Room Service
Es wird spannender, meine Übersetzerin meinte, es sei ein Kinothriller. Was meint ihr? Wie findet ihr die bisherige Wendung der Story? Auf jeden Fall bricht die Spannung nicht ab. Die Outfits und die Bilder des Hotels und des Casinos findet ihr auf Tumblr und auf Pinterest. Schaut doch mal vorbei.
Nicollier verbrachte die Nacht im Hermitage. Er selber besaß eine Villa in Saint Tropez, aber dringende Geschäfte zwangen ihn zu einem längeren Aufenthalt in Monte Carlo. Das Pendeln zwischen den beiden Orten würde ihm nur unnötig Zeit rauben. Auch war das Tennis Turnier in wenigen Tagen, das seine Anwesenheit verlangte. Es klopfte an der Tür. Mit einer Zeitung in der Hand öffnete er die diese. Einer der Pagen streckte ihm ein silbernes Tablett entgegen, darauf lag ein gefaltetes Platt Papier. Nicollier nahm es und schloss wieder die Tür. Den Pagen ließ er ohne Trinkgeld stehen.
Der ältere Herr ging wieder in die Suite und setzte sich auf einen der Sessel. Louis ist im Hermitage und hat auf unbestimmte Zeit mehrere Zimmer gebucht Der Concierge brachte ihn wie immer auf den neusten Stand. Die Anwesenheit von Ferons Bruder war mehr als ärgerlich. Sofort nahm er sein Handy vom Beistelltisch und wählte Guise Nummer. Nicollier, was gibt es? „Entschuldigen Sie die Störung. Ich habe unerfreuliche Neuigkeiten. Louis hat Nizza verlassen und checkt gerade auf unbestimmte Zeit im Hermitage in Monte Carlo ein."
Am anderen Ende war es lange still. Dann sprach Guise mit einer ruhigen Stimme, die Gänsehaut verursachte. Aber keine Art der Gänsehaut, die angenehm war, eher eine, die man bei Horrorgeschichten bekam. Werden Sie ihn los. Er soll wieder nach Nizza. Überreden Sie Louis, dass Monte Carlo ein Tagesausflug ist. Er muss zurück nach Nizza. Ohne auf eine Antwort zu warten legte Guise auf.
Guise, der während des Anrufes in seinem Arbeitszimmer gewesen war, legte das Handy jedoch nicht weg, sondern wählte eine neue Nummer. Ohne auf die Begrüßung zu warten, fing er an. „Feron, dein Bruder ist wohl doch kein einfacher Mann, so wie du ihn beschrieben hast. Er ist nun in Monte Carlo bei Nicollier." Louis in Monte Carlo? Davon habe ich nichts gehört. „Es kümmert mich nicht, was du gehört oder nicht gehört hast. Hast ihn wohl doch nicht unter Kontrolle." Mit dieser Anschuldigung beendete er auch dieses Gespräch.
Feron hielt den Hörer noch einige Sekunden an sein Ohr, obwohl das andere Ende schon lang nicht mehr besetzt war. Grimaud kam herein. „Sir?" „Louis ist in Monte Carlo." Meinte dieser, als er den Hörer wieder auf die Gabel legte. „Ja, aber die Wanzen… Sie sind noch alle in Nizza." Feron starrte wieder in seine Papiere. „Kümmere dich drum." Sagte er trocken. Das Thema war für ihn abgehackt. Genau für diese Angelegenheiten hatte er Grimaud. Dieser ging sofort wieder nach draußen um den Auftrag schnellst möglichst zu erfüllen.
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Porthos drehte sich schnell um und hielt dem Zimmermädchen, das er angerempelt hatte, die Hand hin. „Mademoiselle, es tut mir so leid. Das wollte ich nicht. Hätte ich hinten Augen…" er hielt inne, als er das Mädchen, oder besser gesagt, die Frau in Augenschein nahm. Eine junge Frau, blond, ein schmales Gesicht, eine dünne Nase und große Augen. Diese Augen schauten ihn an und nahm dankend seine Hand. Als sie versuchte aufzustehen, verstand er auch warum. Sie war hochschwanger.
