Vorabi endlich vorbeiiii!
Da gibts doch direkt nen neuen Teil ;)
So, vielen Dank für die Reviews von
littleSURICAT: Reviewe da, wo du möchtest ^^ solang es ein Review ist, bin ich glücklich =)
Celesoan: Oh, vielen Dank :) ich bemühe mich, aber jetzt gehts langsam richtig aufs Abi zu. Bald ist es aber endlich vorbei und dann hab ich mehr Zeit^^
Lily: Dankeschön =) Tja, wer weiß schon, was er genau will ^^
dan the man: :D Ja, lieber meine FFs lesen, statt so ne blöde HA machen ^^
Jenny: Dann bin ich ja froh, endlich eins reinstellen zu können =)
-x-PortmanAngel-x- : :P ja ich weiß, aber Bella darf ja auch mal ne DramaQueen sein^^
Viel Spaß beim neuen Kapitel!
„Über alles hat der Mensch Gewalt.
Nur über sein Herz nicht."
(Friedrich Hebbel)
Ich erwachte, als die Sonne durch meine geschlossenen Lider schien. Mühsam öffnete ich meine geschwollenen Augen. Noch lange hatte ich geweint und nun, da ich eine Nacht darüber geschlafen hatte, fragte ich mich, warum ich eigentlich so sensibel reagiert hatte.
Ich schlug die Decke zurück und tapste barfüßig zum großen Fenster. Von meinem Zimmer hatte ich einen wunderbaren Blick auf den Garten. Die Gärtner arbeiteten bereits fleißig, schnitten die Hecken zu kunstvollen Figuren und gossen die unter der Hitze leidenden Blumen. Die Fackeln, die für den Ball gestern aufgestellt worden waren, waren bereits verschwunden. Hinter dem kunstvoll verzierten Garten befanden sich die hohen Gräser, in denen Edward und ich als Kinder verstecken gespielt hatten.
Es hätte keine Überraschung sein dürfen, dass Prinz Edward auf eine Eroberung für eine Nacht aus war. Doch dass er mich nicht einmal erkannte, als er mir so tief in die Augen blickte, widersprach all meinen Tagträumen, in denen ich mich seit Jahren in der stickigen Küche verloren hatte.
Nun war es wohl für mich Zeit, erwachsen zu werden.
„Guten Morgen, Prinzessin.", riss mich meine persönliche Kammerzofe Julienne aus meinen Gedanken. Sie war so leise eingetreten, dass ich sie nicht bemerkt hatte.
„Guten Morgen.", lächelte ich sie an, glücklich darüber, endlich mal von etwas anderem als der schrillen Stimme meiner Mutter aus dem Bett getrieben zu werden.
Sie knickste und kam dann zu mir, um mir beim Ankleiden behilflich zu sein. Dank der Schneiderin hatte ich nun eine große Auswahl an wunderschönen Kleidern. Es fiel mir sogar schwer, die Freizeitkleider als schlicht zu bezeichnen. Doch ich war so kostbare Stoffe einfach nicht gewöhnt.
Nachdem die Zofe mich in ein leichtes, hellblaues Kleid gesteckt hatte, begab ich mich in die Privatgemächer von Prinz Ulrich. In seinem zweiten, als Arbeitszimmer genutzten Raum war der große Tisch zum Frühstück gedeckt.
Kurz nach mir trat Ulrich ein. „Guten Morgen, Sophia.", lächelte er vorsichtig und musterte mich. Es war klar, dass er meinen Abgang gestern mitbekommen hatte.
„Guten Morgen, Ulrich.", erwiderte ich leise und ließ mich an dem Tisch nieder. Er tat es mir gleich und bedeutete den Dienern, den Raum zu verlassen.
Eine Weile aßen wir stumm. Um meine Gedanken davon abzuhalten zum letzten Abend zu wandern, versuchte ich mir auszurechnen, wie lange meine Mutter wohl für das Festmahl von gestern in der Küche gestanden hatte. Doch natürlich war das mehr als sinnlos. Davon abgesehen, dass es mich überhaupt nicht interessierte, wurde mein Verstand ständig von den grünen Augen beherrscht, die mich seit etwa zehn Jahren verfolgten. Das Brot, obwohl so viel frischer und schmackhafter als das, was ich gewohnt war, wirkte trocken auf meiner Zunge und blieb fast in meiner Kehle stecken. So legte ich nach kurzer Zeit Gabel und Messer von mir, besann mich nur aufs Trinken.
