gwiwileth: Schön, dass du wieder da bist und danke für dein Review. Ich muss eingestehen, dass ich ohne deine ermutigenden Reviews vielleicht aufgeben würde. So hier isteinh weiteresKapitel.
Auf der Suche
IX.Hoffnungsschimmer am HorizontSilivren führte den jungen Herrn in ihr Gästezimmer. Dort bemerkte sie mit einem Lächeln, dass Jacite gute Arbeit geleistet hatte. Eine Flasche starken Weins und zwei Gläser standen wie verabredet auf dem runden Tisch.
Der Besucher schaute sich sichtlich interessiert im Raum um.
„Setzt euch doch bitte, Mylord", forderte sie ihn auf und zeigte auf den einen Sessel neben dem Fenster.
Er sah sie einen kurzen Moment an, dann ließ er sich in dem Sessel nieder. Seit sie im Gästezimmer waren, war der Herr äußerst wortkarg.
Silivren goss in der Zwischenzeit Wein ein. Sie nahm beide Gläser in den Händen und hielt eins davon dem jungen Mann hin. „Dürfte ich euch ein Glas Wein anbieten?", fragte sie lächelnd. Insgeheim wusste Silivren, dass sie ihn keine Chance gelassen hatte, abzulehnen.
„Ich danke euch, Mylady", erwiderte er und nahm das angebotene Glas. Silivren beobachtete ihn aus dem Augenwinkel, während sie so tat, als trinke sie den Wein.
Er hielt nur das Glas in der Hand und betrachtete den Wein darin. Warum rührte er den Wein nicht an?
Mit einem schlechten Gefühl stellte sie ihr Glas ab. Der Herr platzierte sein Glas neben dem ihres.
Silivren sah, dass die Flüssigkeit in den beiden Gläser auf derselben Höhe war.
Keiner von ihnen hatte den Wein angerührt.
„Ihr solltet dies nicht immer tun", meldete sich der Besucher zu Wort.
Sie bedachte ihn mit einem fragenden Blick. „Schlafpulver in den Wein zu schütteln", setzte er fort.
Silivrens Herz setzte einen Moment lang aus. Woher wusste er es? Sie beschloss, sich unwissend zu stellen. „Wie meint ihr das, mein Herr?"
Der junge Mann studierte wissend ihr Gesicht. „Ich schlussfolgere aus Gegebenheiten, auch wenn meine Freunde es vielleicht nicht können. Ich bin kein Stammkunde von solchen Häusern, müsst ihr wissen. Ich habe von den Erzählungen meiner Freunde erfahren, dass ihr wunderschön seid, aber dass nach der Nacht sie einen viel zu großen Kater haben, um sich an die Geschehnisse der Nacht erinnern zu können. Einmal ginge noch das Schema, aber nach zu vielen Malen, denkt ihr, meine Dame, nicht auch, falle es auf?"
Silivren versuchte sich unbeeindruckt zu zeigen. „Was wollt ihr hier?"
„Euch ein Angebot machen", kam prompt die Antwort. Sie war überraschend für Silivren. Was für ein Angebot?
„Erklärt es mit bitte, Mylord", verlangte sie.
Er nickte. „Natürlich"
Nach einer Pause fing der Unbekannte an zu erzählen: „Ich habe mich noch nicht vorgestellt. Man nennt mich Lord Equin, ich bin Lord Harans Sohn. Mein Vater ist einer der Berater des Königs. Meine Mutter ist sehr früh verstorben. Sie hat Schönheit geliebt und es schrecklich gefunden, dass viele, reizende, junge Frauen als Dienerinnen arbeiten mussten. Bevor sie starb, nahm sie meinem Vater das Versprechen ab, so vielen schönen Mädchen wie möglich ein besseres Leben zu geben. Seitdem nimmt mein Vater die schönsten der armen Mädchen auf. Als seine Ziehtöchter haben sie alle einen hohen Rang in der Gesellschaft. Da Vater so vielen wie möglich helfen möchte, muss er sich finanzieren. Die Mädchen helfen ihm freiwillig und führen für ihn bestimmte Aufträge aus." Er brach ab.
„Was sind das für Aufträge?", wollte Silivren interessiert wissen.
Lord Equin musterte sie. „Sie benutzen ihre Reize, um zum Beispiel politisch wichtige Informationen zu erfahren oder den Wahrheitsgrad von bestimmten Gerüchten zu überprüfen. Es passiert auch manchmal, dass sie politischbedingte Bindungen, wie arrangierte Hochzeiten, verhindern sollen."
Silivren nickte stumm. Sie hatte verstanden. Lord Haran benutzte seine Ziehtöchter um seine politische Stellung zu bewahren.
