Hey, da bin ich wieder... Entschuldigt die lange Verzögerung, ich war krank und dann ist mir auch noch die Uni-Prüfungszeit in die Quere gekommen. :/ Und ich muss auch gleich die nächste posting-freie Zeit ankündigen, ich fahr nämlich morgen in Urlaub - dafür werd ich beim am Pool rumliegen brav weiterschreiben ;)

Vielen Dank für die Reviews an meine zwei Lieblingsreviewer, Sammy-A.M und Catze! Ich hoffe, ich hab euch mit der langen Wartezeit nicht verscheucht.^^

Viel Spaß beim Lesen!


Kapitel 9 – Confrontations

Die nächsten Tage verliefen, wenn man von brutaler Rufschädigung absah, wunderbar ereignislos. Draco hatte sich vorsichtshalber von Blaise ferngehalten – wer konnte ahnen, welche grausamen Ideen diesem Wahnsinnigen als nächstes einfallen würden?

Blaises Gesellschaft zu entkommen war ganz einfach – irgendwie bestand zwischen ihnen das unausgesprochene Einverständnis, dass Draco sich in die Bibliothek zurückzog, wenn er wirklich allein sein wollte.

So war es auch heute, also Samstagnachmittag. Während viele der Schüler genauso begeistert wie in der Woche davor alles für die Feier am Abend vorbereiteten, die diesmal bei den Gryffindors stattfinden würde, schlenderte Draco wieder in Richtung Bibliothek.

Er war sicher nicht so wahnsinnig, dass er an dieser zweiten Feier teilnehmen würde.

Ohnehin wurde im Schloss schon genug über ihn getratscht – natürlich hatten einige der Ravenclaws die beiden schlafenden Partygäste am Morgen auf der Couch entdeckt.

Es hatte keinen halben Tag gedauert, bis von der Wahrheit bis zu Varianten, die Draco die Schamesröte ins Gesicht trieben, so ziemlich alles unter den Schülern kursierte. Draco hatte außerdem durch die Blicke, die ihm sein Patenonkel ab und zu zuwarf, langsam die Befürchtung, dass auch die Lehrer nicht taub für den Tratsch waren.

Draco seufzte selbstmitleidig. So viel zu seinem guten Ruf. Er erwartete schon jeden Tag einen aufgebrachten Brief seines Vaters.

Als er gerade um die nächste Ecke, hinter der sich der Gang der Bibliothek befand, biegen wollte, hörte Draco jemanden seinen Namen in zirka dem Tonfall rufen, den er sich gerade für seinen Vater ausgemalt hatte.

„Malfoy! Bleib sofort stehen!"

Wenig überrascht erkannte Draco, dass es sich bei dem Störenfried um niemand anderen als Ron handelte.

„Spar dir die Rede, was für ein schrecklicher Slytherin ich bin, und komm gleich zur Sache, Weasley, ich hab heute echt keinen Nerv auf dich."

Statt seinen Zauberstab zu zücken, kam Ron zielstrebig mit geballten Fäusten auf ihn zu. Irgendwie hatte Draco nach der netten Aktion bei den Ravenclaws schon mit etwas in die Richtung gerechnet.

Im Gehen öffnete Ron erneut den Mund, doch Draco schnitt ihm sofort das Wort ab.

„Das ist der Moment, in dem du mir erklärst, dass ich sie bloß nie wieder anrühren soll, ich weiß. Und ich kann dir versichern Weasley, das wird nicht passieren. Verdammt nochmal, es stimmen ja noch nicht mal die ganzen bescheuerten Geschichten, die über diesen verfluchten Samstag kursieren, also reg dich bitte ab."

Und natürlich kam der hitzköpfige Gryffindor seiner Aufforderung nicht nach. War der Typ wirklich so berechenbar, oder war er einfach so gut?

Als Ron gerade die letzten Meter, die sich zwischen ihnen befanden, überwand und ausholte, schloss Draco resigniert die Augen und versuchte, sich auf den neuerlichen Schlag in die Magengrube vorzubereiten. Er irrte sich definitiv im falschen Moment.


