So, hier wieder ein bisschen was von Hanna und Murphy :)


How to get your personal Saint

-9-

(Mittwoch, um die Mittagszeit)

Murphy und Hanna erwachten am nächsten Tag aus einem unruhigen Schlaf auf ihren provisorisch eingerichteten „Betten". Hanna setzte sich auf und streckte die steifen Glieder. Sie hatte wohl noch ein wenig besser geschlafen als Murphy, denn er hatte ihr freundlicherweise erlaubt ihn als Kopfkissen zu missbrauchen.

Murphy erwachte mit einem unangenehmen Gefühl im Rücken und einem extrem knurrenden Magen, doch ein Blick zu Hanna sagte ihm, dass sie diese Gefühle zu teilen schienen.

„Morgen... oder wie viel Uhr auch immer es ist." Hanna lächelte Murphy müde und nicht besonders enthusiastisch an. Er gähnte und brachte ebenfalls ein „Morgen" zustande.

Hanna stand auf und streckte sich erneut. „Ob die uns wohl was zu essen bringen...?" Murphy zuckte mit den Achseln und erhob sich dann auch.

„Keine Ahnung, wirklich. Ich bin allerdings dafür, dass wir jetzt wo es hell ist mal nach einem Ausgang suchen." Er blickte sich um, als könnte er vielleicht irgendwo ein Schild mit der Aufschrift „Hier geht's raus" entdecken.

Er murmelte etwas, doch Hanna konnte es nicht genau verstehen. Er ging dann schließlich in eine Richtung davon. Über die Schulter rief er noch nach hinten „Sie du mal in der anderen Richtung nach!"

Sie wusste nicht so recht wie sie sein verhalten jetzt deuten sollte, folgte jedoch seinen Anweisungen und tat seine Laune als Morgenmuffeligkeit ab. Sie hatte sehr schnell das Ende der Lagerhalle erreicht und konnte mit einem Blick sehen, dass es dort sicherlich keinen Ausgang gab. Sie drehte sich auf der Stelle um und wollte zu Murphy laufen, als ihr jedoch auf Grund der plötzlichen Bewegung kurz schwindelig wurde und ihre Wunde auf der Stirn für einen Moment noch stärker pochte als sowieso schon.

„Was ist los?" kam Murphy's Stimme von vorne. Er hatte wohl auch keinen Erfolg gehabt. Hanna lies schnell ihre Stirn los und stieß sich von der Wand ab, gegen die sie sich gelehnt hatte.

„Ach nichts... ich bin bloß noch müde."

Murphy war wohl nicht ganz überzeugt, denn er kam auf sie zu und packte ihren Kopf auf eine Art die keine Widerrede zuließ. „Lass mal sehen..." murmelte er leise während er ihre Stirnwunde genauestens begutachtete. „Hm..." „Was ?" „Ich glaube die Wunde hat sich leicht entzündet." „Ach was... das ist nichts!" sie entzog sich seinem Griff und machte sich wieder auf den Weg zurück zu der Stelle, wo sie geschlafen hatten.

Ihre Wunde pochte ziemlich heftig, aber sie wagte es nicht mit der Hand dahin zu fassen. Murphy würde sie nun sicherlich beobachten und sie wollte ihn nun wirklich nicht auch noch mit so was belasten.

Hanna kletterte auf eine der Kisten und legte sich auf den Rücken, lies aber noch die Beine über den Rand baumeln. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich auf das Pochen in der Wunde. Irgendwie hoffte sie, auf diese Weise den Schmerz bezwingen zu können. Nach wenigen Momenten gab sie jedoch seufzend auf und öffnete die Augen wieder um sie ein bisschen umherschweifen zu lassen. Sie hatte ja eh nichts Besseres zu tun. Sie stutze, als sie die Decke betrachtete.

„Murphy ?... Schau mal zur Decke." Murphy der unten auf dem Boden saß folgte ihrem Fingerzeig und entdeckte eine riesige, leider geschlossene, Ladeöffnung. Sie war mindestens Zehn mal Zehn Meter breit und musste wohl für die Fracht, die ganzen Kisten, da sein.

Hatte man sie auch auf diesem Wege hier herunter gebracht?

„Meinst du die haben uns hier runter geworfen?" fragte Hanna, glaubte allerdings nicht wirklich dran. Das wären so an die 13-15m mindestens. So einen Sturz hätten sie gar nicht überleben können.