„Lady Thismée, eine meiner Ziehschwestern, hat beschlossen einen Adligen aus Osgiliath zu heiraten. Somit kann mein Vater wieder jemand aufnehmen. Ich denke da an euch, meine Dame", fuhr er weiter. „Ihr wollt Eure Freiheit wiedererlangen. Mein Vater kann es euch geben. Das ist mein Angebot. Was haltet ihr davon, Mylady?" Abwartend fixierten sie seine Augen.
Silivren wusste, dass das Angebot sehr reizvoll war.
Schon seit einem Monat war sie hier eingesperrt. Sie hatte nicht einmal die schöne Seite der Weißen Stadt bewundern können. Wie sehr hatte sie sich Freiheit gewünscht?
Dann kam ihr ein anderer Gedanke. Ließe sie, wenn sie das Angebot annahm, nicht Jacite in Stich? Jacite war ihr eine treue Freundin gewesen.
Und... war die Freiheit, die Lord Equin ihr anbot, nicht illusorisch in gewisser Weise? Musste sie nicht genauso Männer verführen?
‚Doch', schloss Silivren ab, ‚ich kann nicht darauf vertrauen, jemals wieder so eine Gelegenheit zu haben, meine Freiheit zu erlangen. Laethor hat ihr es zwar versprochen, aber wie viel zählt das Wort eines Sklavenhändlers?'
„Mylady?" Silivren spürte, dass ihr Gegenüber langsam ungeduldig wurde.
„Ich nehme euer Angebot an, Mylord."
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Sie musste lachen, als Andrew sich an seinem Orangensaft verschluckte. Sie hatte ihm einen Witz erzählt, während er getrunken hatte.
Elizabeth hatte sich lange auf das Picknick mit Andrew gefreut. An diesem Tag war es soweit. Sie war im Wald. Nur die Natur, sie und Andrew. Keine Verpflichtungen. Kein eifersüchtiger Verlobter und keine überbesorgten Eltern.
Nach dem Ball, wo sie Andrew John vorgestellt hatte, hatte sie gehofft, dass sich Johns Eifersucht auf Andrew legen wird. Da hatte sie falsch gedacht. John war eifersüchtiger denn je auf Andrew. Dabei waren Andrew und sie wirklich nur Freunde. Johns Verdächtigungen und Eifersuchtsanfälle machten sie krank. Zuerst hatte sie ihn noch mit Küssen besänftigen können, doch als er weiterhin Eifersuchtsszenen vor ihrer Familie hinlegte, hatte sie genug. Sie seufzte. Sie hatte eine John - freie Zeit dringend nötig.
„Was hast du?" Elizabeth schreckte aus ihren Gedanken. Anscheinend hatte Andrew ihren in Gedanken versunkenen Ausdruck bemerkt.
„Ich", sie versuchte die richtigen Worte zu finden. Elizabeth dachte nach. Noch hatte sie Andrew nicht von ihren Gefühlen gegenüber ihrer Hochzeit erzählt. Sie hatte es bisher niemandem erzählt, jedoch brauchte sie dringend jemand dem sie sich anvertrauen könnte. Sonst, hatte sie das Gefühl, ersticke sie. Und wer wäre eine bessere Vertrauensperson als Andrew?
Also fing sie an Andrew alles zu erzählen. Nachdem sie geendet hatte, fühlte Elizabeth sich viel besser. Andrew hatte sich sehr verständnisvoll gezeigt und nicht versucht ihr gutgemeinte, aber nutzlose Ratschläge zu erteilen. Dafür war sie ihm dankbar.
Er zog sie in eine freundschaftliche Umarmung. Seine Arme umschlangen sie.
Als sie ihm in die Augen sah, fühlte sie sich wunderbar geborgen. Sie strahlten voller Wärme, Zuneigung und ...Liebe? Konnte es sein?
Seine Lippen berührten ihre und einen kurzen Augenblick lang vergaß sie die Welt um sich.
Es konnte sein.
Sie konnte es nicht glauben, dass sie hier war und Andrew... sie küsste?
Erschrocken brach Elizabeth den Kuss ab. Andrew sah sie fragend und auch verletzt an. Was hatte sie nur getan? Sie war verlobt! Elizabeth rannte weg ohne sich umzudrehen.
Sie fühlte sich schuldig. Wie blind war sie gewesen, nicht zu sehen, dass Andrew weitaus mehr für sie empfand als bloße Freundschaft. Sie blieb in ihrem Lauf stehen. Was empfand sie für ihn? Sie schüttelte den Gedanken von sich. Es war unwichtig. Es war irrelevant.
Es konnte niemals sein.