Schnell verwarf er jeden weiteren Gedanken, der sich schon in seinem Kopf bilden wollte. Sie lächelte ihn an. „Ja?" Er schaute verdutzt. Sie half ihm auf die Sprünge. „Wenn sie hinten Augen haben, dann?" Nun verstand er. „Dann hätte ich so eine schöne Dame natürlich sofort gesehen." Sie wurde leicht rot. „Nun, es ist ja nichts passiert. Monsieur. Ich hätte ja auch besser aufpassen können." Sie wollte weiterlaufen, doch er hielt sie noch kurz auf. „Sie sind hier Zimmermädchen?"
Auch wenn es unhöflich schien, er musste einfach fragen. „Ja, Monsieur, nicht jeder ist aus reichem Hause." „Bitte, nennt mich Porthos, Monsieur kann ich nicht hören, ich denke dann immer, ich sei vierzig und habe schon einen grauen Bart." Er lachte auf. Sie musste bei diesem Gedanken, dass der stattliche Mann vor ihr schon alt und grau sei, auch leicht grinsen. „Elodie." Stellte sie sich vor und ging dann ihrer Wege.
Beim Weglaufen drehte sie sich nochmals um. Er war wirklich gutaussehend. Er hatte ein dunkelrotes Poloshirt an, dazu eine schwarze Bermuda Short. Eine schwarze Cap schütze ihn, genau wie die Sonnenbrille, vor der Sonne. Passend zum Shirt trug er noch rote Sneaker. Das war wohl einer der angenehmeren Gäste, dachte sie. Eine Seltenheit bei dem Klientel in Monte Carlo. Dann ging sie aber wieder an die Arbeit.
Auch Porthos dachte noch an sie, als er das Gepäck in Louis' Suite stellte. Er wüsste gerne, warum eine Frau bei dem Sozialsystem in Frankreich trotz allem in dem Zustand noch arbeiten musste. Vielleicht müsste ich öfters mal den Room Service rufen, dachte er sich.
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Als Louis schon längst mit Milady in der Suite und Treville in seinem Zimmer verschwunden war, traf nun auch der Rest ein. Am Anfang der Fahrt hatte sich Anne schrecklich aufgeregt, dass Louis einfach so abgefahren sei und noch nicht einmal auf die anderen gewartet hatte, wurde dann aber schnell still, als sie sah, dass D'Artagnan und Constance auf den Rücksitzen schlief. Die Fahrt war doch relativ kurz. Aramis und Anne weckten das junge Paar. Aramis half seinem Freund aus dem Auto und alle betraten das Hermitage.
Als sie durch die große Tür kamen, lief ihnen Nicollier entgegen. „Ah, Anne, eine Freude, Sie ihn Monte Carlo zu begrüßen." Sein Ärger von heute Morgen war urplötzlich wie weggeblasen und er streckte Anne die Hände entgegen. „Monsieur Nicollier, ich dachte, Sie seien in Saint Tropez?" Sie schüttelte ihm die Hand, dabei blieb sie doch auf Abstand. Ein Küsschen links und rechts, dazu hatte sie nun wirklich keine Lust. Nicollier verstand es schnell und ließ ihre Hand los.
„Geschäfte rufen mich. Die Spielbank von Monte Carlo ist einer meiner Investitionen. Auch verlangt das bevorstehende Tennis Turnier meine Aufmerksamkeit." Bei der Erwähnung der Spielbank machte nicht nur D'artagnan große Augen. „Ich beglückwünsche Sie zu dieser rentablen Investition. Die Spielbank ist einer der bekanntesten weltweit." Sagte Constance bewundernd. „Und einer der Vermögendsten." D'artagnan verdrehte die Augen.
„Aber Madame, was machen Sie denn hier? Ich dachte Sie bleiben an Nizza. Monte Carlo ist doch noch weiter von Saint Tropez weg, als Nizza." „Und dabei ist schon Nizza für die geschäftlichen Angelegenheiten sehr weit entfernt." Gab nun Aramis bissig zurück. Er wollte sehen, wie Nicollier sich verhielt. Aber dieser gab nichts Preis, er antwortete schlicht. „Aber dafür einer der schönsten Urlaubsregionen."
