Chap 9: just open your eyes
Lilli
sah James verwirrt an. Hatte sie sich gerade verhört oder hatte
er wirklich diese Worte gemurmelt? Seine Augen blickten sie
merkwürdig verletzt an, als ob ihm die ganze Welt nur Leid und
Schmerz zugefügt hätte, als ob sie in ihren Augen Hoffnung auf
Wiedergutmachung sahen.
"Du
bist einsam?!" fragte sie leise und war so kurz davor ihn mit ihrer
Hand zu berühren, so kurz davor mit ihren Fingern zart tröstend
seine Wange zu streicheln als er amüsiert auflachte.
"Ich?!
Nein... ich meinte damit dich!"
"...
Mich?!" fragte sie unangenehm überrascht.
"Ich wünschte
auch, dass du nicht so einsam wärst..."
"Oh..."
Sie spürte wie ihr heiß wurde und wie ihre Gesichtsfarbe
langsam aber sicher einer Tomate glich. Natürlich, wie sollte es
auch anders sein... Sie tat ihm nur Leid. Es war Mitleid, was ihn zu
diesen Gesprächen trieb, kein Wille zur Freundschaft.
"Was
ist?! Hab ich etwas Falsches gesagt?!"
"Nein..."
sagte sie letzten Endes und setzte ein falsches Lächeln auf. Sie
wollte nicht, dass er merkte wie weh er ihr mit diesem Satz getan
hatte.
„Lass uns die
Rundgänge machen..."
"Okay..."
Er sprang mit einem Ruck vom Boden auf und zog sie mit sich hoch.
"Nun denn, nach ihnen, Mylady." Lilli spielte sein Spiel nicht
mit. Sie konnte nicht... Es war einfach frustrierend. Als er mit ihr
ausgehen wollte und sie so liebevoll umgarnte, hatte sie ihn als
nervenden Pickel abgewimmelt und jetzt, wo sie merkte, dass sie auch
was von ihm wollte, hatte er sich ein eigenes Leben aufgebaut. Ohne
sie.
Sie gingen durch die
Gänge hindurch ohne miteinander gesprochen zu haben.
"Ich
hab doch was falsch gemacht," sagte er nach einer Weile. Lilli
schüttelte vehement den Kopf. "Nein... hast du nicht."
"Nein?!"
"Nein..."
"... Dann... stinke
ich?!"
"Was?!"
fragte sie leicht amüsiert über seine Frage, die er
gespielt ernst ausgesprochen hatte.
"Stinke
ich?!"
"Nein, du
stinkst nicht."
"Mundgeruch?!"
"Nein, du hast auch
kein Mundgeruch."
"Hm...
aber du willst nicht mehr mit mir reden..."
"Das
hab ich doch gar nicht gesagt."
"Nein?!"
"Nein."
"Du
bist also von natur aus lieber schweigsam, verstehe, verstehe."
"..." 'Gott, wieso
muss er so süß sein? Wieso kann er nicht wieder der
freche, bescheuerte Kerl sein, der jedem fiese Streiche spielt und sie
damit auf die Palme bringt? Allein sein Duft... er riecht so
gut...'
"Wie wärs
mit nem Spiel?!"
"Spiel?!"
"Etwas, das man tut um
Langeweile zu vertreiben. Wird im allgemeinen als etwas lustiges
angesehen, das man als Zeitvertreib macht. Gibt verschiedene
Varianten mit Re-"
"Ich
weiß was Spiel heißt."
"Wieso
fragst du dann?!" Wieder grinste er sie frech an, wie schon vorhin
auf dem Quidditchfeld.
'So
traurig... und doch kann er es verbergen und einfach alles irgendwie
überspielen...'
"Wieso
hast du mich nach meinem Wunsch gefragt?!"
"Hat
dir deine Mammi nie beigebracht auf Fragen nicht mit Gegenfragen zu
antworten?!"
"Wieso?!
