIE KLAPPE!", rief sie und stieß ihn brutal von sich weg, sodass er fast zu Biden gefallen wäre, wenn da nicht die Wand hinter ihm gewesen wäre, die ihm Halt gab.
Erschrocken schaute er sie an, sagte aber kein Wort.
Sie sah ihn zornig in die Augen und schnaubte. "Kyto, du... hast keine Ahnung von irgendetwas!" Sie hob ihre Hände so, als wollte sie ihn erwürgen, fauchte dann und schlug stattdessen gegen die Wand neben ihm. "Weißt du überhaupt wie demütigend es für ihn war, jemanden in seinem Club so reden zu lassen?! I meine, er hat dich doch nur verschont, weil er wusste, dass du mein Freund warst!"
"Sorry, aber mich kümmern Castor's Gefühle echt gar nicht..."
"Ich aber! Er ist mein bester Freund! Du kapierst ja nicht einmal wie schwerwiegend deine Anschuldigungen gegen ihn waren! Er kannte etliche ISOs und wir mussten mitansehen wie sie alle starben! Er hat versucht ihnen zu helfen, hat sich so verdammt angestrengt, aber er hat es nicht geschafft! es war die schrecklichste Zeit seines gesamten Programm-Lebens und DU, verdammter, Idiot, trittst diese Erlebnisse mit Füßen!"
Sie wandte sich zum Gehen. Susan wollte einfach aufhören zu reden, bevor sie noch die Kontrolle über sich selbst verlor und Kyto etwas antat.
"Was redest du bitte?" Es ignorierte, was er sagte, ging einfach weiter den kleinen Platz vorm Aufzug hinunter zu der breiten Straße. "Ich dachte wir reden jetzt über Castor, nicht Zuse."
Sie erstarrte. Nach einem kurzen Moment der Stille drehte sie sich um und sagte mit genervter Stimme: "Ich weiß, ich meinte Castor."
Kyto runzelte die Stirn. "Castor hat nicht für die ISOs gekämpft."
"Ich weiß! Stell mich verdammt nochmal nicht so dar als wär' ich dumm! Ich meinte Zuse, ich habe über Zuse gesprochen."
Kyto dachte einen Moment nach. "Und du hast 'wir' gesagt..."
"Hä?"
"'Wir mussten mitansehen wie sie alle starben'. Ich dachte du kanntest Zuse nicht bevor du Castor kennengelernt hast..."
"Ich..." Sie schnaubte. "Du verwirrst mich! Ich geh' jetzt nach Hause!"
Kyto beobachtete sie, wie ihren Lightbaton vom Bein nahm, während sie den Platz hinunterging.
Was war los mit ihr?
Dann traf es ihn wie ein Schlag ins Gesicht.
Nein, das konnte auf keinen Fall wahr sein. Es konnte nicht... Nein. Obwohl... es würde erklären warum sie nun alles durcheinander brachte und warum sie Castor so sehr möchte gleich nach ihrem ersten Treffen mit ihm und warum sie Zuse kannte...
Gerade als Susan die zwei Teile ihres Lightbatons auseinanderziehen wollte, kam Kyto rufend zu ihr herüber gerannt. "Arris, bitte, sag mir, dass ich es nicht getan habe!"
"Dass du... was nicht getan hast?"
"Ich habe nicht... Zuse selbst vorhin beschimpft, oder?"
Sie versuchte ihren Gesichtsausdruck zu kontrollieren. "Äh... Was meinst du?"
Er schaute sie einen Augenblick lang an. Dann fiel seine Kinnlade. "OOOOH SCHEIßE!"
"Oh scheiße...", flüsterte Susan.
Er wusste es.
"Ich dachte, er beschützt ihn nur!"
"Naja, manchmal ist ein Name schon genug Schutz..." Sie seufzte, packte ihm am Arm und zog ihn zurück zum Aufzug, wo sie sich gegen die Wand daneben lehnten. "Okay, hör zu. Ich werde dich desintegrieren wenn du auch nur einem Programm erzählst, dass Castor Zuse ist. Wirklich, Kyto, ich werde...!"
"Schon kapiert. A-aber... Bitte, ich verstehe das ganze nicht..."
"Zuse und ich waren Freunde schon lange vor der Säuberung. Und ich wusste nichts über dieses Castor-Ding, weshalb ich Castor zuerst nicht mochte, weil ich dachte, er würde versuchen Zuse zu kopieren. Aber als ich hier her kam nach meinem ersten Kampf in der Arena... Naja, da haben wir uns wieder getroffen. Wir waren wieder Freunde. Die besten Freunde. Ich bin die einzige, die von seiner Herkunft weiß und er ist der einzige der von meiner weiß..."
Kyto zog die Brauen zusammen. "Was meinst du damit, Arris?"
Sie zögerte. "... Mein Name ist Susan, nicht Arris. Ich bin eine... eine..."
Auf einmal war da das brummende Geräusch eines großen Fahrzeugs hinter ihnen.
Susan drehte sich schnell um und sah einen Truck mit orangener Schaltfarbe in ihrer Nähe parken. 2 Wächter und ein administrativ aussehendes Programm mit genauso orangener Schaltfarbe stiegen aus und kamen auf sie zu.
Susan runzelte die Stirn und flüsterte: "Kyto, bleib hinter mir.", als sie einen Schritt nach vorne tat, sodass sie in einer verteidigenden Position vor ihm stand. Sie witterte Ärger.
Das administrative Programm hielt einen kleinen Bildschirm hoch und verglich im Gehen das Bild, das darauf abgebildet war, mit ihr selbst.
"Arris.", sagte er in höflichem Ton, als er vor ihr und Kyto zum Stehen kam. Sein Lächeln war grässlich Susan's Meinung nach.
"Wer will das wissen?"
"Mein Name ist Jarvis. Ich bin Leiter der leitende Sekretär von CLU und ich bin hier, um dich mitzunehmen."
Sie seufzte. "Ich bin erst in mindestens einem halben Zyklus wieder dran zum kämpfen. Also zisch ab, leitende Sekretärin!"
"Oh, es geht nicht ums Kämpfen. Der Befreier höchst persönlich würde dich gerne sprechen."