Um Ginnys ständigem „Kannst du dich schon an was erinnern?" zu entkommen, beschloss Hermine, den restlichen Nachmittag in der Bibliothek zu verbringen. Sie hatte bei den derzeitigen Zuständen im Schloss sowieso das Bedürfnis nach ein paar beruhigenden, netten, ablenkenden Büchern, die sie garantiert nicht in die nächste unangenehme Situation bringen würden.

Während ohne Zweifel jeder Schüler, egal, ob er sie kannte oder nicht, über Hermine sprach, wurde sie auch noch verstärkt von Lavender und Parvati angegiftet, weil sie ihnen angeblich ‚die Idee geklaut' hatte. Zu allem Überfluss hatten Harry und Ron sie die ganze Woche über nur vorsichtig gemustert und nicht einmal den Mut aufgebracht, sie direkt nach dem verdammten Samstag zu fragen.

Nachdem ihre Schritte sie ganz automatisch zu ihrem üblichen Platz in der Bibliothek geführt hatten, erstarrte Hermine förmlich. Nur zwei Tische von ihr entfernt saß ein ziemlich aufgebracht wirkender Draco, der das Buch vor ihm finster niederstarrte und ein Taschentuch an seine Lippen hielt.

Sein mit kleinen, roten Flecken besprenkeltes Hemd bestätigte Hermines naheliegende Annahme.

Ohne wirklich zu überlegen ging sie also an ihrem Platz vorbei und setzte sich stattdessen auf den freien Sessel neben ihm.

„Was willst du, Granger?", knurrte er durch das Tuch, offenbar zu gereizt, um sie zu ignorieren.

Hermine deutete nur knapp auf seinen Mund und zog dann ihren Zauberstab hervor. „Nimm das Taschentuch weg."

Draco verengte seine Augen misstrauisch. „Was hast du vor? Willst du mir irgendetwas noch rufschädigenderes anhexen?

„Nein, ich will deine Wunde heilen, du Idiot.", gab sie, nun auch langsam verärgert, zurück.

Draco sah sich kurz um. Außer ihnen war scheinbar keiner da, was angesichts der Gryffindorfeier und der für viele Schüler einfach unmöglichen Kombination von Samstagnachmittag und Bibliothek nicht weiter ungewöhnlich war. Aber er musste sicher gehen.

Dann senkte er die Hand, in der er das Taschentuch hielt, endlich. Seine Unterlippe war aufgeplatzt und begann erst langsam anzuschwellen. Hermine nickte kurz. Das konnte sie.

Nach einem einfachen Heilungszauber war nichts mehr von der eben noch da gewesenen Verletzung zu sehen.

„Wer war das?", fragte Hermine anschließend. Sie musste sich Mühe geben, um unter Dracos verächtlichem Blick nicht zusammenzuzucken.

„Wenn du wirklich die ‚klügste Hexe Hogwarts' bist, solltest du da schon alleine draufkommen. Geh einfach mal die Leute durch, die in letzter Zeit das Bedürfnis hatten, mich zu verprügeln. Kleiner Tipp: du warst es nicht."

Da war er wieder, der altbekannte, widerwärtige, herablassende Malfoy.

Hermine schüttelte nur den Kopf, hob ihre Tasche auf und schritt hoch erhobenen Hauptes aus der Bibliothek. Mit diesem Arsch würde sie sich ganz bestimmt keinen Raum, und mochte er auch so groß wie die Bibliothek sein, teilen.


Als Hermine wenig später den Gemeinschaftsraum der Gryffindors betrat, registrierte sie die regen Vorbereitungen auf den Abend gar nicht wirklich. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt, den in ihr aufkeimenden Zorn zu kontrollieren. Sie verstand selbst nicht, warum es sich anfühlte, als hätte Malfoy sie damit verraten, dass er eben wieder der alte war.

