Pauschalreise nach Düsterwald zur Kasse 4 bitte!

Thorin, der wie gesagt zum temporären Boss ernannt worden war, nahm es mit der Disziplin nicht so genau wie der alte Feuerwerksspezi. So legten sie nach einer gemächlichen Wanderung, andere würden es auch als Spazieren gehen bezeichnen, bei der sie immerhin fünf Kilometer geschafft hatten, erneut eine Pause ein. Thorin wollte bei dem Halt Beorns Düsterwaldreiseführer gründlich studieren, da es seiner Meinung nach nie schaden konnte, auch Tipps von Einheimischen zu nutzen. So nervte er die anderen damit, ihnen das Faltblatt vorzulesen, die sich in ihrer wohlverdienten Ruhe gestört fühlten. Thorin gelang es dennoch mit einem verärgerten Blick, seine Autorität wieder zu erlangen:

Drüsenhägers Reisewissen: Düsterwaldreiseführer in der praktischen Broschüre – alles Wichtige auf einen Blick
Wenn Sie diesen Satz lesen, ist es wahrscheinlich schon zu spät. Sie scheinen ja schon wenigstens an der automatischen Pfeilschussanlage, die an der Grenze installiert ist, vorbeigekommen zu sein. Oder Sie hängen festgenagelt an einem Baum. Wenn Sie das aus dieser Lage heraus lesen sollten: Sie Vollidiot! Reiseführer liest man BEVOR man da hingeht. Wissen Sie eigentlich, was Sie erwartet Sie Verrückter? Wahrscheinlich nicht. Aber dafür bin ich ja da. Hier erhalten Sie ein paar nützliche Tipps.
Ihr Reisewissen Düsterwaldreiseführer (zuletzt aktualisiert: 3.5.1312, 3. Zeitalter)
1. Reisen:
Aufpassen sollte man irgendwo in der Mitte des Waldes kommen so ein paar nette Spinnen, die unter Garantie schlimmer als Ihre Schwiegermutter sind, das heißt, wenn sie eine haben, sonst ist es wahrscheinlich Ihr Chef oder beides; außerdem gibt es im Wald rund 4 Millionen Orks, nicht zu vergessen Saurons schwarze Bademantelträger in Dol Guldur, dann sind da noch so ein paar Waldelben irgendwo im Norden, die auf Fremde nicht gerade gut zu sprechen sind. Außerdem werden Sie irgendwann auf so einen verzauberten Fluss stoßen, der alles für eine Woche einschlafen lässt, wenn man mit dem Wasser in Berührung kommt. Also alles in allem ein sehr sicherer Wald. Einige Großstädte würden von dieser Ermordungsrate träumen.
2. Elben:
Es ist gut etwas Elbisch zu können. Naur-in-fauglith heißt zum Beispiel Düsterwald..."
„Was genau übersetzt 'Wald ohne Wiederkehr' heißt", warf Bilbo ungefragt ein. Thorin ließ sich davon nicht irritieren und las einfach weiter, den Hobbit völlig überhörend:
„Elen sila lumenn omentielvo ist die höfliche Begrüßung." „Was 'Schön, dass du kommen konntest, aber wann gehst du wieder' heißt", warf Bilbo schon wieder ein.
„Namarie heißt 'Auf Wiedersehen'." Bilbo wusste aber von Erestor her die wahre Bedeutung: „Übersetzt heißt es aber Bis bald, aber komme bloß nicht so schnell wieder."

Währenddessen war der Rest der Schatzrettertruppe vor Langeweile eingeschlafen und der temporäre Anführer musste fast brüllen, um die diversen Schnarchgeräusche zu übertönen. Seiner Stimme zuliebe hörte er auf. Thorin faltete den Reiseführer wieder zusammen, oder versuchte es zumindest. Es war offensichtlich, dass er nicht in der hohen Kunst des Zusammenfaltens von großen Papierbögen auf ein handliches Taschenformat bewandert war. Zum Glück schaffte es der Zwerg nicht, sie völlig auseinander zu reißen, da die Karte für die Reisegruppe sehr wichtig war, da Beorn den Weg durch den Wald nach Esgaroth glücklicherweise darauf markiert hatte. Sonst wusste nämlich niemand über den genauen Verlauf der Route bescheid. Thorin und Bilbo, die einzigen, die noch wach waren, schliefen auch bald ein. Die Wache ließen sie heute mal ihre Gepäckstücke übernehmen. Die konnten schließlich auch mal was Nützliches machen. Sie wurden schließlich auch die ganze Zeit herumgetragen.

