Obwohl sie gerade erst ein paar Meter gelaufen war, kam sie schon schweißgebadet in der Empfangshalle an. „Diese Hitze ist bald nicht zum aushalten", dachte sie und wischte sich kurz mit einer Hand über die Stirn, bevor sie sich an Schwester Torea am Empfang wandte.

„Neue Fälle für mich?", fragte sie und wortlos reichte sie ihr ein Pad, auf dem einige Namen aufgelistet waren.

„Wenn das so weitergeht, muss ich mich zweiteilen", dachte Christine beim durchgehen der Namen und Zimmer, wo sie lagen. Aber sie beherrschte ihre schon jetzt wieder leicht flatternden Nerven und ging an die Arbeit.

Hier auf Vulkan verlangte man viel und Christine war bereit, diese Erwartungen zu erfüllen, um zu beweisen, dass sie gut war - mindestens genauso gut wie ihre vulkanischen Kolleginnen und Kollegen.

Der Vormittag verging durch die viele Arbeit wie im Flug und sie war froh, als sie Mittagspause hatte, um wenigstens eine halbe Stunde von der Arbeit loszukommen.

Doch sie kam gar nicht dazu.

Gerade hatte sie ihr Tablett auf ihrem Stammplatz in der Ecke am Fenster der Kantine abgestellt, als plötzlich die Sirene des Notfallwagens sie zusammenzucken ließ. Schnell ging sie zum Fenster, um zu sehen, was los war.

Selten musste der Notfallwagen ausrücken, da die meisten Vulkanier ihre Schmerzen oder Beschwerden ganz gut beherrschen konnten und es daher problemlos ins Krankenhaus schafften, nachdem sie oft erst von einem Arzt dorthin verwiesen worden waren. Daher konnte man davon ausgehen, dass es sehr schlimm um den Patienten stand, wenn der Notfallwagen gerufen wurde...

Christine beobachtete, wie ihre Kollegen, darunter auch Dr. Salan, die Notfalldienst hatten, herausgestürmt kamen und warteten, bis sich die automatische Hintertür des Wagens geöffnet hatte.

Ihr stockte der Atem, als sie sah, wer zuerst ausstieg. Ihr Haar war zwar von einem vulkanischen Tuch verhüllt und ihr Gesicht konnte sie auch nicht erkennen, aber Christine erkannte die Frau trotzdem sofort: es war Amanda, Sareks Frau.

Spock, schoss ihr durch den Kopf und ihr Herz begann, schneller zu schlagen. Ihr Blick hing an der Hintertür des Wagens. „Lieber Gott, lass es bitte nicht Spock sein!"

Aber alles hoffen war vergebens. Schon erschien sein Gesicht, als die Trage mit ihm hinausgeschoben wurde und von Pflegern auf eines der rollenden Betten gelegt wurde, das die Ärzte mitgebracht hatten.

„Oh Nein!", Christine konnte sich nicht mehr beherrschen. Zitternd vor Aufregung und Angst ließ sie ihr Tablett auf dem Tisch stehen, rannte kopflos aus der Kantine nach unten und direkt Dr. Salan in die Arme. „Was hat er?",sprudelte es aus ihr heraus. „Mr. Spock? Das wissen wir noch nicht. Er ist gerade erst eingeliefert worden", erwiderte ihr Kollege ruhig und blicke sie etwas seltsam wegen ihrer unübersehbaren Aufregung an. „Aber wir werden es sicher bald herausfinden", setzte er noch hinzu und folgte seinen Kollegen, die Spock an ihm und Christine vorbei den Gang hinunter schoben. Besorgt sah Christine ihnen nach. Spocks Gesicht, auf das sie einen kurzen Blick hatte erhaschen können, war blass gewesen.

Noch nie war es Christine so schwer gefallen, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Nicht mal der Liebeskummer bei Spock, den sie vorher oft genug gehabt hatte, hatte ihr je so zugesetzt.

Die Sorge um ihn wuchs mit jedem Tag, den er im Krankenhaus lag. Er wurde wegen der Presse völlig abgeschirmt, nur die ihn behandelnden Ärtze hatten Zutritt zu seinem Zimmer, sowie Amanda und Sarek. Genauso sickerte nicht durch, was genau Spock hatte. Bis jetzt hatte Christine aber nur einmal Amanda gesehen, wie sie mit einem besorgten Ausdruck auf dem Gesicht aus seinem Zimmer gekommen war.

Oft konnte sich Christine nur mit Mühe zurückhalten, das Zimmer von ihm zu betreten. Aber erstens ließ das die elektronische Überwachung – man brauchte einen Code, um hineinzugelagen- nicht zu und zweitens erinnerte sie sich daran, dass sie sich keinen weiteren Ärger erlauben konnte, wenn sie das halbe Jahr auf Vulkan erfolgreich abschließen wollte.

