Wieder einmal gehört mir nicht mal die Hälfte der Story und ich verdiene nichts damit.
Und wieder einen dicken virtuellen Knuddler an mein Trio Infernale: Angie Snape, Lapislazuli und Like a Dame...
Kapitel 9
Von Katzen, Kerkern und Riesen
Minerva hatte in der Nacht schlecht geschlafen und war dementsprechend auch schon früh aufgestanden. Während Septima sich noch einmal umgedreht hatte, fand sie sich sehr zeitig in der Großen Halle zum Frühstück ein. In ihrem Kopf schwirrten immer noch die Ereignisse des gestrigen Tages herum, und sie verspürte das unbedingte Bedürfnis, diese Sache mit Severus aus der Welt zu schaffen.
Sie frühstückte hastig, ohne zu merken, was sie überhaupt aß und war schon fertig, als ihre restlichen Kollegen langsam in der Großen Halle eintrudelten. Als sie Severus an den Tisch herannahen sah, spürte sie, wie ihr das Blut in die Wangen stieg. Angesichts ihrer geröteten Wangen zog er die Augenbrauen empor und ließ ihr ein belustigtes Grinsen zukommen. Eilig schob sie ihren Stuhl zurück und verließ die Halle mit einem gemurmelten Kommentar.
Madam Hooch und Pomona Sprout sahen ihr verblüfft nach, als sich Minerva beinahe schon unhöflich an ihnen vorbeidrängte und förmlich aus der Tür stürmte, wo sie beinahe Septima überrannte und wortlos stehen ließ, worauf auch diese ihr konsterniert nachstarrte.
„Sie arbeitet zuviel", bemerkte Pomona achselzuckend und schaute Kollegin nach.
„Viel zu viel, wenn du mich fragst", erwiderte Hooch und schüttelte den Kopf. „Ich bin sicher, dass sie noch nicht wieder ganz auf Vordermann ist. Sie war früher nie launisch."
„Das wird sich auch wieder geben", entgegnete Sprout, ließ sich auf ihren Stuhl sinken und griff nach dem Kaffee.
„Hoffentlich", antwortete Hooch und streckte Sprout ihre Tasse entgegen. „Das ist ja nicht zum Aushalten!"
Septima runzelte die Stirn, rührte angelegentlich in ihrer Tasse herum und gab vor, die Konversation ihrer Kolleginnen vollständig zu überhören.
Hin und wieder schoss sie einen recht ärgerlichen Blick in Snapes Richtung, was dieser mit einer halb erstaunten, halb finsteren Miene entgegnete, während er sich insgeheim seine Gedanken um seine beiden Kolleginnen machte.
Konnte es denn sein, dass die beiden Frauen mehr verband als eine einfache Freundschaft? Konnte es sein, dass Septima Vector und Minerva McGonagall ein Paar waren? Noch immer war Snape sich nicht restlos sicher, aber er fand seine Vermutung immer mehr bestärkt. Er hätte zwar nie gedacht, dass seine alte Kollegin und liebste Gegnerin irgendwann einmal eine Beziehung eingehen würde, aber nun ja – warum eigentlich nicht? Immerhin hatte Snape schon wesentlich merkwürdigere Dinge erlebt.
Ein weiteres merkwürdiges Ereignis erwartete ihn, als er nach dem Frühstück in seinen Kerker zurückkehrte und vor seiner Tür eine ihm nur allzu vertraute Tigerkatze vorfand. Er seufzte lautlos.
„Minerva. Was tun Sie denn hier?"
Die Katze legte die Ohren zurück, sah ihn kurz an und wandte ihren Blick dann von ihm weg und zur Tür hin. Snape unterdrückte einen weiteren Seufzer und öffnete diese.
„Wenn Sie dann hereinkommen möchten", lud er sie mit hörbar genervter Stimme ein.
Die Katze erhob sich würdevoll und schritt majestätisch durch die Tür, die Severus ihr aufhielt. Kaum im Raum angekommen, hatte er die Gelegenheit zu beobachten, wie sich die kleine Tigerkatze wieder in seine Kollegin McGonagall zurückverwandelte.
Er blieb an die Tür gelehnt stehen und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Was verschafft mir diese außergewöhnliche Ehre am frühen Morgen?", fragte er dann und klang immer noch gelangweilt.
