Aus Traum wird Albtraum
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
Als sie wieder zu ihm aufblickte, war er verschwunden. Genauso wie die warme Atmosphäre, die Große Halle, ihre Freunde und damit auch die Sicherheit, in der sie bis dahin gelebt hatte. Die Vergangenheit.
Als sie realisierte, dass es wirklich so war… Dass es ihre Erinnerungen an das sechste Jahr waren, von denen sie geträumt hatte, kehrte alles andere schlagartig in ihr Bewusstsein und den geschundenen Körper zurück.
Die bittere Gewissheit über die Dinge, die im letzten halben Jahr passiert waren. Allen voran was vor vier Tagen über sie hereingebrochen war. Wie sie in diese fürchterliche Situation der Gefangenschaft geraten war. Eine, die mit einer unmenschlichen Folter einherging, sodass sie den Tod herbeisehnte.
Sie war allein im Kerker von Malfoy Manor, in welches die Greifer sie geschleppt hatten. Sie konnte nur hoffen, dass ihr kleiner Trick aufgegangen war und diese schrecklichen Typen Harry und Ron nicht in die Finger bekommen hatten. Aber da sie nicht hier waren und man stattdessen sie so furchtbar quälte, um an brauchbare Informationen, und damit an Harry heranzukommen, schienen die Beiden noch frei zu sein.
Sie hatte gut daran getan so zu handeln, wie sie gehandelt hatte, auch wenn ihr selbst das diese entsetzliche Situation beschert hatte.
- Es war vor vier Tagen gewesen. Ron hatte nach seinem Wutausbruch wieder zu ihnen zurückgefunden und mit Harry zusammen das Schwert von Godric Gryffindor aus einem kleinen See geborgen. Mit Hilfe dessen hatten sie es geschafft, das Medaillon von Salazar Slytherin, einen der Horcruxe, zu zerstören.
Ron hatte ihnen zudem einiges zu erzählen gehabt. Allen voran von dem Radiosender PotterWatch, auf dem Lee Jordan die Leute mit der Wahrheit, Tipps, Tricks und allem, was wichtig für den Widerstand war, auf dem laufenden hielt. Sie hatten darüber gesprochen, bis Harry den fürchterlichen Fehler gemacht hatte, IHN, in seiner Rage, beim Namen zu nennen. Nur Sekunden später waren die Greifer gekommen und hatten sie in ihrem Zelt eingekreist. Sie hatten nicht weg gekonnt.
Doch anstatt sich zu wappnen, hatte sie in ihrer Panik den beiden Jungs den Tarnumhang übergeworfen, um Harry vor ihren Gegnern zu verstecken, damit er IHM nicht in die Hände fiel. Denn wenn das passierte, wäre alles vorbei. Ihre Suche nach den restlichen Horcruxen, wie auch die minimale Chance, diese Dunkelheit abzuwenden und damit den Krieg für sich zu entscheiden.
Sie selbst hatte nur noch schnell nach ihrem Zauberstab greifen können, als die Kopfgeldjäger auch schon drin waren, sie entwaffnet und überwältigt hatten. Sie hatten nach Harry gesucht und am Ende ihre Finte gefressen, als sie panisch auf eine Ecke des Zeltes gesehen hatte, aus der man noch raus konnte.
Ihre Gegner hatten den Köder geschluckt und im Wald nach den Beiden gesucht. Nur war der eine, der sie in seiner Gewalt hatte, mit ihr auf direktem Weg nach Malfoy Manor appariert. Dort hatte er sie an diese Irre übergeben, mit den Worten, dass sie mit Harry unterwegs war, was ohnehin die halbe magische Bevölkerung Großbritanniens wusste. Allen voran Lucius Malfoy, der sie sofort erkannt hatte. Potters beste Freundin. Das Schlammblut. Ein guter Fang für den Anfang, wenn auch nicht der Hauptgewinn.
Damit hatte es angefangen. Die ganze Folter. Man hatte versucht etwas aus ihr herauszukitzeln. Irgendwie hatte sie es aber noch geschafft, sich ein wackliges Lügenkonstrukt aufzubauen, um den beiden Jungs auf ihrer Suche nach den Horcruxen wenigsten etwas den Rücken freizuhalten.