Ihr fiel nur eines auf: Ron, der inmitten einer kleinen Gruppe stand und von seinen großartigen Sieg über Malfoy prahlte.

Sie versuchte, ihre Wut darüber ebenfalls zu unterdrücken und unbehelligt an den anderen vorbei zu schlüpfen, doch sie hatte kein Glück – auf halbem Weg zur Stiege hatte sie der Rotschopf auch schon eingeholt.

„Hey, Hermine!", begann er, während er wie ein Honigkuchenpferd vor sich hin lächelte.

Dann fiel ihm Hermines Gesichtsausdruck auf.

Bevor er sich allerdings in Sicherheit bringen konnte, hatte sie auch schon ihren Zeigefinge mit schmerzhafter Präzision zwischen seine Rippen gerammt. „Du", stieß sie aus und pikste ihn erneut, woraufhin er zwei Schritte zurück wich, „sprichst mich am besten so schnell nicht mehr an."

Sie wollte ihren Weg fortsetzen, wurde aber sofort von ihm an der Schulter zurückgehalten.

„Was ist los mit dir? Bist du sauer, weil ich mich mit deinem Lover geprügelt habe?", konterte Ron giftig.

„Ha! Meinst du diese rückgratlose Aktion, jemandem, der sich ganz offensichtlich noch nicht einmal gewehrt hat, ins Gesicht zu schlagen?", tobte sie los.

Hermine hatte wirklich versucht, sich im Zaum zu halten und die einzelnen Personen, durch die sich so viel Frust in ihr aufgestaut hatte, einfach gar nicht anzusprechen, aber jetzt war es zu spät.

„Davon abgesehen, ist er verdammt noch mal nicht mein Lover! Und das wüsstest du, wenn du mal mit mir geredet hättest, statt dir diese ganzen beschissenen Gerüchte anzuhören! Was für ein Freund bist du überhaupt?" Hermines Lautstärke hatte sich immer mehr gesteigert, bis sie ihm die letzten Worte schließlich ins Gesicht schrie.

Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Harry vortrat und dann doch allen Ernstes die Frechheit besaß, den Mund zu öffnen. Sie hob nur eine Hand und er verstummte augenblicklich. „Ich weiß, Harry.", sagte sie in etwas ruhigerem, aber sehr bitterem Ton, „Der letzte Satz war jetzt ganz klar dein Stichwort, aber mit dir will ich gleich gar nicht anfangen."

Dann richtete sie ihre volle Aufmerksamkeit wieder auf Ron, dem man eindeutig ansah, dass sein Ärger längst verpufft war. Hermine hatte ihn noch nie angeschrien – er war so überrumpelt, dass er fast schon vergessen hatte, warum er sie überhaupt angefahren hatte.

Doch das stoppte Hermine nicht.

„Warum zum Teufel nimmst du dir überhaupt das Recht heraus, auf jemanden loszugehen, nur, weil ich mich einen Abend lang mit ihm vertragen habe? Bist du irgendwie blöd oder so? Das ist verdammt noch mal meine Sache, und wenn du dich noch einmal in meine Angelegenheiten einmischst, dann Gnade dir Gott, denn ich werd's nicht tun."

Immer noch voll in Fahrt, wandte Hermine sich jetzt an die Allgemeinheit. „Und was ist überhaupt mit euch allen los? Ist euer Leben so verflucht langweilig, dass ihr euch ständig Geschichten über andere ausdenken müsst? Großer Gott, ich war sturzbetrunken und bin neben Malfoy eingeschlafen. Ist das jetzt ein Weltuntergang? Neben, nicht mit, versteht ihr? Kein Sex, kein Herummachen, kein beschissener Kuss oder sonst was! Da war nichts, also haltet endlich die Klappe. Ich schwöre, den nächsten, der es wagt, ein Gerücht über mich in die Welt zu setzen, den hexe ich ins nächste Jahrhundert."

