Disclaimer: Alle Rechte liegen bei J.K. Rowling, wir haben ihre Helden nur zum Spielen ausgeborgt.

Originalgeschichte: Hinge of fate von Ramos (auch hier im Archiv)

Übersetzt von: Shella LaRoche

Beta-gelesen von: Krümelkeks, Lilly und Mike (HERZLICHEN DANK!)

Reviews: von vielen lieben Menschen.

(Ich kann leider nicht alle persönlich beantworten, dazu fehlt mir die Zeit und ihr wollt ja Weiterlesen, gell?)

Am Wendepunkt des Schicksals – Kapitel 9

Harry Potter machte es sich auf dem alten Sofa im Gryffindorgemeinschaftsraum bequem, tupfte einen Lappen in seinen Topf Besenpolitur und begann einen schlimmen Kratzer damit zu füllen, den der Besen während des Spieles Ravenclaw gegen Gryffindor am gestrigen Tage erhalten hatte. Als Kapitän der Mannschaft musste er viel mehr Zeit in der Nähe seiner anderen Spieler verbringen, um das Spielgeschehen im Auge zu behalten sowie gleichzeitig noch nach dem Schnatz suchen und das brachte ihn in die Schussline verirrter Klatscher. Sein Feuerblitz bekam davon Kriegsnarben, aber er flog immer noch traumhaft und widmete sich wie besessen seiner Pflege.

An einem der anderen Tische in der Nähe des Kamins, gab Ron Weasley sein bestes ein Grinsen zu verbergen, während er darauf wartete, dass Dean Thomas seinen Zug machen würde. Sogar quer durch den ganzen Raum hindurch konnte Harry erkennen, dass Dean in ernsthaften Schwierigkeiten war, obwohl der Stapel weißer Spielfiguren an Rons Ellenbogen ebenfalls ein nicht zu übersehender Hinweis war.

Dean kaute noch einige lange, quälende Momente an seinem Daumennagel, bevor er schließlich seinen Läufer bewegte. Er ließ seinen Finger noch einen Moment auf ihm liegen, während er seinen Zug überprüfte, dann aber ließ er ihn schließlich los, während seine Hand in der Luft über ihm das Kreuz schlug, als ob er ihm seinem Schicksal übereignete.

Rons Zug kam schnell und mitleidslos, der Läufer wurde von einem roten Springer geschlagen. Der besiegte Läufer rollte vom Schachbrett und gesellte sich zu seinen Freunden, wobei er schlimme Drohungen darüber ausstieß den Springer zu exkommunizieren.

„Schachmatt", gab Ron bekannt. „Gutes Spiel, trotz allem."

„Klar", sagte Dean mit einem Schulterzucken. „ Ich denke ich werde das kleine bisschen Würde, das mit noch verblieben ist, zusammenraffen und ins Bett gehen."

„Ja, es wird langsam spät. Bis später."

Harry sah zu, wie Ron die Spielfiguren wegpackte, und sagte Dean geistesabwesend ‚Gute Nacht' als der Junge die Treppe hinaufging.

Der Kratzer auf seinem Besen war schon fast geschlossen, aber er wollte noch einen Zauber ausprobieren, der die Politur härten sollte.

„Ron", fragte er leise.

„Ja, Harry?"

„Wann wirst du endlich aufhören dich Hermione gegenüber wie ein Arsch aufzuführen?"

Rons Ohren wurden ein wenig rot und er begann an der abgenutzten Sessellehne herumzuzupfen. „Weiß nicht, was du meinst..."

„Du weißt genau, was ich meine. Jedes Mal, wenn Du im gleichen Raum wie sie bist, tust du so, als würdest du sie kaum kennen. Ich dachte, ihr wolltet Freunde bleiben."

„Komm schon, Harry, sie hat mit mir Schluss gemacht."

„Du warst derjenige, der mir gesagt hat, dass es gegenseitig war."

„Nun, wenn du es gegenseitig nennst, dass sie mitten in einem Streit eine Zaubertrankflasche nach mir wirft", protestierte Ron.

„Ihr zwei habt euch fast an jedem Tag gestritten, an dem ihr zusammen wart", gab Harry zu bedenken.

