DKub: Schnell genug? Na ja – wie gesagt. Eigentlich gehörten diese drei Kapitel zusammen, und waren auch fast zusammen fertig gestellt. Musste nur noch Kleinigkeiten verändern.

Ewjena: Ehrlich gesagt hatte ich mir über die Unterschiede zwischen Photos und Bildern noch gar keine Gedanken gemacht, doch dein Erklärungsansatz hat was. Was dieses ganz spezielle Bild angeht, folgen in diesem Kapitel jedoch noch Erklärungen. Der Geisteszustand von Dumbledore war ja schon immer etwas an der Kante, oder? Und Harry hat ja durchaus mal ein wenig Aufmunterung nötig.

Disclaimer: Nichts von dieser Geschichte gehört mir, außer einigen unbedeutenden Nebencharakteren. Alle Rechte bei J.K.Rowling.

Harry Potter

Die Jagd

Kapitel 8

Neue Wege

„Professor Dumbledore?"

Harry starrte noch immer auf das große Portrait, das ganz offensichtlich seinen ehemaligen Schulleiter zeigte. Der zwinkerte fröhlich mit den Augen. „Angesichts der Tatsache dass ich tot bin und du demzufolge nicht mehr mein Schüler bist, halte ich es nicht für richtig, dass du mich Professor nennst. Aber der Rest ist korrekt. Ich könnte noch die Alternative ‚verrückter alter Kerl' anbieten, aber ich schätze, das wird genauso wenig funktionieren, wie dich aufzufordern, mich einfach Albus zu nennen. Irgendwie haben alle meine ehemaligen Schüler erst einmal Probleme damit, mich beim Vornamen anzusprechen. Du hättest mal die gute Minerva McGonagall… Aber das gehört hier nicht her."

Harry hatte die Worte einfach so auf sich einprasseln lassen. Er war nicht in der Verfassung gewesen, etwas zu sagen. Jetzt versuchte er es. „Aber wieso? Und warum haben sie mich erwartet? Wissen sie denn, wo wir hier sind?"

Erneut ließ Dumbledore ein Kichern hören. „Aber natürlich Harry. Dies ist das Gringotts Familienverlies der Potters. Und warum ich hier bin, kann ich gar nicht so ganz genau erklären."

„Sie wussten also, dass meine Familie ein Portrait von ihnen besitzt?"

„Ich enttäusche dich äußerst ungern, Harry, aber deine Familie besitzt nicht wirklich ein Portrait von mir. Es mag dir so erscheinen, aber dies ist kein Bild im herkömmlichen Sinn."

Dumbledore machte eine Pause und Harry warf einen skeptischen Blick auf das Gemälde, allerdings konnte er nichts Auffälliges erkennen. Es war etwa einen Meter zwanzig hoch und auf Leinwand gemalt. Es befand sich, wie er schon vermutet hatte, in einem schweren hölzernen Rahmen, der vergoldet war. Das Bild selbst zeigte Dumbledore, wie er auf dem großen goldenen Stuhl saß, in dem Harry seinen Schulleiter in den vergangenen sechs Jahren bei jedem einzelnen Essen in der großen Halle hatte sitzen sehen. Er trug für ihn normale Kleidung, einen purpurnen Umhang und einen etwas altmodischen Zaubererhut. Natürlich fehlte auch die obligatorische Brille mit den halbmondförmigen Gläsern nicht, hinter denen jetzt die strahlenden, seltsamerweise immer jugendlich wirkenden blauen Augen erneut zwinkerten.

Der alte Zauberer sprach weiter. „Dies ist ein Zweiwegebild. Das Gegenstück ist ein kleines Bild, das sich im Schreibtisch des Schulleiters von Hogwarts befindet. Nur der aktuelle Schulleiter kann es benutzen. In der Vergangenheit hat es in deiner Familie mehrere Zaubereiminister gegeben, und da ist das dann sehr praktisch, wenn man einen direkten Kontakt mit dem Leiter der Hogwarts-Schule hat. Dein Vater, Harry, war immer sehr überrascht, wie gut und schnell dein Großvater immer über seine Schandtaten an der Schule informiert war."

„Aber sie sind doch nicht mehr der aktuelle Schulleiter." Harry hatte beschlossen am Gespräch teilzunehmen.

Ein Seufzen erklang. „Du hast Recht. Und da kommen wir zu dem Punkt, mit dem auch ich nicht gerechnet habe. Der Zauber dieses Bildes muss bei jedem neuen Schulleiter oder Schulleiterin" Dumbledore lächelte verschmitzt „erneuert werden. Das ist natürlich nicht geschehen, schließlich lag das Bild hier eingelagert. Und da habe ich festgestellt, dass ich aus meinem Bild im Büro in Hogwarts nicht nur in meine anderen Bilder wandern, sondern auch hierher kommen kann. Wie schon gesagt: ich habe mit deiner Ankunft früher oder später gerechnet und habe hin und wieder vorbeigeschaut. Als vor einigen Tagen die Kobolde von Gringotts hier herumwerkelten, war mir klar, dass dein siebzehnter Geburtstag unmittelbar bevorstehen musste. Ach – meinen herzlichen Glückwunsch, Harry."

