Kapitel 9 – Teil 1
„Wir werden auf jeden Fall mit dem Minister reden. Dadurch, dass wir so viele Feiertage von den Muggeln übernommen haben, haben wir zum Einen viel zu viele freie Tage für die Schüler und zum Anderen sind unsere eigenen Feiertage verschwunden.
Annäherung schön und gut, aber nicht auf Kosten unseres Glaubens", brummte Richard.
„Was ist unser Glaube eigentlich? Ich meine, die Muggel haben ja verschiedene Religionen. Ich dachte bis jetzt eigentlich immer, dass die Hexen und Zauberer entweder gar keine Religion haben oder aber ebenso viele verschiedene wie die Muggel." Neugierig sah Harry die Gründer an.
Das war etwas, das interessant war, aber nie in irgendeinem Unterrichtsfach auch nur erwähnt wurde, geschweige denn, das man ein Buch darüber in der Bibliothek finden konnte.
„Hm, wir haben eine Religion, natürlich. Aber sie ist älter und ursprünglicher als alle anderen. Viele der heutigen Weltreligionen haben sich aus ihr entwickelt.
Das, was unserer Religion noch am Nahesten kommt, ist die altägyptische Religion.
Wir glauben daran, dass die Magie den Planeten erschaffen hat und die ersten Lebewesen durch die Evolution geformt hat.
Dabei kam es vor allem auf ihre Umgebung an.
Wesen, die viel in den Wäldern waren, wurden so geformt, dass sie dort Schutz und Nahrung fanden.
Die Wesen der See ebenso.
Die einzigen Wesen, die nicht ihrer Umgebung angepasst wurden, waren die Menschen, da sie von einem Ort zum anderen zogen auf der Suche nach einer Umgebung, die ihnen am meisten entspricht.
Diese Wanderungen wurden in großen Gruppen unternommen, ähnlich den noch heute existierenden Nomaden. Und aus diesen Gruppen formte die Magie nach und nach die verschiedenen magischen Rassen.
Besonders Mächtige aus diesen Rassen wurden nach ihrem Tod von der Magie ausgewählt, Schutzgeist ihrer Rasse zu sein oder aber auch des Waldes und der See. So entstanden die Naturgeister, die wir heute als Bindungsglied zwischen Leben, Tod und Magie ansehen.
Natürlich hat jede Rasse ihre eigenen Schutzgeister. Und das wird von den anderen Rassen akzeptiert.
Immerhin hat jede Rasse große und edle Wesen hervorgebracht. Und das ist die Art der Magie, diese Wesen zu ehren für das, was sie alles für ihre Rasse getan haben", erklärte Seth.
„Hast du deshalb einen altägyptischen Namen angenommen? Ich glaube nämlich mich zu erinnern, dass Seth ein ägyptischer Name ist", meinte Harry.
„Ja, genau deshalb. Seth ist der Name eines ägyptischen Gottes. Der Gott der Wüste und der Dunkelheit. Aphoben kommt von Apophis und dieser ist der altägyptische Schlangengott für Lug und Trug", lächelte Seth mit einem stolzen Glimmen in den Augen.
„Passt", kicherte Harry nach einigen Sekunden und kuschelte sich an den leicht verwirrt dreinschauenden Seth.
Richard und Sales ihrerseits mussten über das Bild schmunzeln.
„Wann finden eigentlich diese Test statt?", wollte Harry wissen.
„Nächste Woche. Wir haben sie um eine Woche verschoben, wegen dem ganzen organisatorischen Mist, den wir nach der Amtsübernahme zu tun hatten. Wie kann ein Mann alleine nur so viel Chaos in diese Schule bringen?", seufzte Richard.
„Das kommt nur, weil du pingelig bist", grinste Sales.
„Gar nicht wahr! Hast du dir mal die Akten angesehen? Vollkommen durcheinander. Kein Mensch findet sich da auf Anhieb durch", verteidigte Richard sich.
„Also, ich fand das Chaos ehrlich gesagt erfrischend. Immerhin erinnere ich mich noch, wie du als Rektor warst. Mister, jede Akte hat seinen ureigenen Platz und wag es ja nicht, sie wo anders hin zu legen", grinste Sales.