„Und?"

„Und vielleicht wart ihr einfach nicht für eine Beziehung miteinander geschaffen", erklärte Harry ihm. „Vielleicht ist Hermione nicht das richtige Mädchen für dich. Sie interessiert sich überhaupt nicht für Quidditch und keiner von uns beiden versteht manchmal auch nur die Hälfte von dem, was sie sagt."

Ron seufzte schwer. Es war nicht so, als wären dies neue Gedankengänge für ihn. Harry hatte ihm das schon mehr als ein Dutzend Mal während der vier Monate seitdem die beiden sich getrennt hatten gesagt. Aber dieses Mal hörte Ron wirklich zu.

„Vielleicht. Es ist einfach schwer, Harry."

„Ich weiß, dass es das ist, Kumpel", sagte Harry voller Mitgefühl. „Aber es ist auch schwer für Hermione. Und momentan gibt es einige Dinge, die ihr das Leben richtig schwer machen." Harry hatte nicht vor, Hermiones Geheimnisse zu enthüllen, aber es reichte ihm wirklich zuzusehen, wenn seine beiden besten Freunde ständig traurig waren.

„Nun, sie ist Schulsprecherin und hat die besten Noten, was soll ihr das Leben elend machen...?" Ron brach ab, als sich das Portraitloch öffnete und eine Hand voll Studenten kurz vor der Sperrstunde hinein ließ. Eine von ihnen war seine Schwester, die sich direkt neben Harry auf das Sofa fallen ließ.

„Also ehrlich Ginny. Mehr als das halbe Sofa ist noch frei, du musst dich nicht direkt neben Harry setzen."

Ginny streckte ihrem Bruder die Zunge hinaus und schob sich noch näher an ihren Freund heran. „Du bist ja nur eifersüchtig."

„Nein, ich bin angewidert. Wenigstens küsst du ihn nicht andauernd... URG!" protestierte er, als Ginny genau das tat. „Harry, würde es dir etwas ausmachen, meine Schwester nicht vor meinen Augen abzuknutschen?"

„Dann dreh dich doch um!" wies Harry ihn an und zog eine kichernde Ginny auf seinen Schoß um den Kuss fortzusetzen.

Als Harry sie losließ zog sie den Topf Besenpolitur unter ihrem Bein heraus. „Ich sehe du hast deinen Besenstiel poliert, während ich fort war!" kommentierte sie empört.

Harry grinste sie nur als, als Ron würgende Geräusche von sich gab.

„So, was hattet ihr beide vor?", fragte sie, während sie Harrys Arm um ihre Taille zog.

„Ich habe deinem idiotischen Bruder gesagt, er soll Hermione endlich aufgeben. Sie hat es momentan schwer genug."

„Ja, ich weiß. Malfoy hat sich wie ein Schwachkopf verhalten."

„Was hat Malfoy mit Hermione zu schaffen?" wollte Ron wissen.

„Habt ihr euch nicht gerade darüber unterhalten?" fragte Ginny verwirrt.

„Nein", sagte Harry. „Was meinst du damit.

„Nun, falls es euch beiden noch nicht aufgefallen ist, Draco Malfoy hängt schon seit einigen Tagen in diesem Teil des Schlosses rum. Mir ist es erst vor ungefähr einer Woche aufgefallen. Hermione und ich gingen zurück nach Gryffindor und plötzlich blieb sie stehen, drehte sich um und ich sah Draco auf der anderen Seite des Flures gegenüber der Treppe stehen. Hermione erzählte irgendeinen Mist, dass sie etwas vergessen hätte, aber er war jeden Tag da. Richtig unheimlich, wenn ihr mich fragt."

„Den mach ich kalt", schwor Ron und rieb seine Faust in der anderen Hand.

„Nun mal langsam", sagte Harry. „Wenn er ihr nichts getan hat, wirst du dich nur in Schwierigkeiten bringen."

„Ist mir egal, was er getan oder nicht getan hat", gab Ron zurück. „Wenn er nur einen Finger an sie legt, klatsche ich ihm eine!"