Anne ging darauf nicht weiter ein, sondern beantwortete die Frage. „Nun, Monsieur, wahrscheinlich sind wir genauso wie Sie wegen dem Casino und dem Turnier hier. Die Freundin meines Cousins hatte sich das gewünscht." Beim Wort Freundin musste sie doch scharf überlegen, wie sie Milady betitelte. Am Ende hatte sie sich für die freundliche Version entschieden, es sollte schließlich kein Außenstehender merken, was im inneren Kreis von Louis passierte. Nach dem üblichen Smalltalk verabschiedete sich Nicollier von der kleinen Gruppe.
Nicollier wünschte den neuen Gästen einen schönen Aufenthalt und ging nach draußen, die Damen erwiderten den Wunsch und gingen zur Rezeption. Die Herren schauten Nicollier noch skeptisch nach, folgten dann aber Anne und Constance. Am Tresen lehnte sich D'artagnan wartend an das Gepäck und ruhte sich so etwas aus. Athos stellte sich zu Aramis. „Ein großer Zufall, dass Nicollier hier ist." Aramis beobachtete die Lobby, antwortete aber seinem Freund. „Du weißt doch, was man über Zufälle sagt. Das Universum ist selten so faul."
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Aramis begleitete Anne auf ihr Zimmer. Er trug als Tarnung ihren Koffer, dabei lag das Offensichtliche auf der Hand. Athos war aber mit anderen, wichtigeren Dingen beschäftigt, als dies mitzubekommen und D'artagnan sowie Constance störte dies nicht. Auf dem Zimmer angekommen, fing Anne an auszupacken. Aramis setzte sich zu ihr auf das Bett. Er schnaufte laut. Anne wollte schon fragen was ihn bedrückte, da fing Aramis schon an.
„Ich bin wirklich sauer auf ihn. Weißt du wie riskant das war, Anne? Er war alleine dort. Ohne Backup, ohne einen von uns zu informieren. Mit einer Verletzung. Und nein, es ist nicht wie bei mir. Er ist viel eingeschränkter, kam er doch erst vor einigen Tagen aus dem Krankenhaus. Aber das ist ja noch nicht alles. Er hat Constance genauso in Gefahr gebracht und ich dachte, wenigstens bei ihr ist er vorsichtig." Aramis holte Luft.
Er hatte wirklich Lust seinen jungen Freund zu verprügeln. Vielleicht kommt so wieder ein bisschen Sinn und Verstand in seinen Kopf. „Geht nachts, alleine, in ein Haus, in ein fremdes Haus ohne vorher Aufklärung zu betreiben. Natürlich sind sie dann eingeschlossen. Wie kann man so naiv sein? Lernt man das in der Spezialeinheit? Ich glaube es ja nicht." Anne grinste nur, ließ ihn aber weiter reden. „Und dann findet er noch nicht einmal was. Alles für nichts."
Anne war fertig mit dem aufräumen und stellte die Taschen in die Ecke, dann setzte sie sich auf das Bett. „Ich finde es wirklich unglaublich sexy, wie sehr du besorgt bist." Aramis schnaubte nur leicht. Sie setzte sich auf seinen Schoß und strich seine muskulösen Oberarme hoch und runter. „Komm, zur Entspannung können wir doch heute Abend in den Jacuzzi gehen." Sie zeigte mit einem Kopfnicken in Richtung der Terrasse.
Er entkrampfte sich und legte nun seine Arme um ihre Hüften und drückte sie noch näher an sich. „Das ist wirklich eine wundervolle Idee." Er küsste sie. Sie genoss es und drückte ihn mit ihrem Gewicht nach hinten sodass er sich in die Laken fiel.
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Constance hatte D'artagnan geholfen ins Zimmer zu kommen. Er sah zwar heute schon besser aus, als die Nacht zuvor, aber er war doch immer noch leicht geschwächt. Er hatte es sich auf dem Bett gemütlich gemacht. Seine Liebste hatte ihm noch die Kissen aufgeschüttelt und stellte ihm nun etwas zu trinken auf den Nachttisch. „Du musst viel trinken." D'artagnan war doch amüsiert über Constance Fürsorglichkeit.
