Pauschalreise nach Düsterwald zur Kasse 4 bitte!
Thorin, der wie gesagt zum temporären Boss ernannt worden war, nahm es mit der Disziplin nicht so genau wie der alte Feuerwerksspezi. So legten sie nach einer gemächlichen Wanderung, andere würden es auch als Spazieren gehen bezeichnen, bei der sie immerhin fünf Kilometer geschafft hatten, erneut eine Pause ein. Thorin wollte bei dem Halt Beorns Düsterwaldreiseführer gründlich studieren, da es seiner Meinung nach nie schaden konnte, auch Tipps von Einheimischen zu nutzen. So nervte er die anderen damit, ihnen das Faltblatt vorzulesen, die sich in ihrer wohlverdienten Ruhe gestört fühlten. Thorin gelang es dennoch mit einem verärgerten Blick, seine Autorität wieder zu erlangen:
Drüsenhägers Reisewissen:
Düsterwaldreiseführer in der praktischen Broschüre –
alles Wichtige auf einen Blick
Wenn Sie diesen Satz lesen, ist es
wahrscheinlich schon zu spät. Sie scheinen ja schon wenigstens
an der automatischen Pfeilschussanlage, die an der Grenze installiert
ist, vorbeigekommen zu sein. Oder Sie hängen festgenagelt an
einem Baum. Wenn Sie das aus dieser Lage heraus lesen sollten: Sie
Vollidiot! Reiseführer liest man BEVOR man da hingeht. Wissen
Sie eigentlich, was Sie erwartet Sie Verrückter? Wahrscheinlich
nicht. Aber dafür bin ich ja da. Hier erhalten Sie ein paar
nützliche Tipps.
Ihr Reisewissen Düsterwaldreiseführer
(zuletzt aktualisiert: 3.5.1312, 3. Zeitalter)
1.
Reisen:
Aufpassen sollte man irgendwo in der Mitte des Waldes
kommen so ein paar nette Spinnen, die unter Garantie schlimmer als
Ihre Schwiegermutter sind, das heißt, wenn sie eine haben,
sonst ist es wahrscheinlich Ihr Chef oder beides; außerdem gibt
es im Wald rund 4 Millionen Orks, nicht zu vergessen Saurons schwarze
Bademantelträger in Dol Guldur, dann sind da noch so ein paar
Waldelben irgendwo im Norden, die auf Fremde nicht gerade gut zu
sprechen sind. Außerdem werden Sie irgendwann auf so einen
verzauberten Fluss stoßen, der alles für eine Woche
einschlafen lässt, wenn man mit dem Wasser in Berührung
kommt. Also alles in allem ein sehr sicherer Wald. Einige Großstädte
würden von dieser Ermordungsrate träumen.
2. Elben:
Es
ist gut etwas Elbisch zu können. Naur-in-fauglith heißt
zum Beispiel Düsterwald..."
„Was genau übersetzt
'Wald ohne Wiederkehr' heißt", warf Bilbo ungefragt ein.
Thorin ließ sich davon nicht irritieren und las einfach weiter,
den Hobbit völlig überhörend:
„Elen sila lumenn
omentielvo ist die höfliche Begrüßung." „Was
'Schön, dass du kommen konntest, aber wann gehst du wieder'
heißt", warf Bilbo schon wieder ein.
„Namarie heißt
'Auf Wiedersehen'." Bilbo wusste aber von Erestor her die wahre
Bedeutung: „Übersetzt heißt es aber Bis bald, aber komme
bloß nicht so schnell wieder."