Es war eine Lüge, die die Death Eater geschluckt hatten, was jedoch nicht hieß, dass diese Monster sie in Frieden ließen oder wenigstens die Gnade besaßen, sie schnell zu töten. Nein, im Gegenteil. Der irren Lestrange schien es wirklich Spaß zu machen, sie bis in die Bewusstlosigkeit zu foltern und selbst dann hörte sie nicht auf.
Man hatte sie wieder und wieder mit dem Cruciatus und anderen Flüchen belegt. Sie, das Schlammblut. Bellatrix wusste sie dann noch mehr zu brandmarken, indem sie ihr, in ihrem Wahnsinn, dieses Wort mit einem Messer in den linken Unterarm geritzt hatte. Als sie es getan hatte, hatte Hermione, zu den Schmerzen des Cruciatus, noch zusätzlich ein fürchterliches Feuer befallen, was sie selbst jetzt noch unermesslich in ihren Venen brennen spürte. Allen voran an der Wunde am Arm.
Anfangs hatte die Gryffindor noch darauf gehofft, dass Harry und Ron irgendwie einen Weg fanden, um sie aus dieser Hölle zu befreien. Doch nichts passierte. Sie blieb allein und wurde seit vier Tagen mit allen möglichen Flüchen gefoltert, sodass sie immer wieder glaubte, den Verstand zu verlieren. Etwas, was ihr, mit jeder Minute mehr, die sie dem ganzen Wahnsinn hilflos ausgesetzt war, immer reizvoller und verführerischer erschien. Doch es geschah nie. Stattdessen fanden diese Monster immer neue Wege sie zu quälen. Allen voran die beiden Gorillas Crabbe und Goyle.
So hatte man sie gestern, mit Anbruch der Nacht, wie Dreck zurück in den Kerker geworfen, in dem sie halb bewusstlos auf dem kalten, blutig feuchten Steinboden gelegen hatte. Nur ein paar Stunden später, waren die Zwei bei ihr aufgetaucht, um sie ihrerseits noch zusätzlich zu quälen. Sie hatten sie nicht einfach nur gefoltert, sondern sich zudem einen Spaß daraus gemacht, sie zu missbrauchen.
Sie hatte keinerlei Kraft mehr gehabt, sich gegen all das zu wehren. Ja selbst schreien konnte sie nicht mehr. Stattdessen war ihr nur noch ein schmerzliches Wimmern, mit den nicht versiegen wollenden Tränen, über die Lippen gekommen, bis sich irgendwann nochmal die Tür geöffnet hatte und Malfoy in den Kerker getreten war.
Nicht er auch noch, hatte sie verzweifelt gedacht, doch er hatte die beiden Monster, warum auch immer, von ihr weggezerrt und aus diesem Loch gejagt. Er hatte sie halb angeschrien, wie widerlich und notgeil sie wären. Dass sie, wenn sie es so dringend nötig hätten, zu Parkinson gehen sollten. Das aber wäre abartig. Davon abgesehen bräuchten sie das Schlammblut wenigstens noch halbwegs lebendig, um einen Anreiz für Potter zu haben.
Damit war er hinter ihnen aus dem Kerker verschwunden, hatte kurz zuvor allerdings noch zu ihr gesehen. Und das mit einem Blick, der nur so vor Abscheu getrieft hatte. Sie hatte sich daraufhin schluchzend zusammengerollt und die halb zerfetzten Kleider um den geschändeten Körper geschlungen.
Verdammt, sie konnte nicht mehr. Das gestern mit den beiden Hohlkörpern hatte das Fass zum überlaufen gebracht. Sie wollte nur noch sterben. Sie wollte, dass all das endlich ein Ende nahm, denn helfen könnte und würde ihr ja doch niemand.
Auf den Gedanken kam ihr mit der Zeit wieder die Schattengestalt in den Sinn, die sie geglaubt hatte zu sehen. Dieser Jemand, der versprochen hatte, ihr zu helfen. Doch hatte er das wirklich? War tatsächlich jemand bei ihr gewesen und hatte sich um sie bemüht, oder hatte sie sich das in ihrer Verzweiflung und der halben Bewusstlosigkeit am Ende nur eingebildet?
Wahrscheinlich, denn… Wer von diesen fürchterlichen Gestalten, die um sie herum waren, würde ihr schon helfen? Einem Schlammblut? Zwar kam ihr kurz Snape in den Sinn, doch verwarf sie den Gedanken gleich wieder, denn er hatte kaltschnäuzig Dumbledore getötet, als Malfoy gezögert hatte. Harry hatte es gesehen, als er bewegungsunfähig auf dem Astronomieturm verharrt hatte.