Ulrichs genervtes Stöhnen unterbrach meine deprimierenden Gedanken. „Könntest du mir vielleicht endlich verraten, was gestern Abend vorgefallen ist?" Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Alles, was ich mitbekommen habe, war, dass du mit diesem Edward getanzt hast – ganz zur Freude meiner Mutter übrigens – und kaum wende ich den Blick ab, bist du auf und davon!" Halb vorwurfsvoll, hab mitleidig lagen seine Augen auf mir.
Ich stellte vorsichtig den Kelch ab, senkte reuevoll meinen Blick. „Es tut mir wirklich Leid, Ulrich. Ich hätte nicht einfach gehen dürfen.", erwiderte ich leise. „Aber ich habe es nicht mehr ausgehalten. Ich... ich konnte einfach nicht mehr. Das war alles zu viel. Das ist nicht meine Welt, weißt du? Aber das wird nicht erneut vorkommen." Das war zwar nur die halbe Wahrheit, doch ich hatte wirklich nicht den Drang, Ulrich über meine kindliche Schwärmerei in Kenntnis zu setzen.
Einige Augenblicke musterte er mich prüfend, atmete dann resignierend aus. „In Ordnung. Vermutlich hätte ich damit rechnen müssen." Er beugte sich ein Stück zu mir und legte seine Hand auf meine. „Ich hoffe, du verzeihst mir. Du passt so perfekt in deine Rolle, dass ich manchmal vergesse, dass du das alles nicht gewohnt bist." Eindringlich blickte er mir in die Augen.
Ich spürte die Röte in mein Gesicht steigen und sah schnell auf meinen Teller. „Ich habe Euch nichts vorgeworfen, also habt keine Schuldgefühle wegen mir.", wisperte ich.
Ulrich räusperte sich leise. „Ich mache mir aber Sorgen um dich, Isabella. Ich weiß auch nicht, warum. Ich – "
Plötzlich öffnete sich die Tür und Diener trat ein, verbeugte sich. Schnell entzog ich Ulrich meine Hand und war sogar teilweise erleichtert über die Unterbrechung.
„Prinz Edward wird bald zur Jagd aufbrechen wollen. Ihr werdet eingeladen, daran teilzunehmen.", setzte er uns mit nasaler Stimme in Kenntnis.
„Ich würde mich geehrt fühlen.", erwiderte Ulrich. Der Diener verbeugte sich erneut und verließ wieder den Raum. Ulrich seufzte. „Tut mir Leid, aber du wirst ein paar Stunden alleine verbringen müssen. Vielleicht kann ich eine andere Prinzessin finden, die ebenfalls Zeit hat. Oder ich – "
„Oh, macht Euch keine Sorgen.", unterbrach ich ihn schnell. „Ich werde alleine zurecht kommen." Ehrlich gesagt wäre es mir mehr als willkommen, ein paar Stunden ohne Aufsicht verbringen zu dürfen.
Er lächelte mich nicht ganz überzeugt an, nickte jedoch. „Ich werde nicht zu lange fort sein." Das bezweifelte ich. Edwards Jagden konnten manchmal bis in die Nacht gehen. Er liebte es, am späten Abend fast alleine durch den Wald zu reiten. Doch das würde ich Ulrich lieber vorenthalten. Er erhob sich. „Dann werde ich mir etwas Passenderes anziehen."
„Ich wünsche Euch eine erfolgreiche Jagd.", erwiderte ich und erhob mich ebenfalls. Ulrich nickte noch ein letztes Mal, verschwand dann in seinem Schlafgemach.
Ich verließ seine Räumlichkeiten und trat unschlüssig auf den langen Flur. Was sollte ich mit meiner vielen Zeit nur anfangen? Ich war es nicht gewohnt, so viel davon vergeuden zu dürfen. Normalerweise würde ich nun das Geschirr spülen oder den Boden des Ballsaals putzen müssen. Langsam setzte ich mich in Bewegung. Als ich um eine Ecke bog, quiekte ein junges Mädchen vor mir auf und flitzte davon. Offensichtlich eine Dienerin, der, wie mir, gesagt wurde, sie solle sich nicht von den feinen Herrschaften sehen lassen. Auf einmal kam mir eine Idee und ich wusste, was ich tun wollte.
*
Der Geruch von Leder und Pferdemist drang in meine Nase. Marie befand sich vor dem Stall im Hof, striegelte gerade einen pechschwarzen Hengst. Ihre blonden, kurzen Haare hatte sie mit einem dreckigen, roten Tuch nach hinten gebunden. Der Schweiß glänzte auf ihrer Stirn. Auch wenn es erst Vormittag war, strahlte die Sonne wieder ungnädig auf die arbeitenden Menschen, die mich verwirrt und mit großen Augen musterten, als ich an ihnen vorbei schritt, jedoch gehorsam eine Verbeugung andeuteten. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen näherte ich mich meiner nichtsahnenden besten Freundin, stellte mich genau hinter sie. Dann holte ich tief Luft. „Vor einer halben Stunde habe ich nach einem gesattelten Pferd verlangt! Wo ist es?! Der Verantwortliche wird sofort in den Kerker gebracht!"