Währenddessen war der Rest der Schatzrettertruppe vor Langeweile eingeschlafen und der temporäre Anführer musste fast brüllen, um die diversen Schnarchgeräusche zu übertönen. Seiner Stimme zuliebe hörte er auf. Thorin faltete den Reiseführer wieder zusammen, oder versuchte es zumindest. Es war offensichtlich, dass er nicht in der hohen Kunst des Zusammenfaltens von großen Papierbögen auf ein handliches Taschenformat bewandert war. Zum Glück schaffte es der Zwerg nicht, sie völlig auseinander zu reißen, da die Karte für die Reisegruppe sehr wichtig war, da Beorn den Weg durch den Wald nach Esgaroth glücklicherweise darauf markiert hatte. Sonst wusste nämlich niemand über den genauen Verlauf der Route bescheid. Thorin und Bilbo, die einzigen, die noch wach waren, schliefen auch bald ein. Die Wache ließen sie heute mal ihre Gepäckstücke übernehmen. Die konnten schließlich auch mal was Nützliches machen. Sie wurden schließlich auch die ganze Zeit herumgetragen.
Am späten Vormittag kam Gandalf zum
Palast von König Thranduil. Er hatte eine kleine Abkürzung
genommen, da er mit dem König unbedingt etwas besprechen wollte
und seine Gefährten ihn dabei nur aufgehalten hätten. Aber
zuerst musste er durch die Formalitäten der Einreise.
Gandalf
zog eine Nummer und setzte sich auf eine der unbequemen Bänke im
Zollbüro. Er besah sich seinen Zettel, auf dem die Nummer 39
stand und starrte missmutig auf die anderen Wartenden, nachdem er
einen Blick auf eine große Schiefertafel geworfen hatte, auf
der die Nummer 10 verzeichnet war.
Eine Stunde ging
vorüber...
und noch eine...
und noch
eine...
Endlich ertönte eine Stimme: „Nummer 39
zur Kasse 4 bitte! Der Zauberer stand auf und ging zum
Schalter.
„Wieso dauert das denn immer so lange! Ich
bin doch schon so oft hier gewesen, da sind die Formalitäten gar
nicht mehr nötig, " schnauzte Gandalf den hinter dem Schalter
sitzenden Elben an. „Die Papiere und das Zollformular, " bitte
sagte der angebrüllte ruhig.
Grummelnd reichte Gandalf das
gewünschte herüber und war nach drei Minuten abgefertigt.
Das sind halt die Freuden eines Amtes: Erst Stunden warten müssen,
um in wenigen Minuten fertig zu sein.
Gandalf wurde von einem
anderen Elben zu König Thranduil gebracht.
Besagter König
war gerade damit beschäftigt eine Wette zu gewinnen. Das heißt
er versuchte es wenigstens. Thranduil war nämlich in einer
selbstzerstörerischen und angeheiterten Phase so leichtsinnig
gewesen mit seinem Sohn Legolas zu wetten, dass er ihn im
Bogenschießen schlagen könnte.
Thranduil, der schon
einige Schlucke Weinbrand als Zielwasser intus hatte, hatte gerade
seinen Bogen gespannt und visierte mit einem zugekniffenen Auge die
Zielscheibe an, als Gandalf auf die Lichtung trat und ziemlich laut:
„Hallo!" rief. Thranduil zuckte zusammen und ließ prompt
den Pfeil los und traf die Zielscheibe nicht, da er seinen Bogen noch
nicht auf deren Mitte ausgerichtet hatte.
Der Waldelbenkönig
drehte sich um und warf Gandalf einen so bösen Blick zu, so dass
sogar dem abgebrühten Zauberer, der sonst eher nur andere in
Angst und Schrecken versetzte mulmig wurde.
Thranduil bedachte
Gandalf mit einem Blick der Töten könnte sagte dann
verärgert: „ Gandalf, du Idiot. Jetzt hab ich die Wette wegen
dir verloren!" Danach fügte er noch etwas in Elbisch hinzu,
was aller Vernutung nach nicht besonders Jugendfrei war. Der
Feuerwerksspezi wollte gerade seinen als Kloppstock getarnten
Zauberstab, beziehungsweise Gehhilfe an Thranduil anwenden, wegen der
Elbischen Beleidigung, als ihm siedendheiß einfiel, dass
Legolas ja auch noch auf der Lichtung stand. Letztes Mal als Gandalf
Legolas Vater eins mit dem Stock überziehen wollte, hatte der
Mr. Düsterwald für die Ewigkeit und der notorische
Bogenschießtuniergewinner nämlich Gandalf einen Pfeil in
den Allerwertesten gejagt. Der Pyrotechniker konnte zwei Monate lang
nicht sitzen und diese Erfahrung nicht noch einmal machen.