„Nein, grinse nicht so, als wäre alles in Ordnung." „Aber es ist doch alles in Ordnung." Sagte D'artagnan und verstand nicht ganz, warum Constance sauer auf ihn war. „Oh, es ist also in Ordnung, wenn wir bei einem Einbruch, der übrigens illegal war, fast geschnappt werden, dann verfolgt werden und du bei der Verfolgung fast verblutest? Das ist also in Ordnung?" Beim letzten Satz schrie sie fast.
„Constance, soll das denn jeder mitbekommen." Sagte er und schaute sich um. Es war zwar sonst niemand im Zimmer, aber wer wusste wie dünn die Wände waren und wer überhaupt nebenan im Zimmer schlief. Sie schwieg und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie war noch lange nicht fertig, er hatte aber recht, es sollte wirklich niemand mitbekommen. „Es hätte nie so weit kommen sollen." Meinte sie und ihre Wut ihm gegenüber verebbte. Vielmehr war sie auf sich selbst wütend, sie hatte es nur an ihm ausgelassen. Das merkte ihr Freund nun auch.
„Constance, ich bin ein großer Junge und treffe meine Entscheidungen eigenständig. Ja es war nicht alles in Ordnung und es ist viel falsch gelaufen. Aber an all dem hast du die geringste Schuld. Ich kenne meine Grenzen und ich wollte dir helfen. Ich bereue es nicht und ich würde es wieder so machen." Constance nickte, es überzeugte sie nur wenig. D'artagnan beließ es erstmal dabei, er konnte sie nicht dazu überreden, sie musste es von alleine verstehen.
Vielmehr dachte er über den Einbruch an sich nach. Erst der einfache Zugang, dann hatten sie rein gar nichts gefunden, und dann tauchten urplötzlich die Leute, von denen D'artagnan keine Gesichter gesehen hatte und daher ihre Identitäten nicht kannte, auf und ertappten sie beinahe. Bei den Verfolgern hatte er einen Verdacht, behielt diesen aber noch für sich.
„Was hast du denn Aramis erzählt, als du ihn geholt hast?" „Natürlich alles." D'artagnan verdrehte die Augen. „Ich dachte unsere Mission sei geheim." „Naja, als du so blutend auf meinem Bett lagst, dachte ich nicht groß an Geheimhaltung." Gab sie nur zurück. Eins musste er ihr lassen, sich wehren, dass konnte sie. Er konnte es ihr aber auch nicht verübeln. Schließlich hatte er sie ihn seinem Wahn gebeten, Aramis zu holen. Vielleicht war es auch nicht schlecht, dass nun einer der anderen Jungs eingeweiht war.
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Louis war alleine in der Suite. Er vermied es alleine zu sein, denn dann bekam er immer wieder kleine Erinnerungsfetzen vom dem schrecklichen Tag. Er konnte immer und immer wieder die Schüsse hören, die nur wegen ihm abgefeuert wurden. Schnell schüttelte er den Kopf. Nein, er wollte das nicht hören. Er wollte nicht daran erinnert werden.
Hier sollte doch Ablenkung sein, hier sollte Milady sein. Wo war sie? Sie hatte ihn alleine gelassen. Anscheinend um die Stadt zu erkundigen und etwas zu shoppen. Er lief blind im Zimmer herum und bekam fast einen Tobsuchtsanfall. Nie war irgendjemand für ihn da. Nie. Sie hatten ihn verlassen, alleingelassen. Da waren nur er und seine Gedanken und Erinnerungen. Louis versuchte sich zu beruhigen. Er atmete tief ein und wieder aus. Das half aber nicht wirklich. Dann ging er ins Bad und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht.
Das hatte er mal bei Treville gesehen. Er war noch sehr jung gewesen und stieg gerade in Paris auf, Fontainbleau war jedoch schon unter seiner Kontrolle. Als er sich aber Paris näherte, musste er sich wohl oder übel eine Security ins Haus holen. Dazu riet ihm jeder. Einer seiner engsten Mitarbeiter hatte ihm Treville empfohlen. Louis selbst hatte nur die Bewerbung und die Akte überflogen und ihn eingestellt.