Du hättest alles Mögliche fragen können: Zum
Beispiel..."
"Was du
unter deinem dicken Pulli trägst?!"
"Was?!"
fragte sie erschrocken.
"Brauchte
ich nicht! Ich weiß, dass du Calvin Bein-Unterwäsche
trägst!"
"Klein!"
"Nein, ich glaub nicht
dass sie zu klein sind."
"Das
meinte ich nicht. Er heißt Calvin Klein, nicht Bein! Und woher
weißt du das?!"
Lilli
hatte mit einem mal schockiert die Augen aufgerissen als es in ihr
Gehirn eindrang. War ja nicht so, dass jedes Mädchen damit
hausieren ging, was sie für Slips trug.
"Lissy...
Ist doch mit dir im selben Schlafsaal..."
"Toll...
Reicht nicht, dass sie mir droht und mich abgrundtief hasst, nein,
sie guckt auch noch auf meine Unterwäsche. Was für ne
Voyeurin."
James lachte
amüsiert auf.
"Du
findest das womöglich auch noch witzig, wie?!"
"Du
etwa nicht?!"
"Du
fändest es witzig, wenn dir jemand tagtäglich das Gefühl
gibt ein Nichts zu sein?! Komischer Kerl biste aber..."
"Das
Lob geb ich zurück. Bist auch nicht grad ein offenes Tuch
Evans."
"Buch,"
korrigierte sie aufs neue.
"Ich
dachte du heißt Evans?! Aber ich kann dich ab heut auch Buch
nennen."
"Haha,"
machte sie aufs neue sarkastisch, musste aber gleichfalls herzhaft
lächeln als sie sein amüsiertes Grinsen im Gesicht sah.
'Wie kann man nur so
charmant lächeln... am liebsten würde ich seine Wange
berühren... seine Lippen spüren... Warum ist es nur so
schwer?'
"Ich habs
nicht so mit Sprichwörtern, Evans. Wenn du also die Güte
hättest mich nicht ständig zu verbessern?!"
"...
O-okay... "
'Toll
gemacht, Lilli. Jetzt hält er dich für ne besserwisserische
Kuh'
"Hast noch was auf
dem Herzen?!"
"...
Was meinst du?!"
"Na,
wir müssen noch ne Weile rumlaufen und du darfst jetzt wieder ne
Frage stellen. Was willst du wissen?!"
"Du
antwortest mir auch 100 ?!"
"Wenn
ich kann, ja... aber schon mal eins vorab. Keine Fragen, die Anna
oder Melissa oder meine Beziehungen zu ihnen betreffen."
"Beziehungen? Du und
Anna-"
"Nein, wir
waren nicht zusammen... War das die Frage?!"
"NEIN!"
"Schade. Dann nur her
damit! Stell sie!"
"...
Ähm... okay... Gut... Situationsfrage, ja?!"
"Ja?!"
machte er misstrauisch und sah sie prüfend an.
"Angenommen...
dein bester Freund betrügt dich mit deiner Freundin. Wie würdest
du reagieren, wenn du es herausfindest?!"
James
schien angestrengt zu überlegen, als er schließlich seinen
Kopf hin und her wiegte und sie leicht lächelnd ansah.
"Er
hats mir nicht gesagt?!"
"Nein."
"Und sie auch nicht?!"
"Nein."
"Und
wie hat er mich betrogen?"
"Wie?!"
fragte Lilli verwirrt.
"Die
Weise, Evans. Die Weise."
"Ähm...
also... er hat... mit ihr geschlafen."
"Und
wie oft?!"
"Keine
Ahnung."
"Wenn du ne
Antwort auf ne Situationsfrage haben willst, musst du auch ne
Situation erläutern, Evans. Ich kann so was nicht
verallgemeinern, behandle jeden Kumpel anders. Du willst sicher auch
nicht in einen Topf gesteckt werden mit-"
"Okay,
okay," sagte sie schließlich und gab sich geschlagen. Anstrengend... aber irgendwie war es ein schönes Gefühl mit ihm so zu reden. "... nur einmal."