„Ron hör auf!", schnappte Ginny zurück. „Du bist nicht ihr Freund, also hör auf dich wie ein Steinzeitmensch zu benehmen."

„Ginny hat Recht, Ron. Außerdem wissen wir nicht, was Malfoy vorhat."

„Es ist wohl klar, dass er nichts gutes im Sinn hat", murmelte Ron.

„Vielleicht. Malfoy ist ein hinterhältiger Typ, aber manchmal wundere ich mich doch über ihn. Ich habe ihn manchmal beobachtet, wenn er es nicht gemerkt hat."

„Hast du wirklich?" murmelte Ginny ungläubig und ließ ihn damit tief erröten.

„Doch nicht so!" protestierte er und lachte. Was ich meine ist, dass er mir manchmal wirklich Leid tut. Er hat keine richtigen Freunde, nicht wirklich. Er hat nur diese zwei großen wandelnden Fleischbrocken die immer bei ihm sind und er hat so ziemlich jedes Mädchen gehabt, die ihn in die Nähe ließ, aber das ist es auch schon."

„Sein Vater ist auch kaum zu übertreffen", fügte Ginny hinzu. „Nach dem letzten Spiel gegen Slytherin hatte ich meinen Schal auf der Tribüne vergessen und als ich hinging um ihn zu holen, wurde Malfoy gerade dafür zusammengefaltet, dass er das Spiel verloren hatte."

„Ja, nun, ich kann mir vorstellen, dass Harry uns auch gefaltet hätte, wenn wir stattdessen verloren hätten", gab Ron zu bedenken.

„Er würde euch vielleicht angebrüllt haben, aber ich glaube nicht, dass er euch mit der Faust zusammengeschlagen hätte."

„Malfoy hat das seinem eigenen Kind angetan?" fragte Ron.

„Mit seiner Faust", bestätigte Ginny.

„Wie nett", sagte Harry sarkastisch. „Mein Onkel Vernon ist eine schreckliche Person, aber wenigstens hat er mich nie geschlagen."

„Oh, komm schon Harry. Erst erzählst du mir Snape ist nicht so schlimm, wie du immer gedacht hast und nun willst du mich Mitleid für Malfoy fühlen lassen? Was kommt als nächstes - Du-weißt-schon-wer muss geknuddelt werden?"

„Halt die Klappe, Ron", befahl seine Schwester. „Ich denke Draco könnte in Hermione verknallt sein."

„Du machst doch Witze!" rief Ron. „Bitte sag mir, dass du Witze machst!"

„Eigentlich nicht", erklärte Ginny nun. „Am ersten Tag, auf dem Bahnsteig von Kings Cross ging er geradewegs auf sie zu und sprach mit ihr. Er hat sie sonst immer ignoriert, es sei denn ihr wart da und er konnte euch damit auf die Nerven gehen."

„Und wenn er sie wirklich mag, würde er es niemals zugeben, er würde sich nur widerlich aufführen und das ist genau das, was er momentan macht." Harry schob seine Brille entschlossen hoch. „Was immer seine Gründe sein mögen, ich denke, wir müssen auf Hermione aufpassen und sie wissen lassen, dass wir noch immer ihre Freunde sind. Stimmt ihr mir zu?" Er schaute Ron streng an.

Ron sackte in seinem Sessel zusammen. „Nun gut, Harry. Ich werde es versuchen. Ich liebe sie immer noch, weißt du."

„Ich weiß, Kumpel. Ich auch. Aber ich war nie in sie verliebt und du auch nicht. Das ist dir bloß noch nicht klar geworden."

Ron schaute Harry sauer an, widersprach ihm aber nicht.

Hermione wurde mit einem Haufen medizinischer Schokolade in Herzform konfrontiert, als sie einen weiteren von Madam Pomfreys Karteischränken durchsuchte. Valentinstag war jetzt zwei Wochen her und in einem Anfall von Begeisterung für den Feiertag hatte die Krankenschwester ihren Vorrat in romantische Motive verwandelt. Unglücklicherweise vertrug die Schokolade mehrfache Verwandlungen nicht sehr gut und in der Krankenstation gerieten einem die übrig gebliebenen Herzen ständig in den Weg, jedes Mal, wenn man irgendetwas suchte.

