Die fragliche Schülerin
A/N: Hiermit entschuldige ich mich ausdrücklich für Trevors Tod, aber es musste so sein. Dafür habe ich mir eine schöne Abschiedsrede einfallen lassen, die ich euch im folgenden Kapitel präsentiere.
Ü/N: Wieder ein neues Kapitel. Das mit der Dentalversorgung Hogwarts kommt doch noch, also psssst – nichts verraten :-)
Kapitel 9: Whap
Hermine sah ihre ältere Freundin an, die sich gerade die Robe abgestreift hatte und nun ihre Snowboots auszog. Cass trug ein einfaches Muggel T-shirt mit einem Druck auf der Vorderseite. Als sie aufstand, erkannte Hermine den Text:
'Please an Englishman. Shoot Yoko.'
"Warum in Merlins Namen ziehen Sie so etwas an?" fragte Snape. "Draußen sind es fast minus zwanzig Grad. Und wer ist eigentlich Yoko?"
"Yoko Ono…" seufzte Hermines Vater. "Yoko Ono ist eine Ausgeburt der Hölle."
"Ein dunkler Muggel?" erkundigte sich Snape verwirrt. Hermine musste ein Grinsen unterdrücken, als ihr Vater mit der Schimpftirade begann, die sie sich schon seit ihrer Kindheit hatte anhören müssen.
"Sie – als Person – ist die Rechtfertigung für Hiroshima. Aber die dämlichen Yankees haben es ja vermasselt."
"Yoko Ono war eine japanisch-amerikanische Sängerin, die John Lennon geheiratet hat", erklärte Mrs. Granger. "Viele Fans glauben, dass sie der Grund für die Auflösung der Beatles war und nehmen die Sache viel zu ernst."
"Yoko ist böse", sagte nun auch Cass. "Immerhin hat sie Julian quasi enterbt."
"Sie mögen die Beatles?" fragte Mr. Granger hoffnungsvoll.
"Oh ja, sie sind einfach grandios gut! Mit dem Songtext von 'Sgt. Pepper', der zwischen den Notenlinien steht, habe ich sogar lesen gelernt."
"Ab und zu spiele ich immer noch ganz gerne ihre Songs. Als Hermine noch klein war, war das der einzige Weg, um sie zum Schlafen zu bewegen."
"Ah ja. Ich habe den Stapel Notenblätter neben ihrem Bett gesehen."
"Es war unglaublich mutig von Ihnen, diese ganzen Sachen aus unserem Haus zu retten", sagte Mrs. Granger und hielt das Fotoalbum schützend an sich gedrückt.
"Ach, es schien mir einfach richtig, das zu tun."
"Cass, du hättest dich ernsthaft verletzen können." Hermine hielt den Teddybären Algernon immer noch fest umklammert.
"Es war wirklich beeindruckend", sagte Snape trocken. "Besonders gut gefielen mir die zwei Szenen, als Ihr Haar Feuer fing."
"Stimmt!" Cass schlug spielerisch auf Snapes strähniges, fettiges Haar. "Hätte ich dich an meiner Stelle reingehen lassen, wärst du wahrscheinlich wie ein Römisches Licht in Flammen aufgegangen." Snape zeigte ihr einen seiner finstersten und stechendsten Blicke, doch die etwas überdrehte Amerikanerin schien dagegen immun.
"Gibt es ein Hotel irgendeiner Art in Hogsmeade?", fragte nun Mrs. Granger.
"Keines, das sicher genug wäre", antwortete Snape. "Doch Sie sind in Hogwarts willkommen, bis Sie eine sichere Unterkunft gefunden haben. Das Ministerium bietet etwas Ähnliches zu dem an, was die Muggel Zeugenschutzprogramm nennen."
"Das Ministerium?" wollte Hermine wissen. "Würden Luc – die Todesser, meine ich – sie da nicht finden können?"
"Mine hat Recht. Wir müssen auf die Matratzen!", verkündete Cass, die scheinbar schon seit ihrer Kindheit auf eine Gelegenheit gewartet hatte, endlich diesen Satz loszuwerden.