Harry konnte gar nicht anders als leicht zu lächeln. Er wusste, dass die Gemälde der ehemaligen Schulleiter von Hogwarts im Büro des aktuellen Schulleiters hingen, und dass es ihre Aufgabe war, diesen zu unterstützen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, mussten sie natürlich gewisse Kenntnisse haben. Wenn man tagein tagaus in diesem Büro hing, dann schnappte man bestimmt einen Menge Wissen auf und die Portraits sprachen sicherlich auch untereinander, aber Harry hatte noch niemals ein Portrait gesehen, dass so nah am Original war. allerdings musste er sich auch eingestehen, dass er noch nie ein Original eines Zaubererportraits getroffen hatte.

„Sie sagten Schulleiterin. Ist Professor McGonagall denn offiziell zu ihrer Nachfolgerin ernannt worden?"

„Hast du jemals daran gezweifelt? Ab dem Moment, an dem sie die Schule als Lehrerin betreten hatte, war sie eigentlich besser für diesen Posten geeignet, als ich es jemals gewesen war. Ich war die ganze Zeit über nur der alte Trottel – sie wird den Laden am Laufen halten, so wie sie es in den vergangenen Jahren im Hintergrund bereits getan hat. Und jetzt, wo Fudge nicht mehr Zaubereiminister ist, hat sich das Ministerium aus der Ernennung herausgehalten und die Schulräte wissen, was von Professor McGonagall zu halten ist." Und wieder zwinkerte er freundlich „Außerdem habe ich da auch ein Wörtchen mitgeredet. Bring du mal ein Portrait zum Schweigen!"

„Und wer wird neuer Hauslehrer von Gryffindor?"

„Warum interessierst du dich dafür? Ich habe gehört, dass du der Schule fernbleiben möchtest." Dumbledore sah jetzt ernst aus. „Bitte versteh mich nicht falsch, Harry. Ich bin durchaus nicht mehr in der Position, dir irgendwelche Vorschriften zu machen. Außerdem bist du ja volljährig. Aber hast du dir diesen Schritt gut überlegt?"

Harry schaute auf seine Füße. Dumbledore traf da den wunden Punkt. „Ja – und nein." Es war die einzige Antwort, die er wahrheitsgemäß geben konnte.

Dumbledore nickte langsam. „Das dachte ich mir. Und ich bin sehr froh, dass du ehrlich zu mir, bzw. zu dir selbst bist. Denn keine Lüge ist so schädlich wie die, mit der wir uns selbst in die Irre führen, denn wir müssen sie uns nur oft genug vorsagen, um sie irgendwann wirklich zu glauben. Vertraue einem alten Mann, Harry. Ich habe es selbst erlebt."

Harry sah ihm in die Augen. „Aber ich konnte nicht anders handeln. Früher habe ich geglaubt, dass ich mit meiner Anwesenheit alle meine Freunde in Gefahr bringe. Ich weiß jetzt, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Es ist meine Existenz, die die Gefahr auf meine Freunde zieht, doch daran kann ich nichts ändern. Das einzige, das ich tun kann ist, verstehen wie der Feind denkt, wissen was er glaubt das ich tue – und dann anders handeln."

Dumbledore lächelte. „Was du da sagst Harry, ist sehr weise. Es ist genau dieses Vorgehen, das mich dazu veranlasst hat, dir all diese Erinnerungen im letzten Jahr zu zeigen. Um Voldemort zu verstehen, musst du zunächst einmal Tom verstehen. Wenn du seinen Werdegang nachvollziehen kannst, dann ist die halbe Arbeit getan. Die vergangenen Jahre haben dich älter gemacht. Älter, als du nach Jahren zählst. Und das gibt mir Hoffnung.

„Aber ich fühle mich nicht gerade weise. Ich habe das Gefühl, meine Freunde auszunutzen. Was ist daran weise?"

„Harry, vor einem Jahr hast du mir vorgeworfen, dass ich dich ausgenutzt hätte. Und weißt du was? Du hattest Recht. Natürlich habe ich das getan. Bei dem Gedanken fühle ich mich nicht wohl, aber wenn ich die Zeit zurückschrauben würde, und vor derselben Entscheidung erneut stünde – würde ich es erneut tun? Ich würde einiges anders machen, bestimmt. Aber im Großen und Ganzen haben wir manchmal einfach keine Wahl. Und du kannst dir sicher sein, dass Miss Granger und Mr Weasley" und mit einem fast anzüglichen Grinsen fügte er hinzu: „Und auch Miss Weasley das wissen. Und mögen sie auch nicht begeistert sein, so glaube ich fest daran, dass eure Freundschaft dieses Tal durchschreiten wird."