„Haben Sie etwas verloren, Miss Granger?"

Hermione sprang hoch, schaffte es gerade noch zu verhindern, dass sie vorn über fiel und schrie kurz auf. „Das macht Ihnen Spaß, nicht wahr?"

„Vielleicht", gab Snape zu und sah bemerkenswerter Weise wie Krummbein aus, wenn er sich nichts anmerken lassen wollte. „Was suchen sie?"

„Ich hatte gehofft, dass Madam Pomfrey Kataloge für Bekleidung haben würde." Sie gab es auf und schloss den Schrank.

„Warum?", knurrte er.

Hermione wünschte sich, dass er das nicht getan hätte. Es konnte vielleicht an den Hormonen liegen, aber sie spürte, wie sich ihre innere Verbundenheit zu Severus Snape beim Klang seiner Stimme vertiefte, sodass ihre Nerven auf eine Art zu vibrieren schienen, die ihr nicht im Geringsten unangenehm war.

„Nun, ich brauche neue Kleidung und ich kann ja wohl nicht mal eben in die Winkelgasse flitzen um dort einzukaufen, nicht wahr? Und das letzte, was ich tun möchte, ist nach Hogsmeade zu gehen und dort Kleidung in Übergrößen zu kaufen. Der einzige Katalog, den ich bisher gefunden habe war nur ein paar Seiten stark und hatte nichts, das ich gebrauchen könnte."

„Sie brauchen einen Katalog für Übergrößen?" fragte er.

„Ja, sehen Sie. In der weit unterlegenen Muggelwelt haben Unternehmen, die Kleidung, Kochgeschirr und alle möglichen anderen Sachen verkaufen, Kataloge. Man schickt ihnen eine Liste mit dem, was man haben will und dem Geld und sie schicken einem, was man bestellt hat." Ihr triefender Sarkasmus entging ihm nicht und er zog als Antwort nur spöttisch eine Augenbraue hoch.

„Wenn man annimmt, dass die Bestellung die richtige Größe und Farbe hat und die Post nicht streikt", fügte er aalglatt hinzu.

„In der Regel streikt die Müllabfuhr und nicht die Post."

„Egal, so etwas ist in der Zaubererwelt nicht ganz unbekannt, Miss Granger."

„Gut. Dann kann ich ja noch etwas Kleidung bestellen, bevor die, die ich habe komplett nutzlos ist."

„Brauchst du jetzt neue Kleidung, Hermione?" fragte Madam Pomfrey, als sie aus ihrem Büro kam. „Ich bin überrascht, dass du es so weit damit geschafft hast, meine Liebe. Du hast fast die Hälfte hinter dir."

„Ja", gab Hermione zu. „Meine Blusen werden jetzt zu eng und keiner meiner Uniformröcke lässt sich mehr richtig schließen. Alles wird nur noch von Schlaufen gehalten."

Als ein Mann der in mitten eines Gespräches über Kleidung zwischen Frauen gefangen war, zeigte Snape bemerkenswert wenig Unbehagen bei dem Thema, runzelte aber die Stirn. „Was für eine Rolle können denn Schlaufen dabei spielen, ihre Kleidung intakt zu halten?"

„Man zieht eine Schnur durch das Knopfloch, macht eine Schlaufe und legt sie über den Knopf", antwortete Madam Pomfrey ruppig, als ob die Antwort offensichtlich wäre. „Dadurch erhält man einige weitere Zentimeter Luft. Ich erinnere mich noch an meinen Erstgeborenen. Er ist jetzt älter als du, Severus, aber ich erinnere mich daran, dass ich geweint habe, als ich größere Kleidung kaufen musste. Mein Ehemann nannte mich albern und ich habe ihm das nie vergeben." Pomfrey seufzte angesichts der Erinnerung und schaute Hermione dann streng an. „Ich wette, du brauchst auch neue Unterwäsche. Mich hat zwar die zusätzliche Oberweite nicht gestört, aber es war wirklich unbequem, bis ich zu einer größeren Größe wechselte."

