Twofacemirror: Vielleicht hatte ich es ein wenig eilig, die Beiden ins Bett zu kriegen ^^ Wer will es mir verübeln? Aber das heißt noch lange nicht, dass jetzt alles Friede-Freude-Eierkuchen ist ;-)

NickTessFan: Du machst mich baff. Nicht nur, dass du alles so schön auf den Punkt bringen kannst, du durchblickst auch jede einzelne Szene. Inzwischen juckt es mich, mal eine unvorhersehbare (und völlig schwachsinnige) Wendung einzubauen, nur um dich zu überraschen ;-) Nein, Quatsch. Obwohl es mich schon ein bisschen gruselt, dass deine Reviews so sehr mit meinen Notizen zu den Kapiteln übereinstimmen *lach*


Bin dank ausschweifender Arbeit nicht früher zum Upload gekommen *sorry*

Aber jetzt gehts weiter! Viel Spaß ;-)


Problemlösung

Wieder wachte sie als erste auf, wieder ohne ihren Zauberstab und wieder in seinen Armen. Das wurde allmählich zur schlechten Angewohnheit. Hermine strengte sich an, doch ihr träges Hirn setzte die Ereignisse der letzten Nacht nur zäh wieder zusammen. Jedes neue Bild, das langsam vor ihrem inneren Auge auftauchte und verschwand, verwandelte die Wärme seiner Berührung in ein unangenehmes Brennen. Was ihr in der Nacht noch so erstrebenswert erschien, konnte sie bei Tag nicht länger ertragen. Erst, als sie von ihm wegrutschte und sich auf die Suche nach ihren wenigen Kleidern begab, fühlte sie sich etwas besser. Ohne ihn zu wecken stahl sie sich davon mit dem dringenden Bedürfnis nach einer langen Dusche.

Ihr eigener Anblick erschreckte Hermine im ersten Moment so sehr, dass sie ihre Kleidung fallen ließ. Der Badezimmerspiegel zeigte sie zerzaust, mit blauen Flecken und blutverschmiert. Um ihre schlanken Handgelenke zog sich eine einzige Prellung und erst jetzt wurde sie sich der dumpfen Schmerzen bewusst, die ihre stürmische Nacht hinterlassen hatte. Selbst der große Schritt in die Badewanne kostete ihren steifen Körper einige Überwindung.

Das heiße Wasser tat unendlich gut, als es sie umspülte, auch wenn es in vielen kleinen Kratzern brannte. Aber Schmerz war gut, Schmerz bedeutete Leben. Und als sie den Kopf unter die Schaumberge tauchte, wunderte sie sich, ob sie ihm anbieten sollte, seine Wunden zu heilen. Hey, willst du meine Bisswunden von gestern Nacht behalten oder darf ich …? Spitze. Vielleicht sollte sie ihre Wunden auch dort lassen wo sie waren. Immerhin waren sie eine deutliche Warnung.

Aus der Kommode neben ihrem Bett zog sie für heute einen hochgeschlossenen Pullover, den sie sonst nur selten trug, da seine Ärmel einen Tick zu lang waren. Doch für heute war er genau richtig, stellte sie befriedigt fest, als sie sich im Spiegel betrachtete. Er verdeckte die Wunden an ihren Handgelenken und ließ auch sonst nichts erkennen. Und während Hermine sich selbst anstarrte, tauchte ihr Gehirn wieder in die letzte Nacht ein, brachte seine Berührung wieder auf ihre Haut, bis sie sich heftig schüttelte. Er war in ihr gewesen und sie hatte es genossen. Wie konnte das überhaupt möglich sein?

Fast hätte sie auf das Frühstück verzichtet, doch ein Teil von ihr hoffte, die Übelkeit vielleicht mit einem Marmeladentoast verdrängen zu können. Vielleicht half schon eine Tasse Kaffee. Snape saß bereits am Tisch, als sie durch die Tür trat. Er hatte ihr schon eine Tasse auf die andere Seite des Tisches gestellt. Hermine zögerte, versunken in einen inneren Kampf, ob es wirklich eine gute Idee war, sich zu ihm an den Tisch zu setzen.

„Wenn du nicht kommst, ist der Kaffee zu kalt." Snapes barsche Worte ließen sie die Augen rollen. Was sollte auch anders sein, heute? Selbst als sie sich setzte, beachtete er sie kaum und blätterte nur von Zeit zu Zeit den Tagespropheten um. Angestachelt vom starken Kaffee verteilte sie jetzt doch einen Löffel Himbeermarmelade auf einer Scheibe Brot und biss hinein.

„Du willst hoffentlich nicht damit ins Labor."

„Was?" Beinahe hatte sie seine Anwesenheit verdrängt.

„Dein Pullover." Sie folgte seinem missbilligenden Blick zu den langen Ärmeln. „Ich dachte, du hättest zumindest etwas bei mir im Unterricht gelernt."

„Was ich trage, geht dich überhaupt nichts an, Snape", erwiderte Hermine bissig und aß den Rest des Brotes auf. Ihr Magen fühlte sich schon viel besser. Sollte er doch zur Hölle fahren mit seinen Sicherheitsvorschriften.