Drei Wochen danach wurde der Konvoi angegriffen. Da hatte er noch kein so großes Aufgebot wie jetzt. Mit ihm und Treville waren nur zwei weitere Männer dabei. Treville und er entkamen nur knapp. In seiner Villa nahe Fontainbleau angekommen, auch das Chateau bewohnte er noch nicht, versteckten sich Treville und Louis ihm Sicherheitsraum bis Verstärkung eintraf. Treville stand unter hoher Anspannung und Louis hatte ihn bewundert, dass so etwas Einfaches wie sich Wasser ins Gesicht zu spritzen half.
Auch jetzt brachte es Louis etwas zur Ruhe. Er entschloss alleine loszuziehen, sollte doch Milady schauen wo sie blieb. Er lief wieder in den unteren Stock seiner Suite. Die Suite war wie eine Maisonette Wohnung aufgebaut. Es gab jeweils oben und unten ein Schlafzimmer. Unten gab es dann noch einen kleinen Wohnbereich sowie eine Kochecke. Alles in allem war dies mehr eine Suite nach seinem Geschmack.
Er setzte sich auf einen der Sessel und holte aus seiner Jackettasche eine Münze hervor.
/Vor einer Woche/
Der Ballsaal wurde frisch renoviert. Die Arbeiten waren schon im Gange. Dennoch wagte sich Louis kaum dorthin. Milady hatte ihn zwar immer mal wieder dazu überreden wollen, genauso wie Anne. Doch keiner der Damen hatten Glück oder Erfolg gehabt. Eines Morgens, um elf Uhr, war das Bohren jedoch so laut, dass er noch im Pyjama gekleidet aufstand, sich den Morgenmantel überwarf und in den Gang schritt.
Es war kein Diener zu sehen, dem er hätte Anweisungen geben können. Also ging er dem Lärm nach, auch wenn er unterbewusst wusste, dass es von der Baustelle kam. Auf dem Weg dorthin lief ihm keiner der Diener entgegen. Später wusste er auch warum. Treville hatte auf sein Geheiß hin fast alle entlassen und keine neuen eingestellt.
An der Baustelle zögerte er keinen Moment, was wohl an seiner Wut über den Lärm und seiner Müdigkeit lag und trat auf die Baustelle. Es war nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Er hatte ja nicht ohne Grund den Raum gemieden. Doch keine Erinnerung kam zurück, er hatte keine toten Menschen vor Augen. Alles war gut. Er war wohl ohne Grund dem Raum ferngeblieben.
Der Saal, eingehüllt in Folie und vollgestellt mit allerhand Geräten, war kaum wiederzuerkennen. Er machte sich daher schnell auf die Suche nach dem Verantwortlichen. Auf dem Weg dahin, trat er jedoch auf etwas, das ihm, aufgrund seiner dünnen Pantoletten, doch einen stechenden Schmerz in der Fußsohle bescherte. Er zuckte zusammen, zog den Fuß weg und beugte sich herunter um den Übeltäter ausfindig machen zu können.
Es glänzte leicht. Es war rund und hatte ein Relief auf beiden Seiten. Als er es aufhob und näher betrachtete, erkannte er es sogleich. Er war auf die Münze von Marmion getreten. Dieser hatte sie wohl bei seiner Flucht fallen gelassen. Er strich mit seinem Daumen den Staub von beiden Seiten ab und drehte sie zwischen seinen Fingern hin und her. Schlussendlich steckte er sie ein, erhob sich und suchte weiter den Vorarbeiter.
/Gegenwart/
Louis griff nach seinem Handy und wählte die Nummer. „Anne, wir gehen heute Abend ins Casino. Ich brauche dringend Ablenkung und dafür eine wunderschöne Begleitung. Wir machen zurzeit sehr wenig miteinander und es wäre doch schon etwas Zeit mit einander zu verbringen." Er hatte dabei natürlich nicht nur Hintergedanken. Er wollte natürlich Zeit mit Anne verbringen. Er schätzte sie sehr, als Mitarbeiterin, aber auch als Cousine.