Am späten Vormittag kam Gandalf zum Palast von König Thranduil. Er hatte eine kleine Abkürzung genommen, da er mit dem König unbedingt etwas besprechen wollte und seine Gefährten ihn dabei nur aufgehalten hätten. Aber zuerst musste er durch die Formalitäten der Einreise.
Gandalf zog eine Nummer und setzte sich auf eine der unbequemen Bänke im Zollbüro. Er besah sich seinen Zettel, auf dem die Nummer 39 stand und starrte missmutig auf die anderen Wartenden, nachdem er einen Blick auf eine große Schiefertafel geworfen hatte, auf der die Nummer 10 verzeichnet war.
Eine Stunde ging vorüber...
und noch eine...
und noch eine...
Endlich ertönte eine Stimme: „Nummer 39 zur Kasse 4 bitte! Der Zauberer stand auf und ging zum Schalter.

„Wieso dauert das denn immer so lange! Ich bin doch schon so oft hier gewesen, da sind die Formalitäten gar nicht mehr nötig, " schnauzte Gandalf den hinter dem Schalter sitzenden Elben an. „Die Papiere und das Zollformular, " bitte sagte der angebrüllte ruhig.
Grummelnd reichte Gandalf das gewünschte herüber und war nach drei Minuten abgefertigt. Das sind halt die Freuden eines Amtes: Erst Stunden warten müssen, um in wenigen Minuten fertig zu sein.
Gandalf wurde von einem anderen Elben zu König Thranduil gebracht.
Besagter König war gerade damit beschäftigt eine Wette zu gewinnen. Das heißt er versuchte es wenigstens. Thranduil war nämlich in einer selbstzerstörerischen und angeheiterten Phase so leichtsinnig gewesen mit seinem Sohn Legolas zu wetten, dass er ihn im Bogenschießen schlagen könnte.

Thranduil, der schon einige Schlucke Weinbrand als Zielwasser intus hatte, hatte gerade seinen Bogen gespannt und visierte mit einem zugekniffenen Auge die Zielscheibe an, als Gandalf auf die Lichtung trat und ziemlich laut: „Hallo!" rief. Thranduil zuckte zusammen und ließ prompt den Pfeil los und traf die Zielscheibe nicht, da er seinen Bogen noch nicht auf deren Mitte ausgerichtet hatte.
Der Waldelbenkönig drehte sich um und warf Gandalf einen so bösen Blick zu, so dass sogar dem abgebrühten Zauberer, der sonst eher nur andere in Angst und Schrecken versetzte mulmig wurde.
Thranduil bedachte Gandalf mit einem Blick der Töten könnte sagte dann verärgert: „ Gandalf, du Idiot. Jetzt hab ich die Wette wegen dir verloren!" Danach fügte er noch etwas in Elbisch hinzu, was aller Vernutung nach nicht besonders Jugendfrei war. Der Feuerwerksspezi wollte gerade seinen als Kloppstock getarnten Zauberstab, beziehungsweise Gehhilfe an Thranduil anwenden, wegen der Elbischen Beleidigung, als ihm siedendheiß einfiel, dass Legolas ja auch noch auf der Lichtung stand. Letztes Mal als Gandalf Legolas Vater eins mit dem Stock überziehen wollte, hatte der Mr. Düsterwald für die Ewigkeit und der notorische Bogenschießtuniergewinner nämlich Gandalf einen Pfeil in den Allerwertesten gejagt. Der Pyrotechniker konnte zwei Monate lang nicht sitzen und diese Erfahrung nicht noch einmal machen.

„Nun ja", meinte Legolas schließlich mit einem fiesen Grinsen, „ich geh dann mal den Wetteinsatz besorgen." Mit diesen Worten verschwand er im Wald und ließ Gandalf und Thranduil allein zurück.
„Was ist denn der Wetteinsatz?" fragte der Zauberer schließlich neugierig.
„Der Verlierer muss einen Ork essen", brummte Thranduil nicht gerade sehr begeistert, als er Gandalf zum Audienzsaal führte.
Der Feuerwerksspezi kam ohne Umschweife zur Sache: „Also, ich bräuchte da mal deine Hilfe. Ich hab da so ein kleines Problem mit meinem Chef Saruman. Ich hab nämlich eine Wette verloren und der Wetteinsatz war ein blauer Edelstein. Kannst du mir denn nicht einen verkaufen? Du hast doch so ne riesige Sammlung."