"Die was?" fragte Snape. Cass seufzte theatralisch auf, als ob sie nur von Idioten umgeben sei.
"Wir müssen uns außerhalb der legalen Bereiche bewegen. In 'Der Pate' war es so, dass jedes Mal, wenn ein Krieg zwischen den Familien begann, die Männer in Appartements gingen, die nur mit Matratzen auf den Böden ausgestattet waren. Wenn man also in den Krieg zieht, sagt man 'auf die Matratzen gehen'."
"Also meinen Sie", fragte Mr. Granger, "dass wir in einem Appartement bleiben sollen?"
"Nein, ich sage nur, dass wir nicht das Ministerium hinzuziehen sollten. Ich würde eher den Mafiosi-Weg wählen, um euch zu verstecken."
"Wir müssen uns verstecken?" Mrs. Granger wurde auf einmal sehr blass.
"Vor den Todessern. Sie sind nicht die Einzigen", erklärte Snape.
"Ist Hermine hier denn sicher?"
"In diesem Land gibt es keinen Ort, der sicherer wäre als Hogwarts", lächelte Cass. "Aber ich kenne einen Ort für euch, der fast genau so sicher ist."
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"Das ist der Gryffindorturm", erklärte Hermine. "Um hineinzukommen, müsst ihr das Passwort sagen."
"Und wie lautet es?", flüsterte ihr Vater.
"Schildkrötenschwanz."
Peter Granger sprach das Passwort und die fette Dame schien höchst amüsiert, als das Portraitloch aufschwang. Jane Granger folgte ihrem Mann und ihrer Tochter und schrie schon im nächsten Moment auf vor Überraschung, als sie im Gemeinschaftsraum etwas sah, das einem improvisierten rituellen Opfer glich. Schüler in Schuluniformen, komplett mit den rot-goldenen Krawatten, hatten sich um einen Tisch gruppiert, auf dem eine tote Kröte auf ein Spitzendeckchen gebettet lag.
"Hermine", zischte sie, "was geht hier vor?"
"Ah, Gäste", sagte Ron ziemlich ernst. "Wegen der Beerdigung?" Er schüttelte Mr. Granger die Hand und lächelte höflich. "Es ist schön, Sie beide wieder zu sehen", flüsterte er.
"Wie bezaubernd, Ronald!", bemerkte Mrs. Granger, erleichtert, dass das Begräbnis keine Opfergabe war, sondern nur etwas, das alle für richtig hielten. "Finden für alle Haustiere hier Beerdigungen statt?"
"Also… ja, Ma'am, für alle toten zumindest."
"Trevor gehörte meinem Freund Neville", erklärte Hermine nun und deutete auf Besagten.
"Oh, ja!" Mr. Granger bot dem offenbar bekümmerten, aber doch recht ruhigen Jungen seine Hand an. "In dem ersten Brief, den Hermine damals nach Hause schickte, erzählte sie uns eurer gemeinsamen Suchaktion nach deiner Kröte, und dass es ihr das Gefühl gab, sie würde hier bald neue Freunde finden. Es tut mir sehr Leid, dass sie verschieden ist."
"Trevor wurde ermordet", bemerkte eine kalte Stimme plötzlich hinter ihnen. Die Grangers und Neville fuhren herum und sahen Cass und John, die beiden Werwölfe, die beinahe die Zähne zu fletschen schienen. "Ich habe eine Orangenkiste für ihn verwandelt, Neville", verkündete John, der dem Jungen einen kleinen Sarg in Krötengröße überreichte, welcher tatsächlich ein in Gryffindorfarben gehaltenes Futter hatte.
"Danke schön. Trevor mochte diesen Geruch immer."
Ginny hob die misshandelte Kröte leicht an und setzte sie in den kleinen Sarg. Das Spitzendeckchen war, wenn man genauer hinsah, etwas schief, und es schien aus derselben Sorte Garn gemacht zu sein, aus der auch die Weasley-Pullover bestanden. Ginny legte es auf Trevor und verstaute ihn ordentlich.
