A/N: Megchen: Boah, das ist ja zum Davonlaufen! (Naja, das haben die meisten ja auch getan hüstel). Finch tut mir sowas von leid!! Er kann ja nichts dafür, dass er plötzlich Commodore ist, wahrscheinlich wollte er das nicht einmal.

Also, eigentlich war Finch mal als "Nebenbösewicht" geplant...

Nachricht an Jenna: Uns werden die "Bösen" zu sympathisch! (lol)

Also ich bin mir ganz sicher, dass Norrington Finch gemocht hätte und Governor Swann natürlich auch ;-)
Mit Governor Winter ist euch ja ein Bösewicht gelungen, wie er im Buche steht, mein Kompliment g

Vielen Dank. :) Jen, Du hast's gehört!

Telepmauriel: Tach! Tja, was soll ich noch sagen, außer dass ihr anbetungswürdig seid? Ich glaube, nichts.

Ich bin sprachlos. Oo Danke für das Kompliment!

Sunshine304: Die Story find ich echt genial! Warte schon sehnsüchtig auf mehr, da sie sich echt gut liest, witzig ist und die Charaktere glaubwürdig 'rüberkommen!! Weiter so!

Herzlich willkommen im Club unserer Leser und vielen Dank für den Review. :) Wir freuen uns immer sehr über neue Gesichter!

So. Und nun wie immer viel Spaß! I.


9. Kapitel

Auf und ab. Auf und ab. Marian starrte trostlos auf den seichten Wellengang, der das Schiff sanft hin und her wiegte. Sie fühlte sich so schlecht wie nie zuvor in ihrem Leben. Nein, so war das nicht ganz richtig. Sie hatte sich schon einmal so gefühlt; bei ihrer ersten Überfahrt mit einem Schiff. Nur war ihr nicht in Erinnerung geblieben, wie schlimm es war, seekrank zu werden. Sie befanden sich jetzt schon seit einigen Stunden auf See, aber ihr Zustand schien sich nicht bessern zu wollen. Ihr war furchtbar schwindelig und sie behielt nichts im Magen, was sie zu sich nahm. Nicht einmal Wasser. Ihr Magen vollführte ständig dieselben Bewegungen wie das Schiff und so hing sie nun schon seit Stunden über einem Eimer oder der Reling.

Sie vernahm Schritte hinter sich und wandte sich müde um. Will Turner kam auf sie zu. Das fehlte noch! Sein fröhliches Gesicht zu sehen, weil ihm der Seegang ach so gar nichts ausmachte, war das Letzte, was sie jetzt noch gebrauchen konnte.

"Und? Geht's schon besser?" fragte er sanft, als er sich neben ihr gegen die Reling lehnte.

"Seh' ich so aus?" brummte sie verärgert.

Er betrachtete ihr Gesicht etwas genauer und lächelte.

"Naja, das Grün deiner Gesichtsfarbe ist etwas schwächer geworden."

"Witzig", erwiderte sie gereizt und starrte wieder ins Wasser. Wills Freundlichkeit war manchmal für sie noch schwerer zu ertragen, als seine moralinsauren Zurechtweisungen. Sie wusste genau, dass er sich nur bemühte freundlich zu sein, weil er sich dazu verpflichtet fühlte. Schließlich arbeitete sein Bruder für ihn und die beiden mochten sich auch noch.

"Das wird schon noch werden", versuchte er sie zu trösten. "Dein Körper muss sich erstmal an die Umstände auf See gewöhnen. Das kann nicht mehr lange dauern. Und es ist ganz normal. Dein Bruder hatte doch nach unserer Abfahrt auch ein paar Probleme."

"Musst du mich daran erinnern, dass er noch existiert?" knurrte sie.

Eigentlich war das alles nur Dominics Schuld. Er hatte ja unbedingt mitfahren wollen. Und anstatt dass er ordentlich seekrank wurde, blieb das natürlich wieder ihr überlassen! Er hatte sich schon bald wieder besser gefühlt. Das Leben war so ungerecht!

"Er ist dein Bruder."

"Ja, leider. Ich wünschte, er wär' tot. Oder ich."

Eine neuerliche Übelkeitswelle erfasste sie, aber Marian kämpfte erfolgreich dagegen an.

