Flat for Love
Sara war vollkommen fertig, ihre Gefühle spielten Achterbahn, sie konnte sich nicht erklären, wieso sie so reagierte. Sie selbst hatte Grissom verlassen, er hatte ein Recht dazu, sich eine neue Freundin zu suchen und diese auch zu heiraten. Trotzdem fühlte sie sich betrogen.
Eine Welt brach für Sara zusammen, ganz tief in ihrem Innern hatte sie fest daran geglaubt, dass Grissom sie suchen und zurückholen würde. Sara hatte alles verloren, was sie ihr was bedeutet hatte. Zuerst ihre Tochter Marie und jetzt ein für alle Mal Grissom.
Sie fühlte sich auf einmal so leer, sie hatte niemanden mehr. Tränen strömten über ihr Gesicht und sie zitterte am ganzen Körper.
Sie klappte ihren Laptop zu und ging ins Schlafzimmer.
In ihrem Schlafzimmer angekommen, legte sie sich auf ihr Bett und weinte sich wie so oft in den Schlaf.
Am nächsten Morgen wachte sie mit brennenden Augen auf, quälend langsam stand sie auf und schlich ins Bad. Als sie in den Spiegel schaute, erschrak sie vor ihrem eigenen Anblick.
Sie war dünn und blass im Gesicht, ihre Wangenknochen zeichneten sich schon richtig ab. Sie war nie dick, doch sie hatte immer eine gesunde Figur. Doch in den letzten Monaten, nach dem Tod ihrer Tochter konnte sie kaum noch etwas zu sich nehmen.
Wenn sie ihr T-Shirt hochstreifen würde, könnte sie im Spiegel sehen, dass sich sogar ihre Rippenknochen durch ihre Haut hindurch abzeichneten.
Doch sie hatte einfach keinen Appetit und zwingen konnte sie niemand zum essen.
Oft lud Adam Sara zum essen ein, damit Sara mal seine Tochter Kathrin kennen lernte und ihre ehemalige beste Freundin wieder sah, doch jedes Mal lehnte Sara ab.
Natürlich würde Sara gerne ihre damalige beste Freundin Rebecca wieder sehen, doch jedes Mal, wenn sie kleine Kinder sah, kommt der ganze Schmerz, den sie nach Maries Geburt in sich hat, zurück.
Das Schlimmste daran war vor allem, dass sie niemanden hatte, mit dem sie diesen Schmerz verarbeiten kann. Niemanden, dem sie von diesem Schmerz erzählen konnte und vor allem niemanden, der ihr beistand. Immer wieder sagte sie sich, das es richtig war, Grissom nichts von Marie zu erzählen; dass es ihr nur noch mehr Schmerz bereitete hätte, doch wenn sie wirklich in sich hinein horchen würde, würde sie auch feststellen, dass sie sich damit nur selber mehr verletzte als für sie gut war.
Kopfschüttelnd ging sie wieder aus dem Bad nachdem sie sich die Zähne geputzt hatte, duschen wollte sie erst später.
Sara ging in der Küche schnurstracks zur Kaffeemaschine, Kaffee hat sie schon immer sehr viel getrunken, doch jetzt ernährte sie sich fast damit.
Nachdem der Kaffee durchgelaufen war, goss sie sich eine Tasse ein und setzte sich damit an ihrem Schreibtisch. Auf ihren Schreibtisch stand immer noch ihr Laptop, sie klappte ihn auf und startete ihn.
Als er fertig geladen war, was recht schnell ging, da sie noch nicht viel Speicherplatz voll hatte, öffnete sie wieder ihren E-Mail Posteingang.
Zu ihrer Verwunderung hatte sie eine neue Mail erhalten, sie musste schmunzeln als sie sah, dass diese Mail von Greg war.
Nach einem kurzen Durchatmen öffnete sie diese schließlich.