Nachdem sie es jetzt sowieso nicht mehr im Gemeinschaftsraum oder im Schlafsaal aushalten würde, kehrte Hermine den versammelten – und allesamt ziemlich aus der Fassung gebrachten – Schülern den Rücken zu und verließ den Gryffindor-Turm eilig.


„Das war etwas verstörend.", stellte Blaise, nichtsdestotrotz gut gelaunt, fest. Er hatte sich weiter hinten unter den Leuten, die dabei halfen, den Raum für den Abend fertig zu machen, neben Ginny befunden. „Hat sie das öfter?"

Ginny schüttelte völlig verwirrt den Kopf und sagte dann langsam: „Nein… Noch nie."

„Sag mal… Von wo ist sie gerade gekommen, weißt du das zufällig?"

„Eigentlich wollte sie gerade erst in die Bibliothek, aber nachdem sie so schnell zurück war…" Ginny zuckte nur mit den Schultern.

„Mhm…"


Als Malfoy die Bibliothek ein paar Stunden später verließ, stellte er überrascht fest, dass Blaise am Boden vor der großen Flügeltür saß und offenbar auf ihn gewartet hatte.

„Na endlich!", rief Blaise mit der für ihn typischen Begeisterung in der Stimme.

„Du lauerst mir auf?", fragte Draco, nicht unbedingt in der Stimmung für eine Unterhaltung mit Blaise. Glücklich wirkende Menschen regten ihn im Moment irgendwie auf.

„Ich habe auf dich gewartet.", korrigierte Blaise und erhob sich, um mit Draco zu den Kerkern hinunterzugehen.

„Und warum?"

„Nur so… Du hast deine Meinung über heute Abend noch nicht geändert, oder?", fragte Blaise unschuldig.

„Nein. Warum fragst du?"

„Naja… Es ist nicht wichtig und wird dich sicher nicht weiter beeinflussen, aber… Als ich heute bei den Vorbereitungen für die Party geholfen habe, hab ich gehört, wie Ron von eurer kleinen Meinungsverschiedenheit erzählt hat, beziehungsweise ziemlich von seinem ‚Sieg' geprahlt hat."

Dracos Miene verdüsterte sich, und Blaise wusste, dass er angebissen hatte. Jetzt durfte er sich nur nichts anmerken lassen.

„Und weiter?"

„Er hat gemeint, dass du dich, nachdem er dich angeblich so verprügelt hat, heute Abend ganz bestimmt nicht in den Gryffindor-Turm traust – aus Angst vor einer weiteren Niederlage." Mit einem unschuldigen Seitenblick fügte er hinzu: „Draco? Was hast du denn?"

„Nichts. Und jetzt beeil dich, ich will noch schnell duschen, bevor wir rauf gehen."


Als die beiden den Gemeinschaftsraum der Gryffindors betraten – der dem der Ravenclaws vom Aufbau her recht ähnlich sah, auch wenn die Dekoration etwas mehr in Grenzen gehalten wurde –, war die Feier wie in der Woche zuvor schon in vollem Gange.

Doch im Gegensatz zur Woche davor entdeckte Draco weit und breit keine dunkelhaarige Besserwisserhexe, die seine Sinne mit einem Mangel an Kleidung durcheinander bringen können hätte.

Nicht, dass ihn jemand wie Granger wirklich durcheinander bringen können hätte. Es war nur so, dass er im angetrunkenen Zustand offensichtlich nicht mehr besonders wählerisch war, wie er ja schon bewiesen hatte.

Auch wenn er es nie zugegeben hätte, entspannte Draco sich durch ihre Abwesenheit augenblicklich, und so fiel es ihm leicht, sich von der ausgelassenen Stimmung mitreißen zu lassen; er konnte etwas Ablenkung und vor allem eine Menge Alkohol gut gebrauchen.


Hermine hatte die Zeit genutzt, um Spazieren zu gehen; in die Bibliothek konnte sie ohnehin nicht zurück, da sie befürchtete, erneut über Malfoy zu stolpern, und davon abgesehen hatten die Ländereien von Hogwarts und vor allem der Ausblick auf den See eine sehr beruhigende Wirkung auf sie.