Murphy überging die Frage. „So'n Mist. Das heißt wir sind wirklich vollkommen darauf angewiesen, dass uns jemand hier herausholt. Da ist nichts mit Überraschungsmoment, oder gar Flucht... verdammt." Das letzte Wort war wohl mehr an ihn selbst gerichtet. Er musste viele Gedanken darauf verwendet haben, einen Weg zu finden unmittelbar nach andocken des Schiffes zu fliehen.

Hanna setzte sich auf und blickte ihm ins Gesicht. Er sah müde aus. „Wie geht es denn eigentlich deiner Beule?" Sie hüpfte von ihrer Kiste herunter und verzog für einen Moment das Gesicht, als ihr Kopf wieder blitzartig schmerzte. Der Moment war allerdings schnell vorbei. Sie kniete sie ganz dich vor Murphy auf den Boden.

Sanft zog sie ihn, trotz dem er sich ein wenig sträubte, zu sich und betastete vorsichtig seinen Hinterkopf. Sie lies ihren Blick die ganze Zeit auf seinem Gesicht um zu beobachten an welchen Stellen er Schmerz empfand.

Nachdem er im Vergleich zu Gestern lediglich kaum merklich das Gesicht verzog, lies sie von seiner Beule ab und ihre Finger glitten sanft und langsamer als wahrscheinlich angebracht über seinen Nacken und kamen schließlich auf seinen Schultern zur Ruhe.

Murphy's Gesichtsausdruck hatte irgendwo in der Sekunde zwischen dem Beule Betasten und dem Berühren seiner Schulten von Unbehaglich zu vollkommen Eindringlich gewechselt. Seine blauen Augen schienen dunkler als sonst und waren auf ihre fixiert.

Hanna fühlte die Röte in ihr Gesicht steigen und wandte ihren Blick ab. War ihre Zärtlichkeit zu auffällig gewesen? Verlegen wollte sie ihre Hände von seinen Schultern nehmen und sich ein Stück von ihm wegsetzen, als seine Hände plötzlich ihre griffen und sie da hielten wo sie waren. Überrascht und ein wenig geschockt trafen ihre Augen wieder seine.

Als seine Hände anfingen langsam über ihre Arme zu wandern formte sich eine kribbelige Spannung in ihrem Unterleib und ihr Atem ging schneller.

Da hatte sich seine eine Hand bereits um ihre Taille gelegt und sie zu ihm auf den Schoß gezogen, während die andere über ihre Schultern in ihren Nacken gewandert war. Einen Moment lang schien er zu zögern, als ob er auf eine Art Protest ihrerseits wartete. „Murphy ..." Ihre Stimme war rau und mehr oder weniger bloß ein Flüstern.

Doch dann ging alles ganz schnell. Mit einem Mal war Murphy über ihr, seine Hände schienen jeden Zentimeter ihres Körpers zu berühren und sein Mund presste sich fordernd auf ihren. Sie konnte ihre Arme nur um ihn schlingen und sich an ihn klammern.

Alles war so intensiv und Hannas Gefühle durchfluteten sie, sodass sie fürchtete sie müsse in ihnen ertrinken, wenn er nicht bald wieder ein wenig Abstand nahm. Doch Murphy schien nicht die Absicht zu haben. Als sich seine Hand langsam unter ihr Poloshirt schob wusste sie, dass sie keine Chance hatte.

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Murphy wusste nicht was über ihn kam. Die ganze letzte Nacht hatte sie beinahe auf ihm gelegen und er wäre beinahe wahnsinnig geworden. Am nächsten Morgen nach einer entsprechend durchwachsenen Nacht, war er verständlicherweise eher nicht so gut gelaunt gewesen.

Doch dann waren ihre Finger vorhin so sanft über seinen Nacken gestrichen, dass er eine Gänsehaut bekam, als er daran zurück dachte. Sie wusste es bestimmt nicht, dessen war er sich sicher, doch ihr Blick zeigte ein Verlangen, das ihn sofort erregte.

Als sie dann plötzlich rot wurde und sich von ihm abwenden wollte, fühlte er sich in seiner Vermutung bestätigt, dass sie ihn unbewusst so angesehen hatte.