Aber der eigentliche Grund des Anrufes und der Einladung war, er wollte nicht alleine ins Casino gehen. Anne war am Telefon mehr als überrascht. Hatte sie doch so eine Einladung nicht erwartet. Nach kurzem Zögern sagte sie zu. Louis legte auf, nachdem sie sich für abends in der Lobby verabredet hatten und ging ins Bad um sich für den Abend zu kleiden.
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Aramis, der neben ihr im Bett gelegen hatte, stand auf und knöpfte sich das Hemd zu. „Wir treffen uns später?" Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Er wollte es aber Anne überlassen. Diese nickte. „Natürlich. Bis dann." Er gab ihr schnell einen Kuss und ging dann aus dem Zimmer. Sie seufzte noch einmal lauf, hatte sie sich doch auf einen ruhigen Abend gefreut und ging zum Kleiderschrank.
Für so einen Anlass hatte sie dank Constance etwas Passendes dabei. Sie zog es schnell aus dem Schrank und ging dann ins Bad. Dort duschte sie, danach cremte sie sich ein und trug noch dezentes Make-up auf. Dann zog sie das Kleid an und machte sich anschließend die Haare. Sie hatte ein fuchsiafarbenes langes Kleid aus Chiffon an. An ihren Schultern waren die dicken Träger gefaltet. Ihr Dekolletee wurde durch die Spitze gut in Szene gesetzt.
An der Taille verlief noch ein schmales Band, das einen Gürtel andeutete, davon abgehend fiel der Stoff leicht um ihre Beine. Die vordere Mitte war offen und der gemusterte Futterstoff kam so bestens zur Geltung. Dazu trug sie champagnerfarbene Stilettos, rubinrote Ohrringe und eine elegante Clutch, die zu den Schuhen passte.
Fertig für den Abend ging sie in die Lobby. Dort wartete schon Louis auf sie und zusammen fuhren sie zum Casino. Sie nahmen, da nun mal der King und der CFO unterwegs waren, einiges an Sicherheitsmänner mit. Sechs Wachen, sowie die vier Rekruten schlossen sich ihnen an. Treville und die anderen drei hatten an dem Abend frei.
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Aramis, der eigentlich Porthos oder Athos aufsuchen wollte, einer hatte bestimmt Lust mit ihm in die Bar zu gehen, entschied sich um und ging stattdessen zu Constance's Zimmer. Dort klopfte er und diese machte ihm sogleich auf. Als sie ihn sah, verstand sie sofort. Sie sagte, etwas lauter, sodass es auch D'Artagnan hören konnte. „Ah, ich muss etwas mit Concierge klären, bitte komm doch herein Aramis. Bin gleich wieder da."
Aramis betrat den Raum. Constance nahm nur ihr Handy und verschwand aus dem Zimmer. Nun waren D'artagnan und Aramis alleine. Ersterer lag noch auf dem Bett, hatte aber wieder eine gesunde Hautfarbe und eine regelmäßige Atmung. Aramis kam auf ihn zu, blieb aber vor dem Bett stehen. „Wie geht es dir?" fragte er. Es klang aber nicht wirklich danach, als müsse er sich nach der Gesundheit erkundigen.
Er erkannte, dass D'artagnan noch leicht geschwächt, aber auf dem Weg der Besserung war. Daher antwortete ihm sein gegenüber auch nicht. Beide schwiegen und starrten sich an. D'artagnan wollte als erstes wieder etwas sagen und öffnete den Mund. Bevor aber auch nur ein Ton kam, sprach Aramis.
„Wie konntest du nur so dumm sein? Wir alle hätten dich für klüger gehalten. Herrje, selbst ich hatte das gedacht. In so einem Zustand, so eine Mission und dann mit unserer Zielperson. Ja ich weiß, sie ist auch deine Freundin. Aber selbst da hätte es dir doch nur bewusster werden sollen. Wie naiv kann man sein. Wenn Treville das erfährt, oder Athos. Überall anders wärst du gefeuert worden!"
Aramis brachte seine Wut und seinen Frust zum Ausdruck. „Wenigstens Bescheid hättest du geben können. Oder um Hilfe bitten. Aber nein, du musst ja alles alleine machen. Der liebe Herr kann ja alles besser. Ja, du kannst alles besser. Aber ich, ja ich habe dich wieder zusammenflicken müssen. Ich, nicht du. Soviel kannst du dann doch nicht."