"Verstehe,
verstehe... und wie finde ich es heraus?!"
"...
Du erfährst es... von einer Mitschülerin."
"Welcher
Mitschülerin?"
"Was
spielt das für ne Rolle?!" fragte sie leicht gereizt. Wenn er
nicht antworten wollte, musste er es doch einfach nur sagen und nicht
Spielchen mit ihr spielen.
"Ne
große. Ich würde nie etwas von einer Mitschülerin
glauben, was meine besten Freunde betrifft... Eins mußt du wohl
noch lernen, Evans. Jemand der Dinge weitererzählt, erzählt
sie so wie er es empfunden hat, aber wie es tatsächlich IST,
wissen nur betroffene Personen selber. Und wenn diese betroffenen
Personen auch noch meine besten Freunde sind, glaube ich als erstes
ihnen. Wenn sie sagen, dass nichts passiert ist, dann glaube ich
ihnen das auch."
"Und
wenn du es von einer guten Freundin erfährst? Nehmen wir an...
Anna?!"
"Kommt drauf
an."
"Worauf denn nun?!"
"Obs Peter, Sirius
oder Remus ist, mit dem Melissa geschlafen hat."
"...
Was macht das für nen Unterschied?!"
"Na,
bei Peter würde ich Anna als erstes Fragen ob sie nicht nen
Knick in der Optik hatte! Ich mein, Wormtail?! Da müsste Lissy
schon sehr an Geschmacksverirrung leiden, wenn sie IHN MIR vorzieht."
"Du bist auch gar nicht
von dir selbst überzeugt," sagte sie lachend als sie das
bemerkte. James Potter war in diesem Moment wohl der einzige, der das
sagen konnte, ohne irgendwie zu arrogant zu wirken... .
'Aber
du bist es auf eine niedliche Art und Weise...'
"Und
wenn es jetzt Remus oder Sirius wären?!"
"Bei
Remus würde ich Anna trotzdem fragen ob sie nen Knick in der
Optik hätte. Er steht nicht auf Melissa... Mag nen anderen Typ
von Mädels... Du müsstest es doch wissen?!"
"Ähm..."
stotterte sie peinlich berührt. „Weiter... und Sirius?!"
"Würde ich fragen
ob sie nen Knick in der Optik hätte! Denn er würde so was
als mein bester Freund nie tun!"
"Warum
fragst du mich solche idiotischen Dinge, wenn du sowieso nie glauben
würdest, dass einer deiner Freunde so etwas tun würde?!"
"Du wolltest doch ne
Antwort auf deine Frage? Ich kann nur antworten, wenn ich die Frage
verstehe. Und ich hätte Anna gefragt ob sie nen Knick in der
Optik hat!"
"Bei
allen dreien?!"
"Wär
was anderes, wenn ich es selbst sehen würde. Dann bekämen
alle drei ne fette Beule an ihren verräterischen Schädel
verpasst!"
Sie kamen
wieder an das Porträt der fetten Dame an und James sagte das
Passwort, damit sie in den Gemeinschaftsraum hinein gehen konnten.
"Also willst du mir
damit sagen, dass du Dinge erst glaubst, wenn du sie mit eigenen
Augen siehst... richtig?!"
Er
schmunzelte und ein charmantes Grinsen umspielte dieses sonst so
traurige Gesicht.
"Nein,
es kommt drauf an wer mir was und wie sagt. Das kannst du, wie schon
erwähnt, nicht verallgemeinern, Evans..."
"Nenn
mich Lilli."
Eine
Sekunde lang passierte nichts. Lilli bemerkte wie er näher kam
und ihr tief in die Augen blickte. 'Gott, diese Augen sind so voller
Gefühle... so verschiedene und intensive Gefühle.. Wieso
ist er mir jetzt so nah? Wieso kann ich ihn nicht berühren?'
