Crazy Sunshine

„QUIDDITCH IST UNSER LEBEN! QUIDDITCH IST WAS WIR WOLL' N!"

Laut wie eine ganze englische Nationalmannschaft grölte Sirius durch den Jungenschlafsaal. Ohne dabei Rücksicht auf seine schlafenden, beziehungsweise, soeben aus dem Schlaf geschreckten Freunde zu nehmen.

„FLY ON! FLY ON! WITH HOPE IN YOUR HEART AND YOU`LL NEVER FLY ALONE!!"

„Sirius halt die Klappe..." grummelte Peter und zog sich die Bettdecke über den Kopf. Remus stöhnte ebenfalls genervt. „Jetzt geht das schon wieder los..." „Jedes Jahr das selbe Theater...Warum benimmt er sich vor dem ersten Spiel im Schuljahr immer wie ein Geisteskranker...?" maulte James und begann wahllos irgendwelche Gegenstände auf seiner Kommode nach Sirius zu werfen, welcher breit grinsend von Bett zu Bett sprang und weiter seine Hymnen schmetterte. „Nur gut, dass er da der Einzige von uns ist, nicht wahr Prongs?!" versuchte Remus mit einem sarkastischen Unterton seinem Kumpel zu entgegnen.

Gegen das ohrenbetäubende „OLE!OLE!OLE!OLE!" kam er allerdings nur schwerlich an.
„WÜRDEST DU ENDLICH DIE KLAPPE HALTEN?!!" brüllte Peter Sirius an und schmiss selbigen sein Kissen gegen den Kopf. „WE ARE THE CHAMPIONS! WE ARE THE CHAMPIONS! NO TIME FOR LOOSERS! `CAUSE WE ARE THE CHAMIONS OF HOGWARTS!!!" Man konnte sehr deutlich hören, dass Sirius sich nicht für die zornigen Proteste seiner Freunde interessierte.

„Einmal nicht ausrasten... Zweimal nicht ausrasten ...Dreimal nicht ausrasten... Viermal nicht ausrasten..." murmelte Remus konzentriert und massierte sich die Schläfen.

„GEBT MIR EIN G! GEBT MIR EIN R! GEBT MIR EIN Y! GEBT MIR EIN F! GEBT MIR NOCH EIN F! GEBT MIR EIN I!..."

Zwischen den beiden F´s waren James und Peter aufgesprungen und stürmten Sirius hinterher, der auf das nächstgelegene Bett flüchtete. „Runter von meinem Bett!" schimpfte James und hoppelte von Bett zu Nachttisch, von Nichttisch zu Stuhl, machte einen kleinen Zwischenstop auf dem Teppich und bekam dann auf Remus` Bett Sirius zufassen. Eine halbe Sekunde später stieß Peter dazu.

Mit einem „Uff!" fielen sie aufeinander. Remus Nervenkostüm fiel allmählich zusammen, was man sehr leicht an einem leisen Knurren in der Stimme erkennen konnte. „33 Mal nicht die besten Freunde erwürgen! 34 Mal nicht die besten Freunde erwürgen! 35 Mal nicht die besten Freunde erwürgen...!"

„Guten Morgen!" Die Tür war aufgeflogen und herein stürmte Lydia. Sie hatte sich heute die Haare rotgefärbt und die Zöpfe mit goldenen Bändern geschmückt. Auf ihrem Sweatshirt prangte ein Quidditchhymnen brüllender Löwe. Da es Sirius immer noch nicht müde geworden war seine Freunde mit seinem „Gesang" zu foltern, schalte jetzt ein schräges Duett durch das Zimmer.

Remus schrie mittlerweile. „60 MAL NICHT AMOK LAUFEN! 61 MAL NICHT AMOK LAUFEN! 62 MAL NICHT AMOK LAUFEN!..." Während sich Lydia, Peter und James die Ohren zu hielten.

In der Großenhalle war es vergleichsweise ruhig, obwohl man auch dort die aufgeheizte Stimmung deutlich spüren konnte. Spätestens als sich James mit den restlichen Rumtreibern zum Quidditchteam setzte. Mercedes Diablo, unter den Muggelstämmigen auch das Kampfjet des Quidditchfeldes genannt, warf allen, die nur einen Fleck Gelb trugen, einen sehr finsteren Blick zu, während Donald McSpoon und William Taylor das nächste Lied anstimmten. „Gelb sieht total scheiße aus! Schalalalalala!"