Mit geübtem Blick kontrollierte Snape die einzelnen Reagenzgläser, die in einer perfekten Reihe auf dem schweren Holztisch standen. Er hatte mit ihrer Hilfe bereits einen Großteil der ursprünglichen Zutaten identifizieren können. Und wenn sie wussten, was enthalten war, sollte er ein Gegenmittel zusammenstellen können. Das zumindest war der Plan.

Hermine beobachtete ihn, wie er sich vorbeugte und seine krumme Nase über eines der Gläser hielt. Sein langes Haar fiel nach vorn und verdeckte einen Teil seines Gesichts. Aber sie konnte spüren, dass der Inhalt ihn nicht zufrieden stellte. Endlich ließ er davon ab und sah sie verärgert an. Augenblicklich machte ihr Magen einen unglücklichen Hüpfer. Warum fühlte sie sich immer noch wie die dumme Schülerin unter seinem schwarzen Blick?

„Ungeachtet deiner Talentlosigkeit im Bezug auf Tränke, hatte ich zumindest gehofft, du wärst fähig einfachste Anweisungen zu beachten." Seine Stimme hallte scharf von den Steinwänden wider. In seinem leisen Echo wog die Verachtung darin doppelt schwer.

„Was soll ich gemacht haben?" Hermine begab sich in Verteidungsposition. Er kann dir nichts, er ist dein Gefangener. Scheiße, er war immer noch Snape.

„Auf wie viel Grad hast du das Extrakt erhitzt, nachdem ich es dir geben habe?" Sie brauchte nur kurz in ihrer Erinnerung zu forschen. Sechzig Grad hatte er ihr gestern Abend gesagt. Und sie hatte es genau so gemacht.

„Sechzig. Was ist denn falsch damit?"

„Und wie lange hatte es diese Temperatur?" fragte er, ohne dass seine Worte etwas von ihrer Schärfe verloren. Wieder ein kurzer Ausflug in ihre Erinnerung. Er hatte neben dem großen Kessel gestanden und sie hochmütig angeschaut, etwas über Extraktion im Zusammenhang mit Temperaturschwankungen doziert, Wissen über das sie schon im dritten Jahr verfügt hatte. Was hatte sie getan? Den Standardzauber für die Temperatur gesprochen, bevor sie den Keller verlassen hatte.

„Ich habe es konstant gehalten!" empörte sie sich nun, da sie sicher war, nichts verpatzt zu haben. Snape umrundete den Tisch und kam auf sie zu. Heute trug er zum ersten Mal wieder seine schwarze Robe über Hemd und Hose, zugeknöpft bis zum Hals und bis zu den Handgelenken.

„Wenn du schon nichts davon verstehst, solltest du wenigstens zuhören!" zischte er jetzt direkt vor ihr. „Zwanzig Minuten, habe ich gesagt! Keinesfalls länger, sonst zersetzt sich dieses spezielle Extrakt!" Hermine schluckte, für einen Moment wollte sie tatsächlich den Kopf schuldbewusst senken. Doch dann besann sie sich anders.

„Wenn du nicht neunzig Prozent deiner Worte dafür verschwenden würdest, mir zu erklären wie unnütz ich bin, hätte ich dir vielleicht besser zugehört!" Ihre Finger schlossen sich um den Saum ihres Hemdes.

„Und wenn du mehr Aufmerksamkeit auf die eigentliche Arbeit richten würdest, anstatt in die Luft zu starren, oder mir beim Arbeiten zuzusehen, wären meine Ermahnung gar nicht nötig!" Die ölige Schwere seiner Stimme fühlte sich wie das Brennen einer Ohrfeige auf ihrer Haut an. Hermine schluckte ihren Ekel bitter hinunter, bevor sie antwortete.

„Pass auf, was du dir erlaubst. Du hast hier nicht das Sagen." Ihre ruhig ausgesprochene Drohung schien ihn nicht zu stören.

„Eigentlich sollte es dich mehr stören als mich, dass wir einen ganzen Tag Arbeit verloren haben. Was meinst du, wie viele deiner Freunde müssen dafür sterben?" Snapes Spott fühlte sich keinen Deut besser an als seine Missbilligung.

„Zumindest interessiert es mich, dass Menschen sterben. Für wen hast du dich jemals interessiert? Selbst der Mann, der dich jahrelang verteidigt hat, scheint dir am Ende scheiß egal gewesen zu sein!"

„Sprich nicht von Dingen, die du nicht verstehst!" schnappte er und stand in voller Größe viel zu nah vor ihr, die Augenbrauen drohend zusammengezogen.

„Sonst was, Snape?" Hermine hielt ihren Zauberstab fest in ihrer Hand. Shame on you if you fool me once...

„Du bist eine lausige Bewacherin, Hermine. Wenn ich dir etwas hätte antun wollen..."

„Mit welchem Ergebnis, Snape? Willst du, dass man uns beide tot in diesem verdammten Keller findet?" Kurz fuhr ein Ausdruck der Ungläubigkeit über sein Gesicht, dann drehte sich Snape weg. Die Hände auf den Holztisch gestützt, rang er um Fassung.

