Kapitel 7. Detective Matthews

Lawrence saß in seinem Auto, fuhr nach Hause. Mit Alison und Diana lebte er nicht mehr zusammen. Von Alison hatte er sich scheiden lassen, nachdem er seine Genesung hinter sich hatte, war in einfaches Apartment gezogen, lebte allein und trotz seines hohen Gehalts bescheiden. Seine Diana sah er meist nur noch an den Wochenenden. Es tat ihm weh. Sie war der einzige Mensch, den er noch aufrichtig liebte. Zwischen ihm und Alison gab es längst nichts mehr zu sagen. Diana war der einzige Lichtblick in seinem dunklen Leben – bis zum heutigen Tag.

Nun hatte er zwei Menschen, die ihm am Herzen lagen. Sie und Adam.

Er errötete. Dass er sich in Adam verliebt hatte, war ihm bewusst geworden, als er nach seiner Rettung im Krankenhaus zu sich gekommen war. Der erste Gedanke, der in seinem Kopf gespukt hatte, war Adam gewesen. Einsam und verängstigt in diesem verlassenen Badezimmer, an ein Rohr gekettet.

Er konnte sein Gesicht nicht vergessen. Geziert von Angst und Panik, allein an diesem Ort sterben zu müssen.

Lawrence erinnerte sich an den kurzen Moment, als sich ihre Hände berührt hatten. Adams waren schmutzig und verschwitzt gewesen, seine hingegen kalt und zitternd. Wieder errötete er. Es war ein grausamer Tag gewesen, und trotzdem hatte er eine schöne Erinnerung daran. Als Adam verzweifelt versucht hatte, sich an ihn zu klammern, ihn daran hindern wollte, zu gehen.

„Geh nicht weg!"

Lawrence war sich ziemlich sicher, dass er noch niemals so stark für jemanden empfunden hatte. Wären die Umstände anders gewesen, wäre er wahrscheinlich geblieben.

Krampfhaft versuchte er, sich an Adams Augen zu erinnern. Er wusste nicht genau, ob sie blau, grün oder braun waren.

Weder noch, fiel ihm ein. Sie waren grau. Seine Haut war blass, sein Haar dunkelbraun.

Nun wurde Lawrence nervös. Zep kann ihm alles Mögliche antun, dachte er. Und allein war er auch nicht. Lawrence hatte nicht vergessen, dass Zep erwähnt hatte, dass es ein ‚wir' gäbe. Mehrere Personen waren in der Lage, Adam etwas anzutun.

Ruckartig kehrte er den Wagen um, trat aufs Gaspedal. Egal was Zep gesagt hat, dachte er sich. Er würde die Polizei einschalten.

Panisch wand Adam sich umher. Zep hatte für einen kurzen Moment von ihm abgelassen, bloß um sich seine Jacke anzuziehen. Und wie langsam er es tat. Er sah es als eine andere Art der Folter. Er wusste genau, dass die paar Sekunden, die Adam dadurch mehr seine Ruhe hatte, ihn in keinster Weise beruhigten, im Gegenteil. Es machte ihn noch panischer.

Erst zog Zep sich die Jacke über die Arme, dann über die Schultern, rückte sie zurecht. Adam konnte nicht leugnen, dass er in diesem Aufzug in der Tat bedrohlich aussah. Allerdings auch besser. Ohne die schwarze Jacke und die schwarzen Lederhandschuhe sah er beinahe harmlos aus – nur war er es nicht.

Adam wusste, dass es sinnlos war, zu zappeln und zu strampeln. Doch er scheuerte sich damit bloß die Handgelenke auf und fügte sich selbst Schmerzen zu. Die Fesseln würden sich nicht lösen. Er hatte keine Hoffnung darin, freizukommen. Er wollte ihm bloß zeigen, dass er nicht hilflos und schwach war. Dass er ihm niemals unterwürfig sein würde.

Zep streifte sich die Handschuhe über die Finger, bewegte sie von vorne nach hinten, wie es Ärzte immer taten. Adam verfluchte ihn. Am liebsten wollte er nicht mehr fliehen, sondern ihn wie damals auf den Boden drücken und ihn verprügeln.