Er hatte sie zu sich gezogen und als sie dann seinen Namen mit dieser sexy rauen Stimme flüsterte verlor er die Beherrschung. Er presste sie gegen sich und drückte seinen Mund auf ihren. Er brauchte nicht lange auf die Erwiderung warten.

Seine Hände waren überall und er beugte sich über sie während er sie zu Boden drückte und seine Hand langsam unter ihr T-Shirt schob. Er wollte sie so sehr. Schnell und mit minimalem Kontaktverlust hatte er ihr das Poloshirt ausgezogen. Inzwischen schien auch sie von der Lust gepackt worden zu sein, denn auch sein Shirt war er kurz danach los.

Langsam bahnten sich seine Lippen einen Weg über ihre Schulter bis sie allmählich die sanfte Wölbung ihrer Brust erreichten. Er unterbrach sich kurz und wollte auch das letzte Kleidungsstück obenrum entfernen. Da seufzte Hanna ungeduldig, setzte sich auf und erledigte dies binnen weniger Sekunden selber.

So lag sie vor ihm, unter ihm, und schaute ihm in die Augen, als wartete sie darauf, dass er etwas tat. Murphy konnte seine Augen nicht von ihr nehmen und konnte gar nicht genug bekommen, von ihrem verklärten und doch so sehr auf ihn fixierten Gesichtsausdruck. Ihre Wangen waren gerötet und ihr Haar leicht zerzaust. Sie schien genauso erregt zu sein wie er, denn ihre Brüste waren fest und ihre Nippel hart und hervorstehend, als warteten sie darauf in den Mund genommen zu werden

Da setzte sie sich leicht auf und nahm seine Hand. Und dann berührte und liebkoste er ihre nackte Brust während er sie wieder stürmisch küsste.

Er fühlte wie ihre Hände über seinen Rücken streichelten und langsam immer tiefer glitten, bis sie schließlich seinen Hosenbund erreichten. Ihre Hände wanderten langsam am Hosenbund entlang bis sie vorne ankamen.

Mit viel Geschick öffnete sie seinen Gürtel und knöpfte seine Hose auf. Diesmal unterbrach er sie indem er sich aufsetzte und schnell ebenfalls ihre Hose öffnete. Sie hob ihre Hüfte und half ihm sie ab zu streifen. Danach setzte sie sich auf und begann an seiner Hose zu zerren. Als er sie endlich ausgezogen hatte, warf er sie achtlos beiseite.

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Sie waren wenige Momente davon entfernt es zu tun. Hanna fühlte ein tiefes Bedürfnis ihn endlich in sich zu spüren. Wie er da in Boxershorts vor ihr kniete war einfach unwiderstehlich. Wenige dunkle Härchen sammelten sich an seinem Bauchnabel und formten einen schmalen Pfad, der in seinen Shorts verschwand.

Sie beugte sich vor und küsste ihren Weg bis zur letzten Barriere. Sie spürte wie Murphy ein Schauer durchfuhr und ihm leise ein Stöhnen entglitt. Seine Erektion war durch den dünnen Stoff mehr als deutlich zu sehen. Eine beinahe unerträgliche Spannung in ihrem Unterleib erinnerte sie daran wo genau sie diese jetzt spüren wollte.

Ungeduldig machte sie sich daran seine Shorts nach unten und ihm auszuziehen.

Sie kam nicht umhin ihn anzustarren. Sie war definitiv zufrieden.

Dann wurde sie von Murphy wieder auf den Boden gedrückt. Doch er neckte sie, indem er sich fast schmerzhaft viel Zeit damit ließ ihr Höschen nach unten zu ziehen. Sie wollte es schon selber tun, doch er ließ sie nicht.

Er beugte sich schließlich über sie und sie konnte ihn spüren und versuchte ihm mit ihren Hüften entgegen zu kommen. Mit einer Hand legte er eines ihrer Beine um seine Hüften und mit der anderen Hand stützte er sich ab, damit sie nicht sein ganzes Gewicht tragen musste.

Hanna schlang ihr anderes Bein auch um ihn und wollte ihn runter drücken. Genervt schaute sie in sein Gesicht als er sie nicht gewähren ließ und sah dass er sie neckend angrinste.

Sein Gesichtsausdruck wurde wieder ernst und er küsste sie, wie er sie bis jetzt noch nicht geküsst hatte. Er verschlang sie beinahe.