"Als Kapitän der Quidditchmannschaft", verkündete Katie Bell ernst, "möchte ich jeden darum bitten, beim Spiel am nächsten Dienstag eine schwarze Armbinde zu tragen, um Trevor zu gedenken, und, so Gott es will, den Slytherins die Scheiße aus den Hirnen herauszuprügeln."
Keiner lachte; es war nur zustimmendes Nicken zu erkennen.
"Ich weiß noch, dass Trevor alles aß, was wir ihm vorgesetzt haben", begann Ron traurig die Lobesrede auf Trevor. "Und obwohl er im Laufe der Jahre in so viele verschiedene Dinge verwandelt wurde, hat er sich kein einziges Mal beschwert."
"Trevor war eine tolle Kröte", fügte Harry hinzu. "Und wir hatten immer sehr viel Spaß bei der Suche nach ihm, wenn er wieder einmal verloren gegangen war."
Einige Leute steuerten noch ihre Erinnerungen an Trevor bei, ein paar wehmütige, aber auch ziemlich viele lustige, wie zum Beispiel die von Alicia Spinnet, die davon erzählte, dass sie Trevor einmal in ihrer Unterwäscheschublade gefunden hatte. Einige Male grinste Neville, ein- oder zweimal lachte er, doch die meiste Zeit hatte er einen ruhigen und verschlossenen Gesichtsausdruck.
"Wisst ihr noch, wie er immer die Fliegen gefangen hat, als wir für die Prüfungen lernen mussten und es so heiß hier war?", erinnerte sich Dean Thomas. "Einmal hat er einen Moskito direkt von meinem rechten Arm weggefressen."
"Er schlief auf meinem Kissen", sagte Neville leise. Der rundgesichtige Junge schien fest gewillt, nicht zu weinen, und damit war er erfolgreich. "Ich weiß, dass ihn nicht jeder mochte, weil er ja nur eine Kröte war, und ich weiß, dass einige von euch jetzt lieber nicht hier wären. Aber es – es ist wirklich toll von euch, dass ihr hier seid. Trevor hätte gerne diese ganzen Sachen gehört, die ihr über ihn gesagt habt, und wahrscheinlich hätte er sich noch mehr darüber gefreut, weil es sehr nett ist, wenn jemand gerade sein Haustier verloren hat. Eigentlich war er nur eine kleine Kröte, aber er war eine gute Kröte, und ich weiß, dass er jetzt da ist, wo alle guten Haustiere hinkommen."
Ginny und Harry trugen den kleinen Sarg durch die Flure, begleitet von einer feierlichen Prozession der Gryffindors. Der Festzug schritt nach draußen zum vollkommen eingeschneiten Ufer des Sees voran, wo Trevors Grab freundlicherweise schon von Hagrid vorbereitet worden war. Mr. und Mrs. Granger waren offensichtlich ein wenig verwirrt, doch sie folgten höflich und Hermine konnte hören, wie ihre Mutter ein altes St. Francis-Gebet murmelte.
"Ich finde es gut, was deine Freunde hier machen", flüsterte ihr Vater.
Hermine dachte ebenfalls, dass diese Begräbniszeremonie sehr rücksichtsvoll war. Alles, was über Trevor oder an Neville gerichtet gesagt wurde, war gründlich überlegt, um Respekt und nicht Verachtung auszudrücken, und niemand verhielt sich so, als ob die Bestattung einer Kröte amüsant wäre. Es war ja nicht so, dass außer Neville jemand Trevor besonders gemocht hätte, realisierte Hermine, doch der Grund seines Todes verletzte das gerechte Wesen aller Gryffindors. Außerdem war es doppelt ungerecht, da ausgerechnet Nevilles Haustier umgebracht worden war, wo er schon in seinem Leben so schreckliche Verluste hatte hinnehmen müssen. Und Draco Malfoy verdiente ihn nicht nur, nein, er war sogar ein exquisites Ziel für jenen Hass, der aus dieser Ungerechtigkeit wuchs.
Ein leises Geräusch ließ Hermine sich umblicken. Cass weinte bitterlich in Johns Schulter hinein.