"So etwas sollte man auf einem Piratenschiff lieber nicht sagen", ertönte eine weitere Stimme hinter ihr. "Das könnte jemand ernst nehmen."

Ein grinsender Jack Sparrow gesellte sich an ihre andere Seite. Er hielt einen kleinen, ledernen Beutel in der Hand und streckte ihn ihr entgegen.

"Was ist das?" fragte sie, während sie ihm den Beutel aus der schlanken Hand nahm und ihn vorsichtig öffnete.

"Das wird dir helfen", erklärte der Pirat, der sie kritisch betrachtete. "Moosgrün würde ich sagen", wandte er sich an Will.

"Eher helles Mintgrün", verbesserte der.

"Lindgrün", entschied Juliet, die gerade zu ihnen getreten war. "Nimm etwas, Marian, und gib mir den Beutel! Dein Bruder braucht wieder ein bisschen. Ansonsten geht es ihm allerdings besser als dir."

"Der Blitz soll dich treffen!"

Juliet lachte und "schwebte" davon.

"Ich hasse sie", murmelte Marian. "Wie kann man nur so...so gesund sein? Auf einem Schiff??"

"Naja, manche sind so und andere wieder so", lächelte Jack. "Vielleicht hat sie aber auch nur starke Rauschmittel zu sich genommen."

Marian sah ihn stirnrunzelnd an.

"Ist es das?" Sie hob den Beutel und sah sich den Inhalt genauer an. Irgendwelche Blätter befanden sich darin. "Ist das ein Rauschmittel?"

Jack's Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen und seine schwarzen Augen funkelten amüsiert.

"Wer weiß...?"

"Es ist ein Allheilmittel", mischte sich Will ein, der die Geheimnistuerei seines Freundes manchmal nur bis zu einer bestimmten Grenze ertrug. "Gegen Übelkeit und Kreislaufstörungen. Du kannst es ohne Bedenken nehmen. Es wird aus einer Pflanze gewonnen, die auf den karibischen Inseln wächst. Einfach ein wenig auf die Zunge streuen und im Mund zergehen lassen."

"Und mein Bruder hat das schon ausprobiert?" hakte sie nach. "Deswegen geht es ihm also so gut. Warum bekomme ich es erst jetzt?"

"Nun ja, keiner ist so schön farbig geworden wie du", erwiderte Jack nüchtern. "Das ist einfach so hübsch anzusehen."

Marian starrte ihn mit offenem Mund an. Sie war kurz davor, dem Piraten ins Gesicht zu springen.

"Außerdem sollte man es lieber auf nüchternen Magen nehmen." Er sah sie mitleidig an und strich ihr mit einer eigenartigen Bewegung eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "In dir war einfach zuviel drin, Kind."

Damit wandte er sich schwungvoll um und stolzierte zur Kapitänskajüte.

"Und, Will, wir wollen in einer halben Stunde zu Abend essen. Sorg' dafür, dass sie das Rauschmittel auch wirklich nimmt. Ich will nicht, dass sie dem Commodore auf den Teller spuckt." Er schirmte seinen Mund ein wenig ab und setzte leiser hinzu: "Er ist so sensibel."

Weg war er. Will seufzte, musste aber grinsen. Er hätte gerne Norrington's Meinung zu diesem Thema gehört, aber der Commodore diskutierte gerade mit Gillette und einigen anderen Offizieren die Lage.

Will schüttelte den Kopf und sagte zu Marian: "Du musst ihm nicht vertrauen, aber bitte vertrau' mir. Du kannst das Pulver gefahrlos nehmen. Es unterdrückt nur die Übelkeit und betäubt den Gleichgewichtssinn. Keine Angst."

Marian sah stirnrunzelnd in den Beutel und tauchte schließlich ihre Finger in das Pulver, um eine Fingerspitze davon zu erhaschen und auf die Zunge zu streuen. Es prickelte angenehm, obwohl es einen eigenartigen süßlich-sauren Geschmack hatte.

"Das reicht schon", sagte Will und nahm ihr den Beutel aus der Hand.

"Und wie oft hast du das schon genommen?" erkundigte sie sich, nachdem der eigenartige Geschmack ein wenig verflogen war.