„Es geht um gestern, Severus."
„Ich höre."
Minerva zögerte für einen kurzen Moment, dann warf sie den Kopf in den Nacken und sah Snape freimütig an.
„Zuerst sollten Sie wissen, dass ich unsere kleinen Wortgefechte für gewöhnlich sehr genieße", begann sie und fixierte Snape mit dem ihr eigenen festen Blick.
Er nickte nur, das wusste er bereits.
„Nur gestern habe ich ein wenig die Kontrolle verloren. Ich habe mich zu sehr von Ihnen provozieren lassen und schließlich wollte ich Sie treffen und Ihnen wehtun. Es war, als ob alle meine heimlichen Vorbehalte, die ich je gegen Sie hatte, plötzlich hervorbrachen und ich habe Sie attackiert, obwohl ich nur zu gut weiß, warum Sie der Mensch sind, der Sie sind. Ich würde das nur zu gerne ungeschehen machen und es tut mir wirklich leid."
Minerva verstummte und sah ihn abwartend an.
Snape stand noch immer mit verschränkten Armen an die Tür gelehnt, doch seine zuvor noch finstere Miene war einem nachdenklichen Gesichtsausdruck gewichen.
„Ich weiß es wirklich zu schätze, was Sie hier versuchen, Minerva, aber es ist nicht nötig, dass Sie mich um Verzeihung bitten. Ich habe Ihnen nichts übel genommen, im Gegenteil." Er lächelte schief. „Ich fand es ausgesprochen interessant anzusehen, wie Sie beinahe explodiert sind und für Ihren gekonnten Abgang kann ich Ihnen nur Beifall zollen."
Sein Gesicht wurde weicher.
„Ich müsste eigentlich Sie um Verzeihung bitten, weil ich ausgerechnet Ihnen Parteilichkeit vorgeworfen habe. Trotzdem bin ich froh, dass wir diese Angelegenheit nun aus der Welt schaffen können und ich weiß es wirklich zu würdigen, dass Sie sich die Mühe gemacht haben und heute früh hergekommen sind. Das zeigt mir, dass Sie mich genügend als Person respektieren und schätzen, um sich Gedanken um mich zu machen. Das ist auf jeden Fall eine erfreuliche Abwechslung im Vergleich zu vielen anderen." Er zuckte die Achseln.
Minerva hätte beinahe vor lauter Erleichterung laut aufgeseufzt.
„Ich bin froh, dass diese Sache geklärt ist", sagte sie warm und trat einen Schritt näher auf Severus zu. „Natürlich schätze ich Sie. Sie treiben mich zwar manchmal zur Weißglut, aber dennoch möchte ich Sie hier nicht mehr missen", erklärte sie weiter und sah ihn offen an.
„Ich schätze, das ist jetzt so üblich", bemerkte Severus achselzuckend, löste seine verschränkten Arme und streckte Minerva die Hand hin.
Mit einem erleichterten Lächeln ergriff sie die dargebotene Hand.
Es war das erste Mal, dass Severus sie zu einem körperlichen Kontakt aufgefordert hatte. Sie bemerkte, dass seine Hände ausgesprochen kräftig, etwas rau und leicht kühl waren und er über einen angenehm festen Händedruck verfügte. Mit leisem Bedauern beendete sie schließlich den physischen Kontakt.
„Dann sind wir jetzt also klar miteinander?"
„Natürlich", erwiderte er. „Ich werde auch weiterhin Ihren naseweisen Gören Punkte abziehen und Sie werden mich weiterhin dafür auf Ihre unnachahmliche Art zusammenstauchen. Alles wie gehabt."
„Schön. Dann wünsche ich Ihnen noch einen angenehmen Tag, Severus."
„Ich Ihnen auch, Minerva."
Er öffnete ihr die Tür.
„Bevor ich es vergesse, was sollte eigentlich Ihre Maskerade als Katze auf meiner Fußmatte? Wollten Sie hinter den Ohren gekrault werden? Oder haben Sie etwa geglaubt, ich würde Sie nicht erkennen?"
„Das würde ich niemals annehmen, Severus, so verkalkt werden Sie doch wohl noch nicht sein! Nein, ich dachte nur, es wäre Ihnen möglicherweise unangenehm, wenn Ihre Schüler sehen, dass die Schreckschraube von Gryffindor Ihnen vor Ihrer Tür auflauert."