„Du wirst auch bald zu watscheln anfangen", fügte Madam Pomfrey noch hilfreich hinzu.

„Ich werde was?" Hermione war sich nicht sicher, was sie mehr entsetzte. Die freimütige Diskussion über ihre Unterwäsche, während Severus Snape da stand oder der Kommentar über Pomfreys Oberweite. Aber tatsächlich benötigte sie einen kompletten Satz neuer Kleidung, aber das war etwas, was sie nicht zugeben wollte.

„Sie sind doch Klassenbeste in Verwandlungen, Miss Granger. Sicherlich beherrschen sie doch einen einfachen Vergrößerungszauber."

Hermione schaute Snape scharf an, obwohl sie sich von seinem Kommentar eigentlich nicht angegriffen fühlte. Ein hinterhältiges Glitzern blitzte aus seinen dunklen Augen und sie war froh, dass er sich wohl dabei fühlte sie zu necken.

„Ich hatte schon daran gedacht, aber die Zauber halten nur eine gewisse Zeit und enden meist zum falschen Zeitpunkt." Er öffnete seinen Mund, aber sie unterbrach ihn. „Und ich werde meine BHs auch nicht jemand anderem zum Verzaubern überlassen."

„Vielleicht wäre ein Abstecher in die Winkelgasse angebracht."

Hermione fühlte ihre Wangen rot werden, aber sie weigerte sich nachzugeben. „Ich habe nur ungefähr zehn Gallonen, die ich ausgeben kann, Sir. Ich kann es mir nicht leisten, einen Einkaufsbummel zu machen. Ich brauche nur einige bequeme Kleidungsstücke und einige abgewandelte Schuluniformen."

„Ich werde für alles aufkommen, was sie brauchen, Miss Granger", bot Snape mit leiser Stimme an. Als sie protestieren wollte, beharrte er darauf. „Ich habe mehr Geld, als ich brauche oder sie an einem einzigen Nachmittag auszugeben. Sie können mich nicht einmal mit einem Jahr solcher Ausflüge zu Grunde richten."

„Sie haben mich noch nie einkaufen sehen, Professor Snape. Ich versichere ihnen, ich könnte es."

Ein leises Lächeln glitt über sein Gesicht und sie war Verrückterweise sehr froh es zu sehen.

„Bitte", fügte er leise hinzu. „Gestatten sie mir, dies für sie zu tun."

„Also gut", sagte sie sanft. „Wäre ihnen dieses Wochenende recht?"

Statt Hermione beantwortete Madam Pomfrey die Frage, obwohl ihr Gesichtsausdruck deutlich zeigte, dass sie von der Idee nicht begeistert war. „Eigentlich, Miss Granger, wäre es angemessener diesen Ausflug an einem Wochentag zu planen. Es werden dann keine Schüler durch die Flure wandern, die Severus und dich Hogwarts verlassen sehen können. Und es werden weniger Leute in der Winkelgasse sein, die die Geschichte denjenigen berichten könnten, die über seinen Aufenthaltsort am besten in Unklaren bleiben würden."

„Dem stimme ich zu." Dann fügte Snape noch an „Werden sie untröstlich sein die morgige Zaubertränkestunde zu verpassen?"

Hermione zog ihre Augenbrauen hoch. Zwei humorvolle Kommentare in genauso vielen Minuten und der letzte sogar ein regelrechter Witz!

„Ich bin sicher, dass ich die Enttäuschung verkraften kann, Professor", sagte sie würdevoll und seine Mundwinkel zuckten.

Am nächsten Morgen stocherte Hermione pflichtgemäß in ihrem Frühstück herum und beschwerte sich bei den anderen Gryffindors darüber sich schlecht zu fühlen, bis irgendjemand vorschlug, sie solle zur Krankenschwester gehen, ein Ratschlag, den sie gleich in die Tat umsetzte. Madam Pomfrey schickte daraufhin eine Notiz an Professor Cluny, die besagte, dass Hermione sich an diesem Morgen schlecht fühle und nicht in den Unterricht kommen würde. Sie verließ Hermione die in die unbenutzte Portraitgalerie hinaufging um darauf zu warten, dass Snape nach dem Beginn der Unterrichtsstunden auftauchen würde.