Und dann drang er in sie ein.

Hanna keuchte in seinen Mund und auch er konnte ein Aufstöhnen nicht unterdrücken. Er begann sich zu bewegen und sein Rhythmus wurde allmählich immer schneller und er brachte Hanna mit jedem Stoß dem Höhepunkt ein Stück näher.

Er füllte sie vollkommen aus und Hanna wandelte zwischen Genuss und leichtem Schmerz, wobei ersteres eindeutig überwog und letzteres auch nicht unangenehm war. Sie spürte wie Murphy immer wieder seine Hand in ihren Schritt führte um ihrem Orgasmus auf die Sprünge zu helfen.

Sie hätte im Nachhinein nicht mehr sagen können wie lange es gedauert hat, doch mit einem letzten kraftvollen Stoß kam sie heftiger denn je. Sie klammerte sich an ihn und biss ihm in die Schulter um nicht laut aufschreien zu müssen. In vollkommener Ekstase wartete sie beinahe hilflos darauf, dass ihr Körper aufhörte zu zittern. Es war das erste Mal, dass ein Mann sie beim ersten Sex mit ihm zum Höhepunkt gebracht hatte. Nicht Mal Hamilton war das gelungen und er war ein sehr aufmerksamer und geschickter Liebhaber gewesen.

Murphy stieß noch einige letzte Male zu bevor auch er für einen Moment in ihren Armen ganz starr wurde und seinen Höhepunkt genoss. Dann ließ er sich kraftlos in ihre Arme sinken und sie hielt seinen Kopf an ihre Brust während beide versuchten wieder zu Atem zu kommen.

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Nach wenigen Momenten rollte Murphy von Hanna runter. Er war ja nun doch um einiges schwerer als sie. Er zog sie jedoch zu sich und hielt sie in seinen Armen. Sie war leicht verschwitzt und hatte die Augen geschlossen. Immer noch leicht außer Atem drückte er ihr nach wenigen Minuten einen Kuss auf die Stirn und richtete sich auf um seine Sachen zusammen zu suchen.

Er merkte, dass Hanna protestieren wollte, allerdings durften sie nicht vergessen wo und in was für einer Lage sie sich befanden.

Er drehte sich mit dem Rücken zu ihr und begann sich an zuziehen.

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Hanna schaute Murphy einen Moment lang beim anziehen zu, bevor auch ihr wieder schlagartig bewusst wurde, dass sie sich in einer riesigen Lagerhalle befanden und jeden Moment jemand kommen konnte.

Sofort blickte sie sich nach ihrer Unterwäsche um und fand auch schnell ihr Höschen. Als sie danach auch endlich ihren BH gefunden und angezogen hatte ging sie hinüber zu Murphy, wo ihre Hose lag. Auf dem Weg hob sie auch noch ihr Poloshirt auf und zog es über. Er hatte sich, obwohl er bereits wieder vollkommen angekleidet war, noch nicht wieder zu ihr umgedreht.

Sie schlüpfte schnell in ihre Hose und räusperte sich. Sie war ein wenig verletzt und wusste nicht so recht warum jetzt so eine merkwürdige Atmosphäre zwischen ihnen entstanden war.

Aber sie wollte auch nicht zu voreilig sein. Vielleicht interpretierte sie auch einfach zu viel hinein und er wollte einfach nur höflich sein und sie nicht anstarren, während sie sich anzog.

Hanna hielt dieses unangenehme Schweigen nicht mehr aus. Sie legte ihre Hand sachte auf seinen Arm und ging um ihn herum. „Ist etwas?" Sie war nervös, schaute ihm aber trotzdem ins Gesicht. Es zuckte um seine Mundwinkel und es dauerte nur einen kurzen Moment, bevor Hanna verstand, dass er sich zusammen riss um nicht los zu lachen.

Jetzt war sie erst recht verletzt. Lachte er sie aus?

Sie nahm ihre Hand von seinem Arm und wich einen Schritt zurück. „Lachst du? Was ist denn so komisch?... Lachst du... lachst du mich etwa aus?"

Murphy schien den verletzten Ton in ihrer Stimme gehört zu haben, denn das offensichtliche Lachen verschwand aus seinen Augen, obgleich sein Gesichtsausdruck immer noch alles andere als ernst war.