Sie verließ seinen Wohnraum und lächelte ihn zuckersüß an.
„Wie nett, dass Sie sich Gedanken um meinen Ruf machen", spöttelte er.
„Na, wenigstens einer von uns sollte an Ihren Ruf denken", schoss sie zurück. „Und wenn erstmal bekannt würde, dass Sie sich friedlich mit mir unterhalten haben ohne mir den Kopf abzureißen oder mich in eine Nebelkrähe zu verwandeln, wäre Ihr Furcht einflößender Ruf als böse schwarze Fledermaus komplett im Eimer." Sie zwinkerte ihm verstohlen zu und rauschte den Gang hinab.
Severus schloss die Tür und lachte leise in sich hinein.
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„Wo ist eigentlich Dumbledore?", flüsterte Septima beim Abendessen.
„Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung", erwiderte Minerva und warf ebenfalls einen verstohlenen Blick auf den leeren Stuhl des Schulleiters.
„Meinst du, das ist eine jener Gelegenheiten, von denen er dir erzählt hat?", wisperte Septima weiter.
„Schon möglich", entgegnete Minerva und beschäftigte sich angelegentlich mit ihrem Teller.
„Was meinst du denn, was er vorhat?", bohrte Septima weiter.
„Ich kann es dir nicht sagen, weil ich es nicht weiß", erwiderte Minerva scharf. „Und selbst, wenn ich es wüsste, würde ich es dir unter Umständen auch nicht erzählen können. Und jetzt nerv mich bitte nicht mit Fragen, die ich dir nicht beantworten kann."
Septima, die sehr wohl bemerkt hatte, dass sie mit ihrer Fragerei einen wunden Punkt bei ihrer Freundin erwischt hatte, lenkte ein.
„Schon gut, ich war halt nur neugierig."
„Nichts Neues von dieser Front", murmelte Minerva, hob die Augen und begegnete dem Blick von Snape, der sie mit unergründlicher Miene ansah und dann die Mundwinkel zu der winzigen, kaum sichtbaren Andeutung eines Lächelns verzog. Minerva antwortete mit einem ebenso winzigen und kaum sichtbaren Neigen des Kopfes, bevor sie sich wieder Septima zuwandte und ihre Konversation in ungefährlichere Gewässer steuerte, in dem sie vom Unterricht sprach.
Über kurz beteiligten sich auch andere Kollegen am Gespräch und es entspann sich ein lebhafter Austausch. Sogar Snape ließ sich dazu herab, mit unbewegter Miene einen oder zwei spöttische Kommentare einzuwerfen, um den einen oder anderen seiner Kollegen etwas zu ärgern.
Schließlich neigte sich das Abendessen dem Ende zu und nacheinander erhoben sich die Lehrer und Schüler, um ihren diversen Beschäftigungen nachzugehen.
Septima wartete, bis sie aus der Sicht- und Hörweite aller anderen waren, dann hakte sie sich bei Minerva unter.
„Ich nehme mal an, dass du deine Differenz mit Severus aus der Welt schaffen konntest", bemerkte sie fröhlich. „Er war ja eben richtig menschlich."
„Ja, habe ich, gleich nach dem Frühstück. Ich habe ihm quasi im Kerker aufgelauert, bevor er zum Unterricht gehen konnte", erwiderte Minerva stillvergnügt.
„Und? Was hat er gesagt? Nun spann mich nicht so lange auf die Folter!"
„Täte dir mal ganz gut, du bist heute wieder furchtbar neugierig", erwiderte Minerva lächelnd und versetzte ihrer Freundin einen liebevollen Nasenstüber.
Septima zog die Stirn kraus. „Ich schätze dann mal, dass alles deinen Wünschen gemäß gelaufen ist, sonst wärst du nicht so guter Laune."
„Ja, es ist besser gelaufen als ich es mir gedacht hatte. Im Prinzip schätzte er meinen Versuch mich bei ihm zu entschuldigen und fügte an, dass er mich gleichfalls um Verzeihung bitten müsste, weil er mir Parteilichkeit vorgeworfen hat. Es ist also alles wieder beim Alten. Er wird weiterhin meinen Gryffindors Punkte abziehen, ich werde mich auch weiterhin darüber aufregen und wir werden beide wissen, dass alles nicht unbedingt ernst zu nehmen ist."