"Ja, also..." Will sah einen Moment mit gerunzelter Stirn in die Luft, so als müsse er angestrengt nachdenken, dann fanden seine Augen wieder die ihren. "Gar nicht", gab er mit einem kleinen Lächeln zu.

"Und woher willst du dann wissen, dass es ungefährlich ist?" fragte sie, blieb aber ganz ruhig. Irgendwie schien das Mittel auch eine nervenberuhigende Wirkung zu haben.

"Naja, dein Bruder hat es gut vertragen und ich vertraue Jack. Auch wenn er nicht so aussieht – Jack ist im Grunde seines Herzens ein edler und gerechter Mensch", erklärte Will. "Selbst Norrington weiß das. Deswegen konnte er auch nicht zulassen, dass man Jack tötet, obwohl er Piraten sonst hasst."

"Und woher kennt ein Waffenschmied Jack Sparrow? Ich dachte immer, so jemand wie du würde sich mit einem Piraten nie abgeben."

"Das ist eine lange Geschichte."

"Wir haben Zeit, oder wie siehst du das?"

Will blickte auf das weite Meer. Er war sich ziemlich sicher, dass er sich im Moment nicht mit der Vergangenheit und vor allem nicht mit Elizabeth befassen wollte. Wie hatte Norrington das nur geschafft?

"Es gibt Dinge, über die sollte man nicht zu viel nachdenken", brachte er schließlich etwas barsch hervor. "Und schon gar nicht, wenn sie einen nichts angehen."

Es war eigenartig , aber irgendwie fühlte sich Wills Bemerkung für Marian an, wie eine verbale Ohrfeige und sie wusste nicht, womit sie das verdient hatte. Sie war wirklich bereit gewesen, sich nett mit ihm zu unterhalten und herauszufinden, warum ihr Bruder von dem jungen Schmied so begeistert war. Aber nun hatte sie überhaupt keine Lust mehr dazu – ganz im Gegenteil, das schrie nach Vergeltung! Marian versuchte das wütende Funkeln in ihren Augen zu unterdrücken und hob skeptisch eine Augenbraue.

"Oho – bin ich da etwa auf ein schlimmes Geheimnis gestoßen? Ich wusste gar nicht, dass ein Will Turner so ruppig werden kann."

Will erwiderte gar nichts, sondern sah sie nur verärgert an. Doch Marian hielt seinem Blick eisern stand. Sie ließ sich doch von einem Waffenschmied nicht so einfach einschüchtern!

"Lass mich raten", fuhr sie provozierend fort. "Der gute Jack Sparrow hat dir einst das Leben gerettet und jetzt bist du ihm zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet. Und das Schlimmste daran ist, dass du bei diesem Abenteuer die Liebe deines Lebens verloren hast."

Das Zucken seiner Wangenmuskeln verriet, dass es ihr tatsächlich gelungen war, Will's Verärgerung in echte Wut umzuwandeln. Also musste sie mit ihren Vermutungen gar nicht so falsch liegen.

"Oh-ho-ho, nein, nein, nein", ertönte plötzlich eine Stimme und Marian sah aus den Augenwinkeln, wie jemand zu ihnen trat. Doch sie war nicht bereit, das Blickduell zuerst zu unterbrechen.

"Ganz gleich, was sie gesagt hat, sie hat's nicht so gemeint", hörte sie Dominic sagen und schon packte er sie an der Schulter und zog sie aus Will's Reichweite. "Sie achtet nie darauf, was sie so daherredet", erklärte er weiter. "Manchmal treibt sie mich damit zur Weißglut, aber so ist sie nunmal."

"So ist sie nunmal. Soso", wiederholte Will mit einem falschen Lächeln. "Vielleicht sollte sich mal jemand ihrer annehmen und ihr ein wenig Benehmen beibringen."

"Und wer soll dieser jemand sein?" erkundigte sie sich mit einem ebenso liebenswürdigen Lächeln. "Etwa du?"

"Nein, das ist mir eindeutig zuviel Arbeit. Aber vielleicht sollten wir dich einfach zurück zu Gouverneur Winter bringen."

"Von mir aus", erwiderte sie trotzig. "Der ist wenigstens nicht so ein ewiger Moralapostel, der von Tugenden redet, die er selber gar nicht besitzt."

