09. Kapitel - Wo ist denn bitte der scheiß Prinz mit seinem Gaul?

Sollte es wirklich einmal zu einem Kampf zwischen den Geschlechtern kommen,
dann werden die Frauen siegen, weil die Männer die Frauen mehr lieben, als die Frauen die Männer.

August Strindberg

Als sie das nächste Mal aufwachte, grinste Hermine wie ein Butterbierpony. Es schien ihr, als wäre die letzte Umarmung von Snape, Severus, eben erst gewesen.

Sie reckte und streckte sich, wobei sie einen undefinierbaren Quietschlaut von sich gab.

Hermine war klar, dass er niemals der aufmerksame, wundervolle, romantische Partner sein konnte, aber er war fähig, sie mit Zärtlichkeiten zu überschütten, die ihr zeigten, dass er nicht der böse, verbitterte Mann war, für den er im Allgemeinen gehalten wurde. Natürlich war er ein schwieriger Zeitgenosse, aber ebenso faszinierend. Doch Hermine war sich sicher, er würde ihr niemals vorsätzlich und bewusst wehtun. Diese Sicherheit brauchte sie.

Er hatte ihr gesagt, dass er zurück musste. Auch wenn sie tagelang einfach weiter mit ihm im Bett hätte liegen können, so war ihr klar, dass eben das nicht ging.

Sie rollte sich auf die Seite und gab sich für einen Moment dem Tagtraum hin, mit ihm zusammen Hand in Hand an irgendeinem Strand spazieren zu gehen, den romantischen Sonnenuntergang zu genießen und sich ihrer Liebe hinzugeben. War es überhaupt Liebe? Davon hatte er nie gesprochen. Er hatte sie als seine Hexe bezeichnet, reagierte durchaus eifersüchtig, aber er hatte ihr nie gesagt, dass er sie liebte. Hermine zog für einen Moment einen Schmollmund. Er war nicht der Typ des klassischen Romantikers, aber sie wollte darüber nicht nachdenken, sondern einfach nur genießen.

Eine unauffällige Eule klackerte mit ihrem Schnabel an ihrem Fenster und ein Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. Die Eule sah wie eine von denen aus, die Hogwarts benutzte. Schnell stieg sie aus dem Bett, öffnete das Fenster und holte die vom Wind zerzauste Eule in ihre Wohnung. Eilig entrollte sie das Pergament und las. „Liebe ist Glück, das Gefühl, wichtig zu sein, gebraucht und verstanden zu werden. Liebe ist Geborgenheit. Liebe ist, einen ganz besonderen Menschen zu sehen, wenn man die Augen schließt. Liebe ist Vertrauen und das Wissen, nicht belogen zu werden. Liebe ist Geben und Nehmen. Wahre Liebe gibt es nicht oft. Sie ist dieses einmalige Gefühl, das letzte fehlende Puzzleteil gefunden zu haben, das zum völligen Glück gefehlt hat. Wahre Liebe ist, wenn man sich von Kopf bis Fuß warm und zufrieden fühlt....."

Mit einem Strahlen gab sie der verdutzten Eule einen Kuss auf das Gefieder und riss einen Eulenkeks aus einem Töpfchen. Mit dem Keks im Maul erhob sich das Tierchen und machte sich zurück auf den Weg nach Hause.

Hermine drückte das Pergament an ihre Brust und tanzte laut summend in ihrem Wohnzimmer herum. Severus steckte voller Überraschungen…

Ein zweites Klackern störte ihre Glücksgefühle. Eine zweite Eule, der ersten nicht unähnlich, hockte auf dem Fenstersims und Hermine rannte auf sie zu. Sie entdeckte ein weiteres Stück Pergament, dass am Fuß der Eule gebunden worden war und entriss es ebenfalls mit unverholener Neugier von dem kleinen Kauz.

Halte dich heute Abend 20 Uhr bereit." Mehr nicht.