Am Ende des Korridors außerhalb des Krankenflügels führte eine schäbige Treppe mit unebenen Stufen nach oben und zum anderen Ende des Gebäudetraktes. Snape hatte nicht übertrieben; die Portraits in diesem Flur zeigten Hexen und Zauberer unbekannten Alters mit ernsten Gesichtern, die alle aussahen, als ob sie gerade in eine Bertie Botts Bohne mit besonders Ekelerregendem Geschmack gebissen hätten.

Hermione schauderte ein wenig und zog ihren Umhang enger um sich, als sie den Korridor entlang ging. Sie hatte den schweren Schulumhang beiseite gelegt, der mit seinem unübersehbaren Gryffindoremblem jedermann hätte wissen lassen, dass sie die Schule schwänzte. Stattdessen trug sie einen einfachen Umhang in einem unauffälligen Blau, den sie für Ereignisse gekauft hatte, bei denen die Schuluniform nicht angemessen wäre. Er saß enger als im letzten Jahr, aber immer noch besser als ihre viel zu enge Schuluniform, da sie nicht über einen Bund verfügten, der die nun unübersehbare Wölbung einengte. Sie trat nur wenige Zentimeter hervor, war aber unübersehbarer Weise ein schwangerer Bauch.

Die Hauselfen hatten diesen Platz schon seit einiger Zeit vernachlässigt und es war kaum wärmer, als draußen, in der Luft des späten Februars. Spinnenweben hingen an den Bilderrahmen und die eisernen Kerzenleuchter waren mit uralten Wachsresten überzogen. Das einzige Anzeichen von gelegentlichen Besuchern waren die Fußabdrücke schwerer Männerstiefel im Staub. Fröstelnd und auch ein wenig nervös begann sie dem Pfad zu folgenden, der in der Staubschicht sichtbar war, während sie auf Snape wartete.

„Weswegen sind sie denn früh am Morgen schon so nervös, Miss Granger", hörte sie eine Stimme hinter sich. Als sie sich umdrehte, stand Snape im Aufgang der Treppe und hatte einen schweren, grauen Mantel über seinen Arm gelegt.

„Würden Sie mir glauben, dass ich mich schuldig fühle, weil mich nicht schuldig zu fühlen?"

„Wie bitte?"

Hermione konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Ich denke, ich gewöhne mich langsam an die Anstrengungen, die es erfordert, falsche Tatsachen vorzuspiegeln. Vor einiger Zeit noch hätte es mich die Vorstellung eine Unterrichtsstunde zu schwänzen um einkaufen zu gehen ganz kribbelig gemacht."

„Ich hätte angenommen, dass Ihnen die Herren Weasley und Potter schon vor langer Zeit ängstlich sein abgewöhnt haben. Sicherlich sind Sie doch von ihnen in exotischere Abenteuer als dieses hineingezogen worden. Es schien da an eine Episode, die den Astronomie Turm und einen Babydrachen beinhaltete gegeben zu haben, wenn ich mich recht erinnere?

Sie lächelte, hielt aber die Lippen fest aneinander gepresst, um seine Stichelei weder zu bestätigen noch zu verneinen und er verbeugte sich förmlich vor ihr, als sie still blieb.

„Nun ja, vielleicht habe ich es auch falsch verstanden", dachte er laut nach. „Offensichtlich waren Sie die Stimme der Vernunft und taten Ihr bestes die beiden davon abzuhalten jede Regel dieser Einrichtung zu brechen."

„Natürlich, Professor", stimmte sie höflich zu und nun war er an der Reihe zu lächeln.

„Sollen wir, Miss Granger?"

