Kapitel 9 - Finstere Pläne
Zur gleichen Zeit – als Leon Martin die ersten Schritte seiner Aktionen im Hilton einleitete, schritt ein gedrungener, ungepflegter Mann durch die Gassen eines heruntergekommenen Viertels Londons.
Misstrauisch sah er sich um, zog den Kragen hoch und verschwand in einem heruntergekommenen Industriegebäude. Er durchschritt die völlig leere Halle, während der Wind, der durch die zerbrochenen Scheiben hereinpfiff, an seiner Robe zerrte.
Fluchend murmelte er vor sich hin. „Am helllichten Tag, sind die denn verrückt geworden. Nimmt mich wunder, was es so dringendes gibt!".
Weiter leise vor sich hin fluchend gelangte er an eine fugenlose Wand. Sich nochmals verstohlen umblickend, nahm er einen Dolch aus seinem Umhang, stach sich in die Handfläche und presste diese an die Wand. Fast sofort erschien eine schäbige Tür, die sich lautlos öffnete. Der Mann trat hindurch, worauf sich die Türe wieder ebenso geräuschlos schloss und verschwand. Nichts deutete mehr darauf hin, dass Sekunden zuvor jemand durch die Halle gegangen war.
Der Mann befand sich in einem kleinen dunklen Gang. Er zog seinen Zauberstab und tippte kurz seine schäbigen Klamotten an. Diese Aktion verwandelte seine Kleider in eine Todesserrobe. Er zog die Kapuze über den Kopf, zog eine silberne Maske aus dem Umhang und setzte diese auf. So gekleidet schritt er durch den durch eine Fackel kaum erhellten Gang und trat durch die einzig vorhandene Türe.
„Scheinen ja alle da zu sein", brummte er. „Was da wohl wieder passiert ist?"
In dem Raum standen 23, in Todesserroben gekleidete Gestalten. Der Neuankömmling vervollständigte das doppelte Dutzend. Dies war noch der traurige Rest in London, der von den Todessern nach dem Fall des dunklen Lords übrig geblieben war.
Nach einigen Minuten des Gemurmels löste sich eine hochgewachsene Gestalt von der Gruppe und trat auf einen Sockel, damit er eine etwas erhöhte Position einnehmen konnte.
„Meine Todesser!" rief die Stimme, was mit einem deutlich vernehmbaren Schnauben des zuletzt eingetretenen quittiert wurde.
„Rabastan!, wolltest Du etwas sagen?",fragte der Anführer grimmig.
„Ja, klar Lucius! Willst Du der nächste dunkle Lord sein? ‚Meine Todesser'! Deinen Pathos kannst Du Dir sonst wo hin schmieren. Wir sind weder Deine Todesser noch hast Du wohl kaum sie Macht und das Hirn, um uns anzuführen." kam von Rabastan Lestrange.
Die Stimme Lucius zischte vor Wut. „Du wagst es..." Unruhe entstand unter den anderen Todessern.
„WAS SOLL ICH WAGEN! Diese Kindereien, die Du organisierst, bin ich nicht mehr bereit mitzutragen. Seit dem unglücklichen Ableben unseres verehrten Lords, werden wir immer weiter dezimiert. Ein Großteil unserer Kollegen", das Wort Kollegen spie er förmlich aus, „hat es vorgezogen sich auf den Imperius rauszureden, die anderen, die dumm genug waren, sich gefangen nehmen zu lassen, sitzen in Askaban, und von unseren ursprünglich 71 verbliebenen Getreuen sind gerade noch wir übrig. Und was tust Du dagegen, du armseliger Abklatsch eines Anführers? – Nichts!" Beantwortete er seine Frage gleich mit.
„Rabastan," man hörte Lucius an, dass er Mühe hatte, seinen Beherrschung zu wahren, als er so vor seinen versammelten Getreuen heruntergeputzt wurde.
„Rabastan – gerne übertrage ich Dir die Leitung dieser Gruppe. Ich habe Euch hier zu diesem unüblichen Zeitpunkt hergerufen, weil ich neue Informationen habe. Hört mich an. Wenn Euch nicht gefällt was ihr hört, dann kann gerne Rabastan für mich weitermachen."
Zustimmendes Gemurmel war zu hören und Rabastan antwortete: „Lass hören – und bete darum dass es überzeugend klingt!"
„Das wollte ich – wenn Du mich nicht unterbrochen hättest!", knurrte Malfoy, konnte aber nicht verhindern, dass das Blut aus seinem Gesicht wich, als er die unterschwellige Drohung Lestranges hörte.
„Wie alle wissen, sind wir verschiedenen Wegen nachgegangen, um aus der derzeitigen Misere wieder herauszukommen. Ich habe mehrere treu ergebene Leute im Ministerium, die großen Einfluß auch auf diesen Waschlappen Scrimgeour haben.
Da ich – wie jeder von uns – nicht mehr öffentlich auftreten kann, ja, ich durch meinen verräterischen Sohn auch keinen Zugriff auf das Familienvermögen habe, gestaltet sich alles recht schwierig, aber es geht langsam aber sicher voran. Unser Einfluss auf das Ministerium steigt von Tag zu Tag, da durch den nicht nachweisbaren ‚flüssigen Imperius', den unsere geschätzter Severus entwickelt hat, immer mehr Mitarbeiter unter unseren Einfluss geraten."