"Als ich das beim
letzten Mal tat, hast du dich fuchsteufelswild umgedreht und gesagt:
Für dich heißt es immer noch: EVANS!"
Und
mit einem Mal wurde sie feuerrot im Gesicht. Sie hatte es schon fast
vergessen... Das war vor 2 Jahren am Ende der 5. Klasse, als er sie
mal wieder um ein Date gefragt hatte und sie damit wie immer zum
kochen brachte.
"Nun
ja... Damals warst du ein nervender Pickel auf dem Antlitz vom
schönen Hogwarts und ich hab dich gehasst!"
"Und
heute nicht mehr?!"
"...
Nein.."
"...
Gut... Das war alles was ich wollte. Gute Nacht... Lilli..."
Und
mit einem letzten Lächeln für sie, ging er die Treppe zum
Jungenschlafsaal hoch und verschwand hinter der Wand. Es fühlte
sich an als ob sich ihre Knie in Pudding verwandelt hätten, als
ob er mit diesem einen Satz, in dem er sie endlich bei ihrem Vornamen
nannte, all seine Gefühle ihr gegenüber verändert
hatte. Hatte er es wirklich gesagt? Dass er all die Jahre einfach nur
wollte, dass sie ihn nicht mehr hasste? Sie hatte ihn nie gehasst...
nicht wirklich... Vielleicht hätte sie ihn das sagen sollen?
'Dumm! Du bist so ne
Dumme Kuh' dachte sie verzweifelt als es ihr klar wurde und sie
schlug ihren Kopf sanft gegen die Wand, um zu testen wie dumm sie doch
war. Warum hatte sie es nicht gesagt? Vielleicht hätte er dann
etwas Schönes zurück geantwortet und sie hätten die
ganze Nacht miteinander gesprochen und wären sich dann näher
gekommen. Dann hätte sie vielleicht auch eine reale Chance
gehabt, dass er sich doch noch in sie verliebte.
'Dumm!
Du bist so dumm, Lilli Evans. Dumm, dumm, dumm, dumm, dumm!!!!!'
"Tust du das aus
Protest weil dir die Wand so weiß nicht gefällt, oder
wieso malträtierst du sie mit deinem Schädel?!"
Lilli
zuckte erschrocken zusammen als sie Anna's Stimme wahr nahm. Peinlich
berührt drehte sie sich um und sah das Mädchen
offensichtlich heiter amüsiert mit verschränkten Armen
dastehen.
"Ich ähm...
hab nur... ähm..."
"Getestet
ob die Wand wirklich so massiv ist wie man behauptet?!"
"Ähm...
ja... genau..." stotterte sie nachdenklich und gleichzeitig
überrascht darüber, dass Anna mit ihr sprach und sie nicht
wie sonst mit einem bösen Blick ignorierte.
"Schon
klar..." sagte diese mit einem leichten Grinsen im Gesicht, ging an
ihr vorbei und hinauf zum Mädchenschlafsaal.
'Toll.
Wirklich Toll'
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Am
Ende der Woche hatten Lilli und James viel von dem anderen erfahren.
Lilli wusste nun, dass James NICHT freiwillig, wie alle anderen ihr
gesagt hatten, beim letzten Quidditchspiel seinen Umhang ins Publikum
schmiss, um seinen Fans für ihren Jubel zu danken, sondern das
Bella beim Versuch ihn daran zu hindern den Schnatz zu fangen den
Umhang abgerissen hatte und dann ins Publikum schmiss. Außerdem
dass er und Sirius daran Schuld waren, dass Professor McGonagall
gegen Ende des vierten Schuljahres mit lemonengrünen Haaren
herumlaufen musste und auch, dass es kein Drache war, den Professor
Flitwick in der ersten Klasse gesehen hatte, als er im Unterricht
durchs Fenster sah, sondern nur James und Sirius auf ihren Besen mit
übergroßen grünen Umhängen und feuerspeienden
Zauberstäben.