„So!", knurrte, Richard wütend, ehe sein Gesichtsausdruck plötzlich zu einen lieblichen Lächeln wurde. „Na wenn das so ist, hast du sicherlich nichts dagegen, dich alleine um die Akten zu kümmern. Ich rede dir ja doch nur rein!" Mit diesen Worten stand Richard auf, lächelte seinem Sohn und Schwiegersohn in spe einmal zu und rauschte dann aus den Raum.
„Und was war das?", wollte Harry unsicher wissen.
„Das, mein Liebling bedeutet, dass Dad die nächsten Wochen sehen kann, wie er alleine klar kommt, weil Richard mit absoluter Sicherheit kein Wort mit ihm wechseln wird, geschweige denn, ihm helfen", kicherte Seth.
„Warum dass den? So schlimm war das, was Sales gesagt hat nun auch wieder nicht?", meinte Harry stirnrunzelnd.
„Keine Ahnung. Er ist in letzter Zeit echt schnell reizbar", seufzte Sales und sah seinem Mann nach.
„Das wird schon wieder", meinte Seth aufmunternd.
„Wenn ein Esel einen anderen Langohr schimpft", schnaubte Harry, was ihm zwei entgeisterte Blicke von Seth und Sales einbrachte.
Augenrollend folgte er dem Gründer.
„Richard?" Auf halbem Weg in Richtung seines Büros hatte er den Blonden eingeholt.
„Hm?", meinte dieser und drehte sich um. Er entspannte sich sichtlich etwas, als er Harry erkannte. „Was ist?"
„Können wir reden?", wollte Harry wissen.
„Und was ist mit Seth?", entgegnete dieser und hielt Ausschau nach seinem Stiefsohn.
„Der kann sich zusammen mit Sales den Kopf über ein Muggelsprichwort zerbrechen", lächelte Harry.
„Na gut, wenn du meinst", stimmte Richard zu und so machten sie sich, in einträchtigem Schweigen, auf den Weg zu Richards Büro.
Bemerkten dabei nicht die zornfunkelnden blauen Augen, die ihnen folgten.
„Worüber willst du reden?", fragte Richard auch gleich, nachdem sie es sich in seinem Büro mit einer Tasse Tee gemütlich gemacht hatten.
„Das sollte ich eher dich fragen", entgegnete Harry sanft. „Dich bedrückt doch etwas, das kann ich spüren. Kann ich dir vielleicht helfen?"
„Das ist eine längere Geschichte", seufzte Richard.
„Ich hab Zeit", lächelte Harry.
Seufzend begann Richard zu erzählen.
Kapitel 9 – Teil 2
„Seth hat dir sicherlich erzählt, dass wir verheiratet waren, nicht wahr? Zur Zeit der Gründung, meine ich?" Mit einem traurigen Lächeln sah Richard Harry an.
„Ja. Aber die Ehe war arrangiert", nickte Harry.
„Ich habe im Laufe dieser Ehe gelernt meine Frau mit Freundschaft und Respekt entgegen zu treten. So war es auch bei Salazar. Nur im Gegensatz zu seiner Frau, hat meine Frau dies nicht getan. Ich weiß nicht, warum oder wann es angefangen hat, aber irgendwann begann sie, Besitzansprüche an mich zu hegen. Ich dachte erst, es wäre Eifersucht, aber das war es nicht.
Es war Besitzgier.", ein trauriges Seufzen entkam Richard, ehe er weiter erzählte: „Weißt du, schon zur damaligen Zeit, bevor wir die Schule gründeten, waren unsere Familien sehr bekannt.
Salazar und ich, wir wuchsen als Kinder der Clanführer miteinander auf, da der Slytherin- und der Gryffindorclan schon seit jeher eine enge Bindung zueinander hatte.
Wäre einer von uns beiden demütig gewesen, hätte sich diese Bindung durch eine Heirat verfestigt. So wurden wir einer mächtigen Familie des jeweils anderen Clans versprochen.