„Hmmm", meinte Thranduil langsam. Ja, ok, aber ich will wissen, um was ihr gewettet habt."
„Na gut, aber du erzählst es auch keinem weiter?" fragte der Zauberer misstrauisch.
„Ich würde nicht im Traum daran denken", antwortete der Waldelbenchef, während er unauffällig die Finger hinter seinem Rücken kreuzte und mit der anderen Hand einen Schmierzettel und einen Bleistift aus seiner Hosentasche fischte.
„Das war so", begann Gandalf, „wir waren betrunken und da haben wir gewettet, dass Saruman unbemerkt eines von Iluvatars Magazinen stehlen kann. Du weißt doch, Iluvatar hat ein Magazin mit seinem Spitznahmen in Valinor raus gegeben, du weißt schon, die Illu. Nur leider bewacht er die ja so stark, weil man die erst legal kaufen kann, wenn man 10.000 Jahre alt ist. Ja, Saruman hat's geschafft und ich hab dagegen gewettet. Jetzt brauch ich einen blauen Edelstein, weil er unbedingt neue Ohrringe haben will."
„Also gut, du kriegst einen", meine Thranduil. Denn so ein Edelstein war es alle mal Wert. Thranduil machte sich eine Notiz, heute noch an den Oberchef der Elben zu schreiben. Gandalf würde Ärger kriegen. Iluvatars als Gehhilfe getarnter Kloppstock bestand nämlich gänzlich aus Diamant.

„Ähm, dann wäre da noch etwas, " meinte Gandalf schließlich.
„Das können wir dann ja beim Mittagessen besprechen. Es gibt Orkfilet und Götterspeise, " sagte Thranduil.
Der Taschenzauberer wurde bleich. „Ähm, ich glaube, das kann auch warten. Ich geh dann mal lieber." Gandalf wich zurück.
„Ne, ne, du bleibst schön", meinte Thranduil mit einem teuflischen Grinsen. Jetzt sollte der Zauberer auch mal leiden. Gandalf wich noch einige Schritte weiter zurück. Das veranlasste den Waldelbenkönig mit drohender Stimme zu sagen: „Hör mal, ich bin dein Gastgeber und das heißt, dass ich dich dazu zwingen kann, im Namen der Gastfreundschaft mit uns Mittag zu essen!"

Bei Thranduil gehorchte Gandalf lieber. Man konnte ja nie wissen, wozu der fähig war. Außerdem waren die Schießkünste seines Sohnes auch nicht ohne.
Also saßen ein wenig später ein sich über seinen Vater lachender Legolas, Thranduil, der mit einem angewiderten Gesichtsausdruck dabei war, seine Wettschulden zu tilgen und Gandalf , der mit seiner Gabel unschlüssig im Wackelpudding herumstocherte, während er überlegte, ob man das giftgrüne Wabbelteil wirklich essen konnte an einem Tisch. Ein Orkfilet hatte der Zauberer dankend abgelehnt.
„Also, töten musst du die Götterspeise nicht unbedingt. Würde dir auch nichts nützen. Es ist die Pulvermischung zum Anrühren aus Galadriels Chemielabor und wie Beorn bestätigt hat, kamen bei der Herstellung keine Tiere oder Pflanzen zu Schaden...nur Celeborn, aber der zählt ja nicht, " sagte Legolas zu Gandalf. Gandalf war jetzt endgültig der Appetit vergangen und er legte die Gabel beiseite. Wer wusste schon, welches Giftsüppchen Galadriel immer in ihrem Versuchslabor auf ihrem Gasherd zusammen kochte und er wollte nicht mit einer Lebensmittelvergiftung enden, wie einst Celeborn, der gezwungen war, den Versuchselben für Galadriels sämtliche teuflische Chemieprodukte zu spielen. Gandalf konnte sich noch gut daran erinnern, das Celeborns Hautfarbe für 200 Jahre mal ein grelles pink war, weil er essbare Farbe testen musste. Diese Farbe färbte dann als Resultat die Mallornbäume lila. Weil das lila nicht mehr abging und es ziemlich lächerlich aussah, hatte Galadriel dann angeordnet, die Bäume mit wasserfester Goldfarbe überzumalen.