„Nein... was? Hanna, nein." Er zog sie zu sich und schloss sie in seine Arme. Hanna war erleichtert.

„Ich lache über die Gesamtsituation..." und dann lachte er wirklich. Er legte seine Stirn an die ihre und schaute ihr immer noch belustigt in die Augen. „ Wir werden entführt und in einer Lagerhalle gefangen gehalten und haben nichts Besseres zu tun als eine Nummer auf dem Boden zu schieben..." Jetzt musste auch Hanna kichern.

„Scheiße.." er schmunzelte „Sie haben das vielleicht sogar auf Video!". Er grinste als Hanna krebsrot im Gesicht wurde.

„Oh Gott... das ist ja peinlich." Sie blickte sich um, als könnte jeden Moment ein Filmteam hinter der nächsten Kiste hervorspringen. Sie lehnte sich gegen Murphy, legte ihren Kopf an seine Brust und seufzte. Das war jetzt auch egal und wenn es so war, dann würden sie das jetzt eh nicht ändern können.

Jetzt wo sie allmählich zur Ruhe gekommen und ihre Körper wieder in der Lage war anderes wahrzunehmen außer Murphy's Berührungen, spürte sie den Schmerz in ihrer Stirn sehr deutlich.

Er war während sie mit Murphy geschlafen hatte, vollkommen als dumpfes, leichtes Pochen in den Hintergrund getreten.

Jetzt nach dieser körperlichen Anstrengung war der Schmerz heftiger als zuvor und sie fühlte wie die Kopfschmerzen sich auf den ganzen Schädel ausbreiteten. Dazu kam, dass sie seit anderthalb Tagen nichts getrunken hatte.

Sie war froh, dass Murphy ihr Gesicht nicht sehen konnte und das sie gegen ihn lehnte, denn jetzt war ihr leicht schummrig zu mute. Sie wollte sich hinlegen und schlafen.

„Ich bin tot müde." Sie brachte ein Lächeln zu Stande und wollte sich von ihm lösen um sich auf eine der Kisten zu legen.

Murphy jedoch hielt sie fest und grinste sie anzüglich an. „Hab ich dich so geschafft?"

Unter anderen Umständen wäre sie sicherlich auf diese Unterhaltung eingegangen. Jetzt küsste sie ihn jedoch lediglich kurz und sagte „Ja..." bevor sie ihm noch ein Lächeln schenkte und sich umdrehte.

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Murphy hatte das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Er beobachtete wie Hanna mühselig auf die nächste Kiste kletterte, sich sofort hinlegte und ruhig liegen blieb. Sie hielt ihren Kopf in beiden Händen.

Dann realisierte Murphy plötzlich, dass ihre Kopfwunde zusammen mit der körperlichen Anstrengung und dem absoluten Wassermangel höllische Kopfschmerzen verursachen musste.

So wie sie dort lag und ihren Kopf hielt musste das der Fall sein. Er seufzte, er war natürlich ebenfalls angeschlagen, aus beinahe denselben Gründen, obgleich seine Beule nicht mit ihrer Verletzung zu vergleichen war, doch hatte er schon einige Male in misslichen Lagen wie so einer gesteckt. Sein Körper würde das vorerst verkraften

Wobei auch ihm der Wasser und Nahrungsmangel wirklich zu schaffen machen würden. Spätestens am nächsten morgen würden sie sich beide tot elend fühlen. Hoffentlich würde irgendwer auf diesem Schiff Mitleid mit ihnen haben.

Es gab eh nichts Besseres zu tun, deshalb kletterte er behutsam auf die Kiste auf der Hanna zu schlafen schien. Er legte sich neben sie und schaute sie an. Ihr Gesicht war immer noch leicht gerötet und ihre Haare hatte sie nicht kämmen können oder etwas in der Art. Obwohl sie schon besser ausgesehen hatte, fühlte er sich stärker als zuvor zu ihr hingezogen.

Sie war unglaublich. Irgendwie ein wenig naiv und schüchtern, und doch gleichzeitig so wagemutig und temperamentvoll. Er hatte schnell bemerkt, dass er sich körperlich zu ihr hingezogen fühlte. Das war ihm schon aufgefallen, als sie zusammen auf der Couch gelegen hatten.

