Dieses Kapitel hier enthält (leider) nicht so viel Handlung, sondern sehr viel Dialog - aber derartige Kapitel werden die Ausnahme bleiben (versprochen ^_^).

Anmerkungen

°....° = jemand denkt

"...." = jemand sagt

{...} = in Basic gesprochen (Standardsprache der Neuen Republik bzw. des Imperiums)

Darth Saturn - The Dark Harvest

Teil 8

Als die Inneren Senshi erfuhren, daß Hotaru verschwunden war, waren sie ebenso besorgt wie ihre Zieheltern und Setsuna. Selbstverständlich beteiligten sich sofort alle Senshi mit Ausnahme von Ami, die ihre Rippenverletzungen von der Youma-Prügelei auskurieren mußte, an der Suche.

Ami machte sich auf andere Weise nützlich. Sie lud eine Karte des Gebiets, in dem Hotarus Wohnung und Schule lagen, in ihren Computer und koordinierte die Suche, indem sie den Senshi Suchmuster und Suchgebiete zuwies.

Gleichzeitig aktivierte sie ein Spezialprogramm, das den Funkverkehr von Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei überwachte. Sollten Meldungen über Hotaru - oder jemanden auf den ihre Beschreibung zutraf - auftauchen, würde sie es sofort erfahren.

Eine Sicherheit gab es wenigstens. Sailor Moon konnte spüren, wenn einer der Senshi starb. Sie hatte bis jetzt nichts gespürt, also war Hotaru zumindest am Leben.

Jacen saß auf Amis Bett und blätterte in einem von Amis Büchern. 'Eine kurze Geschichte der Zeit' von einem Mann namens Hawking. Er fand es sehr interessant, und Ami fand interessant, daß er offenbar Physik interessant fand.

"So. Ich habe allen ihre Suchgebiete zugeteilt." seufzte sie und drehte sich mit ihrem Stuhl herum.

"Ich hoffe, eurer Kameradin ist nichts zugestossen."

"So wie wir alle." Ami versuchte, unbeschwert und zuversichtlich zu klingen.

"Es ist schon seltsam." fügte sie nach ein paar Augenblicken des Schweigens hinzu. "Da kämpft man gegen Dämonen und böse Hexen, wobei man jederzeit sterben könnte. Irgendwie erscheint mir nach den Dingen, die jede von uns überlebt hat, der Gedanke, Opfer eines gewöhnlichen Verbrechens zu werden so unwirklich."

Jacen nickte verstehend. "Normale Menschen werden das Opfer von Verbrechen - Senshi werden das Opfer übernatürlicher Bösewichte."

"Das bringt es wohl auf den Punkt."

"Bis jetzt gibt es keinen Anhaltspunkt für ein Verbrechen."

"Es gibt aber auch keinen, der gegen eins spricht."

"Das stimmt." gab er ihr Recht. "Aber es bringt nichts, deshalb gleich das ungünstigste Szenario für das Wahrscheinliche zu halten. Diese Gedanken lähmen nur deinen Geist."

Ami grinste schief. "Bist du sicher, daß du kein Prister bist ?"

Er zuckte mit den Schultern.

"Der Jedi-Glaube wird vielerorts als Religion aufgefasst, also kann man es möglicherweise so sehen, daß ich als ausgebildeter Jedi eine Art Priester bin."

"Und dann liest du naturwissenschaftliche Bücher ?"

"Was ist daran falsch ?" fragte er verständnislos. "Wissen und Glaube sind zwei Dinge, die sich ergänzen. Keine Gegensätze. Und außerdem interessiere ich mich sehr für die Naturwissenschaften. Nur hat mir meine intensive Jedi- Ausbildung nicht die Zeit gelassen, mich so intensiv mit anderen Dingen zu befassen."

"Hast du keine Schule besucht ?"

"Ich hatte Privatlehrer." antwortete er. "Viele Dinge hat mir auch mein Onkel Luke an der Akademie beigebracht. Und natürlich haben wir Schüler uns gegenseitig unterrichtet."

"Eine interessante Methode."

Jacen nickte zustimmend.

"Darf ich dich mal was fragen, Ami ?"

"Klar."

"Wo bekomme ich andere Kleidung her ? Es ist ja bald dunkel und ich muß mir noch einen Schlafplatz suchen."

"Du glaubst doch nicht, daß ich dich draußen in irgendeinem Hinterhof schlafen lasse, oder ?" fragte Ami überrascht. "Oder hast du was gegen mich, daß du hier wegwillst ?"

"Nein ! Natürlich nicht !" antwortete er mit überraschender Heftigkeit, beruhigte sich aber schnell wieder. "Ich meine du hast schon so viel für mich getan..."