„Das ist total unsportlich." Bemerkte Peter und warf einen kurzen entschuldigenden Blick hinüber zu Susan, die nur lächelnd abwinkte. „Nein, das ist Meinungsfreiheit." Sagte James und schlang sein Müsli herunter. „Nur weil deine Schnalle aus Hufflepuff ist..." sagte Mercedes, doch wurde sie von James sogleich unterbrochen. „Keep Cool, Mercedes. Quidditch hin oder her, beleidige nicht die Freundin von einem meiner besten Freunde." Sie brummte. „Schon okay."

„Und ihr hört endlich mit euren dämlichen Quidditchliedern auf." Beschloss Remus und griff nach der Marmelade. Das gesamte Team grinste kurz und begann dann wieder einstimmig zu singen. „Old McDonald had a farm! I E – IE – IE – O!" „Das ist kein Quidditchlied." Sagte Peter und zuckte grinsend mit den Schultern und sang dann fröhlich mit.

Lily trank gutgelaunt von ihrem Kaffee. Gut, normalerweise hätte sie das Theater ein paar Plätze weiter furchtbar aufgeregt, - allerdings nicht heute. Sogar sie spürte das fiebrige, aufgeregte Kribbeln, die Vorfreude auf das Spiel. „Glaubst du wir gewinnen mit diesen pubertären Holzköpfen?" fragte Sally, eine ihrer besten Freundinnen. Alice und Lily warfen ihr einen entsetzten Blick zu. „Sag mal spinnst?" fuhr Lily auf. „Natürlich gewinnen wir! Wir haben die beste Mannschaft!" „Potter hat bis zum Umfallen mit ihnen trainiert!" Sally seufzte. „Genau das macht mir Sorgen." „Du kannst über ihn sagen was du willst," sagte Alice und ihre Augen funkelten, „Er mag ein arroganter, nerviger Quälgeist sein, aber wenn er etwas kann, dann ist es Quidditchspielen." „Und darin ist er perfekt." Damit war für die Beiden das Thema erledigt und sie standen singend auf. „So sehen Sieger aus! Schalalalala!..."

„Herzlich Willkommen, ihr lieben Freunde der gesunden Körperbetätigung in der wunderschönen Mutter Natur! Auch wenn sich Mutter Natur sehr darüber freuen würde, wenn du diese PET- Flasche fachgerecht entsorgen würdest, Richard Holmes!" begann die Quidditchkommentatorin Sunshine Trimmers. Ja, ihre Eltern hatten sie wirklich Sunshine genannt. Und ja, sie trug eine sehr, sehr weite Schlaghose mit selbstgestickten bunten Blumen darauf. Und ja, selbstverständliches leuchtete ein farbenfrohes Peace-Zeichen auf ihrem Pullover.

„Danke Richy. Die Natur wird dir dafür danken. Wenigstens du lässt mit dir reden. Wie oft habe ich schon Menschen angesprochen und sie darauf aufmerksam gemacht, wie viele Giftstoffe unser Müll enthält. Ja, selbst in unserer Zaubererwelt! Wir sind den Muggeln was das betrifft keinen Schritt voraus! Denkt doch mal darüber nach...." „Misses Trimmers, würden sie ihren Mitschülern und uns Lehrern vielleicht die heutigen Spielbedingungen erläutern?" unterbrach Professor McGonagall sie barsch. Einige kicherten.

Die Rumtreiber ließen sich, bis auf James, der sich ja in der Umkleide befand, auf einer der Tribünen nieder. „Ich liebe es." Seufzte Remus und grinste. „Glaubt ihr sie hält wieder ihren berühmten Vortrag über Singvögel, die von einem Klatscher getroffen werden könnten?" Peter kicherte. „Oder das Mercedes eine gewalttätige Attentäterin ist, die man schnell bekehren sollte um sie auf den rechten, friedlichen Weg zu bringen?" Lydia hob zwei Finger zum Peace- Zeichen. „Make Love, not war." „Siehst du? Sie versteht meinen Lebensstil." Rief Sirius feixend.

„Es ist ein kühler, leicht windiger Tag. Die Sonne scheint nicht zu stark, somit haben die Spieler freie Sicht. Oh! Und da kommt auch schon die Mannschaft der Hufflepuffs. Loretta Diggory, spielt immer noch in ihrer alten Position als Hüterin, auch wenn sie seit Anfang diesen Jahres zur Kapitänin ernannt wurde." Vom gelben Block hörte man ein lautes Jubeln. „Ja Loretta! Herzlichen Glückwunsch auch von mir! Auch wenn dein Lippenstift aus Läuseblut hergestellt, und deine Wimperntusche an hilflosen, arbeitslosen Kobolden getestet wird!" Die Zuschauermenge begann laut zu lachen.