Liebe Sara,
Du hast mir zwar noch auf keiner meiner anderen Mails geantwortet, doch ich dachte einfach, dass ich dir noch mal schreibe. Ich vermisse dich richtig, ohne dich ist es nicht mehr dasselbe im Labor. Du warst immer meine beste Freundin und Mentorin, hättest du dich damals nicht so für mich eingesetzt, wäre ich jetzt kein CSI, sondern immer noch im Labor. Okay, ich würde mehr Geld verdienen, aber du weißt ja, darum geht es mir nicht. Bevor ich es vergesse, Grissoms und Jessicas Hochzeit findet am 8. August statt. Da wir ja nicht wissen wo du wohnst und was du jetzt so machst, glaube ich nicht, dass Grissom dir eine Einladung schickt. Aber ich dachte mir, dass er wohl nichts dagegen haben wird, wenn ich dich einfach mal einlade. Wir, also Nick, Warrick, Catherine und ich, glauben nicht, dass du uns zu unprofessionell hältst, wir würden uns echt freuen, wenn du kommen würdest.
Ich hoffe du meldest dich mal.
Liebe Grüße, dein Greg
Sara wusste nicht was sie tun sollte, sollte sie ihm absagen oder zusagen?
Würde ich es schaffen, Grissom in die Augen zu sehen?
Ich habe ihn im Stich gelassen und jetzt fühlt es sich so an als hätte Grissom mir ein Messer ins Herz gerammt. Es tut so weh, nein nicht weinen, Sara Sidle, du schaffst das.
Irgendwie würde ich schon gerne meine alten Freunde wieder sehen, aber wenn ich dort einfach so auftauche, wie werden sie reagieren? Ich habe es, ich frage einfach Adams großen Bruder James ob er mit mir nach Vegas fliegt.
James war Adams zwei Jahre älterer Bruder, arbeitete auch beim CSI in San Fransisco. Allerdings arbeitete er im Labor, er analysierte Proben und hatte auch eine Ausbildung im Profiling.
James sah seinem Brüder sehr ähnlich, auch vom Charakter her, waren die beiden sich sehr ähnlich. Der Haken an der Geschichte war allerdings, dass James total in Sara verliebt war.
James wollte schon immer in die Stadt der Sünden, als er erfuhr, dass Sara zuvor in Las Vegas gearbeitet hat, musste sie ihm versprechen, eines Tages mal mit ihr die Stadt unsicher zu machen.
Sara machte sich daran Greg eine E-Mail zurück zu schreiben und ihm zu bestätigen, dass sie zu Grissoms Hochzeit kommen würde.
Lieber Greg,
was Ecklie euch da erzählt hat, ist Schwachsinn. Ich hätte keine sieben Jahre bei euch durchgehalten, wenn ich das von euch glauben würde. Ich habe die Teamarbeit mit euch immer geschätzt und euch nicht nur als Kollegen, sondern auch als meine Freunde, betrachtet. Ich bin aus persönlichen Gründen gegangen, die ich Dir allerdings nicht erzählen kann. Noch nicht zumindest. Ich werde zu Grissoms Hochzeit kommen, ich muss doch wissen, mit wem er den Rest seines Lebens verbringen möchte. Ich bitte dich aber, sag Grissom und den anderen nichts davon, ich möchte sie gerne überraschen. Ich vermisse euch alle auch sehr, ich arbeite jetzt wieder beim CSI in San Fransisco. Ich würde mich über weiteren E-Mail Kontakt mir Dir freuen.
Liebe Grüße, deine Sara
Vor allem fiel es Sara sehr schwer, den Absatz über Grissoms zukünftige Frau zu schreiben. Langsam bemerkte Sara, wie ihr wieder die Tränen kamen, doch diese blinzelte sie schnell wieder weg. Nachdem sie die Mail abgeschickt hatte, öffnete sie die anderen Mails ihrer früheren Arbeitskollegen. Alle Mails waren sehr identisch, Warrick, Catherine und Nick teilten ihr mit, dass sie nicht glauben was Ecklie ihnen erzählte und dass sie hoffen, dass sie eines Tages zurück kommen würde.