"Dummkopf." unterbrach sie ihn. "Du hast mir vermutlich das Leben gerettet."

"Kleinigkeit." wiegelte er ab. "Dafür erwarte ich keine Dankbarkeit."

"Ich BIN aber verdammt noch mal dankbar !" fuhr sie ihn an. Dann errötete sie und senkte verlegen den Blick. Es war normalerweise gar nicht ihre Art, Leute so anzufahren, und gegenüber einem Gast war das kein gutes Benehmen. "Ich schulde dir was, und ich bitte dich, mir die Chance zu geben, diese Schuld zu begleichen." fügte sie ruhiger hinzu. Jacen seufzte.

"Also gut. Was hast du vor ?"

Ami lächelte zufrieden.

"Ich habe mit meiner Mutter telefoniert. Anders als die Familien der anderen Senshi ist meine Mutter eingeweiht in mein kleines Geheimnis."

"Ich wette sie ist ziemlich stolz auf dich."

"Ist sie." bestätigte Ami. "Ich habe ihr dein Problem beschrieben, und sie ist einverstanden, dich bei uns aufzunehmen, bis wir einen Weg finden, dich in deine Heimat zurückzuschicken."

"Wie soll ich das wieder gutmachen ?" fragte er mit belegter Stimme.

"Oh, das war ja noch nicht alles." Ami grinste breit. "Du bist mit deinen Eltern viel durch die Welt gereist, doch sind sie bei einem Feuer ums Leben gekommen. Du bist der einzige Überlebende und deine gesamten Papiere sind leider ebenfalls verbrannt. Nun wurdest du in die Obhut deiner einzigen noch lebenden entfernten Verwandten gegeben."

"Ich verstehe nicht - glaub ich."

"Morgen werden wir mit dieser Geschichte zur Stadtverwaltung gehen, Jacen, und dort wirst du gültige Papiere erhalten." erklärte ihm Ami. "Und aufgrund deines Alters wirst du zur Schule gehen müssen."

"Schule ?"

"Juuban High School um genau zu sein. Wenn du Glück hast, kommst du sogar mit mir und den anderen Senshi in eine Klasse." Ami freute sich schon darauf. "Sobald wir deine vorläufigen Papiere haben, werden wir dich an der Schule anmelden. Dann machst du einen Aufnahmetest, und schon bist du Schüler."

"Aber wie soll ich diesen Test denn bestehen ?" fragte er skeptisch. "Ich habe doch keine Ahnung, was ihr bisher in der Schule gelernt habt."

"Oh." Amis Freude wich trauriger Erkenntnis. "Daran hatte ich im Eifer des Gefechts gar nicht gedacht." Sie schaute ihn nachdenklich an. "Und dir das bis morgen beizubringen ist wohl kaum möglich, oder ?"

"Nicht ganz." entgegnete er vorsichtig.

"Was heißt das ?"

"Es gibt eine Jedi-Technik, mit der man die Gedanken anderer Leute lesen kann." erklärte er. "Damit könnte ich mir das nötige Wissen direkt aus deinem Kopf holen - natürlich nur mit deiner Erlaubnis."

"Du klingst allerdings nicht sehr begeistert." merkte Ami an.

"Es gibt Techniken, die erlaubt sind, und es gibt Techniken, deren Anwendung verboten ist." antwortete er. "Diese Technik liegt haarscharf auf der Grenze."

"Und warum sind manche Techniken verboten ?"

"Ihre Anwendung ist gefährlich."

"Oh, ich denke, das Risiko von Kopfschmerzen gehe ich ein."

"Nicht gefährlich für dich." stellte er bedrückt klar. "Sondern gefährlich für mich."

Ami sah ihn fragend an.

"Ein Jedi hat sehr große Macht."

"Das habe ich gesehen."

Jacen schüttelte den Kopf.

"Was du gesehen hast war nur ein Bruchteil von der Macht, über die ich rede." widersprach er. "Und mit der Macht wächst auch die Verantwortung des Jedi was den Umgang mit dieser Macht betrifft."

"Das verstehe ich."

"Nun verwendet der Jedi die Macht in der Regel jedesmal zu einem ganz bestimmten Zweck, aber NIEMALS zur Erlangung eines persönlichen Vorteils. Manche Techniken jedoch bergen in sich die Gefahr, durch häufige Anwendung diese Trennlinie zu verwischen und die Gedanken des Jedi zu korrumpieren."

"Das verstehe ich nicht ganz."