Sie grinste. Das Leben konnte so schön sein….

ooOooOoo

Um Punkt 20 Uhr klopfte es an der Tür und Hermine sprang nervös auf. Als sie ihm öffnete, stahl sich ein Lächeln auf ihr Gesicht und sie schmiss sich in Severus' Arme. Als er sie von sich schob lachte sie übermütig. „Das war so süß von dir", gurrte sie. „Danke, danke, danke."

Snape zog eine Augenbraue hoch und grinste sie spöttisch an. „Wenn du jetzt damit aufhören könntest, dich wie ein Kind zu benehmen? Ansonsten stecke ich dich ins Bett, wie es sich für die Kleinen um diese Uhrzeit gehört."

„Bett klingt schon mal gut", zwitscherte sie.

Gerade, als sie ihn erneut umarmen wollte, packte er sie und presste sie mit blitzschnellen Bewegungen an die Wand. „Ich sagte, du kommst ins Bett. Ich gehe dann."

Hermine runzelte irritiert die Stirn. Wo war der zärtliche Liebhaber vom vergangenen Tag?

„Severus?"

Er griff ihr in den Nacken und zog ihren Kopf an den Haaren unsanft, aber nicht schmerzvoll, zurück.

„Severus, was-"

Er knurrte. Gab ihr einen Stoss in ihre Wohnung und drehte sich um. Hermine sah ihm fassungslos hinterher. Schnell griff sie nach ihrem Umhang, verriegelte die Tür und eilte ihm hinterher. Er war schon fast auf der Straße und schickte sich an, zu disapparieren, als Hermine eine Sprung nach vorne machte und ihn im letzten Moment zu fassen bekam.

Die Grenze Hogwarts kam ihr ins Bewusstsein, nachdem sich alles um sie herum zu drehen aufgehört hatte. Er schritt zügig auf das Tor zu und Hermine eilte wieder hinterher. „Severus!", rief sie erneut. „Was soll das?"

Er reagierte noch immer nicht, sondern sprach einen Zauberspruch, mit dem er durch das Tor gehen konnte.

Hermine wollte ihm folgen, doch sie prallte gegen eine unsichtbare Schutzmauer. Da sie keine Schülerin mehr war, konnte sie das Schulgelände ohne Erlaubnis nicht betreten. Wieder rief sie nach ihm und noch immer reagierte er nicht. Frustriert stampfte Hermine mit dem Fuß auf. „Mann", fluchte sie. „PROFESSOR!"

Snape grinste insgeheim und blieb stehen. Langsam drehte er sich um und starrte mit verborgener Belustigung auf die junge Frau vor der Grenze. „Ja, Prinzessin?"

Verdutzt starrte sie ihn an. „Was soll das?"

Er kam näher und als er den Zauberspruch, der ihn die Linie überqueren ließ, erneut ausgesprochen hatte, stand er wieder neben ihr. Belustigt hob er eine Augenbraue. „Kleine Erziehungsspiele", kommentierte er gelassen. „Und da du ja nun schon mal die richtige Anrede gefunden hast, wenn gleich es auch ein wenig dauerte, so können wir ja jetzt los." Er hielt ihr den Arm hin.

Während seiner knappen Rede war der jungen Hexe im wahrsten Sinne des Wortes die Kinnlade herunter geklappt. „Dieser ganze Aufstand nur wegen einer … Anrede?"

„Du musst noch viel lernen, Hermine. Und das geht am besten durch praktische Anwendung…" Er strich ihr sanft über die Wange. „Heute, zum Beispiel, ist mir nach ein wenig Spielerei. Das habe ich dir eindeutig zu verstehen gegeben. Nicht wahr?" Sie nickte. „Siehst du. Doch bist du drauf eingegangen?" Sie schüttelte den Kopf. „Also bin ich gegangen… Und was hast du jetzt gelernt?" Sprachlos starrte sie ihn an. „Dass du lieber ein braves Mädchen bist, wenn du wert auf meine Gesellschaft legst."

Ungeduldig hielt er ihr die Hand hin, doch Hermine ergriff sie nicht. „Noch irgendwelche Fragen?"

Sie nickte. „Was ist, wenn ich keine Lust habe?", erkundigte sie sich.

Er hob wieder eine Augenbraue. „Glaub mir, Prinzessin, du wirst ganz schnell wollen."