Ich habe meine Mutter später, als ich mit Salazar zusammen war, oft darüber klagen hören, dass sie uns dennoch einander hätten versprechen sollen, dann wäre das alles nie passiert", schweifte Richard etwas ab, den Blick in weite Ferne gerichtet.
„Was wäre nie passiert?", versuchte Harry den Gründer mit sanfter Stimme in die Gegenwart zurück zu holen.
„Wie ich schon sagte, entwickelte meine Frau eine unheimliche Gier nach Besitz. Mein Ansehen, meine Macht, mein Geld. Das alles versuchte sie sich durch die Geburt mehrerer Kinder zu sichern. Eifersüchtig darauf achtend, dass ich auch ja keiner anderen Frau während ihrer Schwangerschaft hinterher sah.
Rowena und Helga waren ein Pärchen. Rowena war dominant und Helga demütig.
Da diese beiden also eine der berühmten Ausnahmen war, ließ meine Frau mich gehen um die Schule zu gründen.
Sie wusste, Rowena hätte mir genüsslich die Haut abgezogen, hätte ich versucht, sie in mein Bett zu zerren und Helga hätte mich wohl in irgendeinen giftigen Sud eingelegt. Sie waren beide sehr starke Frauen mit einem unglaublichen festen Band zueinander. Ihre Verbindung entstand aus Liebe, nicht aus Zwang. Sie kamen aus der unteren Bevölkerungsschicht, so dass sie dem Los einer Arrangierten Ehe entkamen.
Wie du weißt, haben Salazar und ich uns im Laufe der Zeit ineinander verliebt.
Etwas war mit mir geschehen durch die Behandlung meiner Frau mir gegenüber.
Es geschieht selten, aber es ist möglich. Ein demütiger Vampir kann erschaffen werden. Durch sein Umfeld, seine Erziehung und auch nach seinem Erwachen durch dominantes Verhalten eines Anderen, wenn dies über einen längeren Zeitraum hinweg geschieht.
Meine Frau war zu Beginn unserer Ehe demütig, ich dominant. Mein Instinkt verbat es mir, sie ernsthaft zu verletzten und das wurde mir zum Verhängnis.
Während meine Frau mehr und mehr dominant wurde, wurde ich mehr und mehr demütig.
So kam es dann, dass ich mich in einen dominanten Vampir verliebte, von dem ich wusste, dass er mich von diesem Biest beschützen konnte. In Salazar.
Er...weiß es bis heute nicht", seufzte Richard und schwieg kurz, mit einem traurigen Glanz in den Augen.
„Und was ist daran so schlimm? Er wird dich auch lieben, wenn er weiß, dass du demütig bist. Und er wird sein Verhalten dir gegenüber sicherlich nicht ändern", versuchte Harry den aufgewühlten älteren zu beruhigen.
„Das ist es nicht", hauchte Richard. „Meine Frau... bemerkte es. Sie merkte, dass mein Herz, meine Seele jemand anderem gehörten. Sie wusste, sie konnte mir nichts tun. Hatten ihre Instinkte sich mir gegenüber doch schon auf Schutz eingestellt. Deshalb belegte sie mich mit einem Fluch. Einem Fluch, der es mir beinahe unmöglich macht, Kinder von Salazar zu gebären.
Deshalb ist Seth auch das einzige Kind, welches wir haben.
Meine Frau ging damals fort, zusammen mit unseren beiden Kindern. Ich hab sie nie wieder gesehen.
In den letzten 1000 Jahren war ich fünfmal schwanger. Jedes Mal konnte ich es vor Salazar verheimlichen. Und jedes Mal starb das Kind noch vor seiner Geburt.
Jetzt...bin ich es wieder." Verzweifelt schloss Richard die Augen, während Tränen über seine Wangen rannen.
Tief getroffen von Richards Schicksal überwand Harry die kurze Distanz zwischen ihnen und drückte den Älteren an sich.
„Ich wünschte, ich könnte dir helfen, das Kind zu bekommen", wisperte der Junge, ebenfalls mit Tränen in den Augen.
Wie konnte man so grausam sein? Wie konnte man so rachsüchtig sein?