„Ja, aber was hat er dabei für ein Gesicht gemacht?"
„Was soll er schon für ein Gesicht gemacht haben? Ein Snapesches eben. Nein, im Ernst, er wirkte ein wenig nachdenklich, zumindest stellenweise."
„Da hätte ich doch zu gerne Mäuschen gespielt", bemerkte Septima versonnen und fasste Minervas Arm fester. „Meinst du, du kannst mich lehren, wie man ein Animagus wird? Vorzugsweise etwas sehr Kleines und Unauffälliges?"
„Sicher könnte ich das, aber wie kommst du auf die Idee, dass ich das auch möchte?", konterte Minerva und ließ mit einem Schlenker ihres Zauberstabes ihre Bürotür aufspringen. „Du würdest diese Fähigkeit doch nur nutzen, um Unfug damit zu treiben und nichts ahnende Leute zu belauschen."
„Nun mach mich nicht schlechter als ich bin!", verteidigte sich Septima. „Ich meine es ernst, es würde mich wirklich interessieren, aber ich habe mich noch nie alleine da herangetraut. Es kann einfach zuviel schief gehen, wenn man nicht genau weiß, was man tut."
„Und was wärest du dann gerne für ein Tier?"
„Das ist eine interessante und berechtigte Frage", erwiderte Septima nachdenklich. „Es müsste etwas sein, das einerseits nicht auffällt, andererseits aber auch so gestrickt ist, dass ich in dieser Form nicht als hilfloses Etwas enden würde."
„Wie wäre es mit der Katze?", schlug Minerva mit einem feinen Lächeln vor.
„Hah! Nur weil du es als optimal empfindest, als Katze durchs Leben gehen zu können, wenn du es willst, muss das noch lange nicht für mich gelten", erwiderte Septima kopfschüttelnd. „Zwei Katzen in einer Schule wären wohl doch ein bisschen zuviel des Guten."
„Du vergisst Mrs. Norris", erinnerte Minerva sie, „ganz zu schweigen von den diversen Katzen unserer Schüler."
„Ich meinte zwei Katzen-Animagi!", präzisierte Septima schmunzelnd. „Obwohl es sicher nicht ganz uninteressant wäre, sich mal mit Mrs. Norris auf Augenhöhe zu unterhalten", fügte sie hinzu.
Minerva zuckte die Achseln.
„Diese Erfahrung kannst du dir schenken, sie ist verdammt hochnäsig und spricht nur mit echten Katzen. Und zu denen zähle ich ihrer Ansicht nach nun mal nicht."
„Snobismus unter Vierbeinern! Wer hätte das gedacht?", amüsierte sich Septima. „Aber ich werde mich mal näher mit dieser Sache befassen und ich werde dich noch mal auf das Thema ansprechen, wenn ich weiß, was ich werden möchte."
„Wenn du groß bist?"
„Ich bin groß!", erwiderte Septima und sah Minerva schräg an.
„Erwachsen vielleicht, aber nicht besonders groß!", foppte Minerva ungerührt und lachte über die Grimasse, die Septima ihr schnitt.
„Ich werde dir gleich mal zeigen, wie groß ich bin!", drohte Septima spaßhaft und jagte Minerva um ihren Schreibtisch herum. „Du brauchst dir gar nichts darauf einbilden, das du eine Winzigkeit größer bist als ich!"
„Wer bildet sich hier etwas ein?", fragte Minerva und stoppte so unvermittelt, dass Septima in sie hineinlief.
„Autsch! Kannst du mich nicht vorwarnen?", beschwerte die sie sich und griff Haltsuchend nach Minervas Taille, ein Umstand, den Minerva zu egoistischen Zwecken ausnutzte.
„Hätte ich dich jetzt auch vorwarnen sollen?", fragte sie schmunzelnd, als sie sich wieder voneinander lösten.
„Wage es bloß nicht, mich vor solchen Attacken warnen zu wollen", erwiderte Septima noch immer ein wenig atemlos und strich sich eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht. „Was machen wir mit dem angebrochenen Abend? Machen wir da weiter, wo wir gerade aufgehört haben?", fragte Septima und streckte begehrlich die Hände nach Minerva aus.
