Kommentar: So, leider hatte ich eine etwas längere kreative Pause einlegen müssen. Ich hoffe, der eine oder andere liest trotzdem wieder mit. Und (zur Frage aus den Reviews) es wird wohl noch zwei oder drei Kapitel geben.
Die Lektion, die Cecil am Loch Ness zu sehen bekam, war so überaus einprägsam, dass der Junge mehrere Tage danach noch aus dem Schlaf aufschreckte und sich seltsamer Weise immer erst beruhigte, wenn er zu Fenrir ins Bett durfte. Fenrir war der Meinung, dass dies überaus unlogisch war, denn immerhin hatte der Junge doch wohl eindeutig Angst vor ihm und dem, wozu er fähig war. Wieso er sich dann ausgerechnet beruhigte, wenn er in der Nähe war, war ihm schleierhaft.
Außerdem beunruhigte es ihn ein wenig, dass er seinerseits ein schlechtes Gewissen bekam, jedes Mal, wenn Cecil Nachts vor Angst wimmernd aufwachte. Warum sollte ihn das berühren? So war das Leben nun einmal. Vergehen wurden bestraft. Dennoch nagte es an Fenrir und streifte durch seine Gedankenwelt, wenn er nicht aufpasste.
Während er jetzt wach im Bett lag, als die Sonne bereits zum Fenster herein schien, musterte er den Jungen, der heute Nacht wieder zu ihm ins Bett gekrochen war. Cecil hatte es irgendwie geschafft, quer im Bett zu liegen, den Kopf auf Fenrirs Brust, den linken Arm angewinkelt, den rechten Arm gegen das Ohr des Werwolfs gedrückt. Fenrir war sich sicher, dass er bei einer solchen Schlafposition beim Aufwachen eine Nackenstarre haben würde, doch Kinder hatten damit augenscheinlich keine Probleme.
Ein hupendes Muggelgefährt auf der Straße vor seinem Haus ließ Fenrir zusammenzucken. Er fragte sich wirklich, wozu diese Ruhestörung nötig war. Kutschen hupten doch auch nicht. Vor allem diese merkwürdige Art von Hupe, die ständig hupte, ohne dass auch nur ein Muggel in der Nähe eines der abgestellten Automobile zu sehen war, ging Fenrir wirklich auf die Nerven. Es war nichts Neues, aber es ärgerte ihn jedes Mal mehr.
Auf dem Rücken liegend tastete der Werwolf nach seinem Zauberstab. Zum Glück des Besitzers des Automobils wollte Fenrir überkopf und ungenau durch die Wand zielend keinen Explosionszauber gegen das Muggelgefährt richten, sondern begnügte sich mit einem einfachen Stummzauber. Gleich darauf erfüllte eine wunderbare Stille den Raum. Jedenfalls für einen Moment.
"Was war das?", wollte Cecils verschlafene Stimme wissen. Der Junge hob den Kopf und blinzelte.
"Muggelkram", knurrte Fenrir als Antwort. //Man sollte das Zeug irgendwie verbieten//, dachte der Werwolf. Vermutlich würde es besser werden, wenn die Zauberer unter Voldemort endlich aus ihrem Schattendasein treten und die Muggel an ihren Platz verweisen würden. Dann würde vieles besser werden. Fenrir war schon immer davon überzeugt gewesen.
Der Werwolf schob Cecil von sich und stand auf. Der Junge sah ihm vom Bett zu, wie Fenrir seine Todesserrobe überstreifte. Heute war der Tag, von dem Voldemort gesprochen hatte. Heute sollte der Orden fallen.
"Gehst Du weg?", wollte Cecil noch recht verschlafen wissen und rieb sich die Augen.
"Ja."
"Darf ich mitkommen."
"Nein."
"Bitte."
"Nein!"