Als ihre Wut endlich verraucht war, stand Hermine vor einem Problem: zurück in den Gryffindor-Turm wollte sie nicht, schon gar nicht wegen der zweiten Hausparty. Als es schließlich dunkel und dementsprechend kälter wurde, nutzte Hermine die Gelegenheit, um Hagrid noch einen kurzen Besuch abzustatten.

Irgendwann war es aber unumgänglich, in den Gemeinschaftsraum zurückzugehen – der Halbriese und auch Fang gähnten schon im Fünfminutentakt, und Hermines ausgeprägter Sinn für Höflichkeit siegte schnell über ihren Wunsch, am liebsten die ganze Nacht weg zu bleiben.

Trotzdem trödelte sie am Weg zurück zum Schloss noch so lange wie möglich herum, bis sie schließlich, durch die kühle Herbstnacht halb erfroren und unfreiwillig am ganzen Körper zitternd, keine Möglichkeit mehr fand, die unangenehme Konfrontation mit den anderen hinauszuzögern.

Das wird schon nicht so schlimm. Einfach schnell durch den Gemeinschaftsraum durch, die Stiege hoch und schon kann ich mich im Schlafsaal totstellen. Ich muss ja nicht einmal mit irgendwem reden.


Ginny hatte die Frage, die ihr die letzte Woche einfach nicht aus dem Kopf gehen wollte, endlich gelöst; nämlich die, wer der Unbekannte, der ihr Harry weggenommen hatte, war.

Mit dem steigenden Alkoholpegel wurde das anfangs noch unterschwellige Geflirte zwischen den beiden immer offensichtlicher. Ginny hätte bei der Ironie des ganzen am liebsten laut aufgelacht, gleichzeitig wurde ihr vor lauter Frust schlecht.

Es handelte sich um niemand geringeren als Michael Corner, einen Ravenclaw aus Harrys Jahrgang, mit dem Ginny zwei Jahre zuvor fast zusammengekommen wäre – wäre da nicht Harry gewesen.

Aber sie hatte daraus auch etwas Positives geschaffen. Nämlich ein Trinkspiel – jedes Mal, wenn sich die beiden jungen Männer zufällig berührten, nahm Ginny einen kräftigen Zug aus der Feuerwhiskeyflasche in ihrer Hand.

Bei den vielen Andeutungen, die sie sah und der inzwischen nur noch zu einem knappen Viertel vollen Flasche konnte Ginny kaum glauben, dass sie es nicht früher bemerkt hatte.

Blaise hingegen war stocknüchtern – Ginny war ihm schon beim Betreten des Raumes aufgefallen, wie sie gegen einen der Getränketische gelehnt dastand, die Whiskeyflasche fest an sich gepresst.

Er hatte daraufhin einige Male versucht, sie der Rothaarigen unauffällig abzunehmen, das einzige Resultat seiner Bemühungen bestand allerdings darin, dass sie ihn unter Benützung einer recht kreativen Sammlung an Schimpfwörtern zum Teufel schickte.

Seitdem stand er etwas abseits und wartete. Er wusste, dass irgendetwas passieren würde.

Gerade stand Michael Harry gegenüber, und berührte, während sie sich unterhielten, ganz zufällig Harrys Arm. Ginny trank einen weiteren, großen Schluck.

Was zum Teufel hatte der Kerl, was sie nicht hatte? War sie denn so abstoßend, dass Harry ihr sogar Männer vorzog? Ginny sah an sich herab. Sie hatte für den heutigen Abend ein einfaches, aber stilvolles schwarzes Cocktailkleid gewählt, das nur mit einem roten Band um die Rippen verziert war, hatte dazu Rote High Heels und ein paar weitere rote Accessoires kombiniert.

Wahrscheinlich sah das Ganze in Kombination mit ihren roten Haaren lächerlich aus, außerdem war ihre Brust viel zu klein für dieses Outfit. Ginny beschloss, dass sie aussehen musste wie ein Storch.