Harry verstand es nicht.
Und das schlimmste daran war, dass er wusste, dass diese Frau seine Ahnin war.
Dass dieser Umstand aber auch etwas Positives hatte, wusste er nicht. Aber er würde es bald erfahren.
„Du solltest es Salazar erzählen", wisperte Harry nachdem sie beide sich wieder beruhigt hatten.
Er saß noch immer auf Richards Schoß, wissend, dass der Ältere diese Nähe jetzt brauchte. Er würde es selbst an dessen Stelle auch tun.
„Und wenn er mich dann...nicht mehr will?", hauchte Richard. „Ich weiß, dass er sich...Kinder mit mir wünscht. Wenn ich ihm diesen Wunsch aber nicht erfüllen kann... Was wenn er dann geht."
„Das wird er nicht. Er liebt dich, Dummkopf. Natürlich hätte er gerne Kinder mit dir, als Zeichen eurer Liebe und Verbundenheit, aber er würde dich deswegen niemals verlassen. Und vielleicht findet er ja einen Weg, den Zauber zu brechen. Immerhin ist Salazar bis heute einer der besten Tränkemeister der magischen Welt. Und Severus wird euch auch helfen wollen. Und der ist immerhin der beste Tränkemeister dieses Jahrhunderts", lächelte Harry Richard aufmunternd an.
„Meinst du das...könnte funktionieren?", hoffnungsvoll sah Richard den Jüngeren an. Vielleicht hatte der Junge recht. Vielleicht hatte er lange genug geschwiegen. Vielleicht würde Salazar ihn ja trotzdem weiterlieben, ihm sogar helfen können.
„Ich weiß es", antwortete Harry bestimmt und zauberte damit ein Lächeln auf Richards Lippen.
„Danke, Harry."
Kapitel 9 – Teil 3
„Was gab es so wichtiges mit meinem Vater zu besprechen?", wollte Seth am Abend misstrauisch wissen.
Da Harry ja ein Lehrling war, konnte es den Lehrern hier egal sein, wo er die Nacht verbrachte. Die Slytherins hatten darauf bestanden, dass er sein Zimmer behielt. Da er allerdings laut Schulordnung ein eigenes Zimmer haben musste, konnte er sich jetzt entscheiden, ob er bei den Syltherins schlief oder in seinen eigenen Räumen. Oder aber, wenn sie so weit waren, bei Seth.
„Das wirst du bald erfahren. Hab einfach ein bisschen Geduld", lächelte Harry und kuschelte sich an seinen Freund.
„Hm", brummte dieser, mit der Antwort sichtlich unzufrieden. Allerdings konnte niemand behaupten, Seth hätte aus vergangenen Dummheiten nichts gelernt. So verhielt sich der Schrecken der Zauberwelt ruhig.
„Alter Brummbär", kicherte Harry und kuschelte sich näher an seinen Freund. So schnell würde er sich von dem Älteren nicht lösen. Jetzt, wo sie nach langer Zeit endlich mal wieder alleine waren.
„Kann ich...heute hier schlafen?", wollte Harry unsicher wissen.
„Sehr gerne", lächelte Seth glücklich.
„Wer beim Betrugsversuch erwischt wird, fällt automatisch durch und darf sich ohne Test eine neue Schule suchen. Sie haben vier Stunden Zeit. Sollten Sie eine Frage nicht verstehen, melden Sie sich und einer von uns wird zu Ihnen kommen und versuchen, es Ihnen zu erklären. Auf die Frage selbst werden wir selbstverständlich nicht antworten", erklärte Seth, während die Testbögen des Ministeriums ausgeteilt wurden.
„Wir sind mal so nett, euch zu warnen. Die Tests sind so ausgelegt, dass eure Nachbarn, rechts und links von euch, einen völlig anderen Bogen bearbeiten, als ihr selbst. Wer also spickt bringt sich damit nur selbst in Schwierigkeiten", ergänzte Harry lächelnd.
Der Jüngere war unendlich froh, dass er diesen Test nicht mitschreiben musste. Sah er doch die Nervosität seiner ehemaligen Mitschüler.