"Ich hätte ihm beide Beine brechen sollen", flüsterte sie ihm zu. "Für diese Tat hätte ich ihm viel Schlimmeres antun können."
"Du hast das Richtige getan, Cass", beruhigte John seine Frau, die nun um einiges jünger aussah, als Hermine zuerst vermutet hatte. "Diese Todesser werden wir fertig machen dafür, dass sie aus diesem Jungen jetzt schon ein solches Scheusal gemacht haben."
"Sie waren schon bei Hermine Grangers Haus", gab Cass zu. "Feuer. Es hätte alle umbringen können."
"Bastarde."
"Es war ein Fehler von mir, ihn zu verletzen. Ich hab wieder einmal im Affekt gehandelt."
"Vielleicht war das gar nicht so schlecht", überlegte John. "Sie werden annehmen, die Grangers wären tot. Dann lassen sie Hermine für eine Weile erstmal in Ruhe."
"Ich dachte mir, ich könnte das ein wenig wieder gut machen und meinen Dad fragen, ob sie bei ihm unterkommen können."
"Das halte ich für eine großartige Idee. Sehen sie dir oder ihm denn ähnlich – um als Verwandtenbesuch durchzugehen?"
"Keineswegs. Aber ich dachte, mein Vater könnte sie als Professoren für Zahnmedizin empfangen."
"Sehr clever!" John schien die Idee zu mögen, ein kleines Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. "Und sie sind Muggel, richtig? Also wär dein Vater ein perfekter Unterschlupf. So müssen sie sich nicht mit Zaubererkram herumschlagen."
"Ich hoffe nur, dass Dad sie nicht zu sehr abschreckt."
"Naja, stimmt, er kann schon sehr merkwürdig sein."
Ein Grinsen schlich sich auf Hermines Gesicht. Lucius Malfoy würde niemals auf die Idee kommen, nach ihren Eltern in Amerika zu suchen.
"Hermine?", fragte John plötzlich und riss sie aus ihren Gedanken. "Haben deine Eltern was gegen klassische Musik?"
"Meine Mutter kann sich dafür begeistern."
"Oh, wunderbar!" Cass grinste und öffnete eine Packung mit Bohnen aller Geschmacksrichtungen. "Dad ist Professor für Linguistik an der Carnegie Mellon Universität und er – naja, manchmal ist er ein wenig sonderbar." Cass verdrehte auf einmal die Augen und kicherte. "Wuah. Wollt ihr auch welche? Meine war wohl Karotte."
Hermine nahm ebenfalls ein paar Bohnen, die erste schien Cheddargeschmack zu haben.
"Meine Eltern sind ziemlich belesen. Wo in Amerika wohnt dein Vater denn?"
"In Pittsburgh natürlich. Das Wetter dort sollte schön sein – schön grausam."
"Das macht ihnen nichts aus, da bin ich mir sicher. Immerhin sind wir Engländer."
"Apropos", Cass schien sich plötzlich an etwas zu erinnern. "Gibt es ein Theaterviertel in London?"
"Ja, West End, wieso?"
"Ich dachte mir, dass John und ich uns etwas ansehen… und vielleicht sogar deinen Professor Sevvy mitnehmen könnten." John war ein paar Meter weiter gegangen, um mit jemandem zu sprechen, und Cass senkte ihre Stimme verschwörerisch. "Du musst unbedingt mitkommen, sonst werden John und Sev den ganzen Abend nur über Tränke und so nen Kram sprechen."
"Würden sie das nicht so oder so?"
"Ja, aber so können wir über Zaubersprüche, Arithmantik und solche Sachen reden. Nebenbei: Ich bin wirklich mies in Zaubertränken. Wie kannst du es nur aushalten, darin auch noch ein Projekt zu machen?"
"Nun ja, ich schätze, das ist wohl mein akademischer Geschmack." Hermine war ein wenig unbehaglich ob Cass' Redseligkeit. "Außerdem dachte ich, es wäre eine Herausforderung."
"Du bist also eher der arbeitswütige Typ?"