Die zwei Monate vergingen recht schnell, in der Zeit kläre Sara alles mit James, er freute sich tierisch darauf endlich mal nach Vegas zu kommen. Sara machte ihn jedoch sofort klar, dass dies eine rein freundschaftliche Reise war und das nichts zu bedeuten habe.
Er war auch einverstanden mit ihr auf Grissoms Hochzeit zu gehen und so zu tun als wären sie ein Paar. Er verstand zwar nicht wirklich, wieso Sara das so wollte, aber schließlich willigte er ein.
Morgen war es also so weit. Sara würde nach Las Vegas fliegen, in ihre alte Heimat.
Beim Kofferpacken kamen ihr die ersten Zweifel an ihrer Idee.
Was will ich denn damit bezwecken, will ich Grissom wieder wehtun. Habe ich das nicht schon genug getan, vielleicht ist er wirklich mit dieser Jessica glücklich und ich kann sowieso nichts dagegen tun. Aber vielleicht ist er auch nicht mit ihr glücklich. Ach Quatsch, Sara Sidle, wenn er nicht mit ihr glücklich wäre, dann würde er sie wohl kaum heiraten.
Wieder liefen Sara die Tränen, sie war einfach völlig am Ende, was sollte sie auch schon groß gegen die Eheschließung von Grissom und Jessica tun.
Doch jetzt kam sie nicht mehr drum herum nach Vegas zu fliegen, also packte sie ihren Koffer weiter und stellte ihn dann ins Wohnzimmer.
Nachdem sie das erledigt hatte, schnappte sie sich ihr Telefon und wählte James Nummer.
Nach mehrerem Tuten nahm er schließlich ab. „Mr. Green am Apparat, was kann ich für sie tun?"
„Hey, ich bin es, Sara. Ich wollte dich fragen, ob du auch schon gepackt hast? Und ob es bei morgen früh um neun Uhr bleibt?" Sara wollte schnell alles geklärt haben.
Nach einigen Minuten Warten bekam sie dann ihre Antwort: „Natürlich bleibt alles beim Alten, morgen um neun Uhr bei dir. Und natürlich habe ich schon gepackt, und nur zur Info, ich habe auch einen Anzug eingepackt. Ich hoffe, du hast ein scharfes rotes oder schwarzes Kleid eingepackt, nur, damit du auch zu mir in meinem Anzug passt. Du möchtest doch, dass wir glaubhaft als Paar rüber kommen."
Sara musste schmunzeln, er konnte es mal wieder nicht lassen. „Ja, habe ich, also Tschüss, bis morgen und schlaf schön, gute Nacht. Bye.", sagte sie noch schnell und legte auf.
Nach dem Telefonat legte sie ihr Telefon weg und ging ins Bad. Sie wollte noch Duschen bevor sie schlafen ging, damit sie am nächsten Morgen nicht noch erst duschen muss. Nach dem Duschen, föhnte sie sich die Haare und nahm zwei Schlaftabletten. Ohne diese Tabletten schaffte sie es nur schwer einzuschlafen, sie wollte lieber von Schlaftabletten abhängig sein als sich ihren Frust mit Alkohol zu ertränken. Als sie soweit fertig war blickte sie noch mal in den Spiegel, es kam ihr so vor, als hätte sie in den zwei Monaten, die vergangen waren, noch mehr abgenommen, falls dies noch möglich war. Um Punkt sieben Uhr klingelte der Wecker, langsam wurde Sara wach und machte ihn aus. Die Nacht hatte sie nicht so gut geschlafen, sie hatte mal wieder, wie fast jede Nacht, einen schlimmen Alptraum aus ihrer Kindheit gehabt. Sie träumte immer davon, wie ihr Vater nachts betrunken in ihr Zimmer kam, sie schlug und missbrauchte. Nacht für Nacht erlebte sie dies noch mal, immer wieder und wieder. Nur zu der Zeit, als sie mit Grissom zusammen war, ließen ihre Alpträume nach, doch in den letzten acht Monaten waren sie wieder da, noch heftiger als zuvor.