"Ein Beispiel: Wenn ich sehe, wie ein Räuber einen Passanten überfällt, könnte ich die Gedankenmanipulationstechnik einsetzen, um den Räuber an seiner Tat zu hindern und sein Opfer zu retten. Und mit derselben Leichtigkeit könnte ich in eine Bank gehen und den Kassierer dazu bringen, mir eine große Menge Geld auszuzahlen und den Vorgang danach zu vergessen. Oder ich könnte mir in der Schule gute Noten sichern, indem ich die Antworten auf alle Fragen aus dem Kopf des Lehrers lese."

Ami nickte nachdenklich.

"Ich glaube, ich verstehe jetzt. Du hast Angst vor der Versuchung, deine Fähigkeiten auf unangemessene Art und Weise einzusetzen."

"Ja. Denn das ist der erste Schritt auf dem Weg zur Dunklen Seite der Macht."

Ami erschauerte. Sie kannte zwar die genaue Bedeutung nicht, aber 'Dunkle Seite der Macht' klang nicht gerade sehr ansprechend.

"Ein Jedi, der nicht aufpasst, kann leicht auf diesen Pfad geraten, und wenn dies erst geschehen ist, ist es fast unmöglich, den Weg zurück zu finden."

"Was geschieht in diesem Fall?"

"Zu Zeiten der Alten Republik wäre er von anderen Jedi gejagt und getötet worden." erklärte Jacen.

Ami stockte der Atem.

"Das ist aber ziemlich extrem."

"Wenn du bedenkst, daß ein einzelner Dunkler Jedi die Macht hat, eine ganze Welt zu unterwerfen, würdest du das anders sehen." entgegnete Jacen ruhig. "Es waren nur zwei Dunkle Jedi nötig, um die gesamte Alte Republik, eine Vereinigung von hunderten von Welten, zu zerschlagen und an ihrer Stelle eine brutale, rassistische Militärdiktatur zu errichten - das Imperium."

"Und dieses...Imperium gibt es nicht mehr ?"

"Nein. Der tapfere Widerstand einiger Weniger, die für Freiheit und Gleichberechtigung aller Spezies kämpften, war nötig, um in jahrelanger Arbeit das Imperium zu vernichten. Meine Eltern und mein Onkel hatten einen gewissen Anteil an diesem Erfolg."

Ami bedeutete ihm interessiert, fortzufahren.

Jacen seufzte ergeben und begann mit seiner Erzählung.

Er begann mit der Festnahme seiner Mutter Leia durch den finsteren Darth Vader über Tatooine. Dann erzählte er, wie sein Onkel Luke Han Solo angeheuert und mit ihm gemeinsam seine Mutter vom ersten Todesstern befreit hatte. Er erzählte der geschockten Ami von der Vernichtung Alderaans durch diese imperiale Superwaffe und davon, wie sein Onkel die Raumstation durch einen simplen Protonentorpedo zerstört hatte. Er berichtete von der Schlacht auf dem Eisplaneten Hoth, der Flucht und späteren Gefangennahme seines Vaters durch den Kopfgeldjäger Bobba Fett, der Befreiungsaktion - wiederum durch Onkel Luke - die das Leben eines Gangsterbosses namens Jabba kostete, und auch von der Vernichtung des zweiten Todessterns, bei der der Imperator den Tod fand.

"Mein Onkel hat am Beispiel Darth Vaders bewiesen, daß es möglich ist, einen Dunklen Jedi wieder auf den richtigen Weg zurückzubringen, und darum versuchen wir, auch anderen Dunklen Jedi eine Chance zu geben sich zu ändern." schloß er seinen Bericht.

Ami stellte erstaunt fest, daß es schon mitten in der Nacht war. Dennoch war sie kein bißchen müde.

"Dieser Vader muß für deinen Onkel eine große Bedeutung gehabt haben, wenn er so sehr daran geglaubt hat, ihn zum Guten bekehren zu können." meinte Ami ergriffen. "Ich meine, Vader hat andere Jedi gejagt und getötet, und er hat mehrfach versucht, ihn zu töten."

Jacen lächelte ein wenig schwermütig.

"Vader war sein Vater."

Ami verlor jegliche Fassung.

"Sein...Vater ?"

"Er war einst ein vielversprechender Jedimeister, doch unglückliche Umstände und Manipulationen brachten ihn vom Weg ab." erklärte Jacen. "Und wie mein Onkel später herausfand, hat Vader nie wirklich versucht, ihn zu töten."

"Nicht ?"

"Nein. Mein Onkel traf Jahre später auf einer Welt namens Dathomir auf eine Gruppe böser Frauen, die stark in der Macht waren, und die es wirklich darauf angelegt haben, ihn mit der Macht zu töten."