„Hände weg, du lüsternes Biest! Ich muss dich leider enttäuschen, ich habe noch zu arbeiten", klärte Minerva sie bedauernd auf. „Musst du denn nichts für den Unterricht vorbereiten? Oder Aufsätze korrigieren?"
„Nicht allzu viel", erwiderte Septima. „Ich hatte heute Nachmittag frei und da habe ich meinen Krempel schon erledigt."
„Du Glückliche! Einen solchen Luxus habe ich leider nicht", seufzte Minerva und nahm hinter ihrem Schreibtisch Platz. Sie zog eine Schublade auf und förderte einen großen Stapel Pergamentrollen hervor.
„Die muss ich alle noch korrigieren."
„Was ist das?"
„Hausaufgaben der Zweitklässler", murmelte Minerva und entrollte einen der Bögen. „Und ich befürchte, ich werde eine Menge roter Tinte brauchen, wenn ich das so sehe…"
„Und eine Menge Zeit", ergänzte Septima, die ihr über die Schulter geschaut hatte und tippte mit dem Finger auf den mittleren Teil des Essays. „Das ist ja schauderhaft!"
„Ich weiß. Anscheinend haben die Kinder die Sommerferien optimal genutzt, um ihre Köpfe zu hundert Prozent zu leeren", grummelte Minerva und kramte ihre Feder hervor.
„Dann werde ich dich jetzt mal deinen Aufsätzen überlassen und verständnisvoll das Weite suchen. Vielleicht gehe ich ein wenig spazieren."
„Dann pass auf dich auf!"
„Ach, befürchtest du etwa, ich würde bei jedem Spaziergang über irgendwelche verletzten Kollegen stolpern, die ich dann zu Poppy schleife, um mich anschließend in sie zu verlieben? Das wäre selbst mir zu stressig", grinste Septima, küsste Minerva liebevoll und trollte sich.
Kopfschüttelnd sah Minerva ihr nach und fragte sich wieder einmal, wo Septima nur immer ihre Energie hernahm.
Mit raschen Schritten durchquerte Septima das Schloss und lief flink die große Eingangstreppe am Portal hinab, als die Sonne gerade im Westen als glutroter Feuerball versank und den Himmel in zarten Pastelltönen anmalte. Wie so oft in den letzten Jahren durchstreifte Septima planlos die ausgedehnten Ländereien von Hogwarts.
Schon bald brach die Dämmerung herein und ein bleicher Mond stieg am Himmel empor. Die Luft wurde kühl und frisch; der Verbotene Wald hob sich als schwarzer Schemen gegen den dunklen Nachthimmel ab. Der schwarze See schimmerte silbern im Mondlicht, dann und wann kräuselte ein leichter Windhauch die stille Wasserfläche und zerbrach den perfekten Spiegel der Oberfläche. Der feuchte Geruch der schlammigen schwarzen Erde erfüllte die Luft und vermischte sich mit dem süßen Duft von Blumen und Gras. Aufatmend sog Septima die stille Schönheit der sie umgebenden nächtlichen Szenerie ein und schlenderte versonnen weiter.
„Wer is' da?", rief sie dann eine raue Stimme an und ein Licht blendete sie. Septima schirmte die Augen mit der Hand ab und starrte zu der riesenhaften Gestalt empor.
„Ich bin es, Rubeus, Professor Vector."
„Hab Sie gar nich erkannt", grummelte der bärtige Riese und sah auf sie herab. „Sie sollten nich so spät hier draußen rumlaufen, Professor. Nich in so unsicheren Zeiten wie wir nu ham."
„Ich dachte, Hogwarts wäre doppelt und dreifach gesichert?", versetzte Septima.
„`türlich. Aber man kann nie vorsichtig genug sein, nich?"
„Sie haben vollkommen Recht", seufzte Septima und lief neben dem Wildhüter her.
„Was machen Sie überhaupt noch hier draußen?"
„Spazieren gehen. Min… Professor McGonagall hatte noch zu arbeiten und ich dachte, ich könnte mir in der Zeit etwas die Beine vertreten und frische Luft schnappen."
„Sie verbringen viel Zeit mit ihr. Das is mir aufgefallen."