"Jap. Zudem wusste ich, dass es mir mindestens eine abendliche Stunde Quidditchdiskussionen ersparen würde."
"Spielst du?"
"Nö."
"Ich spiele ab und zu als Jäger oder Hüter. In diesen Positionen muss man nicht so hoch fliegen." Cass kratzte sich kurz am Ohr. "Also… du magst Zaubertränke, ja?"
"Ja, schon." Hermine dachte, das hätte sie bereits gesagt.
"Okay… die Sache ist: Ich brauche jemanden, der mir beim Brauen hilft."
"Ich bin mir sicher, Professor Snape würde sich nicht daran stören, wenn ich etwas extra mache – vorausgesetzt, es ist nichts Illegales, ja?"
"Nein, es ist bloß – mir wär's lieber, du würdest es Sevvy nicht erzählen." Cass schob die Hände in ihre Taschen. "Es ist etwas, das man falsch aufnehmen könnte, wenn man ein Kerl ist und so, und ich möchte vermeiden, dass er später über John seine Sprüche macht."
"Oh, eine Frauensache."
"Exakt."
"Oh. Da kann ich helfen."
Cass schien durch ihren erleichterten Seufzer plötzlich in sich zusammen zu sinken. "Danke, Hermine, das ist wirklich sehr nett."
"Ist dir nicht kalt?" Ginny erschien, die gerade bemerkt hatte, dass Cass in der schottischen Winterdämmerung nur ein T-Shirt trug.
"Nö. Also, wie schnell kannst du den Kessel und das restliche Zeug in den Toilettenraum bringen, von dem mir erzählt wurde?"
"Ginny!" Hermine war überrascht. "Du hast ihr davon erzählt?"
Ginny zuckte mit den Schultern.
"Sie hat gefragt."
"Na klar! Ich bin mir sicher, Cass kam zu dir an und wollte einen Ort wissen, wo man am besten illegalerweise Tränke zubereiten kann!"
"Jap." Cass grinste breit.
"Oh man! Hoffentlich nicht schon wieder Vielsafttrank, von dem Zeug hab ich echt genug."
"Nee, nur ein… ähm –"
"Fruchtbarkeitstrank", ergänzte Ginny.
"Gins!", protestierte Cass. "Warum verkündest du's nicht gleich beim Quidditchspiel?"
"Wo wir davon sprechen", flüsterte Ginny, "Klappe jetzt, die Jungs kommen."
Harry, Ron und Neville schritten ernst auf Ginny, Cass und Hermine zu.
"Mrs. Tyler", begann Ron, "zum Schutze der Unschuldigen haben Sie große Taten vollbracht."
"Weiterhin", fügte Harry hinzu, "sind wir informiert worden, dass Sie bei der wunderbaren Rettung von Hermines Teddybär mitten aus einem von Todessern verursachten Großbrand Heldenmut bewiesen haben. Darüber hinaus wurde uns von Ginny mitgeteilt, dass Ihre Haarsträhnen auf der linken Seite so kurz sind, weil sie im Zuge dieser Tat angebrannt wurden."
"Für all dieses", sagte Neville feierlich, "ernennen wir Sie hiermit zum Mitglied des Ordens der Krone und zum Ehrenmitglied Gryffindors auf Lebenszeit." Mit großer Festlichkeit steckte Neville ein kleines Abzeichen auf Cass' T-Shirt fest, das einen Hirsch darstellte. Harry schwor ein Pergament herbei und entrollte es.
"Hiermit erhalten Sie eine neuerliche Version der Karte des Rumtreibers, in Anerkennung Ihrer Tapferkeit, und dass Sie sich nicht verlaufen. Damit sie erscheint, sagen Sie 'Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin'. Und wenn Sie fertig sind 'Missetat begangen'; wir wollen ja verhindern, dass irgendein gemeiner Slytherin sie entdecken kann."
Eine Sekunde später fand sich Cass wieder, wie sie die Karte hielt und von mehreren gutaussehenden Gryffindor-Jungs auf die Wangen geküsst wurde. Für Ginny und Hermine waren diese letzten Feierlichkeiten jedoch zu viel, und sie wendeten sich kichernd ab.
