Verzweifelte Jungfrauen


David Malfoy 1

„Da ist er da vorne," kreischt Lavender aufgeregt.

„Wer ist da vorne," frage ich.
„Neben Sirius," kreischt Lavender noch lauter. Ihre Augen fixieren den hohen hölzernen Lehrertisch. Neben einem mal wieder schlecht gelaunten Severus Snape und einer mit brauner Erde beschmierten Professor Sprout sitzt unser aller Lieblingslehrer Black. Er unterhält sich mit einem Jungen, der ihm nicht ganz unähnlich sieht.
„Das muss wohl der berühmte David Malfoy sein," entgegne ich matt. Schade, dass er nicht blond ist, denke ich bitter.
„Ja und er sieht unheimlich gut aus." Verträumt blickt Lavender zum Lehrertisch. Ich rümpfe entrüstet die Nase. Ihr Gesichtsausdruck wird wieder ernst.
„Sirius ist natürlich meine erste Wahl. Aber seine Kopie ist auch nicht zu verachten. Mit der muss ich mich vielleicht wohl oder übel zufrieden geben."
„Das wäre vielleicht einfacher, Brown," ertönt nun die spitze Stimme von Pansy, direkt hinter unserem Plätzen. Die schon wieder. Ich stöhne genervt auf.
„Ich frage mich wie du es immer wieder ohne Vorwahrung schaffst dich in unsere privaten Gespräche einzumischen," entgegne ich wütend.

Pansy lächelt nur.

„Was weißt du denn schon Pansy." Wütend zuckt Lavender mit den Schultern.„Habe ich was gesagt?" fragt Pansy.
„Ach, richtig." Sie lächelt hämisch.
„Lavender Brown wird es niemals schaffen Sirius Black zu bekommen."
Sie lacht lauter.
Diese gemeine Pansy, na warte.
Mit einer eiligen Handbewegung erreichen wir, dass sie aufhört.
„Bist du denn verrückt?" zische ich ihr zu.
„Wie was ist denn los Granger?"
Ich habe das Gefühl, dass uns alle Augenpaare in der Halle anstarren. Großes Interesse lese ich in einigen Gesichtern von ihnen.
Sicherlich haben einige von ihnen die Bemerkung von Pansy gehört.
„Ich war zu laut?" Pansy lächelt.
Sie beugt sich nun zu uns an den Tisch. Ich löffle an meinem Haferschleim und tue so als würde ich die Worte nicht hören, die Lavender sicher gleich in Rage bringen würden.
„Aber das ist doch egal, ich meine es ist doch offensichtlich. Fast peinlich wie du dich aufführst Lavender."
Lavender, tue bitte nichts Unüberlegtes.
Sie zückt ihren Zauberstab und richtet ihn auf Pansys Brust. Diese tut es ihr gleich. Elegant und königlich wirft Lavender ihr volles braunes Haar zurück und blitzt Pansy wütend mit ihren bernsteinförmigen Augen.
„Wiederhole das noch mal." Dreckig lächelt Pansy sie an.
„Du bist nuttig. Um es kurz auszudrücken." Ein fettes Grinsen ziert ihre runden Wangen.
„Und du bist drittklassig," giftet Lavender sofort zurück. Und das hat denke ich gesessen. Pansy zieht nämlich jetzt eine beleidigte und zutiefst verletzte Schnute. „Das will ich überhört haben," zischt sie wütend.
„Dein Pech, wenn du die Wahrheit nicht ertragen kannst," erwidert Lavender triumphierend.
Pansy lacht mit tonloser Stimme, sie sieht aus als versucht sie Haltung zu wahren vor uns Löwen. Am liebsten würde sie sicherlich zu weinen anfangen, was man an ihren Augen ausmachen kann.
„In welches Haus er wohl kommt?" frage ich nun nachdenklich. Ich mustere den Jungen, der nun auf einem wackligen Stuhl sitzt.
„Keine Ahnung." Lavender zuckt mit den Schultern.
Ihr Blick verrät mir, dass sie sich wünscht, dass er nach Gryffindor kommt.
Tatsächlich der sprechende Hut teilt ihn nach Gryffindor ein.
Lässig schlendert er zu unseren Tisch. Harry und Ron neben uns winken ihm zu. „Hier ist noch ein Platz frei," sagt Ron nett und deutet neben Harry, der ihm freundlich zulächelt.
Grinsend nimmt er Platz.„Hi," sagt der Neuankömmling lässig.