Septima nickte nur und hoffte, dass Hagrid diese Bewegung im Dunkeln hatte ausmachen können.
„Is ne feine Frau, Professor McGonagall. Eine der besten Lehrerinnen, die Hogwarts je hatte", fuhr Hagrid fort.
„Das ist sie", stimmte Septima zu. „Von Ihnen hält sie auch sehr viel, Rubeus", fügte sie dann hinzu. Überrascht blieb sie stehen, als sie ein Schniefen an ihrer Seite hörte.
„Alles in Ordnung mit Ihnen?", fragte sie dann.
„Klar, alles is in Ordnung", kam es brummelig von ihrer Rechten.
„Sind Sie sicher? Ich habe Sie heute weder beim Frühstück noch beim Abendessen gesehen."
„Es is nix", wehrte er schroff ab.
Schweigend gingen sie weiter. Schließlich rang Hagrid sich doch dazu durch, Septima sein Herz auszuschütten:
„Es is wegen Harry, Hermine un Ron. Keiner von den dreien hat Pflege magischer Geschöpfe genommen und sich auch noch nich wieder bei mir sehen lassen. Vielleich sin sie der Ansicht, dass Professor Raue-Pritsche ein besserer Lehrer is als ich", schniefte der Halbriese.
„Das glaube ich nicht", versicherte Septima und tätschelte seinen Ellbogen. „Sie werden es nicht in ihre Stundenpläne haben einpassen können, das wird die ganze Lösung sein. Sie wissen doch, dass die sechsten Klassen immer ein Berg von Arbeit haben. Ich glaube nicht, dass die drei Ihr Fach nicht belegt haben, weil sie es nicht mögen würden."
„Vielleich ham Sie Recht, Professor", murmelte Hagrid und zog ein tischdeckengroßes Taschentuch hervor, um sich zu schnäuzen. „Bin im Moment wohl n bisschen empfindlich mit so was. Ich hab da eine Acromantula, Aragog. Ich hab ihn selbs ausgebrütet als ich noch zur Schule ging und er is krank geworden. Ich glaub nich, dass er den Sommer überlebt", erklärte Hagrid mit belegter Stimme.
Septima schauderte es, wenn sie an Spinnen im Allgemeinen und Acromantula im Besonderen dachte, sprechende Riesenspinnen waren noch nie ihr Ding gewesen, aber sie ließ sich nichts anmerken.
„Es tut mir leid, das zu hören, Hagrid", bemerkte sie mitfühlend. „Sie haben – eh – Aragog selber ausgebrütet? Das klingt überaus interessant. Wie brütet man denn eine Acromantula aus?", fragte sie, um ihn aufzumuntern und Hagrid erklärte ihr wortreich, wie er Aragog bekommen und ausgebrütet hatte und wie er ihn im Verbotenen Wald verstecken musste, als man angenommen hatte, Aragog sei das Monster aus der Kammer des Schreckens gewesen.
„Solche Erlebnisse verbinden natürlich. Ich kann verstehen, dass Sie sich Sorgen machen." Wieder tätschelte sie Hagrids Ellbogen.
„Das is nett von Ihnen, Professor. Ich weiß das wirklich zu schätzen."
„Absolut keine Ursache, Hagrid. Aber ich sollte wohl doch langsam wieder hineingehen, es wird langsam frisch hier draußen."
„Ich bring Sie noch bis zum Portal. Wenn Ihnen unterwegs was passiert, bringt Professor McGonagall mich um", prophezeite der bärtige Riese und schlug die Richtung zum Schloss ein.
„Sie wer'n doch nich weitererzählen, was ich Ihnen erzählt hab?", erkundigte er sich dann.
„Natürlich nicht. Jeder sollte sich vertraulich aussprechen können, ohne dass am nächsten Tag die ganze Schule darüber Bescheid weiß."
Sie sah zu ihm auf und meinte im trüben Laternenlicht sein dunkles Bartgestrüpp zucken zu sehen. Septima war sich nicht sicher, aber sie glaubte, Hagrid lächelte.
Am Portal angekommen, verabschiedeten sie sich voneinander und einen Moment lang sah Septima dem schnell kleiner werdenden Lichtpunkt von Hagrids Laterne nach, bevor sie sich umwandte und ins Schloss
zurückkehrte.
TBC...
