Liebe Marylein ich hab seit letzten Samstag Halsschmerzen, du hast da rein zufällig nichts damit zu tun? ;-)

Liebe Lufa vielen Dank für dieses liebe, nette Review! Ich bin immer noch ganz bewegt davon.

lg Gaby

9 Ich bin ich und wer bist du?

Schon bald lag das Dorf hinter ihnen, war kaum noch zwischen den Bäumen zu sehen. Sie gingen schweigend mal neben, mal hintereinander. Keiner der Beiden wagte das Schweigen zu brechen, jetzt als sie alleine waren. Das letzte Mal endete beinahe in einer Katastrophe. Sie hätten fast miteinander geschlafen. Hermione die ihn immer noch begehrte hatte für sich auch schon eine logische Erklärung gefunden. Ganz einfach, sie war jung und gesund und er verfügbar. Das ihre Logik leicht hinkte, da es im Dorf genug andere Männer gab und sie keinen von denen auch nur eines zweiten Blickes gewürdigt hatte, darüber wollte sie nicht nachdenken. Auch Severus dachte über seine Gefühle und vor allem über ihre Situation nach. Noch immer brachte ihre Nähe seinen Puls zum rasen und er wünschte sich dort weiter zu machen, wo er Narr, in der Hütte aufgehört hatte. Diese Reise würde äußerst unbequem für ihn werden. Angespannt suchte er sich einen Weg durch das unwegsame Gelände.

Hermione war langes Schweigen in Gesellschaft unerträglich. So zermarterte sie ihr Hirn fieberhaft nach einem Gesprächsthema. Über was konnte sie mit Snape sprechen? Was würde ihn interessieren? Sie würde einfach mit ihrem Leben beginnen und sehen ob er darauf einging oder sie mit Schweigen strafte. Ihr kam eine Idee und bevor sie sie wieder verwarf, sprudelten die Worte aus ihr nur so heraus.

„Mein Vater hat mit mir auch mal eine Wanderung unternommen. Ich war damals noch sehr klein und vom Wald und den Tieren ganz begeistert und natürlich auch davon im Freien schlafen zu dürfen." Berichtete sie, erntete aber nur ein typisch abfälliges Schnauben von ihm.

„Du bist wohl nie Zelten gegangen?" fragte sie leicht schüchtern nach. Zu tief steckte die Erinnerung in ihr, dass er persönliche Fragen hasste. Severus strafte die Schultern, er wollte sich nicht unterhalten. Er wollte die verdammte Festung erreichen. Er wollte nach Hause. Er wollte Sex, aber kein Gespräch.

„Nein, ich war niemals Zelten und schon gar nicht mit meinem Vater!" stieß er verächtlich hervor.

Sein Vater! Es gab keinen mieseren Bastard, ausgenommen Voldemort, als ihn. Hermione presste verletzt die Lippen aufeinander. Sie wollte ihn doch nur kennen lernen, besser verstehen, doch er stieß sie wieder zurück.

„Mach es mir bitte nicht so schwer!" sagte sie leise und ging an ihm, da er wegen ihrer Worte stehen geblieben war, vorbei, einfach weiter.

Er sah ihr nach, runzelte die Stirn und überlegte was er falsch gemacht hatte. Er hatte sich doch unterhalten, oder? Er verstand sich nun mal nicht auf Konversation, dass musste sie doch wissen? Wie lange kannte sie ihn nun schon? Seit sie elf war! Und jetzt war sie mitte zwanzig, genug Zeit um zu wissen wie er so war, meinte er. Scheinbar ein Irrtum.

„Warte!" rief er hinter ihr her und versuchte sie gleichzeitig einzuholen.

Sie eilte unbeirrbar weiter, hielt nicht inne und sah sich auch nicht zu ihm um. Er musste beinahe laufen um sie zu erwischen. Fest fasste er sie an den Oberarmen und drehte sie zu sich um.

„Was ist los?"