Nein, Snape würde ihr genauso wenig helfen, wie sonst eines dieser Monster. Sie war allein mit sich und ihrem Leid. Eines, was mit dem Klack der Tür erneut begann. In dieser standen zwei Death Eater, um sie ein weiteres Mal in den Salon zu schleifen, in der Hoffnung, dass sie heute etwas gesprächiger war.
„Nein … nein …", wimmerte Hermione verzweifelt auf den Anblick der beiden Schauergestalten. Nicht nochmal. Nicht schon wieder. Sie sollten endlich damit aufhören. Sie sollten sie töten, doch nichts dergleichen trat ein. Stattdessen begann das grausame Spiel der letzten vier Tage, und damit ihre ganz persönliche Hölle, von vorn.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
Es war spät am Abend, mehr schon frühe Nacht, als sich die schwere Kerkertür öffnete, in der zwei dunkle Gestalten erschienen. Zwischen sich hielten sie das inzwischen bewusstlose Mädchen, was sie an den Armen hinter sich her zerrten und den scheinbar leblosen Körper, wie Dreck, mit einem selbstzufriedenen Grinsen, auf den schmierig, kalten Steinboden warfen. Nur einen Augenblick später fiel die mächtige Eisentür ins Schloss, womit für eine Stunde eine beinahe tödliche Stille einkehrte, die jedes noch so leise Geräusch wie einen Kanonenschlag in dem Steingemäuer widerhallen ließ. So auch das plötzlich erneut dumpfe Zuschlagen der schweren Tür, was Hermione schwach blinzeln ließ.
Inzwischen hatte sie nicht einmal mehr die Kraft den Kopf zu heben, um zu sehen wer oder was da kam. Ihr Geist hatte mittlerweile die Grenzen seiner Belastbarkeit erreicht, sodass sie nichts anderes mehr wahrnahm, außer ein Gefühl. Schmerz. Ihr Hirn kannte nur noch diesen einen Reiz. Dieses eine Signal, welches es unaufhörlich in ihren Körper sendete. Dieser wurde ruppig auf den Rücken gedreht, was ihr ein schmerzvolles Stöhnen entlockte.
Wenig später spürte sie ein paar kalte Hände, die ihr recht brutal die bereits halb zerfetzten Kleider zur Gänze vom Leib rissen und diesen damit vollkommen entblößten. Kurz darauf ging ein tiefes, gieriges Raunen durch den Kerker, mit dem sich diese groben, großen Hände schmerzhaft auf ihren geschunden Körper legten und hungrig darüber glitten. So lange, bis sie auf ihren Brüsten lagen, die ihr die dunkle Gestalt gewaltsam zusammendrückte.
Hermione kam nur noch ein leises, schmerzliches Wimmern über die blutig, rissigen Lippen. Für mehr hatte sie keine Kraft mehr. Sie war zu geschwächt, um zu schreien oder sich gar gegen den erneuten, brutalen Missbrauch zu wehren.
Scheinbar erst nach 1'000 Stunden, so hatte sie das entsetzliche Gefühl, öffnete sich ein weiteres Mal die Tür. Kurz darauf hörte sie, ähnlich wie am Vortag, aufgebrachtes Geschrei, womit diese abscheuliche Art der Folter endlich ein Ende nahm.
„Was denkst du, was du hier tust?!", keifte Draco Lucius nicht einfach nur wütend, sondern mehr noch verhasst an, als er ihn hoch und damit von Hermione wegzerrte, die nur ein schwaches Blinzeln zustande brachte. In der nächsten Sekunde stieß Draco seinen Vater energisch mit dem Rücken voran an eine der feuchtkalten Steinwände des Kerkers.
„Wie pervers bist du eigentlich? Hast du überhaupt kein Rückgrat? Keinen Stolz? Du bist so widerlich abartig. Du -" In dem Moment fing sich Lucius und fand zu seiner gewohnten Kälte zurück.
Er stieß Draco von sich und hielt ihm warnend den Zauberstab unters Kinn, direkt an die Kehle. Die grauen Augen seines Sohnes funkelten ihn nur verachtend, zornig, schon fast mordlüstern an.