James
dagegen verstand nun warum Lilli und Diana befreundet waren und hatte
geschworen, die stille Rawenclaw in Zukunft nicht mehr zu ignorieren
sondern krampfhaft zu erfassen, wenn sie da war. Außerdem hatte
Lilli ihm gebeichtet auch in den Ferien schon mal gezaubert zu haben
und eine Verwarnung vom Zaubereiministerium bekommen zu haben und
dass sie später einmal Aurorin werden wollte, um der
Zaubererwelt zu zeigen, wozu eine Muggelgeborene Hexe alles fähig war.
Sie hatte sehr wohl
bemerkt, dass es Melissa nicht Recht war, dass sie soviel Zeit mit
James verbrachte und dass er sich auf die Rundgänge und die
Zusammenarbeit als Schulsprecher mit ihr freute, aber es war ihr
egal. Melissa hatte sie seit der ersten Klasse an gehasst, aber James
mochte Lilli erst seit diesem Jahr und das wollte sie einfach mal
genießen. Wenn er sie schon nicht lieben würde, dann
wollte sie wenigstens seine Freundschaft haben.
Samstagmittag
trainierte die Gryffindormanschaft wieder mal auf dem Feld und James
ließ seiner Mannschaft keine Verschnaufpause. Er powerte durch,
denn er hatte sich für dieses Jahr ein Ziel vorgenommen: Den
Quidditchcup, der ihnen bisher immer verwehrt geblieben war. Sie
hatten lange geübt, vielleicht zu lange. Lilli saß mit
Diana auf der Tribüne, da sie James versprochen hatte, ihm mal
beim Training zuzugucken und die ehrliche Meinung eines
Nicht-Parteiischen-Mädchens abzugeben wie er sich als Kapitän
seiner Mannschaft machte. Er hatte das Training schon beendet und
ihnen allen für den Rest des Tages freigegeben, als er selbst
noch mal in die Luft hinauf ging um den Schnatz noch einzufangen. Dieser war sehr schnell gesichtet worden und James flog auf ihn zu...
„Ihr
versteht euch gut," stellte Diana fest, wozu Lilli lediglich
schmunzelte. Ja, irgendwie verstanden sie sich schon...
„Ist
da mehr?"
„Was?"
„Na, zwischen euch
beiden?"
„Quatsch,"
winkte sie sofort ab, auch wenn sie sich ein Grinsen dabei nicht
verkneifen konnte. Allein der Gedanke, wie sich das zwischen ihr und
James verändert hatte, brachte dieses Glücksgefühl in
ihr zum tanzen. Ja, mittlerweile waren sie zumindest Freunde.
"Lilli!!!!"
schrie Diana erschrocken auf und zeigte mit verängstigtem Blick
auf James. Lilli blickte zur Seite und sah verängstigt wie James
kraftlos von seinem Besen flog und in eine der Zuschauertribünen
krachte. Ihr war die Luft weggeblieben als sie die kurze Szene mit
ansah. Ohne zu zögern stand sie auf und rannte hinunter, um auf
die andere Tribüne zu gelangen. Auch Anna hatte den Sturz noch
gesehen und eilte hinüber. Lilli und Diana hatten James als
erstes erreicht.
"Oh
mein Gott!" sagte Lilli unfassbar als sie endlich bei ihm ankamen,
doch das was sie sah, ließ ihr Herz erzittern. Sein Gesicht war
leichenblass gewesen und Blut lag auf dem Boden verteilt als ob es ihm beim Sturz aus dem Körper gequetscht worden wäre.
„James?!"
sagte sie verängstigt als sie versuchte ihm zu helfen. Er schien
sich beim Aufprall den Kopf gestoßen zu haben, zumindest
versuchten seine Augen beim zwinkern offensichtlich die Schwärze
oder die Schmerzen in seinem Kopf zu unterdrücken. Er ächzte und es dauerte etwas, bis er es geschafft hatte, dann starrte er sie an... Er?
