Endlich langes Wochenende, ich liebe Brückentage, mein Wecker klingelt erst wieder am Mittwoch, es ist herrlich!
Hannah verbrachte wieder den ganzen Tag am Fenster und beobachtete den Garten, gedankenverloren spielten ihre Finger mit dem Griff. Zur Probe rüttelte Hannah am Griff, doch er war verriegelt, verärgert starrte Hannah das kleine Schloss im Griff an. So, wie es aussah, war sie in diesem Zimmer eingesperrt, doch sie wollte nicht akzeptieren, dass es keinen Ausweg geben sollte. Gegen späten Nachmittag hörte Hannah, wie ihre Zimmertür aufgeschlossen wurde, jemand nährte sich ihr, doch sie starrte weiter aus dem Fenster. Eine Hand legte sich schwer auf ihre unverletzte Schulter und drückte sachte zu, sanft aber nachdrücklich delegierte er sie zum Bett und ließ sie sich setzen.
Dr. Lecter war völlig ruhig und sein Tonfall neutral, als sich auf seinen Platz setzte und ihr tief in die Augen sah. "Hannah, was meinen Sie, wie lange Sie noch schweigen und das Essen verweigern wollen? Sie haben doch hoffentlich nicht vor sich zu Tode zu hungern, das kann ich weder zulassen, noch werde ich tatenlos dabei zuschauen. Für den Fall, dass Sie Fluchtpläne schmieden, die Mühen sind vergebens. Sicher haben Sie bemerkt, dass das Fenster verriegelt ist und die Tür ebenso. Es wäre wirklich besser, wenn Sie kooperieren und sich nicht nach allen Kräften querstellen würden. Ich wiederhole mich äußerst ungern, also tun Sie, was ich sage, sonst muss ich zu drastischen Maßnahmen greifen und das wird Ihnen sicher nicht gefallen!"
Er konnte sehen, dass seine Worte ihr Ziel erreicht hatten, Hannah erschauerte, ihre Arme verschränkten sich unbewusst, als suche sie Schutz vor ihm. Seine Hoffnung bestand darin, dass sie sich seine Rede zu Herzen nehmen und ihre Gegenwehr endlich einstellen würde. Im Gegensatz zu seinen Patienten, die ihn häufig auf der Suche nach Hilfe aufsuchten und dementsprechend gut mitarbeiteten, wollte die junge Frau keine Hilfe und schon gar nicht mit ihm arbeiten.
Hannah sass, wie vom Blitz getroffen auf dem Bett und traute sich nicht, auch nur einen Muskel zu bewegen, dieser Mann meinte es wirklich Ernst. Was meinte er mit drastischen Maßnahmen? Würde er sie verletzen? Was wollte er überhaupt von ihr? Sämtliche Gedankengänge endeten im Leeren, Hannah fand es sehr mühsam sich den Kopf zu zerbrechen. Sie spürte seinen erwartungsvollen Blick auf sich ruhen, ein Gefühl der Leere und Müdigkeit durchflutete sie. Hannah gab dem Drang nach und ließ ihren Kopf auf das Kissen sinken, ihr fehlte die Kraft die Augen offen zu halten, erschöpft zog sie ihre Beine an. Während sie mit geschlossenen Augen auf dem Bett lag, fragte sie sich wann sie das letzte Mal etwas gegessen hatte. Ihr Magen schmerzte vor Hunger und sie fühlte sich schwach. Hannah begann ernsthaft an sich selbst zu zweifeln, warum sperrte sie sich so sehr? Anscheinend wollte ihr der Mann wirklich nur helfen, doch eine kleine Stimme im ihrem Kopf flüsterte unablässig, dass sie diesem Menschen nicht trauen durfte.
"Das Schwächegefühl, das Sie gerade spüren, ist ein Alarmsignal Ihres Körpers, sicherlich frieren Sie auch. Ihr Körper ist in so einer Art Energiesparmodus, er ist nicht in der Lage die Temperatur zu halten." Wie aus der Ferne hörte Hannah Dr. Lecter sprechen, dann schlief sie ein.
Hannibal sah, wie sie zitterte, ihre Augen waren geschlossen, in ihrem Augenwinkel konnte er ein feuchtes Glitzern erkennen, die junge Frau war am Ende ihrer Kräfte. Als er zu ihr sprach, sah er, wie ihr Atmen ruhiger und tiefer wurde, ihr ganzer Körper entspannte sich, sie war eingeschlafen. Er breitete die Decke über Hannah aus, dann schlug er die Beine übereinander und las in seinem Buch, während er über die schlafende Frau wachte. Erst schlief sie ruhig und friedlich, doch dann begann sie zu träumen, er konnte sehen, wie sich ihre Augen unruhig unter ihren Lidern bewegten. Sie begann hektisch zu Atmen, ihre Stirn furchte sich und sie ballte die Hände zu Fäusten. Hannibal beugte sich interessiert vor, seine Hand legte sich auf ihren Arm, augenblicklich wurde sie ruhiger, er nahm ihre kalte Hand in seine und wartete, bis sie in eine andere Schlafphase glitt, als Hannah wieder komplett ruhig schlief, erhob er sich und verließ das Zimmer. Während er den Schlüssel im Schloss umdrehte, erfasste ihn ein kleines Hochgefühl, im Schlaf schien Hannah ihm, anders als im wachen Zustand, zu vertrauen, wenigstens genug, um sich bei einem Albtraum zu beruhigen. Alles in Allem, schien sie häufig schlecht zu träumen.
Diese Geschichte, ist die Längste, die ich jemals geschrieben habe, ich bin echt überrascht von mir selber.
-30.09.2017-