„Noch ein Wort…", drohte Lucius und funkelte ihn seinerseits warnend an, ihn nicht noch weiter zu beleidigen und zu beschimpfen, es würde ihm nicht bekommen. Zwar hielt Draco die Klappe, starrte seinen Vater aber weiter auf diese Art und Weise an.
Als Lucius sich sicher war, dass nichts mehr von ihm kommen würde, steckte er seinen Zauberstab weg, richtete sich etwas die Kleider und verließ, als wäre nichts gewesen, den Kerker.
Draco verharrte noch kurz dort und sah seinem Vater giftsprühend hinterher, ehe er den Blick zittrig leicht nach hinten auf das misshandelte Mädchen legte.
Damit nahm das Funkeln in seinem Blick noch mehr Tiefe an, bevor er sich von ihr los riss und ebenfalls den Kerker verließ. Dessen Tür verriegelte sich von allein, kaum dass der letzte Besucher gegangen war. Doch selbst wenn nicht, wäre Hermione auch so nie mehr aus dieser Dunkelheit entkommen, in welche sie ihre Schmerzen ein weiteres Mal trieben. Die Körperlichen, so aber auch zunehmend die tief Seelischen.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
Inzwischen war es tiefste Nacht, als sich scheinbar wie von Geisterhand die Tür des Kerkers erneut öffnete und eine einzelne Gestalt hinein huschte. Ohne zu zögern trat der Schatten auf die gequälte Seele zu und ließ sich neben ihr nieder.
Mittlerweile lag die Hexe zu einem Ball zusammengerollt auf der Seite. Sie zitterte schwach und auch so war sie, von den ganzen blauen Flecken und übrigen Verletzungen abgesehen, bleich. Ihr Körper vermochte kaum noch Wärme zu erzeugen, dem der stille Besucher jedoch gleich entgegenwirkte, indem er ihr die alte Decke über legte und das schwerverletzte Mädchen so behutsam wie möglich in diese hüllte.
Als er sie im Anschluss zu sich nahm und von dem kalten Boden hob, entwich ihrer Kehle ein schmerzliches Stöhnen und Wimmern, bevor ihre Lider flatterten und sie schwach blinzelte.
Hermione hatte keine Ahnung, was passiert war. Wo sie war oder was kam. Sie war nicht wirklich im Hier und Jetzt, sondern mehr in einer anderen Welt. Einer kalten Welt, die scheinbar nur noch Schmerz für sie übrig hatte. Doch war dem wirklich so? Sie bekam es nicht mehr richtig definiert, dennoch war es ihr so, als wäre weit, weit weg ein kleiner Funken Wärme übrig geblieben. Etwas Frieden, Sicherheit, wie auch eine leise Geborgenheit.
„… Hermione?", glaubte sie unendlich weit weg, wie durch Wasser, ihren Namen zu hören. Doch wer rief sie? Wer würde sie hier rufen? Wer würde sie beim Namen nennen? Ein Name, der ihr seltsam sorgenvoll in den eigenen Ohren nachklang.
„Hey?", hörte sie die Stimme nochmal. Mehr noch, denn da war nun wirklich etwas Wärme, die sich auf ihrer zerkratzen, leicht blutigen Wange auszubreiten begann.
Da war etwas. Jemand. Es war eine warme, weiche Hand, die sie sanft streichelte. Damit verbunden schwach noch etwas anderes, was ihren gemarterten Geist ein ganz klein wenig weckte. Doch noch bevor sie fähig war weiter darüber nachzudenken, spürte sie etwas Kaltes, Glattes an den zittrig, blauen Lippen. Glas. Eine kleine Phiole, die einen milden, süßlichen Duft verbreitete.
Honig, entsann sie sich schwer, als ihr der Schatten die Essenz behutsam einträufelte, die sie diesmal widerstandslos schluckte. Als auch der letzte Tropfen ihre Kehle hinab ran, spürte sie die warmen Arme der Gestalt noch stärker, die sie richtig umschloss und ganz nah bei sich hielt. Auf diesem Weg spendete er ihrem gequälten, zitternden Körper etwas Wärme, die sich mit der Zeit auch in ihrem Innern ausbreitete, als die Essenz erneut ihre Wirkung tat.
Sie dämmte den noch immer so fürchterlichen Schmerz des Cruciatus auf ein halbwegs erträgliches Maß ein. Weit genug, dass ihr Empfinden noch andere Gefühle zuließ, die bis dahin von diesem Einen restlos erstickt wurden. Jetzt spürte sie diese Dinge wieder mehr.