Es war am späten Abend, Spock war inzwischen vier Wochen in dem Surak Krankenhaus und Christine, deren Dienst zu Ende war, stand – wie sie seit dem ersten Tag seiner Einlieferung tat- vor seinem Zimmer.

„Bitte werd schnell wieder gesund", murmelte sie und legte eine Hand auf die Tür. Die Tür, die sie von ihm trennte...

Plötzlich traten ihr Tränen in die Augen und sie rannte förmlich die Treppen hinunter, durch die Anmeldung des Krankenhauses bis zum Wohnheim. Dort ging sie schnell in den Aufenthaltsraum,in dem zum Glück keiner mehr war und ließ ihren Tränen erstmal freien Lauf. „Wenn ich nur wüsste, wie ich ihm helfen kann", flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme, als ihr auffiel, dass der Fernseher die ganze Zeit am laufen war und hörte eher zufällig dem Bericht zu, der dort lief:

... so berichteten schon unsere Vorfahren, dass die bloße Anwesenheit von Leuten, mit denen sie geistig oder körperlich in Kontakt getreten waren, ihnen oft dabei geholfen habe, Krankheiten zu überwinden. Angeblich müsse derjenige dem Kranken nur die Hand halten, ein Brauch, der vor allem auch bei den Menschen auf der Erde sehr verbreitet ist; dabei würden sich die natürlichen Heilkräfte, die ein jeder von uns in sich trägt, mobilisieren. Ob dies stimmt, ist bis jetzt nicht einwandfrei bewiesen worden. Daher empfiehlt es sich wohl, es bei der nächsten Krankheit selbst auszuprobieren..."

Christine erstarrte einen Moment. Hilfe bei Krankheiten durch Hand halten? Das sollte auch bei Vulkaniern funktionieren?.

„Gut, was heißt funktionieren... es ist eher ein Trost bei uns als eine Hilfe... aber wenn es Vulkaniern wirklich dabei helfen kann..."

Ein, zwei Sekunden zögerte Christine noch, dann kehrte sie schnell ins Krankenhaus zurück.

Vor Spocks Zimmer stand gerade Dr. Salan, als die Ärztin um die Ecke kam. Glücklicherweise bemerkte er sie nicht und sie konnte von ihrem Platz hinter der Ecke sehen, welchen Code er in die Tastatur tippte...

Christine wusste, dass ihr Vorhaben, sollte sie auffliegen, ihr den Job kosten könnte. Aber sie musste es tun. Wenn nicht viele Vulkanier diese Erfahrung mit dieser eher unlogischen Methode, wie es wohl die meisten von ihnen nennen würden, gemacht hätten, wäre es wohl kaum im Fernsehen gesendet worden und wenn, dann jedenfalls nicht auf Vulkan!

Und außerdem ging es um Spock...

Kaum war Dr. Salan wieder hinaus, nutzte Christine ihre Chance. Schnell tippte sie den Code ein und wartete mit klopfendem Herzen, dass die Tür sich öffnete.

Spocks Zimmer war genau wie jedes andere Zimmer im Krankenhaus, mit weißer Tapete, einem Bett, Schrank, Kommode, Medizinschrank, Tisch und ein paar Stühlen darumherum.

Einer dieser Stühle stand vor dem Bett, dort hatte Amanda wohl schon einige Zeit gesessen. Vorsichtig trat Christine ans Bett.

Dort lag er. Spock. Die Augen geschlossen, aber doch zuckten seine Lider und Schweiß rann ihm übers Gesicht. „Ganz offensichtlich, das er Fieber hat", dachte Christine.

Vorsichtig nahm sie seine Hand, setzte sich auf die Bettkante und kurz darauf war es mit ihrer Ruhe vorbei...

Christine war nah bei Spock, so nah... sie hielt seine Hand und wagte es, vorsichtig mit den Fingerspitzen über seinen Handrücken zu fahren...

Er ist so wunderbar... schon damals, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass es für mich keinen anderen mehr geben kann..."

Ihr Körper zitterte leicht, während sie weiter seine Hand hielt. Vorsichtig wischte sie mit der anderen Hand die Schweißperlen von seiner Stirn und fühlte sich dabei, als würde sie eine Stromleitung berühren. Es war zu schön, hier zu sein...bei ihm.

„Ob es wirklich hilft?", fragte sich Christine zweifelnd und fuhr noch einmal mit ihrer Hand über Spocks Stirn.

Warm.. es ist so warm... Kontrolle... ich hab sie verloren...die Kontrolle über meinen Körper..., die Gedanken kreisten wild in seinem Kopf herum, hatten kein Anfang und kein Ende. Sie waren wir Wolken, die kurz auftauchten und gleich darauf verdampften.

Was ist das? ... Berührung... jemand berührt mich...diese Haut... ich kenne sie... ich habe sie schon mal berührt...