Einen Moment sah Cecil mit einer fast weinerlichen Schnute Fenrir zu, wie er die Knöpfe der Todesserrobe einen nach dem anderen schloss. Eine Träne kullerte dem Kind über die Wange und versetzte Fenrir einen ungekannten Stich in der Brust. "Nun gut. Dann zieh Dich an", knurrte er.
Sofort war die Träne weggewischt und Cecil in seiner Robe. Allerdings hatte er beide Arme in einem Ärmel und den Kopf nicht durch den Kragen bekommen. Fenrir schnaubte belustigt und half nach. "Aber dass Dir eins klar ist", sagte er und musste sich bemühen, streng zu klingen. "Du hältst Dich im Hintergrund und wenn Du es wagen solltest Dich nicht daran zu halten..."
//...dann bin ich vermutlich tot//, beendete Fenrir in Gedanken den Satz. Wenn Voldemort Cecil sehen sollte, würde ihm sofort klar sein, dass Fenrir ihn belogen hatte. "Halte Dich einfach versteckt", fügte Fenrir seinen Worten hinzu. "Lass Dich von niemandem sehen, sonst darfst Du nie wieder mit. Ist das klar?"
Cecil nickte. Er durfte jetzt mit. Alles andere war ihm in diesem Moment egal. Der Junge schlüpfte in seine Schuhe und ging zu Fenrir. Der Werwolf zog das Kind an sich und die beiden disapparierten, um wenig später in der Nähe des Glastonbury Tors zu erscheinen.
Vor einem Feld mit verfrorenen Halmen stand eine Reihe alter und dichter Bäume, in deren Schutz Fenrir Cecil mit seinem Zauberstab zurück ließ, um den unbewachsenen Hang hinauf zu gehen. Der Turm ragte in der Sonne des späten Vormittags in den blauen Himmel. Ein wenig Schnee lag noch in seinem Schatten.
Voldemort stand neben dem Bauwerk, eine Handvoll Todesser um sich gescharrt. Fenrir hätte sie kaum bemerkt, hätte er nicht gewusst, dass sie dort waren und er sich auf seinen Instinkt hatte verlassen können. Ein Verhüllungszauber lag über ihnen. Fenrir schloss zu ihnen auf und weitere Mitglieder seines Rudels folgten ihm wenig später.
Fenrir hatte keine Ahnung, was genau Voldemort an Intrigen gesponnen hatte, um die Ordensleute hierher zu bekommen. Er hatte nur die Anweisung, auf Voldemorts Befehl hin sich in einen Werwolf zu verwandeln und sofort anzugreifen. Ein Zauber würde verhindern, dass jemand aus dem nahen Umfeld des Turms apparieren konnte.
Fenrir interessierte es allerdings wenig, wie genau dieser Zauber funktionierte. Er kauerte nur angespannt in der Nähe des Turms und wartete mit den anderen. Ab und zu schweifte sein Blick zu den Bäumen, hinter welchen er Cecil in Sicherheit wusste.
Ein Stück vor diesen Bäumen apparierte unvermittelt eine Person. Fenrirs Hand glitt zu seiner Robentasche und der Phiole, als eine weitere Person erschien. Sein Herz schlug schneller, als er Harry Potter erkannte. Arthur Weasley war bei ihm, seine älteren Zwillingssöhne, Nymphadora Tonks und... //Lupin, dieser räudige Straßenköter.//
Fenrirs Augen wurden unwillig zusammen gekniffen. Remus Lupin hatte er gebissen, als dieser noch ein Kind gewesen war, kaum älter als Cecil. Doch der Junge war eine einzige Enttäuschung gewesen. Er hätte ihn besser einfach zerfleischt. Nun, das würde man noch nachholen können.
Voldemort gab den Befehl zum Angriff, als die Ordensmitglieder nahe genug herangekommen waren. Fenrir zog die Phiole hervor, wie es die anderen aus seinem Rudel auch taten. Er entkorkte die Phiole und trank den Wolfstrank in einem Zug aus. Nichts passierte.