Heute war der Test in Verteidigung.
Die Schüler wussten nicht, an welchem Tag welcher Test stattfand.
Sie wussten nur, dass sie sich um Punkt 10 Uhr in der großen Halle einzufinden hatte, wo sie, nach Jahrgängen sortiert, alle zur gleichen Zeit ihren Test in einem Fach zu schreiben hatten.
Wer mit seinem Test fertig war, konnte gehen und sich in der Küche was zu essen holen.
Verteidigung war die erste Prüfung. Und es würde wohl auch am Schwierigsten zu bewerten sein. Immerhin hatten sie in diesem Fach jährlich wechselnde Lehrer gehabt, wobei die Hälfte dieser Lehrer diese Bezeichnung nicht verdient hatte. Schaudernd dachte Harry an ihren Verteidigungslehrer vom letzten Jahr. Sie war eine Mischung aus Lockhardt und Umbridge gewesen und hatte Harry geradezu verehrt. Alles was er im Unterricht gesagt hatte, sei es auch ein noch so großer Mist gewesen, war als Richtig angesehen worden. Irgendwann war Harry der Kragen geplatzt und er hatte sich geweigert, das Klassenzimmer ein weiteres Mal zu betreten.
Die Frau war bei dem Angriff auf Hogsmead letztes Jahr schwer verletzt worden und lag noch immer zur Nachbehandlung im St. Mungos. Bei ihrer Unfähigkeit war Harry sich nicht sicher, wie sie das ganze hatte überleben können. Aber auch, wenn er sie nicht mochte, war er froh darüber.
Während die Schüler begannen zu schreiben, schweiften Harrys Gedanken ab. Er wusste, eigentlich müsste er auch da sitzen. Aber er tat es nicht. Sein Geist wanderte die Jahre zurück, in denen er noch einer von ihnen war. Traurig fielen seine Augen auf Ron und Hermine. Der Rotschopf saß ziemlich ratlos vor seinen Aufgaben. Hermine ihrerseits war fleißig am Schreiben. Es hatte etwas Vertrautes. Und es schmerzte, diese Vertrautheit zu sehen.
Sein Blick glitt weiter zu Seamus und Dean, die immer wieder Blickkontakt suchten. Verzweiflung in den Augen. Schmunzelnd beobachtete Harry, wie die beiden versuchten, sich wortlos zu unterhalten. Etwas von dem er, als einer der wenigen, wusste, dass sie es bis zu einem gewissen Grad tatsächlich konnten. Normal, unter Seelengeschwistern, wie sie es waren.
Wissend, dass er es unterbinden müsste, sich aber selbst nicht dazu bringen konnte, wanderte sein Blick weiter zu Neville. Er war überrascht zu sehen, dass der noch immer etwas rundliche Junge fleißig am Schreiben war. Da wollte jemand wohl unbedingt hier bleiben.
Auch Luna schrieb, auch wenn sie sich immer wieder selbst unterbrach und verträumt umherblickte. Wobei Harry gerade auffiel, dass äußerst viele dieser verträumten Blicke auf Freya fielen.
Schmunzelnd nickte Harry der Ravenclaw zu, als ihre Augen ihn streiften, was ihm ein dankbares Lächeln einbrachte.
Zaghaftes ziehen an seinem Umhang brachte Harry dazu, seinen Blick zu senken. Lilien stand vor ihm und hielt ihm lächelnd ihren Testbogen entgegen.
„Fertig?", wollte der Schwarzhaarige leise wissen.
„Ja", antwortete sie einfach nur.
„Na dann", meinte Harry und nahm ihren Bogen entgegen.
Ein kurzer Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass sie von den vier Stunden Bearbeitungszeit gerade einmal eine gebraucht hatte.
Stirnrunzelnd sah Harry zu Seth, der das beobachtete hatte und ihm andeutete, den Bogen schon mal durchzusehen.
Lautlos seufzend ließ sich Harry auf den Schreibtisch nieder, der vor den Tischen der Schüler stand und begann, Liliens Aufgaben zu korrigieren.