Gandalf kam, nachdem die anderen fertig waren, auf sein vorheriges Anliegen zurück: „Ich bräuchte eigentlich ein paar Soldaten für eine geheime Mission."
Als der graue Bademantelträger sah, wie Thranduil zögerte, fügte er noch etwas hinzu, was er lieber nicht hätte hinzufügen sollen: „Elrond und Glorfindel machen da auch mit."
Thranduil explodierte förmlich: „Die Schlappschwänze auch? Nee, ich lass mich von euch Valinor – Warmduschern doch nicht zum Idioten machen! Sollen die sich doch selber helfen. Wieso kriecht ihr nicht wieder wie vor dem ersten Zeitalter zu euern Valar und bittet die um Hilfe? Wieso fragt ihr eigentlich mich?! Und sieh zu, dass du Land gewinnst! Scheiß Noldor und Istari wollen immer irgendwo ihre Nase reinstecken."

Gandalf zog es vor, Thranduils Aufforderung nachzukommen und schleunigst aus dem Düsterwald zu verschwinden. Als er fast aus der Tür war, hörte er den König noch murmeln: „Am besten schreib ich gleich auf die Schilder am Eingang des Waldes: Für alle Valinor – Idioten strengstens verboten."

Währenddessen hatte sich die Reisegesellschaft auch wieder auf den Weg gemacht. Sie kamen aber nicht gerade sehr schnell voran.
„Was ist denn jetzt schon wieder", fragte Thorin entnervt, als die Anderen schon wieder anhielten. „Ja, es ist doch halb zehn!" meinte Oin, während alle ihr zweites Frühstück herausholten, ein Brauch, den sie von Bilbo übernommen hatte, der es aber lieber gesehen hätte, wenn es um diese Uhrzeit schon das dritte Frühstück gegeben hätte..
„Na gut machen wir halt noch ein Frühstück", gab Thorin seufzend nach. Seitdem der Bademantelträger mit Klopphilfe nicht mehr da war, ging es mit der Disziplin wirklich den Bach herunter.
„Und was ist mit der Brotzeit?" fragte Nori während er einen Laib Brot hervor holte. „Meinetwegen auch eine Brotzeit", seufzte der temporäre Chef schließlich resignierend, „aber hebt nachher euren Müll auf.

Die Reisegesellschaft sah auf die Müllspur aus unrecyclebaren Verpackungsmaterialien zurück, die deutlich den Weg ihrer Reiseroute markierte. „Ich glaube, dazu ist es etwas zu spät", meinte Bombur schließlich. Thorin seufzte nur und sah ein, dass alle Sozialisierungs- und Erziehungsversuche bei dieser Chaostruppe sowieso sinnlos waren. So zog er es vor, die deutliche Fährte, die sogar ein Blinder mit 'nem Krückstock hätte lesen können, zu ignorieren. Es war auch sowieso besser für seine Gesundheit sich nicht aufzuregen.
So krochen die Tage langsam in Zeitlupe vorbei. Nach zwei Tagen, fast dem gesamten Proviant und ungefähr 3000 Beschwerden später endete der kleine Trampelpfad plötzlich abrupt, weil ein kleines Bächchen den Pfad kreuzte. Die Reisegesellschaft und die andere Seite trennten genau 0,59 m. Eine morsche Holzbrücke führte auf die andere Seite. Auf der Brücke stand eine komisch gekleidete Person.
„Ähm, könnten Sie bitte den Weg freimachten?" fragte Gloin schließlich höflich, nachdem sie sich eine Weile angestarrt hatten.

Der Waldschrat musterte die Reisegruppe einen Augenblick eingehend, bevor er sagte: „Im Prinzip hab ich da nichts gegen. Vorher muss aber Zoll bezahlt werden. Ihr seid, mal sehen, eins, zwei, sechs, dreizehn. Das macht 2 fuffzig pro Person, also 32 fuffizg, noch 1 fuffzig Gruppenrabatt, also 31 ME$ bitte."
Thorin, dem das eindeutig zu viel Geld war, fing einen Streit mit dem Brückenwächter an. Oin unterbrach die sich in der Wolle liegenden. „Hey, hört mal her ihr Dummköpfe," rief er, während er von einer Uferseite zur anderen sprang, „wir stehen hier nicht am Anduin. Die Brücke müssen wir doch gar nicht benutzen!" Um seine Meinung extra zu unterstreichen hüpfte er weitere fünf Minuten wie ein zwergischer Gummiball zwischen den Ufern hin und her.
Thorin und der Waldschrat riefen wie aus einem Munde: „Das ist irrelevant, es geht hier ums Prinzip!" Schließlich handelten sie aus, dass der Brückenwächter und Bombur eine kleine Boxkampf – Runde abhalten sollten. Dem Gewinner sollte es dann erlaubt sein, seinen Standpunkt durchzusetzen.