Beleidigt sah sie hoch zu ihm.

„Ich wollte….." begann sie brach aber ab und riss sich los von ihm.

„Vergiss es! Vergiss es einfach!" rief sie über die Schulter zurück und eilte weiter.

Wütend blieb er zurück.

„Du wolltest was?" bellte er ihr nach. Hermione blieb stehen, schüttelte kurz den Kopf und wandte sich zu ihm um.

„Mich mit dir unterhalten! Das war alles! Aber du…" sie wies mit der Hand auf ihn.

„Ja ich was?" leicht zornig legte sich seine Stirn in Falten. Worauf wollte sie hinaus? Er hat ihr doch eine Antwort gegeben.

„Kann es sein, dass du gar nicht verstehst um was es mir geht?"

Sein Blick sprach Bände.

„Okay! Warum warst du dann vorhin so abweisend?" fragte sie ihn. Sie hatten wirklich noch einen weiten Weg vor sich.

„Das hatte nichts mit dir zu tun! Ich dachte an…., aber das ist nicht wichtig." Wiegelte er ab und schritt an ihr vorbei.

Er würde nicht mit ihr über seinen Vater reden. Traurig schlich sie hinter ihm her und sagte kein Wort mehr. Ihr auffallendes Schweigen veranlasste ihn immer wieder sich umzusehen. Er vermisste ihre Stimme. Wieder blieb er stehen. Nachdenklich rieb er sich über sein Kinn.

„Erzähl mir mehr von dir." bat er leise und ohne sie dabei anzusehen.

Er kam sich albern vor. Gerührt sah sie zu Boden. Wie hatte sie ihn jemals für kalt und gemein halten können? Nun weil er es früher auch war. Doch hier war er anders, verändert.

„Meine Eltern sind Ärzte, ich bin ihr einziges Kind. Es ist für mich immer noch erstaunlich, dass ich magisch bin und sie mit dieser Tatsache so leicht fertig werden."

Er erfuhr an diesem späten Nachmittag mehr über Hermione als die ganzen Jahre zuvor, die er sie unterrichtet hatte. Am meisten faszinierte es ihn wie ähnlich sie ihm war. Auch sie war ein Außenseiter, ein Einzelgänger wie er.

„Ich würde gerne vieles in meinem Leben anders machen." Erzählte sie gerade.

„Wieso bin ich nicht so wie Harry oder Ron? Die Beiden können einfach so in den Tag hinein leben ohne groß darüber nach zu denken und darum beneide ich sie. Verstehst du das?"

Ja er verstand sie.

„James und seine Freunde waren genauso. Ich habe das noch nie jemanden erzählt, aber es gab Tage da wünschte ich, ich wäre so wie sie! Hätte Sirius leichtsinnige Art, oder wäre so wie James, dem alles egal schien. Harry hat keine Ahnung wie ähnlich er seinem Vater wirklich ist."

Severus schritt weiter aus und so entging ihm die verblüffte Mine von Hermione. War es möglich, dass sie zwei einander gar nicht so unähnlich waren? Wer hätte das gedacht. Nach einigen Metern merkte er, dass sie ihm nicht mehr folgte und sah sich um. Fragend blickte er sie an.

„Du und ich, ist es möglich dass wir etwas gemeinsam haben?"

Er dachte kurz nach, dann schmunzelte er leicht.

„Es sieht wohl so aus, Miss Granger!"

„Nun den Mr. Snape, dann erzähl mir mehr von dir. Vielleicht verbindet uns mehr als wir beide ahnen."

Das konnte er sich nun wirklich nicht vorstellen. Er sollte Gemeinsamkeiten mit dieser schönen Frau an seiner Seite haben? Unmöglich!

„Mein Leben ist nicht so interessant." Wich er aus.

„Schon klar!" kam es sarkastisch von ihr.