Langsamen Schrittes kam Zep auf ihn zu, lehnte sich über ihn und hielt ihm die Messerschneide an die Wange. „So, mein Kleiner. Mal sehen, was ich aus dir rauskitzeln kann."

Hasserfüllt starrte Adam in seine blauen Augen. Am liebsten wollte er sie ihm ausstechen. Dann dieses triumphierende Grinsen, dass er ihm am liebsten aus dem Gesicht prügeln wollte. Er konnte das Gesicht nicht von ihm wegdrehen. Eine falsche Bewegung und Zep würde ihm weh tun.

Zep ließ das Messer sanft an Adams Gesicht entlang gleiten. Ab und zu sah er nur, wie der junge Mann zusammenzuckte, sich von ihm abzuwenden versuchte. Zep betrachtete ihn. Gerade mal 26, hilflos, aufbrausend und naiver als alles andere, was er bisher gesehen hatte. Er setzte wirklich all seine Hoffnung in Lawrence Gordon.

Zep verzog das Gesicht. Dr. Gordon. Er hasste ihn, und die Tatsache, dass Adam ihn mochte, verärgerte ihn umso mehr. Er fand Lawrence verachtenswert, sah in ihm nichts weiter als einen selbstgefälligen Angeber, der glaubte, ihm läge die Welt zu Füßen.

Er seufzte, lehnte sein Gesicht näher zu ihm heran. „Sag mir, Kleiner... was genau magst du eigentlich an Gordon? Der ist deine Zeit nicht wert", sagte er. Adam fühlte die Hitze in seinem Kopf aufsteigen. „Das geht dich überhaupt nichts an! Wir sind Freunde, und er hat gesagt, dass er mich hier rausholen wird!", raunte er. Zep grinste. „Freunde, ja? Erinnerst du dich etwa nicht an die zweite Nachricht, die von ihm kam?"

Adam wurde puterrot. Der Kuss. Der innige, leidenschaftliche Kuss. Er musste schlucken, konnte nicht leugnen, dass ein angenehmes Gefühl in ihm aufstieg. Zep grinste süffisant.

,,Eine interessante Auffassung von Freundschaft. Verlass dich allerdings nicht zu sehr auf ihn, Kleiner. Aber was rede ich denn nur, beachte mich gar nicht. Hoffnung stirbt immer zuletzt", sagte er kalt.

Nun sah Adam verzweifelt zu ihm auf. Was, wenn er recht hatte? Er seufzte, sah auf seine Füße. In seinen Augen war er es nicht wert, gerettet zu werden. Er schüttelte traurig den Kopf. „Vielleicht hast du ja wirklich recht. Lawrence sollte nicht seine Zeit damit verschwenden, nach mir zu suchen." Er sah zu Zep auf. „Bitte lass ihn in Ruhe. Lass ihn einfach da raus. Ich will nicht, dass er mich sucht. Er hat genug gelitten."

Zep packte ihn barsch an den Haaren und zog seinen Kopf hoch, woraufhin er ein schmerzerfülltes Knurren ausstieß. „Verstehst es etwa immer noch nicht, Kleiner! Gordon ist Teil des Spiels, er ist sogar eine verdammt wichtige Figur auf meinem Schachbrett!", zischte Zep. „Er wird von mir alles erfahren, was er wissen muss, und wenn er nicht nach den Regeln spielt, wird es ziemlich hässlich für ihn!"

„Lass ihn in Ruhe!", schrie Adam.

Sie starrten sich gegenseitig an, Zep mit Wut und Adam mit Mut. Er darf Lawrence nichts tun, dachte er. Niemals.

Erzürnt bohrte Zep seine Finger tiefer in das dunkelbraune Haar und zog seinen Kopf noch höher. „Hör mir genau zu, Katerchen! Wenn du mit dem Wollknäuel spielen willst, musst du erst mal Männchen für mich machen! Dasselbe gilt für deinen dummen Doktor! Es gibt Regeln in diesem Spiel, und jeder, der sie nicht einhält, muss leider zur Hölle fahren. Und das wäre bei dir wirklich jammerschade, Hübscher!"