Seine Augen?! Sie waren so anders gewesen, nicht wieder erkennbar,
nicht dem gleichend, welches sie kannte. Seine Augen waren in diesem
Moment so dunkel, voller Hass und unglaublich böse und sie
jagten ihr wirklich Angst ein. Lilli wich vor ihm zurück, statt
zu helfen. Sie spürte eine Hand die sie wegdrückte und sah
Anna die sich zu ihm hinab beugte. Während ihre eigenen Knie zitterten und sie die Fassung verlor, schien Anna überhaupt keine Angst zu haben.
"James?!
James?!" rief diese und versuchte ihn an der Schulter wachzurütteln.
"James, nicht jetzt
okay?!"
Er atmete und
er war wach... aber das Blut. Lilli wusste nicht woher es kam, aber
es lag um ihn herum und es wurde einfach mehr, als ob sich unsichtbar Blut weiterhin darauf ergoß.
"Geht
und holt Madame Pomfrey! Los!" befahl sie ihnen, doch lediglich
Diana meldete sich zu Wort und verschwand. Lilli war geblieben. Sie
hatte solche Furcht vor diesen Augen, sie konnte sich nicht mal vom
Fleck rühren. Anna sah kurz zu Lilli, dann wieder zu James und
schüttelte verzweifelt den Kopf.
"Tut
mir leid, ich hab keine andere Wahl... Evans?!"
"..."
Sie konnte nicht sprechen, ihr Herz raste zu sehr und ließ es
nicht zu, dass ihrer Kehle auch nur ein Ton entweichen konnte. Sie fühlte sich an ihren Platz von einer unsichtbaren Kraft gefesselt.
"Evans, das was du
jetzt siehst... wirst du niemanden verraten! Versprich es!"
"I-Ich..."
"Bitte,
Lilli..."
Anna hatte
sie mit flehenden Augen angesehen und sie hatte sie zum ersten Mal
bei ihrem Namen genannt. Lilli war sich nicht sicher ob sie das
wirklich tun sollte, aber sie nickte... Anna wandte sich danach
wieder James zu und nahm ihren Zauberstab heraus. Sie murmelte etwas,
dass Lilli nicht verstand, aber sie sah daraufhin wie grünes
Blut sich unter dem roten mischte und wie es zu brodeln begann. Lilli
schreckte zurück, stieß dabei jedoch gegen eine Sitzbank
die sie an der weiteren Flucht hinderte. James dagegen schloss erschöpft seine Augen und begann schwer zu
atmen... Es sah aus als ob es seine letzten Atemzüge
wären, als ob er kurz vor dem Ende stehen würde... Ihre
Kehle schnürte sich noch mehr zu. Außer dem Heulen des
Windes hörte sie das Pochen ihres eigenen Herzens so laut, dass
es alles andere übertönte und als er sie schließlich
doch wieder öffnete... war all das Böse darin verschwunden.
Zurück blieben die verzweifelten, schokoladenbraunen Augen und
der verletzte Junge, der beim atmen vor Erschöpfung keuchte...
"Ratzeputz!" sagte
Anna und zielte mit dem Zauberstab auf das Blut am Boden. Es
verschwand binnen weniger Sekunden. Madame Pomfrey kam ihnen gut eine
Sekunde später mit Diana entgegen gerannt und hatte sich sofort
James angesehen. Anna erklärte ihr, dass ihm wohl irgendwie
schwindlig geworden war und er schließlich auf die Tribüne
hinabgestürzt sei. Danach brachte man ihm zum Krankenflügel,
um eventuell schwerere Verletzungen wieder zu heilen. Lilli war nicht
mitgegangen. Sie war auf die Sitzbank hinab gesunken, weil sie das zu
verstehen und zu verdauen versuchte, was sie gerade gesehen hatte.