„Was sollte ein ehemaliger Todesser und Vertrauter Voldemorts schon für ein spannendes Leben gehabt haben? Auf Ideen komme ich!" zog sie ihn auf und wieder erntete sie ein kleines Lächeln von ihm.

„Vorsicht!" wisperte sie und stellte sich auf die Zehenspitzen um ihm mit einem Finger sanft über den Mund zu streichen.

„Das könnte zur Gewohnheit werden!"

„Das auch!" murmelte er und zog sie in seine Arme.

Ehe sie reagieren konnte spürte sie schon seine Lippen auf ihren und genauso schnell waren sie auch wieder fort.

„Wir sollten das nicht tun." Murmelte er und ging rasch weiter.

Verwirrt lief sie hinter ihm her. Zu gern hätte sie ihn jetzt angeschrieen. Wie konnte er sie küssen und dann so stehen lassen, schon wieder. Frustriert riss sie an ihren Haaren. Um sich abzulenken begann er von sich zu erzählen.

„Ich wurde in Spinners End geboren. Das war nicht weit weg von Lily Potters Elternhaus. Im Leben meiner Eltern gab es viele Enttäuschungen und eine davon war wohl ich."

Humorlos lächelnd sah Hermione ihn an.

„Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Du bist so klug und weißt soviel. Wie kannst du da eine Enttäuschung sein?"

„Oh das hat viele Gründe. Weil ich nicht ein einfacher Muggel war. Weil ich zwar wie mein Vater aussah, aber mich nicht für die gleichen Dinge wie er interessierte. Die Liste ist endlos." Erklärte er ihr emotionslos.

„Meine Eltern haben mich in allem was ich tat immer vorbehaltlos unterstützt, außer ich machte Unfug." Erwiderte sie und versuchte so die Stimmung etwas aufzulockern.

Er mochte es vielleicht nicht zugeben, aber der Schmerz über seine Eltern saß immer noch tief. Verschmitzt grinste er sie an.

„Du konntest doch sicher nie etwas falsch machen. Bei deinem Lerneifer mussten deine Eltern doch einfach stolz auf dich sein."

Gequält verzog sich bei seinen Worten ihr Mund. Er hatte es ohne es zu wollen einen wunden Punkt getroffen.

„Nicht war. Ich bin ja so perfekt uns so langweilig." Kam es trocken von ihr. Verständnislos sah er auf sie.

„Du warst mit Abstand die beste Schülerin, die ich je hatte und glaube nicht das ich diesen Satz jemals wiederholen werde, wie kannst du dich da selbst als langweilig empfinden?"

„Weil es so ist! Kein Mensch interessiert sich für Streber. Sieh mich an!"

„Das tue ich und was ich sehe finde ich wunderschön!" Hermione verschlug es die Sprache, ja sie vergaß sogar zu atmen.

„Komm!" er streckte ihr seine Hand entgegen und ohne zu zögern ergriff sie sie.

„Lass uns weitergehen. Es ist noch weit."

Die Dämmerung setzte bald ein und so sahen sie sich nach einer geschützten Stelle für die Nacht um. Nervös sah Hermione immer wieder verstohlen aus dem Augenwinkel auf Severus. Wie sollte sie eine ganze Nacht neben ihm liegen ohne ihn berühren zu können, obwohl es ihr bereits jetzt in den Fingern kribbelte genau das zu tun. Ihn berühren.

Um sich von der gemeinsamen Nacht abzulenken, reinigte Severus akribisch die Stelle, die sie zu ihrem Lager auserkoren hatten, vor Steinen und Ästen. Sie hatten eine lichte Stelle im Unterholz gefunden, wo selbst wenn es regnete der Regen nicht bis zum Boden fallen konnte. Obwohl es eigentlich noch viel heller war, war es hier schon fast dunkel, so dicht standen die Bäume. Er räusperte sich.

„Wir sollten eine Kleinigkeit essen und uns dann zur Ruhe begeben. Der Tag morgen wird sicher anstrengend."