„Du hast nichts verstanden, du dummes Mädchen", presste er hervor, ohne sie anzusehen. „Jeder Todesser hätte dich getötet, als du gestern schutzlos auf dem Bett lagst! Was ist die Alternative? In Gefangenschaft verbleiben und dem Dunklen Lord schaden, indem man dir Wissen zur Verfügung stellt? Der Seite des Lichts?" Hermine fröstelte bei seinem Worten. „Dein schönes Schmuckstück ist wertlos! Und wenn du an deinem Leben hängen würdest, sollte dir das eine Heidenangst einjagen!" Unbewusst war ihre linke Hand nach oben gewandert und hatte das Amulett umschlossen, das frei über ihrem Pullover hing. Wenn das stimmte, warum half er ihr dann? Warum hatte er sie nicht getötet, als sich die Chance bot?

Kalte Finger schlossen sich um ihren freien Arm. Hermine keuchte überrascht auf, versuchte nach hinten auszuweichen, aber sein Griff war wie aus Eisen. Wie hatte er sie schon wieder überrumpeln können? Snape blickte gelangweilt auf ihren erhobenen Zauberstab.

„Schlag die Ärmel um! Wenn du einen weiteren Trank verdirbst, weil du deine Kleidung in was weiß ich tauchst, werde ich dir deinen Hintern versohlen, bis du nicht mehr sitzen kannst!" Voll Schreck beobachtete sie, wie er ihren Ärmel nach oben schob und ihre Blutergüsse enthüllte. In seiner Überraschung konnte sie ihm ihren Arm endlich entreißen. Aber er fing sich schnell wieder.

„Warst du so begeistert von unserer Nacht, dass du ein Andenken behalten wolltest?" Das war zu viel. Der grollende Spott in seiner Stimme wurde unerträglich für Hermine. Ohne genau überlegt zu haben, was sie tat, katapultierte sie ihn mit einem Schwenk ihres Zauberstabes an die nächste Kellerwand. Keuchend rutschte er daran zu Boden. Aber Hermine gönnte ihm keine Pause. Feste Seile schlangen sich um seine Arme und zogen ihn wieder in eine aufrechte Haltung.

„Du elender Mistkerl. Ich habe die Blutergüsse, damit ich meine Dummheit nicht noch einmal wiederhole!" Hermine baute sich vor ihm auf und genoss den Ärger in seinen Augen. Die Demütigung schmeckte ihm nicht. „Ich habe es endgültig satt, dass du dich über mich lustig machst."

Langsam fing sich Snape wieder und meisterte selbst in seiner gefesselten Form ein unbeeindrucktes Schulterzucken. „Ich sehe nicht, was du dagegen unternehmen könntest." Hermine lächelte leicht, als ihre Zauberstabsspitze seine Brust berührte.

„Ich bin kein Gefängniswärter. Ich habe verstanden, dass dich der Schmerz nicht stört. Aber ich weiß, dass du es nicht ertragen kannst, wenn ich deinen Stolz verletze. Hast du eine Vorstellung von all den Demütigungen, die ich dir antun könnte? Kein Todesser würde jemals daran denken, weil es nicht schmerzhaft ist, aber dir, Snape, dir wird es richtig weh tun."

Nur kurz verlor sein Gesichtsausdruck die übliche Sicherheit. Schließlich brachte er sogar ein neues verachtendes Grinsen zustande. „Wenn du etwas noch schlechter kannst als Tränke zu brauen, dann ist es Foltern. Vielleicht schaffst du es, mir jetzt weh zu tun, aber heute Abend wirst du dich wieder in mein Bett schleichen." Sein erbarmungsloses Lachen überschüttete sie wie eiskaltes Wasser. Allein dafür hatte er sich einen „Crucio" verdient!

Hermine sprach den Fluch aus, ohne zu zögern und sah zu, wie Snape sich in seinen Fesseln aufbäumte. Doch der Schmerz erreichte seinen Stolz nicht, und als sie den Fluch von ihm nahm, konnte sie sehen, dass er gewonnen hatte. Sie könnte ihn den ganzen Tag auf diese Art foltern, ohne seine Überlegenheit anzutasten.

Keuchend stieß Snape die Luft aus und hob langsam den Kopf. Das Grinsen war wieder da, starr, als sei es in sein Gesicht gemeißelt. Und Hermine überkam der Drang vor Frust zu schreien. Stattdessen drehte sie sich auf dem Fuß um und ließ ihn an der Kellerwand hängen.


Einnen Penny für eure Gedanken?

(btw. Habe kürzlich "Nunc Dimittis" von Roald Dahl gelesen (mal wieder ^^), in welcher dieser Ausdruck vorkommt. Im wirklichen Leben benutzt sowas keiner mehr, oder? Die Story ist jedenfalls Klasse, wer die erwachsenen(!) Kurzgeschichten von ihm noch nicht kennt, dem kann ich sie nur ans Herz legen)