Aus irgendeinem Grund fühlte sich Harry augenblicklich besser. Bei Dumbledores Tod war ihm klar gewesen, dass er mit ihm eine enorme Stütze verloren hatte. Nun, der alte Zauberer konnte ihm nicht mehr im Kampf zur Seite stehen, aber moralisch konnte er ihn unterstützen.

„Wie lange werden sie in diesem Bild erscheinen können, Professor?"

Bei Harrys letztem Wort legte Dumbledore den Kopf schief und drohte lächelnd mit dem Zeigefinger, bevor er antwortete. „Das kann ich dir nicht beantworten. Ich hatte ja nicht damit gerechnet, dass es überhaupt geschehen würde, aber nach meiner Theorie müsste es funktionieren, bis der Zauber des Bildes erneuert wird. Dann werde ich verschwinden und der Kontakt zu Professor McGonagall wird hergestellt."

Harry winkte ab. „Mit ihr kann ich auf anderem Wege in Kontakt treten. Ich finde das Arrangement so schon recht praktisch."

„Ich hoffe, du hast dir ein gutes Versteck gesucht. Mir ist klar, dass du es nicht mehr hören kannst, aber du bist zu wichtig."

„Das habe ich. Es ist so offensichtlich, dass niemand daran denken wird. Wenn sie nichts dagegen haben, werde ich sie mit dorthin nehmen."

Dumbledore zog die Augenbrauen empor. „Was sollte ich dagegen haben. Oder meinst du, dass ein unbeleuchtetes Gringottverlies intellektuell erfüllend ist?"

Harry musste lachen. „Nein, sicher nicht. Aber ich nehme sie nur mit, wenn sie versprechen mir keine Vorhaltungen machen, wenn mein Zimmer nicht aufgeräumt ist. Das könnte nämlich durchaus passieren."

„Jedes Mal wenn das passiert, werde ich mir die größte Mühe geben, mich an meine eigene Jugend zu erinnern. Das ist zwar schon sehr lange her, aber vielleicht gelingt es mir."

„Ich werde sie schrumpfen müssen, um sie mit mir zu nehmen." Mit diesen Worten zog Harry seinen Zauberstab und richtete ihn direkt auf das Gesicht seines ehemaligen Schulleiters. „Ich hätte mir auch niemals träumen lassen, dass ich das einmal tun würde. – Reductio!" Harry hielt den Zauberstab auf das Bild gerichtet, biss es etwa auf die Größe einer Postkarte zusammengeschrumpft war. Dann unterbrach er die Verbindung und das Portrait hielt diese Größe. Harry grinste die Miniaturversion seines alten Lehrers an und ließ das Bild in seiner Tasche verschwinden. Dann schloss er das Regal, drehte sich um und machte sich daran, das Verlies zu verlassen, fest entschlossen, es in nicht allzu ferner Zukunft wieder zu besuchen.

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Ein wenig hatte sich Harry vor der Rückfahrt zur Schalterhalle von Gringotts gefürchtet, war ihm doch die Fahrt zu seinem Verlies so auf den Magen gegangen. Doch überraschender Weise, machte sie ihm keine Schwierigkeiten. Es lag vermutlich daran, dass er zuviel zum Nachdenken hatte. So war er auch sehr schweigsam gewesen, als ihn Gruufnek in die Schalterhalle führte, um sich dort mit wenigen Worten, jedoch sehr freundlich von ihm zu verabschieden. Kunden einer bestimmten Kategorie behandelte man bei Gringotts scheinbar etwas anders, dachte sich Harry, schalt sich aber im selben Augenblick für den Gedanken. Was sprach dagegen, dass es wirklich einen freundlichen Kobold gab?

Tief in seine Gedanken versunken schritt Harry durch die Schalterhalle auf den Ausgang der Bank zu. Er musste noch einige Erledigungen in der Winkelgasse hinter sich bringen, und er hatte vor, das möglichst schnell zu tun, denn es zog ihn nach Hause. Die Möglichkeit seine Gedanken und Pläne mit Dumbledore besprechen zu können würde ihm vielleicht eine ganz neue Sicht der Dinge bescheren. Auch dass er auf diese Weise einen guten Draht nach Hogwarts bekam, konnte seine Laune nur bessern. Er hatte nicht vor, Kontakt mit dem Orden des Phönix zu halten. Er war sich sicher, dass sie ihre Arbeit auch ohne ihn tun würden. Ohne ihn warscheinlich besser als mit ihm, denn auf diese Weise wurde der Orden für Voldemort zu einem Sekundärziel.