Das war noch nicht Mal ne Woche her und doch kam es ihm schon viel länger vor. Jetzt wusste er jedoch, dass er mehr für sie empfand. Er wollte unter allen Umständen verhindern, dass ihr etwas passierte. Vorsichtig strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht.

Sie war ungewöhnlich warm dafür, dass sie hier nur im T-Shirt lag. Er hoffte inständig, dass sie nicht krank wurde. Das war das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnten.

Er rückte etwas näher zu ihr und legte einen Arm um sie ohne sie zu wecken. Dann schloss auch er seine Augen und versuchte zu schlafen.

Während er langsam in die unwirkliche Welt des Schlafes gezogen wurde, fiel ihm plötzlich ein Geräusch auf, das bis vor wenigen Momenten noch nicht da gewesen war.

Sofort öffnete er die Augen und blickte sich um. Da entdeckte er über ihnen an der Decke eine offene Luke durch die ein Korb an einem Seil hinab gelassen wurde. Plötzlich war er hell wach. Er stand auf, sprang von der Kiste und lief dort hin, wo der Korb vermutlich den Boden berühren würde.

Der Korb hatte ihn beinahe erreicht. Er blickte noch mehrere Male nach oben, doch er konnte niemanden entdecken.

Dann konnte er den Korb endlich berühren und entgegen nehmen. Er löste ihn von dem Haken an dem er befestigt war und stellte fest, dass er schwerer war, als er aussah. Sofort wurde das Seil wieder nach oben gezogen.

Er stellte ihn auf den Boden. Drinnen befanden sich mehrere Dosen Ravioli, um die fünf bis sechs Liter Wasser, zwei Löffel, ein Dosenöffner und ein Briefumschlag.

Den konnte er später öffnen. Er schnappte sich eine Flasche Wasser und eilte zu Hanna. Vorsichtig rüttelte er sie um sie zu wecken. „Hanna? wach auf. Hier, sie haben uns was zu Essen und zu Trinken gebracht." Sie schien nur widerwillig die Augen zu öffnen und machte einen verwirrten Eindruck.

„Was ist? Wieso hast du mich geweckt... ich will schlafen." Sie drehte sich um und legte die Arme schützend um den Kopf.

„Du kannst nachher schlafen. Komm schon..." Er packte sie zog sie in eine aufrechte Position. „...erst musst du was trinken!" Mit einer Hand hielt er sie am Oberarm fest, damit sie sich nicht wieder hinlegen konnte und mit der anderen und den Zähnen öffnete er die Flasche.

Dann hielt er ihr die Flasche hin.

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Hanna fühlte sich völlig entkräftet. Als Murphy ihr so die Flasche hinhielt konnte sie in seinen Augen sehen, dass er um sie besorgt war. Nur ihm zu liebe zwang sie sich dazu etwas zu trinken.

Doch schon nach wenigen Schlucken setzte der Durst ein und sie trank mehr als die halbe Flasche, bevor sie gezwungen war wieder zu Atmen. Murphy lächelte zufrieden.

„Jetzt kannst du gerne Schlafen." Er trank den Rest aus der Flasche und sprang wieder von der Kiste.

Erst jetzt entdeckte Hanna den Korb, der auf dem Boden stand. Dumpf erinnerte sie sich daran das Murphy auch was von Essen gesagt hatte, als er sie vorhin geweckt hatte.

Jetzt wo sie sich besser fühlte, wäre es so einfach halbwegs zufrieden einzuschlafen. Doch jetzt wurde ihr auch wieder ihr Hunger bewusst. Sie kletterte behutsam von der Kiste und gesellte sich zu Murphy, der bereits von einer zweiten Flasche Wasser getrunken hatte und jetzt dabei war eine der Dosen zu öffnen. Ein Blick sagte ihr, dass es Ravioli waren.

Ganz gewiss nicht ihr Lieblingsessen, aber definitiv besser als nichts.

Sie setzte sich ihm gegenüber und wartete darauf, dass er die Dose komplett öffnete.

Nach wenigen Momenten stellte er sie endlich auf den Boden zwischen ihnen. Er reichte ihr einen Löffel und einen behielt er für sich.

„Na dann, guten Hunger!" Er grinste sie an und sie grinste zurück. Dann machten sich beide über das Essen her.

Der Briefumschlag war erst mal vergessen.