Es fiel mir schwer mich von diesen Augen zu lösen. War der Typ heiß. Der war bestimmt Model oder Schauspieler. Mikes Stimme holte mich zurück in die Gegenwart.

„Wer bist du?", fragte Mike. So wie er das sagte, hatte sein Ton schon fast etwas Beleidigendes.

Ich funkelte Mike wütend an.

„Garrett Parry.", er nickte mit dem Kopf in meine Richtung, „Ich bin ihr Freund."

Mike sah mich verwundert an. „Du hast mir nie gesagt, dass du einen Freund hast, Bella."

„Weil es dich nichts angeht.", zischte ich.

Ich hatte eigentlich gehofft, dass Mike den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen würde. Doch Fehlanzeige.

„Was machst du hier?", hackte Mike weiter nach.

So sehr mich Mike mit seinem eifersüchtigen Getue nervte, in gewisser Weise war ich ihm dankbar. Durch ihn konnte ich mehr über meinen mysteriösen „Retter" erfahren.

„Ich studiere hier Jura." Der genervte Unterton in seiner Stimme war nicht zu überhören. Ehe Mike auch nur noch eine Frage stellen konnte, ergriff Garrett meine Hand und beugte sich dicht an mein Ohr heran.

„Lass uns tanzen.", flüsterte er mir ins Ohr.

Er stand auf und zog mich Richtung Tanzfläche. Ich folgte ihm ohne Gegenwehr. Er war ein wahnsinnig guter Tänzer. Als ich mir sicher war, dass Mike uns nicht mehr beobachtete, sagte ich:

„Danke für die Rettung."

„Kein Problem", erwiderte Garrett und grinste.

Während wir tanzten unterhielten wir uns. Es war einfach klasse. Gerade dachte ich, dass der Abend gar nicht besser werden konnte, da wurde meine Aufmerksamkeit von etwas Anderem abgelegt. In einer Ecke des Clubs drohte eine Prügelei. Garrett folgte meinem Blick und fluchte leise.

„Ich muss gehen.", sagte er.

Ich schaute ihn misstrauisch an.

„Es tut mir wirklich leid." Das Bedauern in seiner Stimme war echt.

Bevor ich noch was erwidern konnte, war er auch schon verschwunden.

Langsam ging ich zurück zu meinem Platz. Was war das denn eben gewesen? Ich war noch völlig in meinen Gedanken versunken, als Leah, Rose und Alice zu unserem Tisch kamen.

„Was ist?", fragte ich vollkommen überrascht.

„Das wollten wir dich auch gerade fragen.", antwortete Leah.

„Wo habt ihr die Jungs gelassen?", fragte ich um vom eigentlichen Thema abzulenken. Ich wusste nicht, was ich von der Sache mit Garrett halten sollte.

„Sie holen gerade Edward und Tom.", sagte Alice genervt, „Lenk nicht vom eigentlichen Thema ab! WAS IST HIER EBEN PASSIERT?"

„Beruhig dich wieder, Alice.", sagte ich. Wie konnte man nur so neugierig sein? „Wir warten nur kurz auf die Jungs und dann erzähle ich euch alles."

Eigentlich hatte ich das nur gesagt, weil ich meine Ruhe haben wollte. Garrett war weg. Und mit ihm meine gute Laune. Im Stillen hatte ich gehofft, dass es eine ganze Weile dauern würde, bis sich Tom und Edward von ihren „neuen Bekannten" lösen würden. Doch da sah ich sie schon kommen. Es stimmte also: Verlass dich auf Kerle und du bist verlassen.

„Und hat euch Bella schon alles erzählt?", fragte Emmet neugierig.

„Sie wollte auf euch warten.", antwortete Rose, „Warum hat sie nicht gesagt."

„Ganz einfach", motzte ich, „Ich habe keine Lust alles 3- oder 4-mal zu wieder holen."

„Ganz ruhig!", mischte sich nun auch Tom ein. „Was ist denn passiert?"

„Gar nichts wäre passiert, wenn du und Edward nicht versucht hättet, diese Tussen an der Bar anzugraben.", fauchte ich.

Tom setzte seinen Dackelblick auf. „Es tut mir echt leid."

Ich schaubte. „Ja. Klar."

Ich weiß bis heute nicht, wie mein Bruder das macht. Eben war ich noch auch 180, aber kaum setzt er seinen Dackelblick ein, schon werde ich ganz ruhig. Auf einmal kam mir mein Verhalten den Anderen gegenüber total albern und kindisch vor. Ich hätte meine Wut nicht so an meinen Freunden auslassen dürfen. „Tut mir leid, dass ich mich so komisch benommen habe.", murmelte ich.

Edward grinste. „Dann sind wir ja quitt. Was ist denn los?"

Nach kurzem Zögern sprudelten die Worte nur so aus mir heraus. Wie Mike aufgetaucht war, wie Garrett mich vor ihm „gerettet" hatte, von dem Tanz und wie es Garrett auf einmal eilig hatte von mir weg zu kommen. Niemand unterbrach mich. Als ich geendet hatte sagte Alice:

„Ich habe euch 2 tanzen gesehen. Da hatte ich eigentlich nicht den Eindruck, dass er so schnell wie möglich von dir weg wollte."

Ich lachte freudlos auf. „Vielleicht hättest du mal ein bisschen besser hinschauen sollen."

„Ich bin in solchen Sachen eigentlich ganz gut.", verteidigte sich Alice. „Im Erst. Ihr wärt ein hübsches Paar."

„Er hatte sicher nur Mitleid mit mir.", entgegnete ich, „Warum sollte er sonst so was machen?"

Jake schüttelte resigniert den Kopf.

„Was ist?", fragte ich.

„Wann wirst du jemals klar sehen?", antwortete Jake.

Ich zog irritiert die rechte Augenbraue nach oben. „Was soll ich sehen? Ich bin ja nun wirklich nicht hübsch, sondern höchstens durchschnittlich."

Alice wollte gerade etwas sagen, doch Tom schnitt ihr das Wort ab.

„Versuch es gar nicht erst! Ich versuch sie schon eine ganze Weile davon zu überzeugen, dass sie hübsch ist. Ohne Erfolg."

Wir ließen das Thema „Bellas Aussehen" gleich wieder fallen. Wir würden uns eh nie einigen. Wir blieben noch bis um 2 und fuhren dann nach Hause. Irgendwie tat es mir sogar leid, als wir uns trennten. Ich hatte abgesehen von dem Zwischenfall mit Mike und Garretts plötzlichem Verschwinden einen schönen Abend gehabt. In dieser Nacht träumte ich davon, was gewesen wäre, wäre Garrett nicht so plötzlich verschwunden.