Er kam seinem Gesicht gefährlich nahe. „Außerdem...", hauchte er. „... solltest du dir lieber Sorgen um dein eigenes Wohl machen. Wenn du nicht das tust, was ich sage, muss ich dir leider wehtun, und das will ich nicht." Er ließ Adams Haar los, nahm stattdessen sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger. „Warum vergisst du nicht einfach, dass du Dr. Gordon je gesehen hast und schließt dich stattdessen mir an? Glaub mir, ich bin eigentlich ein ganz netter Kerl." Sein Grinsen wurde breiter.

Adams Augen zogen sich zu Schlitzen zusammen. „Eher sterbe ich, du Irrer!"

Voller Zorn knurrte Zep, holte mit der Faust aus und schlug sie ihm mitten auf die Wange, sodass sein Kopf sich zur Seite drehte. Schmerzerfüllt stöhnte Adam, doch erholen konnte er sich nicht. Zep riss sein Kinn wieder zur Mitte, damit er ihn ansehen musste.

„Dummes Kind! Wenn alles woran du denkst Dr. Gordon ist, stürzt du ins Verderben, und genau davor will ich dich bewahren! Du solltest mir dankbar sein! Sei gefälligst dankbar!"

Er packte Adam erneut an den Haaren und riss seinen Kopf hoch. „Los, ich hör nichts! Sag es, verdammt noch mal!", knurrte er barsch. Adam wimmerte. Das leise Stöhnen, das sein Atmen begleitete, wurde von Sekunde zu Sekunde lauter.

„J-ja... ich bin dankbar... ich bin dankbar..."

Zufrieden ließ Zep sein Haar los. „Siehst du? Es geht doch viel einfacher, wenn du nicht so widerspenstig bist", sagte er leise und streichelte ihm übers Haar. Wieder beugte er sein Gesicht zu dem seinen, doch Adam sah ihn nicht an. Er wollte ihn nicht ansehen. Stattdessen sah er auf den Boden.

Eine Weile sah Zep ihn durchdringend an. „Weine."

„Ich hab schon geweint."

Zep erkannte, dass er wieder etwas von seiner Unbeugsamkeit zurückgewonnen hatte, seit er weniger Schmerzen hatte. Er war wehrlos, hatte keine Chance gegen ihn, und doch versuchte er, sich selbst zu verteidigen.

„Ich habe dich nicht weinen sehen. Wann und vor wem hast du geweint, hm?"

Adam sah beschämt weg. „Vor... Jigsaw."

Zep seufzte. Er beugte sich so nahe über ihn, dass seine Lippen Adams Ohr berührten. „Kleiner...", schnurrte er leise. „Du machst es mir nicht gerade einfach. Ich muss mich zusammenreißen, dich nicht loszumachen..." Adam spürte wie er begann, seinen Hals entlang zu küssen. Panik stieg in ihm auf.

„W-was tust du da...!"

„Halt still und genieß es einfach, Kleiner... keine Sorge, ich tu dir nicht weh...", flüsterte Zep, doch Adam begann gleich zu zappeln. „Lass mich in Ruhe! Geh weg, verdammt!"

Langsam fuhr Zeps Hand unter Adams Shirt, woraufhin dieser sich nicht mehr zurückhielt.

„HILFE! AMANDA!", schrie er. „JOHN!"

Schnell hielt Zep ihm das Messer an die Kehle, als auch schon John und Amanda im nächsten Moment ins Zimmer eilten. Amandas Augen weiteten sich, sie wollte nicht glauben, was sie sah. Da saß Adam, völlig verängstigt, mit einem Messer bedroht von Zep. Sie hatte ihre Aufgabe, auf Adam aufzupassen vernachlässigt. Sie schluckte. Sie hatte nun Angst um sein Leben und Angst davor, von John gehasst zu werden.

Adam wimmerte vor Todesangst, sah die beiden mit flehenden und verzweifelten Augen an. „Bitte! Helft mir!", flehte er. „Hilfe!"

John betrachtete das Szenario vor sich, seine Augenbrauen zogen sich zusammen. „Was hat das zu bedeuten, Zep?"

Dieser starrte genauso ernst zurück. „Ich muss dich wohl erneut an unsere Abmachung erinnern, John! Ich hab getan, was du verlangt hast! Ich hab diesen verdammten Doktor kontaktiert und ins Spiel gebracht, jetzt musst du mir den Jungen überlassen!"