„Ich bin unsagbar stolz auf dich", wisperte Harry seiner künftigen Tochter beim Abendessen zu, während er ihr durch die Haare strich.
„Wirklich?", wollte sie mit großen Augen wissen.
„Mhm. Ich hab deinen Test korrigiert, weil du so früh abgegeben hast. Du hast alles richtig", entgegnete Harry leise.
„Schön", lächelte Lilien breit.
„Und auf dich bin ich auch stolz", lächelte Harry weiter und schloss einen Arm um Jamie, der mit leicht gesenktem Kopf neben seiner Schwester saß.
„Ehrlich?"
„Ehrlich. Du hast definitiv bestanden", meinte er dann noch und wuschelte ebenfalls durch Jamies Haare.
Beide Kinder begannen zu strahlen.
Kapitel 9 – Teil 4
„Daddy Harry?", wollte Jamie zögerlich wissen.
Die drei saßen zusammengekuschelt in Harrys Zimmer. Der Schwarzhaarige hatte einfach nur ein bisschen die Nähe zu seiner Familie genießen wollen. Und Seth war gerade mit Korrekturen beschäftigt.
„Ja, mein Kleiner?", wollte Harry ruhig wissen.
„Meinst du, Daddy Erion würde sich freuen, uns kennen zu lernen?" Leicht ängstlich klang Jamies Stimme bei dieser Frage.
„Wer ist Daddy Erion?" Neugierig sah Harry seinen künftigen Sohn an.
„Hat er dir seinen richtigen Namen nicht gesagt?", fragte Lilien mit großen Augen
„Nein, noch nicht. Er meinte, er würde ihn mir sagen, wenn er es wieder ist, also wenn er von seinem Vater Blut getrunken hat", antwortete Harry.
„Daddy heißt eigentlich Erion Dellahr-Slytherin. Oma Stellia hat Opa Salazar gebeten, dass der Name Dellahr bei ihrem Sohn weitergegeben wird, nachdem fast alle ihrer Familie bei der Blutjagd getötet wurden", erklärte Jamie leise.
„Das heißt, ihr heißt Dellahr-Slytherin-Potter?", wollte Harry schmunzelnd wissen.
„Nein. Ich heiße Liliana Salera Dellahr-Slytherin-Gryffindor und Jamie heißt Jameson Salazar Dellahr-Slytherin-Gryffindor. Opa Godric hat dich als Enkelsohn anerkannt und der Name Potter wurde für immer ausgelöscht", erzählte Lilien.
„Ausgelöscht?", fragte Harry stirnrunzelnd nach.
„Ja. Die Potters haben böses gemacht", wisperte Jamie.
Kurz überlegte Harry. Was könnten seine Vorfahren verbrochen haben, dass er so weit gehen würde, den Namen Potter für immer auszulöschen?
Langsam wurden seine Augen groß.
„Das...kann nicht sein", wisperte er fassungslos.
„Doch. Harold Potter ist der, der sich als Voldemort ausgibt. Und weil dein Papa das nicht wollte, hat er sterben müssen", antwortete Lilien leise.
Geschlagen schloss Harry die Augen.
Es ergab Sinn.
Jetzt ergab es Sinn.
Warum hätte Voldemort, wenn er doch wirklich alle Muggelgeborenen hasste, seine Mutter hätte gehen lassen, seinen Vater aber nicht. Warum ein Reinblut töten und ein Schlammblut am Leben lassen?
Er hatte es nie verstanden.
Aber jetzt ergab es Sinn.
Voldemort hatte damals Lily Potter verschont, weil er seinen Sohn töten, aber ihn, Harry, haben wollte.
Er hatte nicht vorgehabt, ihn zu töten. Er hatte ihn mit sich nehmen wollen. Wohlmöglich um Harry zu seinem Nachfolger auszubilden.
Aber es ging schief.
Lily war nicht davongelaufen, wie er es ihr angeboten hatte.
Sie hatte ihn nicht alleine lassen wollen. Und damit mit ihrem eigenen Leben bezahlt.
Aber was war dann geschehen?
Wieso war die Narbe dann noch gewandert?