„Hi," wiederholen ich, Harry, Ron, Parvati und Lavender. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass viele andere der älteren Mädchen David anstarren.
Manchen läuft sogar etwas der Sabber aus dem Mundwinkel.
Davids Blick fällt auf Harry, seine Augen huschen augenblicklich zu der Narbe.
„Dann musst du wohl der berühmte Harry Potter sein," stellt David fest.
„Dad." Er betont dieses Wort genau. „Hat mir natürlich erzählt, dass er für dich verantwortlich ist. Wir sind also so etwas wie Brüder."
Harry lächelt und nickt und dabei verfinstert sich sein Blick.

Wahrscheinlich hat er Angst, dass David ihm Sirius wegnehmen könnte.
„Und du musst die klügste Hexe deines Alters sein." Damit meint David eindeutig mich. Ich erröte.
„Ja das stimmt."
„Und ich dachte immer, schöne Mädchen sind nicht so klug."
Das hat gesessen. Lavender und die vielen andere ältere Mädchen, die David eben noch fasziniert angestarrt haben, starren mich nun sehr feindselig und wütend an.
Ich lächele nur.
„Hermine ist mit dem berühmten Viktor Krum zusammen, David." Das ist Ron.
„Ach tatsächlich?"

David lächelt.
„Ein sehr fähiger Spieler. Der beste Sucher, den Bulgarien je gesehen hat."
„Ja, sehr fähig," wiederholt Ron.
„Ich bin aber nicht mehr mit Viktor zusammen." Nun ergreife ich wieder das Wort. Ich will nicht, dass Ron mein besonders Vorhaben durchkreuzt.
„Ach Hermine, hast du ihm nicht letztens einen meterlangen Brief geschrieben?" fragt Lavender.
„Das war letztes Jahr," kontere ich.
„Und was haben wir da im vierten Schuljahr über dich und Harry gelesen?"
„Das war doch alles erstunken und erlogen. Oder Harry?" Unsicher blickt Ron zu mir und zu Harry. Harry nickt. Ich nicke. Rons Welt scheint wieder in Ordnung.
„Und dieser Cormac McLaggan, ihre neuste Eroberung."

Whums.
Das hätte ich im nächsten Moment bei Ron machen können.„Was fällt dir ein?" kreische ich. Mich mit so einer abartigen Person in Verbindung zu bringen.
Parvati sieht mich nun entsetzt und wütend an. Ihr Blick scheint zu sagen:
„Hermine ich dachte du wärst meine Freundin."
David hat die ganze Zeit interessiert zugehört.
„Ein sehr belebtes Leben, unsere Hermine."
Er lacht mich an.

„Das stimmt alles gar nicht," stelle ich klar.
„Ach ja, wieso hast du mich mit deinen Blicken beim letzten Auswahlspiel fast aufgefressen?"
Ich wende mich um. Die Fratze von Cormac McLaggan sieht mich dümmlich grinsend an.
„Ich habe dich nur solange angesehen, weil ich überlegt habe, wie man es geschafft haben könnte, ein Trollhirn bei einem lebenden Menschen zu verpflanzen."
Daraufhin lächelt Parvati mich erleichtert an und das Gesicht von diesem McLaggan wird rot vor Zorn, aus seinen Augen scheint es regelrecht zu dampfen. Jetzt fehlt nur noch, dass er anfängt zu grunzen wie ein Schwein.
„Du bist also noch frei," stellt David fest.
„Nein, ist sie nicht. Sie geht mit Neville," sagt Ron.
„Ach Ron halt die Klappe. Musst du wohl wieder alles glauben was in der Zeitung steht?" Das ist Ginny.
Ron wendet sich schmollend wieder seinem Pudding zu. Langsam habe ich den Eindruck, dass er eifersüchtig ist.
„Wir sehen uns dann wohl nächsten Samstag in Hogsmeade. Ich lade dich ein," sagt David.
Stimmt, nächste Woche ist das letzte Hogsmeade-Wochenende vor den Weihnachtsferien.
„Nein lass mal."
Ich gehöre nur dir Draco.
„Aber ich bestehe darauf."
Ich lächle nur.

