8.

Seine Oberschenkel brannten und die Kälte biss in sein Gesicht. Einmal den Fuß unsicher vor den anderen gesetzt und Matthew verlor das Gleichgewicht. Fiel ungebremst in den tiefen Schnee.
"FU**!"
Matthew fluchte selten aber gerade konnte er nicht anders. Schnell rappelte er sich auf und schaute nach dem Fremden. Dieser lag hilflos und regungslos auf der Seite und sah Matthew mit weichem Blick an. Dankbarkeit lag darin genauso wie etwas Entschuldigendes. Danach schweiften sie ab und fokussierten gar nichts mehr. Der Fremde tat ohne jeden Zweifel seine letzten Atemzüge.

"Nein!" Mehr konnte Matthew nicht sagen, denn genau in diesem Augenblick griff die unsichtbare Hand wieder nach seinem Hals. Er kippte in den Schnee und wand sich hoffnungslos gegen den Griff, der ihm die Luft abschnürte.
Schier eine Ewigkeit verging, als dieser er sich löste. Schmerzhaft atmete Matthew ein. Die Kälte schärfte die Luft zu spitzen Messer, die in seine Lunge einschnitten.

Matthew trauerte um den Mann. Wie ein Schlag in die Magengrube fühlte sich der Fakt an, dass er so kläglich versagt hatte, als ihn jemand so dringend gebraucht hatte.
Es war ein vernichtendes Gefühl.

Matthew setzte sich auf, die Arme kraftlos in den Schoß gelegt und schielte noch einmal zu dem Fremden rüber, den er hatte sterben lassen und er konnte ihn in dieser Gegend auch nicht einmal richtig begraben.

Er traute seinen Augen kaum, als er sah was mit dem Fremden geschah.

Die bläulich verfärbte Haut nahm langsam normale Farbe an und es schien ein Lebensfunke durch seine Augen zu blitzen. Kurz darauf fing der Fremde heftig an zu husten, als hätte er sich verschluckt.
'Das ist doch nicht möglich! Ich war mir sicher, dass ich ihn sterben sah, außer er …'
Der Fremde hatte sich jetzt richtig auf die Seite gedreht und sah mit besorgtem Blick, dass Matthew in Schockstarre, wegen dem was er gerade beobachten durfte, mit weit geöffneten Augen ihn anstarrte. Bitter krächzte er ein leises "Scheiße."
Matthews Mund bewegte sich wieder. "Du… bist doch… tot… oder?" Das war alles was er zustande brachte.
"Fu**.", fluchte der Fremde und machte Anstalten aufzustehen.

Wen oder was hatte Matthew da vor sich?

"Tut mir wirklich leid…", krächzte der lebende Tote und wollte sich auf seine Beine hoch drücken, als diese nachgaben und er wieder wie ein Stein in den Schnee fiel.

Egal was er war, ihm ging es schlecht. Matthew schüttelte den Kopf, um ihn frei zu bekommen.
"Was machen Sie da? Ich weiß nicht was mit Ihnen los ist aber wir müssen in die Hütte." Der Fremde rührte sich nicht und wehrte sich nicht als Matthew ihn wieder auf seine Schultern zog.

Schritt für Schritt ging es weiter gegen den Schnee und die Kälte kämpfend in Richtung Hütte.