Er erinnerte sich an das grüne Licht. Das Licht des Avadas.
Gab es noch andere Zauber mit dieser Farbe?
Er musste es wissen.
„Daddy?", wisperte Jamie. Holte Harry so aus seinen Gedanken.
„Was ist denn, Jamie?" antwortete Harry mit belegter Stimme.
„Magst du deine Eltern kennen lernen?", wollte Jamie leise wissen.
„Kennen? Wie soll das möglich sein, Kleiner? Niemand kann Tote wiedererwecken", entgegnete Harry leise.
„Nicht wiedererwecken. Herbeirufen.
Lilien ist eine Seelenmagierin. Sie kann ein Ritual machen, um die Seelen von Oma Lily und Opa James für kurze Zeit ins Diesseits zu holen. Innerhalb des Ritualzirkels wäre es, als würden sie leben. Außerhalb des Zirkels sind sie Geister.
Aber Lilien darf sie nicht länger als zwei Stunden im Diesseits halten, sonst kann es passieren, dass Liliens Seele mit in den Tod gezogen wird", erklärte Jamie.
„Dann lassen wir es lieber", seufte Harry. „Auch wenn es sich toll anhören würde."
„Warum?", wollte Lilien verwirrt wissen.
„Weil ich für nichts und niemanden im Dies- oder Jenseits dein Leben in Gefahr bringen möchte, Liliana. Weder dich, noch deinen Bruder", erklärte Harry ernst und hauchte seiner künftigen Tochter einen Kuss auf die Stirn.
Mit leuchtenden Augen lehnte Lilien ihren Kopf zurück an Harrys Schulter.
„Bist du wahnsinnig?"
„Das Thema hatten wir, glaube ich, schon einmal."
„Hast du auch nur die geringste Ahnung, was dabei alles schief gehen kann?"
„Schlimmstenfalls ende ich als sabberndes, konfuses Häufchen, bestenfalls hab ich nur ein paar Tage lang Kopfschmerzen."
„Das ist nicht witzig."
„Siehst du mich lachen?"
„Warum?"
„Ich weiß jetzt, wer Tom all das in die Schuhe schiebt. Ich will nur wissen, warum. Und vielleicht hat er damals ja etwas gesagt. Etwas, an das ich mich nicht erinnern kann, aber sollte. Bitte, ich will es wenigstens versucht haben."
„Dabei sind die Striemen gerade wieder verschwunden."
„Wenn du nicht willst kann ich auch jemand anderen fragen. Ich bin sicher, Lucius wäre erfreut, mir helfen zu können."
„Schon gut. Ich mache es."
Zu Kapitel 9 – Teil 1
So, das war's für heute.
Zum Glück hat meine Beta mir das Kapitel noch zugeschickt. Ob sie morgen auch dazu kommt weiß ich allerdings nicht.
Ein ganz liebes Danke geht an wichtelfee für das 400te Review.
Und natürlich auch an alle anderen, die mir ein Review dagelassen haben.
Bis morgen (hoffentlich)
alika-chan
Zu Kapitel 9 – Teil 2
Hey ihr da draußen^^
Ich hab leider eine schlechte Nachricht. Da ich morgen den ganzen Tag im Sportheim bin, weil wir erst sauber machen und dann offen haben, wird es seeehr spät mit dem neuen Kapitel.
Ich gehe eher davon aus, dass ihr am 1. gleich zwei neue Kapitel bekommt. Einmal zwischen Mitternacht und zwei Uhr und das zweite dann wie gewohnt abends.
Hoffe mal, ihr seid nicht zu traurig darüber.
Ich wünsch euch auf alle Fälle schon mal einen guten, und gesunden, Rutsch ins neue Jahr.
LG
alika-chan
Zu Kapitel 9 – Teil 3
Ein frohes, neues Jahr!
Hat doch nicht so lange gedauert, wie vermutet. Na ja, ist trotzdem zwanzig vor eins, aber für Silvester noch relativ früh^^
Das nächste Kapitel kommt dann, wie versprochen, heute Abend^^
Bis dann
alika-chan