Er starrte D'artagnan weiter an. Dieser wartete nur das Aramis fertig war. „Einer für alle." Meinte er dann nur. Aramis drehte sich kurz um und beendete damit den Blickkontakt, dann murmelte er resigniert. „Und alle für einen." Er setzte sich zu D'artagnan ans Bett. „Können wir uns jetzt dem Wichtigerem zuwenden?" Aramis bestätigte es mit einem kurzen Nicken.
„Constance hat dir ja schon alles erzählt. Wir haben nichts gefunden. Rein gar nichts." „Kam mir auch gleich spanisch vor. Irgendetwas hat doch jeder von uns in seiner Wohnung rumliegen. Klar, ein Brief, wo direkt geheim draufsteht, jetzt nicht, aber wenigstens eine Korrespondenz zum Projekt oder ähnliches." D'artagnan hatte die gleichen Gedanken wie Aramis.
„Und dann die wenigen Dateien." Warf Aramis ein. „Ja, schon merkwürdig. Wir konnten sie leider nicht kopieren. Haben auch nicht reingeschaut, aber alleine von der Größe der Ordner kann ich sagen, dass das keine komplexen Dokumente waren." Beide schwiegen und dachten nach. Dann schoss es D'artagnan in den Kopf. „Es war wie eine Alibiwohnung. Wie eine Scheinwohnung für die Außenwelt."
„War denn der Rest der Wohnung auch so?" „Nein, das sah wirklich so aus, als lebte dort jemand. Alles war benutzt gewesen, ordentlich, aber bewohnt." „Also schiedet Alibiwohnung aus. Außer er hat die Wohnung nur zum Wohnen genutzt und arbeitet noch woanders. In einem Büro oder so." D'artagnan zuckte mit den Schultern, den Fakt hatten sie natürlich nicht erst untersucht. Aramis hatte Recht, Recherchearbeit war vor einem Einbruch sehr wichtig. „Und was ist mit den Männern? Es kommen doch nicht einfach so Männer, ein ganzes Sicherheitsteam in deine Wohnung, wenn du dort nur wohnst."
„Zumal Feron nicht einmal anwesend war. Sie wären doch eher bei ihm gewesen." „Genau, und sie kamen auch sehr spät. Constance und ich waren gut zwei Stunden vor Ort und erst dann kamen sie, so als hätten sie es gewusst und nur eine geeignete Chance abgewartet."
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Athos war schon auf seinem Zimmer und packte seine Sachen aus, als Treville klopfte. Er war doch mehr als überrascht seinen Boss bei sich anzutreffen und ließ ihn eintreten. „Treville, was gibt es? Ich habe heute meinen freien Abend." Treville ging darauf gar nicht ein. Er sagte nur mit einer desinteressierten und doch unhöflichen Stimme. „Ich brauche die Berichte der vergangenen Tage noch. Auch will ich einen Sicherheitscheck über das Hotel, die Angestellte und der Umgebung. Stell Monte Carlo auf den Kopf. Alles liegt bei mir bis morgen früh auf dem Schreibtisch"
Athos arbeitete gerne und hart. Vor allem für solche Leute wie Treville. Er war stets treu und loyal und hinterfragte selten einen Befehl des Captains. Aber das ging zu weit. „Treville, dazu fehlt die Zeit und mir die Männer. Louis ist in der Spielbank mit Anne. Sie haben die zweite Schicht mit. Die erste muss sich ausruhen. Wir haben einen kleinen und umfassenden Check gemacht, Bericht habe ich dir per Mail zugesendet, das muss reichen."
„Es muss reichen? Ich habe mich wohl verhört, ich entscheide, was reicht und was nicht. Eine kleine Kontrolle ist nicht zufriedenstellend. Mach das was ich will oder du wirst gefeuert." Athos wollte etwas erwidern, aber Porthos kam zur Tür herein. Sofort ging er auf die beiden zu und stellte sich gekonnt zwischen sie. Er hatte laute Stimmen auf dem Gang gehört und je näher er an Athos' Tür kam, desto klarer war es für ihn um was es ging.