John durchbohrte ihn mit seinem kalten Blick. Seine Augen glichen einem Gletscher. Kalt und hell, eisig. „Und ich muss dich wohl daran erinnern, dass Mr. Faulkner immer noch zum Spiel gehört und ich ihn daher nicht entbehren kann", sagte er ruhig und sah Adam an. Dieser starrte nun fassungslos. In dem Moment vergaß er sogar, dass Zep ihn mit einem geschärften Messer bedrohte. „Sie haben dieses Schwein beauftragt, Lawrence da reinzuziehen??"

John antwortete ihm nicht. Adam spürte, wie sich seine Brust zusammenzog. Sie stecken alle unter einer Decke, dachte er sich. Er wollte nicht, dass Lawrence seinetwegen sterben musste. Er dachte nur an ihn. Nur an den Mann, der ihm versprochen hatte, ihn zu retten. Er spürte in dem Moment noch nicht einmal, dass Zep ihn an seinem Shirt gepackt hatte und das Messer nun noch tiefer an seine Wange hielt und es langsam zu seinem Hals gleiten ließ.

Johns Augen bohrten sich in die von Zep hinein, als wäre es ein Kampf. „Zep, nimm das Messer von ihm weg und lass ihn zufrieden. Das ist keine Bitte.", sagte er. Er sprach zwischen den Zähnen. Adam spürte, dass er lieber brüllen würde.

Zep hörte nicht auf ihn. Er sah ihn an, doch er ließ nicht von Adam ab. Nun sahen John und Amanda eine dünne Blutspur unter dem Messer auf Adams Hals aufkommen. Amanda schluckte, sah ihn hasserfüllt an. „Zep, lass ihn in Ruhe! Los, verpfeif dich!", fuhr sie ihn an. Immer noch hörte er nicht. Er richtete die Klinge vorsichtig auf Adams Hals, auf die schmale Wunde, die er ihm bereits zugefügt hatte. John ballte die Fäuste, und dies war das erste Mal, dass sowohl Adam als auch Amanda ihn zornig erlebten.

„Zep, lass ihn in Ruhe! TU IHM NICHT WEH!"

Zep war selbst überrascht von Johns plötzlichem Wutanfall. Er steckte das Messer in seine Jackentasche, funkelte John und Amanda erzürnt an. „Wenn ihr ihn mir jetzt nicht überlasst ist es bloß eine Frage der Zeit, wann ich ihn mir selbst hole!", knurrte er gefährlich.

Obwohl Amandas Hand zitterte, holte sie schnell ihre Pistole aus ihrem Gürtel hervor und zielte auf ihn. „Los, weg von ihm! Ist mir egal wohin, aber verschwinde!", befahl sie hysterisch.

Doch so schnell verschwand Zep nicht. Sein Blick ruhte immer noch auf dem gefesselten Jungen, dessen Herz vor Angst aus seinem Brustkorb zu springen drohte.

Er beugte sich über ihn, sah ihm tief in die Augen, als wolle er in sie hineinsinken. „Wir beide sind noch nicht fertig, Kleiner.", flüsterte er. „Ich hole mir schon, was ich will!"

Er leckte flüchtig das Blut von seinem Hals, woraufhin Adam erneut zappelte und schrie. „Verdammt, lass mich in Ruhe! Du bist völlig krank, halt dich ja fern von mir!"

Zep lachte böswillig auf. „Du solltest mich lieber nicht beleidigen, Kleiner. Irgendwann werden du und ich nämlich allein sein... ganz allein. Du willst doch nicht, dass ich dich erst mal verdreschen muss, oder?"

Er kniff Adam in die Wange und verließ lachend den Raum, ging in sein Schlafzimmer. Kaum hatte er seine Tür geschlossen, begann Amanda, zu schluchzen. „Es tut mir so leid, John... ich verspreche dir, ich passe von jetzt an auf ihn auf!", wimmerte sie. John sah sie beruhigend an, strich ihr sanft über die Wange. „Es ist nicht deine Schuld, sondern meine. Ich hätte besser aufpassen müssen", seufzte er, wand sich an Adam. „Alles in Ordnung, Adam?"