„Nun
ja", meinte Legolas schließlich mit einem fiesen Grinsen,
„ich geh dann mal den Wetteinsatz besorgen." Mit diesen Worten
verschwand er im Wald und ließ Gandalf und Thranduil allein
zurück.
„Was ist denn der Wetteinsatz?" fragte der
Zauberer schließlich neugierig.
„Der Verlierer muss einen
Ork essen", brummte Thranduil nicht gerade sehr begeistert, als er
Gandalf zum Audienzsaal führte.
Der Feuerwerksspezi kam ohne
Umschweife zur Sache: „Also, ich bräuchte da mal deine Hilfe.
Ich hab da so ein kleines Problem mit meinem Chef Saruman. Ich hab
nämlich eine Wette verloren und der Wetteinsatz war ein blauer
Edelstein. Kannst du mir denn nicht einen verkaufen? Du hast doch so
ne riesige Sammlung."
„Hmmm", meinte Thranduil langsam.
Ja, ok, aber ich will wissen, um was ihr gewettet habt."
„Na
gut, aber du erzählst es auch keinem weiter?" fragte der
Zauberer misstrauisch.
„Ich würde nicht im Traum daran
denken", antwortete der Waldelbenchef, während er unauffällig
die Finger hinter seinem Rücken kreuzte und mit der anderen Hand
einen Schmierzettel und einen Bleistift aus seiner Hosentasche
fischte.
„Das war so", begann Gandalf, „wir waren betrunken
und da haben wir gewettet, dass Saruman unbemerkt eines von Iluvatars
Magazinen stehlen kann. Du weißt doch, Iluvatar hat ein Magazin
mit seinem Spitznahmen in Valinor raus gegeben, du weißt schon,
die Illu. Nur leider bewacht er die ja so stark, weil man die erst
legal kaufen kann, wenn man 10.000 Jahre alt ist. Ja, Saruman hat's
geschafft und ich hab dagegen gewettet. Jetzt brauch ich einen blauen
Edelstein, weil er unbedingt neue Ohrringe haben will."
„Also
gut, du kriegst einen", meine Thranduil. Denn so ein Edelstein war
es alle mal Wert. Thranduil machte sich eine Notiz, heute noch an den
Oberchef der Elben zu schreiben. Gandalf würde Ärger
kriegen. Iluvatars als Gehhilfe getarnter Kloppstock bestand nämlich
gänzlich aus Diamant.
„Ähm, dann wäre da noch
etwas, " meinte Gandalf schließlich.
„Das können
wir dann ja beim Mittagessen besprechen. Es gibt Orkfilet und
Götterspeise, " sagte Thranduil.
Der Taschenzauberer wurde
bleich. „Ähm, ich glaube, das kann auch warten. Ich geh dann
mal lieber." Gandalf wich zurück.
„Ne, ne, du bleibst
schön", meinte Thranduil mit einem teuflischen Grinsen. Jetzt
sollte der Zauberer auch mal leiden. Gandalf wich noch einige
Schritte weiter zurück. Das veranlasste den Waldelbenkönig
mit drohender Stimme zu sagen: „Hör mal, ich bin dein
Gastgeber und das heißt, dass ich dich dazu zwingen kann, im
Namen der Gastfreundschaft mit uns Mittag zu essen!"
Bei
Thranduil gehorchte Gandalf lieber. Man konnte ja nie wissen, wozu
der fähig war. Außerdem waren die Schießkünste
seines Sohnes auch nicht ohne.