Er bot ihr seinen Arm an und nach einem Moment des Zögerns, nahm sie ihn. Er schien zu zweifeln, ob das Angebot richtig war, aber als sie nicht ablehnte, entspannte er sich schnell und führte sie den Weg die Treppen hinunter, durch einen schmalen Korridor und eine kleine, kaum benutzte Tür, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Sie führte auf einen engen Weg zwischen den Ländereien des Schlosses und den hohen Steinmauern, die Hogwarts an dieser Seite dicht umschlossen. Die nach unten hängenden Äste der Bäume waren kahl und die Blätter zerfielen unter ihren Füßen, als sie dort entlang gingen. Hier und da lagen noch Reste des letzten Schneefalls in Wehen an der Mauer. Nach kurzer Zeit umrundeten sie die Ecke und sahen die weiten Wiesen sich vor ihnen öffnen und das Haupttor, das genau vor ihnen lag.

Als sie das Tor durchquert hatten, führte Snape sie noch einige Meter weiter und wandte sich ihr zu.

„Geben Sie mir ihre Hand", bat er sie und hielt ihr die seine entgegen. „Ich werde uns in den Schankraum des Tropfenden Kessels apparieren."

„Ich dachte wir benutzen einen Portschlüssel", sagte Hermione verwirrt und ein wenig verängstigt.

„Es trifft zu, dass ich sehr gut im Tandem-apparieren bin, Miss Granger. Sie können mir vertrauen." Seine Züge verschlossen sich und Hermione fiel es nicht schwer sich vorzustellen, wozu er die Fertigkeit des Tandem-apparierens in Voldemorts Diensten eingesetzt hatte.

„Ich vertrauen Ihnen", sagte sie ihm und legte ihre kalten Finger in die seinen.

Seine dunklen Augen fixierten sie für einen langen Augenblick, dann schlossen sich seine Hände um ihre und er sprach den kurzen Zauber, der sie in die Winkelgasse apparierte.

Hoch über dem restlichen Hogwarts nahm Poppy Pomfrey eine Tasse Tee von Dumbledore entgegen und schüttelte den Kopf, als sie sah, wie die zwei kleinen Gestalten aus dem Haupttor hinausgingen.

„Ich weiß wirklich nicht, ob du weißt, was du da tust, Albus. Severus ist körperlich wiederhergestellt, aber er ist noch nicht so weit, dass er mit ernsthaftem Ärger fertig werden kann. Was denkst du dir dabei ihn Miss Granger auf diese Art eskortieren zu lassen? Ich hätte sie genauso begleiten können. Es ist einfach nur grausam, sie zu zwingen, Zeit miteinander verbringen zu müssen."

„Sie verbringen Zeit in deinem Laboratorium miteinander, Poppy", antwortete Dumbledore höflich. „Sicherlich kann das hier nicht schlimmer sein."

Poppy schaute ihn misstrauisch an. „Was hast du vor, Albus?"

„Nichts, das versichere ich dir. Ich lasse nur der Natur ihren Lauf."

„Die Natur hat schon ihren Lauf genommen und Miss Granger hat darunter zu leiden. Wie will sie ganz allein auf sich gestellt für das Kind sorgen? Ihre Familie mag sie aufnehmen, aber denk an meine Worte: Wenn Severus nicht die Verantwortung für seine Taten übernimmt, wird sie eine harte Zeit vor sich haben."

„Severus Snape hat schon mehr Verantwortung für seine Taten übernommen, als jeder andere Zauberer, den ich jemals gekannt hab, Poppy", fügte er leise hinzu. „Und er hat einen hohen Preis dafür bezahlt. Es ist meine aufrichtigste Hoffnung, dass die ganze Situation seine Bürde erleichtern wird und sie nicht zusätzlich erschwert."

Pomfrey schnaubte auf leise, damenhafte Weise, antwortete aber nicht.

„Wer hat ihn aus seiner Depression herausgegängelt? Nichts was du oder ich ihm gesagt haben hatte irgendeinen Einfluss auf ihn. Ein paar scharfe Worte von Miss Granger und er hatte wieder einen neuen Willen zu leben und sei auch nur lange genug, um ihr Hauspunkte abziehen zu können.

„Sei nicht so melodramatisch, Albus. Severus hat auf den Trank reagiert, nicht auf die Brauerin."

Der Schulleiter schnaubte in seinen Tee, als Poppy ihm seine eigenen Worte entgegenhielt. „Ich bin sicher, du weißt es am besten", sagte er sanft und bot ihr einen weiteren Keks an.