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Neville ist schon ganz aufgeregt. Noch einmal will er versuchen Cho Chang zu fragen, ob sie mit ihm ausgehen möchte. Er steht direkt hinter ihr. Unterhalten tut sie sich gerade mit Marietta Edgecombe, einem lockenköpfigen Mädchen.
„Michael hat mit mir Schluss gemacht," schluchzt Cho und Nevilles Herz macht einen Hüpfer.
„Dabei wollten wir doch morgen shoppen gehen. Ich weiß nicht wie ich das alles bezahlen kann." Sie weint bitterlich.
„Ich könnte dir vielleicht ein wenig Geld leihen," versucht Marietta sie zu trösten.
„Du bist ziemlich knapp bei Kasse, lass mal," blockt sie ab.
„Ok wenn du meinst." Maritta legt tröstend die Schulter um ihre Freundin.
Neville sieht seine Chance gekommen. Er hat was Cho will.

Er hat Geld.
„Wie wäre es wenn wir zusammen Shoppen gehen, Cho? Ich schenk dir auch was."
Das asiatische Mädchen wendet sich zu ihm um.
„Neville, richtig?" Cho strahlt ihn an.

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„Hey, warte doch mal." ruft Sirius David hinterher.
Wie angewurzelt bleibt der Angesprochene am Gryffindortisch stehen. Erst als die Halle leer ist, geht Sirius auf seinem Sohn zu.
„Wie gefällt es dir bis jetzt?" fragt er interessiert.
„Bis jetzt ganz gut. Interessante Aussichten." David grinst.
„Ach ja, wer ist denn die Glückliche?" hackt Sirius weiter.
„Zurzeit Hermine," antwortet David lässig.

Der Blick seines Vaters verfinstert sich.

„Zurzeit," wiederholt Sirius.
„Dann lass sie in Ruhe, sie ist was Besonders. Sie hat es nicht verdient benutzt zu werden."
„Aber Dad…" stammelt David, das hat ihn überrumpelt.
„So, komm bloß nicht zu spät zu Verteidigung gegen die dunklen Künste. Du weißt, Snivellus kann sehr ungemütlich werden," sagt Sirius streng, mit der Miene eines Vaters.
„Snivellus?" fragt der Jüngere kichernd.
Vater und Sohn grinsen sich spitzbübisch an.

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„So, wir kommen wohl schon in der ersten Unterrichtsstunde zu spät, wie?"
Snape tadelt David, der gerade erst den Klassenraum für VgddK betreten hat. Der Unterricht hat schon seit zwanzig Minuten begonnen.
„Entschuldigen Sie Professor, aber der Schulleiter wollte noch unbedingt mit mir über meinen schlechten Lernstand reden. Sie wissen schon. Ich wurde doch früher von einem sehr unfähigen hackennasigen und fetthaarigen Lehrer unterrichtet."
Als er geendet hat, kichert die ganze Klasse. Wir alle wissen, dass nur einer gemeint sein kann. Ein roter Fleck zeichnet sich auf einer der fahlen Wangen von Snape ab.
Privatunterricht bei Snape? Dieser Junge hat die Hölle auf Erden durchlitten.
„Zehn Punkte Abzug für Gryffindor," schnauzt Snape.
„Nun setzen Sie sich," befiehlt er herrisch.
Er weißt auf den freien Platz neben mir. Fast alle außer Ron und Harry sehen ihn bewundernd an.
„Und wenn Sie sich noch einmal solche weiteren Unverschämtheiten erlauben, dann gibt es Nachsitzen." Zischte Snape wütend.
„Aber klar doch, Snivellus," erwidert David lässig.
Wieder hat er unsere Lacher auf seiner Seite.
Snivellus?

Was war das für ein Name. Auf jeden Fall komisch.
Das macht Snape sicher sehr wütend.
„Nachsitzen, heute Abend und das macht fünfzig Punkte Abzug für Gryffindor." Und ich behalte Recht. David zwinkert mir zu.
Schnell drehe ich mich weg. Ich bin peinlich berührt.
„Und Sie Malfoy arbeiten mit Miss Granger zusammen."
„Danke Sir," sagen David und einer der Jungen hinter mir im Chor.
„Draco, Sie waren nicht gemeint." Sagt Snape mit einen überraschten Ausdruck im Gesicht.
Draco will mit mir zusammenarbeiten?
„Ich meinte eher ihren selbstgefälligen und arroganten Cousin."
Ich stöhne auf. Dieser miese Snape. Er hat es an meinen Augen gesehen. Riefen sie doch eindeutig:
„Ich will nicht mit David Malfoy zusammen arbeiten." Versuche ich mich erfolglos zu wehren.
Natürlich strahlt David über diese Neuigkeit.
Es klingelt. Beim Vorbeigehen flüstert Ron mir zu:

„Schlampe."