Zuerst dachte Adam an Lawrence. Ob er John fragen könnte, was Lawrence mit der Sache zu tun hatte. Doch er wusste, dass er keine Antwort bekommen würde, seufzte. „Ja, alles bestens. Ich... danke euch. Der hätte wahrscheinlich sonst was mit mir gemacht...", sagte er. Er sagte es ausgerechnet zu den Menschen, die ihn ebenfalls festhielten. John drehte beiden den Rücken zu. „Ruhen Sie sich aus, Adam. Ich entschuldige mich für Zeps Benehmen. Ich werde dafür sorgen, dass es nicht mehr vorkommt, keine Sorge. Ich bin mir sicher, dass Amanda sehr wohl in der Lage ist, auf Sie aufzupassen."

Amanda nickte schnell, beinahe eifrig. Sie wischte sich mit der Hand über die nassen Augen. „Ja, das werde ich. Es tut mir so leid...", sagte sie wehleidig und schob ihre Pistole zurück in die Gürteltasche. John begann auf einmal, zu husten, kehrte in sein Zimmer zurück und schloss die Tür. Amanda seufzte. „Schlaf einfach ein bisschen, Adam", sagte sie. „Ein Tag ist bereits vorbei, und was Besseres hast du sowieso nicht zu tun."

Adam nickte benommen. Er war tatsächlich ein wenig müde. Er bewegte seine Schultern und Arme ein wenig, spürte noch, wie Amanda das Licht ein wenig dämmte.

Lawrence stieg aus dem Auto und schritt direkt auf das Polizeirevier zu. Aus seinem einst normalen Gang war ein leichtes Hinken, beinahe ein Schlurfen geworden. Rennen konnte er nicht mehr. Betrübt seufzte er. Ein Schicksalsschlag, mit dem er noch nicht ganz zu leben gelernt hatte.

Er drückte die Tür auf, sah sich um. Keine Menschenseele war in der Eingangshalle zu sehen. Doch er hörte Stimmen. Lawrence holte tief Luft und folgte seinem Gehör, bis er an eine Tür kam. Daran hang ein Schild mit der Aufschrift ‚Eric Matthews'.

Er klopfte höflich, hörte eine Frau und einen Mann reden, nein, diskutieren. Es dauerte eine Weile, bis ihm die Tür geöffnet wurde.

Eine Frau mittleren Alters mit gewellten, mausbraunen Haaren und schlanker Statur sah ihn an. „Ja, bitte?"

Lawrence nickte ihr höflich zu. „Guten Tag. Ich hoffe ich störe nicht, aber ich habe einen wichtigen Grund, hier zu sein. Ich brauche Ihre Hilfe!"

Die Frau nickte. „In Ordnung. Was gibt es?" „Ich möchte eine Entführung melden."

Ernst sah sie zu dem Mann rüber, der auf einem Stuhl saß und sich gerade eine Zigarette anzündete. „Eric, wir werden gebraucht!", sagte sie, doch er schien kein Interesse zu haben. „Werden wir das nicht immer?", fragte er gelangweilt und zog an seiner Zigarette. Er war ungefähr vierzig, aber trotzdem noch beneidenswert gutaussehend. Groß und von muskulöser Statur, die Haare hellbraun und kurz, die Augen grünbraun.

Die Frau seufzte, schüttelte den Kopf. „Bitte entschuldigen Sie. Normalerweise sieht er... engagierter aus.", sagte sie, schüttelte Lawrence die Hand. „Ich bin Detective Allison Kerry, und die Schlaftablette da ist Detective Eric Matthews."

Lawrence nickte, nahm auf dem Stuhl Platz, den Kerry ihm anbot. „Gut. Fangen wir erst mal mit dem an, was Sie wissen. Wer wurde entführt und von wem?"

„Der Entführer ist Zep Hindle, das kann ich mit Sicherheit sagen."

Noch bevor er erklären konnte, wer Zep war, hatte Eric angefangen, zu lachen. „Ach, der! Den Kerl suchen wir bereits! Dafür dass er so mickrig ist, hat er einiges drauf, wer hätte das gedacht..."

Kerry verdrehte die Augen. „Und wer wurde entführt? Ein Familienmitglied?"