„Komm endlich zur Sache" knurrte wiederum Lestrange wütend.
Malfoy ließ sich nicht beirren und fuhr fort.
„Nun – was das Ministerium angeht, läuft so weit alles wie geplant. Was mir große Sorgen Macht ist zum einen, dass immer noch nicht raus ist was mit Potter ist..."
„Potter? Was ist mit Potter, der ist doch tot oder für tot erklärt!" murmelte es allenthalben durch die Reihen.
„Idioten!" rief Lucius die kleine Gruppe zur Ordnung. „Mein Einfluss hat dafür gesorgt, dass Potter für tot erklärt wurde. Die geldgierigen Säcke im Ministerium sind meinen Kontaktleuten auf den Leim gegangen, weil sie dachten, dass kein Erbe der Potters existiert und das Vermögen dann an die Regierung fallen würde. Durch meine Beziehungen zum Ministerium hätte auch ich mein Vermögen wieder aufbauen können. Immerhin ist der Potter-Clan die vermögendste Familie der Welt. Da Potter auch der letzte Erbe der Black-Familie ist, sind die Vermögenswerte unermesslich!
„Malfoy, Du langweilst!, das ist alles schon seit Jahren bekannt, was soll das. Bring endlich was von Wert, oder ich verlasse die Versammlung!".
„Komm schon, Rabastan", der Ton Malfoys wurde etwas versöhnlicher. „Ich komme gleich zum Punkt."
„Wie ihr alle wisst, ging die Sache mit dem Potter-Vermögen buchstäblich in die Hose. Die verdammten Gringotts-Kobolde machten dicht und versiegelten die Gewölbe, die angeblich Potter gehören sollen. Die Tod-Erklärung des Ministeriums wurde schlichtweg ignoriert. Damit sind auch vier Sitze im Zaubergamot blockiert." Was mir aber klar ist: die Kobolde wissen immer, wenn ein Besitzer eines ihrer großen Gewölbe stirbt, was nichts anderes bedeutet, als dass Potter noch lebt!"
„Was ihr noch nicht wisst. Ich habe seit längerem einen Spion auf dieses Granger-Schlammblut angesetzt. Ich weiss aus sicherer Quelle, dass sie seit Jahren nach Potter sucht. Leider wurde das erst vor kurzem bekannt, da sie die Suche unter falschem Namen betrieben hat. Ihre Suche war bisher erfolglos. Allerdings berichtete mein Spion, dass das Schlammblut letzte Woche für mehrere Stunden verschwand. Dazu ist zu sagen, dass unser Spion der Granger einen unortbaren Aufspürzauber angehängt hat. Dieser hat bisher immer funktioniert, egal wo auf der Welt die Granger auf der Suche war. Als sie nach Stunden wieder auftauchte, funktionierte auch der Aufspürzauber wieder."
„Meinst Du sie hat Potter gefunden?" kam die Frage aus den Todesserreihen?
„Nein, ich denke nicht, aber sie hat sicher Informationen erhalten, und wir wissen nicht einmal woher. Wir waren uns einig, dass wir das Schlammblut nur beobachten, da eine Entführung nichts bringt, wenn nicht einmal klar ist, ob Potter noch lebt beziehungsweise wo er ist. Auf seinen sprichwörtlichen Rette-Menschen-Tick' zu bauen nützt nichts, wenn er von einer Entführung nichts weiß. Ich überlege, ob wir sie nicht doch in die Mangel nehmen sollen um herauszupressen, was sie weiß..."
„Das Risiko ist zu groß. Weise unseren Mann an, besser auf die Granger aufzupassen. Sobald ihm etwas auffällt, können wir immer noch zugreifen. Er soll melden, wohin sie geht, wen sie trifft usw. Zu viele unserer Kameraden sind diesem verfluchten Falken zum Opfer gefallen!" so Lestrange.
Ein Zischen ging durch die Versammlung.
„Bitte Ruhe," rief Malfoy „Leider machen wir immer noch keine Fortschritte, was diese verfluchte Falkenorganisation angeht. Es sind schon wieder zwei unserer Leute verschwunden und im Ministerium aufgetaucht. Diese verfluchte Organisation liefert auch noch Beweise frei Haus! Seit dem Desaster mit Dolohov traut sich keiner mehr im Ministerium die Gefangenen des Falken wieder freizulassen."
„Seid einfach vorsichtiger, was die Auswahl Eures Unterschlupfs angeht. Diese Falken haben schon Verstecke aufgestöbert, von denen jeder dachte, dass sie unaufspürbar seien. Ihr seid entlassen!"
Lestrange wartete, bis der letzte Todesser den Saal verlassen hatte.
„So Lucius, nun mal Klartext. Was hast Du wirklich mit dem Schlammblut vor." Ein böses Grinsen erschien auf Lestranges Gesicht.
„Ich denke, dass es Dir gefallen wird," sagte Lucius Malfoy. „Pass auf, ich mache folgendes:"
TBC