Dann bemerkte sie, wie sich Michael von Harry entfernte, anscheinend, um neue Getränke zu holen.

Entschlossen stellte Ginny die nun ohnehin fast leere Flasche auf den Tisch und ging zu Harry hinüber. Sie wollte jetzt wissen, was mit ihr nicht stimmte.

„Hey Ginny.", grüßte Harry sie mit einem Lächeln, das sie ihm am liebsten aus dem Gesicht geschlagen hätte.

Stattdessen aber verschränkte Ginny ihre Arme und fragte geradeheraus: „Und, wie läuft's mit Michael?"

Zufrieden registrierte sie, wie der glückliche Gesichtsausdruck einem entsetzten wich.

„Was... Wie kommst du darauf…", stotterte Harry, wurde aber sofort von ihr unterbrochen.

„Weißt du, lassen wir das ganze Drumherumgerede und kommen gleich zum Punkt."

Blaise hatte sich unauffällig schräg hinter Ginny gestellt und legte nun seine Hand auf ihre Schulter, um auf sich aufmerksam zu machen. „Ginny, ich denke, wir sollten jetzt besser gehen.", sagte er freundlich, aber bestimmt.

Sie achtete nicht weiter auf Blaises Worte und machte stattdessen einen Schritt zur Seite, um seine Hand loszuwerden. Dann fuhr sie fort: „Hab ich dich irgendwie dazu gebracht? Ich meine, war ich denn so schlecht im Bett, dass du gleich ans andere Ufer wechseln musstest? Hab ich dich irgendwie abgeschreckt? Oder kann Michael irgendwas ganz besonderes, das dich plötzlich umgepolt hat?"

Harry warf hastige Blicke zu den umstehenden Mitschülern. „Ginny, können wir ein andermal…"

„Was denn?", begann sie lachend, und fuhr dann mit immer lauter werdender Stimme fort, „Schämst du dich etwa? Ich finde, jeder sollte wissen, dass der berühmte Harry Potter – mpf!"

Blaise war in einer schnellen Bewegung hinter sie getreten und hatte ihr nun eine Hand über den Mund gelegt, während er mit der anderen Hand um ihre Taille fasste – wie erwartet begann Ginny nach einem kurzen Moment der Verwunderung, wie wild um sich zu schlagen und versuchte, sich von ihm loszureißen.

Im nächsten Augenblick biss sie ihm mit aller Kraft in die Handfläche, doch Blaise verzog keine Miene. An Harry gewandt fragte er knapp: „Hast du deinen Zauberstab bei dir?"

„Ja, aber was…"

„Laber nicht rum, sondern sei so nett und leg wenigstens einen Schweigezauber auf sie, damit sie nicht schreit wie eine Verrückte, während ich sie rausbringe."

Harry nickte dankbar und befolgte Blaises Anweisungen hastig. „Silencio."

Daraufhin löste Blaise seine inzwischen blutige Hand von Ginnys Mund, legte stattdessen blitzschnell einen Arm um ihren Rücken, den anderen unter ihre Kniekehlen und brachte sie mit einem leichten Tritt gegen die zu hohen Absätze aus dem sowieso schon sehr instabilen Gleichgewicht.

Mit eisernem Griff und völlig ignorierend, dass die stumm fluchende Gryffindor wie verrückt auf ihn einschlug trug er sie einfach auf den Gang hinaus.

Ein Stockwerk später hatte der Schweigezauber seine Wirkung verloren und Ginny begann, ihn anzuschreien –Blaise ließ sie einfach fallen.

Verdattert am Boden sitzen vergaß Ginny sogar, ihr Gebrüll fortzusetzen. Im nächsten Moment hatte Blaise sich neben sie gekniet, sein – wie sie erst jetzt erkannte ziemlich aufgebracht wirkendes – Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt.

„Wenn du nicht sofort die Klappe hältst, werfe ich dich aus dem nächsten Fenster.", zischte er und wartete dann kurz, um sicherzugehen, dass sie auch wirklich gehorchte.