Lawrence errötete ein wenig. „Nein. Ein... Freund von mir. Mitte zwanzig, weiß. Sein Name ist Adam Faulkner."

Kerry stutzte. „Hmm... Adam Faulkner... der Name sagt mir was... warten Sie einen Moment!"

Sie stand auf und öffnete eine Schublade mit Akten, blätterte und wühlte darin herum. Lawrence stutzte. War sie etwa diejenige gewesen, die Adam damals befreit hatte?

Sie kam mit einem Stapel Blätter zurück, reichte ihm eins davon. „Ich habe hier drei Dinge über diesen Adam. Das erste wäre das hier... er wurde zusammen mit Mr. Hindle und Detective Tapp vor zwei Monaten aus einem verlassenen Haus gerettet, nachdem er von dem Puzzlemörder entführt worden war. Das zweite ist die Meldung, die heute kam... er wurde bereits von seinem Vermieter als vermisst gemeldet, der war vielleicht nervig."

Lawrence blinzelte. „Und das Dritte?"

„Na ja,", begann Kerry. „Das hier gehörte einmal Detective Tapp. Bevor er gestorben ist, hat er den jungen Faulkner damit beauftragt, jemanden für ihn auszuspionieren. Er hat sich vorher über Faulkner selbst informiert."

Lawrence spürte, wie ihm heiß wurde. Er schluckte einen rauen Kloß in seinem Hals herunter. Detective Tapp hatte Adam beauftragt, ihn auszuspionieren. Er sah Kerry an. Er wollte es ihr nicht sagen, hielt es für unangebracht. Nervös kratzte er sich am Hinterkopf. „Nun... da Sie ja bereits eingeschaltet sind... wollen Sie nicht gleich anfangen?"

Eric stand auf, blies eine große Rauchwolke heraus. „Zeig mal her, Kerry!"

Er ließ sich Adams Akte geben, blätterte in ihnen, betrachtete sein Foto und seine Personalien. „Hmm... süß...", nuschelte er, sah Lawrence an. „Sie sind also sicher, dass das Küken hier von Zep Hindle, und nicht vom Puzzlemörder Jigsaw entführt wurde?"

Lawrence blinzelte. „Ich... ich dachte, bei Zep Hindle handelt es sich um Jigsaw...?"

Eric drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus, grinste Lawrence an. „Sie sind nicht auf dem neuesten Stand, was? Wir wissen nicht genau, wer Jigsaw wirklich ist, aber Zep Hindle ist es sicher nicht!"

Lawrence stand auf. ,,Hören Sie, es kann niemand anderes sein! Dieser Mann hat mich und Mr. Faulkner entführt, um uns seine kranken Spielchen spielen zu lassen und uns danach zu töten!", sagte er. Eric schüttelte lässig den Kopf. „Hören Sie, Sir... keine Ahnung, wer Sie sind, und dass Sie damals auch eins seiner Opfer waren ist mir egal, aber die Polizei kann Mr. Hindle als Jigsaw ausschließen!"

Lawrence verdrehte die Augen. „Das ist doch grotesk! Ich weiß genau, dass Zep mich und Adam entführt hat! Ich habe ihn gesehen! Er wollte mich erschießen!"

Eric seufzte, ließ seine Arme locker herunterhängen. „Vielleicht hat er den Jungen entführt, aber mit der Entführung vor zwei Monaten hat er nichts zu tun, Dr. Gordon!"

Der Arzt fuhr zusammen. Matthews wusste nun, wer er war. „Darf man fragen, woher Sie das wissen, Detective?"

Eric sagte nichts mehr, öffnete eine weitere Schublade und holte eine Klarsichttüte mit einem silbernen Diktiergerät heraus. „Darum." Er drückte auf den Knopf und ließ das Band abspielen.

Lawrence erstarrte. Es war eine dunkle, kalte Stimme.

„Hallo, Mr. Hindle. Oder wie Sie im Krankenhaus genannt werden... Zep."


A/N: So, und wieder ist ein Kapitel fertig! Ich fange demnächst noch eine SAW Story an, wer Lust hat, braucht nur auf mein Profil zu gehen und gucken, ob ich sie schon hochgeladen habe. Bis zum nächsten Kapitel!