Hermione nickte nur, sie fühlte sich befangen in seiner Gegenwart. Ob sie je wieder normal fühlen konnte in seiner Nähe? Bei diesem Gedanken musste sie über sich selbst lachen. Als ob sie sich auch nur eine Sekunde bei ihm normal gefühlt hätte. Dafür war er viel zu aufregend. Unwillkürlich schüttelte sie den Kopf. Sie benahm sich wie ein unreifer Backfisch, der sich in seinen Lehrer verliebt hat.

Und genau das war es. Sie hatte sich in Severus Snape verliebt! Sie biss sich auf die Lippe und verließ hastig das Lager. Sie musste alleine sein.

Stirnrunzelnd sah er ihr nach. Er hatte gefühlt, dass irgendetwas in ihr vorging. Etwas schien sie stark zu beschäftigen. Ob sie sich Sorgen wegen Balogh machte?

„Ich beschütze dich." Flüsterte er hinter ihr her, wohl wissend, dass sie ihn nicht hörte.

„Ich schütze dich mit meinem Leben, dass verspreche ich dir."

Verwirrt lief sie durch die Bäume und ließ sich dann auf einen Felsen fallen. Wie war das denn passiert? Lag es daran, dass sie beide hier so isoliert waren? Nein, das war es nicht. Es war er. So wie sie ihn hier kennen gelernt hatte. Er war all das, was sie sich von einem Mann erträumte und noch viel mehr.

Er sah auf seine Weise gut aus, sehr gut sogar. Seine groß gewachsene Gestalt, seine Art sich zu bewegen. Und diese faszinierenden schwarzen Augen. Alleine wenn sie an seinen Mund nur dachte und was er damit anstellen konnte lief es ihr heißkalt den Rücken hinunter. Das alleine war es nicht nur, sondern die Dinge die sie heute über ihn als Mensch erfahren hatte. Die Summe all dessen schuf ein völlig anderes Bild von ihm, als sie glaubte zu kennen und dies verwirrte sie.

„Wer bist du wirklich?" flüsterte sie fragend. Nun die Reise würde es zeigen. Sie hatte noch viel Zeit ihn wirklich kennen zu lernen und sie würde ihn kennen lernen, dafür würde sie sorgen. Sie musste wissen wer er wirklich war.

„Wenn ich mich schon in dich verlieben muss, muss ich auch wissen wer du bist!" erklärte sie bestimmt den Bäumen rund um sich. Entschlossen stand sie auf und kehrte zu ihm zurück.

„Alles in Ordnung?" fragte er besorgt. Woher kam diese Fürsorge? Früher war die bestimmt nicht da gewesen. Hermione nickte bejahend.

„Ja jetzt schon!" erwiderte sie rätselhaft und setzte sich zu ihm auf die Decke.

Gemeinsam aßen sie schweigend. Wie hatten sich die Dinge nur so ändern können? Irgendwo zwischen Hogwarts und hier hatte er begonnen sich zu verändern. Sie hatte ihn unbewusst verändert. Er hatte ihr mehr von seinem Leben erzählt als sonst einem Menschen auf dieser Welt. Nicht einmal Dumbledore wusste etwas davon. Sicher geahnt wird er es schon haben, Dumbledore war schlau, aber gesagt hatte er ihm nie etwas.

Er war jetzt mitte vierzig, spielte das Alter eigentlich eine Rolle? Wenn er an die Küsse mit ihr dachte, scheinbar nicht. Ihr Wesen und sein Wesen schienen sich perfekt zu ergänzen, auch da spielte das Alter keine Rolle. Wie sie wohl ihn sah? Als alten Mann? Er sah in ihr eine wunderschöne kluge junge Frau, die ein warmes Herz besaß. Nie war sie bösartig oder gemein. Allen begegnete sie freundlich und aufrichtig. Damit hatte sie selbst sein hartes Herz erobert. Überrascht sog er die Luft ein. Was dachte er da. Er konnte doch unmöglich…Warum nicht?