Dann fuhr er mit kühler, kontrollierter Stimme fort: „Du warst da drinnen knapp davor, einen deiner besten Freunde so sehr zu verletzen, dass du eure Freundschaft garantiert als beendet ansehen können hättest. Auch wenn du im Moment selbst sehr verletzt bist und Harry alles Mögliche an den Hals wünschst, wissen wir doch beide, dass du es nicht im Mindesten ernst meinst. Das solltest du als beinahe erwachsene Frau wissen. Und auch wenn er sich wie ein Arschloch dir gegenüber benommen hat, heißt das nicht, dass du dich wie ein noch viel größeres Arschloch verhalten musst. Vielleicht wäre es etwas angebrachter, wenn du dich verdammt noch mal vernünftig mit ihm auseinandersetzen würdest statt immer nur so zu tun, als würde es dir gut gehen. Und wenn du es noch einmal wagst, dass du mich beißt oder schlägst, weil ich dich vor einer Situation bewahre, die du später bereuen würdest, kannst du was erleben."

Ginny nickte schnell und Blaise konnte selbst im Halbdunkel erkennen, wie es in ihren Augen feucht glitzerte. Sofort verschwand der kalte Ausdruck in seinen Augen und er schloss sie fest in die Arme.

„Komm, Ginny… Es ist definitiv Zeit, schlafen zu gehen.", murmelte er leise, während er ihr noch einmal tröstend über die Haare strich und ihr dann auf half.


Als Hermine den Gemeinschaftsraum betrat, war die Party noch in vollem Gange. Doch statt nach ihren Freunden Ausschau zu halten oder überhaupt irgendjemanden zu beachten, setzte sie schnellen Schrittes ihren Weg zum Mädchenschlafsaal fort.

Sie hatte heute keine Lust mehr, mit irgendjemandem zu reden, und die meisten hier im Raum waren sowieso sauer auf sie oder tratschten hinter ihrem Rücken. Die Szene von heute Nachmittag hatte sicher schon die Runde gemacht.

Draco bemerkte die dunkelhaarige Gryffindor im Unterschied zu den meisten anderen Gästen, und sah ihr nachdenklich nach. Er hatte sich den halben Abend gefragt, warum ihn plötzlich niemand mehr mit irgendwelchen hirnrissigen Gerüchten nervte. Noch viel seltsamer war, dass Ron ihn völlig in Ruhe ließ und nicht wirklich Spaß an der Feier haben zu schien.

Schließlich hatte ihm ein recht redseliger, jüngerer Gryffindor, den er nicht kannte von den Vorkommnissen des Nachmittags erzählt, und Draco kam nicht umhin, zumindest ein wenig dankbar dafür zu sein – immerhin hatte ihr Ausraster die Leute dazu gebracht, ihn auch endlich in Ruhe zu lassen.

Allerdings fragte sich Draco gleichzeitig, ob Hermine wirklich nur wegen den Gerüchten so wütend gewesen war. Er hatte sie in dieser Hinsicht über die Jahre gut genug kennengelernt, um zu wissen, dass Hermine normalerweise recht gut darin war, die Meinungen anderer zu ignorieren.

Hatte sie etwa ihr Zusammentreffen in der Bibliothek so aufgeregt? Irgendwie gefiel ihm die Vorstellung, dass sie ihn so wichtig nahm, gleichzeitig glaubte Draco nicht wirklich, dass das der Grund sein konnte. Wahrscheinlich hatte sich in der Zwischenzeit noch irgendetwas mit Narbengesicht oder Weaslebee abgespielt.

Im Endeffekt stellte sich allerdings wieder die Frage, warum er überhaupt darüber nachdachte, was Granger beschäftigte.

Draco schüttelte kurz den Kopf, und versuchte sich dann wieder auf Pansy zu konzentrieren, die schon die längste Zeit neben ihm stand und unbeirrbar vor sich hin plapperte.