Athos und Treville hatten sich nichts mehr zu sagen, jedenfalls nicht in Anwesenheit von einem Zeugen. Treville ging einfach ohne ein Wort des Abschiedes. Athos war weiterhin noch wütend und schmiss die restlichen Kleidungsstücke in den Schrank und schlug diesen mit Wut zu. „Irgendetwas ist da los!" „Ja, Treville hat den Verstand verloren." erwiderte Athos böse. „Nein, das meine ich nicht.." „Ich weiß, was du meinst." Lenkte Athos nun ein und fuhr fort. „Ich habe das schon etwas länger im Auge." „Dann sollten wir unbedingt herausfinden warum."
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Die Spielbank von Monte Carlo war ein beeindruckender Bau. Auch innen war es doch eher schlicht und elegant gehalten. Anders als die Casinos in Las Vegas setzte es auf eine Spur Eleganz und Grazie. Das gefiel Anne sehr. Louis pokerte an einem der Tische und Anne war beim Roulette hängen geblieben. Sie hatte teilweise mal Glück und dann wiederrum verlor sie wieder ihren gesamten Gewinn. Aber so war nun mal das Spiel. Bei Louis sah es aber überhaupt nicht gut aus. Er verlor hohe Beträge und das Glück war ihm nicht hold.
Als sie sich umdrehte und auch die anderen Tische beobachtete fiel ihr auf, um welch hohe Summen es doch hier ging. Sie war auch andere Casinos in Las Vegas gewohnt, wo es genauso bedeutende und reiche Kunden gab. Doch die Geldmassen, die hier den Besitzer wechselten, dass kam ihr doch unnatürlich vor. Gerade beim Roulette wird hochgesetzt, aber so hoch war eigentlich nicht normal.
Auch verloren die meisten Kunden an einigen Tischen mehr als an anderen. Das hatte jedenfalls die Frau auf der Damentoilette behauptet. Anne konnte es so nicht bestätigen, doch merkte sie, wie an dem einen Tisch mehr als an dem anderen gejubelt wurde. Es gab selten Zufälle.
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Nach dem Casinobesuch, es war doch schon spät, war der Jacuzzi schon an und Aramis und sie saßen im blubbernden Wasser und genossen die Ruhe. Beide tranken Champagner und schauten sich den Sternenhimmel an. Sie hatte sich eng an ihn gekuschelt und ihr Kopf lag auf seiner oberen Brust. Seine Arme lagen auf dem Beckenrand auf.
„Hast du mit D'artagnan geredet?" fragte se ihn, als sie das Glas auf das Holztablett am Rand abstellte. Aramis fragte erst gar nicht, woher sie das wissen konnte und nickte. „Ja, es ist wahrscheinlich größer als gedacht." „Wie meinst du das?" „D'artagnan und ich, wir haben mehrere Theorien und müssen alle überprüfen, aber ich denke, wir sind da auf etwas gestoßen. Dem müssen wir nachgehen."
„Gut, ich würde gerne helfen. Sag einfach was ihr benötigt." Aramis holte schon Luft, aber Anne legte ihren Zeigefinder auf seine Lippen. Sofort hielt er inne. „Nein, fang damit gar nicht erst an. Ich habe Constance den Auftrag erteilt und durch mich ist erst alles ins Rollen gekommen. Ich helfe mit, Ende der Diskussion." Als Zeichen seiner Kapitulation küsste er nur den Finger auf seinen Lippen.
Sie lächelte leicht wurde danach aber gleich wieder ernst. „Ich war doch heute mit Louis im Casino und mir sind da ein paar Dinge aufgefallen, vielleicht hängt das alles zusammen." Aramis schaute sie nun direkt an. „Die Summen, die dort gespielt werden, sind…."
Und wie findet ihr es? Habt ihr irgendwelche Kritik, Wünsche oder Anregungen. Lasst es mich wissen, gerne gehe ich auf alles ein und nehme, wenn es passt, es auch in die Story auf. Ich weiß einige sind vielleicht von Porthos Love Interest nicht so begeistert. Aber schreibt doch selber eure Meinung in die Kommentare. Es würde mich sehr freuen.