Harry trat durch das Eingangstor. Er war so in Gedanken, dass er nicht einmal den uniformierten Kobold wahrnahm, der sich wie üblich tief verneigte. Er schritt die schneeweißen marmornen Stufen der Bank hinunter und befand sich wieder auf dem uralten, buckligen Kopfsteinpflaster der Winkelgasse. Zunächst wollte er sich völlig neu einkleiden. Sämtliche Roben und Umhänge die er besaß, vielleicht mit Ausnahme des Tarnumhangs seines Vaters, hatten den Schnitt der Hogwartsschulkleidung, und er wollte nicht sofort überall als Schüler auffallen, was, sobald das Schuljahr begonnen hatte, nur schädlich sein konnte. Dann brauchte er Zutaten für Zaubertränke und er wollte sich umschauen, ob es, nachdem Mr Ollivander sein Geschäft aufgegeben hatte, einen weiteren Laden für Zauberstäbe gab. Er brauchte dringend einen Zweitstab. Es hatte ihn schon immer gewurmt, dass ihn ein einfaches ‚Expelliarmus' völlig schutzlos werden lies. Auch Flohpulver musste er sich noch besorgen. Es war schon seltsam, an wie viele Dinge man denken musste, wenn man allein lebte.

Plötzlich viel es Harry wie Schuppen von den Augen. Verdammt – er hatte vergessen, sein Äußeres wieder zu verändern. Gerade wollte er sich vorsichtig nach allen Seiten umsehen, um sich dann in eine ruhige Ecke zu verdrücken, als er merkte, dass es bereit zu spät war. Er schaute auf und sah, dass sich zwei Zauberer in giftiggrünen Drachenhautanzügen vor ihm aufgebaut hatten und ihn unverschämt angrinsten.

„Na da sieh einer an!"

„Harry – du alter Gauner!"

„Wir haben uns schon gefragt…"

„…wann du uns in die Hände fallen würdest."

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Die Tatsache, dass so viele Häuser in der Winkelgasse verlassen waren, hatte auch so ihre Vorteile. Zumindest für den Zauberer, der die Szene aus dem Obergeschoss eines kleinen windschiefen Gebäudes beobachtete. Er war klein, dick und hatte inzwischen ziemlich lichtes Haar bekommen. Peter Pettigrews Gesichtsausdruck war undeutbar. Er empfand eine Art Mischung aus Angst (ein Gefühl, dass er seit fünfzehn Jahren pausenlos durchlebte), Unsicherheit und Erleichterung. Er war sich unsicher, ob er das Richtige tat. Auch dieses Gefühl war ihm sehr vertraut, doch jetzt lehnte er sich zum ersten Mal in seinem Leben gegen eine Macht auf, der er nicht gewachsen war. Er tat etwas, dass sein Herr und Meister nicht nur missbilligt hätte. Wenn der dunkle Lord ihn bei dem, was er tat erwischte, wäre das sein sicherer Tod. Die Erleichterung empfand Wurmschwanz, weil sein Plan aufzugehen schien. Es war ein gutes Gefühl. Der Mann wusste nicht mehr, wann er es zuletzt empfunden hatte. Doch – es war zu seiner Schulzeit gewesen. Es war, als er mit Remus, Sirius und James zusammen gewesen war. James – die Unsicherheit in ihm nahm ab – es war mit Sicherheit das richtige.

Pettigrew zog mit seiner rechten Hand, die vollständig aus Silber zu bestehen schien seinen Zauberstab hervor und richtete ihn zwischen zwei Brettern, mit denen das Fenster vernagelt war, hindurch auf Harry und murmelte einen Zauberspruch. Es schien nichts zu passieren, zumindest an Harry zeigte sich keinerlei Veränderung. Er unterhielt sich weiterhin mit den beiden Weasleyzwillingen. Pettigrew kannte die beiden, hatte er doch schließlich in der Gestalt einer Ratte, zwölf Jahre im Haus der Weasleys gelebt.

Pettigrew musste sein Ziel erreicht haben, denn er steckte den Zauberstab mit einem zufriedenen Lächeln zurück und disapparierte mit einem gedämpften Knall.

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Gemeines Ende was? Die kleine Kapiteltrilogie ist damit auch beendet. Ich hoffe sie war euch nicht zu langatmig. Aber die ganzen Details schwirrten in meinem kopf herum und wollten unbedingt aus Papier – bzw. in die Datei. Spätestens hier ist es natürlich an der Zeit mal wieder das eine oder andere Review zu schreiben. Jeder, der selbst schreibt weiß: das spornt unheimlich an. Also Knöpfchen drücken, schreiben, abschicken und glücklich sein.

Man liest sich - Federwisch

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