Nach etwa 10 Minuten gelang es dem Waldschrat Bombur mit einem Kampfschrei, einem gut platzierten Fußtritt und einem Karategriff mit dem Kopf voran ins Wasser zu befördern. Der Fluss war mit 5 cm Wassertiefe für Nichtschwimmer wie die zwergische Fraktion zugegebener Weise schon etwas problematisch. Auf jeden Fall zappelte die haarige Konservenbüchse namens Bombur noch ein wenig, dann schien er eingeschlafen zu sein, auf jeden Fall fing er ziemlich geräuschvoll an, einen Baum zu zersägen.
Der Rest der Reisegesellschaft kuckte etwas verdutzt, dann bemerkte Nori, der den Düsterwaldreiseführer zu Rate gezogen hatte, dass dieses Rinnsal wahrscheinlich der Verzauberte Fluss war. Der Namensgeber schien wirklich ein Faible für Euphemismen gehabt zu haben. Also zogen sie den schlafenden und schnarchenden Bombur aus dem Wasser. Dazu mussten sie aber den Fluss erst überspringen, weil sie das Schwergewicht sonst nicht den 20 cm hohen Abgrund hochgekriegt hätten.

Der Brückenwächter fand das unterdessen gar nicht lustig. Also brüllte er los: „So was Unverschämtes! Meine Autorität einfach so zu untergraben! Wieso mach ich mir überhaupt die Mühe hier mir die Beine in den Bauch zu stehen! Ihr gegen – das – Prinzip – Verstoßer! Ich kündige!" Mit diesen letzten Worten machte der Waldschrat sich aus dem Staub.
Die Reisegesellschaft sah ihm irritiert hinterher, dann nahmen sie das Gepäck und den immer noch fröhlich vor sich hin schnarchenden Bombur und machten sich wieder auf den Weg, stolz, das sie das Hindernis ohne die Unterstützung des Zauberers überwunden hatten. Der Feuerwerksspezi hätte ihnen wahrscheinlich sowieso nicht geholfen, aber sie waren trotzdem stolz auf ihre Leistung, den Bach halbwegs erfolgreich überquert zu haben.
Nach zwei Stunden, einem Kilometer und fünf Hexenschüssen später (Bombur war wirklich ziemlich schwer), beschlossen sie erneut eine Pause einzuschieben und zu versuchen den schnarchenden Zwerg wieder zu beleben. Bofur gab Bombur einen Fußtritt. Der Getretene rührte sich aber nicht und stellte auch seine laute und nervtötende Schnarchaktivität nicht ein. So ging es einen ganze Weile. Nach einiger Zeit machte Bilbo sich zu einem kleinen Waldspaziergang auf, er hatte keine Lust mehr Bombur zuzuhören, wie er imaginäre Wälder zu Brennholz zersägte.

Auf einmal stolperte Bilbo und fiel der Länge nach hin. Bilbo fluchte und sah, dass sein elbisches Schwert, das er den Gourmet-Trollen abgenommen hatte, nachdem diese zu Betonfiguren erstarrt waren, sich in seine Beine verheddert hatte. Bilbo murmelte: „Ich glaube, jetzt hab ich einen passenden Namen für mein Schwert gefunden – Stolperfalle!" Der Kleine mit den riesigen Füßen hängte Stolperfalle wieder richtig hin und fing weiter an, vom Trampelpfad der Elben (was er aber nicht wusste) in den Wald zu laufen.
Währenddessen hatten es Bilbos Zwergenkumpel geschafft, Bofur wach zu bekommen. Er war aber ziemlich verstimmt, da er die ganze Zeit von einem Essen – Sie – soviel – wie – Sie – wollen – für - nur – 10 – ME$ – Restaurant geträumt hatte. Lange konnte er aber nicht mehr rumzetern, weil auf einmal zwölf Netzte gleichzeitig aus dem Gestrüpp geschossen kamen und je einen Zwerg transporttechnisch gut verschnürten. Dann wurden die gut verpackten Zwerge je mit einem Felsbrocken bewusstlos geschlagen. Als kein Paket mehr zappelte, betraten fünf Spinnen, die wie Vogelspinnen aussahen, nur 50-mal größer und gefährlicher, das reisegesellschaftliche Camp.