Derweil marschierte James mit seinem Team aus der Kabine. Die Kommentatorin war allerdings beschäftigt. „Ich wüsste gerne was daran so lustig sein soll! Während wir uns dieses Quidditchspiel ansehen, werden tausende Läuse getötet und ausgepresst wie Zitronen!" Mercedes warf ihre schwarzen Locken zurück und blickte wütend hinauf zu Sunshine Trimmers. „Wenn wir jetzt nicht sofort anfangen, komm ich persönlich zu dir nach oben, du Ökozippe!" „Du bist eine brutale, egoistische Person, Diablo! Aber ich vergebe dir! Auch du wirst eines Tages begreifen, dass Gewalt keine Lösung ist!" „Ich zeig dir gleich wie gut diese Lösung ist!" „Versuch es doch!" „Das werde ich gleich, wart nur!" „Jetzt habe ich aber Angst!" „Das solltest du auch!"

„Es reicht!" McGonagall hatte sich eingemischt. „Hören Sie beide sofort auf! Ich kann Ihnen auch gerne ein paar Punkte abziehen!"
Die beiden Mädchen schürzten die Lippen, schwiegen allerdings. „Na geht doch..." brummte Minerva und wandte sich dann wieder an Sunshine. „So Miss Trimmers, ich denke sie können fortfahren."

Das Spiel begann sehr ruhig. Weder James` noch Loretta`s Mannschaft foulten und Tore gab es in den ersten fünf Minuten auch keine.
„Eine glänzende Parade des neuen Hüters von Gryffindor, der kleine Michael. Heute Früh sah er aus, als würde er vor Angst in seine Müslischale kotzen." Sie lachte kurz. „Wie wird er sich erst vor einem Spiel gegen die Schlangen benehmen?"

„Diese blöde Baumknutscherin!" fauchte Lydia und war drauf und dran aufzuspringen und sich Sunshine vorzuknöpfen, doch Sirius packte sie am Arm. „Beruhig dich. Mercedes hat sie schon im Visier..." „Oh..Oh!" machte Peter, als er erkannte was Sirius meinte. Mercedes hatte einen Klatscher mit aller Kraft in Richtung Tribüne geschlagen, direkt auf Sunshine zu. Doch Dumbledore hatte ihn sofort gestoppt. „MRS. DIABLO HABEN SIE DEN VERSTAND VERLOREN??!" McGonagall tobte. „Sie hätten sie umbringen können!"
James flog rasch hinüber zu seiner Teamkollegin um ihr eine Moralpredigt zu halten. „Hast du sie noch alle?! McG hat völlig Recht, es hätte sie töten können." „Die blöde Gans glaubt doch sowieso, dass sie als Niffler wiedergeboren wird."

„Freiwurf wegen unsportlichen Verhaltens der gegnerischen Mannschaft für Hufflepuff!"
Die gelbe Kurve jubelte Mercedes zu, die ihnen lediglich einen Finger präsentierte. „Mercedes! Reiß dich zusammen!" „Beruhig dich James," sagte sie locker. „Wir gewinnen doch sowieso." „Ja, aber McG rastet gleich aus." „Hast du etwa Angst um mich?" Sie sah ihn schelmisch an und zwinkerte. James lachte trocken. „Um dich Angst haben? Wenn ich nicht mit dir in einem Team wäre, dann hätte ich vor dir Angst!"

„Ernest Flynn wird den Freiwurf werfen!" verkündete Sunshine laut und sofort wurde es ruhig. Lydia drückte so fest die Daumen, dass sie schon schmerzten.
Aller Augen ruhten auf Ernest und Michael... Vor allem auf Michael, der mit diesem Freiwurf zeigen musste, was er konnte.
Ein Pfiff ertönte, Ernest holte aus und warf mit aller Kraft auf den linken Torring der Gryffindors und......

„MICHAEL HÄLT DEN QUAFFEL!" Ein Jubelsturm brach in der rotgoldenen Kurve aus, während die Hufflepuffs missmutig die Gesichter verzogen. Die Slytherins buhten Michael aus.

„Jetzt steht es zehn zu null für die Löwen. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass unter ihnen eine brutale Attentäterin ist!"
Lydia kicherte. „Ich liebe es! Ich kann immer noch nicht fassen, dass man sie letztes Jahr nicht kommentieren lassen wollte." „She loves to entertain us." Antwortete Peter lachend.
„Die Spiele wären nur halb so cool, wenn wir sie nicht hätten."
„Und während der Regenwald immer weiter zerstört wird und viele Tiere für die Zaubertrankindustrie ihr Leben lassen müssen, stürzt sich James Potter in die Tiefe! Er hat doch nicht etwa den Schnatz gesehen?"