Also saßen ein wenig später
ein sich über seinen Vater lachender Legolas, Thranduil, der mit
einem angewiderten Gesichtsausdruck dabei war, seine Wettschulden zu
tilgen und Gandalf , der mit seiner Gabel unschlüssig im
Wackelpudding herumstocherte, während er überlegte, ob man
das giftgrüne Wabbelteil wirklich essen konnte an einem Tisch.
Ein Orkfilet hatte der Zauberer dankend abgelehnt.
„Also, töten
musst du die Götterspeise nicht unbedingt. Würde dir auch
nichts nützen. Es ist die Pulvermischung zum Anrühren aus
Galadriels Chemielabor und wie Beorn bestätigt hat, kamen bei
der Herstellung keine Tiere oder Pflanzen zu Schaden...nur
Celeborn, aber der zählt ja nicht, " sagte Legolas zu Gandalf.
Gandalf war jetzt endgültig der Appetit vergangen und er legte
die Gabel beiseite. Wer wusste schon, welches Giftsüppchen
Galadriel immer in ihrem Versuchslabor auf ihrem Gasherd zusammen
kochte und er wollte nicht mit einer Lebensmittelvergiftung enden,
wie einst Celeborn, der gezwungen war, den Versuchselben für
Galadriels sämtliche teuflische Chemieprodukte zu spielen.
Gandalf konnte sich noch gut daran erinnern, das Celeborns Hautfarbe
für 200 Jahre mal ein grelles pink war, weil er essbare Farbe
testen musste. Diese Farbe färbte dann als Resultat die
Mallornbäume lila. Weil das lila nicht mehr abging und es
ziemlich lächerlich aussah, hatte Galadriel dann angeordnet, die
Bäume mit wasserfester Goldfarbe überzumalen.
Gandalf
kam, nachdem die anderen fertig waren, auf sein vorheriges Anliegen
zurück: „Ich bräuchte eigentlich ein paar Soldaten für
eine geheime Mission."
Als der graue Bademantelträger sah,
wie Thranduil zögerte, fügte er noch etwas hinzu, was er
lieber nicht hätte hinzufügen sollen: „Elrond und
Glorfindel machen da auch mit."
Thranduil explodierte förmlich:
„Die Schlappschwänze auch? Nee, ich lass mich von euch Valinor
– Warmduschern doch nicht zum Idioten machen! Sollen die sich doch
selber helfen. Wieso kriecht ihr nicht wieder wie vor dem ersten
Zeitalter zu euern Valar und bittet die um Hilfe? Wieso fragt ihr
eigentlich mich?! Und sieh zu, dass du Land gewinnst! Scheiß
Noldor und Istari wollen immer irgendwo ihre Nase
reinstecken."
Gandalf zog es vor, Thranduils Aufforderung nachzukommen und schleunigst aus dem Düsterwald zu verschwinden. Als er fast aus der Tür war, hörte er den König noch murmeln: „Am besten schreib ich gleich auf die Schilder am Eingang des Waldes: Für alle Valinor – Idioten strengstens verboten."
Währenddessen hatte sich die Reisegesellschaft
auch wieder auf den Weg gemacht. Sie kamen aber nicht gerade sehr
schnell voran.
„Was ist denn jetzt schon wieder", fragte
Thorin entnervt, als die Anderen schon wieder anhielten. „Ja, es
ist doch halb zehn!" meinte Oin, während alle ihr zweites
Frühstück herausholten, ein Brauch, den sie von Bilbo
übernommen hatte, der es aber lieber gesehen hätte, wenn es
um diese Uhrzeit schon das dritte Frühstück gegeben
hätte..
„Na gut machen wir halt noch ein Frühstück",
gab Thorin seufzend nach. Seitdem der Bademantelträger mit
Klopphilfe nicht mehr da war, ging es mit der Disziplin wirklich den
Bach herunter.
„Und was ist mit der Brotzeit?" fragte Nori
während er einen Laib Brot hervor holte. „Meinetwegen auch
eine Brotzeit", seufzte der temporäre Chef schließlich
resignierend, „aber hebt nachher euren Müll auf.