„Aber Ron," rufe ich ihm und Harry verdattert hinterher.
„Nimm´s nicht persönlich Hermine." Das war Pansy.
„Obwohl ich zugeben muss, dass er Recht hat. Du bist wahrhaftig eine Schlampe." Dann kichert sie und geht. Meinst wohl du hast mich damit in irgendeiner Weise getroffen, denke ich."
"Ich bin keine Schlampe, weil ich nicht Pansy Parkinson heiße.

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Abends am Ende der Woche sitze ich alleine im Schlafraum. Mir ist so langweilig. Am liebsten würde ich was schreiben. Einen netten Brief an Viktor zum Beispiel. Nein, als ich an meine letzten Träume zurückdenke, wird mir ganz anders.
Ich beschließe schließlich in mein Tagebuch zu schreiben.

Ein Tagebuch habe ich schon seit ich neun bin.
Nur wenn mir langweilig ist schreibe ich da rein.
Und die Seiten verbrenne ich dann anschließend, aus Angst, dass jemand sie lesen könnte. Habe nämlich ein paar unangenehme Erfahrungen gemacht.
Das hübsche kleine Buch ist ganz staubig, als ich es aus seinem Versteck hole. Ich nehme setze eine Feder an und beginne zu schreiben.

Liebes Tagebuch,

In dieser Woche geschah nichts Aufregendes. Nur dass David, der Sohn von Sirius, bei jeder Gelegenheit versuchte mit mir zu flirten. Ich wendete meist erfolgreich ab. Manchmal lächelt mir Sirius dann mitfühlend zu. Draco hat mich seit der letzten Stunde mit Snape keines Blickes oder Wortes mehr gewürdigt. Es ist zum Heulen.

Pansy macht sich einen Spaß daraus, mich und die anderen Mädchen des Clubs, Millicent ausgenommen, als „Schlampe" oder „Flittchen" zu beschimpfen. Des Weiteren ist nicht viel passiert, außer dass Millicent heulend aus dem Unterricht gerannt ist, als wir Snape als Vertretung in Zaubertränke gehabt haben.

Weiter will ich nicht schreiben. Ich reiße die beschriebene Seite heraus und dann flüstere ich:

Flamelo."

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Und dann ist der der Hogsmeade-Samstag heran gebrochen. Ich schaue auf die Uhr.
„Mist, ich habe verschlafen," fluche ich.
Ich bin allein im Schlafsaal.
Diese angeblichen Freundinnen haben sich noch nicht einmal die Mühe gemacht mich zu wecken.
Ich richte mich schnell auf und mache mich so weit es geht fertig, und ohne in den Spiegel zu schauen, haste ich durch die Tür, durch den Gemeinschaftsraum, durch die etlichen Korridore, bis ich schließlich nach Luft ringend vor den Eingangsportal, vor einem grimmigen und stinkenden Filch halt mache.
„Du bist zu spät." Abfällig mustert er mich.
„Willst wohl heute Stinkbomben und noch Zeug mit reinschmuggeln, damit du und deine dreckigen Freunde….." zischt er.
„Nein Filch, ich war eben in der Bibliothek und ich habe gehört, dass Madame Pince heute auch in Hogsmeade, in Zonkos sein wird."
Bei der Erwähnung von Madame Pince sehe ich, wie Filchs sonst immer herber Ausdruck im Gesicht zu einer Sanftheit übergeht.
„Ach, und ich muss dann mal, wenn du mich bitte entschuldigen würdest. Nein, ich werde dich begleiten. Neue Sicherheitsauflagen von Dumbledore, es ist zu gefährlich für ein so zartes Mädchen," sagt er mit einer Honigstimme und ich könnte kotzen. Ich werde schon ganz grün im Gesicht.
„Und wenn du mich dann noch zu Zonkos führen würdest. Habe ich ganz vergessen. Dumbledore hat gesagt…." spricht er weiter, doch ich unterbreche ihn. Ich bin zu höflich um ihm zu sagen, dass er ein sehr schlechter Lügner ist. Innerlich kichere ich.
Pince und Filch, die Gerüchteküche höre ich schon süß brodeln.