"Uh – ähm, vielen Dank", stammelte Cass.
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"Narcissa!", rief eine scharfe weibliche Stimme, deren Klang fast schreiend an den gewölbten Decken von Malfoy Hanor widerhall.
"Ich bin hier", antwortete die Dame des Hauses von dem graziösen Divan aus, auf dem sie zu nähen schien. "Wirklich Severus, dieser Trank scheint dir gar nicht zu bekommen."
Die Gestalt von Melindra Parkinson verschwamm mit Severus Snape.
"Ich dachte mir schon, dass es etwas viel war, aber es ist die einzige Möglichkeit, damit man es hinter diesen verdammten Goyle-Brüdern aushalten kann. Kannst du nicht veranlassen, dass sie sich zumindest jeden dritten Sonntag waschen?"
"Dann ginge vielleicht die Hälfte ihrer Dummheit verloren." Narcissa legte die Slytherin-Steppdecke beiseite und enthüllte etwas, das einem Schundroman aus gewöhnlichen Muggelsupermärkten schockierend ähnlich sah. "Hat alles nach Plan geklappt?"
"Bestens." Snape starrte angewidert auf den Umschlag. Narcissa hielt das Heft stolz hoch.
"Magst du's? Ich finde, die Models sind ein bisschen übertrieben geraten, aber es ist schön, wieder etwas im Druck zu haben."
"Wenn Lucius wüsste, dass du die nur zum Spaß schreibst", warnte Severus. Narcissa ließ ein kehliges Lachen hören.
"Ist das in irgendeiner Weise schlimmer als Millie Parkinsons Neigung zum traumlosen Schlaf oder Jenny Catesbys Schwäche für Fanfiction?" Die blonde Frau drehte abwesend ihren Zauberstab in den Fingern. "Letzteres habe ich immer noch nicht verstanden."
"Übrigens glaube ich, dass ihre Tochter geschlagen wird."
"Verdammt! Wenn das dieser dreckige, kleine Blodgettjunge ist –"
"Er ist es."
"Zur Hölle mit ihm!" Narcissa warf den Schundroman in einen riesigen Spiegel, der zerbarst. "Ich schwöre dir, wenn es nicht um dich und diesen zuckersüchtigen Mann ginge, würde ich loslaufen und Draco zu Salazar befördern."
"Warum machst du das nicht sowieso mal diesen Sommer?" Severus hob den Roman untätig auf und musterte das Cover abwertend. "Gestern hat er Neville Longbottoms Kröte getötet."
"Ach deswegen hat ihm fast jemand das Bein abgerissen?", fragte Narcissa fast abwesend. "Vielleicht hätte ich es nicht heilen sollen. Kleiner Scheißer…"
"Im Übrigen war es nicht Miss Granger, die ihm das Bein gebrochen hat."
"Oh, das war mir klar. Meinen Quellen zufolge scheint sie dafür viel zu nett zu sein."
"Deine Quellen?" Ein winziges Lächeln schimmerte an Severus Mundwinkeln.
"Schätzchen, was denkst du, wofür die misshandelten Slytherinmädchen alles gut sind?" Narcissa lächelte königlich und nahm ein ekelig klebriges Ding in die Hand. "Und ich weiß mehr über dich, als es dir lieb wäre."
"Was in Merlins Namen isst du da?" Snape beäugte die Köstlichkeit mit wachsendem Ekel.
"Ein 'Crispy Creme Donut'. Ist so 'ne Muggelsache." Narcissa bot ihm die flache Box an, doch er lehnte ab, als ob sie knusprige Frösche enthielte. "Ich habe eine Kiste für dich, die du zum Zuckermann mitnehmen sollst."
"Hättest du dir ein noch offensichtlicheres Pseudonym einfallen lassen können?"
"Lucius meint immer noch, es hätte mit irgendeinem Muggelfilm zu tun, anstatt, dass man es wörtlich nimmt. Steht er nicht immer noch auf diese Zitronendrops?"
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