Unsicher trat sie einen Schritt zurück. „Und was… wenn es mir nicht gut geht?"

Er seufzte. „In dem Fall, dass du krank bist oder du psychisch… bewegt bist, sagst du es mir. Wenn es wirklich ernst ist, werde ich natürlich darauf Rücksicht nehmen. Ist es Zickerei, dann wirst du die Konsequenzen spüren."

„Das ist ja despotisch", keuchte sie.

„Ich würde es eher als Hingabe bezeichnen. Aber könnten wir das Gespräch eventuell an anderer Stelle weiter führen? Hogwarts ist nicht der passende Ort dazu." Sie nickte und ergriff seinen Arm.

Sekunden später standen sie am Eingang der Winkelgasse. Hermine wollte gerade losgehen, als er sie am Arm festhielt und Richtung Nockturngasse zog. Überrascht folgte sie ihm. Als er schließlich ein heruntergekommenes Gebäude betrat, zögerte sie. Er beachtete es nicht, er wusste, sie würde ihm folgen.

Ein paar Minuten später saßen sie zusammen in einer Ecke und wählten aus einer Karte etwas aus. „Kümmere dich nicht um die etwas gewöhnungsbedürftige Atmosphäre, das Essen ist vorzüglich." Wieder verschwand sein Gesicht hinter der Menükarte.

„Glaubst du wirklich", begann er, nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben hatten, „dass ich dich gegen deinen Willen ficken würde?" Ihr Kopfschütteln war für ihn scheinbar reine Formsache. „Natürlich werde ich das nicht tun. Sollte es dir nicht gut gehen, aus welchen Gründen auch immer, werde ich mich dir nicht aufdrängen. Aber wie gesagt, willst du spielen oder nur rumzicken, so werde ich es nicht beachten… Sieh mich nicht so schockiert an, du weißt, ich bin kein netter Mann", knurrte er. „Und entweder du lässt dich darauf ein, oder du lässt es bleiben. Wenn du triftige Gründe für ein Nein hast, werde ich sie natürlich respektieren."

Aus großen Augen sah sie ihn an. „Und was ist, wenn wir uns irgendwie missverstehen?"

„Erinnere mich an Voldemort und sämtliche Geilheit ist weg", sagte er knapp.

Als sie überlegen grinste, fuhr er fort: „Wage es nicht, das zu missbrauchen. Dann bin ich weg. Vollkommen."

Hermine nickte irritiert. „Und wozu soll das gut sein?"

„Machtkampf. Erinnerst du dich an unsere erste Nacht? Zärtliches Rumturteln ist ab und zu ganz nett, aber ich will eine Frau, die kämpft. Natürlich wird sie verlieren, aber der Weg ist interessant, nicht das Ziel."

Hermine grinste doppeldeutig. „Und wenn die Frau gewinnt?"

„Dann stehe ich ihr für eine Nacht vollkommen zur Verfügung."

Ihr Grinsen wurde hinterhältig. „War das eine Herausforderung?"

„Nein", sagte er lässig. „Eher ein unerreichbares Ziel, um dich nicht vollkommen zu entmutigen."

„Du bist dir völlig sicher, oder?"

Seine Stimme wurde sanft und umhüllte sie. „Aber natürlich, Prinzessin. Gib es zu… das gefällt dir."

Hermine wurde rot. Es gefiel ihr tatsächlich. Woher wusste er es? Wie konnte er sich so sicher sein? Seine Überlegenheit verunsicherte sie, reizte sie aber gleichzeitig. Sie wollte die erste sein, die ihm demonstrierte, dass er nicht immer gewinnen konnte. Sie würde ihm diesen Zahn ziehen. Dessen war sie sich sicher.

Hermine nahm die Herausforderung an und wusste, sie würde sich in eine völlig andere Art von Lehre begeben…


Anmerkung:

Die Definition von Liebe stammt von Gerd Groß

Danke:

Danke an euch alle für die Reviews :- ) ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten? Bei mir war es arg stressig… Aber das Jahr ist ja nun zu Ende gg Kommt gut ins neue