Die
Reisegesellschaft sah auf die Müllspur aus unrecyclebaren
Verpackungsmaterialien zurück, die deutlich den Weg ihrer
Reiseroute markierte. „Ich glaube, dazu ist es etwas zu spät",
meinte Bombur schließlich. Thorin seufzte nur und sah ein, dass
alle Sozialisierungs- und Erziehungsversuche bei dieser Chaostruppe
sowieso sinnlos waren. So zog er es vor, die deutliche Fährte,
die sogar ein Blinder mit 'nem Krückstock hätte lesen
können, zu ignorieren. Es war auch sowieso besser für seine
Gesundheit sich nicht aufzuregen.
So krochen die Tage langsam in
Zeitlupe vorbei. Nach zwei Tagen, fast dem gesamten Proviant und
ungefähr 3000 Beschwerden später endete der kleine
Trampelpfad plötzlich abrupt, weil ein kleines Bächchen den
Pfad kreuzte. Die Reisegesellschaft und die andere Seite trennten
genau 0,59 m. Eine morsche Holzbrücke führte auf die andere
Seite. Auf der Brücke stand eine komisch gekleidete
Person.
„Ähm, könnten Sie bitte den Weg freimachten?"
fragte Gloin schließlich höflich, nachdem sie sich eine
Weile angestarrt hatten.
Der Waldschrat musterte die
Reisegruppe einen Augenblick eingehend, bevor er sagte: „Im Prinzip
hab ich da nichts gegen. Vorher muss aber Zoll bezahlt werden. Ihr
seid, mal sehen, eins, zwei, sechs, dreizehn. Das macht 2 fuffzig pro
Person, also 32 fuffizg, noch 1 fuffzig Gruppenrabatt, also 31 ME$
bitte."
Thorin, dem das eindeutig zu viel Geld war, fing einen
Streit mit dem Brückenwächter an. Oin unterbrach die sich
in der Wolle liegenden. „Hey, hört mal her ihr Dummköpfe,"
rief er, während er von einer Uferseite zur anderen sprang, „wir
stehen hier nicht am Anduin. Die Brücke müssen wir doch gar
nicht benutzen!" Um seine Meinung extra zu unterstreichen hüpfte
er weitere fünf Minuten wie ein zwergischer Gummiball zwischen
den Ufern hin und her.
Thorin und der Waldschrat riefen wie aus
einem Munde: „Das ist irrelevant, es geht hier ums Prinzip!"
Schließlich handelten sie aus, dass der Brückenwächter
und Bombur eine kleine Boxkampf – Runde abhalten sollten. Dem
Gewinner sollte es dann erlaubt sein, seinen Standpunkt
durchzusetzen.
Nach etwa 10 Minuten gelang es dem Waldschrat
Bombur mit einem Kampfschrei, einem gut platzierten Fußtritt
und einem Karategriff mit dem Kopf voran ins Wasser zu befördern.
Der Fluss war mit 5 cm Wassertiefe für Nichtschwimmer wie die
zwergische Fraktion zugegebener Weise schon etwas problematisch. Auf
jeden Fall zappelte die haarige Konservenbüchse namens Bombur
noch ein wenig, dann schien er eingeschlafen zu sein, auf jeden Fall
fing er ziemlich geräuschvoll an, einen Baum zu zersägen.
Der
Rest der Reisegesellschaft kuckte etwas verdutzt, dann bemerkte Nori,
der den Düsterwaldreiseführer zu Rate gezogen hatte, dass
dieses Rinnsal wahrscheinlich der Verzauberte Fluss war. Der
Namensgeber schien wirklich ein Faible für Euphemismen gehabt zu
haben. Also zogen sie den schlafenden und schnarchenden Bombur aus
dem Wasser. Dazu mussten sie aber den Fluss erst überspringen,
weil sie das Schwergewicht sonst nicht den 20 cm hohen Abgrund
hochgekriegt hätten.
Der Brückenwächter fand
das unterdessen gar nicht lustig. Also brüllte er los: „So was
Unverschämtes! Meine Autorität einfach so zu untergraben!