„PRONGS! SCHNAPP IHN DIR!!" brüllte Sirius und sprang auf. „ICH HAB NICHT UMSONST EINEN GANZEN KASTEN FEUERWISKEY BESORGT!!!"
Mittlerweile wurde James von allen Gryffindors kräftig angefeuert. „POTTER! POTTER! POTTER!"
„Fangs ihn, oder ich beiß dir die Ohren ab!" schrie Mercedes ihrem eigenen Kapitän hinterher, als er an ihr vorbeisauste.
„Uuuund...GRYFFINDOR GEWINNT! JAMES POTTER HAT DEN SCHNATZ! Zum Glück ist es ein verzauberter Ball und kein echter Schnatzer, wie noch vor einigen Jahren. Die armen Tiere waren wegen diesem Sport fast ausgestorben, weil sie einfach als Bälle herhalten mussten!" schrie Sunshine, doch keiner hörte ihr mehr zu.

„Wir sind so geil!" kreischte Mercedes und sprang mit Donald und William wie ein Gummiball durch den Gemeinschaftsraum. Winona hatte es sich bereits mit einigen Butterbier und einer riesigen Tüte Schokofröschen auf einem der Sessel bequem gemacht.
Michael war ganz aus dem Häuschen. „Ich hab die Bälle alle gehalten..." stammelte er, während Remus und Peter ihm immer wieder johlend auf die Schultern klopften. „Ja, Alter! Du bist genial!"
Sirius und James standen bereits auf einem Tisch und prosteten sich mit zwei Flaschen Whiskey zu. „Wir sind die Besten!"

Zwei Stunden und viele alkoholhaltige Flaschen später:

„SCHEISSE!!!!"
Alle fuhren erschrocken herum und starrten Lydia an, die ihr Butterbier fallen gelassen hatte und wie hypnotisiert in die Luft starrte. „Alles klar?!" fragte Peter besorgt. „Stimmt was nicht mit dem Bier?" Sie schüttelte immer noch entsetzt den Kopf. „Was ist dann los? Hey Jungs! Mit Lü stimmt was nicht!" „War ja kaum zu überhören..." grummelte Sirius, der eigentlich gerade mit einer Fünftklässlerin verschwinden wollte. Als er jedoch Lydias Gesichtsausdruck sah, wirkte er alles andere als verärgert. „Um Himmels Willen, Lü! Was ist denn?" Sie schüttelte abermals den Kopf. „Nichts..." „Na klar! Deswegen schreist du wie eine Wahnsinnige herum..." „Alles klar..." murmelte sie nur nervös und stürmte dann hoch in ihren Schlafsaal.
„Okay..." sagte Remus und kratzte sich am Kopf. „Das war seltsam. Sehr seltsam." „Vielleicht sollte einer mal nach ihr sehen." Schlug Peter vor und Sirius nickte ernst. „Ich mach das schon."

„Lü?" fragte er vorsichtig und klopfte sachte an die Tür. „Hm?" „Darf ich rein?" „Mhm..."
Leise schloss Sirius die Tür hinter sich und setzte sich dann neben Lydia auf das Bett. Sie hatte die Decke über den Kopf gezogen. „Weinst du?" „Nein..." „Willst du drüber reden?" „Nein!" „Soll ich raten was los ist." „Sinnlos...Da kommst du nie drauf..." „Soll ich vielleicht wieder gehen?" „Ach vergiss es!" Seufzend tauchte sie hervor. „Scheiß drauf...Ich sag es dir. Aber raste jetzt bitte nicht aus, okay? Wir sind Freunde. Wir werden immer Freunde bleiben und halten immer zusammen." Sirius runzelte misstrauisch die Stirn. „Klar. Das ist doch selbstverständlich. Immerhin..." „Ja...Immerhin sind wir die Rumtreiber, ist klar. Ich mach es kurz und schmerzlos. Also:..."

Remus, Peter und James warfen immer wieder nervöse Blicke in Richtung Schlafsaal. „Meint ihr, sie erzählt ihm was los ist?" fragte Remus zweifelnd. „Ich hoff es doch." Antwortete Peter. „Schließlich müssen wir ihr ja irgendwie helfen, falls etwas ist."

„WAAAAAAS?!?!?!?!!!"

Der gesamte Gemeinschaftsraum verstummte.
„Wenn das nicht Sirius war, bin ich ein Slytherin..." murmelte James.