"Gibt es irgendein Problem?" fuhr die genervte Stimme von Commodore Norrington scharf dazwischen und Marian zuckte heftig zusammen.

Auch wenn sie den Commodore nicht sonderlich mochte, Respekt hatte sie schon immer vor ihm gehabt.

"N...nein", stotterte sie und wich seinem durchdringenden Blick sofort aus.

"Gut. Ist es dann möglich, die Fahrt nach Fair Haven für alle Personen möglichst angenehm und ruhig zu gestalten?"

"Mit Jack Sparrow an Bord? Nein."

James schloss die Augen und zählte langsam bis zehn, dann wandte er sich um.

"Juliet! Ich dachte, du wärst unter Deck."

"Da war ich auch. Ich habe mich recht nett mit Captain Gillette unterhalten."

Was eine glatte Lüge war und sie beide wussten es. Juliet unterhielt sich nie nett mit dem jungen Captain. Gillette hatte sie schon immer für "unter der Würde" seines verehrten Commodores gehalten und Juliet sah in ihm kaum mehr als James' "Lieblingshaustier", aber sie war nunmal mit James verheiratet und sie und Gillette hatten sich...arrangiert.

"Das freut mich", erwiderte James.

Ihre Stimmen waren beide überaus ruhig, aber Marian wurde das Gefühl nicht los, dass ein ganz anderer Dialog stattfand. Norrington's Augen "fauchten": "Was mischst du dich da ein?" und Mrs. Norrington's Augen "erwiderten": "Entspann' dich! Du machst alles nur noch schlimmer."

Schließlich wandte sich Juliet lächelnd um.

"Gibt es ein Problem?"

Marian und Dominic schüttelten synchron die Köpfe, während Will nur da stand und die beiden stirnrunzelnd betrachtete. Als Juliet's Blick zu ihm wanderte, erwiderte er ihn ruhig und fragte nur: "Ist schon Zeit für's Abendessen? Ich denke, wir sind alle nur ein wenig überreizt, weil unsere Mägen knurren."

"Natürlich", sagte Juliet, immer noch lächelnd. "Ich hätte eher daran denken sollen. Kommt mit! Wir finden bestimmt etwas Essbares. Will, bitte seid so nett und bringt Eurem Freund Captain Sparrow auch etwas, ja?"

"Oh, das wird nicht nötig sein. Ich glaube, er wollte zusammen mit Murtogg und Mullroy etwas für uns alle vorbereiten," erwiderte Will.

"Was heißt für uns alle?" fragte James misstrauisch.

"Na, die Kommandanten dieses Schiffes und ihren Anhang, das heißt, ihre Freunde", ertönte Jack's fröhliche Stimme aus der Kapitänskajüte. "Kommt, kommt! Ihr werdet staunen, was ich alles Leckeres gefunden habe."

Seine Goldzähne blitzten kurz im Sonnenlicht auf und er verschwand wieder in der Kajüte.

Alle setzten sich langsam in Bewegung, nur James blieb stehen. Er hatte plötzlich gar keinen Hunger mehr. Eine kleine Hand legte sich sanft in sein Kreuz.

"Es wird sicher irgendwas dabei sein, das du essen kannst", sagte Juliet. "Und wenn es nur Brot ist. Komm! Du hast lange nichts mehr gegessen."

James lief neben ihr her.

"Du hast ebenfalls abgenommen, Juliet."

Sie lächelte. Das war ihm also aufgefallen.

"Es waren eben aufregende Zeiten in "Port Winter"."

"Ja. Und wir gehen noch viel aufregenderen Zeiten entgegen", sagte er leise. "Es tut mir leid, dass ich dir das alles zumuten muss. Das war nicht geplant."

"Das weiß ich, James. Mach' dir keine Sorgen um mich. Ich komme klar." Sie lächelte erneut. "Ich halte dir den Rücken frei, so gut ich kann, solange du mir versprichst, dass Winter das kriegt, was er verdient."

"Das verspreche ich", sagte er fest und drückte kurz ihre Hand. "Bei allem, was mir heilig ist."

Juliet nickte leicht und gemeinsam betraten sie die Kajüte.


A/N: Wir hatten es versprochen und es war ein längeres Kapitel!! Kriegen wir jetzt auch längere Reviews...? (grübel) I.