Wieso mach ich mir überhaupt die Mühe hier mir die Beine in
den Bauch zu stehen! Ihr gegen – das – Prinzip – Verstoßer!
Ich kündige!" Mit diesen letzten Worten machte der Waldschrat
sich aus dem Staub.
Die Reisegesellschaft sah ihm irritiert
hinterher, dann nahmen sie das Gepäck und den immer noch
fröhlich vor sich hin schnarchenden Bombur und machten sich
wieder auf den Weg, stolz, das sie das Hindernis ohne die
Unterstützung des Zauberers überwunden hatten. Der
Feuerwerksspezi hätte ihnen wahrscheinlich sowieso nicht
geholfen, aber sie waren trotzdem stolz auf ihre Leistung, den Bach
halbwegs erfolgreich überquert zu haben.
Nach zwei Stunden,
einem Kilometer und fünf Hexenschüssen später (Bombur
war wirklich ziemlich schwer), beschlossen sie erneut eine Pause
einzuschieben und zu versuchen den schnarchenden Zwerg wieder zu
beleben. Bofur gab Bombur einen Fußtritt. Der Getretene rührte
sich aber nicht und stellte auch seine laute und nervtötende
Schnarchaktivität nicht ein. So ging es einen ganze Weile. Nach
einiger Zeit machte Bilbo sich zu einem kleinen Waldspaziergang auf,
er hatte keine Lust mehr Bombur zuzuhören, wie er imaginäre
Wälder zu Brennholz zersägte.
Auf einmal stolperte
Bilbo und fiel der Länge nach hin. Bilbo fluchte und sah, dass
sein elbisches Schwert, das er den Gourmet-Trollen abgenommen hatte,
nachdem diese zu Betonfiguren erstarrt waren, sich in seine Beine
verheddert hatte. Bilbo murmelte: „Ich glaube, jetzt hab ich einen
passenden Namen für mein Schwert gefunden – Stolperfalle!"
Der Kleine mit den riesigen Füßen hängte Stolperfalle
wieder richtig hin und fing weiter an, vom Trampelpfad der Elben (was
er aber nicht wusste) in den Wald zu laufen.
Währenddessen
hatten es Bilbos Zwergenkumpel geschafft, Bofur wach zu bekommen. Er
war aber ziemlich verstimmt, da er die ganze Zeit von einem Essen –
Sie – soviel – wie – Sie – wollen – für - nur – 10 –
ME$ – Restaurant geträumt hatte. Lange konnte er aber nicht
mehr rumzetern, weil auf einmal zwölf Netzte gleichzeitig aus
dem Gestrüpp geschossen kamen und je einen Zwerg
transporttechnisch gut verschnürten. Dann wurden die gut
verpackten Zwerge je mit einem Felsbrocken bewusstlos geschlagen. Als
kein Paket mehr zappelte, betraten fünf Spinnen, die wie
Vogelspinnen aussahen, nur 50-mal größer und gefährlicher,
das reisegesellschaftliche Camp.
„Da haben wir uns aber ein
Festmahl gefangen", freute sich eine.
„Ja, heute Abend gibt's
endlich mal wieder etwas anderes als Ork- und Reheintopf oder
Grünzeug. Lasst uns unsere Beute nach Hause bringen, "
erwiderte eine andere, ebenfalls enthusiastisch. Gesagt, getan. Sie
schulterten ihre Beute und liefen zurück, in Richtung ihres
Lagers. Bilbo, hatte natürlich mal wieder kein bisschen von der
ganzen Zwergnap – Aktion mitbekommen.
Die Säcke mit den
Zwergen wurden von den Spinnen an einem hohen Baum angenagelt.
Währenddessen waren noch ein paar mehr Spinnen hinzugekommen und
es entbrannte eine Diskussion, zu welcher Spezialität die Zwerge
verarbeitet werden sollten. „Bratwurst!"
„Nein das dauert
viel zu lange, wie wär's mit Zwergenlabskaus?"