Vor Schreck schmiss Marie die Bürste fort, traf einen eiligen Stallburschen am Hinterkopf. Langsam drehte sie sich mit aufgerissenen Augen zu mir. „Oh, es tut mir so Leid, Madame!" Schnell fiel sie in einen tiefen Knicks, starrte mich noch immer an. „Ich bin heute allein im Stall. Die Herrschaften wollen zur Jagd und... " Plötzlich runzelte sie ihre Stirn, musterte mich eingehend. Ein Grinsen schlich sich auf meine Lippen. „Isabella?", flüsterte sie irritiert.
Ich lachte leise. „Du kannst es genau so wenig glauben wie ich, hm?"
Marie richtete sich wieder auf. „Aber... aber... das kannst du doch nicht machen!" Ihre Stimme wurde lauter. „Was, wenn du erwischt wirst? Du ziehst einfach das Kleid von einer Adeligen an?! Ja, bist du denn wahnsinnig – "
Ich riss die Augen auf und drückte ihr schnell meine Hand auf den Mund. „Psst! So ist das nicht! Ich spiele eine Prinzessin namens Sophia, weil die krank im Bett liegt, aber Prinz Edward heiraten will und deshalb zeigen muss, dass sie nicht krankheitsanfällig ist oder so – für die Thronfolger, weißt du? Ihre Eltern und ihr Bruder wollten, dass ich in ihre Rolle schlüpfe, weil ich ihr so ähnlich sehe!" Langsam entfernte ich meine Hand wieder, sah Maria erwartungsvoll an.
Sie starrte mich mit einer Mischung aus Verwirrung und Unglauben an. „Du bist tatsächlich wahnsinnig geworden.", erwiderte sie tonlos.
Ich biss mir auf die Lippe. „Vermutlich.", stimmte ich ihr zu, denn so ganz konnte ich das, was ich ihr gerade in Kurzform mitgeteilt hatte, selbst nicht glauben.
„Guten Morgen, Prinzessin.", ertönte auf einmal eine melodische, mir wohlbekannte Stimme hinter mir, jagte eine Gänsehaut über meinen Körper. Als ich mich umdrehte, erblickte ich Prinz Edward, der Maria und mich neugierig betrachtete. „Wollt Ihr ausreiten?" Marias Mund klappte ungläubig auf. Ich trat ihr unbemerkt auf den Fuß.
„Oh nein, ich wollte nur Eure Pferde bewundern.", log ich und blickte zu dem glänzenden Rappen vor mir, um Edward nicht ansehen zu müssen.
Er trat an das Pferd, tätschelte seinen Hals. „Ihr mögt Pferde?"
Schnell nickte ich. „Oh ja, selbstverständlich!" Um meine Aussage zu untermauern, lächelte ich das Pferd an.
„Gut.", erwiderte Edward. „Dann solltet Ihr mitkommen."
„Mitkommen, wohin?", fragte ich verwirrt.
„Na, zur Jagd. Ihr begleitet mich!", antwortete er, als wäre das keine große Sache. Ein Schock fuhr durch meinen Körper. War das denn üblich, dass Prinzessinnen die Männer auf der Jagd begleiteten?
„Oh, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee wäre.", beeilte ich mich zu sagen, doch Edward winkte ab.
„Es ist mein Wunsch, Prinzessin. Und Ihr könnt mein Pferd nehmen." Damit nickte er zu dem schwarzen Hengst vor uns, drehte sich dann an Maria. „Sattelt Ihn für Prinzessin Sophia und für mich mein zweites Pferd!" Dann lächelte er mir kurz zu. „Wir sollten über gestern Abend sprechen." Und schon wandte er sich dem Gehen zu.
Unfähig, irgendetwas zu sagen, starrte ich bloß auf seinen Rücken.
„Oh Mann.", murmelte Maria neben mir. „Du hast wirklich die Wahrheit gesagt, hm? Na ja... viel Glück bei der Jagd!" Damit ließ sie mich stehen, um den Sattel zu holen.
Verloren starrte ich den sehr jungen, wilden Hengst an und fluchte leise vor mich hin. Mal davon abgesehen, dass ich Prinz Edward heute eigentlich aus dem Weg gehen und ein wenig Zeit für mich haben wollte, wurde ich nun vor ein ganz anderes Problem gestellt. Ich hatte Edward gerade vorgeschwärmt, wie sehr ich Pferde mochte.
Und konnte nicht einmal reiten.