„Da haben wir uns aber ein Festmahl gefangen", freute sich eine.
„Ja, heute Abend gibt's endlich mal wieder etwas anderes als Ork- und Reheintopf oder Grünzeug. Lasst uns unsere Beute nach Hause bringen, " erwiderte eine andere, ebenfalls enthusiastisch. Gesagt, getan. Sie schulterten ihre Beute und liefen zurück, in Richtung ihres Lagers. Bilbo, hatte natürlich mal wieder kein bisschen von der ganzen Zwergnap – Aktion mitbekommen.
Die Säcke mit den Zwergen wurden von den Spinnen an einem hohen Baum angenagelt. Währenddessen waren noch ein paar mehr Spinnen hinzugekommen und es entbrannte eine Diskussion, zu welcher Spezialität die Zwerge verarbeitet werden sollten. „Bratwurst!"
„Nein das dauert viel zu lange, wie wär's mit Zwergenlabskaus?"
„Och nö, nicht schon wieder Mus, wir hatten doch grade gestern erst Orklabskaus. Machen wir lieber ne Suppe draus."

„Ne, da verkleckern wir wieder alles. Wie wäre es denn mit dem herkömmlichen Schnitzel? Mein Onkel hat gesagt, das würde vorzüglich schmecken."
Dieser Vorschlag wurde schließlich einstimmig angenommen. Es wurden Bratpfannen gesucht, Messer geschärft und Herde angeschmissen. Dabei sangen die Spinnen ein kleines Liedchen:

Hei ho, hei ho, jetzt gibt es gleich Essen,
Hei ho, hei ho, ein nettes Schnitzel mit Pommes und Grünzeug nach düsterwäldischer Art,
Hei ho, hei ho, wir haben 12 gemästete Zwergenkrustentiere,
Hei ho, hei ho, Zwergenfleisch ist das Beste,
Hei ho, hei ho, voll mit Kohlenhydraten und Ethanol,
hei ho, hei ho wir sind ziemlich hungrig,
hei ho, hei ho, wir werden jetzt gleich Essen
hei ho, hei ho, schönes Fleisch und kein Tofu,
hei ho, hei ho und saufen uns dann froh,
hei ho, hei ho!

Durch das erbärmliche Gequietsche, das die Spinnen singen nannten, angelockt, versteckte sich Bilbo hinter einem Busch am Rande der Spinnensiedlung und peilte die Lage. Er sah Spinnen ihren Kochvorbereitungsaktivitäten nachgehen. Dann fiel sein Blick auf die 12 dicken, weißen Bündel, die von einem hohen Baum in der Mitte der spinnischen Lichtung herabhingen. Der Hobbit erkannte sofort, dass seine Reisegefährten in den Säcken stecken mussten, denn er konnte Filis penetranten Fußgeruch und Kilis starken Achselschweiß bis zu seinem Versteck riechen. Außerdem sah er Bomburs Nachtmütze aus einem der Säcke heraushängen. Der Fußbehaarte bemühte seine grauen Zellen und hatte nach zehn Minuten einen Befreiungsplan ausgearbeitet. Bilbo nahm sich den Ring aus dem Vergnügungspark Nebelgebirge und steckte sich Saurons ehemaligen Ring an seinen Finger und zog Stolperfalle. Jetzt waren er und auch sein Schwert unsichtbar. Bilbo kam hinter seinem Busch hervor und ging geradewegs auf die gut verschnürten Zwerge zu, ohne dass eine der Spinnen ihn bemerkte.

Bilbo schnitt jeden Zwerg vorsichtig herunter, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, und schnitt die Bündel auf. Dann nahm er wieder den Ring ab, damit die Zwerge nicht sein Geheimnis erfahren würden. Die Spinnen waren immer noch ins Singen und in ihre Kochvorbereitungen vertieft. Und bekamen so von der Befreiungsaktion gar nichts mit. Aufatmend verschwand die wieder vollzählige Reisegesellschaft im Wald und entfernte sich, so schnell sie konnten. Nachdem sie eine Weile gejoggt waren, überquerten sie ungewollt die unsichtbare Grenze zu Thranduils Königreich, an der kein Warnschild stand, da der König der Meinung war, dass Schild am Waldeingang würde reichen. Bis jetzt war noch niemand so blöd gewesen, diese Warnung zu missachten oder schlicht zu übersehen.
Die Elben, die Zwerge überhaupt nicht mochten, nahmen diese gleich ohne Grund fest, als die Wachen sie bemerkten und brachten sie weg, um sie ohne ein Gerichtsverfahren oder Anwalt je in eine Einzelzelle im Gefängnis unter Thranduils Palast zu werfen. Nur Bilbo hatten sie übersehen. Der hatte sich schnell seinen Ring angesteckt und war somit für alle Augen nicht existent.