„Och nö,
nicht schon wieder Mus, wir hatten doch grade gestern erst
Orklabskaus. Machen wir lieber ne Suppe draus."
„Ne, da
verkleckern wir wieder alles. Wie wäre es denn mit dem
herkömmlichen Schnitzel? Mein Onkel hat gesagt, das würde
vorzüglich schmecken."
Dieser Vorschlag wurde schließlich
einstimmig angenommen. Es wurden Bratpfannen gesucht, Messer
geschärft und Herde angeschmissen. Dabei sangen die Spinnen ein
kleines Liedchen:
Hei ho, hei ho, jetzt gibt es gleich
Essen,
Hei ho, hei ho, ein nettes Schnitzel mit Pommes und
Grünzeug nach düsterwäldischer Art,
Hei ho, hei ho,
wir haben 12 gemästete Zwergenkrustentiere,
Hei ho, hei ho,
Zwergenfleisch ist das Beste,
Hei ho, hei ho, voll mit
Kohlenhydraten und Ethanol,
hei ho, hei ho wir sind ziemlich
hungrig,
hei ho, hei ho, wir werden jetzt gleich Essen
hei ho,
hei ho, schönes Fleisch und kein Tofu,
hei ho, hei ho und
saufen uns dann froh,
hei ho, hei ho!
Durch das erbärmliche Gequietsche, das die Spinnen singen nannten, angelockt, versteckte sich Bilbo hinter einem Busch am Rande der Spinnensiedlung und peilte die Lage. Er sah Spinnen ihren Kochvorbereitungsaktivitäten nachgehen. Dann fiel sein Blick auf die 12 dicken, weißen Bündel, die von einem hohen Baum in der Mitte der spinnischen Lichtung herabhingen. Der Hobbit erkannte sofort, dass seine Reisegefährten in den Säcken stecken mussten, denn er konnte Filis penetranten Fußgeruch und Kilis starken Achselschweiß bis zu seinem Versteck riechen. Außerdem sah er Bomburs Nachtmütze aus einem der Säcke heraushängen. Der Fußbehaarte bemühte seine grauen Zellen und hatte nach zehn Minuten einen Befreiungsplan ausgearbeitet. Bilbo nahm sich den Ring aus dem Vergnügungspark Nebelgebirge und steckte sich Saurons ehemaligen Ring an seinen Finger und zog Stolperfalle. Jetzt waren er und auch sein Schwert unsichtbar. Bilbo kam hinter seinem Busch hervor und ging geradewegs auf die gut verschnürten Zwerge zu, ohne dass eine der Spinnen ihn bemerkte.
Bilbo schnitt
jeden Zwerg vorsichtig herunter, um keine Aufmerksamkeit zu erregen,
und schnitt die Bündel auf. Dann nahm er wieder den Ring ab,
damit die Zwerge nicht sein Geheimnis erfahren würden. Die
Spinnen waren immer noch ins Singen und in ihre Kochvorbereitungen
vertieft. Und bekamen so von der Befreiungsaktion gar nichts mit.
Aufatmend verschwand die wieder vollzählige Reisegesellschaft im
Wald und entfernte sich, so schnell sie konnten. Nachdem sie eine
Weile gejoggt waren, überquerten sie ungewollt die unsichtbare
Grenze zu Thranduils Königreich, an der kein Warnschild stand,
da der König der Meinung war, dass Schild am Waldeingang würde
reichen. Bis jetzt war noch niemand so blöd gewesen, diese
Warnung zu missachten oder schlicht zu übersehen.
Die Elben,
die Zwerge überhaupt nicht mochten, nahmen diese gleich ohne
Grund fest, als die Wachen sie bemerkten und brachten sie weg, um sie
ohne ein Gerichtsverfahren oder Anwalt je in eine Einzelzelle im
Gefängnis unter Thranduils Palast zu werfen. Nur Bilbo hatten
sie übersehen. Der hatte sich schnell seinen Ring angesteckt und
war somit für alle Augen nicht existent.