"Und ?"

"Zu dem Zeitpunkt war er wesentlich versierter im Umgang mit der Macht als während seiner Zusammentreffen mit Vader, aber trotzdem hätten ihn die Hexen fast getötet. Und Vader war mindestens so fähig wie die Machthexen, woraus sich ergibt, daß mein Onkel keine Chance gehabt hätte, wenn Vader wirklich ernst gemacht hätte."

"Klingt einleuchtend." gab Ami ihm Recht. "Und was geschah nach dem Tod des Imperators?"

"Das Imperium zerfiel in mehrere Territorien, die von lokalen Kriegsherren regiert wurden, die davon träumten, das Imperium wiederherzustellen. Es dauerte noch über zwanzig Jahre, bis der Krieg beendet war."

"Oh."

Ami ging zu einem Schrank und holte einen Futon und Bettzeug heraus. Beides breitete sie auf dem Boden vor ihrem Bett aus.

"Falls du ins Bett willst." erklärte sie auf seinen fragenden Blick hin.

Er nickte zustimmend. Dann stand er auf, legte den Bademantel ab und verschwand unter der Bettdecke. Ami fielen plötzlich wieder die Bemerkungen ihrer Freundinnen zum Thema 'Jacen im Adamskostüm' ein, und mit leicht geröteten Wangen legte sie sich in ihr Bett. Dann machte sie das Licht aus.

"Jacen ?"

"Ja ?"

"Erzählst du mir davon, wie der Krieg weiterging ?"

"Jetzt ?"

"Ja."

"Bist du noch nicht müde ?"

"Nein. Und du ?"

"Nein. Aber ich schätze, ich werde auch morgen früh noch nicht fertig sein."

"Erzähl einfach so weit wie möglich."

"Meinetwegen. Aber warum willst du das auf einmal alles wissen ?"

"Ich möchte einfach mehr über die Umstände erfahren, die dich zu dem gemacht haben, der du heute bist."

"Und warum ?"

"Einfach nur so."

"Na schön. Aber dann erzählst du mir morgen Nacht die Geschichte der Senshi, okay ?"

"Okay."

"Insbesondere deine Geschichte."

"W-wieso...meine Geschichte ?" Amis Stimme verrieten sowohl Überraschung als auch Verwirrung.

"Ich bin einfach neugierig auf die Hintergründe des Mädchens, mit dem ich im Moment zusammenlebe."

"Oh." Mehr brachte das sonst so kluge Mädchen nicht heraus. "Erzählst du nun endlich ?"

"Klar."

Dann begann Jacen zu erzählen, wie es nach dem Tod des Imperators weitergegangen war. Die Kämpfe mit Admiral Thrawn und dem Dunklen Jedi Joruus C´baoth, die Jagd seines Vaters auf den imperialen Kriegsherrn Zsinj und die Vereitelung der vielen komplexen Intrigen und Pläne, mit denen Zsinj es teilweise fast geschafft hatte, die junge Neue Republik in ihren Grundfesten zu erschüttern. Oder auch das Abenteuer mit dem Geist des vor langer Zeit gestorbenen Sithlords Exar Kun, der Schüler der Jedi-Akademie zur Dunklen Seite bekehrt und sogar Luke in eine lebensbedrohliche Starre versetzt hatte. Damals hatte Jacen zusammen mit seiner Schwester Jaina den starren Leib ihres Onkels gegen finstere Kreaturen verteidigt. Beide waren sie damals noch kleine Kinder gewesen, und für beide war es das erste Mal gewesen, daß sie Lichtschwerter in Händen gehalten hatten. Dennoch hatten sie es geschafft, das Leben ihres Onkels zu schützen.

Als er schließlich an dem Punkt angelangt war, an dem die verbliebenen imperialen Systeme Friedensverhandlungen angeboten hatten, war es neun Uhr morgens.

Amis Mutter hatte ihre Tochter wegen ihrer Rippenverletzung in der Schule entschuldigt, so daß sie an diesem Tag ruhig länger im Bett bleiben konnte.

Es hatte zwar einer gewissen Willensanstrengung bedurft, wachzubleiben, aber die grandiosen Abenteuer und Geschehnisse, von denen Jacen ihr berichtet hatte, waren den Verzicht auf Schlaf Wert gewesen. Und wenn sie ihn richtig verstanden hatte, war das längst nicht alles gewesen, was er erzählen konnte. Im Laufe des Tages, so hatte er versprochen, würde er ihr noch von seiner Ausbildung und einigen seiner Missionen als Jedi berichten.