Sie war halb am Verdursten, hatte Hunger und fror entsetzlich, denn sie begann noch mehr zu zittern, trotz der eben scheinbar noch so übermächtigen Wärme des Schattens. Auch klärten sich die von Schmerz, Leid und einem stetig steigenden Fieber zerfressenen Augen ein wenig, sodass sie versuchte zu sehen, was sie spürte. Glaubte zu spüren.
Es war jemand bei ihr. Es war tatsächlich jemand bei ihr. Sie hatte sich das am Vorabend nicht nur eingebildet. Diese Schattengestalt war real. Und als diese, legte sie Hermione noch einen kleinen Becher an die Lippen und ließ sie eines der plötzlich so dringenden Bedürfnisse stillen. Sie glaubte die Gestalt immer wieder kaum hörbar „Aguamenti" murmeln zu hören, jedes Mal, wenn der Becher andeutungsweise leer wurde.
Erst als sie gefühlte 100 Liter getrunken und ihren Durst gestillt hatte, drehte sie den Kopf erschöpft zur Seite, womit er den Becher in seinem Umhang verschwinden ließ. Im Gegenzug nahm er sie wieder mehr zu sich. Er hielt sie schützend in den Armen und strich ihr behutsam über den Kopf, durch die blutverschmierten Haare.
Mit dieser Geste schloss sie bitter die gequälten Augen, denn mit der schwachen Linderung ihrer Schmerzen, die das Mittel bewirkt hatte, kam die kalte Realität gänzlich zurück.
Ihr Kopf klärte sich weit genug, um alles was war, erneut deutlich vor Augen zu haben. Ihre Gefangenschaft, die stetige Folter, mit all den Misshandlungen. Vor allem die brutalen Vergewaltigungen. Diese Ausweglosigkeit, womit sie aufs Neue eine tiefe Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung befiel.
Das alles, es trieb ihr verstärkt die Tränen aus den Augen, dem nur einen Moment später die ersten Schluchzer folgten, bevor sie fürchterlich zu weinen begann.
Sie wollte nicht, da ihr hinterher nur wieder mehr weh tun würde, nur gehorchte ihr Körper ihr schon lange nicht mehr, genauso wie ihr Geist, sodass ihr die Tränen am Ende unaufhörlich kamen.
Mit diesen suchten sich ihre Hände schwach einen Weg unter der Decke hervor. Suchend, nach etwas Halt, der eigentlich nur wenige Zentimeter entfernt war. Hermione kam es jedoch wie Meilen vor, bis ihre Finger zittrig Stoff berührten.
Da war etwas Wollig-Weiches. Ein Pullover, in den sie versuchte, ihre Finger zu krallen, um sich der Gestalt noch mehr zu nähern. Diese zögerte kurz, schloss sie dann aber fester in die Arme, sodass sie schließlich mit dem Kopf an seiner Schulter lag, in die sie ihm schier verzweifelt weinte.
„Sch", hauchte der Schatten daraufhin beruhigend und legte seine Hand an ihren Hinterkopf. Er strich mit den Fingern tröstend durch ihre Haare und kraulte sie behutsam. Es war nur eine kleine, feine Geste, die jedoch etwas furchtbar Vertrautes an sich hatte. Es ließ ein Gefühl von Zuwendung zurück, welches im Kommenden sogar noch ein wenig stärker wurde.
Wie schon in der vergangenen Nacht, spürte sie erneut diese warmen, weichen Lippen, die sie sanft auf die fiebrige Stirn küssten. Einmal, zweimal, dreimal, ehe sie zu ihrem Ohr wanderten.
„Ich hol dich hier raus. Versprochen. Ich lass mir was einfallen. Halt noch ein bisschen aus", flüsterte er aufmunternd, wie auch fest entschlossen, bevor er seine Umarmung verstärkte und das Gesicht halb in ihrem verfilzten Schopf vergrub.
„Es wird alles wieder gut", versicherte er ihr, was sie allerdings nicht mehr glauben konnte. Dafür war zu viel passiert. Dafür war die Dunkelheit bereits zu groß geworden, weshalb sie ihm weiter in die Schulter weinte, bis sie die Erschöpfung einholte.
Sie versank erneut in einem Dunkel, welches von dieser beruhigenden Wärme begleitet wurde, an die sie sich eisern klammerte…
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
